Josef Lieven

Neue Pfarrei und Kirchengemeinde St. Josef

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| Beitrag in Arbeit!!!! |

Ausführungen von Pfarrer Heinz Philippen im Pfarrbrief Dezember 2025:

Liebe Mitchristen im Pastoralen Raum Linnich/Titz!

„Gott ruft sein Volk zusammen..“ – so singen und beten wir. Alle Getauften und Gefirmten gehören zum Volk Gottes, das sich regelmäßig an bestimmten Orten versammelt, um den Glauben zu feiern, zu bezeugen und zu verkünden.

Verstand – und uns miteinander auf den Weg machen zu den orten, an der

sich das Volk Gottes versammelt. Dazu lade ich alle herzlich ein.

Mein aufrichtiger Dank gilt allen,
–  die sich im neuen „Rat im Pastoralen Raum“ der wichtigen Aufgabe stellen wollen, die vielen „Orte von Kirche“ in den Blick zu nehmen und zu vernetzen
die bisher in den Pfarreiräten und im GdG-Rat – oft über Jahrzehnte – tatkräftig mitgewirkt haben.

Ich danke Pfarrer Norbert Glasmacher für seine Bereitschaft des priesterlichen Leitungsdienstes in den Titzer Pfarreien und wünsche ihm weiterhin Kraft für seinen Dienst als Regionalvikar und Pfarrer in Düren.

Ich danke Gemeindereferentin Brigitte Salentin für ihren Einsatz in den Titzer Pfarreien und wünsche ihr für die neue Aufgabe im Pastoralen Raum Stolberg Gottes Segen!

Ich danke Pfarrer Marian Mertens für seinen priesterlichen Dienst in den Linnicher und Titzer Pfarreien und wünsche ihm ein segensreiches Wirken als leitender Pfarrer im Pastoralen Raum Hückelhoven.

Allen danke ich für die Zusammenarbeit!

Ab dem 01.01.26 gibt es zwei neue fusionierte Pfarreien/Kirchengemeinden:

St. Josef in Linnich und St. Irmundus in Titz. Das Mandat der bisherigen Mitglieder der Kirchenvorstände endet am 31.12.2025. Allen Frauen und Männern, die – oft über Jahrzehnte – im Kirchenvorstand mitgearbeitet haben, gilt der Dank aller! Ich habe die Hoffnung, dass viele von ihnen im jeweiligen Ortsausschuss – gemeinsam mit bisherigen Pfarreiratsmitgliedern – weiter mit ihrer Erfahrung und ihrer Tatkraft zur Verfügung stehen, falls es die Kräfte zulassen.

Bis zur Kirchenvorstandswahl im Mai 2026 werden die beiden Kirchengemeinden von je einem Vermögensverwaltungsrat geleitet. Ich selbst werde zum Pfarrer der beiden Kirchengemeinden/Pfarreien und zum Vorsitzenden des Kirchengemeindeverbandes Linnich/Titz ernannt. Ich bin dankbar für jede Unterstützung durch den Rat, den beiden Kirchenvorstände, das Leitungsteam (Pfarrer, Pastoralreferent Eric Souga Onomo, zwei Ehrenamtler, Verwaltungsleitung), das Pastoralteam (Pfarrer Stefan Bäuerle, Pfarrer Heinz Philippen, Diakon Manfred Kappertz, Pastoralreferentin Helena Fothen, Pastoralreferent Eric Souga Onomo, Gemeindereferentin Marion Lahey, Kirchenmusiker Thomas Offergeld), die beiden Ruhestandsgeistlichen Pfarrer Konrad Barisch und Pater Anton Steinberger, die Koordinatorinnen Marlies Esser-Peters und Kerstin Boeven, die Damen und Herren in den Pfarrbüros in Linnich und Rödingen sowie alle, die den Küster- und den kirchenmusikalischen Dienst verrichten.

Ich vertraue auf den Beistand des Heiligen Geistes sowie die Fürsprache der Gottesmutter, des HI. Irmundus und des HI. Josef. Kommen wir als sichtbares und hörbares Volk Gottes immer wieder zusammen um den Altar und lassen uns von Jesus Christus, dessen Namen wir tragen, ermutigen, stärken und senden! Mein Wunsch und meine Bitte: Schöpfen wir gemeinsam unsere Lebens- und Glaubenskraft aus der Feier der Eucharistie und dem Gebet!

In herzlicher Verbundenheit, Ihr Pastor Heinz Philippen

 

 

 

Wortlaut der Bischöflichen Dekrete:

Anbei die beiden Dekrete zur Aufhebung von St. Georg und Einrichtung von St. Josef Linnich 
 
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Nr. 165
Dekret über die Aufhebung der Pfarrei und Kirchengemeinde St. Georg in Linnich-Hottorf

1. Aufhebung und Rechtsnachfolge

Nach Anhörung der unmittelbar Beteiligten und des Priesterrates gemäß can. 515 § 2 CIC sowie nach Abwägen der vorgetragenen Argumente wird hiermit die Pfarrei und die Kirchengemeinde St. Georg in Linnich-Hottorf mit Ablauf des 31. Dezembers 2025 aufgehoben. Die Gesamtrechtsnachfolgerin, auf die alle Rechte und Pflichten der vorgenannten Pfarrei und Kirchengemeinde übergehen, ist die Pfarrei und Kirchengemeinde St. Josef in Linnich.

2. Kirchen

Die Pfarrkirche der bisherigen Pfarrei St. Georg in Linnich-Hottorf verliert mit der Aufhebung der Pfarrei ihren Rang als Pfarrkirche. Sie behält ihren Kirchentitel (can. 1218 CIC) und ihren Patronatsnamen. In ihr können, sofern die pastoralen Bedürfnisse es erfordern, alle gottesdienstlichen Handlungen vorgenommen werden (can. 1219 CIC). Insbesondere behält diese Kirche das Taufrecht (can. 858 § 2 CIC), so dass sie zukünftig als sogenannte „Nebenpfarrkirche“ (ecclesia conparoecialis) in der Pfarrei St. Josef in Linnich gelten kann.1

3. Kirchenbücher und Archiv

Die Kirchenbücher werden mit Ablauf des 31. Dezembers 2025 geschlossen und alle weiteren Schriftstücke werden mit dem Pfarrarchiv von der Gesamtrechtsnachfolgerin in Verwahrung genommen. Ab dem 1. Januar 2026 erfolgen Eintragungen ausschließlich in die Kirchenbücher der Gesamtrechtsnachfolgerin.

4. Abschlussbilanz, Vermögensnachfolge

Zum 31. Dezember 2025 ist für die genannte Kirchengemeinde eine Abschlussbilanz, in der die Aktiva und Passiva dargestellt sind, zu erstellen. Diese Abschlussbilanz ist Grundlage für den Übergang des Vermögens.
Mit Aufhebung der genannten Kirchengemeinde geht ihr gesamtes bewegliches und nicht fondsgebundenes unbewegliches Vermögen auf die Gesamtrechtsnachfolgerin über. Das Gleiche gilt für die Forderungen und die die Kirchengemeinde belastenden Verbindlichkeiten.

5. Fondsvermögen

Mit Aufhebung der genannten Kirchengemeinde bleiben alle kirchlichen Fonds mit eigener Rechtspersönlichkeit (sog. Fondsvermögen) bestehen und werden ab dem 1. Januar 2026 vom Kirchenvorstand der Gesamtrechtsnachfolgerin verwaltet.

6. Wahrung der Zweckbestimmung der Stifter

Hinsichtlich der Verwaltung der Güter und der Erfüllung der Verbindlichkeiten bleiben der Wille der Stifter und Spender sowie wohlerworbene Rechte Dritter gewahrt.

7. Siegel

Die Siegel der Pfarrei St. Georg in Linnich-Hottorf und der gleichnamigen Kirchengemeinde werden mit Ablauf des 31. Dezembers 2025 für ungültig erklärt.

8. Amtszeit des Kirchenvorstands

Aufgrund der Aufhebung der genannten Kirchengemeinde mit Ablauf des 31. Dezembers 2025 erfolgt im November 2025 keine Neuwahl des Kirchenvorstandes. Die Amtszeit des amtierenden Kirchenvorstandes wird daher bis zur Aufhebung der Kirchengemeinde verlängert.

9. Begründung

Bereits seit mehreren Jahrzehnten, spätestens seit der Errichtung der Gemeinschaft der Gemeinden, hat sich die pastorale Arbeit über das gesamte Stadtgebiet von Linnich hinweg entwickelt. Zentrale Angebote sind längst etabliert. Die Kirche St. Martinus im Stadtzentrum bildet die geographische Mitte, ist von allen Seiten her gut erreichbar und aufgrund ihrer liturgischen Bedeutung und der regelmäßigen Eucharistiefeiern eine geeignete Wahl als Pfarrkirche. Die Entwicklung einer Pfarrei im Stadtgebiet von Linnich, das zugleich einen Sozialraum darstellt, ist damit nur folgerichtig.
Für eine Konzentration der Pfarreien spricht weiterhin die Entwicklung der Gläubigenzahlen: Umfasste die Pfarrei St. Georg Hottorf zur Einführung der Gemeinschaften der Gemeinden im Bistum Aachen im Jahr 2010 noch 251 Gläubige, so ist diese Zahl im Jahr 2025 auf 207 Gläubige zurückgegangen.

10. Inkrafttreten

Die in diesem Dekret verfügten Regelungen treten zum 1. Januar 2026 in Kraft, frühestens jedoch mit der Anerkennung durch die Bezirksregierung gemäß § 6 der Vereinbarung über die staatliche Mitwirkung bei der Bildung und Veränderung katholischer Kirchengemeinden und (Kirchen-)Gemeindeverbände sowie dem Erlass kirchlicher Vorschriften über deren gesetzliche Vertretung vom 20. September – 9.Oktober 2024 (KA 2024, Nr. 117; GV. NRW. 2024 S. 644).
Aachen, 15. September 2025
 
 

L.S.
 
+ Dr. Helmut Dieser
Bischof von Aachen
 
Jan Nienkerke
Kanzler der Kurie
 
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Nr. 182
Dekret über die Errichtung der Pfarrei und Kirchengemeinde St. Josef in Linnich

1. Errichtung der Pfarrei und Kirchengemeinde

Nach Anhörung der unmittelbar Beteiligten und des Priesterrates gemäß can. 515 § 2 CIC sowie nach Abwägung der vorgetragenen Argumente werden die (aufgehobene) Pfarrei und Kirchengemeinde St. Martin in Linnich, die (aufgehobene) Pfarrei und Kirchengemeinde St. Gereon in Linnich-Boslar, die (aufgehobene) Pfarrei und Kirchengemeinde St. Pankratius in Linnich-Edern, die (aufgehobene) Pfarrei und Kirchengemeinde St. Hermann Josef in Linnich-Flossdorf, die (aufgehobene) Pfarrei und Kirchengemeinde St. Gereon in Linnich-Gereonsweiler, die (aufgehobene) Pfarrei und Kirchengemeinde Heilige Maurische Märtyrer in Linnich-Gevenich, die (aufgehobene) Pfarrei und Kirchengemeinde St. Agatha in Linnich-Glimbach, die (aufgehobene) Pfarrei und Kirchengemeinde St. Georg in Linnich-Hottorf, die (aufgehobene) Pfarrei und Kirchengemeinde St. Peter in Linnich-Körrenzig, die (aufgehobene) Pfarrei und Kirchengemeinde St. Margareta in Linnich-Kofferen, die (aufgehobene) Pfarrei und Kirchengemeinde St. Pankratius in Linnich-Rurdorf, die (aufgehobene) Pfarrei und Kirchengemeinde St. Lambertus in Linnich-Tetz und die (aufgehobene) Pfarrei und Kirchengemeinde St. Lambertus in Linnich-Welz gemäß can. 121 CIC mit Wirkung zum 1. Januar 2026 zur neuen Pfarrei und Kirchengemeinde St. Josef in Linnich vereinigt.
Sie ist die Gesamtrechtsnachfolgerin, auf die alle Rechte und Pflichten der aufgehobenen Pfarreien bzw. Kirchengemeinden übergehen. Sitz der neuen Pfarrei und Kirchengemeinde St. Josef ist Linnich (Kirchplatz 14 in 52441 Linnich).

2. Pfarrkirche sowie weitere Kirchen und Kapellen

Die Pfarrkirche der Pfarrei und Kirchengemeinde ist die auf den Titel St. Martinus geweihte Kirche in Linnich (Kirchplatz 3 in 52441 Linnich).
Die weiteren Kirchen und Kapellen behalten ihren Weihetitel (can. 1218 CIC).
Dies sind insbesondre:
  • St. Gereon in Linnich-Boslar
  • St. Pankratius in Linnich-Edern
  • St. Hermann Josef in Linnich-Flossdorf
  • St. Gereon in Linnich-Gereonsweiler
  • Heilige Maurische Märtyrer in Linnich-Gevenich
  • St. Agatha in Linnich-Glimbach
  • St. Georg in Linnich-Hottorf
  • St. Peter in Linnich-Körrenzig
  • St. Margareta in Linnich-Kofferen
  • St. Pankratius in Linnich-Rurdorf
  • St. Lambertus in Linnich-Tetz
  • St. Lambertus in Linnich-Welz
Die Pfarrkirchen der aufgehobenen Pfarreien können als sogenannte „Nebenpfarrkirchen“ betrachtet werden.1 In diesen Kirchen können, sofern die pastoralen Bedürfnisse es erfordern, alle gottesdienstlichen Handlungen vorgenommen werden (can. 1219 CIC), insbesondere behalten diese Kirchen das Taufrecht (can. 858 §2 CIC).

3. Kirchenbücher und Archiv

Die Kirchenbücher und alle weiteren Schriftstücke der aufgehobenen Pfarreien bzw. der Kirchengemeinden werden zum 1. Januar 2026 in das Archiv der neu errichteten Pfarrei und Kirchengemeinde St. Josef in Linnich in Verwahrung genommen. Ab dem 1. Januar 2026 erfolgen Eintragungen ausschließlich in die Kirchenbücher der neuen Pfarrei und Kirchengemeinde.

4. Gebiet der Pfarrei und Kirchengemeinde

Das Gebiet der errichteten Pfarrei und Kirchengemeinde St. Josef in Linnich ist deckungsgleich mit dem Gebiet der aufgehobenen Pfarreien bzw. Kirchengemeinden.
Die Pfarrei gehört dem Pastoralen Raum Linnich / Titz in der Region Düren des Bistums Aachen an.

5. Vermögensrechtsnachfolge

Mit Errichtung der Kirchengemeinde geht das gesamte bewegliche und nicht fondsgebundene unbewegliche Vermögen der aufgehobenen Kirchengemeinden auf die neu errichtete Kirchengemeinde St. Josef in Linnich über.

6. Fondsvermögen

Mit Aufhebung der genannten Kirchengemeinden bleiben alle kirchlichen Fonds mit eigener Rechtspersönlichkeit (sog. Fondsvermögen) bestehen und werden ab dem 1. Januar 2026 vom Vermögensverwalter und nach der Neuwahl vom Kirchenvorstand der Kirchengemeinde St. Josef in Linnich verwaltet.

7. Name und Siegel

Der Name der neuen Pfarrei lautet:
Katholische Pfarrei St. Josef in Linnich.
Der Name der neuen Kirchengemeinde lautet:
Katholische Kirchengemeinde St. Josef in Linnich.
Die Pfarrei führt das Siegel gemäß can. 535 § 3 CIC und der Siegelordnung des Bistums Aachen vom 14. November 2003 (KA 2004, Nr. 2) sowie den dazu erlassenen Ausführungsbestimmungen vom 8. Dezember 2003 (KA 2004, Nr. 8).
Die Kirchengemeinde führt das Siegel gemäß § 20 Abs. 5 KVVG (KA 2024, Nr. 118) in der jeweils geltenden Fassung i. V. m. der Siegelordnung des Bistums Aachen vom 14. November 2003 (KA 2004, Nr. 2) sowie den dazu erlassenen Ausführungsbestimmungen vom 8. Dezember 2003 (KA 2004, Nr. 8).

8. Anordnung zur Neuwahl des Kirchenvorstandes, Bestellung einer Vermögensverwaltung

Aufgrund der Aufhebung der benannten Kirchengemeinden endet die Amtszeit der betroffenen Kirchenvorstände mit Ablauf des 31. Dezembers 2025. Im Hinblick auf die Errichtung der Kirchengemeinde St. Josef in Linnich wird die Neuwahl des Kirchenvorstandes auf den 9./10. Mai 2026 festgesetzt.
Im Übrigen gilt die Wahlordnung für die Wahl der Kirchenvorstände im Bistum Aachen.

9. Begründung

Bereits seit mehreren Jahrzehnten, spätestens seit der Errichtung der Gemeinschaft der Gemeinden, hat sich die pastorale Arbeit über das gesamte Stadtgebiet von Linnich hinweg entwickelt. Zentrale Angebote sind längst etabliert. Die Kirche St. Martinus im Stadtzentrum bildet die geographische Mitte, ist von allen Seiten her gut erreichbar und aufgrund ihrer liturgischen Bedeutung und der regelmäßigen Eucharistiefeiern eine geeignete Wahl als Pfarrkirche. Die Entwicklung einer Pfarrei im Stadtgebiet von Linnich, das zugleich einen Sozialraum darstellt, ist damit nur folgerichtig.
Für eine Konzentration der Pfarreien spricht weiterhin die Entwicklung der Gläubigenzahlen: Umfasste das Gebiet der neu errichteten Pfarrei zur Einführung der Gemeinschaften der Gemeinden im Bistum Aachen im Jahr 2010 noch 8.865 Gläubige, so ist diese Zahl im Jahr 2025 auf 7.095 Gläubige zurückgegangen.

10. Inkrafttreten

Die in diesem Dekret verfügten Regelungen treten zum 1. Januar 2026 in Kraft, frühestens jedoch mit der Anerkennung durch die Bezirksregierung Köln gemäß § 6 der Vereinbarung über die staatliche Mitwirkung bei der Bildung und Veränderung katholischer Kirchengemeinden und (Kirchen-)Gemeindeverbände sowie dem Erlass kirchlicher Vorschriften über deren gesetzliche Vertretung vom 20. September – 9. Oktober 2024 (KA 2024, Nr. 117; GV. NRW. 2024 S. 644).
Aachen, 15. September 2025
 
 

L.S.
 
+ Dr. Helmut Dieser
Bischof von Aachen
 
Jan Nienkerke
Kanzler der Kurie

 

Dorfchronik mit Heimatpreis ausgezeichnet

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| Chronist Josef Lieven für ehrenamtliches Engagement geehrt |

Heimtpreis Linnich 2025: Verleihung des 3. Preises an Josef Lieven für die Online-Dorfchronik Hottorf

Am 1. Dezember 2025 wurde auf dem Andreasmarkt beim Empfang der Stadt Linnich der Heimatpreis 2025 verliehen. Zu den Preisträgern gehört Josef Lieven, der für die Dorfgemeinschaft Hottorf eine Online-Dorfchronik erstellt und weiterentwickelt hat.

Bedeutung des Heimatpreises

Mit dem Heimatpreis ehrt die Stadt Linnich jährlich besonderes bürgerschaftliches und ehrenamtliches Engagement, das das Heimatgefühl stärkt und gesellschaftlichen Zusammenhalt fördert. Damit würdigt die Stadt, stellvertretend für viele, die sich ehrenamtlich engagieren, den Einsatz für lokale Kultur, Vernetzung und Traditionspflege.

Die Preisträger 2025
  1. Platz: In diesem Jahr wurde der Preis an „Nachtwächter Helmes“, alias Stefan Helm, vergeben, der als Nachtwächter überregionale Bekanntheit erlangt hat.
  2. Platz: Die Initiative „Klönovend“ der Pfarre St. Peter Körrenzig wurde für ihr lokales Engagement geehrt.
  3. Platz: Der dritte Preis ging an Josef Lieven für die Entwicklung und Pflege der Hottorfer Online-Dorfchronik, die einen wichtigen Beitrag zur Dokumentation und Präsentation der lokalen Geschichte leistet.
Dankesrede von Josef Lieven

Herzlichen Dank an den Rat der Stadt Linnich für diese Auszeichnung. Dieser Preis ehrt mich für mein ehrenamtliches Engagement, für viele lange Abende am Computer und etliche Nächte, in denen ich an der Online-Dorfchronik gearbeitet habe – meine Frau kann davon ein Lied singen.

Über die Webseite der Dorfgemeinschaft hottorf.de gelangen Sie direkt zur Online-Dorfchronik. Im Unterschied zu einem Buch – oder besser: in Ergänzung zu einem Buch –, das Sie Seite für Seite durchblättern, bietet die digitale Version den Vorteil, dass Sie ganz nach Interesse durch die Geschichte stöbern können. Über Themen, Schlagworte und Kategorien entstehen viele Verknüpfungen zu einem digitalen Gedächtnis unseres Dorfes und der umliegenden Orte. Sie finden dort persönliche Geschichten, die ich teilweise in Archiven recherchiert habe. Im Archiv der Kirchengemeinde fand ich zum Beispiel Briefe von Bürgerinnen und Bürgern, die von ihren Fluchterfahrungen im Zweiten Weltkrieg berichten und die nun erstmals veröffentlicht wurden.

Digitale Spuren der Dorfgeschichte finden sich zudem in weiteren Archiven, etwa im Landesarchiv in Duisburg oder in internationalen Archiven. Mit nur wenigen Mausklicks steht man plötzlich vor einer alten spanischen Seekarte, auf der unsere Region verzeichnet ist. Es ist äußerst spannend, sich in ruhiger Atmosphäre einfach einmal durchzuklicken und sich so mit der Geschichte zu beschäftigen.

Dieser Preis ist für mich ein großer Ansporn, weiterzumachen. Zu Hause wartet noch ein ganzer Berg an Material: zum Beispiel Fotos, die mir Dorfbewohnerinnen und Dorfbewohner nach der Vorstellung der Chronik auf dem Dorffest oder nach Berichten in der Zeitung gegeben haben. Es gibt außerdem viele Kontakte im weiteren Umkreis, etwa aus dem Erkelenzer oder Titzer Raum, wo sich Menschen gemeldet haben, genannt sei eine Person, deren Urgroßvater z. B. als Holzhändler in Hottorf tätig war. Diese Familiengeschichten möchte ich gerne weiterverfolgen und einbinden.

Genau mit solchen Familiengeschichten hat alles begonnen: Über die Erforschung meiner eigenen Vorfahren bin ich zur Dorfgeschichte gekommen, weil Verwandte in ganz unterschiedlichen Berufen im Dorf tätig waren. Diese Verbindung von Familien- und Ortsgeschichte ist bis heute meine größte Motivation, weiterzumachen. Noch einmal vielen, vielen Dank für den Heimatpreis.“

Wahlverfahren

Die Entscheidung über die Preisträger fiel im Linnicher Stadtrat, der in insgesamt vier geheimen Wahlgängen abstimmte. Direkt im ersten Durchgang setzte sich der spätere Erstplatzierte klar ab. Bei den weiteren Kandidaten fiel die Entscheidung erst nach einem spannenden Kopf-an-Kopf-Rennen, an dem insgesamt fünf Bewerber teilnahmen.

Preisvergabe und Ausblick

Der erste Preisträger erhielt 2.500 Euro, der zweite 1.500 Euro und der dritte 1.000 Euro. Mit diesem Ansporn wird ehrenamtliche Initiative und nachhaltige Dokumentation vor Ort weiter gestärkt und sichtbar gemacht — ein besonders schöner Erfolg für die Dorfgemeinschaft Hottorf und die weiteren Ausgezeichneten der Stadt Linnich.

Weitere Berichterstattung

Die Jülicher Nachrichten berichten im Online Portal unter der Überschrift „Der Andreasmarkt schläft langsam ein“ auch von Empfang und der Verleihung des Heimatpreises: 
„In der dortigen Kultur- und Begegnungsstätte wird im Rahmen des Andreasmarkt-Empfangs der Heimatpreis der Stadt vergeben. Platz drei geht an Josef Lieven von der Dorfgemeinschaft Hottorf, der eine Online-Dorfchronik erstellt hat. Zweiter Sieger wird das Team hinter dem „Klönovend“ der Pfarre St. Peter Körrenzig und oben aufs Treppchen schafft es Stefan Helm, alias Nachtwächter Helmes. Die 2500 Euro Preisgeld möchte er in den Topf werfen, aus dem heraus das Stadtmarketing ein Stadtmodell vom historischen Linnich aus Bronze anschaffen möchte. Es soll mit dem Rollstuhl unterfahrbar sein und auch mit Braille-Schrift versehen werden. Weil die Anschaffungskosten bei 15 bis 20 Tausend Euro liegen, hofft er auf weitere Unterstützung.

Gelungener Neustart des Seniorenkaffees

| Eine schöne Tradition |

Nach einigen Jahren Pause wurde wieder ein Seniorenkaffee im Pfarrheim veranstaltet. In den vergangenen Jahren hatte die Pfarrcaritas diese Treffen organisiert und damit regelmäßig Gelegenheit zu gemütlichem Beisammensein geschaffen. Nach der altersbedingten Auflösung der Gruppe war die Zukunft dieser beliebten Zusammenkünfte zunächst offen.

Nun hat die Frauengemeinschaft die Initiative ergriffen und die Tradition neu belebt. Der Einladung zum ersten Seniorenkaffee folgten rund 40 Hottorferinnen und Hottorfer ab dem 65. Lebensjahr. In geselliger Atmosphäre verbrachten die Gäste einen unterhaltsamen Nachmittag bei Kaffee, Kuchen und angeregten Gesprächen.

Die Frauengemeinschaft hatte die Vorbereitung und Ausrichtung in bewährter Weise übernommen, sodass es an nichts fehlte. Für die Bewirtung kamen die Kosten dankenswerterweise aus der Kasse der Hottorfer Dorfgemeinschaft.

Mit diesem gelungenen Auftakt wurde deutlich, wie sehr die beliebten Nachmittage geschätzt werden. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer hoffen nun, dass der Seniorenkaffee künftig wieder zu einem festen Bestandteil des Dorflebens wird.

WDR2 mit Steffis Kneipenquiz

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Zum 50. Geburtstag von René Kuffner |

Rund 350 Gäste feierten beim WDR 2 Steffis Kneipenquiz in Hottorf

Im großen, bayrisch dekorierten Festzelt von René Kuffner in Hottorf versammelten sich rund 350 Besucher zu einem ganz besonderen Event: Steffis Kneipenquiz von WDR 2. René Kuffner, der für seinen 50. Geburtstag eine Feier im Stil eines Oktoberfestes plante, hatte das Zelt eigens dafür aufgebaut. Bereits zwei Wochen vorher berichtete das WDR 2-Team vom Zeltaufbau auf der Wiese hinter Renés Haus. Daraus entstand die Idee, das schön geschmückte Zelt auch für ein öffentlichem Kneipenquiz zu nutzen.

Unter der unterhaltsamen Leitung der beliebten WDR 2-Moderatorin Steffi Neu wurde der Abend zu einem kurzweiligen Treffen voller Wissensfragen und geselligem Miteinander. Das Konzept von Steffis Kneipenquiz ist einfach: In Teams werden Fragen aus den Bereichen Region, Gesellschaft, Musik und mehr gestellt, ergänzt durch witzige Challenges und Spaßaktionen. Dabei steht nicht der Wettkampf im Vordergrund, sondern das gemeinsame Erlebnis, das Gäste aus Hottorf sowie umliegenden Gemeinden zusammenschweißt.

Der Abend bot eine fröhliche Atmosphäre, bei der das Thema „Wissen“ spielerisch und locker vermittelt wurde — passende Unterhaltung für eine Dorfgemeinschaft, die Zusammenhalt und kulturelle Aktivitäten schätzt. Das Event zog Gäste weit über die Stadtgrenzen Linnichs hinaus an. Für René Kuffner selbst war die Veranstaltung ein gelungener Auftakt zur privaten Feier.

Steffis Kneipenquiz steht seit Jahren für unkomplizierte, bodenständige Quiz-Abende, die in unterschiedlichsten Lokationen im Westen stattfinden. Die Mischung aus Live-Moderation, Musik, Comedy und interaktiven Spielen macht das Format zu einem Publikumsmagneten.

Hottorfer Familienarchive

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| Weitere Quellen nach Vorstellung der Dorfchronik |

Als Reaktion auf der Vorstellung der Online-Dorfchronik beim Dorffest Ende August 2025 stehen weitere Quellen aus den Archiven Hottorfer Familien zur Verfügung.

Dies sind im Einzelnen:

  • Fam. Klee/Braun, Fasanenstraße: Fotos, Zeitungsausschnitte, mehr als 30 Totenzettel
  • Fam. Schumacher, Flurgasse: Originalunterlagen zur Abholzung und Verkauf des Buchholzbusches aus dem Nachlass des Hofes Deuser/Lemm
  • Fam. Müller, Georgstraße: Fotoalben der KG Holzköpp

Leitung des Pastoralen Raum besetzt

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| Neue kirchliche Strukturen nehmen Gestalt an |

Nach Errichtung des pastoralen Raum Linnich/Titz zum 1. Januar 2025 hat der Bischof zum 1. Oktober die Leitung mit Pfarrer Heinz Philippen und Pastoralreferent Eric SougaOnomo besetzt. Pfarrer Marian Mertes wechselt nach Hückelhoven. 

Anfang November werden die Laien in den Rat des Pastoralen Raumes gewählt. Dieser ist das zentrale Planungs- und Entscheidungsgremium für die Kirche in Ihrem Pastoralen Raum. In diesem Gremium arbeiten Priester und Laien, Haupt- und Ehrenamtliche eng zusammen. Gemeinsam beraten und entscheiden sie über alle grundlegenden Fragen der Pastoral – mit dem Ziel, die Kirche in Zeiten des Wandels aktiv zu gestalten.

Ebenso wurde im Oktober die Dekrete veröffentlicht, auf deren Grundlage zum 1. Januar 2026 die bisherigen Pfarreien und Kirchengemeinden aufgehoben und die neue fusionierte Pfarrei und Kirchengemeinde St. Josef Linich eingerichtet wird. 

30 Jahre Dorffest Hottorf

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| Online-Dorfchronik geht live|

Seit 30 Jahren feiert die Dorfgemeinschaft ihr traditionelles Dorffest. Im Vorfeld berichten die Jülicher Nachrichten von der Erstellung der Dorfchronik.

Ausblick

Auch wenn die Online-Dorfchronik zum Dorfest 2025 veröffentlicht wird, sind weitere Ergänzungen in Arbeit bzw. geplant.

Was ist für den Teil der Kirchenchronik noch zu aktualisieren oder zu ergänzen:

  • aus dem Diözesanarchiv, z. B. Gründungsurkunde der Bruderschaft
  • Sichtung der Pfarrbriefe ab 1997
  • weitere Ereignisse ab 2005 wie veränderte Strukturen wie KgV, VWZ, GdG, KIM oder Gebäude wie Verkauf Pfarrhaus, Umbau/Anbau Pfarrheim, Restaurierung Orgel, Restaurierung Kirchturm oder Gemeindeleben wie z.b „vorest letzte“ Erstkommunion in Hottorf

Was für den Teil der Dorfchronik noch zu ergänzen ist:

  • aus den beiden Festschriften der Feuerwehr,
  • aus der Festschrift des Sportvereins (wer hat diese vorliegen?) und
  • von anderen Vereinen (welche gibt es?)
  • Schulchronik (aus dem Archiv in Linnich)
  • Bodenfunde in und um Hottorf – Kontakt zum LVR ist bereits hergestellt
  • Themen aus Rurblumen (aus dem Archiv in Jülich) wie zur Hottorfer Mühle oder zu Hottorfer Webern
  • Ereignisse um die Dorfgemeinschaft: Gründung, Vereinsgründung, Dorffest, …
  • weitere Ereignisse aus den letzten 50 Jahren
  • alte Fotos z.B. zu Feiern oder Ansichten von Häusern und Straßen (es wird auch noch eine Zuordnung der Hausnummern vor Einführung der Straßennamen gesucht)
  • Geschichte und Bilder von Handels- und Gewerbetreibenden (wie Wirtschaften/Kneipen, Geschäfte, Handwerker) 
  • mehr zu Familiengeschichten (unter anderem Totenzettel für die Hottorfer-Sammlung) 

 

Weitere Hottorfer „Persönlichkeiten“ ?

| Bitte um Mitarbeit |

Der Chronist möchte in dieser Online-Dorfchronik noch weiteren Personen, die sich in besonderer Weise für den Ort eingesetzt haben, ein angemessenes digitale Andenken zukommen lassen.

Wer kommt da in Frage? Zum Beispiel: Ortvorsteher wie Erich von Meer, Heidelberg, Vorsitzende von Vereinen oder Organisationen wie Karnevalsgesellschaft, HSV, Ortsbauenschaft z.B. Martin Lemm, Theaterverein, Frauengemeinschaft z.B. Grete Havlena, Grete Honold.

Daher hier in besonderer Weise die Bitte zur Mitarbeit und Zulieferung von existenten „Nachrufen“ oder relevanten Informationen zu möglichen Personen.

 

Heimatkalender Kreis Jülich

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| Herausgeber Kreis Jülich |

Heimatkalender des Kreises Jülich

Der Heimatkalender des Kreises Jülich ist eine regionale Jahrbuch-Reihe, die von 1951 bis 1972 erschien. Dieser Kalender wurde für den Kreis Jülich herausgegeben und enthält eine Vielfalt an Beiträgen zur lokalen Geschichte, zu Traditionen, Bräuchen, Gedichten, regionalen Entwicklungen sowie Erinnerungen und Geschichten über Orte, Personen und Ereignisse aus dem Kreis Jülich

Archiviert sind die Ausgaben des Heimatkalenders im Stadtarchiv Erkelenz.

Im Inhaltsverzeichnis von Baltus findet man die folgende Berichte mit Bezug zu Hottorf:

  • SCHMITZ, Carl: Das Hahnengäßchen in Hottorf in: Jg. 1954, S. 23
  • SCHMITZ, Carl: Hottorfer Originale in: Jg. 1955, S. 86
  • OIDTMANN, Friedrich: Blick auf Hottorf in: Jg. 1959, S. 138
  • ESSER, F. / SCHMITZ, C.: Die Rodung des Buchholzbusches und der Strukturwandel der Landwirtschaft in der Gemeinde Hottorf in: Jg. 1961, S. 126

in Bezug zu Boslar:

  • SEVENICH, Hubert: Aus der Schulchronik von Boslar in: Jg. 1953, S. 85
  • MÜLLERS: Großbrand in Boslar in: Jg. 1954, S. 67
  • LIECK, F. J.: P. Joh. Packenius S. J. aus Boslar in: Jg. 1955, S. 41
  • JOPPEN, Heinrich: Das Amt Boslar in: Jg. 1957, S. 29
  • JOPPEN, Heinr.: Das Amt Boslar. Die alte Virneburger Herrlichkeit. (Fortsetzung und Schluß) in: Jg. 1959, S. 149
  • LIECK, F. J.: Boslarer Geschehen im 17. Jahrhundert anhand eines alten Kirchenbuches in: Jg. 1965, S. 81
  • SEVENICH, Hubert: Aus der Geschichte von Boslar. Aufzeichnungen im… in: Jg. 1966, S. 82

zu Gevenich:

  • KASPERCYK, Georg: Die St.-Barbara-Bruderschaft, Gevenich in: Jg. 1955, S. 56
  • KASPERCZYK, G.: Gevenicher beten nicht gerne für Napoleon in: Jg. 1956, S. 63
  • KASPERCYK, Georg: Der Trompeter von Gevenich in: Jg. 1959, S. 106
  • EMUNDTS, Martin: Besuch beim Tierpräparator in Gevenich in: Jg. 1964, S. 91

zu Körrenzig:

  • REINARTZ, Werner: Die Totentafel in der Kirche zu Körrenzig in: Jg. 1953, S. 119
  • P: Die Kath. Pfarrkirche in Körrenzig in: Jg. 1953, S. 120
  • LIECK, F. J.: M. J. von Broich aus Körrenzig in: Jg. 1957, S. 138
  • KASPERCZYK, Georg: Das Franzosenlager zu Körrenzig im Jahre 1388 in: Jg. 1960, S. 48
  • ZIMMERMANN, Arnd: Die Frühgeschichte von Körrenzig in: Jg. 1961, S. 53
  • ENGELS, Peter: Coerrenzig oder Körrenzig? Über die Schreibweise des Namens in: Jg. 1961, S. 55
  • ZIMMERMANN, Elisabeth: Die alte und die neue Pfarrkirche in Körrenzig in: Jg. 1963, S. 143
  • VIETEN, Willi: 100 Jahre Postagentur Körrenzig – Postgeschichte im Linnich-Körrenziger… in: Jg. 1972, S. 131 

zu Ralshoven:

  • BERS, W.: Wallfahrtskapelle in Ralshoven in: Jg. 1957, S. 19

zu Müntz:

  • KNORR, E.: Der Müntzer „Krüzzboom“  in: Jg. 1952, S. 73
  • JOPPEN, H.: Die beiden Adelssitze in Müntz in: Jg. 1956, S. 73

Sonstige:

  • TICHLERS, Heinrich: Aus der Vorgeschichte des Jülicher Landes in: Jg. 1951, S. 20
  • FRANKEN, Heinz: Die alte Windmühle in: Jg. 1957, S. 27
  • JOPPEN, Heinrich: Windmühlen im Kreise Jülich. 250 Jahre Titzer Windmühle  in: Jg. 1958, S. 107
  • LIECK, F. J.: Die ehemalige Windmühle bei Ederen in: Jg. 1959, S. 86
  • HEINEVETTER, P. P.: Schloß Overbach in sechs Jahrhunderten in: Jg. 1953, S. 106
  • EVENICH, Hub.: Luftschiffe und Flugzeuge über dem Kreis Jülich in: Jg. 1958, S. 18

Aachener Geschichtsverein

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| Zeitschrift |

In der Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins (ZAGV) befinden sich auch Aufsätze, die Hottorf betreffen. Die ersten 23 Bänder stehen digital zur Verfügung.

Hotorf betreffens:

  • Band 23 von 1902: Armin Tille – Zwei Waldordnung aus dem Herzogthum Jülich 
  • Band 33 von 1911: J. Metternich – Die Pfandherrlichkeit Müntz.

Auf der Webseite des Geschichtvereins stehen auch weiterführende Links zu anderen Quellen.

Bücher mit Bezug zu Hottorf

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| Literaturliste |

In folgende Büchern wird Hottorf erwähnt:

  1. Hottorf – ein kleines Dorf am Rande des Jülicher Landrückens, 1977, Helmut Schiffer
  2. Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz,  im Auftrage des Provinzialverbandes, herausgegeben von Paul Clemen, Achter Band, I. Die Kunstdenkmäler des Kreises Jülich, Düsseldorf 1902, Hottorf betreffend sind die Seiten 95-96
  3. Titel tdb, nach 1991, Buch zu Region Düren, Dekanat Linnich, Hottorf St. Georg, Seiten 436-437
  4. Geschichte der Städte, Flecken, Dörfer, Burgen und Klöster in den Kreisen Jülich, Düren, Erkelenz, Geilenkirchen und Heinsberg“, das in neuer Bearbeitung von Joh. Brückmann (Verlag Fischer, Jülich, z.B. 1912, basierend auf Daten um 1910),  Kapitel 9. Bürgermeisterei Hottorf, Seiten 185-188
  5. Max Dechamps: Der Ursprung des Geschlechtes Merckelbach, Auszüge aus Manuskript des Jahres 1967 , wurde nicht veröffentlicht.  Zu Hottorf: Seiten 8 und 25  mit Bezug zum Goirenhof (von Goir)
  6. Geschichte der Herren, Freiherren, und Grafen von Palant, aus Universität Düsseldorf, siehe zu Hottorf Seite 344 Anmerkung X zu Seite 175
  7. Inventar des Urkundenarchivs der Fürsten von Hatzfeldt-Wildenburg zu Schönstem/Sieg, Diese Veröffentlichung erscheint gleichzeitig als Band 18 der Schriftenreihe des Landschaftsverbandes Rheinland „Inventare nichtstaatlicher Archive“, herausgegeben von der Archivberatungsstelle Rheinland in Köln.
    Darin befinden sich drei Urkunden (#230 vom 21.01.1425, #333 vom 16.03.1450 und #376 vom 24.07.1456)  in denen Hottorf erwähnt wird.
  8. Redlich, Otto Reinhard: Jülich-Bergische Kirchenpolitik am Ausgange des Mittelalters und in der Reformationszeit. 1. Band : Urkunden und Akten 1400-1553 + 2. Band : Visitationsprotokolle und Berichte – erster Teil : Jülich (1533-1589).
    Es befindet sich ein Exemplar im Stadtarchiv Erkelenz
  9. Franz Willems, Stolberger Burgherren aus dem Geschlecht Overstolz-Efferen. I.Teil: Vorfahren und Verwandtschaftskreis des Stolberger Burgherrn Vinzenz von Efferen in Urkunden vom Ende des 12. bis zum Anfang des 16.Jahrhunderts. Taschenbuch – 1. Januar 1962
  10. Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde XIX, Übersicht über den Inhalt der kleinen Archive der Rheinprovinz, Zweiter Band, bearbeitet von Dr. Armin Tille udn Dr. Johannes Krudewig, Bonn 1904
  11. Der Regierungsbezirk Aachen. Ein Wegweiser für Lehrer, Reisende und freunde der Heimathkunde, Johann Heinrich Kaltenbach, Aachen 1850, aus der Sammlung Peter Packbier,
    siehe zu Hottorf Seiten 160ff
  12. With the 102d Infantry Division trough Germany, Edited by Major Allan H. Mick, Infantry Journal Press, 1947, Hottorf betreffend sind die Kapitel 9 bis 119 auf Seiten 112-161,
    Kapitel 9: „Planning the Roer Crossing„,
    Kapitel 10: „Establishing the Roer Bridgehead“ und
    Kapitel 11: „Clearing the Path to the Rhine
  13. Operation Grenade: Race to the Roer, Allyn Vannoy, Artikel in Warfare History Network, Frühling 2021. Hottorf (hier als „Hittorf“ geschrieben) betreffend, sind die Kämpfe am 24.02.1945 beschrieben, dem Tag nach der Rurüberquerung bei Linnich und Rurdorf.

Bischöfliches Diözesanarchiv (BDA)

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| Moderner Bestand (ab 1850) |

Folgende Themen vertreten:

  • Geschichte des Bistums
  • Regionalgeschichte
  • Orts- und Pfarrgeschichte
  • Persönlichkeiten des kirchlichen Lebens

Alle im Diözesanarchiv vorliegenden Kirchenbücher (Tauf-, Heirats- und Sterbematrikel sowie Listen der Erstkommunionen und Firmungen) können Sie in diesem Findbuch nachschlagen. Ein großer Teil der Kirchenbücher ist bereits im Portal Matricula frei zugänglich, die Hottorfer Kirchenbücher sind noch nicht digitalisiert..

Die Einsichtnahme in die Bände erfolgt nach den Schutzfristen, die in der deutschlandweit geltenden „Sicherung und Nutzung von Pfarrmatrikeln (Kirchenbücher)“ festgelegt sind.

Pfarrarchiv

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| Ortsarchiv der Pfarre |

In den Räumen der Kirchengemeinde St. Georg lagern Unterlagen wie:

  • Kirchenbücher
    • Taufen 1804 ff
    • Hochzeiten 1828 ff
    • Sterbefälle: 1884 ff
    • frühere Kirchenbücher sind verloren
  • Chroniken der Pfarrer bzw. Redanten, auch zur profanen Dorfgeschichte, darunter:
  • Chronik der Kirchenchores
  • Unterlagen und Pläne zu Baumaßnahmen

Bis zum Ende 2025 wird das archivwürdige Schriftgut in das Bischöfliche Diözesanarchiv überführt.

Landesarchiv NRW

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| „Gedächtnis” des Landes Nordrhein-Westfalen |

Das Landesarchiv NRW existiert seit 2004 als zentrale Einrichtung der staatlichen Archivverwaltung in Nordrhein-Westfalen. Sitz des Landesarchivs ist Duisburg.

Im Januar 2025 liefert eine Schlagwortsuche nach Hottorf 263  Treffer!

Neben Kartenmaterial, Familiendaten (aus Standesämtern), Gerichtsakten, Diözezanarchviv, findet man hier Unterlagen aus der französichen Besatzungszeit oder aus dem Mittelater.

Die Unterlagen, die nicht digitalisiert sind, können vor Ort eingesehen werden oder zu einem der lokalen Archive z.B. in Erkelenz oder Jülich zur Einsicht bestellt werden.

Nach Baltus findet man dort auch die Bevölkerungslisten (BVL) aus der Französischen Zeit (angefertigt von 1799 bis 1812):

und die Zivilstandsregister und Personenstandsregister:

Weitere Auszüge aus der Trefferliste:

Rur-Blumen – Beilage zum Jülicher Kreisblatt

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| Blätter zur Unterhaltung, Erbauung und Belehrung |

später: Heimat-Wochenschrift zum Jülicher Kreisblatt
Jahrgänge 1/1921 bis 23/1944

Das Jülicher Stadtmagazin HERZOG beschreibt die knapp 25 Jahrgänge (1921 bis 1944) der Rur-Blumen als Wochenbeilage zur Tageszeitung sehr anschaulich.

Archiviert sind die RUR-Blumen im Stadtarchiv Jülich.

Im Inhaltsverzeichnis von Baltus findet man die folgende Berichte mit Bezug zu Hottorf:

  • Fischer, P.: Das politische Leben im Kreise Jülich in den Jahren 1848 bis 1918 in: Jg. 1925, Nr. 16, darin Gedicht zur Bürgerwehr in Hottorf
  • Schiffers, Heinrich: Der Brand von Boslar in: Jg. 1926, Nr. 13
  • Fischer, Adolf: Wann war der Boslarer Brand? in: Jg. 1926, Nr. 13
  • Wann war der große Brand von Boslar? in: Jg. 1926, Nr. 14
  • Schiffers, Heinrich: Nochmals der Brand von Boslar in: Jg. 1926, Nr. 15
  • Lieven, A.: Die Windmühle, ein Baudenkmal und Wahrzeichen der niederrheinischen Heimat in: Jg. 1926, Nr. 48
  • Die im vorigen Jahre abgebrannte Lievensche Bockmühle bei Hottorf in: Jg. 1926, Nr. 48
  • Schaaf, Anton: Chronik der Bürgermeisterei Hottorf von 1815 –1859  in: Jg. 1929, Nr. 47
  • Breuer, Konrad: Zur Geschichte der Ortschaft Ralshoven in: Jg. 1930, Nr. 22
  • Schaaf, Anton: Die Ernte in den Gemeinden der Bürgermeisterei Hottorf  in: Jg. 1930, Nr. 33
  • Schaaf, Anton: Der Viehbestand in den landwirtschaftlichen Betrieben des Amtes Hottorf in der Zeit von 1823 -1846 in: Jg. 1930, Nr. 39
  • Schaaf, Anton: Der Wiederaufstieg der Landwirtschaft der Bürgermeisterei Hottorf aus der preußischen Absatzkrisis in: Jg. 1930, Nr. 43
  • Schaaf, Anton: Die Entwicklung der Bevölkerung in dem Amte Hottorf in: Jg. 1930, Nr. 45
  • Delonge, Franz: Die Verpachtungen der Hottorfer Kirchenländereien im Jahre 1790 in: Jg. 1932, Nr. 46
  • Kochs, Josef: Zur Geschichte der Bürgermeisterei Hottorf in: Jg. 1932, Nr. 51
  • Kochs, Josef: Zur Geschichte der Bürgermeisterei Hottorf. (Schluß) in: Jg. 1932, Nr. 52
  • Delonge, Fr.: Der letzte Hottorfer Samtweber erzählt aus der guten, alten Zeit in: Jg. 1932, Nr. 53
  • Tichlers, Heinrich: Der Elmpter Lehenshof zu Ralshoven in: Jg. 1933, Nr. 10
  • Tichlers, Heinrich: Mannkammer-Höfe in Hottorf in: Jg. 1933, Nr. 11
  • Tichlers, Heinrich: Mannkammer-Höfe in Hottorf in: Jg. 1933, Nr. 13
  • Hannen, Joseph: Aus der Pfarrgeschichte von Boslar in: Jg. 1934, Nr. 11
  • Aus der Pfarrgeschichte von Boslar in: Jg. 1934, Nr. 13
  • Brandgräber aus römischer Zeit in Müntz – Ein Fund, der nicht überraschen kann in: Jg. 1935, Nr. 6
  • Hannen, Joseph: Aus der Pfarrgeschichte von Hottorf in: Jg. 1935, Nr. 45
  • Das alte Steinkreuz am Wege von Hottorf nach Lövenich in: Jg. 1937, Nr. 4
  • Das von Meer’sche Gut in Hottorf (Abb.) in: Jg. 1938, Nr. 1
  • Stiftungen der Familie von Oidtman in der Kirche zu Hottorf (Abb.) in: Jg. 1938, Nr. 40 in: Jg. 1938, Nr. 48
  • Hannen, Joseph: Die Grenzen des ehemaligen Dingstuhls Boslar
  • Lieven, A.: Der „Danzeberger Düvel“ – Kleine Heimatsage (Gedicht) in: Jg. 1939, Nr. 7
  • Sagen aus der Hottorfer Gemarkung in: Jg. 1939, Nr. 23
  • Lieven, A.: Hannes on dä Spok – Mundartgedicht in: Jg. 1939, Nr. 24
  • Woher stammen die Gruben im Hottorfer Feld? in: Jg. 1939, Nr. 24
  • Lützenrath, Josef: Nochmals die Gruben im Hottorfer Feld in: Jg. 1939, Nr. 26
  • Von den Mergelgruben bei Hottorf und anderswo in: Jg. 1939, Nr. 31
  • Die Haushaltsvorstände im Kirchspiel Boslar 1730 – Huldigungsliste des Kirchspiels Boslar (Boslar, Gevenich, Hottorf und Hompesch) vom Jahre 1730 in: Jg. 1939, Nr. 38
  • Die Haushaltsvorstände im Kirchspiel Boslar 1730 – Huldigungsliste des Kirchspiels Boslar (Boslar, Gevenich, Hottorf und Hompesch) vom Jahre 1730. (Teil 2) in: Jg. 1939, Nr. 39 in: Jg. 1939, Nr. 41
  • Hannen, Joseph: Die Seelsorger von Boslar seit 1342 in: Jg. 1939, Nr. 41
  • Müller, Reiner: Die Einkünfte und Liegenschaften der Pfarre Tetz in Tetz, Jülich, Broich, Müntz, Hottorf, Hompesch, Boslar, Glimbach, Gevenich, Linnich, Gereonsweiler im 16. und 17. Jahrhundert – ein Beitrag zur Familiengeschichte des Jülicher Landes. (Teil 1) in: Jg. 1941, Nr. 12
  • Müller, Reiner: Die Einkünfte und Liegenschaften der Pfarre Tetz in Tetz, Jülich, Broich, Müntz, Hottorf, Hompesch, Boslar, Glimbach, Gevenich, Linnich, Gereonsweiler im 16. und 17. Jahrhundert – ein Beitrag zur Familiengeschichte des Jülicher Landes. (Teil 2) in: Jg. 1941, Nr. 13
  • Müller, Reiner: Die Einkünfte und Liegenschaften der Pfarre Tetz in Tetz, Jülich, Broich, Müntz, Hottorf, Hompesch, Boslar, Glimbach, Gevenich, Linnich, Gereonsweiler im 16. und 17. Jahrhundert – ein Beitrag zur Familiengeschichte des Jülicher Landes. (Teil 3) in: Jg. 1941, Nr. 14
  • Müller, Reiner: Die Einkünfte und Liegenschaften der Pfarre Tetz in Tetz, Jülich, Broich, Müntz, Hottorf, Hompesch, Boslar, Glimbach, Gevenich, Linnich, Gereonsweiler im 16. und 17. Jahrhundert – ein Beitrag zur Familiengeschichte des Jülicher Landes. (Teil 4) in: Jg. 1941, Nr. 15

In Memoriam Kurt Anton Hoberg

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| Pfarrer in Hottorf, Boslar und Gevenich |

Die Kirchegemeinde in Mechernich berichtet auf ihrer Webseite ausführlich (auch mit Fotos) über Pfarrer Kurt Hoberg, der in Kalmut zuletzt als Pfarrer tätig war. Nach dem Eintritt in den Ruhestand 2012 hat er in seinem Elternhaus in Wissen im Westerwald gelebt.

Kurt Hoberg war als Pater der Oblaten des Hl. Franz von Sales (Overbach) zum Pfarrer von Hottorf tätig (von 1981 bis 1991).

Letzte Fronleichnamsprozession

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Die in katholischen Gegenden üblichen Fronleichnamsprozession findet in Hottorf zuletzt im Jahr xxxx statt.

Seitdem die Pfarrer mehrere Pfarren leiten, wird die Prozession immer wieder auch von Vertretern wie den Patres aus Overbach durchgeführt. Seit den 1980 Jahren findet die Prozession am Nachmittag oder erst am Sonntag nach Fronleichnam statt.

Aus dem Pfarrbrief 1985 ist die Aufstellung der Prozession und der Weg ersichtlich:

tbd: Jahr und Datum prüfen

 

Letzte Dreifaltigkeitsprozession

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| Stiftung zum Kreuz am Pützberg von 1771 |

Vier Tage vor dem Fronleichnamsfest, am Dreifaltigkeitssonntag,  zieht in Hottorf die Dreifaltigkeitsprozession von der Kirche zum Segensaltar auf dem Pützberg. Im Gegensatz zur den in katholischen Gegenden üblichen Fronleichnamsprozession gibt es die Dreifaltigkeitsprozession vermutlich nur in Hottorf. Die genaue Herkunft dieses Brauches ist unklar. Es wird vermutet, dass es sich vergleichsweise zur Karfreitagsprozession ebefalls um eine Stiftung hadelt, die im Umfeld des unter Denkmalschutz stehenden Holzkreuzes an Pützberg aus dem Jahr 1771 handelt

Im Jahr 2020 (???) fand bislang die letzte Dreifaltigkeitprozession statt.

tbd: Jahr und Datum prüfen

 

In memoriam Heinz Paul Hölscher

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Nachruf der Feuerwehr Linnich:

Nachruf der Stadt Linnich:

Heinz Hölscher war viele Jahre Vorsitzender der Dorfgemeinschaft und hat sich für deren Belange immer wieder eingesetzt.
Zu ergänzen: von wann bis wann??? 

Siehe auch:

 

25-jähriges Priesterjubiläum Pfarrer Philippen

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| Dank für Wirken und Ausdauer |

Erinnerung an das Silberne Priesterjubiläum von Heinz Philippen am 11. Juli 2011

Die Jülicher Nachrichten berichten von der Fest- und Dankmesse zum 25-jährigen Ortsjubiläum in Boslar und Hottorf:

„Danke für dieses Geschenk und Danke an alle, die mit mir und für mich beten und so mein Priestersein stützen“, sagte Pfarrer Heinz Philippen anlässlich der Messfeier zu seinem silbernen Ortsjubiläum.

Foto Kròl - Jülicher Nachrichten

1961 in Gevenich geboren, absolvierte der Geistliche sein Abitur im Haus Overbach und begann kurz darauf sein Studium der Theologie und Philosophie in Bonn und Regensburg. 1985 wurde er in Übach-Palenberg zum Diakon geweiht und empfing ein Jahr später in Aachen die Priesterweihe. Bis 1990 war er als Kaplan in St. Bonifatius Düren tätig und kam am 15. Oktober 1990 nach Boslar. Gleichzeitig übernahm er auch die Pfarre in Hottorf. 1999 kam noch Tetz hinzu, 2008 Floßdorf und Glimbach und seit 2010 ist er Leiter der GdG Aldenhoven/Linnich.

Sein Ortsjubiläum wollten die Hottorfer und Boslarer Christen nicht unbeachtet verstreichen lassen und feierten mit ihrem Pastor eine Fest- und Dankmesse. Herzlich hieß Josef Lieven, stellvertretender Kirchenvorstandsvorsitzender der Pfarrei St. Georg Hottorf, die Gläubigen in der Pfarrkirche St. Gereon willkommen. Er ging kurz auf die Geschichte der beiden Pfarren ein und auf die Bedeutung, die ein Dorfpfarrer einst hatte. Vieles, so sagte er, habe sich geändert, doch Pfarrer Philippen habe sich viele Eigenschaften eines Ortspfarrers bewahrt. „Du bist immer noch präsent. Wir danken für deine Ausdauer, deinen Einsatz und dein Wirken vor Ort. Die Freude und der Dank sollen an erster Stelle stehen“, schloss er seine kurzen Ausführungen.

Auf die Eucharistie, die Gottes Sohn durch seine Menschwerdung und seinen Tod am Kreuz schenkte, ging der Jubilar in seiner Predigt ein. „Das Geheimnis der Eucharistie ist ein Geschenk, ein Schatz des Glaubens, dem wir uns mit Ehrfurcht zuwenden müssen“, erklärte er und ergänzte noch: „Die Eucharistie ist die Brücke zwischen damals und heute“.

Im Anschluss an die Festmesse, die der Kirchenchor Boslar gestaltete, sprach Gerd Langenberg vom Kirchenvorstand Boslar noch ein Dankwort und lud alle Gottesdienstbesucher zu einem Umtrunk ins Pfarrheim ein.

In Memoriam Heinrich Joussen

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| Ehrendechant stirbt mit fast 94 Jahren |

Nachruf zum Tod von Ehrendechant Joussen in Jülicher Woche

Die Aachener Nachrichten berichten am 9. Januar 2015:

Ehrendechant aus Tetz stirbt mit fast 94 Jahren
Trauer herrscht in Linnich um Ehrendechant Heinrich Joussen, der bereits am 6. Januar gestorben ist, kurz vor Vollendung seines 94. Lebensjahres.

Zuletzt hatte der Seelsorger beim Andreasmarkt-Empfang Bürgermeister Wolfgang Witkopp mit einem Fernglas für Durchblick und Weitsicht beschenkt, nachdem er Anfang Juni mit einer Dankandacht in St. Lambertus Tetz sein goldenes Ortsjubiläum begangen hatte, 50 Jahre nach Einführung als Pfarrer.

Am 20. Dezember 1947 war Joussen vom Aachener Weihbischof Johannes Joseph van der Velden zum Priester geweiht worden. Aus Anlass seines 65-jährigen Priesterjubiläums eilte der Aachener Weihbischof Karl Borsch 2012 zum Festgottesdienst nach Tetz und würdigte den Jubilar.

Der „eiserne Heinrich“ im Kirchendienst wurde am 26. Januar 1921 in Mausbach geboren, wuchs in Echtz auf und besuchte in Düren das Gymnasium. Schon früh wollte er Priester werden und nahm nach dem Abitur ein Studium in Bonn auf, bevor er zu Arbeits- und Militärdienst eingezogen wurde. Erst 1945 konnte er seiner Berufung wieder folgen.

1964 übernahm er die Pfarre St. Lambertus Tetz und wirkte 17 Jahre lang als Dechant des Dekanates Linnich, bevor er als Ehrendechant 1999 offiziell in Ruhestand trat, Stadt und der Ortschaft Tetz aber weiter verbunden blieb.

Osterbräuche der Messdiener

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| Statt Glockengeläut |

Nach dem Gloria in der Hl. Messe am Gründonnerstag schweigen die Glocken und Orgel in den kath. Kirchen bis zum Gloria der Osternachtsfeier am Karsamstag. Der Volksmund sagt „die Glocken fliegen nach Rom“.

Daher übernehmen die Meßdiener mit ihren Rasseln und Klappern in dieser Zeit den Läutedienst zum Angelus, also um 7:00, 12.00 und 19h Uhr, und jeweils vor den Gottesdiensten.

Ebenso sammeln die Meßdiener in den Tagen vor Ostern ihre wohlverdienten „Ostergroschen“ bzw. Ostereier an den Haustüren.

In der Wahrnehmung des Chronisten findet das „Rasseln“ zuletzt im Jahr 2010 statt. Über die vorhergehenden Jahre hat die Anzahl der Messdiener kontinuierlich abgenommen, so dass diese Tradion nicht aufrecht erhalten werden kann.

siehe auch: Klappern vor Ostern

tbd: Jahreszahl prüfen

 

WDR Lokalzeit über Hottorf

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| Das Dorf Hottorf |

Am 16. März 2006 sendet der WDR in der Lokalzeit Aachen diesen Bericht über Hottorf in der Serie „Das Dorf“.

Quelle: WDR Lokalzeit Aachen

 

Kirchenmusikalische Andacht zum 200-jährigen Bestehen

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| Sing mit mir ein Halleluja |

Link auf Liedvortrag des Kirchenchores

Auschnitte aus dem Dankeswort von Josef Lieven (stellv.  Vorsitender des Kirchenvorstands):

„…Mit der heutigen Feierstunde lassen wir unser Jubeljahr im wahrsten Sinne des Wortes ausklingen. Wir blicken zurück auf zweihundert Jahre christliches Leben um den Hottorfer Kirchturm. … Ich darf erinnern an das Pontifikalamt und die anschließende Begegnung mit unserem Bischof Mussinghof im Mai diesen Jahres. Persönlich habe ich mich sehr über die vielen Gespräche und Begegnungen anläßlich der Photoausstellung gefreut. Auch das Studium der Festschrift hat in unseren Familien zu vielen Gesprächen zur Geschichte unserer Pfarrgemeinde und den damit verbunden Traditionen geführt. Nichtzuletzt leuchtet das Licht der Jubiläumskerze mit dem Abbild unseres Gotteshauses in vielen Häusern unseres Ortes….“

Pontifikalamt zum 200-jährigen Bestehen

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| Pontifikalamt mit H.H. Bischof Heinrich Mussinghoff |

Auschnitte aus dem Grußwort von Josef Lieven (stellv.  Vorsitender des Kirchenvorstands):

„… Wir sagen Danke für 2 Jahrhunderte selbstständige Pfarrgemeinde St. Georg, wir sagen Danke für 20 Jahrzehnte eigenverantwortliches Handeln in der Kirchenverwaltung und wir sagen Danke für 200 Jahre christliches Leben um den Hottorfer Kirchturm.

In den vergangenen Wochen und Monaten haben wir bei der Vorbereitung dieses Festes gemerkt, was das alles bedeutet.  Als Pastor Philippen uns vor etwa 3 Jahren auf dieses runde Ereignis aufmerksam machte, hätte ich nicht gedacht, was wir in dieser kleinen Gemeinde noch alles auf die Beine stellen. Beginnend mit der gelungenen Innenrenovierung der Kirche im letzten Jahr können wir uns mit dem heutigen Festtag über weitere sakrale Ausstattungsgegenstände erfreuen. Ich darf Ihnen gleich die Jubiläumskerze und die Festschrift vorstellen. Weiterhin folgt im Juni eine Fotoausstellung und im November dürfen wir uns auf eine musikalische Reise durch das Kirchenjahr begeben. Schon jetzt darf ich mich bei allen, die dazu beigetragen haben und beitragen werden, herzlich bedanken. Ein besonderer Dank gilt Pastor Heinz Philippen, der alle Aktivitäten koordiniert hat.

… Persönlich ans Herz legen darf ich Ihnen auch unsere 60-seitige, im Farbdruck erstellte, Festschrift. Hierin können Sie in einer ausführlichen Zeittafel die Geschicke unserer Kirchengemeinde und damit auch die Geschicke des Dorfes nachvollziehen. Diese Zeittafel beginnt im Jahre 1340 mit dem Bau der ersten Kapelle an der Stelle, wo wir uns jetzt befinden. Diese Kapelle war schon so groß, dass die heutige dreiteilige Altargruppe darin Platz fand. Die weitere Geschichte ist durch Standhaftigkeit und Veränderungen geprägt. Die Hottorfer sind standhaft in der Pflege des Glaubens und in der Erhaltung ihres Gotteshauses, das mehrfach erweitert und wiederaufgebaut wurde. Veränderungen ergaben sich aus politischen oder kirchlichen Umstrukturierungen, die die Hottorfer tapfer meistern…“

Einige Impressionen im Bild:

Zum Jubiläumsjahr 2004 veröffenlicht die Kirchengemeinde diese Festschrift.

Die Berichterstattung:

25-jähriges Bestehen des Kirchenchores

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Am Vorabend des ersten Advents 2003 begeht der Kirchenchor sein 25-jähriges Bestehen.

Die Kirchenzeitung berichtet:
“ … Zum 25-jährigen Jubiläum des Kirchenchores feierte Pfarrer Heinz Philippen mit der Gemeinde in der Pfarrkirche St. Georg in Hottorf einen festlichen Gottesdienst, in Konzelebration mit Ehrendechant Heinrich Joussen. Die Feier wurde von 23 Sängerinnen und Sängern mitgestaltet. Dabei fehlten nicht der „Halleluja-Ruf“ und als Danksa­gung das Gospel „Amen“. Bei einer anschließenden Begegnung im Pfarrheim wurden fünf Mitglieder geehrt, die schon seit Gründung des Chores dabei sind…“

Zehntes Dorffest

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| Mit Feuerwerk|

De Dorfgemeinschaft feiert das 10-jährige Jubiläum des Dorfestes an drei Tagen.

Die Jülicher Zeitung berichtet:

Neuer Innenanstrich der Pfarrkirche

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| Heizung auf Erdgas umgestellt |

Die Firma Overbeck erhält den Auftrag zum neuen Innenanstrich der Pfarrkirche. Rechtzeitig zu Ostern 2003 sind die Arbeiten abgeschlossen.

Weiterhin erfolgt die Umstellung der Heizungsanlage in der Kirche von Flüssiggas auf Erdgas.

Die Lokalzeitungen berichten:

Chorleiter Odenius wird für 50-jährige Tätigkeit geehrt

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Im Rahmen des Cäcilienfestes im Dezember 2002 wird Chorleiter Peter Odenius für seine 50-jährige Tätigkeit als Kirchenmusiker im Pfarrheim geehrt. Als besondere Anerkennung wird dem Jubilar das goldene Ehrenzeichen des Diözesan-Cä­ci­lien­ver­ban­des Aachen und eine Urkunde überreicht.

Es wurden weitere Sänger für ihre Tätigkeit im Kirchenchor ausgezeichnet, darunter Marianne Schiffer für 40 Jahre Chorgesang.

Küsterin Maria Krafft im Ruhestand

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An ihrem 75. Geburtstag tritt Frau Maria Krafft in den Ruhestand. Die Jülicher Zeitung berichtet: „Maria Krafft ist in Hottorf eine Institution ‑ Mit Leib und Seele wirkte sie seit ihrem 15. Lebensjahr als Küsterin und Organistin in ihrer Heimatpfarre.“

Ab dem 01. Juli 2002 übernimmt Herr Willi Küpper zusätzlich zu Boslar auch den Organistendienst in Hottorf und Tetz.

Ehrenvorsitzende Maria Lorenz

| Neuer Vorstand|

Personelle Veränderungen in der Frauengemeinschaft und in der Carita Gruppe im  Frühjahr 2001.

Aus dem Pfarrbrief:

Restaurierung Gröbel Kreuz

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Das Wegekreuz an der Ecke Landstraße 266/Düsseldorfer Straße zwischen Hottorf und Ralshoven ist wieder vollständig.

Das Wegekreuz wurde vermutlich 1876 aus gelben Sandstein errichtet und ist zirka 3,20 Meter hoch. Die Inschrift lautet: „Zur frommen Erinnerung an die wohlachtbare Frau Sibylla Cath. Gröbel, geb. Roben, geb. zu Kofferen d. 13. Dec. 1787, gest. d. 26. Oct, 1862, verehlicht vom 22. Febr. 1811 mit Heinrich Gröbel, geb. 13. Jan. 1778 gest. …. Sept. 1867″.

Das Originalkreuz an der Spitze des Denkmals ist nach dem Krieg verloren gegangen.

Bei einem Verkehrsunfall am 27. Februar 1997 wurde das Wegekreuz vollständig zerstört, es zerbrach in 85 Teile. In Zusammenarbeit mit dem Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege ließ das Straßenbauamt Aachen das Wegekreuz von einem Steinmetzbetrieb restaurieren.

Bereits im Sommer 1989 war das Wegekreuz wieder aufgestellt worden worden, allerdings noch ohne „Spitze“, also Kreuz.

Die Lokalzeitungen berichten ausführlich:

Ehrendechant Joussen geht in den Ruhestand

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| Pfarrverbund Boslar - Hottorf - Tetz entsteht |

Nach 35 Jahren im Dekanat Linnich geht Ehrendechant Heinrich Joussen zum 1. Oktober 1999 in den wohlverdienten Ruhestand.

Bericht dazu im Pfarrbrief:

In memoriam Josef Stevens

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| Chorleiter Stefens verstorben |

Nach dem Unfalltod von Josef Stefens übernimmt Peter Odenius die Leitung des Hottorfer Kirchenchores.

Der Pfarrbrief berichtet:

Anschluss an zentrales Kanalnetz von Linnich

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| Maar über Regenwasserkanal gespeist |

Im Jahr 1995 wird Hottorf an das zentrale Kanalsystem von Linnich angeschlossen. In einigen Straßen wie in der Georgstraße wird ein Trennkanal errichtet, so dass die Maar weiterhin mit Regenwasser gespeist wird. An den meisten Straßen leiten die Haushalte alle Abwässer in einen Mischkanal ein. Unter dem Spielplatz befindet sich ein Sammelbecken. Über eine Druckleitung in den Straßen An der Maar, Georgstaße und Fasananstraße wird das Abwasser bis Kofferen geleitet und gelangt von dort aus in die Linnicher Kläranlage.

Restaurierung alter Messgewänder

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| Römische Caseln |

Zwei von sieben vorhandenen römischen Meßgewändern können mit Spendenmitteln (unter anderem durch die Frauengemeinschaft) restauriert werden.

Dazu Bericht im Pfarrbrief:

Restaurierung des Pfarrhauses abgeschlossen

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| Vollständige Sanierung und innere Umgestaltung |

Anfang 1986 beauftragte der Kirchenvorstand der Pfarrgemeinde Hottorf das Architektenbüro Helmut Classen in Mönchengladbach zu begutachten und eine Kostenschätzung Uber die erforderlichen Arbeiten zu erstellen. Nach Vorlage dieser Schätzung im März 1986 beantragte der Kirchenvorstand beim Generalvikariat in Aachen die erforderlichen Finanzierungsmittel. Die Finanzierung erfolgte teils mit Landesmittel,teils aus Kirchensteuermitteln und zum Teil aus Eigenleistung der Pfarrei. Die Planung sah eine vollständige Sanierung und innere Umgestaltung des Pfarrhauses vor.

lm Erdgeschoß wurde eine kleine Wohnung als Übernachtungsmöglichkeit für Gastpriester geschaffen. Ein Zimmer sollte als Paramentenraum genutzt werden. Für die Pfarrarbeit war ein Büro und ein Sitzungsraum für Kirchenvorstand, Pfarrgemeinderat und Caritasgruppe vorgesehen. lm Obergeschoß wurde eine abgeschlossene Wohnung erstellt.

Als ersten Bauabschnitt wurde dann im September 1987 das Dach erneuert.

Im Oktober 1990 begannen die Arbeiten des zweiten Bauabschnittes. Zunächst musste der Zementputz auf der Westseite abgeschlagen werden. Durch eine absperrende Wirkung waren die Balkenköpfe der Holzdecken innerhalb des Mauerwerkes abgefault und wurde ausgewechselt.Da der Zementputz so fest auf dem Mauerwerk haftete schälte man die Fassade einen halben Stein ab und mauerte mit artgleichen Steinen wieder neu auf. Die Dispersionsfarbe auf der Süd- und Ostseite musste ebenfalls entfernt werden. Nach einer Neuverfugung des ganzen Hauses wurde die Süd- und Ostseite mit Mineralfarbe gestrichen.
Das Haus erhielt neue Fenster, Aufteilung wie vorhanden, und Fensterläden.


Das Innere des Hauses ist grundlegend erneuert: Die Heizungs- und
Sanitäranlagen sowie Elektroinstallation wurde ebenso erneuert wie
die Fußbodenbeläge und Innentüren im Obergeschoß. lm Erdgeschoß wurden die Türen restauriert oder im alten Stiel erneuert. Zum Schall- und Wärmeschutz sind die Decken im Erd- und Obergeschoß abgehangen. Die Holztreppe wurde von den PVC Belägen befreit und gründlich repariert Dief sorgten mit Anstrich und Tapeten für ein freundliches Bild in den Räumen.
Zum Abschluß ist der Zuweg neu gepflastert und ein neues Törchen
am Straßeneingang montiert wurden.

An der Restaurierung beteiligte Firmen:
Dachdecker: Fa. Wolf (Titz), Fa. Zitzen (Mönchengladbach)
Maurerarbeiten: Fa. Breuer (Brachelen)
Zimmerarbeiten: Fa. Venrath (Körrenzig)
Fugarbeiten: Fa. Müller (Linnich)
Fliesenleger: Fa. Müller (Linnich)
Steinlieferant: Fa. Elbau (Elmpt)
Heizung: Fa. Niessen (Tenholt)
Sanitär: Fa. Niessen (Tenholt)
Elektro. Fa. Schaaf (Körrenzig)
Gußasphalt: Fa. Pepper (Mönchengladbach)
Putzarbeiten: Fa. Linden (Rath-Anhoven)
Schreinerarbeiten: Fa. Jansweid (Linnich)
Natursteinarbeiten: Fa. Rebau (Kruft)
Parkett: Fa. Reichartz (Korschenbroich)
Linoleum: Fa. Kaumanns (Mönchengladbach)
Malerarbeiten: Fa. Overbeck (Mönchengladbach)
Schlosserarbeiten: Fa. Corall (Linnich)
Plasterarbeiten: Fa. Strötzel (Brüggen)
Architekt: Helmut Classen (Mönchengladbach)
Bauleitung: Frank Hespers (Architektenbüro Classen)

 

Bittprozessionen vor Himmelfahrt

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| Bittage |

Im Jahr 1993 erstellt das Bistum Aachen eine Dokumentation der in den Pfarren durchgeführten Prozessezionen.

In Hottorf gehören die im Rheinland üblichen Bittprozessionen auch dazu. Bittgänge sind ein jahrhunderte altes geschätztes Zeichen, den Glauben an Gott, an die Macht des vertrauenden Gebets und die helfende Fürsprache der Heiligen zu bekunden.

Aus Augenblick mal!: Traditionell sind die drei Tage vor Christi Himmelfahrt sogenannte „Bitttage“. Bereits im 4. Jahrhundert wurden sie in der Kirche eingeführt. Bis heute haben sich die daraus entstandenen Bitt- bzw. Flurprozessionen auch in NRW erhalten.

Die Pfarrgemeinde beschreibt die Prozessionswege wie folgt:
1. Tag: Fasanenstraße  weiter Richtung Kofferen bis ans Kreuz rechts ab Privatweg Lübbers bis an die Maar Georgstr. zurück zur Kirche
2. Tag: Georgstraße – an der Maar – Bergstraße, Heerbahn zurück zur Kirche
3. Tag: Vorbei an Gut Schmitz Richtung Hompesch 10 Minuten auf diesem Weg, dann Umkehr auf demselben Weg zurück zur Kirche

Bis zum Jahr 20xx gehen die Bittprozessionen an allen drei Tagen. Mangels Teilnehmer findet die Flurprozession nur noch am Montag statt. Sie geht entlang der beiden ersten „Fussfall“-Stationen (hin- und zurück). 

tbd Jahreszahl prüfen

 

Goldhochzeit Braun

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| Umtrunk mit Ortsvereinen und Dorfbewohnern |

Alois und Maria Braun feiern 50-jähriges Ehejubiläum. Die Lokalzeitungen berichten:

Pfarrfest nach Erntedankmesse

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| Erlös für Bestuhlung des Jugendraums |

Reichhaltige Akitivitäten im Pfarrheim nach der Entedankmesse

Pater Hoberg wird verabschiedet

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| Tag der Harmonie |

Pater Hoberg verabschiedet sich im Pfarrbrief von den Pfarrangehörigen in Boslar-Hompesch und Hottorf :

Foto von der Verabschiedung im Pfarrheim

Die Volkszeitung berichtet am 13. März 1991:

| Kaplan Philippen übernimmt Seelsorge |

Kaplan Philippen, der im November 1990 seinen Dienst in Boslar und Hottorf angetreten hat,  übernimmt die Seelsorge und später auch die Leitung der Pfarreien.

Einsegnungshalle auf Teil des Pfarrgartens

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Der Kirchenvorstand übergibt nach Freigabe durch das Bistum Aachen einen Teil des Pfarrgartens an die Stadt Linnich zum Bau einer Einsegnungshalle.

Die Auftrags­vergabe erfolgt am 13. Juni 1989. Acht Monate später erfolgt die feierliche Über­gabe nach dem Sonntagsgottesdienst. Die Baukosten betragen 125.000 DM.

Durch diese Einsegnungshalle ist es in Hottorf als einziger Ortschaft der Stadt Linnich möglich, direkt in unmittelbare Nähe der Pfarrkirche bestattet zu werden.

Die Jülicher Nachrichten berichten am 16. Oktober 1990:

Einsegnung der Herz-Jesu Kapelle

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Aus dem Pfarrbrief: „Was sich unser Kirchenvorsteher, Herr Martin Lemm, vor längerer Zeit in den Kopf gesetzt hat, das ist nun Wirklichkeit geworden. Das Kapellchen zur Verehrung des Heiligsten Herzen Jesu . Eine noble und fromme Geste, die Achtung und Respekt verdient. Wir, die ganze Pfarrgemeinde, freuen uns darüber, da unser Ort um eine besinnliche Oase innerhalb der hektischen Welt bereichert worden ist, einladend zum Gebet und zur Besinnung.
An Fronleichnam soll hier in Zukunft der dritte Segen erteilt werden. Zunächst soll aber die Einsegnung vorgenommen werden am Pfingstmontag nach dem Hochamt“.

Hausbrand bei Famile Mütz

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| Hubert Mütz stirbt an Rauchgasvergiftung |

Familie Josef und Gertrud Mütz aus der Georgstraße sind am Sonntag, den 25.09.1988 von einer tragischen Brandkatastrophe heimgesucht worden, bei dem Hubert Mütz um Leben kommt. Die Feuerwehr kann ein Ausbreiten des Brandes vermeiden, aber das Wohnhaus brennt bis auf die Grundmauern nieder.

Die Pfarrgemeinde sagt das geplante Pfarrfest ab und spendet die Einnahmen aus dem bereits durchgeführten Losverkauf an die Familie Mütz. Sie richtet ebenso ein Spendenkonto ein  und stellt ab Oktober  die Wohnung im Obergeschoss der Pfarrhauses zur Verfügung, wobei noch Instandsetzungsarbeiten in Eigenleistung erforderlich waren. 

Kirchenchor im Jahr 1988

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| Einblick in die Chorarbeit |

Im Sommer 1988 gibt der Kirchenchor einen Einblick in die Chorarbeit und hält die Sänger namentlich und in Bildern für das Fotoalbum der Gemeinde fest. 

Chorleiter: Josef Stefens
Sopran: Maria Lorenz, Waltrude Mütz, Margarate Schiffer, Hildegard Kroker, Marianne Schiffer, Sibilla Engels
Alt: Agnes Josten, Helene Palitza, Katharina Esser, Maria Franken, Maria Schumacher
Tenor: Friedrich Lieven, Ingo Kroker, peter Spengler, Wilhelm Engels, Peter Bläsen
Bass: Alois Braun, Konrad Berger. Anton Esser

Quelle: Pfarrarchiv, Fotoalbum 1987-2003

 

Vier harmonische Glocken werden geweiht

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| Neue Christkönigs-Glocke |

Der der nach Kriegszerstörung notdürftig reparierte Glockenstuhl wird erneuert.

Großzügige Spenden der Pfarrgemeinde ermöglichen den Zuguß einer neuen Christkönigs-Glocke, die am 19.03.1988 in Brockscheid gegossen wird. Die Pfarrgemeinde fährt mit dem Bus in die Eifel und schaut sich den Glockenguss an.

Bereits am 21.11.1987 wird die Georgsglocke (g‘) umgegossen. Ihr Geläut passte nicht harmonisch in das Klangbild aller vier Glocken. Auch hier nehmen 16  Pfarrangehörige an einer Führung durch die Glockenhalle in Brockscheid teil und erleben dern Guss von ingesamt 11 Glocken am 21.11.1987.

Die vier Glocken werden am Palmsonntag 1988 durch Dechant Joussen geweiht.

Am 29.03.1988 berichten die Jülicher Nachrichten auf der Titelseite des Lokalteils:

| Abschluss der Renovierung|

Im März 1988 beginnen die Arbeiten zur Sanierung des Außenmauerwerks. Sämtliche Fugen werden ausgestemmt und neu verfugt. Gleichzeitig werden die Turmjalousien erneuert.
Nach Fertigstellung der Sakristei – im Mai 1988 – erhält sie noch eine neue Inneneinrichtung. Zum Abschluss der Arbeiten sind die Außenanlagen ergänzt worden.

Die Ausführungen in der gesamten Renovierungphase erfolgten folgende Firmen:

Erweiterung der Sakristei

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Die Kirche erhält einen neuen Innenanstrich.

Am 08.01.1988 beginnen die Arbeiten zur Sakristeierweiterung.

Beginn der Restaurierung der Pfarrkirche St. Georg

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| Erneuerung der Orgelbühne |

In den Jahren 1987/88 wird die Pfarrkirche St. Georg in Linnich-Hottorf restauriert. Gleichzeitig wird die Sakristei erweitert. Die nicht mehr tragfähige Orgelempore wird abgebrochen und durch eine neue, auch dem Chor ausreichend Platz bietende Empore, ersetzt. Zusätzlich wird der Treppenaufgang zur Empore aus dem Turm nach Außen an die Nordwest-Seite der Kirche verlegt.

Die Arbeiten werden am 25.08.1987 durch den Kirchenvorstand begonnen. Er führt die Abbrucharbeiten der Orgelbühne und den Erdaushub für die neue Kirchenheizung in Eigenleistung aus. Die Elektronachtspeicherheizung entsprach nicht mehr den Anforderungen an eine gute Kirchenheizung.

Die Jülicher Volkszeitung berichtet am 30.10.1987:

Weihnachten 1987 sind die Arbeiten im Inneren der Kirche abgeschlossen. Neben der Orgelbühne werden auch die Bankpodeste in kleinerer Form erneuert. Die restlichen Bodenflächen mit Naturstein belegt. Der im Chorraum untergebrachte Taufstein findet einen neuen Platz in einer konchenartigen Nische der Nordwand im Westen des Kirchenschiffes.

Maarschützen feiern einjähriges Bestehen

| Dorfest im Pfarrheim |

Die Maarschützen feiern ihr einjähriges Bestehen mit Pokalschiessen, gemeinsamem Kirchgang, musikalischem Frühschoppen und Cafeteria als Dorffest am 31. Mai und 1. Juni 1986.

25-jähriges Vereinsjubiläum des Hottorfer Sportvereins

| Stadtpokal und "Unser Dorf spielt Fußball" |

Im August 1985 feiert der Hottorfer Sportverein (HSV) sein 20-jähriges Bestehen. In der Zeit vom 7. bis 18. August wird der Stadtpokal, ein D-Jugend-Turnier, ein Alte-Herren-Turnier sowie „Unser Dorf spielt Fußball“  ausgetragen. Beim Festkomers wird die Festschrift vorgestellt.

tbd Festschrift besorgen, u.a. im Ladesarchiv

Neuer Jugendraum im alten Stall

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| Jugendausschuss des PGR |

Nachdem der alte Stall zwischen Pfarrheim und Pfarrhaus entsprechend hergerichtet wurde, wird im April 1985 der neue Jugendraum eröffnet.

Zuvor hat der Jugendausschuss der Pfarrgemeinderates seit Anfang 1984 Altpapier- und altkleidersammlungen im Ort druchgeführt, um entsprechnde Umbaumaßnahmen zu finanzieren.

Dazu berichtet der Pfarrbrief:

Letztes Maarfest

| Sommerfest der Karnevalsgesellschaft |

Die KG Holzköpp richten mehrere Jahre im Sommer ein Dorfest aus. Das letzte „Maarfest“ findet am 26. August 1984 statt.

Pfarrsonntag mit Preisskat

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| Musikalischer Frühshoppen |

Reichhaltige Akitivitäten im Pfarrheim nach der Entedankmesse

Erste Radwallfahrt nach Kevelaer

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| Maria zu Dir kommen wir |

In den 1980-er Jahren fährt eine Gruppe von Senioren aus Hottorf mit dem Fahrrad zum Wallfahrtort Kevelaer. Die Gruppe hat sich vorher bereit zu wöchentlichen Radfahrten um Hottorf herum getroffen

Weiterhin findet im Herbst eine jährliche Buswallfahrt statt.

Im Pfarrbrief vom 15. September 1983 erscheint ein Bericht zur ersten Radwallfahrt.

Im Pfarrbrief vom 16. August 1985 erscheint ein Bericht zur zweiten Seniorenradwallfahrt.

Weitere Radwallfahrten der Seniorengruppe nach kevelaer:

  • 7.7. bis 9.7.1986 mit 12 Teilnehmern
  • 13.7. bis 15.7.1987

Der Brauch der jährlichen Radwallfahrt nach Kevelaer wird von Gemeinschaft der Gemeinden (GdG) im Jahr xxxx wieder aufgenommen.

tbd Datum der weiteren Wallfahrten

10 Jahre Frauenfeuerwehr

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| Gut Schlauch |

Das 10-jährige Bestehen der Frauengruppe in der Feuerwehr Hottorf greifen mehrere Medien auf. So werden unter anderem die folgenden beiden Beiträge im WDR Fernsehen ausgestrahlt.

Quelle WDR, Landesstudio Köln

Pfarrgemeinderat gründet Jugendausschuss

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| Neue Impulse für die Jugendarbeit |

Der Pfarrgemeinderat bildet erstmals einen Jugendausschuss mit Wilfried Palitza (Vorsitzender), Hubertus Lübbers (Stellvertreter), Maria Franken, Hans Willi Schumacher und Konrad Berger.

Zu Mitfasten (am 20. März 1982) findet eine Jugenddisco im Pfarrheim statt.

Weitere Formate der Jugendarbeit werden auch in den Folgejahren immer wieder angeboten, so auch eine Teestube im Oktober 1988.

Das erste Pfarrfest

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Pfr. Joussen schreibt dazu:

Dieses sollte bereits im Jahre 1974 oder 1975 stattfinden. Die Vorsitzenden der kirchlichen und weltlichen Vereine wurden deshalb an einem diesbezüglichen Gespräch eingeladen. … das Ergebnis und die Beschlüsse der Versammlung teilte ich im nächsten Pfarrbrief der Pfarrgemeinde mit. Nach meiner Rückkehr aus meinem Urlaub erfuhr ich ganz zufällig, daß die weltlichen Vereine nicht mitmachen wollten.

Schließlich ergriff im Jahre 1981 der Kirchenchor die Initiative und beschloß mit Hilfe der kirchlichen Gremien ein Pfarrfest zu veranstalten. Der Erlös sollte für die Anschaffung eines Klaviers, welches der Chor für die Proben dringend benötigte, Verwendung finden. … Nach intensiven Vorbereitungen der meisten Mitglieder des Kirchenvorstandes und des Pfarrgemeinderates sowie unter Mitwirkung der katholischen Frauengemeinschaft und des Kirchenchores wurde das Pfarrfest am 27.9.1981 das erste Pfarrfest in Hottorf zu einem vollen Erfolg. Fast alle kamen, um im Pfarrheim oder in dem dahinterliegenden Garten die Darbietungen zu erleben. Viele kamen aus Neugierde, andere, um eine gute Sache zu unterstützen. Alle erlebten das Pfarrfest in der ihnen eigenen Art, die meisten jedoch in reiner Freude.

 

Quelle: Pfarrachiv, Pfarrchronik Pfr. Joussen

In den Jahren danach finden weitere Pfarrfeste statt:

  • am 3 und 3. Oktober 1982
  • am 2. Oktober 1983
  • am 24. Juni 1984
  • am 5. Oktober 1986
  • am 2. Oktober 1988, abgesagt wegen Hausbrand
  • am 27. August 1989 als Wanderung und Grillnachmittag an der Sophienhöhe
  • am 23. September 1990 als Pfarrwanderung mit Familienmesse an der Rödinger Grillhütte
  • am 6. Oktober 1991

Mit dem Bus zur Papstmesse

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Papst Johannes Paul II besucht Köln anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Domvollendung Stadt und Kathedrale.

Hottorfer Christen reisen mit dem Bus zur Papstmesse auf den Butzweiler Hof.

Auch am 1. Mai 1987 reisen wieder Hottorfer und Boslarer Christen gemeinsam zur Pabstmesse ins Müngersdorfer Stadium nach Köln.

Weitere Reparaturarbeiten an der Kirche

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  • Reparaturen am Kirchendach, Erneuerung der Bedachung und der Blitzschutzanlage
  • Erneuerung der Brüstung an der Orgelempore mit Anpassung am Prospekt der Orgel
  • Neues Eingangsportal  (Türe)

Ferienspiele und -ausflüge

KfD in Aktion für Kinder

Nicht erst im Jahr 1981 veranstaltet die Frauengemeinschaft verschiedene Aktivitäten für die Kinder in der Ferienzeit. Neben Ausflügen gehörten schon in der Vergangenheit auch Ferienspiele z.B. mit Sackhüpfen und Eierlaufen auf dem Sportplatz dazu.

Pfarrgemeinderat in Aktion für Kinder

In den Pfarrbriefen im Herbst 1980 erscheint der Aufruf zu Spiele- und Bastelnachnachmittagen für Kinder bis zu 10 Jahren. Es werden interesssiserte Betreuer aber auch Spiel- und Bastelmateirel gesucht. Am 25. September 1980 findet dann der erste Spielenachmittag im Pfarrheim statt.

Neue Kirchenorgel

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Am 7. Januar 1979 wird die neue Orgel in einem feierlichen Gottesdienst mit Orgelkonzert eingeweiht.

Die Kirchenzeitung berichtet:

„Die Pfarrgemeinde St. Georg zu Hottorf im Dekanat Linnich hat eine neue Kirchenorgel. Zur Christmette erklang sie zum ersten Male, und am 7. Ja­nuar wurde sie durch Regio­naldekan Haas, Düren, in ei­ner nachmittäglichen Eucharistiefeier geweiht. Als Dekan Haas sagte: „Erklinge nun, Orgel, zum heiligen Dienst“, erklang festliche Musik, into­niert vom Orgelreferenten un­seres Bistums, Münsterkantor Viktor Scholz, Mönchengladbach. Er schöpfte in seinem Spiel gleich die klanglichen Möglichkeiten dieser Orgel voll aus.

Pfarrverwalter Dechant H. Joussen, Pfarrer von Tetz, er­klärte, daß diese Orgel Ersatz für das im Kriege zerstörte In­strument sei: Mit ihren zehn Registern erreicht sie für die räumlichen Verhältnisse der Pfarrkirche Hottorf ein sehr hohes Niveau. Der Prospekt des Instruments wurde von der Orgelbauanstalt Gebr. Stockmann in Werl/ West, in Zusammenarbeit mit dem Generalvikariat Aachen entwickelt. Bei Wahrung aller orgelbautechnischen Prinzipien wurde eine Schauseite kon­struiert, die auf die übrige Aus­stattung der Kirche Bezug nimmt, ohne die Aussage unserer Zeit zu leugnen. Das Eichenholz wurde nur mit flüssigem Bie­nenwachs behandelt; dadurch bleibt der natürliche Farbton erhalten und erreicht nach gewisser Zeit die Patina der barocken Kirchenausstattung. Die Disposition der Orgel wur­de vom Orgelreferent des Bis­tums Aachen, Viktor Scholz, er­stellt. Die Spielanlage dieser vollmechanischen Schleifladen­orgel befindet sich in der Vor­derfront des Gehäuses. Die zehn Register sind auf zwei Manuale und Pedal verteilt. Alle verwendeten Materialien, Hölzer wie Metalle, sind von hoher Qualität.“

Auch die Lokalzeitungen berichten ausführlich:

Neugründung des Kirchenchores

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Der Hottorfer Kirchenchor wird neu gegründet. In Erwartung der neuen Orgel soll auch der Chorgesang nicht zu kurz kommen. Werner Schiffer, Lehrer-Referendar aus Tetz, übernimmt die Chorleitung. Der erste „Auftritt“ erfolgt bei der Christmette 1978.

 

Hottorf – ein kleines Dorf am Rande des Jülicher Landrückens

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| Helmut Schiffer erforschte das Hottorfer Geschichtsbild |

„Hottorf – ein kleines Dorf am Rande des Jülicher Landrückens“ unter diesem Titel erscheint das einzige Buch über Hottorf.

Um Interessierten den Inhalt der vergriffenen Auflage zur Verfügung zu stellen, befindet sich hier eine PDF-Fassung zum Download – mit Zustimmung des Autors.  

Anclicken für PDF Download

Die Lokalzeitung berichtet über die Vorstellung des Buches im Hottorfer Pfarrheim:

Im Januar 2025 hat Helmut Schiffer der Dorfgemeinschaft freundlicherweise eingeräumt, auf dieser Webseite interessante Passagen aus seinem Buch als Zitate wiederzugeben. Vielen Dank dafür!

Erste Handarbeitsaustellung

| Lobenswerte Tat |

Dazu schreibt Pfarrer Joussen im Pfarrbrief:

„Zu einer lobenswerten Tat haben sich die Frauen unserer Pfarre entschlossen. Im monatelangen Fleiß haben die Frauen der Frauen- und Müttergemeinschaft wertvolle und brauchbare Handarbeiten angefertigt. Diese sollen am 19. und 20. November bei einer Ausstellung im Pfarrheim zum Verkauf angeboten werden. Der Erlös ist ausschließlich für die Anschaffung unserer neuen Orgel bestimmt. Besucht die Ausstellung…!

Auch wer nichts kaufen will, möge die Arbeit der Frauen anschauen, um durch sein Interesse den Fleiß zu würdigen. Wieviel Zeit wird daheim oft unnötig vertan. Bemühungen für die Erfordernisse der Allgemeinheit sind in unserer Gemeinde selten. Wir sollten die Initiative der Frauen dankbar anerkennen.“

Die jährliche Ausstellung lockt in den weiteren Jahren viele Besucher, auch von außerhalb, nach Hottorf. Aus dieser Zeit stammt auch der nachfolgende Zeitungsartikel.

Letzte Goldhochzeit mit Fackelzug

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| Beitrag in Arbeit !!! |

  • genaues Datum?
  • Referenz zur anderen Artikeln
  • „große“ Dorffeier mit Facklelzug und Fier auf dem Saal

HSV feiert Frühkirmes

| Das ganze Dorf ist auf den Beinen |

Wenn der Frühling Einzug hält und sich der St. Georgstag Ende April nähert, richtet der Hottorfer Sportverein (HSV) in den 1970er Jahren die traditionelle Frühkirmes aus. Über Jahre hinweg sorgt der Verein dafür, dass die Kirmes nicht nur ein Fest bleibt, sondern ein Erlebnis für die Dorfgemeinschaft.

  • Fester Bestandteil der Frühkirmes ist das festliche Hochamt und oft auch ein Festzug am Sonntag Nachmittag.
  • Der Tanzabend mit Live-Musik im Saal Mütz lässt die Kirmesgäste feiern, tanzen und Gemeinschaft erleben. Jung und Alt kommen zusammen, schwingen das Tanzbein und feiern bis tief in die Nacht.
  • Für die kleinen Besucher ist das Karussell auf dem „Karusseleplei“ (der heutige Platz gegenüber der Begegnungsstätte) das unumstrittene Highlight! Der HSV ermöglicht Kindern Freifahrten und lässt damit Kinderherzen höherschlagen.
  • In der Budenstraße auf dem Parkstreifen an der Maar entlang der Georgstraße war bei der Schießbude immer wieder Anlaufpunkt.
  • Große Fahrgeschäfte wie eine Raupenbahn oder ein Autoscooter wurden damals auf der Wiese gegenüber dem Spielplatz an der Bergstraße aufgebaut. Heute stehen dort Wohnhäuser an der Straße „Am Bildstock“.

Auf dem Karussell

Typ: Bodenkarussell
Schausteller: Rey (Würselen)
Baujahr: 1913
Maße (BxTxH): 10 m

Impressionen vom "Schlüsselziehen" und vom "Kotzkarussellchen"

Noch offen:

  • Interesse der Schausteller und der Dorfbewohner lässt nach, nur noch „Rumpfkirmes“ zuletzt nur mit einer Bude, kein Tanzabend mehr
  • neue Formate: Sportwoche und „Unser Dorf spielt Fussball“

 

Grabstein für Ehrendechant Reiners aus Anröchter Dolomit

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| Christus und die Emmaus Jünger |

Pfarrer Joussen berichtet dazu in seiner Pfarrchronik:

Anfang des Jahres 1976 beschloß ich, diese Grabstätte, die bis dahin nur durch ein kleines Kreuz gekennzeichnet war, durch ein würdiges Grabdenkmal zu verschönern. Darum fuhr ich mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Kirchenvorstandes, Herrn Fritz Lieven, dem Vorsitzenden des Pfarrgemeinderates, Herrn Hermann Lübbers, und der Küsterin, Frau Maria Krafft, zu den Kunstwerkstätten nach Maria Laach. Dort ließen wir einen Entwurf für das Denkmal anfertigen, der eine Reliefdarstellung „Christus und die Emmaus-Jünger“ darstellte. Dieser Entwurf fand unser aller Zustimmung.

Quelle: Pfarrarchiv, Pfarrchronik Pfr. Joussen

40-jähriges Bestehen der Feuerwehr Hottorf

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| Festkommers im Festzelt |

Bei dem 40-jährigen Stiftungsfest der Feuerwehr Hottorf kann Pfarrer Joussen von seinem Steckenpferd, den geschichtlichen Nachforschungen zum Jülicher Land, beitragen.

So berichten die Jülicher Nachrichten am 29. April 1975:

„Eindrucksvoll war die Rede von Pfarrer Joussen, der die geschichtliche Entwicklung der Gemeinde Hottorf aus den frühesten Anfängen bis hin zur kommunalen Neugliederung, beleuchtete. Aus Aufzeichnungen alter Pfarrbücher, kaiserlichen Edikten und Gerichtsakten zeichnete er das Bild einer aktiven Dorfgemeinschaft, deren Ursprung weit in das Mittelalter hineinreicht.“

Das Manuskipt für die Rede befindet sich im Pfarrachiv und kann hier angesehen werden.

Jugendheim in Pfarrheim umbenannt

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| Haus und Benutzungsordnung erlassen |

Das 1970 erbaute Jugendheim wird von vielen Gruppen  der Pfarrgemeinde genutzt (z.B. Frauengemeinschaft, Messdiener, Caritas). Neben der Nutzung durch die Jugendlichen finden hier untern anderem auch Seniorennachmittage, verschiedene Kurse, Versammlungen und Ausstellungen statt. Daher wird die Räumlichkeit zunehmend als Pfarrheim bezeichnet.

Eine als sinnvoll bezeichnete Nutzung durch die Jugend war von Anfang an Diskussionsgegenstand in der Pfarrgemeinde. Im August 1972 wird der erste Benutzungsplan aufgestellt.

Im Oktober schreibt Pfarrer Joussen dazu im Pfarrbrief: „Kirchenvorstand und Pfarrrgemeinderat haben eingehend über eine sinnvolle Nutzung des Jugendheimes beraten. Das Jugendheim steht  allen Jugendlichen zu Spiel und sonstiger Freizeitgestaltung offen. Eine sinnvolle Freizetbeschäftigung der Jugendlichen ist gerade heute besonders wünschenswert. Erfahrungsgemäß ist jedoch ein Zusammensein von Jungen und Mädchen  ohne verantwortliche Aufsicht durch eine dazu beifähigte Person geradezu unmöglich. Die-jenigen, die das nicht wahrhaben wollen, mußten bisher stets bittere Enttäuschungen erleben. Übrigens maehen die kommunalen Behörden ihre Unterstützugen und Beihilfen für das Jugenheim von
der Gewährung einer strikten Hausordnugn abhängig. Allen Jugendlichen, die bei Spiel und Vergnügen auch den Ordnungssinn bewahren, steht das Jugendheim offen.  Verhaltet Euch s0 wie in der eigenen Wohnung daheim!“

Im Januar 1973 sieht der Nutzungsplan wie folgt aus:
Montag: Putztag
Dienstag: von 16-18 Uhr für  Kinder unter Aufsicht von Frauen und Müttern; von 18 – 21 Uhr für Juegendliche ab  12 Jahre (Spiel u. Tischtennis)
Mittwoch: am ersten Mittwoch im Monat für den Frauen- und Mütterverein
Donnerstag: von 16 – 21 Uhr für Tischtennisspieler
Freitag: Jugendseminar
Samstag: Geschlossen
Sonntag: an zwei Sonntagen im Monat ist von 16 – 21 Uhr Tanz für die Jugend

Immer wieder werden Beschädigungen nach Jugendveranstaltungen und Belästigungen von auswärtigen Besuchern festgestellt. Pfarrer Joussen bitte die Gemeinde im Juni Pfarrbrief 1978 um Aufmerksamkeit zu dem Thema und erwartet, dass sich die Probleme in der Jugendarbeit mit einem hauptamtlichen Pastoralrefenten zukünftig besser lösen lassen.

Im November 1979 wird die Nutzung als Discothek-Raum nach erneuten Schäden endgültig untersagt. Im Pfarrbrief heisst es: „… Dei Verhaltensweise des einzelnen in der Masse scheint anders zu sein als zu Hause. … Die Glasscheibe in der Tür zum Saal wurde zertrümmert, sanitäre Anlagen unbenutzbar gemacht, die Küchentür stark beschädigt, 15 Stühle demoliert…“       

Adventsfeier für die Senioren

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| Pfarrgemeinderat und Frauen- und Müttergemeinschaft laden ein |

Die neuen Räumlichkeiten des Jugendheims werden für eine jährliche Seniorenfeier genutzt.

Die Lokalzeitung nimmt das vierte Treffen als Anlass für einen Bericht:

In memoriam Hubert Reiners

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| Grabkammer entdeckt |

Am 7.11.1974 wird Ehrendechant Reiners in der Nähe der Kirche auf dem Hottorfer Friedhof beigesetzt.

Jülicher Nachrichten berichten am Vortag der Beerdigung:

Pfarrer Joussen berichtet dazu in seiner Pfarrchronik:

In memoriam Dechant Huber Reiners

Nach langer und schwerer Krankheit verstarb am Allerseelentage, dem 2.November1974, der Hochwürdige Herr Ehrendechant Hubert Reiners, der frühere Pfarrer in Hottorf. Folgenden Nachruf veröffentlichte ich in der Presse:

„Tief bewegt nimmt die Pfarrgemeinde St. Georg zu Hottorf Abschied von diesem aufrechten und charaktervollen Mann, von dem tieffrommen und äußerst eifrigen Priester. Der Verstorbene war ein Mann mit einem stark ausgeprägten Willen, der ihn den Weg treuer Zielstrebigkeit gehen ließ, unbekümmert um Lob oder Tadel der Menschen. Anfang des Jahres 1941 kam er als Pfarrer nach Hottorf und war in der Zeit schlimmster Verirrungen und Wirrungen ein wahrer Sorger der ihm anvertrauten Seelen, Hirt und Vater seiner Gemeinde, mit der er Freude und Leid aufrichtig teilte. Sehr schwer trug er an der Zerstörung seines Pfarrortes und seiner schönen Kirche, deren Wiederaufbau er seine ganzen Kräfte widmete, die ihm aber auch seine Gesundheit raubte. Sein wichtigstes Anliegen aber war die religiöse Neu­belebung nach dem Kriege. In der Umgebung des Ortes ließ er verschiedene Kreuz­wegstationen als Gebetsstätten erbauen. Er schaffte die Möglichkeit zum späteren Bau eines Pfarrheimes. Überall legte er mit äußerstem Fleiß und ohne Schonung seiner körperlichen Kräfte selbst Hand an. Vor keiner Arbeit scheute er zurück, kannte keine Müdigkeit und Schwäche, wenn es galt, das Wort Gottes zu verkünden, die Jugend zu unterrichten. Als Religionslehrer an der Berufsschule in Jülich war er viele Jahre erfolgreich tätig. Ebenso erfolgreich war er um die Heranbildung des Priesternachwuchses bemüht. Als er merkte, daß die Sonne seines Lebens sich dem Untergang zuneigte, verließ er 1968 die Pfarre Hottorf. Er starb als ein aufrechter Diener seines Herrn, betrauert von einen dankbaren Pfarr­kindern, in deren Gedächtnis sein segensreiches Wirken weiterleben wird.“

Das Begräbnis war die größte religiöse Veranstaltung, die ich bisher in Hottorf erlebt habe. Sehr viele Kleriker aus den Bistümern Aachen und Köln waren anwesend. Die Exequien zelebrierte der Dechant des Dekanates Linnich, H.H. Dechant Cornelius Jansen aus Gereonsweiler, während H.H. Prälat Prof. Dr. Herkenrath aus Köln eine hervorragende, viel beachtete Predigt hielt. Der Hochwürdigste Herr Weihbischof Josef Buchcremer nahm die Segnungen am Grabe vor.

Als Begräbnisstätte war zunächst die Priestergrabstätte an der Sakristei vorgesehen. Als aber die städtischen Arbeiter am Morgen des Beerdigungstages dort das Grab ausheben wollten, fand man alsbald – etwa 40 cm – unter dem Erdboden eine mit Betonplatten abgedeckte Grabkammer eines früheren Hottorfer Pfarrers. Auch seitlich dieser Grabkammer war kein Platz mehr für ein neues Grab. – Deshalb benachrichtigte ich sofort den Stadtdirektor in Linnich. Dieser kam sofort nach Hottorf, und wir suchten gemeinsam ein neuen geeigneten Platz für das Priestergrab. Diesen fanden wir nahe bei dem Hochkreuz in dem neu angelegten Teil des Friedhofes. Dieser Friedhofabschnitt gehört parzellenmäßig zum Pfarrgarten. Ohne behördliche Genehmigung hat man diesen Teil des Pfarrgartens dem Friedhof angefügt , um einen Nutzen aus der Verpachtung der „privaten Grabstätten“ zu erlangen. – Demnach wurde Hw. Herr Dechant Reiners in seinem Pfarrgarten beerdigt.

Quelle: Pfarrarchiv, Pfarrchronik Pfr. Joussen

Pfarrhaus wird vermietet

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| Erster Mieter wurde Familie Hölscher |

Pfarrer Joussen schreibt dazu in seiner Pfarrchronik:

Seit dem Auszug des Pfarrverwesers, Herrn Dr. Deden, stand das Pfarrhaus leer und blieb lange Zeit unbewohnt. Lediglich zwei  Zimmer, eines zur Straßenseite und eines zur Gartenseite dienten als Büroräume der pfarrlichen Nutzung. Im Frühjahr 1973 sollten drei Patres, die im Auftrage des Landschaftsverbandes als Spezialisten den Drogensüchtigen arbeiteten, dort einziehen. Nach eingehenden Überlegungen wählten die Patres, die in Düren stationiert waren, das Pfarrhaus in Bourheim als ihren Wohnsitz.

Im Juni 1973 wurde mir vom Generalvikariat Aachen mitgeteilt, dass der bereits im Ruhestand lebende Pfarrer Johannes Roderburg von Düren nach Hottorf ziehen werde. Er solle im Pfarrhaus wohnen und sei zur Mitarbeit in der Seelsorge bereit…

Im Sommer 1973 ließ ich am Pfarrhaus verschiedene Reparaturarbeiten vornehmen, um das Haus für den pensionierten Pfarrer möglichst wohnlich zu gestalten. U.a. wurde in der Diele eine Trennwand aus Glas mit einer Durchgangstür eingebaut, um Privat- und Dienstzimmer voneinander zu trennen. …  Als schließlich alle Arbeiten beendet waren, konnte Pfarrer Roderburg einziehen. Einige Tage später stellte er sich dem Kirchenvorstand vor.

Leider war sein Aufenthalt in der Pfarre Hottorf jedoch von kurzer Dauer. Infolge einer alten Erkrankung mußte er nach sechs Wochen ins Krankenhaus nach Birkesdorf, … Deshalb entschloß sich Pfarrer Roderburg, Hottorf sofort wieder zu verlassen, um in Düren Wohnung zu nehmen.

Nun stand das Pfarrhaus wieder leer. Deshalb veröffentlichte ich im Pfarrbrief vom 1.1.1974 eine Notitz, durch welche ich im Einvernehmen mit dem Regionaldekan das Pfarrhaus – außer den beiden zum Garten hin gelegenen Dienstzimmern – als Mietwohnung anbot.

Quelle: Pfarrarchiv, Pfarrchronik Pfr. Joussen

Einsegnung der Leichenhalle an der Schule

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Im Dezember wird ein Teil der alten Schule zur Leichenhalle umgebaut und von Pfarrverwalter Heinrich Joussen eingesegnet. Damit ist ein Wunsch der Bürger Hottorf in Erfüllung gegangen, die nun ihre Toten nicht mehr in Nachbarorten aufbahren müssen.

Vorträge, Diskussionen und Frühschoppen im neuen Jugendheim

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| Lichtbildvorträge von Pfarrer Joussen |

Im Oktober 1973 stellt der Pfarrgemeinderat ein umfangreiches Herbst- und Winterprogramm vor, welches nun durch die neue Räumlichkeit „Jugendheim“ erst möglich geworden ist.

Dieses beginnt mit einem Vortrag für die Frauen über deren Probleme und einem Gespräch mit der Jugend, zu welchen Themen künftig Referenten eingeladen werden sollen.

Es folgen – auch in den nächsten Jahren – weitere Veranstaltungen wie:

  • Dez. 1973: Gewissen, anerzogen oder angeborenen
  • Jan. 1974: Jugendforum „Was gehen mich die anderen an?“
  • Jan. 1974: Generationenproblem
  • Feb. 1974: Frühschoppen mit Diskussion zum Leinismus
  • Mär.: 1974: Lichtbildvortrag über Rom, die ewige Statd
  • Feb. 1974: Frühschoppen mit Diskussion zum Marxismuns
  • Jun. 1974: Jugendforum „Ich und Du“
  • Nov. 1974: Lichtbildvortrag über die Entstehung der Hl. Schrift.
  • Jan. 1975: Lichtbildvortrag über Moskau, das dritte Rom
  • Feb. 1975: Lichtbildvortrag zum Heiligen Jahr 1975
  • Dez. 1976: Lichtbildvortrag über Israel – Teil 1
  • Dez. 1976: Lichtbildvortrag über Israel – Teil 2
  • Feb. 1980: Lichtbildervortrag über den Buddhismus

in den 1980er Jahre finden viele weiter Veranstaltungen und Kurse im Pfarrheim bzw. Pfarrhaus statt, z.B. Blumen-Stecken, Bastel-, Koch- und Nähkurse, Gymnastik, Krabbelstube für Kleinkinder, Basteln für Kinder (z.B. Palmzweiger, Ostereier bemalen), Flötengruppe, monatliche Fußpflege für Senioren, u. v. m. 

Erste Instandsetzungmaßnahmen durch Pfr. Joussen

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Pfr. Joussen schreibt dazu:

Bei meinem Dienstantritt mußte ich bedauerlicherweise feststellen, dass die Pfarrkirche erhebliche bauliche Mängel aufwies. Vor allem waren die Feuchtigkeitsschäden an der Innenseite des Westgiebels ziemlich stark. Auch an der Decke waren Schäden infolge Feuchtigkeitseinwirkung deutlich sichtbar. Ebenfalls war das Dach dringend reparaturbedürftig. Die Beseitigung all dieser Mängel hatte zur Folge, dass auch die Elektroinstallationen neu verlegt werden mußte. Und schließlich war der Innenanstrich der Kirche erneuerungsbedürftig.

Als Geld zur Verfügung stand, konnte sofort mit den Reparaturarbeiten begonnen werden. Sie wurden zügig durchgeführt und kamen im Frühsommer 1973 zum Abschluß.

Zusätzlich zu den geplanten und vom Bistum genehmigten baulichen Maßnahmen ließ ich noch einige Ergänzungsarbeiten vornehmen. Die Zwischentür im Eingang wurde durch eine Glastür ersetzt. Die hielt ich für notwendig, weil der Raum unter dem Turm vorher ein abgeschlossener Raum, in dem sich die Männer während des Gottesdienstes aufhielten, getrennt von den übrigen Gläubigen. Hinter der Glastür ist jedoch jeder sichtbar und kann auch selber auf den Altar und den Chorraum schauen.

Ferner ließ ich in die Sakristeimauer einen Tresor einbauen, so daß die Wertgegenstände, vor allem Kelche und Monstranzen nun möglichst diebessicher untergebracht waren.

Quelle: Pfarrachiv, Pfarrchronik Pfr. Joussen

 

Einsegnung der Feuerwehr Standarte

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| Gott zur Ehr - dem Nächsten zur Wehr |

Die Löschgruppe Hottorf lässt voller Stolz ihre neue Standarte in einem Festgottesdienst am 12. März 1973 feierlich einsegnen. Auf einer Seite zeigt sie zwei Feuerwehrsymbole und den Wahlspruch einer jeden Wehr „Gott zur Ehr – dem Nächsten zur Wehr“.

Die Lokalzeitungen berichten:

Bücherrei des Borromäusvereins und jährliche Bücherausstellung

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| Dank an Maria Philippen |

Nach der Errichtung des Jugendheims ist auch die Büchereie aus der Vikarie dorthin eingezogen. Jeden Sonntag nach der Messe konnten Bücher augeliehen werden. Jedes Jahr in der Adventszeit wurden in einer Buchausstellung zahlreiche neuerscheinungen auf dem Buchmarkt vorgestellt und zum Kauf angeboten.

Der Pfarrbrief von Februar 1973 enthält einen Dank an Maria Philippen:

Seit vielen Jahren hat Fräulein Philippen die Pfarrbücherei des Borromäusvereins treu und gewissenhaft geführt, so daß kaum jemand, es hätte besser machen können. Ihre Kenntnisse auf literarischem Gebiet sowie in der Buchführung und im Rechnungswesen konnte sie bei dieser Arbeit wertvoll nutzen. Besonders aber, war es ihr Eifer, dem guten Schrifttum, Raum und Geltung zu verschaffen, der hier in löblicher Weise erwähnt werden muß. Fähigkeit und vor allem Liebe sind für dieses Ehrenamt erforderlich, für das man nur selten Dank erntet.

Auch die Buchausstellungen, die sie alljährlich vor Weihnachten veranstalte, waren Zeugnis ihres uneigennützigen Fleißes, für die Pfarrgemeinde, aber ein wertvoller, kultureller Gewinn.

Die gesamte Pfarrgemeinde schuldet ihr dafür und für Ihre Mitarbeit im Pfarrgemeinderat, Dank und Anerkennung.

Pfarre kommt zum Dekanat Linnich

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Die Pfarre St. Georg, die noch zum Dekanat Hasselsweiler gehörte,  zu Hottorf wird dem Dekanat Linnich zugeführt. Damit erfolgt auf Dekanats-Ebene eine räumliche Überdeckung mit der kommunalen Struktur.

Pfr. Joussen aus Tetz wird als Pfarrverwalter eingesetzt

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Pater Dr. Deden kehrt aus Gesundheitsgründen nach Holland zurück. Als Pfarrverwalter wird der Pastor von Tetz, Heinrich Joussen, eingesetzt.

Im ersten Pfarrbrief,  am 21. September 1972, stellt Pfarrer Joussen sich der Gemeinde vor:

Zunächst Euch allen einen ganz herzlichen Gruß von eurem neuen Pfarrverwalter!

Im Auftrag unseres Bischofs schrieb mir der Regionaldekan der Region Düren vor einigen Tagen „Unbeschadet ihre Aufgaben als Pfarrer von Tetz bestelle ich sie gleichzeitig zum Pfarrverweser der Pfarre St. Georg zu Hottorf…“. Da habe ich mir zunächst gedacht: Was soll nun werden? Zwei soweit voneinander entfernt liegende Orte, dazu die Schulen wieder in einem anderen Ort! Aber Ihr wisst auch, daß infolge des enormen Priestermangels es dem Bischof kaum noch möglich ist, in die kleineren Pfarrreien wie bisher einen Priester zu senden.

Nun müssen wir gemeinsam überlegen, was in dieser Situation zu tun ist. Bisher habe ich in Hottorf, viel Gutes und Erfolgsversprechendes gesehen. Das beweist, daß ein guter Wille in der Bevölkerung vorhanden ist. Und nun müssen wir uns gemeinsam bemühen, aus der vorhandenen Notlage das Beste zu machen. Dabei bin ich der Unterstützung der Damen und Herren des Kirchenvorstandes und des Pfarrgemeinderates gewiß. Zwar kann ich im Augenblick kein fertiges Programm für die zukünftige Arbeit in der Fahrer vorliegen, aber allmählich werden wir uns in dieser Situation zurechtfinden.

Jugendheim wird eingeweiht

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Aus alten Stallanlagen wird ein Jugendheim herrichtet. Zur Finanzierung wird die Vikarie verkauft. Hierbei wird ein Großteil in Eigenleistung errichtet. Etwa 124 qm neuen Platz gewinnt die Pfarrgemeinde durch die von Architekt Finkeldei betreuten Arbeiten. Das Jugendheim wird am 13. August 1972 durch Dr. Deden eingesegnet.

Verkauf der Vikarie

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| Vikarie |

Nachdem die Vikarie über viele Jahre vermietet war und nicht mehr für kirchliche  Zwecke genutzt wird, erfolgt der Verkauf im Mai 1969 aus wirtschaflichen Überlegungen an den damaligen Mieter Lothar Frömberg.

Aus den Einnahme wurde der Bau des Jugendheims finanziert.

| Erbschaft Johan Josef Heister |

Im Dezember 1968 vermachte Johan Josef Heister sein Vermögen an die Kirchengemeinde St. Georg. Im Oktober 1969 wurde das Wohnhaus gegenüber dem Ehrenfriedhof an Heinrich Zalewski und dahinter liegende Gartengrundstücke an Alois Braun und Anton Schiffer verkauft. Der Eblasser hatte verfügt, dass die Einnahmen dem Kirchengebäude zukommen sollten. So wurde unter anderem das Glockengeläut elektrifiziert. Bis dahin wurden die damaligen drei Glocken „von Hand“ aus dem „Paulushäuschen“, dem Eingangbereich der Kirche,  geläutet. Ein Restbetrag bildete den Grundstock für die Anschaffung der Orgel Ende der 1970er Jahre.   

Ehrenfriedhof im Jahr 1960 mit Haus Heister im Hintergrund
Ehrenfriedhof im Jahr 1960 mit Haus Heister im Hintergrund

Frauengemeinschaft gegründet

Auf Anregung von Pastor Deden wird die Katholische Frauengemeinschaft Hottorf-Ralshoven gegründet.

Erste Vorsitzende wird Margarete Honold.

Schulbetrieb endet in Hottorf

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In Hottorf endet 1969 der eigenständige Schulbetrieb.

Die Grundschüler besuchen jetzt die Grundschule in Gevenich.

Dechant Reiners – 25-jähriges Ortsjubiläum

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Dechant Reiners ist seit 25 Jahren Hottorfs Pfarrer. Als Geschenk stiftet die Gemeinde die Altarwand am Maria-Hilf Bild.

Die Jülicher Zeitung berichtet:

„In seiner Dankesrede zum Abschluß des silbernen Ortsjubiläums brachte Dechant Reiners zum Ausdruck, daß ihm dieser Tag gezeigt habe, wie sehr stark der Zusammenhang unter der Hottorfer Bevölkerung sei und wie sehr auch diese Gemeinde an ihm, ihrem Pfarrer hänge.

Das hatte man wirklich an diesem Tage gespürt, nicht zuletzt aber konnte man es in Ziffern ablesen. Die Gemeinde hat nämlich eine hohe Summe aufgebracht, um den Wunsch des Pfarrers zu erfüllen, der sich jedes persönliche Geschenk ver­bat, statt dessen anregte, etwas für die Ausschmückung der Dorfkirche zu tun. Man beauftragte daraufhin den Kirchberger Holzbildhauer Esser und den Jülicher Schreinermeister Oster, die 1963 auch die Altäre wieder hergestellt haben, unter der Orgelbühne als Rahmen für das dort hän­gende Mariahilfbild eine wertvolle Altar­wand zu schaffen. Das Werk ist zwar bereits zum eigentlichen Gedenktag der Pfarrereinführung vor 25 Jahren, zum 2. Februar fertig gewesen. Die Enthüllung aber wurde in der Nachmittagsandacht beim jetzigen Festtag vorgenommen. Dechant Reiners, der über das prächtige Geschenk sehr gerührt war, nahm selbst die Segnung der neugeschaffenen Marienstätte vor.“

Das Altarbild wurde bei der Renovierung im Jahr 1987 in den Eingangsbereich verlegt.

Papst Paul VI. wird gewählt

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Paul VI. besucht im Jahr nach seiner Wahl das Hl. Land (1964). Er führt  Bischofssynoden als Beratung für den Papst ein und unternimmt Pastoralreisen.

Volksmission 1963

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In regelmäßigen Abständen wird für die Anliegen der Mission gebetet , so vom 1. bis 19. Mai 1963

Grundstücke für Friedhof und Sportplatz

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| Bericht aus dem Gemeinderat |

  • Feststellung baureifer Grundstücke
  • Nachtragsetat
  • Grundstückstausch auf dem freidhof
  • Instandsetzung Straße an der Maar
  • Sportplatzfrage geklärt

Die Lokalzeitung berichtet:

Jährliche Fahrzeugsegnung

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| Schutz Gottes für die Fahrer und Nutzer |

„Die Fahrzeugsegnung ist eine Segnung der katholischen und orthodoxen Kirche. Mit ihr werden Fahrzeuge gesegnet, um für ihren Gebrauch Schutz und Heil von Gott zu erbitten. 
Der Segen wird vom Priester oder Diakon durch das Segensgebet gespendet, dabei werden die Fahrzeuge zudem oft mit Weihwasser besprengt. Die Segnung kann für ein einzelnes Fahr- oder Flugzeug erfolgen. Verbreitet werden jedoch auch einmal jährlich vor allem neue Kraftfahrzeuge im Rahmen eines Gottesdienstes gesegnet.“
aus:  Wikipedia

In Hottorf findet diese Fahrzeugsegnung jährlich im Mai statt. Dabei werden auch Traktoren und Fahrräder gesegnet.

Nachfolgend einige Bilder aus dem Jahr 1961: 

Segensgebet bei der Fahrzeugsegnung
Herr und Gott, wir stehen vor deinem Angesicht und rufen zu dir. Segne diese Fahrzeuge und beschütze alle vor Unglück und Schaden, die sie in Beruf und Freizeit benützen. Gib, dass wir im Straßenverkehr allezeit verantwortungsbewusst bleiben; mach uns rücksichtsvoll und hilfsbereit. Lass uns in allem, was wir tun, deine Zeugen sein. Das gewähre uns durch Christus, unseren Herrn. Amen.
aus: Kirche und Leben

Schwelbrand im Beichtstuhl

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Der Beichtstuhl fällt einem Schwelbrand zum Opfer.

Die ganze Kirche ist verrußt und muss renoviert werden.

Aufnahme der zentralen Wasserversorgung

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Aufnahme der zentralen Wasserversorgung für Hottorf. Zuvor standen im Dorf mehrere Schwengelpumpen zur Entnahme von Trinkwasser.

Schwengelpumpe an der Maar (1949)

 

 

Fronleichnamsprozession

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Die jährliche Fronleichnamprozession führt durch den geschmückten Ort zu den Segensaltären:

  • bei Lübbers
  • an der Kapelle ich Richtung Lövenich
  • am Bildstock „Cöllesch Heiligenhäuschen“ oder später an der Herz Jesu Kapelle
  • an der (alten) Schule

1955-06-09 Fronleichnamsprozession bei Lübbers
1955-06-09 Fronleichnamsprozession bei Lübbers

Wasserbeschaffungsverband gegründet

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| Bohrungen bei Hasselsweiler |

Auszu aus derm Artikel „Alt-Linnich seit 1906 wasserversorgt“ Jülicher Volkszeitung, vom 30. August 1976

Heilige Mission 1953

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In regelmäßigen Abständen wird für die Anliegen der Mission gebetet, so auch vom 24. Juni bis 12. Juli 1953

Sechs Sitze im Gemeinderat an die CDU

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| 234 Wähler |

Allle Stimmen zur Wahl des Gemeinderat gehen an die Kandidaten der CDU.

Somit werden gewählt (meiste Stimmen zuerst):

  1. Meyers
  2. Erich von Meer
  3. Emmerich
  4. Bergrath
  5. Nöthlings
  6. Mülfahrt

Zweite Goldene Hochzeit im gleichen Haus

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| Das ganze Dorf feiert mit |

Der Artikel der Lokalzeitung zur Goldhochzeit der Eheleute Wilhelm Krenzeler und Gertrud geb. Lingens beschreibt wie in Hottorf über Jahrzehnte Goldene Hochzeiten gefeiert wurden, mit:

  • Schmücken des Hauses
  • Fackelzug durch den Ort
  • Gottesdienst mit Segen
  • Feier mit allen Vereinen im Saal

Abschluss der Winterspielsaison

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| Aufführung zu MIttfasten |

Die Lokalzeitung berichtet:

Aus einem Familienarchiv stammt dieses Bild. Es ist nicht bekannt, aus welchem Jahr oder aus welcher Aufführung es stammt. Es zeigt Alois Braun als Priester.

Wiederherstellungsarbeiten an Altären, Statuen und Kommunionbank

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Über den Fortgang der Wiederherstellungsarbeiten an den Altären berichtet die im Mai die Zeitung „Unsere Heimat“

unter der Überschrift „Ein altes Barockkirchlein“ wie folgt:

Auszug: „Ein freudige Überraschung erlebte die Pfarrgemeinde Hottorf an den Ostertagen 1952, als sie ihren Pfarrpatron, den stolzen Ritter und Drachentöter St. Georg, und ihre Madonna wieder heil und in ihrem neuen goldverbrämten Farbenkleid auf den noch provisorischen Altären sah. Dazu (einst­weilen in Fensternischen) die seit 1944 nicht mehr gesehenen Statuen des heiligen Antonius von Padua und des Herzens Jesu. Bildhauer Josef Esser aus Kirchberg hatte sie in der Fastenzeit von ihren Kriegswun­den durch den Granatbeschuß aus dem schrecklichen Winter 1944/45 geheilt.

In absehbarer Zeit wird auch wieder die Statue des heiligen Josef da sein. Den „Sal­vator mundi“, das wertvolle Stück, schafft Bildhauer Esser noch in diesem Jahre neu nach dem alten Vorbild. In den Kartagen gab der Kirchenmaler Aegidius Emonts-Alt aus Aachen dem Pfarrpatron, der Mutter­gottes und dem heiligen Antonius das pas­sende Gewand. Daß es allen Pfarrangehö­rigen gefiel, konnte der Pfarrer an der Kol­lekte merken. An der Tauf-Balustrade und der geschweiften Kommunionbank arbeitet seit Wochen ein Schreiner des Ortes, um in mühseliger Kleinarbeit ihre großen und kleinen Schäden zu beheben.

Wenn er damit fertig sein wird, kann man, so hoffen alle zuversichtlich, sich in dem Aufbau der zum großen Teil erhalte­nen Oidtmanschen Altäre heranwagen.“

Bilder aus dem Photoalbum zum Wiederaufbau der Kirche (Quelle: Pfarrarchiv):

Tagebuch zum Jahresende: Chor, Film, Brunnen und Theater

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| Kirchenchor singt vierstimmig |

Ein mit „Tagebuchblätter aus Hottorf“ betitelter Zeitungsartikel fasst zusammen:

  • Kirchenchor singt Mitternachtsmesse
  • Filmvorführung im Saal Mütz
  • Wasserspiegel in öffentlichen Brunnen abgesunken
  • Zwei Aufführungen des Theatervereins

Waschvorführung für Hausfrauen

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| Hottorfer Brief |

Die Lokalzeitung berichtet:

  • Dreijährige Zwillingsbrüder bekommen Zwillingsschwestern
  • Drei Zwillingspaare in der Volksschule
  • Waschvorführung in der Wirtschaft Althoff
  • Filmvorführung
  • Ausflug des Kirchenchores

Umzug der Maipaare

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| Text in Arbeit |

Umzug der Maipaare – Foto in der Bergstrasse

Straße Hottorf-Gevenich wird besser

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| Bericht aus der Gemeindeverwaltung |

Die Lokalzeitung berichtet:

  • Haushaltssatzung 1951
  • Neubau Straße an der Maar
  • Sportplatzfrage offen
  • Jagdpachtveträge genehmigt
  • Äbwässer in der Maar
  • Landtraße nach Gevenich wird ausgebessert

Wiederaufbaus der Kirche wird mit Arbeiten am Fussboden abgeschlossen

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| Mit Zeitkapsel dokumentiert |

Der Abschluss des Wiederaufbaus der Kirche wird mit einer Flaschenpost dokumentiert, die beim späteren Umbau 1987 gefunden wird.

Hier der Text der Urkunde:

„Durch Kriegseinwirkungen von 1944 wurde unsre Kirche zu Hottorf am 2o. November 1944 zerstört.

Die Kirche wurde erbaut 1777, der Turm aus dem Jahre 1855.

1947 wurde unsere Kirche wieder neu aufge­baut, unter reger Beteiligung und mit selbstständiger Arbeit unter Herrn Pfr. Hubert Reiners, Pfarrer zu Hottorf, und als Kirchenvorstand als Kirchenrendant Peter Bergrath , sowie als Mitglieder des Kirchen­vorstandes Spengler Josef , Meyers Max, Jülicher Anton, Lemm Martin u. Rixgens Hubert. Putz – sowie Mauerarbeiten , wurden durch Schläger, Katzem Kreis Erkelenz ausgeführt . Zimmerarbeit wurde ausgeführt von Johann Jansen aus Rheydt bei Mönchengladbach.

Am 09. April 1951 wurde mit den Arbeiten des Fußbodens begonnen. Ausgeführt wurde diese durch Herrn Josef Herbergs und Sohn Franz Reiner als Schreinermeister aus Hottorf.“

Siehe auch:

Straße nach Gevenich soll gepflegt werden

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| Neue Klasseneinrichtungen für Volksschule |

Die Lokalzeitung berichtet aus dem Gemeinderat:

  • Zustand der Landstraße nach Gevenich
  • Instandsetzung der Außenfront an der Schule
  • Geländetausch für Sportplatz

Kriegsbeschädigte Glocke wird umgegossen

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| Neue Georgsglocke |

In Gescher in Westfalen wird die kriegsbeschädigte Glocke umgegossen.

Am ersten Sonntag im März (04.03.1951) erhält sie ihre kirchliche Weihe auf den Namen des Pfarrpatrons St. Georg zum bleibenden Andenken an die Opfer zweier Weltkriege. Sie wird künftig zum Totengeläut eingesetzt.

Ihre Inschrift lautet:
„Ich beläut der Männer zweimal blutig sterben, einundvierzig mögen bald den Himmel erben. St. Georg 1951“  

Die Lokalzeitung berichtet:

Keine Mittel für Alarmhorn

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| Frauen, Kinder und Invalide NICHT als Brandbekämpfer |

Feuewehr stellt klar, dass „jüngere männliche Kräfte“ im Einsatz waren und beklagt die Alarmierungsmöglichkeiten

Musikalische Feierstunde im Saal

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| und gemütlicher Dorfabend |

Vereinigte Kirchenchöre Hasselsweiler und Hottorf sowie Ortsbauernschaft feiern zur Jahreswende 1950 im Saal Mütz

Bürgermeister Meyers wiedergewählt

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| Beitritt zum Wasserleitungszweckverband |

Asu dem Gemeinderat:

  • Wiederwahl Meyers und Bergrath
  • Beitritt zum Wasserleitungszweckverband
  • Friedhofsordnung
  • Motorspritze mit Schläuchen
  • Schulbücherei
  • Jagdpacht
  • Straße Gevenich-Hottorf
  • Versetzung Lehrer Faulhaber

Hottorfer Brief zum Ortsgeschehen Ende 1950

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Ein „Sammelbericht“ in der Lokalzeitung:

  • kein neuer Lehrer nach Versetzung von Lehrer Faulhaber
  • Eisernes Tor in Friedhofsmauer
  • kein geeignetes Gelände für Sportplatz
  • Kath. Jugend holt Preis bei Sternfahrt
  • Schneiderlehrling Rixgens bestand Gesellenprüfung
  • Theaterverein plant zwei Theaterabende
  • Kirchenchor Cäcilia veranstaltet Zuckerrübensammlung
  • Borromäus-Bibliothek erhält Zuschuss

Ein- und Ausgaben zum Wiederaubau der Kirche

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| überschrift |

offen: Formatierung überarbeiten

Am Kirchweihsonntag gab ich eine Übersicht über die Leistungen zum Kirchbau. (vom 1.7.48 – 1.11.50).

Beihilfen:

1945 Der Bischof Wilhelm Berning von Osnabrück 8.000,- RM (5.000,-  behielt er für sich 13.000,- RM betrugen die Kollekten meiner Tätigkeit in dem Kreis Grafschaft Hoya https://www.grafschaft-hoya.de/ vom Dezember 44 bis Ende August 1945).
Am 18.3. 1948 vom Bistum Aachen 8.000,-.
Aus dem Wohnungsnotprogramm

1947: 1297,97 RM und am 11.5.1948: 8.184,40 RM.

Darlehen: 2000,- RM vom Bistum Aachen und 2.400,- RM vom Kreis Jülich.
1800,- RM brachten die in der Flurgasse verkauften Parzellen an Kremer und Gertrud Schmitz ein.
 An Hauskollekten kamen ein:

1945: 3.130,-,
1946: 6.591,-
1947: 5.562,-
1948: 5.949,20 RM,,
1948: 1.140,65 DM,
1949: 2.355,75 DM,
1950: 1.153,45 DM.

Eine Verlosung erbrachte

750,- DM. Kraut:
548,60 DM, Rüben: 
420,- Holz:
1214,30, Kartoffel:
340,-, Pappe:
391,-DM  , Stroh
175,-DM, Blei
176,75 DM,
Kamillen 96,70 DM, 
Verschiedenes 385,25,

  1. Messen 731,-,

Zinsen und Abwertung 1.520,48;

Geldspenden 4.217,64; darunter 1.903,04 DM für die Kirchenfenster bestimmt,

Kollekten 554,73 DM.

 

Ausgegeben wurden für den

Dachstuhl 934,96 DM.
Schiefer und Transport 2523,10,
Auflagen des Schiefers 1075,10,
Dachrinnen 1067,35,
Putzerarbeiten 3785,22,
Lichtanlage 1033,25,
Orgelbühne 803,85,
Portal 600,-,
Mitteltür 305,89,
Beichtstuhl 339,95,
Kirchenbänke 1044,10,
Sakristei 691,45.
Turm, zweiter Bauabschnitt 1395,83,
dritter Abschnitt 2736,51.,
Friedhof 297,51,
Glocken 311,50,
Kreuzwegstationen 100,-,
Fenster 1931,84 (von 10 Leuten geleistet)
Dazu kämen 7700,-DM Auslagen für Pastorat und Vikarie.

Dies und das im Sommer 1950

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| kurz gefasst |

Die Zeitung berichtet aus Hottorf:

  • Buswallfahrt mit Müntz noch Neviges
  • Tod von Schwester Beatilla, Anna Effen
  • Überfahrt über den Straßenkanal „am Maar“ beim Gut von Meer
  • Wegweiser nach Jülich
  • siebter Fußfall an Friedhofmauer

Die Wasserkanal an der Maar hat wohl schon viele Jahre zu Probelem geführt. So berichtet Pfarrer Reiner schon zum 28. September 1946 in seiner Chronik: „In der Rinne bei von Meer quer durch die Straße blieb gestern schon wieder ein Gemüseauto stecken. Nach einer guten halben Stunde war es durch Winden frei geworden. Die Provinzialregierung muss das machen. Nun scheint alles Gemüse verkauft zu sein.“
Auch heutzutage bleibt die Stelle bei Starkregenereignissen kritsch, so dass die Kanaldekcel hochgepült werden.

Bei der gennanten Schwester Beatilla handelt es sich um eine Großtante des Chronisten. Der Artikel stellt die Suche nach Erholung und Genesung heraus, verschweigt jedoch, dass die Schwester den Freitod durch Erhängen im Kloster gewählt hat. 

Firmung von 25 Firmlingen bei „Firmreise“

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Firmung von 25 Firmlingen und Visitation durch  Weihbischof Friedrich Hünermann.

Die Tageszeitung berichtet am 2. August 1950:

„Vier Reiter von Hottorf holten von der Gemeindegrenze über den Pützberg zur Empfangsstelle am Maar bei von Meer den hohen Gast ein. Pfarrer Reiners und Orts­bürgermeister Meyers begrüßten den Weih­bischof. Der neugegründete Kirchenchor unter Leitung des Dirigenten Römer, Hasselsweiler, boten dem Gast den Will­kommensgruß, ein Kind trug ein Gedicht von Thrasolt vor.

Nachdem die Gemeinde in feierlicher Prozession Dr. Hünermann das Geleit zur festlich geschmückten Dorfkirche gegeben hatte, wurde die Gemeinschaftsmesse zu Ehren der Tagesheiligen Martha gefeiert. Nach der Segnung der Kleinkinder und Mütter schloß sich die Visitation der Kirche an. Nachmittags holten Geistlichkeit, Meß­diener und Firmlinge den Bischof ab.
22 Kinder und drei Erwachsene wurden gefirmt, Firmpaten waren Peter Bergrath und Frau Hubertine Spengler.

Weihbischof Dr. Hünermann verstand es, in seiner Abendansprache im Saale Mütz die Jugend mit den rechten Worten anzu­sprechen und sie für ein echtes Christen­leben zu begeistern.“

Primiz von Pater Josef Lieven

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| Messgewand als Geschenk |

Am 2. Juli 1950 wird das Primizamt von Pater Josef Lieven gefeiert.

Bericht über die anstehende Primiz und über den Primizianten in der Lokalzeitung:

Der Pater wird von seinem Elternhaus abgeholt und in feierlicher Prozession zur Kirche begleitet.  Als Geschenk der Pfarrgemeinde erhält er ein Messgewand.

Die folgenden Bilder stammen aus dem Fotoalbum der Pfarrgemeinde:

Lied- und Gebetheft
zur Primiz Festandacht:
hier

Von den Feierlichkeiten berichten die Zeitungen ausführlich:

Nicht eingeweihte Besucher staunten Samstag in Hottorf. Viele rege Hände säuberten die Straßen, befestigte Fahnen, an Masten, spannten Wimpel über die Straße, wanden Kränze und Girlande an Triumpfbogen, machten aus eine Wald von zweigen ein wunderbares Baumspallier, und schließlich wurden sogar noch zwei Teppiche und ein Läufer aus gefärbten Sägemehl hergestellt. Christliche Symbole waren sinnvoll darin angeordnet. Die Strasse zwischen Kirche und Vikarie , dem Elternhause des primizianten, war besonderders festlich geschmückt. Aber auch die anderen Strassen waren sauber gehalten und viele Fahnen gaben dem Ort eine festliche Note.Selbst der vorige Woche wieder hergestellte Turm hatte vielfachen Fahnenschmuck angelegt und abends leuchtete weithin in die Lande ein wuchtiges, von Scheinwerfern angestrahltes Kreuz.

Kaum waren die letzten Arbeiten am Schmuck beendet, als die Rufe der Glocken das Herannahen des neuen Diener Gottes ansagten. Pfarrer Reiners hatte ihn im Missionshaus Loherhof bei Geilenkirchen abgeholt. Ein Trupp Reiter und viele Jungen auf geschmückten Fahrrädern waren dem hochwürdigen Herrn Pater Josef Lieven bis Kiffelberg bei Gevenich entgegen gekommen. Bei der Kirche in Hottorf erwartete ihn beinahe das ganze Dorf. Im Namen aller begrüßte ihn  hier der Ortbürgermeister Max Meyers. Er gab seiner Freude Ausdruck. dasss endlich nach so langer zeit (69 Jahre) wieder ein Sohn des dorfes die Stufen des Altars besteigen dürfe. Nach einigen Dankesworten begab sich der Neupriester zu stiller Anbetung ins Gotteshaus. sodann geleitet man ihn zu seinem Elternhaus. Dort sang der Hottorfer Kirchenchor den Festgesang von Krakamp und das Sanktus aus der Deutschen Messe von Schubert. In seiner Ansprache hob ein Mitglied des Kirchenchores unter anderem hervor, dass nach vielen Schwierigkeiten der von der Drehbank des Schlossserberufes hinweg zum Dienste Gottes Berufene, heute nun am Ziele seiner jahrzehntelanger Wünsche stehe.

Den Höhepunkt brachte am folgende Sonntage das feierliche Erstlingsopfer in der Pfarrirche. Vor Beginn des Hochamtes wurde der Primiziant von der Geistlichkeit, vom Herrn Amtsdirektor Dr. Scholz, Herrn Amtsbürgermeister meyers, von Messdienern und Engelchenund vom Kirchenchor abgeholt. Zwei kleine Mädchen überreichten unter passenden Gedichten Birett mit Myrtenkranz und die Primizkerze.

Zur Verschönerung des seltenen Festes war der Bruder des Primizianten, der Küster und Organist in Hochneukirch tätig ist, mit dem dortigen Kirchenchor (zirka 80 Sänger und Sängerinnen) nach hier gekommen. In seiner Ansprache in der festlich geschmückten Pfarrkirche zog Herr Pfarrer Reiners einen Vergleich zwischen dem Festtagsgedanken – dem besuch Mariens bei Elisabeth – und dem heutigen Tage in Hottorf.  Wie damals, so auch heute, ein Freuden- und Gnadentag für beide Teile. Als sinnvolles Geschenk legte dem jungen Missionar eine neue Kasel um. Wie sie ganz den Priester einhüllt, so habe der Hohepriester Jesus Christus den Menschen Josef Lieven in seiner priesterlichen Würde aufgenommen und so solle auch die Liebe und Sorge der Hottorfer den Missionar bei seinem Wirken im fernen Südargentinien einhüllen.ausser der Kasel hatte die Gemeinde schon zur Weihe am 14. September 1949 in St. Augustin bei Siegburg eine vergoldeten Silberkelch geschenkt.

Nun begann das feierliche Levitenamt. Der gemischte Kirchenchor von Hochneukirch sang die vierstimmige Messe „Stella maris“ von Griessbacher mit einigen Einlagen. Die eindrucksvolle Festpredigt hiel ein Lehrer des Styler Missionshauses St. Josef in Geilenkirchen, Herr Pater Brüggemann. Nach einletenden Worten zeichnete er den Weg des schossergesellen lieven zum diener Gottes. Er betonte besonders die großen Hindernisse, die sich dem spät Gerufenen entgegenstellten, wie Schwierigkeiten des Lernens, Gefahren der Kriegs- und Gefangenschaftsjahre. Aber bei allen Berufskrisenhörte der Theologe deutlich die Worte des Meisters: „Folge mir nach“. Im zweiten Teil skizzierte der Prediger die Würde des Priesterstums und seine erhabenen Aufgaben – zu weihen, zu segnen, zu predigen, die Sakramente zu spenden, das Hl. Messopfer dazubringen. Atemlose Stille herrschte in dem überfüllten Gotteshause, als der junge Priester zum ersten Male in seiner heimat die Wandlungsworte sprach und seiner Mutter auf dem Chore und seinen Verwandten den Leib Christe reichte. Nachdem er der harrenden Menge den Segen erteilt hatte, wurde er weider zu seinem Elternhaus geleitet.

Den musikalischen Teil der Festandacht, die eigens für diesen Tag zusammengestellt wurde, bestritt der Kirchenchor von Hottorf. Nach dem eucharistischen Segen erteilte der Primiziant lange den anwesenden Gläubigen einzeln den Primizsegen.

Abends versammelte sich die Pfarrgemeinde zu Ehren des jungen Priester zu einer Feierstunde im Saale der Geschwister Mütz. In seiner Begrüßungsrede betonte der Herr Pfarrer Reiners unter anderem, dass die zukünftigen Leistungen des Missionars nicht nur von seinenm guten Willen ind seinem Mühen abhänge, sondern zutiefst und zuletzt von der Gnade Gottes, die ihn wie den Pfarrer von Ars in Frankreich und Pater Lombardi in Italien fruchtbar machen können. Nun folgten abwechslend Lieder – vorgetragen vom Kirchenchor Hochneukirch und vom Kirchenchor Hottorf – und Gedichte der Schulkinder. Besonders tiefen Eindruck machte das längere Gedicht „Christi Kämpfer“, das die ideale Einstellung eines Missionars aufzeigt. Der Ortsbürgermeister nahm Stellung zu dem Vorwurf der Stadt, das Land bringe zu wenig Priester hervor. Leider stimme es, doch sei es nicht gewollt.  Der Primiziant sei eine leuchtendes und rufendes Vorbild für die Dorfjugend.  Man solle mit ihm, wenn er einmal in Südargentinien sei, die Verbindung aufrecht erhalten und ihn durch Gebet und milde Gaben unterstützen. Hoffentlich gehe in nicht allzulanger zeit ein neuer Priester aus der Dorfmitte hervor.

Herr Lehrer Schulte sagte, dass die Schule es sich zur Ehre anrechne, wenn sie in die Schulchronik eintragen könne, dass einer ihrer Schüler Priester geworden ist. Besonders eindruckvoll war die Afführung des „Feuerrufes“ vom Priesterdichter Hugin. Er zeigt wie der Priester Lichtträger im Dunkel der Zeit ist und ruft die Jugend auf, wach zu sein gegenüber aller Schläfrigkeit und Gleichgültigkeit. Herr Pater Lieven sprach, er habe vielfach zu danken, zuerst und zumeist Gott dem Herrn, der ihn in seine Beruf geführt habe, ferner der Heimatgemeinde Hottorf, die ihm einen unvergesllichen Tag bereitet habe. Sie solle auch in Zukunft mit ihm brieflich in Verbindung bleiben, weil er die Heimat auch in seinem neuen Wirkungskreise brauche. Die Feier klang mit dem gemeinsamenLiede aus: Ein Haus voll Glorie schauet.

Der Dreiklang des Empfangs, der kirchlichen Feierstunden und der Saalfeier war einzig schön, dank der Zusammenarbeit aller. Darum richtete der Ortspfarrer zuletzt einen Appell an alle, damit es so bleibe – „seid auch in Zukunft einig, einig, einig“.

Den Ausklang des Festes bildete ein feierliches Levitenamt des Primizianten für alle Verstorbenen der Pfarrgemeinde, inbesonders für die Gefallenen der beiden Weltkriege und für die Vermissten dieses Krieges.

Die Jülicher Volkszeitung berichtet am 3. August 1950 auch von Abschiedfest im Saal Mütz:

In der Pfarrchronik hält Pfarrer Reiners fest:

Herrlich war der Ort geschmückt, alle waren mit Leib und Seele dabei. Ein Konfrater hielt die Festpredigt. Im Pastorat wurde gefeiert.

Am Abend war eine sehr feine Saalfeier wo alle ein Herz und eine Seele waren. Nicht so sehr war die Beteiligung bei der Hl. Firmung am St. Marthatage 1950. Wieder war sie durch Weihbischof Dr. Hünermann.

Im Großen und Ganzen war er zufrieden. Zur Abreise des P. Lieven wurde nochmals eine den Hottorfern unvergessliche Saalfeier gehalten.


Über Rom fuhr er mit dem Schiff von Genua nach Buenos Aires, im Oktober 1950. Heute wirkt er bei Deutschrussen in der Diözese Berlin, in der Parroquia Pueblo Santa Maria, Est Coronel Suarez F.N.S. Roca. Eben 10 km ist die Ausdehnung der Pfarrei. Die Bauern machen mit vom Zentraldorf (mit Kirche und Spiele) entfernt mitten auf ihren Feldern. Sonntags sind sie im Kirchdorf, die Kinder die ganze Woche. Wöchentliches Kino ist auch dort schon, Allzu leicht vergisst man trotz Versprechen eines Gedenkens den Josef. Post wird er wenig aus der Gemeinde erhalten. Und der Gaben für die Mission werden wenige gegeben.

Pater Josef Lieven ist ein Neffe von Josef Lieven, dem Großvater des Chronisten dieser Webseite, Josef Lieven.

Der Kirchturm wurde vollendet

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Die Lokalzeitung berichtet:

  • Unter Mitverwendung von Steinen der Jülicher Jesuitenkirche wird der Bau des Kirchturms vollendet
  • Ablauf der feierlichen Heimatprimiz von Pater Lieven am Fest Mariä Heimsuchung

Siehe:

Aufbau des Turms wird abgeschlossen

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| Der Aufbau des Turmes und der Friedhofsmauer geht voran |

Der Turm wurde in insgesamt drei Bauabschnitten wiederhergesellt.

Im dritten Bauabschnitt kann die Katzemer Firma Schläger unter Mitverwendung von Steinen der Jülicher Jesuitenkirche und mit dem von der Zuckerfabrik Ameln geschenkten Kalk  nunmehr den Bau vollenden.

Die Zeitung berichtet:
„Zwei emsige Maurer, drei Lehrbuben und drei Hilfsarbeiter aus dem Ort schafften diese Schlusswerk in kaum zwei Wochen zum Erstaunen der Gemeinde. Ein drei Meter hohes Kreuz krönt einstweilen den Turm, der noch keinen neuen Helm hat.“

Weiterhin berichtet die Tagespresse über den Abschluss der Arbeiten an der Kirche:

„Verkehrsbehinderung beseitigt
Hottorf – Im Anschluß an die Fertigstellung des Kirchturmes wird die Firma Th. Schläger aus Katzem die Friedhofsmauer reparieren. Die Schulkinder leisteten bereits gute Vorarbeit durch Abbruch der Mauerreste und Aushebung des Fundamentes. Die Pfarrgemeinde hofft, daß die Mauer bis zur bischöflichen Visitation Ende Juli vollendet ist. Mit der Instandsetzung der Friedhofsmauer sind endlich die den Verkehr behindernden Steinstufen an der Straßenkreuzung beseitigt.“  

Siehe:

Gemeinderat auf 5 Mitglieder erweitert

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| Hottorf beteiligt sich an Schulzahnpflege |

Die Lokalzeitung berichtet:

  • Haushaltsplan 1950-51 ausgeglichen
  • 4.500 DM für Instandsetzung des Schulgebäudes
  • Beteiligung an Schulzahnpflege
  • Steuersätze bleiben unverändert
  • Reinigung der Gräben
  • Ruhebank unter der Kastanie am Weiher
  • Emmerich und Mülfahrt im Gemeinderat

Maibaum auf dem Kirmesplatz, aber kein Umzug

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| Theaterverein hält Jahreshauptversammlung |

Die Lokalzeitung berichtet:

  • Johann Emmerich rückt in den Gemeinderat
  • Kein Umzug der Maigesellschaft
  • Keine Sträuße für die Maibräute
  • Junge Männer stellen Maibaum auf
  • Jahreshauptversammlung des Theatervereins in der Wirtschaft Althoff

Neue Bänke zu Weihnachten

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| Bänke im barockem Stil |

Zum Weihnachtsfest wird die Kirche mit neuen Bänken ausgestattet.

Priesterweihe von Pater Josef Lieven in St. Augustin

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| Steyler Missionare |

Die Priesterweihe von Josef Lieven erfolgt am 24. September 1949 im Missionspriesterhaus in St. Augustin.

Die Primiz in Hottorf findet am 2. Juli 1950 statt.

Fotos von der Priesterweihe und von der späteren Primiz in Hottorf befinden sich im Fotoalbum der Pfarrgemeinde.

Eine Kopie des Fotoalbums des Josef Lieven SVD anlässlich seiner Priesterweihe am 24.9.1949 befindet sich im Stadtarchiv Sankt Augustin unter SGL / Stadtgeschichtliche Sammlung – Literatur, Nr. 1280

Martin Lemm zum Vorsitzenden des Ortsbauernverein gewählt

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| Dies und das |

Die Lokalzeitung berichtet aus Hottorf

  • Gemeindebote fällt beim Birnenpflücken von der Leiter
  • Versammlung des Ortbauernvereins
  • Besuch von 70 Personen bei der landwirtschaftlichen Ausstellung in Köln
  • Reger Kirmesbesuch bei Raupenkarussel und Schiessbude
  • Fahrt zur Priesterweihe von Diakon Lieven
  • Kirchengemeinde bietet Kleingärten an

Im Krieg demontierten Glocken kehren zurück

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| Die beiden im Krieg demontierten Glocken kehren zurück. |

Das freudige Ereignis wird in der Kirchenchronik ausführlich mit Bildern dargestellt.

Im Fotoalbum der Pfarre wird das Ereignis wie folgt beschrieben:

„Die Glocken kommen nach Hause!
Als letzte Kriegsgefangene kehren die Glocken in die Heimat zurück! Die Glocken werden festlich abgeholt. Ein langer Zug begleitet die Glocken durch den Ort. Der Sportverein bildet die Spitze des Zuges. Dahinter folgen Messdiener und die weißen Kinder. Nun schließen sich die Schulkinder an. Jetzt kommen die Glocken und beinahe alle Bewohner des Ortes folgen ihnen.  Sogar die alten Leute geben den Glocken das Ehrengeleit. Der Zug kommt an die Kirche. Die Glocken werden unter den Glockenstuhl gebracht. Mit vereinten Kräften werden die Rufer Gottes an ihren festen Platz gebracht. Und nun werden sie hochgezogen! Wie lange werden die Glocken wohl hier bleiben müssen?“

Turm wird weiter aufgebaut

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Der Turm wird in insgesamt drei Bauabschnitten wiederhergesellt.

Im zweiten Bauabschnitt stockt die Firma Th. Schläger aus Katzem im Jahre 1949 den Turm um weitere zwei Meter auf.

Die erforderlichen passenden Altziegel für die Verwendung des Restes werden im „Hand – und Spanndienst“ unter großen Schwierigkeiten beschafft.

Kirchturm nach 2. Bauabschnitt

Siehe:

Erste Hl. Messe im wiederhergestellten Gotteshaus

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| Kirchendach nun fertig gedeckt |

Das zunächst mit Dachpappe provisorisch gedeckte Kirchendach wird nun in blauem Schiefer fertig gedeckt. 

Durch die Bemühungen von Pfarrer Reiners konnten zwei Autoladungen aus Westfalen herangebracht werden.

Das Photoalbum zum Wiederaufbau der Kirche zeigt die Arbeiten am Aufbau des Kirchtenturm und das geschmückte Innere der Kirche zur Erstkommunion am 26. Mai 1949.
(Quelle: Pfarrarchiv)

| Erstkommunion 1949 |

Am 26. Mai 1949 kann die erste heilige Messe in dem wiederhergestellten Gotteshaus gefeiert werden. Dabei wird 10 Jungen und 5 Mädchen die erste Hl. Kommunion ge­spen­det.

Mai 1949 auf dem Innenhof Gut von Meer

Siehe auch:

Letzte Kriegsgefangenen kehren zurück

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| Die Aachener Volkzeitung berichtet: |

  • Ein Kriegsgefangener aus Russischer Gefangenschaft kehrt nun zurück (wer?)
  • Im Oktober wurde die Vikarie wieder hergestellt. Dort können zwei Famlien wohnen.
  • Schuppen am Pastorat im Rohbau fertig
  • Dachdeckermeister Moll aus Kiffelberg hat Westseite des Kirchenschiffes mit Schiefer gedeckt

Pfarrer Reiner dokumentiert Schicksal der Kriegsgefangenen in seiner Chronik.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Die Kriegsgefangenen: Pfarrer Reiners dokumentiert, wann Kriegsgefangen zurückgekehrt sind. Leider ist die  Zählweise nicht ganz nachzuvollziehen.   

März 1946
  1. 93 waren von hier waren während des Krieges Soldat, 19 fielen, 31 sind noch nicht zurück, 12 schickten eine Suchkarte, da sie persönlich noch nicht geschrieben haben. Von 2 oder 3 weiß man indirekt Bescheid.
    Josef Nöthlings geriet in russische Gefangenschaft, aus der er krank vor zweieinhalb Monaten entlassen wurde. Bis heute hat er sich kaum davon erholt.

    Seit Weihnachten hielt ich 3 Novenen vor dem Herz-Jesu-Freitag: Die erste in der Hauptsache um Wiedererlangung der Glocken, die in Hettstett, 3 km von der englischen Zonengrenze in der russischen Zone sind. Ob wir sie Ostern wieder haben? Sehr groß die Beteiligung der Leute daran: 50-90 Kommunikanten. Die zweite Novene für Glocken und Soldaten. Die dritte jetzt mehr für Vermisste. Die Beteiligung ist merklich schwächer geworden. Aber immerhin ist die Zahl der Kommunikanten 40-50 täglich. Heute hielt ich ein Seelenamt für alle 19 gefallenen Hottorfer. Die Beteiligung hätte viel besser sein können. Als Einlage ließ ich von den Mädchen des Singabends (mittwochs bei Mülfarth) singen: „Wo findet die Seele die Heimat, die Ruh?“

  1. Am Freitag, dem letzten Tag der Novene kam Josef Heister zurück, sodass jetzt nur noch 30 zurück sind. Er hatte es in der Küche in amerikanischer Gefangenschaft in Chartres und bei Boulogne gut. Der Nuntius von Frankreich habe sie zu Weihnachten besucht. Auf ihre Klage wegen schlechten Essens sei in acht Tagen Abhilfe geschaffen worden. Er sei nach Rom gefahren. Wie doch der Papst eine überweltliche Macht ist, wie er doch deutschenfreundlich ist. Er erhob auch seine Stimme zugunsten der unschuldigen gefangenen Nazis. Ob dieses Jahr viele heimkehren werden? Als Johann Heister gefangen wurde, ist er über die Heerbahn gekommen, also gut 100 Meter von seinem Haus. So hatte er ein Bild von Hottorf.
  1. Am Freitag kehrte Josef Berden aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft wieder. Vor Kriegsende hatten sie dort sehr gute Verpflegung, sie streikten gar bei schlechter, seit Mai litten sie sehr Hunger. Wie dumm und einfältig diese Rache an uns Unterlegenen, es ist eher eine Saat des Hasses als pädagogisch. Wären sie vornehm geblieben, so hätten sie sehr gute Propaganda um sich gemacht.
  1. Gestern schrieben eine Suchkarte durch das Rote Kreuz, wohl aus der Gegend von Moskau, Johann Schiffer, Hausnummer 12, und Martin Nießen, der erste bei dem Zusammenbruch in Rumänien bei Jassy gefangen, der andere nach der Übergabe Breslaus.
    Nun schrieben noch nicht: Wilhelm Esser, Hausnummer 3, Peter Herbergs, Fr. Althoff, Peter Schiffer, Hausnummer 46, Theodor Nöthlings, Heinrich Krafft, Rainer Hochstein, Wilhelm Schmitz und Peter Bläsen und Wilhelm Lieven.; zudem Peter Heine.
    Außerdem will ich die noch nicht Heimgekehrten aufzählen: Frater Josef Lieven S.V.D. in Siegburg, der in Köln als Sanitäter ist und jeden Sonntag nun in Urlaub kommt, Krieger, Wilhelm; Jülicher, Anton; Schiffer, Peter; Nöthlings, Theodor Ludwig; Moes, Johann; Braun, Alois; Krafft, Gerhard; Krafft, Wilhelm; Schiffer, Heinrich; Berden, Heinrich; Nießen, Martin; Hochstein Heinrich; Schmitz, Johann; Schiffer, Josef; Flesch, Matthias; Berger, Josef; Lieven, Nikolaus.
April 1946
  1. Gestern kehrte Johann Moes heim, der noch soeben Soldat wurde und ein Jahr gefangen war. Nun sind es noch 27.
    Johann Moes ist noch im Februar von der Zuckerfabrik in Ameln weggeholt worden, wurde Soldat und geriet verwundet bei Hackenbroich in amerikanische Gefangenschaft. Als verwundeter hatte er es gut, als Gefangene litten sie Hunger. Seit Juli war er auf einem Flughafen in Hanau beschäftigt. 

  1. Peter Blaesen schrieb aus tschechischer Gefangenschaft 2-;Mal. Er war bei der Feldherrenstandarte und darum wagte es seine Frau nicht, eine Suchkarte abzuschicken. Im Kampf warf er das Band immer weg.

Mai 1946
  1. Gestern Abend kehrte gerade vor der Maiandacht Nikolaus Lieven nach Hause. Er hat es sehr schlecht in amerikanischer Gefangenschaft gehabt und kennt nun Frankreich besser als Deutschland.

Juni 1946
  1. Rainer Krieger schrieb an mich, da er ohne Nachricht (24.2.46) von seinen Eltern ist. Er glaubt Hottorf fast ganz zerstört und seine Eltern nicht zu Haus. Diese Briefe gingen nicht durch die Zensur.

Juli 1946
  1. Anton Jülicher kehrte zur allgemeinen Freude heim. Er war einige Tage im Bodensee im Lazarett.

  1. Willi Krafft kehrte heute aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft heim. Schlechte Behandlung im allgemeinen. Oft weniger Verpflegung als in Dachau. Der Glaube habe bei vielen Schiffbruch erlitten, denn die Amerikaner seien bloß Christen dem Namen nach

November 1946
  1. Noch zwei Gefangene und sieben Vermisste haben wir.
    Josef Lieven ist durchgebrannt und studiert in St. Augustin. Ebenso ist Willi Krafft von Frankreich durchgebrannt. Beide sind schon einige Wochen hier.

Dezember 1946
  1. Josef Schiffer, Sohn von Martin Schiffer, kehrte aus französischer Gefangenschaft dieser Tage heim. Nun bleiben noch zwanzig zurück.

Januar 1947 
  1. Exequien für Anton von Berg, der am 12.4.1945 in Rußland verhungerte.
November 1947 
  1. Noch immer sind elf Gefangene nicht zurück und sechs Vermisste,  also ist auch noch die Kommunionmesse für sie.
Jan 1948
  • Von Franz Althoff kam die Nachricht, dass er gefallen sei. 

Bei den Einsiedlern von Hottorf

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| Früher hatten die Hottorfer es gut |

Die Aachener Volkszeitung beklagt in einem Artikel am 4. Dezemmber 1948 die schlechte Infrastruktur in Hottorf und stellt  am Ende die Frage, wer denn in Hottorf noch wohnen möchte?

 Bei den Einsiedlern von Hottorf
Was es vier Jahre nach Kriegsende im Kreise Jülich noch gibt.

Dort, wo sich der Erkelenzer Höhenzug wie eine Halbinsel in das Jülicher Land schiebt, liegt ein schmuckes Dorf. Die ungefähr 500 Einwohner haben keine Mühen gescheut, die Folgen des Krieges  zu überwinden, doch fühlen sie sich heute noch, vier Jahre nach seiner Beendigung, wie von der Welt abgeschnitten und vergessen. Dabei liegt Hottorf mitten in einem Verkehrsdreieck. Seine Bewohner haben die Auswahl zwischen 13 Bahnhöfen, um aus ihrer verlassenen Ecke herauszukommen. Der weiteste davon ist nicht mehr als 10 km entfernt, die beiden nächsten sind nach einem Marsch von nicht weniger als 7 km zu erreichen. Auf den Landstraßen um Hottorf begegnen uns mehrere kleine Karawanen, denn wer mit Koffer und Taschen reisen will, braucht eine Eskorte von Trägern.

Früher hatten die Hottorfer es gut. Viermal täglich fuhr ein Omnibus von Jülich nach Erkelenz, und zweimal wöchentlich, an den Markttagen, fuhr einer von Titz nach Limich. Beide Linien berührten Hottorf und verbanden den Ort mit den Städten der Umgebung. Hartnäckig kämpfen die Bewohner jetzt schon jahrelang mit den zuständigen Stellen, um wieder an das Verkehrsnetz angeschlossen zu werden und nicht länger zwanggweise isoliert zu sein. Die Post beabsichtigt, wie es heißt, die Kraftostlinie Jülich – Erkelenz wieder einzurichten. Man hofft in Hottorf, daß dies recht bald geschieht, doch fürchtet man, daß die Omnibusse nur von Jülich bis Hottorf fahren, was den für den Ort lebenswichtigen Bedürfnissen in keiner Weise Rechnung trägt, da wichtige Fernverbindungen der Reichsbahn nur in Erkelenz erreicht werden können.

Posthorn statt Telefon?
In Hottorf gibt es mehrere große Güter, eine Krautfabrik, eine  Gewürztrockenanlage von wachsender Bedeutung. Es ist ein Rätsel, wie sie lhren Betrieb in dem von der Außenwelt so vollständig abgeschlossenen Ort aufrechterhalten können. Denn nicht nur an den Vehrkehrsverbindungen fehlt es, in Hottorf gibt es auch kein Telefon. Bürgermeister, Gemeindeverwaltung, Pfarramt, Spar – und Darleherlkasse, überall sind Rückfragen nötig, die mit einem kurzen Anruf erledigt werden könnten.
Doch für jede Kleinigkeit muß ein zeitraubender Brief geschrieben, auf nicht immer ausreichende Klärung bringende
Antwort gewartet werden. 

Der nächste Arzt wohnt in dem 4 km entfernt liegenden Lövenich. Vor nicht allzulanger Zeit wäre ein Kind beinahe an Blinddarmentzündung verstorben und mußte spät abends noch in nächste Krankenhaußsnach Linnich gebracht werden.

Auch bei Bränden kann kaum auf Hilfe von auswärts gerechnet werden. Wenn es brennt ln Hottorf so ist wirklich Not am Mann. Eine Wasserleitung gibt es hier nicht. Es ist das für einen zivilisierten Mernschen unvorstellbar. Zwei öffentliche Pumpen sind im Ort vorhanden und ein Maar, dessen Wasser vom Vieh bevorzugt wird. Doch sol es das Wasser nicht saufen, weil das Gesundheitsamt es verboten hat. Auch das Baden ist in Hottorf ein Problem.

Wer möchte in diesem Ort wohnen?   

Acht Jahre nach Erscheinen dieses Artikels wird Hottorf ans zentrale Wassenetz angeschlossen. Siehe Beitrag „Aufnahme der zentralen Wasserversorgung“ 

 

Einführung der D-Mark

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| Stockt jetzt der Kirchenausbau ? |

„Die Währungsreform von 1948 trat am 20. Juni 1948 in der Trizone, den drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands, in Kraft. Ab dem 21. Juni 1948 war dort die Deutsche Mark („DM“, auch „D-Mark“) alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel. Die beiden bisher gültigen Zahlungsmittel Reichsmark und die (zu ihr fest im Verhältnis 1:1 notierende) Rentenmark (beide abgekürzt als „RM“) wurden zwangsumgetauscht und dabei mehr oder weniger im Nennwert herabgesetzt. Die Währungsreform von 1948 gehört zu den bedeutendsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen der deutschen Nachkriegsgeschichte.“

aus: Wikipedia

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Währungsreform Juli 1948: 

 Am 21. Juni 1948  war die große Währungsumstellung von RM (Reichsmark) auf DM.
10 Prozent wird vergütet, aber zuerst gibt es nur ein Kopfgeld an jeden von 20,- DM. Sodann 5 % als Freibetrag von der Sparkassensumme.
Ich sammelte nach dem Umtausch noch RM ein, (für           ) und übernehme halb zu halb für DM 5000,-RM von einem von Lövenich. So retteten wir doch über 1000,- DM. Viel Geld hatte ich in Pappe von Düsseldorf durch Herrn von Anger angelegt und Bretter, die wir einige Monate später bei ihm abholten.
Die Pappe gaben wir später, da wir doch Schiefer bekamen, preiswert ab. Wir fürchteten nun, mit dem Kirchenbau nicht mehr recht vorwärts zu kommen.Doch in einem Jahr waren wir in der fertig gepliesterten Kirche.
Das erste Geld für den Weiterbau war das mir geschenkte erste Monatsgehalt in fester Währung von M. Mülfarth. Sodann gab eine größere Summe Erich von Meer zum Aufbau der Stallgebäude. Die erste Kollekte in DM war für das Priesterhilfswerk.

Anmerkung:

  • „Pappe“ meint „Dachpappe“
  • Die Gehälter der Pfarrer wurden noch von der Gemeinde gezahlt.

Kirchendach provisorisch gedeckt

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| Warten aaf Schiefer |

 

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners: 

Mai 1948
  1. Ich bat um freiwillige Helfer zum Aufnageln der Bretter auf das Dach. Die Bretter schnitt uns mein Kommunionpaar Franz Hilgers aus Lindern. Nicht eben besonders gut auf seinem neuen Gattex (vermutlich Bezeichnung für eine Gattersäge).
    Ein Schreiner aus Ratingen, den uns Herr von Angern, der Bruder der jungen Frau von Meer, schickte, nagelte sie uns drauf und belegte sie mit Pappe, die ich nicht teeren ließ, weil ich auf Schiefer aus Nordenau wartete.

    Nun ist es wohl entscheiden, dass keine Dachziegel gegen den Willen des Kirchenvorstandes und vieler im Dorf draufkommen, trotzdem einer ein Schwein für Dachziegel schenken wollte.

Dachstuhl fertiggestellt

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Im  November 1946 hat der Kirchenvorstand die Arbeiten zur Herstellung des Dachstuhls der Kirche zunächst an den Zimmermann Jansen aus Ralshoven vergeben. Bereits einen Monat später hat der Neffe, Arnold Jansen aus Rheydt-Mülfort, den Auftrag übernommen.

Bericht über die Fertigstellung erfolgt in der Lokalzeitung:

Wiederaufbau des Kirchturms beginnt

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Der Turm wird in insgesamt drei Bauabschnitten wiederhergesellt.
Das erste Drittel erfolgt durch die Rheydter Firma Arnold Jansen bereits im Herbst 1947.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners: 

 Juli 1947
  1. Seit dem 23.7. beginnt der Aufbau, und zwar durch die Firma Arnold Jansen aus Mülforth, er selbst ist Maurer und Zimmermann.
    Beginn des Aufbaus der Kirche durch die Firma Arnold Jansen aus Rheydt-Mülforth.
September 1947
  1. Ich rief wieder allwöchentlich zu Hilfsarbeiten  an der Kirche auf: Mo 1-20 (Hausnummern) , Di 20-40, Mi 40-60, Do 60-80, Fr 80-100.
November 1947
  1. Am Kirchweihfest konnte eine Dankandacht gehalten werden, weil der erste Bauabschnitt des Kirchenaufbaus abgeschlossen wurde: Mauerwerk im Schiff und an der Sakristei und ca. 10 Meter vom Turm und Dachgebälk auf dem Schiff. Eine Stunde wurde die Kirche zur Besichtigung geöffnet.
    Darin lagert noch viel Holz.
Dezemebr 1947
  1. Den Kirchenaufbau am Turm stellten wir ein, weil man mit der Firma unzufrieden wurde.
Mai 1949
Siehe:

Aachener Friedenskreuz getragen

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| 150 kg schwere Kreuz |

Quelle: Kirchenzeitung Aachen

„1947 wollten Krefelder Kriegsheimkehrer ein Zeichen der Buße und des Willens zur Versöhnung setzen. Aus dieser Initiative entstand ein 150 kg schweres Kreuz, mit dem Gesicht des leidenden Christus, geschaffen von Anton Wendling. Mit dem Aachener Friedenskreuz zogen katholische Männer, Gruppen, Verbände durch die Diözese. Bis in die 1960er Jahre hinein überbrachten Dutzende Wallfahrten im In- und Ausland eine kraftvolle Botschaft für Frieden und Verständigung. Das Kreuz war Ausgangs- und Mittelpunkt für zahllose Gebete, Gottesdienste, Versammlungen.“

aus: Bistum Aachen

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Friedenskreuz

Juni 1947
  1. Am Herz-Jesu-Fest, dem 13. Juni, holten wir das schwere Kreuz, dass vier Männer tragen mussten, um halb acht an der Lövenicher Pfarrgrenze ab. Eine Minute Schweigen und Vater unser für Deutschland. Die jungen Männer – Frauen waren bei der Prozession ausgeschlossen und Kinder bis zu 17 Jahren- trugen es: Zuerst Schmitz Johann, Schürkens Jakob, Krieger Hubert und Willi. Dann Josef Schiffer-Schulte, Lorenz August, Krafft Christian, und Lieven Friedrich. Endlich Bauch Julius und Mülfarth Hubert, und noch zwei andere. So groß war das Kreuz, dass wir es nur umgekehrt in die Kirche bekamen. Ich war froh, dass es uns in der Größe und Schwere gezeigt wurde. Die Kreuzpredigt hielt Herr P. Hülsbusch.
  1. Am 14.6. kam Ralshoven bis hier und wir brachten es gemeinsam über Ralshoven Gevelsdorf entgegen, das es am Kirmeszelt vorbei nach Hasselsweiler trug. Von uns trugen es Anton und Josef Schiffer, Krafft Christian, und Honold Wilhelm. Sodann Krieger und Dahmen Hubert, Franz Mütz und Lieven.
August 1947
  1. Am 29. Sept. in Aachen Männerschlusskundgebung nach dem Kreuzrundtragen. Wenige von hier fuhren hin.

Erstkommunion 1947

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| 8 Kinder in Hottorf |

Die zweite Kinderkommion nach dem  2. Weltkrieg in Hottorf in der Notkirche,

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Erstkommunion 1947

Mai 1947
  1. Erstes Proben mit den Kommunionkindern durch Getrud Honold
  1. Pfingsten
    Erste heilige Kommunion von Hubert Pickartz, Willi Krieger, Maria Mütz, Gr. Mütz, Gerhard Bauch, M. Honold, Franz Spengler und Käthe Küppers
    und in Weiden bei Köln von Maria Schmitz-Terwege.

    Bei von Meer wurden die Kinder abgeholt. Der Kirchenchor Damen und Herren sangen Psalmen und das Magnifikat und einen vierstimmigen Segen.
    Schön war geschmückt und schönes Wetter und viel war gebacken, wie ich auf meinem Rundbesuch feststellte.
    Für die Danksagungsandacht hatte ich kindertümliche Gebete zusammengestellt, die diese acht ein auf die Kommunionandacht allein beteten. 

Gründung des Theatervereins

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| Theaterverein auf Tornee |

Nach dem zweiten Weltkrieg wurden der Theaterverein und eine Maigesellschaft gegründet.

Die erste Aufführung des Theatervereins fand am 12. April 1947 statt. Die letzte Aufführung gab es 1961. 

Die erste Aufführung findet sogar ausdrückliche Erwähnung in der Pfrarrchronik.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Vorstellung des Theatervereins: 

April 1947
  1. Weißer Sonntag – Nachmittags um drei und acht Uhr abends Aufführung des Dramas: „Anita, die Heldin von Falkenstein“. Brechend voll war der Saal. Die Sammlung erbrachte ca. 1100,- RM. Die Musik verschlang 240,- RM. Die Kostüme kosteten auch viel. Gegen viel Schwierigkeiten unter den Spielern und von außen durch ablehnende Hottorfer und weil keine Bühne da war, setzte Hubert Mülfarth das Spiel durch. Das Spiel war für Anfänger sehr gut.
    Herr Ganser aus St. Tönis hatte die Spieler angeleitet und spielte selbst die Hauptrolle. Die der Anita spielte Sibille Roeben. Mitspieler waren noch Elisabeth Emmerich, Robert Heidelberg, Heinz Krauthausen, Manfred Weiß, Franz Josef Lieven, Friedel von Berg, Hubert Völker, Jakob Schiffer. Alles war des Lobes voll. Viel Volk kam von auswärts. Martin Schiffer stellte sein Klavier zur Verfügung. Von der Kirche nahmen wir den Fußboden der Frauenseite. Papier hatte noch Bergrath und wurde neu beschafft. Die Kostüme waren von Hintzen, Korschenbroich: Sehr fein!
  1. Abends Wiederholung von „Anita, die Heldin von Falkenstein“.
  1. In Lövenich spielte unsere Theatergruppe nochmals „Anita“. Zeitungsnotiz da-rüber.

Nachdem der Krieg zu Ende gegangen war und jegliche Unterhaltung fehlte, wurde der eigentliche Theaterverein Hottorf gegründet. Er übernahm die Statuten des Gesangsvereins und Dank der Initiative des 1. Vorsitzenden August Brack konnte bereits am 12. April 1947 die erste Aufführung mit dem Drama: „Anita, die Heldin von Falkenstein“ gepielt werden.

Durch den großen Erfolg ermutigt wurden weitere Stücke aufgeführt. So wurden zum Beispiel aufgeführt : „Der Hühnervater; Wenn zwei sich lieben; Der seelige Florian; Hansebur kriegt Telefon; Dle Hütte am See“. Der größte Erfolg bestand in dem fünfaktigen romantischen Schauspiel „Die Zigeunerin von Rocca Valla“. (Dieses Stück feierte am 5.2.1949 in Hottorf Premiere. Danach wurde es noch vier mal in Hottorf gespielt, bevor man eine „Theatertournee“ nach Katzem, Lövenich und Grevenbruch/Sauerland machte. )

Zu diesem Stück folgender Kommentar der Aachener Nachrichten:

„Kulturpflege ln einem Dorf. Um es vorweg zu nehmen: Die Aufführung dcs romantischen Schauspiels ‚Die Zigeunerin von Rocca Valla‘ war für den Hottorfer Theaterverereien unter Leitung von August Brack ein voller Erfolg. Mit der Wahl der Schauspieler hatte der Verein einen guten Griff getan, weil sich in diesem nicht leixchten Stück schauspielerisches Talent in Mimik  und Geste voll entfalten können und wirklichces Können sich klar abhebt. So konnten wir feststellen, daß in auch in  diesem abseits vom jedem Verkehhrslärm liegenden Dorf schauspielerische Talente die dazu beitragen können, daß auch in einem kleinen Ort Kulturpflege betrieben wird.“

Doch auch dieser Verein mußte dem Fortschritt Tribut zahlen. Als die Medienversorgmg immer größer wurde, sank das Interesse der Mitglieder und der Bevölkerung. Nachdem Spielleiter Jakob Schiffer dag letzte Stück „Einer Mutter Leid und Liebe“ mit den Akteuren einstudiert hatte, öffnete sich im Jahre 1961 zum letzten Male der Vorhang und mit dem Applaus des Publikums nach Beendigung der Vorstellugn endete die 14-jährige Theatergeechichte des „Theatervereins“ Hottorf.

Mit Gründung des Theatervereins wurde auch eine Maigesellschaft ins Leben gerufen. Beim ersten Maifest im Jahre 1946 konnten sich Maikönig Christian Krafft
und Maikönigin Änne Meyers mit der geschmückten Kutsche durchs Dorf fahren lassen. Aber auch dieser Verein bestand nicht lange, denn bereits im Jahre 1959 wurde däs letzte Maifest abgehalten. (Maikönig Dieter Mütz mit Anneliese Berger.)

Quelle: Schiffer

Starker Frost verzögert Arbeiten an der Kirche

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| Keller unter Wasser |

Schon der ganze Januar 1947 war sehr winterlich und teilweise bis zu -20 Grad Celsius kalt. Die Hottorfer fuhren dennoch fast täglich mit Pferd und Wagen und teilweise mit Traktoren zum Hambacher Wald und holten Holzstämme für die Bauarbeiten an der Kirche und Holz zum Heizen für zu Hause.

Anfang Februar setzt nochmal starker Frost und Schneesturm ein. Einsetzendes Tauwetter und Regen führen dann im März 1947 zu starkem Hochwasser.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Wetter im Frühjahr 1947

Februar 1947
  1. Sehr starker Frost, gar Schneesturm.
    Hubert M. brachte die Hälfte der Brotkarten und einige Gaben zu Pater Hülsbusch.
    Paul Seyfried, Knecht von Meyers, verlief sich im Schnee nach Hoogen, anstatt Lövenich.

  1. Die Bonner Theologen bekommen jetzt wegen der Beihilfe Hottorfs nachmittags Kaffee.
    Ich sprach über das Tanzen als Seelsorger. Ob es Erfolg hat?
    Tauwetter anstatt 30 Grad Kälte, wie angesagt.
März 1947
  1. Der außergewöhnliche Frost behinderte alle Arbeiten an der Kirche bis heute. Als es dieser Tage regnete und taute, entstand bei Heidelberg und Dederichs Hochwasser. Die Männer des Ortes wurden nachts alarmiert, um die Wassergefahr zu bannen. Dederichs verdarb in der Sch…… ein Meter hoch die Frucht. Einige Keller liefen voll Wasser. Das Maar war ganz voll. Die Wege, besonders der Weg nach Lövenich, waren infolge vielen Windes direkt verweht, besonders in den Schluchten.

Neujahrsfeier mit Schnaps, Geläut und Schüssen

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| Prost Neujahr |

Privates Schnapsbrennen war gebräuchlich und gefährlich. Die Englische Militärregierung hatten im Oktober 1947 schon Hottorfer wegen illegalem Schnapsbrennens festgenommen. Die Glocke zu Silverster wurde noch im Baum bei Mülfahrt von Hand geläutet. Das Schiessen (vermutlich mit „Katzeköpp“) wurde später von der Feuerwehr übernommen und fand auch bei Polterabenden und Goldenen Hochzeiten statt.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Selbstgebranntes

Januar 1947

Mit Schnaps wurde manche Neujahrsfeier veranstaltet. Um 12 wurde geläutet. Auch geschossen (mit Katzeköpp heute noch bei der Feuerwehr).

Tags vorher war um 3 Uhr Generalprobe gewesen, heute um halb vier wurde das Weihnachtsstück, das Gretchen Honold zusammenstellte und mit M. Mülfarth einprobte, im Saale Mütz aufgeführt.
Mit Strohballen Brettern hatten sie eine Bühne geschaffen. Brack brachte die alte Theaterbeleuchtung an mit verschiedenen Lichten. Mit Decken waren die offenen Fenster verhängt. Ein Glück, dass es milde war und nicht zu kalt. Der Saal war sehr besetzt. 423,- RM haben die Mädchen vereinnahmt.
Sehr schwierig zum Einproben war der Engelreigen.
Jakob spielte Geige und Maria Mühlfahrt Harmonium.
Programm:  
1) Huldigung der Engel,
2) der Tiere,
3) der leblosen Kreatur,
4) des Menschen.
Dabei traten kleine und kleinste Kinder in Tätigkeit.
Karl Ludwig Ganser sang sehr schön zwei Solis, die sogar beklatscht wurden. Manche Mädchen haben Geschick zum Spielen. Es war sehr schön.

Krippenfeier 1946 mit Chorgesang

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| 20 Programmpunkte |

In den Unterlagen des Pfarrarchivs befindet sich der Plan für die erste Krippenfeier nach dem Krieg im Dezember 1946. Diese umfasst neben den klassischen Weihnachtsliedern auch Liedvorträge durch den Kirchenchor, eine Predigt und eine Kollekte. 

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Erstes Krippenspiel nach dem 2. Weltkrieg:  

Dezember 1946

  1. Sehr kalt. Generalprobe für das kirchliche Krippenspiel um 11 und um 3 für das auf dem Saal eine erste Probe.

  1. Freitag war nur eine schöne schulische Weihnachtsfeier mit Gedichten, Liedern und der heiligen Geschichte nach Mockenhaupt. Nachher gab es für jedes Kind zwei Tafeln Schokolade, von der Schweizer Spende.
    Erkältung stellte Zahnarzt Emmerich bei mir fest.
  1. Ich hörte in Gevelsdorf von 10-12.15 Uhr Beichte.; sehr erfreulich. Hier Pfarrer Düster. Sehr viele gingen. Nachmittags jeder bei sich.
  1. Um 6 Uhr Engelamt. Nachher „Stille Nacht“. Sehr viel Kommunizierte. Meine Freude stieg. Ich sprach zweimal über: „Schlimmstes Weihnachten wegen Millionen Heimatloser“.
    An den beiden Tagen kamen 525,-RM Kollekte für die Armen und für kirchliche Zwecke ein.
    Auf dem Tabernakel stand des Herbergs kleine Krippe. Ein Birnchen durch Brack.
    Vom Amt hatten wir 54 kleine Kerzen. Sie steckten zur Hälfte an den vier Tannenbäumen rechts und links des Altars. Auf dem Altar selbst auf zwei Bäumchen. Hinter ihm hoch an der Wand das blaue Tuch mit vielen goldenen Sternen. Je drei Kerzen.
    Um 17.30 Uhr Krippenspiel. Keine Bänke und Stühle in der Kirche. Sehr voll war es. Drei Adventslieder mit Trompete und Geige begleitet: Johann Heister, Gottfried Völker und Jakobs von Glimbach. Hubert Mülfarth hatte mit seiner Sybille Roeben die Stellungen der Engel, der Mutter Gottes und des Erzengels Gabriel eingeübt. Bärbchen Mülfarth und Lena Deuser waren das. Doch Bärbchen hat fast all ihr Haar durch ihre Krankheit verloren. Die Verkündungsszene war aus dem Gut, dass die katholische Jugend herausgab. Als ……… kam des Drei-König-Spiels, das wir im vorigen Jahr in Lövenich sahen. Dazwischen die Heilige Geschichte, gesungen nach der Komposition des Pfarrer Düster. Ferner war die Herbergssuche noch drin. Josef Mülfarth, Hubert Völker, Franz Josef Lieven und Josef Rixgens sangen mit. Das ganze war sehr schön. Am Schluss Aussetzung, Segen und Kollekte durch die Engelchen.

  1. Im Hochamt spielte Jakobs auf der Geige. Besser und leiser als gestern.
    17.30 Uhr wieder das Krippenspiel.

Engländer genehmigen Holzeinschlag

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| Mit Mannschaftswagen in den Wald |

Weitere Finanzierungsquellen für den Wiederaufbau von Kirche, Pfarrhaus und Vikarie wie Kriesgschädeamt und Programm für Kunstdenkmäler wurden angefragt.

Am 2. Dezember 1946 wurden alle Planungsunterlagen beim Bauamt in Jülich abegegeben. Die Genehmigungen und Freigaben durch die britische Militärregierung wurden erwartet, so dass nun das Holz im Pfarrwald im großen Still geschlagen und genutzt werden konnte.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Wege der Holzbeschaffung

Juni 1946
  1. Das Kriegsschädenamt will mit noch vorhandenen öffentlichen Geldern öffentliche Gebäude, als auch Kirchen und kirchliche Verwaltungsgebäude finanziell bezahlen, wenn Material da ist und die Arbeiten bis zum 31.3.1947 erledigt sind. Sekretär Breuer von Titz sprach darüber. Für uns käme Vikarie und Pfarrhaus in Frage und eventuell die Kirche unter Dach. Ein Kostenüberschlag sei einzureichen.
  1. Auf der K.-Notstandssitzung, der der Ortsbürgermeister und Herbergs noch beiwohnten, besprachen wir das Angebot des Kriegsschädenamtes. Wir versuchen es. Im Übrigen erkannte ich: „Sehe jeder zu, wie er es weiter bringt“: Kräftige Unterstützung findet sich selten.
  1. Josef Herbergs stellte Kostenanschlag für das Vikariatsgebäude in Höhe von 5078,95,-  RM und für das Pastorat für 4563,10 RM fertig. Ich reichte ihn zweifach durch das Bürgermeisteramt Linnich beim Kriegsschädenamt ein.
  1. Den Kirchenvorstand ließ ich die Übertragung der Aufbauarbeiten an den Architekten Hans Laxner in Krefeld beschließen. Ein entsprechender Antrag wurde dem Bischof dafür und für die Reparatur der Vikarie und des Pastorats eingereicht.
  1. Architekt Laxner brachte die genaue statische Berechnung der Kirche.
Juli 1946
  1. Msgr. Schümmer vom Generalvikariat besichtigte Kirche, Pastorat und Vikarie. Ohne Genehmigung sei doch nicht zu bauen. Wahrscheinlich würde das General-Vikariat Baumaterialien verteilen können, aber alles sei noch ungeregelt.
November 1946
  1. Franz Hilgers kam von Lindern und sortierte mit Bergrath und Küppers und dem Knecht von Meyers das Holz der Kirche auf Verwendbarkeit zum Neubau oder nicht.
  1. Mit Zimmermann Jansen von Ralshoven und Franz Hilgers fuhr ich zur Besichtigung unseres Waldes, ob darin wohl vier Eichen à 10,40 Meter wären. Knapp sind sie unter den 50 Eichen drin. Der Haumeister Hamacher riet uns Tausch durch den Forstmeister (aus Westfalen, doch von Ostpreußen kommend) an. Doch der war nicht in der Försterei. Herr Laufs (mit Schrey verwandt) riet uns, Dienstag wieder zu kommen. Oberförster ist ein Schiele, Revierförster ein Groß aus Höfen, alles neue Kräfte.
    Die Akten über unseren Kirchenwald sind dem Forstamt in Meschede verbrannt. Jansen soll mir eine Holzkiste machen.
  1. Der Zimmermann Jansen aus Ralshoven soll das Dach der Kirche machen. Es soll versucht werden, aus unserem Pfarrwald das nötige Holz zu bekommen.
  1. Ich fuhr zum Forstmeister nach Hambach. Für den Turm will er kein Holz freigeben und bloß die Hälfte abholzen lassen. Der Engländer muss alles genehmigen und könnte eventuell das Holz noch beschlagnahmen. Ebenso muss die Abteilung Landwirtschaft des Landratsamtes und das Landesforstamt in Bonn uns den Lohnschnitt genehmigen. Das Kopfholz können wir mit nach Haus holen und auch die Hottorf zustehenden Nummern Brennholz. Wir selbst müssten das Holz fällen.
  1. Ich fuhr zum Kreisbauamt. Ein Herr Graf sagte mir, der Kommandant müsse für Kirchenreparaturen seine Zustimmung geben. Ich hin. Der Dolmetscher Hermanns meinte, es sei wenig Aussicht vorhanden, diese zu erlangen. Der Kommandant Richardson telefonierte nach Aachen, ob einschränkende Bestimmungen da seien. „Nein“ hieß es. Kreisbaumeister Brisse wollte da noch nicht richtig ran. Doch Hermanns sagte ihm, er könne es ruhig wagen. Ich nun zu Herrn Brisse hinein. Er bezeichnete es als seltsam, dass der Kommandant einen guten Tag hatte und ich an Holz komme, wo Jülich nicht mal Brandholz genug geschlagen bekommt. Ich solle durch Stegemann-Förster eine Materialaufstellung hereinreichen, er solle als Bauunternehmer fungieren. 10 – 12.000,- RM solle die hoch sein. Er würde mir dann eine vorläufige Genehmigung für den Holzschnitt geben. Bis 10.000 ,- RM könne der Kreis geben, aber damit wir Material bekämen, solle ich höher gehen, vor allem Dachziegel, Ziegelsteine  und Zement. Gerhard Schmitz fuhr nach Körrenzig zu Förster hin. Er kommt am 24.11.
  1. Herbergs soll ausrechnen, was wir an Holz für Bänke, Empore und Turm ( Treppen und Glockenstuhl) nötig haben.
    Hinter Zement und Gips war ich her. 50 Pfund kamen von Baur & Cie. Alle gesammelten Gelder tun wir auf die Spar – und Darlehenskasse.
    Bärbchen Mülfarth muss mir viel abschreiben, weil die Schreibmaschine noch immer in Linnich ist. Käthe Schulte schreibt die statistischen Berechnungen ab.
  1. Nach dem Hochamt kam Maurermeister Förster von Körrenzig und gab seine Unterschrift – vier Mal als Baumeister des Kirchenaufbaus. Wir sollten die Pläne des Architekten nur einreichen. Die Baubeschreibung über setzt Tonger ins Englische. Bergrath sorgte für ein Auto, dass Samstag die Pannen holt.
  1. Nachdem ich die Unterlagen gut ausgefüllt hatte, fuhr ich zu Förster Körrenzig, der aber in Jülich im Entnazifizierungsausschuss schon war. Auf dem Baubüro beriet mich ein Lutz anderthalb Stunden lang.
    Bonn soll die Kirche in das Programm für die Kunstdenkmäler aufnehmen. Er telefonierte dahin. Aber der Architekt müsse alles einreichen u.u.a. sechsmal die statische Berechnung, dreimal je zwei Pläne, zweimal die Zeichnung zur statischen Berechnung und unter 10.000,- RM bleiben.
    Besonders genau prüfe der Engländer das Holz, der Förster müsse genau dasselbe Quantum genehmigen. In drei Wochen könne die Genehmigung des Engländers da sein. Lutz gab noch eine Liste der Gegenstände mit, für die kein Holz genehmigt wurde. U.a. nicht für Treppen und Fußböden. Ich schickte Hubert Müller zu Architekt Laxner. Der nahm die Sache sehr leicht und liefert alles bis Montag.
Dezember 1946
  1. In Jülich mit Architekt Laxner zum Kreisbauamt. Nun schienen alle Unterlagen da zu sein. Zeichnungen, statistische Berechnungen, Holzleisten usw..
    In vier Wochen soll es nach Prüfung durch das Bauamt und nach Genehmigung durch die Engländer so weit sein, dass wir für den Holzschnitt einkommen können.
  1. Von Ameln kommt ein Fragebogen wegen Material für den Kirchenbau für nächstes Jahr.
  1. Wegen der Kälte nur die Soldatenmesse schlechter besucht.
    Holz können sich die Hottorfer auf Kohlenkarte im Hambacher Wald holen. Edliner, Stamm-Schunck und Müllers holten etwas.
Januar 1947
  1. Ich fuhr mit dem Rad nach und fuhr zum Revierförster Gros, der mich zum Mittagessen einlud. Als ich wiederkam, waren die Hottorfer gerade abgefahren und lagen an der Chaussee fest.
    Bei regnerischem Wetter war ich um 16 Uhr zu Hause, hörte die Krankenbeichte und erfuhr, dass mittlerweile 2.700 Dachziegel angekommen waren. Meine Schwester war rundgelaufen, um das Geld dafür zusammen zu holen. Sie sind sehr sauer, aber wir sind sehr froh, dass wir sie haben. Plötzlich kommen jetzt ganze Lastzüge voll gegen Geld und Naturalien. Man rät uns, so auch die Ziegel für das Kirchendach zu kaufen.
  1. Zum Wald fuhren: Hubert Dohmen, Peter Bergrath, Franz Mütz, Max und Josef Meyers, Paul Seyfried, J. Spengler, M. Küppers, Johann Emmerich, Anton Hochstein, Wilhelm Honold, P. Deuser und Martin Lemm. Heinrich Reitz für Peter Schmitz. F. Schulte-Meyers stellte wieder die Wagen und die Pferde mit P. Schmitz.
    Gestern brachten sie 36 dicke Fichtenstämme mit, heute 30 und 2 Eichenstämme. Vielleicht ist das ein Fünftel.
    Einiges Holz bringen sich die Leute für sich mit. Sonntag unter anderem Küppers, Meiers, Emmerich.
  1. Die erste hl. Messe hielt ich um halb sieben,
    Um 7 Uhr fuhr der Traktor mit zwei Anhängern und einem „Mannschaftswagen“ von der Mühle und folgenden Leuten los: G. Völker, Knecht von Gerwin Schmitz und Krauthausen und zwei von Schiffer, M; Josef Meyers, Hubert Mülfarth, Wilhelm Küppers, Anton Schiffer, Friedrich Lieven, Havlena, Emil, Matthias Mütz, Keutmann, Nikola Deuser, Hubert Heister, Engelbert Krichel, Peter Jäger, Josef Spengler, und Jansen von Ralshoven.
    Der Revierförster erschien und sagte, dass Holz müsse abgemessen werden, auch das in Hottorf. Sein Gehilfe Fischer solle hin. Komisch, diese Stimmungsänderung: vorige Woche noch hieß es von ihm: „Fahren Sie es nach Hause!“
    Doch der Forstmeister von Twickel aus Ostpreußen (in der Partei) beheimatet in Westfalen, ist wieder eingesetzt, er war suspendiert, wohl weil er zu wenig Brandholz lieferte. Dumm war, dass wir kein Fuhrwerk bei uns hatten. Aber wegen des eisigen Windes war kein Pferd zu haben.
  1. Heute fuhr Johann Krauthausen mit seinen zwei Pferden und Wagen. Gestern waren die Pferde von Matthias Mütz und Heinrich Deuser da. Heute ritt M. Schmitz mit zwei Pferden Erichs um 6 Uhr vor.
    Der Traktor beförderte: Anton Schiffer, Peter Jäger, Josef Berden, Christian Kraft, Heinz Krauthausen, Josef Mülfarth, Wilhelm Küppers, Johann Emmerich, Erich von Meer mit Karl Heister. Bloß einmal kam der Traktor zurück.
    Auf dem „Karusseleplei“ (Kirmesplatz an der Maar) wurde kurz geschnittenes und langes gelagert – auch am Pastorat.
    Ich war in Ralshoven beim Schneidewerk Spenrath, der nicht schlecht schimpfte, weil er unseretwegen sieben Mal die Säge hatte schleifen müssen, da in dem Holz (aus den Bunkern) Eisen war. Den ganzen Tag hatte er für den…. Holz gebraucht.
    Er sagte, der Forstmeister wäre gar nicht berechtigt, uns das Holz so zu bewirtschaften.
    Er riet zu Holzkäufen im Sauerland. Andreas Jansen holte ich, der uns ein Großteil Holz sofort vermaß.
    Kaspar Mütz hatte uns das von Spenrath zu Balken verschnittene Holz nach Ralshoven hingefahren und es heute mit August Lorenz in die Küche des Pastorats gebracht. So kamen wir also in dieser Woche ein sehr großes Stück weiter; „Sie können wegen des Holzes eine Dankandacht halten!“ sagte Andreas Jansen.
  1. Ich fuhr zum Forstmeister von Twickel nach Hambach und erreichte von ihm die Freigabe der restlichen Fichten, den Austausch von sechs Eichen und besprach mit ihm die zukünftige Aufforstung. Vielleicht mit unseren Leuten im Mai. Fichten, wo jetzt Eichenkahlschlag ist. Forstanwärter Fischer bezeichnete uns die zu schlagenden Fichten und gestattet mit dem Revierförster, dass wir die acht abgeschlagenen Eichen für die Inneneinrichtung nach Hause holen. Ob wir so an da nötige Holz aus eigenen Beständen kommen und im Wege des Umtausches zu Fichten für 400 qm Dachbretter?
März 1947
  1. Heute fuhren fünf Wagen mit zehn Pferden ca. 65 Stämme in Hambach holen. Froitzheims Wagen mit Dederichs Paul und Engelbert Steffens Pferden. Peter Bergrath, August Lorenz, Matthias Mütz mit Pferd und Wagen. Erichs Pferde und Wagen mit Ton Küppers. Josef Schiffer, Heinrich Deuser, Heinrich Krichel, Krauthausen mit Wagen und einem Pferd, das zweite von Spengler. Meyers Johann mit einem Pferd und Wagen, das zweite Pferd mit Martin Lemm.
April 1947
  1. Weißer Sonntag. Unsere Kinder gehen vielleicht Pfingsten.
    Freitag war ich beim Forstmeister von Twickel und Revierförster Groß und Hausmeister Hamacher und ließ fünf Eichen à 11 Meter von 16 x 18 cm fällen.
Mai 1947
  1. Auf der Ortsversammlung für den Kirchenbau bei Althoff war sozusagen nichts da. Trotzdem wird gebaut. Diese Woche Freitag soll das restliche Holz aus dem Wald nach hier.
Juni 1947
  1. Vom 16. An begannen meine Fahrten, öfters nach Neuwerk und nach Wuppertal-Cronenberg, Dahlerau, Iserlohn-Hemer, Einsal, Nordenau.
    Zuerst bemühte ich mich um eine Kreissäge …… Von Franz Hilger, der uns einen fahrbaren Schlitten für eine fest montierte Kreissäge feststellte. Herr Arnold Janse, P. Bergrath, und ich morgen eigens dorthin gefahren (auf dem Rückweg hatten wir Oidtmann besichtigt – musste ich drei Adressen : ein Felder in Dahlerau hinter Wuppertal, eine in Cronenberg – einige Nägel brachte ich wenigstens von der Firma Putsch mit – und eine dritte. Leider war alles Fahren vergeblich.
    Die Kreissäge ….. hätte uns August Brack liefern können, aber sie erstand sich Arnold Jansen selbst bei einem Bekannten in Mülforth. Nun fehlen uns noch die Blätter von 80cm Durchmesser und einige Feilen. Einen Schmirgelstein hat August Brack.
    In Neuwerk bemühte ich mich um Ziegelsteine. Mit 50 Pfund fiel ich herein. Die Schwindler kamen gar zweimal bis hier, um „die Kirche zu besichtigen“, sie wollten sie auch aufmauern. Durch einen anderen Mittelsmann aus Hermges kam ich dann endlich zu der Firma Bausen, die bis jetzt ca. 4000 Steine lieferte. Natürlich muss „kompensiert“  werden. Heute ist das ja halbwegs gestattet.
    Öfter fuhr ich mit dem Fahrrad nach und  von Mönchengladbach.
    Um Nägel bemühte ich mich sodann in Iserlohn. Dort stieg ich bei Fr. J. Weil ab, der eine Christopherin geheiratet hat, die selbst eine große Fabrik besitzen. Im katholischen Waisenhaus der Aloysius… logierte ich tags vor dem Aloysiusfeste. Männig-Baute versprach zu helfen und lieferte ein Paket.
    In Hemer bekam ich gegen Kompensation 15 kg, nachdem ich bei einer Firma vergeblich vorsprach.
    Auf dem Rückweg traf ich bei Zugkontrolle in Schwerte Bekannte aus Örath-Ütterath: v.d. Lohe,.
    Von August Brack erhielt ich die Adresse seines Schwagers Böger in Einsal bei Altena, der mir mit Eisenschienen helfen würde. Sehr freundliche Aufnahme und das Versprechen eines Scheines von 3-5 Z, den der Chef selber geben würde. Doch der war….So musste ich dann am selben Tag das Lennetal  hinauf über Altenhunden-Gleichdorf nach dem Luftkurort Nordenau, wo ich beim Pfarrer sehr gut aufgehoben war. Ein Besuch bei den Gebrüdern Tommes war vergeblich. Ich muste zu Minister Nölting um einen Freigabeschein.  

Sechs Mandate im Gemeinderat gewählt

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| 86% Wahlbeteiligung |

Am 15. September 1946 gab es in der französischen und britischen Besatzungszone die ersten Kommunalwahlen nach dem 2. Weltkrieg statt. Das Wahlsystem der Kommunalwahlen war ein mehrheitsorientiertes System mit Verhältnisausgleich, bei dem der einzelne Wähler mehrere Personen wählen konnte (in der Regel drei Stimmen)

Von 279 Wahberechtigten geben 239 Hottorfer ihre Stimme ab und wählen  4 Vertreter der CDU und 2 Unabhängige in den Gemeinderat.

Am 14. Oktober fand dann die Wahl des Kreistags Jülich statt, bei der die CDU wie im ganzen Rheinland siegte (65,5% inm Kreis Jülich).

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Erste Kommunalwahl

Das Wahlergebnis:
Berechtigt: 285. Es wählten 239, ungültig 17,

Abgegeben 921 Stimmen:

  • 622 CDU,
  • 299 Unabhängige

Es erhielten:

  • Gottfried Schiffer 115,
  • Josef Nöthlings 111,
  • M. Meyers 101,
  • Johann Emmerich 81,
  • M. Küppers 68,
  • Wilhelm Mülfarth 77,
  • M. Flesch 68,
  • J. Herbergs 60,
  • J. Spengler 56,
  • Heinrich Mütz 47,
  • Hubert Rixgens 44,
  • Johann Krauthausen 20.

Gewählt sind:

  1. Meyer,
  2. Emmerich,
  3. Mülfarth,
  4. Küppers, wohl durch Los,
  5. Schiffer,
  6. Nöthlings.

1-4 sind von der CDU.

 

Firmung von 40 Firmlingen unmittelbar nach dem Krieg

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Firmung von 40 Firmlingen (im Schulgebäude) und Visitation durch H. H. Weihbischof Friedrich Hünermann.

Pfarrer Reiners berichtet den Ablauf der Firmung und und Visitation sehr ausführlich in seiner Pfarrchronik, unter anderem von:

  • Binden von Kränzen in der Vorwoche
  • vierteiliger Empfangstriumphbogen bei von Meer
  • Fähnchen und Wimpel waren in Gevenich geliehen
  • Abholung des Bischofs von Männern in Frack und  Zylindern und Kindern mit geschmückten Fahrrädern
  • vorgetragene Gedichte von Marie Honold und Konrad Philippen und vier Mädchen aus der Oberklasse
  • Firmung in der Notkirche
  • Empfang des Kirchenvorstands und Prüfung von Finanzangelegenheiten
  • Kindersegnung

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Firmung und Visitation 1946

September 1946
  1. Gestern und heute ließ ich die Schulkinder arbeiten. Wir reinigten die Wiese am Pastorat, Hof und Straße, die Gasse an der Vikarie, die Kirche und die Straße vor dem Friedhof.
  1. Herz-Jesu-Fr.
    Mittwoch holte der Sportverein (meist die Alten) Tannengrün im Pfarrwald. Auch einige Bäume für Torlatten brachten sie sich mit, und Pickart Bunkerholz. Noch am selben Abend drehten 10 Mädchen ca. 50 Meter Kranz für die Kirche. Buchsbaum lieferte von Meer und Deuser Peter. Ich stiftete ihnen etwas Bier.
    Auch am gestrigen Tag viele Mädchen zum Kränzen da. Mühlfarth haben in Ralshoven eine Karre Sägemehl geholt, um eine Figur durch Hubert vor der Kirchentür machen zu können. Weder durch Schmieren noch durch das Amt auf Dringlichkeitsbescheinigung ist an Glas für das eine Fenster der Vikarie zu kommen.

    So musste ich wieder von meinem Glas von Grefrath hinein. Jussen hat nun doch auf dem Friedhof einige Tage gearbeitet. Franz Mütz hat Jakob Pickartz auch dort arbeiten lassen. So ist der Friedhof sehr schön in Ordnung. Am Maar hat Jussen auch die Brennnesseln abgemäht. Die Arbeiten an der Vikarie stocken mal wieder.
  1. J. Spengler und P. Deuser fuhren je eine Karre Dreck vom Kirchturm weg. W. Mülfarth, W. Schiffer und P. Bergrath 1+5+4 Karren vom Schuppen.
  1. Von 5-7 Uhr probte ich mit Grete Honold für die hl. Firmung.
  1. Gnadentag der Hl. Firmung.
    Bei von Meer wurde der 4-teilige Empfangstriumphbogen errichtet, mit Efeu, viel mehr Tannengrün und Buchsbaum umwunden. Kleine Fähnchen geben ihm noch einen Schmuck. Darin ein Schild  von … schwarz auf weiß fein gemalt: „Durch den Bischof die Einheit mit der Kirche.“
    Bei Mütz war auch noch ein Schwung Fähnchen, die aus Katzem und Gevenich zum Teil geliehen waren. Wurden in 6-8 Metern Abstand von Althoff bis zur Schule, durch den Lehrer, August Lorenz und Heinz Krauthausen eingerammt.  August Schmitz und Änne Meyers hingen die Fähnchen daran auf, die aus dem ganzen Ort zusammengetragen waren. Bergrath Peter hatte aus Herkenrath viele bunte Wimpel mitgebracht, die den unteren Teil der Kirchstraße schön machten. In letzter Minute kamen durch ihn auch Fähnchen vor die Vikarie.
    An der Schule hatten von Sägemehl, Hubert Mülfarth und Sibille Roeben, die sich Sonntag verlobt hatten, das sie rot, grün, blau und gelb färbten, einen schönen Teppich gemacht: Glaube, Hoffnung und Liebe und „Veni sante spiritus“.
    An den Häusern waren viele Fahnen. In der Notkirche hingen an den vier Wänden und quer durch die Mitte übers Kreuz vier Schwünge (?). Alle Bänke waren heraus. Im Flur zwei Ankleidetische und zur Hoftür hin das Tabernakel mit dem Allerheiligsten.
    Morgens waren um 8 Uhr alle 40 Firmlinge – 26 Jungen und 14 Mädchen zur hl. Kommunion gegangen.
    Um halb drei war die Aufstellung. Dann ging es mit Fahnen und kleinen Kindern dem Bischof entgegen. Bürgermeister Mülfarth, Matthias Mütz, Christian Krafft, Heinrich Philippen, Anton Schiffer und Paul Dederichs in Schwarz mit Zylinder ritten dem Bischof entgegen. Jakob Schürkens mit einem Dutzend Jungen des Sportvereins auf geschmückten Fahrrädern ihm entgegen.

    Pünktlich um drei Uhr traf er ein. Ich begrüßte ihn kurz und dann sagte die kleine Maria Honold und der kleine Konrad Philippen und vier Mädchen der Oberklasse ein Gedicht auf. Der Chor sang unterwegs Psalmen. Sehr leutselig war der hochwürdige Herr.
    In der Notkirche klappte alles zufriedenstellend. Die männliche und weibliche Jugend war mit von ….. und Katzem geliehenem …….. da.  Die Kinder antworteten gut. Ich konnte mit allen zufrieden sein .
    Bei von Meer war dann Empfang des Kirchenvorstandes und des Lehrers Schulte. Als assistierende Geistliche waren außer dem Bischofskaplan Dr. Bruns – auf der Rechnungskammer, in Trier bei dem sehr gestrengen, fast kleinlichen in Finanzdingen, Erzbischof Bornemann ausgebildet- anwesend Pfr. Düster, Pfr. A.D. Schmitt, Dechant Esser, Pfr. Kochs aus Herkenrath.
    Um viertel nach acht war Kindersegnung, zu der nicht all zuviele Mütter mit den kleinen erschienen waren, Das Wetter war gut. Auf dem Schulhof standen manche, die von dort der Feier beiwohnten. Erwachsene waren gut beteiligt.

Erste Nachkriegs-Wallfahrt nach Kevelaer

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| Mit 136 Personen auf Ladefläche |

Pfarrer Reiners organisiert die erste Wallfahrt nach Kevelar. Aus Geveldorf fahren 58 und aus Hottorf 78 Pilger auf der mit Bänken ausgestatten Ladefläche eine LKWs mit.

Büssing-Ferntransporter

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Wallfahrt nach Kevelaer: 

August 1946

  1. Mit Lehrer Schulte fuhr ich nach KevelaerGormanns will uns Ende des Monats nach Kevelaer fahren. 58 meldeten sich deswegen bei Maria Lieven.
    In Kempen bestellte ich Kerzen, Weihrauch, Kohlen und Wichs für das ganze Dekanat. 24 weiße Kerzen (englischer Wachs) brachte ich mit. In Kevelaer bei Bauer (14 Monate waren sie wegen Besatzung nicht im Haus und Geschäft) traf ich den Pfarrer von Baal, die Baaler wollen sich anschließen. Der Baaler Pastor hat zwei Monate die Gegend bis Kofferen seelsorglich betreut (1945: März-Mai).
  1. Gestern war mein 18. Weihejahrestag.
    In Kevelaer gibt es schon einiges zu kaufen. In der Basilika werden die Fenster eingesetzt. Ihre Orgel ist durch Ausländer im Priesterhaus zerstört worden. Sonst ist sie, die Gnaden- und Kerzenkapelle unbeschädigt. Von der Pfarrkirche liegt das Gewölbe am Boden. Der Kreuzgang ist endlich aufgeräumt. In den Geschäften gibt es schon einiges zu kaufen, besonders kleine Schmucksachen, meist gegen Eintausch von Silber.
  1. Heute ruhten sich alle, die … konnte, aus.
    Für die übermorgige Fahrt nach Kevelaer erfolgten Absagen.
  1. Ich beredete Gevelsdorf, mitzufahren. So hatten wir 136 Personen zusammen. Abend vorher geben wir Beichtgelegenheit.
  1. Heute fuhren wir um 6.15 Uhr mit Verspätung los. Von Müntz liehen wir uns Bänke aus (gemeint sind: Sitzbänke für die Ladefläche des Lastwagens). In Grefrath luden wir noch Irmgard Drießen auf. Der Chauffeur Schiffer von Wevelinghoven fuhr den 22 Meter langen Büssing-Ferntransporter sehr vorsichtig.
    Um 9 waren wir da. Am Seitenaltar lasen wir eine stille hl. Messe, dann hörten wir noch Beichte, weil der Kevelaerer Dechant keinen Pater zur Aushilfe bekommen konnte. Viele mussten so bis 11 Uhr nüchtern bleiben.
    In den Wirtschaften gab es schon Mittagessen und in den Läden manches zu kaufen, aber weniger als vor 14 Tagen.
    Um 2 Uhr betete ich den Kreuzweg vor und Pfarrer Düster predigte dort schön über das heutige, zum ersten Mal gefeierte Fest des unbefleckten Herzens Marias.
    1) Reinheit.
    2) große Liebe zu Gott.
    3) Mütterliche Liebe zu uns.
    Messdiener und Kreuz stellten die Gevelsdorfer, und Fähnchen.
    Das Wetter war uns günstig, auch auf der Rückfahrt. Immer hatte es vor uns geregnet. Nur ab Lövenich hatten wir ein wenig geregnet. In Gevelsdorf waren in drei Wirtschaften die Tische gedeckt und Kaffee aufgeschüttet; doch in zweien konnte ich alles bezahlen weil die meisten nicht aussteigen wollten, um den Platz nicht zu verlieren. Fast die ganze Zeit ist unterwegs gebetet und gesungen worden.
    Alle waren befriedigt. 78 Hottorfer und 58 Gevelsdorfer.
    8 Gevelsdorfer fuhren frei mit und 6 Hottorfer. Die anderen bezahlten 7,- RM, wovon der Autobesitzer 6,- RM erhielt. 10,- RM Trinkgeld gab ich dem Chauffeur.
    Die hl. Messe lasen wir in den Anliegen der Pilger. Für die geliehenen Bänke fuhr Frau Schmitz umsonst mit. Den Messdienern gab ich ihr Geld wieder. I
    ch meldete sofort eine zweite Fahrt für nächsten Mittwoch an. 23.8. Der Rektor von Ralshoven erschien, um am Mittwoch mit nach Kevelaer zu fahren. Ca. 25 Personen sollen mitfahren.
  1. Eine große Hoffnung, die ich auf die Fahrt nach Kevelaer setzte, erfüllte sich nicht, das Gegenteil schien eingetreten zu sein. Und doch wird Gott und seine Mutter alles zum Guten lenken.
  1. Zweite Fahrt nach Kevelaer
    Um viertel nach sechs kam das Auto mit 21 Gevelsdorfern und 26 Ralshovener, letztere hatten lange auf ihren Rektor gewartet und waren schließlich ohne ihn abgefahren, in letzter Minute kam er noch an. Von Kofferen waren auch 30 mit dem Pfarr-Rektor Krott dabei und 45 Hottorfer. Ich setzte mich dieses Mal hinten auf den Wagen. Fast die ganze Strecke wurde gebetet und gesungen.
    Der Ralshovener Küster und andere von dort führten sich bis Grefrath nicht gut auf. Auf der Rückfahrt bekam sogar einer vom Kirchenschweizer Ohrfeigen. In Kevelaer waren manche Fußprozessionen (von Lommersum, Meckenheim, Köln) und andere Prozessionen. Ich teilte öfters heilige Kommunion aus. Die Opladener hatten ein feines Hochamt.
    Um 13.15 Uhr wollte ich in der Kerzenkapelle predigen, kam aber wegen Prozessionen erst um 14.15 Uhr dazu. Thema: „Königin des Friedens“. Ich glaube, diese war sehr gut. Den Kreuzweg gingen wir privat.
    Um 16.30 Uhr fuhren wir los, verfuhren uns in Straelen und brauchten so eine Stunde über Leuth, Hinsbeck, Lobberich bis Grefrath. Dort wieder kurze Pause.
    Um 19.30 Uhr fuhren wir von Lövenich über Kofferen nach Hottorf. Einige Bänke waren in die Brüche gegangen. Den Hottorfern hatte es besser gefallen, weil ich die Leitung hatte und für Ordnung sorgte, besonders gegenüber Ralshovenern und gut predigte. Anstoß erregte der Rektor von Ralshoven.

Bitte der Hottorfer Jugend an den Ortsjugendrat

| Brief des S.V. Schwarz-Weiss |

24 Jugendliche unterschreiben Brief mit Bitte um einen Sportplatz

Sportverein im Jahr 1949

Ortspfarrer Reiners verhandelt seine Unterstützung zur Erichtungs eines Sportplatzes mit dem Sportverein. 

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Sportplatz für Fussballverein: 

Juni 1946:

  1. Am Abend war Jakob Schürkens als Vorsitzender des Fußballvereins da. Ich soll ihm helfen, dass er zu einem Sportplatz käme.
    Ich sagte ihm: Unter der Bedingung, dass

    1. in der Sommerzeit ist, keine Spiele von 14-16 Uhr sind,
    2. keine während des Hochamtes,
    3. keine am Samstag vor dem dritten Sonntag,
    4. dass gesorgt wir, dass die Spieler alle in der heiligen Messe waren,
    5. dass sie am 1. Sonntag im Monat zum Vortrag kommen.
    Ich werde dafür, wenn ich zeitig gebeten werde, die Andacht verlegen und sie in der Winterzeit um 14 Uhr halten.

August 1946:

  1. Um 18 Uhr Jugendratsitzung, um dem Sportverein einen Fußballplatz zu verschaffen. Der von Steffens ist in Aussicht genommen(am Müntzer Weg). Über Tanzen, Wirtschafts- und Kinobesuch wurde gesprochen.

Oktober1946:

  1. Die Sportler bekommen den Platz anscheinend nicht von Steffens – Rainer Schmitz. Schürkens will sich auch nicht an die Militärregierung wenden. Eher gibt er es dann. Ich riet ihm, nochmals mit Steffens Rücksprache zu nehmen und sie darauf hinzuweisen, dass sie bloß jeden Monat einmal hier spielten.

November 1946:

  1. Die Sportversammlungen sind gut besucht.
    Sie sind jeden Donnerstag zwecks Mannschaftsaufstellung. Josef Schiffer tut das. In der 1. Mannschaft spielen zwei Auswärtige mit, einer kommt sogar jeden Sonntag von Mönchengladbach. Josef Berden spielt in „Europa“ Müntz, die aber nun an der Spitze steht. Bubi will nach Müntz wiederkommen. Im Tor spielt hier Görtz, sodann spielen Paul Dederichs Jakob Pickartz, Heinrich Althoff, Mockenhaupt, Christian Krafft. In der Jugendmannschaft ist unter anderem Küppers, Heinrich, die beiden Jäger, Heinrich Reitz, Robert Heidelberg, Josef Brack.
    Ein Paar Schuhe kosten 200,- RM. Als Wiese haben sie fast immer die von Max Meyers.

März 1947:

  1. Palmsonntag: Die Predigt nachmittags war wegen Fußball in Tetz – Die Hottorfer haben bisher erst in einem Jahr 2-3 Spiele gewonnen – und schönem Wetter schlecht besucht. Palmweihe und schönes Hochamt.

Fronleichnam mit Altar in der zerstörten Kirche

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| Große Beteiligung |

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Erste Fronleichnamsprozession nach dem Krieg

Juni 1946
  1. Der erste Fronleichnamsaltar ist in der zerstörten Kirche.
  1. Große und geordnete Beteiligung bei der Prozession. Auch die Jungen beteten gut mit.
    Der zweite Altar war bei Frau von Meer, der dritte war der dritte Fußfall bei Heidelberg, der vierte der vierte Fußfall. Schlusssegen in der (Not-)Kirche.
    Leider haben uns die Kerzen die Decke über dem Altar mit der Zeit geschwärzt.

siehe Beitrag „Fronleichenamsprozession“ mit Fotos aus dem Jahr 1955

 

Lehrerin Gatzweiler verlässt Hottorf nach Rückkehr aus Evakuierung

Logo Hottorf ohne Schrift

| "Hottorf hatte mir am wenigsten Freude entgegengebracht" |

Lehrerin Getrud Gatzweiler wird am 1. Oktober 1934 Lehrerin an der Kath. Volkschule in Hottorf. Dabei handelt es sich um einer Strafversetzung aufgrund ihrer kritischen Haltung zum Nationalsozialismus. Sie kehrt am 20. November 1945 aus der Evakuierung zurück. Pfingsten 1946 verlässt sie Hottorf und geht auf eigenen Wunsch zurück nach Mönchengladbach. Vermutlich im Frühjahr 1946 schreibt Sie ihre Erinnerungen zum Krieg und zur Flucht nach Bromby, 30 km südlich von Magdeburg, auf  (siehe weiter unten in diesem Beitrag, alternativ dazu gibt es  eine 15-seitige Druckversion und das handschriftliche Original zum Download).

Pfarrer Reiners schreibt in seiner Chronik über die Lehrerin Gatzweiler:

März 1946: Neuerdings darf Fräulein Gertrud Gatzweiler wieder Schulunterricht halten und hilft gut mit. Ende März soll es sich entscheiden, ob Frl. Gatzweiler eine Wohnung in Mönchengladbach bekommt, um Lehrein bei ihrem früheren Pastor in Eicken zu werden, die Genehmigung in Düsseldorf drückte er durch; mit den Mönchengladbacher Behörden hat er sich verfeindet. Er scheint sehr tatkräftig zu sein, ist aber nervös. Zwölf Jahre haben sich Lambertz und Gatzweiler nicht mehr gesehen. Die Gestapo hatte beide auf dem Kieker.

Am 5. April 1946  hielt ich die letzte Schulstunde vor den Ferien für Frl. Gatzweiler, die nach Mönchengladbach abberufen wird und heute zum Pfarrer Lambertz hin fährt. Es war ihr schwer, als sie die letzte Stunde gestern beschloss. Tränen standen ihr in den Augen . Gott vergelte ihr alles Gute, was sie den Kindern tut. Ein kathol. Herz schlägt in ihr. Dort im Mönchengladbach wird sich ihr wohl ein weites Feld öffnen.

Die Lehrerin Gatzweiler verabschiedete sich am 10.Juni 1946. Sie kommt als Mittelschullehrerin auf ihren eigenen Antrag nach Mönchengladbach. Zu ihrem Pastor Lambertz, der sie in der Jugendarbeit einsetzten wird. Neunzig Prozent (!) vom Ort sind froh, dass sie weg ist, da sie zu viel redete und kritisierte. Und ihren Streit mit Pastor Schmitt vergaß man nicht. Sie hat den Kleinen aber sehr viel Kenntnisse in Religion beigebracht. Nun sucht sie ihre Möbel im Dorf zusammen. 

Am 12. Juni 1946  ging die Lehrerin weg. 

Erinnerungen zum Krieg und zur Flucht von Gertrud Gatzweiler:

Am 12.9.1944 wurde der Unterricht in Hottorf wegen Frontnähe eingestellt.

Die Kinder, längst an die Gefahren des Luftkrieges gewöhnt, suchten in der Mehrzahl schon nicht mehr über Tag den Keller bei Fliegeralarm auf; sie fanden die Schließung der Schule höchst überflüssig. Die Front rollte so rasch näher – in einer Woche würde alles vorbei sein, und der Unterricht würde dann in Kürze weitergehen – so glaubte man allgemein. Daß an der Rur sich der längste Stellungskampf dieses grausigen Krieges entwickeln würde und daß die Dörfer, so still und abgelegen, zerstört werden würden – das ahnte niemand.

Schon seit Septemberbeginn waren in jedem Haus einige Etappetruppen einquartiert; sie sahen äußerlich nach Ordnung und Pflege aus, aber leider lernte die Jugend und die breite Masse des Volkes rasch und krass gerade von ihnen, daß das Wort „stehlen“ – von Dieb schon gar nicht zu reden – aus dem Sprach­gebrauch des deutschen Volkes entschwunden und der unschuldige Begriff „organisieren“ an seine Stelle gerückt war. Durchrollende Autos, mit Gepäckstücken hochbeladen, kündeten die zurückflutende Front an.

Das Dorfbild änderte sich jäh, als Masseneinquartierung kam. Die sogenannte „kleine Schule“, seit 47 Jahren nur von einer Lehrerin bewohnt, wurde, da sie weit und geräumig war, zum größten Truppen­sammel­platz. Am 17. September wurde Haus Nr. 2 mit 85 Schanzern belegt, Gerichtsbeamten aus Siegburg, alle gut gekleidet, obschon sie behaupteten, ihre „letzte Montur“ angelegt zu haben, Helle Wäsche, dünnes Schuhwerk, Sommeranzüge, gepflegte Hände, die nie einen Spaten umfaßt hatten, das war die Ausrüstung, die diese Leute mitbrachten. Die beiden Richter erschienen im Jagdanzug und wünschten ein weiß bezogenes Bett, das ich ihnen lächelnd gewähren konnte – wie würden diese Menschen aussehen, wenn sie den „anhänglichen“ Jülicher Boden kennen gelernt hatten?

Am 1. Tag durften sie sich wohnlich einrichten, am 2. Tag hieß es, morgens um 6 Uhr aufstehen, 6 1/2 Uhr Kaffee holen, 7 Uhr Abmarsch; Spaten wurden verteilt, und fort ging’s an neue ungewohnte Arbeit. Um 10 Uhr morgens kamen schon die ersten Herren zurück; sie sollten 2 1/2 m Boden, 1,4o m tief, 0,80 cm breit auswerfen und waren nach zweistündiger Arbeit schon abgekämpft.

Am 2. Tag verlangten die Klügsten schon nach einem Arzt; sie wollten sich ein Attest ausstellen lassen, daß sie arbeitsunfähig seien; am 5. Tag war die Schar schon so bedenklich zusammengeschmolzen, vor allen Dingen so ganz ihrer Führer beraubt, daß an eine Weiterführung der Schanzarbeit nicht zu denken war und die Herren in die Heimat zu anderer Verwendung zurückverfrachtet wurden. Sofort rückten 50 Kölner Handwerker aller Zünfte an – die Sache bekam ein besseres Gesicht. Aus einigen Schulbänken wurde eine große Bank gezimmert, aus Einzelsitzen Schemel fabriziert, aus 2 überflüssigen Türen und einem Tafelgestell erstanden Tische – die Skatecken waren fertig. Alle holten bei Bauern neues Stroh – die Lager auf dem Boden wurden fester und höher. Diesen Leuten war das Schanzen nur eine Nebenbeschäftigung, das Kartenspiel war die Hauptsache. Um 12 Uhr mittags hatten schon die ersten Handwerker die festgesetzte Menge Erde bewegt; die Arbeit war berechnet bis 5 Uhr nachmittags – dann gab es warme Suppe – aber bis dahin blieb keiner aus. Fast alle Handwerker nahmen sofort nach ihrer Ankunft eine gründliche Reinigung vor.

Bis zur NSV-Suppe mußten die Obstbäume des Dorfes daran glauben, und bei diesen Streifzügen lernten sie auch die Gegend kennen. Nach der warmen Speisung begann gegen 6 Uhr das Kartenspiel – aber Punkt 10 Uhr wurde die Notbeleuchtung eingeschaltet, kleine blaue Taschenlampenbirnen, die in jedem Raum angebracht waren und auch bei Fliegeralarm brennen bleiben konnten. Ordnung und Ruhe herrsch­ten im Haus – das wurde mit einem Schlage anders, als auch noch 15O Kölner-Hitlerjungen als Schanzen ins Haus kamen, 15O 14-16 jährige Burschen, führerlos, eine wilde, arrogante Horde, die Tag und Nacht keine Ruhe ließ. Dabei arbeite die Schar wenig – 2 Stunden Frühsport, nachmittags Fußballspiel, abends Umzug pfeifend und singend durchs Dorf. Es war eine Erlösung, als 2 Tage später noch 48 Frontsoldaten ins Haus kamen, eine Verpflegungskolonne, die hinter der Front liegende Ortschaften von Lebensmitteln zu säubern hatte. Diese Männer waren eine Hilfe, die HJ in Zucht zu halten.

Am Samstag, den 14. Oktober 1944 , morgens nach 10 Uhr, als die Jugend gerade vom Frühsport in die Klasse kam, flogen die ersten Ari-Granaten ins Dorf. Das Haus der Witwe Esser nebenan wurde getroffen. Ein Soldat, Ostpreuße, Vater von 9 Kindern, erhielt einen Splitter in die Halsschlagader, ein Hitlerjunge einen Bauchschuß – die beide wurden sterbend zum Hauptverbandsplatz nach Müntz gefahren. Ein Junge hatte beide Augen verletzt – die Burschen waren nur noch ein tobender Haufen, und noch während des Beschusses verließen die ersten mit ihrem Gepäck das Dorf; in 1 Stunde war die ganze Gesellschaft „heim zu Muttern“ verschwunden. Man hatte ihnen versprochen, nicht in Frontnähe zu kommen; man hatte ihnen das Wort gebrochen – nun durften sie auch treulos werden. Die alten Kölner Handwerker reichten auch Beschwerde ein; sie durften nach großen Streitigkeiten einige Tage später um Köln die gleiche Arbeit wieder aufnehmen. Aber es passiert wohl hin und wieder, daß man aus dem Regen in die Traufe kommt,  so auch dies Mal. 350 Elsäßer OF Leute, deren Deutschtum sehr zweifelhaft war, amen als Ersatz. Sie standen unter Aufsicht verschiedener politischer Funktionäre in Zivil; kein Wort durfte über die politische Frage fallen, nichts über die militärische Lage, obschon die Geschütze schon Tag und Nacht ballerten – ein ekelhaftes Theater -. Die Lebensmittel wurden für die ganze Belegschaft auf dem Speicher verteilt, dauernd ging’s treppauf, treppab. Bei Fliegeralarm wurde mit Absicht die Verdunkelung abgerissen; immer gab es irgendwie Zank und Streit mit den Goldfasanen in Zivil. –

Die Front in Gereonsweiler! Da wurde es Zeit, daß die unheimlichen Gesellen rückwärts verlegt wurden, und nun wechselte fast täglich die Einquartierung – Frontsoldaten.

Aber die Gegend sollte noch nicht genug verschanzt sein; nun hieß es: Die Frontsoldaten zum Obe­geschoß, das Untergeschoß wird mit 15O Russinnen belegt, die Schanzarbeit zu verrichten haben. Frauenpflege und Sauberkeit erfordert zivilisiertere Mittel als sie der Mann verlangt. Es war erstaunlich zuzusehen mit welch primitiven Mitteln sich die heimatentwöhnten Frauen und Mädchen zu behelfen wußten, aber es war auch ekelerregend und ein Beweis, wie tief die Führung des Kulturvolks der Deutschen gesunken war, die Frauen in diese Umstände einzwängte. Nachts lagen die Mädchen auf altem Stroh halbentkleidet, mit ihren Mänteln zugedeckt, aber trotz Posten schlich es schon in der 2. Nacht von oben nach unten und von unten nach oben, und nach 8 Tagen war die Unzucht und damit auch die äußere Unsauberkeit breit und offen.

Gegen diese Schmutzwogen war ich machtlos, gegen diese kleine herrliche Blüte des Rassegesetzes. Ich bat den Ortskommandanten, die Mädchen aus dem Haus zu entfernen; er gab mir zur Antwort, daß ein Privathaus sich mit Recht gegen die Ausländerinnen wehren würde, die Schule müsse diese Einquar­tierung behalten. – Das Beste für die deutsche Jugend! – Ein Teil der Soldaten sollte entfernt werden, dafür wurde der halbe Speicher mit Munition belegt.

Jeden Tag waren andere Flüchtlinge in den Zimmern, und während schon fast alle im Dorf packten, um nach rückwärts zu räumen, hatten wir noch oft nachts im Keller keine Ruhe, wo auf einigen Stühlen ein Lager bereitet war. Oben war ein Hexensabbat, in der Luft die Flieger wie Mückenschwärme – war’s ein Karnevals- oder ein Totentanz? Die Wege waren von den Panzerfahrten so schlecht geworden, daß die meisten Mädchen mit ihrem leichten Schuhwerk das Haus auch über Tag nicht mehr verließen. Seit dem 20. November wurde das Dorf von Zivilisten leerer und leerer, die Front war da.

Am Morgen des 22. erhielten die Russinnen den Befehl, 15 km weiter ostwärts zu schanzen, da sie als Frau zu sehr in der Gefahrzone ständen. Zwei große LKW‘s nahmen die Mädchen auf; die Wagen fuhren Ralshoven zu. Ich verließ mit den Mädchen das Haus, um nachzusehen, ob überhaupt noch ein Hottorfer im Dorf sei.

Wagen auf Wagen mit Flüchtlingen war die letzten Tage vorbeigezogen. Alle Häuser hatten in den letzten Wochen schon Flüchtlinge weiter westwärts liegender Dörfer beherbergt; daher kannten sie schon des graue Elend, in das sie jetzt selbst ziehen mußten. Ich hatte gerade die Eingangspforte zum Friedhof erreicht, als die Dachziegel meines Hauses mit jähem Sprung auf die Straße kollerten – die Heerbahn lag unter Artilleriebeschuß. Schnell in den Keller bei Gerwin Schmitz, das Haus war still und tot, da prasselten auch dort die Scheiben schon in die Straße. Nach einer halben Stunde ließ das Feuer nach – lebte die Mutter noch? Lebten die Soldaten noch, die in meinem Haus waren? Das Dach war zum größten teil abgedeckt alle Türen und Fenster mit Rahmen herausgerissen, 8 tote Russinnen vor dem Haus, verschiedene Verletzte, aber die im Haus waren, sind unverletzt geblieben, wie von einem Wunder behütet. Sie waren in dem hofwärts gelegenen Zimmer gewesen, als der Einschlag von der Straße her erfolgte, und lagen nun geistesabwesend im Keller. An ein letztes Einpacken war nicht mehr zu denken. Bis in die letzte Schrankecke waren die Schlammspritzer gedrungen, die Zimmerdecken kamen schon im Klatschregen herunter – da fuhr am andern Morgen die Mutter mit der Gulaschkanne nach Könighoven. Ich blieb noch 3 Tage in der leisen Hoffnung, daß die Front mich überholen würde; ich dachte bei dieser Motorisierung nicht an 3 Monate Stellungskrieg. Als ich mein Heim, daran ich mit Liebe gebaut hatte, verließ, hatte sich das sichere Gefühl, daß ich es nie mehr wiedersehen würde. Darum nun weg, weit weg in die unbekannte Fremde, weit weg von einem Kreuz, das ein Verbrecher für mich in der Heimat gezimmert hatte, so weit weg, daß ich nichts von der Heimat erfuhr, daß ich auf der Gesunden Basis leben durfte, auf der die anderen Menschen steh. Dieser Wunsch sollte mir in der Herrlichsten Wiese erfüllt werden. Das  Flüchtlingsjahr wurde das Jahr der Sommerfrische meines leben. Es war eine beschwingte, tatenfrohe Zeit in einem großen Kreis geistreicher, guter Menschen. –

Zuerst gelangte ich mit meiner Habe bis Titz; dort zimmerte mir Herr Pastor Hillebrand aus Lohn 7 große Holzkisten. Jetzt war mein Gepäck fertig für die Fahrt, eine ganz unerwartete Hilfe. Für den Preis von 100 Zigaretten erhielt ich ein Fuhrwerk bis Königshoven. Es war schwer, in dem Flüchtlingsstrom die Mutter zu finden, aber dann ging’s zu zweien an den Flüchtlingszug nach Bedburg.

Im Organisieren waren die Braunen groß, für Mütter, Kinder, sogar für etwaige operative Eingriffe war bestens Vorsorge getroffen. Der Zug wurde mit 1.7oo Menschen geradezu vollgestopft. Schon nach kurzer Fahrt mußte der Zug vor Gladbach einen ganzen Tag an einer Baumschonung wegen Fliegerbeschuß halt machen, und dann begann die 60 stündige Fahrt in den kalten Wagen. Zwar wurde täglich warmes Essen hereingereicht, aber strapaziös blieb die Fahrt doch. In Calbe/Saale wurden wurden wir ausgeladen; Mutter und ich gelangten mit 100 andern Flüchtlingen des Jülicher Landes nach Brumby, einem reichen Dorf der Magdeburger Börde von 2500 Einwohnern ev. Glaubens. Die Hauptlehrerin des  Ortes, Frl. Charlotte Hohmuth, nebenbei das begabteste, gesegnete, innerlich reichste weibliche Wesen, das mir das Leben gezeigt hat, spannte mich sofort in die Betreuung der Flüchtlinge ein und brachte mich selbst bei dem Bauern Otto Becker unter, der für seine 3 Kinder 3 Höfe von 25o Morgen besaß.

Nach 14 Tagen hatte ich die Abordnung für Brumbyer Schule in der Hand und erhielt folgenden Stundenplan: 8-1O I. Jg., 68 Kinder, 1O-12 II. Jg., 63 Kinder, 12-1 I. Jg. , 48 Flüchtlingskinder.

Das Schulehalten sollte eine Überraschung sein. Die Brumbyer Kinder waren bis auf einige Versager so begabt, daß ich in einem Vierteljahr so viel Stoff bewältigen konnte wie in Hottorf in 2 Jahren. Die Jugend drängte ordentlich nach vorn, das Lernen war eine Last, aber es kamen auch Frechheiten vor, die in der Heimat nie gewachsen wären, und die einer harten Faust bedurften. Dabei waren sowohl Schüler als auch Eltern von einem Arbeitseifer, daß man nicht genug Anleitung zu häuslichen Aufgaben und Übungen geben konnte. Das Gegenspiel war die letzte Stunde. Die Flüchtlingskinder stammten zum größeren Teil aus Essen, und ich weiß heute, daß eine Versetzung nach Essen-Stadt einer Strafversetzung nach Deutsch-Sibirien gleichkäme. Im 1. Jg. saßen 12 jährige, nicht aus Dummheit, sondern aus Disziplinlosigkeit: 40-50j % Versäumnisse monatlich, dreist, faul, schon sehr jung sinnlich, ein Vorwärtskommen war unmöglich. Neben den saubern Jülicher Kindern, die wie ein Gruß aus der Heimat da saßen, fiel die körperliche Verwahrlosung unangenehm auf. An den Mützen prangte das Edelweiß, das Abzeichen der kommunistischen Jugend. –

Der 3. Jg., etwa 70 Kinder, und der 4, Jg. in gleicher Stärke wurden abwechselnd von Frl. Freyer Kieinecke betreut, die, religiös völlig uninteressiert, eine Lehrerin nach preußischem Schrot und Korn war, zuverlässig und ordentlich bis zum I-Tüpfelchen. Die Oberklasse, 5.-8. Jg., 98 Kinder, unterrichtete Frl. Hohmuth in einer Klasse, u. ev. mit solchem Geschick, mit solch prickelnder Begeisterung, mit einem solch inneren Reichtum, daß ich nichts als Verwunderung und Bewunderung war.

Jede Woche wurde ich einmal zu Kaffee und Abendessen zu ihr eingeladen, und diese Stunden waren so erfüllt von Geist und Verstehen und Liebenswürdigkeit, daß wir wie zwei Gestirne waren, die ineinanderstürzen mußten. Wenn ich sie betrachtete in all ihrer körperlichen und geistigen Schönheit, was mich dann immer im letzten Moment zurück, nicht die Balken des freundschaftlichen vertraulichen Du zu betreten? Ihr Nähe war Erziehung, soldatische Haltung, seelische Disziplin, geistiges Leben – und doch! Vom ersten Augenblick an verglich ich sie mit dem Königlichen Panther, mit dem ich lächelnd spielen konnte, aber ich fürchtete, ja, ich fürchtete die Krallen oder war es die Verschiedenheit der Weltanschauung, sie eine idealistische Nationalsozialistin, der Glaube an Deutschland bedeute Religion, ich eine Feindin des heuchlerischen Gewaltsystems, das nur leeres Phrasengetrommel und leere Götzen hatte? Nein, dieser Gegensatz war es nicht, wir versuchten ineinander Berge zu versetzen und trafen uns dabei; ich fürchtete die Krallen des Panthers, die ich selbst nie erfahren, wohl aber in kurzer Zeit erleben, daß sie sich mit diesen Krallen selbst zerfleischte. –

Durch Frl. Hohmuth lernte ich auch das Dorf kennen, stellenweise ein Bild aus Richters Zeichnungen, stellenweise ein Bild moderner Zivilisation: die breiten gepflasterten Straßen und Plätze mit den dicken Akazienbäumen, die betont geräumigen Wohnungen der reichen Bauern, mit allem Pomp ausgestattet, die flachen kleinen Häuser der Knechte, die alten Rittergüter, die schöne Kunstwerke bargen.

Durch meine Gastwirtin, Frau Annemarie Becker, wurde ich zu den Advents-Leseabenden zu Familie Ministerialrat Lahr mitgenommen, wovon der jüngste 32 jährige Sohn seit einigen Wochen in Brumby als ev. Pfarrer amtierte, und so war die ganze Familie dem Bombenhagel in Berlin entronnen und hatte in dem großen Pfarrhaus in Brumby ihre Zelte aufgeschlagen. Die Mutter war einer echte weltgewandte Französin, aber ebenso der Vater ein deutscher Mann, der Pfarrer ein Gemütsmensch  von zuchtvoller Haltung, die Tochter eine tüchtige Zahnärztin, der älteste Sohn. Oberregierungsrat und z. Zt. In Hitlers Hauptquartier Ordonenzoffizier, ein sachlicher Beobachter, in politischer Hinsicht von starker Zurückhaltung der aber durch seine Charakterschilderungen der Größen des Dritten Reiches und durch manche Anekdoten die Neugier aller Zuhörer reizte.

Ferner traf ich bei diesen Mittwochs-Leseabenden an: die beachtliche und beachtenswerte Familie von Schwerin-Krosigk, die vor dem Einmarsch der Russen im Juni 1945 nach Wiesbaden flüchtete, ebenso die Familie von Trotha, die beiden Damen von der Osten sen. Und jun. Die im Juni auf ihr Gut nach Schleswig-Holtstein zogen, die zierliche, begabte Frau des Botschafters Krieger, die die Freiinnen von  Plettenberg, Familie Coens, die ihr Anwesen von 10.000 Morgen so musterhaft verwaltete, daß das Gesinde sehr zufriefen war, die reichen Gutsbesitzer Ernst u. Wilhelm Ziemann, die ev. Pfarrer Stephani und Pensky mit ihren Frauen, selbstmehr Gelehrte als Pfarrer, verschiedene Studienräte und Studienrätinnen aus der nahen Stadt, und endlich traf ich einige Male als Freund des Hauses Lahr Ernst Theodor Haecke.

Die Adventsabende waren so schön, daß man die Beibehaltung der Leseabende beschloß.

Ich kramte aus den reichen Bibliotheken meine Freunde hervor: Paul Claudel und Leon Bloy, Rilke und Michel Angelo Calderon und die noch lebenden gemütlichen Flamen.

Von selbst bekamen jetzt die Abende inmitten der ev. Gesellschaft ein kath. Gesicht und fast immer liefen die religiösen Streitigkeiten zu meinen Gunsten aus, da ich mit festeren Umrissen dienen konnte als die ev. Glaubensgenossen.

Durch diese anregende Unterhaltung ergab es sich bald von selbst, daß ich donnerstags mit Herrn Pastor Lahr die Predigt umriß und in ihren Hauptzügen aufsetzte, die dann samstags einigen Mitgliedern des Lesezirkels vorgelesen und die dann Sonntag mit großem Geschick und jugendlicher Begeisterung vorgetragen wurde.

Die Katholiken konnten jetzt ohne Bedenken die Predigt anhören, dafür hatte ich gesorgt. –

Bald wurden für dienstags Musikabende gewünscht, Sonntag war ich zum Theodor zum Abendessen eingeladen, bald lernet ich mit Pferden umgehn, und ich fuhr einspännig mit einer Jagdkutsche oder zweispännig mit einer großen Kutsche über Land, in die Stadt, durch den herrlichen von Trothaschen Park, in den Wald.

Konnte ein reichhaltigeres Programm der armen Flüchtlingslehrerin geboten werden, die überall liebenwürdig und ritterlich behandelt wurde? Konnte man irgendwo schneller den Krieg vergessen? Kein Alarm, keine Fiieger, kein Beschuss, kein Mangel, und überall nur Geist und Schönheit.

Bei meinen Gaswirten war ich bald Familienmitglied. Zuerst sehr ängstlich und mit großer Zurückhaltung aufgenommen, übergab der alte Herr Becker mir schon nach 14 Tagen die Buchführung, die erbis dahin selbst ausgeführt hatte, und nach weiteren 14 Tagen den Schlüssel zum Geldschrank.

Ansehnliche Summen sind durch meine Hände gegangen. Ich verkaufte z.B. 2.200 Zentner Spätkartoffeln zu 2,80 RM. Die Fruchtbarkeit der Börde ist noch größer als die des Jülicher Landes. Es wurde geerntet pro ha: 25O dz Kartoffeln, 28 dz Weizen, 30 dz Hafer. An Löhnen zahlte ich pro Arbeitswoche rund 500 RM aus. Es war mir eine Freude, die Deputate gut und gerecht zu verteilen. –

Zur Heimat hin hatte ich keine Bindung mehr. Nur die Rote Kreuz Schwester Katharina Herbergs, ein gutes, kluges Mädchen, das sich tapfer und offen zu mir bekannte und glaubend und liebend an mir hing, wußte um meinen Aufenthalt. Durch sie erfuhr der Ortspfarrer meine Anschrift, und so erhielt ich eines Tages von Herr Pfarrer Hubert Reiners die Nachricht, daß er eine Bücherkiste von mir durch Soldatenhilfe nach Fachhütte bei Giesenkirchen entführt hatte. Eine Bücherkiste? Wo waren die 14 andern, die über 2.000 Bände bargen? Wahrscheinlich auch durch Soldaten entfuhrt, aber nicht zur Sicherstellung! Gleichgültig! Das hier war eine saubere und darum beglückende Nachricht. Es gingen noch einige Grüße  hin und her, bis die Landesbesetzung durch die Alliierten uns trennte, und so erfuhr ich denn, daß im Februar die feine Barockkirche in Schutt und Asche sank, daß Trommelfeuer auf dem Ort gelegen, daß noch Hottorfer Männer im Kampf gefallen waren. Und darunter immer: Frohe Grüße. Das war gut gemeint, aber, Herr P. Reiners, wenn Sie wüßten, daß ich in einer Lage bin, wo mir die Freude gar nicht aufgeht! –

Am 10. April machte der Amerikaner einen überraschend schnellen Vorstoß vom Unterlauf des Main über Hessen und Thürigen nach Sachen, und schon am 13. April wurde Brumby kampflos besetzt. Kampflos? Ja! Die weißen Fahnen flatterten ganz fröhlich und neugierig aus allen Fenstern, nur Frl. Hohmuth mußte zum Flaggen gezwungen werden. Die Liebe glaubt alles. Ihre Liebe zu Deutschland und zu den führenden Männern war so stark, daß sie noch immer entgegen aller Vernunft an den Sieg glaubte. Als dann aber am 9. Mai das schmähliche Ende kam, als die Männer sich um die Verantwortung drückten, als sie sah, daß deutsche Mädchen und Frauen sich den Ausländern gaben, daß die Jugend, die sie mit nationalen Idealen erfüllt hatte, zum Polenball ging, wurde sie bleich und einsam und verbissen. Sie begrüßte keinen mehr, sie kannte keinen mehr als mich allein mit der Begründung: O, daß doch alle kalt gewesen wären oder glühend! Aber sie waren alle lau, darum mußte der Führer unterliegen, darum ging Deutschland zugrunde. –

Brumby erhielt zuerst amerikanische, dann bedeutend angenehmere englische Besatzung. Unser Kulturkreis ließ sich im großen und ganzen nicht stören, ja, die sonnigen Pfingsttage, da wir Fahrten und Spaziergänge durch das schöne Land unternahmen, gehören mit ihren feinen Gesprächen zu den schönsten Erinnerungen meines Lebens.

Allmählich wurde das Gerücht lauter: Der Russe besetzt Sachsen. Das brachte Unruhe in die Bevölkerung,  und einige Großgrundbesitzer verschwanden aus der Gegend.

Es mehrten sich Polenüberfälle auf große Bauerngehöfte, und in der Nacht zum 17. Juni wurde der Hof meines Gastwirts von maskierten Polen überfallen und beraubt. Wir wurden alle mit den Revolvern aus den Betten gestoßen, barfuß und im Hemd in einen kleinen Keller eingesperrt, woraus wir 14 Personen, erst gegen Morgen befreit werden konnten.

Alle Lebensmittel, Federvieh, alle Herrenanzüge, Schmucksachen, größere Summen Geld, alles Packmaterial, wie Tasche, Mappen, Koffer, Damenwäsche und Schuhe waren geraubt

Die Polizei, die sofort auf eine Spur aufmerksam gemacht wurde, tat nichts.

Auch meiner Mutter und mir waren viele notwendige Dinge abhanden gekommen. Meine Mutter hatte z.B. keine Schuhe mehr; man kann zwar anderer Leute Wäsche zurechtschneidern, aber man paßt nicht in jedermanns Schuhwerk. – –

In der Sonntagfrühe des 1. Juli, als die Engländer noch in ihren Betten lagen u. schliefen, rückten die Russen mit großem Tam – tam ein, dieselben Schrei- und Rüpellieder singend, die der Nat. Soz.gekannt hatte.

Gegen 11 Uhr morgens waren die Engländer mit aller Bagage verschwunden, aber 8 Tage und Nächte dauerte der Russeneinmarsch, unabsehbares Menschenmaterial.

Das war der letzte Stoß für Frl. Hohmuth!

An sie denkend, hatte ich einige Damen und Herren des Kulturkreises zu einem Freilichtspiel aus dem Stegreif veranlaßt. Das mußte ablenken! Aber sie saß wie abwesend da.

Als auf der Höhe des Spiels ein russisches Platzkonzert unsere Stimmen im abgelegenen Pfarrgarten übertönte, brach sie zitternd mit einem jähen Schrei zusammen.

Wochenlang schwebte sie zwischen Leben und Tod, und als sie wieder das Bett verlassen durfte, war sie blind und geistesgestört, und, wie mir die Ärzte der Bernburger Nervenklinik erklärten, es würden sich diese Anfälle wiederholen. Der Chefarzt sagte: „Sie wär so reich, daß sie ihren verwundeten Stolz und ihre verwundete Liebe wie ein vergiftetes  glühendes Eisen in sich hineinbohren konnte. Sie wird höchsten noch ein paar Jahre leben.“ 32 Jahre alt, und in Dunkelheit versunken! Genie und Wahnsinn! –

Schon die amerikanische Besatzung hatte mich, da ich politisch unvorbelastet war, zur Hauptlehrerin ernannt. Der Russe griff noch schneller durch. Für Brumby wurden 6 Lehrpersonen ernannt. Die Oberklasse erhielt einen 4o Stundenplan, es kamen beispielweise 2 Std.. Chemie, 2 Std. Algebra, 4 Std. Fremdsprache, französisch, englisch oder russisch hinzu. Die deutsche und lateinische Schrift mußten gleicherweise gepflegt werden. Die Lehrpersonen wechselten im Anfang schnell.

Das russische Gebiet war durch starke Postenketten von der englischen Zone getrennt. Aber es geschahen unerfreuliche Dinge; die Haltung der Russen wurde drohend und undurchsichtig. Da gingen Frl. Lehmann und Frl. Kleinecke über die „grüne Grenze“. Herr Balla, ein 55 jähriger Schlesier, von Heimat und Familie losgerissen, völlig unbemittelt, hatte in seinem politischen Fragebogen verschwiegen, daß er in den letzten Wochen zum Major befördert worden war. Er wurde seines Amtes enthoben und in die Steinbrüche nach Staßfurt gebracht, wo er noch immer für 80 Pfg. Stundenlohn arbeiten muß, ohne Hoffnung, Frau u. Kinder wiederzusehen.

Als Schulleiterin fühlte ich mich für die Güte der Lehrpersonen für das liebgewordene Dorf verantwortlich, aber ich fühlte, daß die, die ich bei der Magdeburger Regierung gleichsam erhandelte, sich doch auf die Dauer nicht würden halten können. –

Inzwischen machte die Bodenreform „rasche“ Fortschritte. Die Gutsbesitzer, die noch im Land verblieben waren, fühlten sich unschuldig gegenüber den immer drohenden Anklagen der Presse von Raub, Ausbeutung und Erpressung. Sie glaubten, daß ihr Besitztum auf 400 Morgen reduziert werde.

Als auch der Bezirkspräsident  unterschrieb, daß sie den Heimatkreis verlassen müßten, nahmen sie auch diese Nachricht noch geduldig hin. Einige Zimmer wurden versandfertig gemacht, die Koffer standen gepackt, man wartete auf den Tag der Ausweisung. Ich sehe noch Herrn Coene, wie er am letzten Sonntag seines Brumbyer Aufenthalts in der Kirche stand. Sein Ausdruck war Sammlung, höchste Innerlichkeit, Bereitschaft, Hochsinn und Demut in einem.

Nach dem Segen änderte seine Haltung jäh. Er zog die Brieftasche, legte einige große Scheine auf den Teller und ging dann fast gleichgültig wie ein Mensch, der fertig ist mit einer großen Bilanz.

Nachts gegen 2 1/2 Uhr wurden die Gutsbesitzer mit ihren Familien von Deutschen aus den Betten geholt. Sie mußten unter ihrer Aufsicht einen Handkoffer mit Leibwäsche und Kleidern packen, und dann brachte ein LKW sie zunächst ins Gefängnis nach Calbe, dann ging’s zum Lager nach Scnönebeck und von dort aus sollten sie nach Mecklenburg zum Siedeln auf 20 Morgen „verfrachtet“ werden.

Als Herr Wilhelm Ziemanns nicht sogleich öffnete, halfen Russen mit dem Gewehrkolben nach. Da rief Herr Ziemanns in russischer Sprache aus dem Fenster: „Ich bin 3 Jahre in Sibirien in Gefangenschaft gewesen; ich werde nicht noch einmal dahin gehn.“

Dann schickte er seine Frau, das Tor zu öffnen. Als die Kommunisten das Schlafzimmer betraten, hatte sich Herr Wilhelm Ziemanns erhängt. Der Tod war auf der Stelle eingetreten. Während des Tumultes entkam sein 19 jähriger Sohn im Nebel der Nacht; er ist seitdem verschollen. –

Als ich am andern Morgen in das Coene’sche Gut ging, angeblich um nachzusehen, ob noch schulpflichtige Kinder in den Betten seien,  war schon manches Stück der Einrichtung verschwunden, obschon noch keiner der Arbeiter das Haus betreten hatte. –

Die Belegschaft der Großbauern wurde aufgefordert, sich zum Siedeln auf 20 Morgen zu melden, es meldeten sich im ganzen Dorf nur 8 Arbeiter und 1 Essener. Da wurden die Parzellen kurzerhand verlost, ebenso der ganze Viehbestand. Dabei kamen die lächerlichsten Zusammenstellungen heraus; so erhielt beispielsweise das Reitpferd des Herrn Coene eine 65 jährige etwa 2 1/2 Zentner schwere Witwe. – –

Unser Kulturkreis war zusammengeschmolzen. Außer Frau Becker und Familie Lahr war nur noch die Frau des Botschafters Krieger übrig geblieben. Eine geb. Freiin von Plettenberg, Schwester der Frau Coene, war sie mit ihren 4 Kindern von Berlin zum Schwager geflüchtet. Im Zuge der Bodenreform wurde ihr noch 1 Zimmer belassen, da sie von der Wohlfahrtsunterstützung doch nicht mehr Miete zahlen könne. Ihr Guthaben war eingefroren. Sie war nicht mitverhaftet worden, um ihren Gatten anzulocken, von dem noch jede Nachricht ausstand. So mußte aber auch Frau Krieger den Versammlungsabenden fern bleiben, da sie ihre Kinder nicht allein lassen konnte und dauernd fürchtete, von ihnen getrennt zu werden. –

War der Kulturkreis nur zusammengewürfelt worden, um mir eine Freude zu bereiten?-

Durch das Näherzusammengerücktsein entwickelten sich die Beziehungen zu Familie Lahr immer inniger; sie sind zu einer Freundschaft erblüht, der keine Trennung mehr schadet. – –

Einen Abend der Woche hatte ich immer für meine Mitflüchtlinge freigehalten. Wenn freitags die Becker’sche Belegschaft entlöhnt war, ging ich zu den Heimatlosen, zu den Menschen in der Fremde. Da mir die Fremde so viel bot, war ich die stärkste von allen. Wenn ich mittags um 1 Uhr mit den Flüchtlingskindern die Schule verließ, standen die Evakuierten bereit, mit auf den Acker zu fahren. Dann kam es immer noch zu einer Plauderviertelstunde. Freitagsabends kannten wir kein Auseinandergehn. Ich ließ jeden seine Heimat so golden wie möglich malen; ich ließ jeden klagen und wieder klagen über die Fremde; denn das erleichterte das Herz. Und dann wurde ich selbst heiter und sang mit ihnen. Klagen? Nein, klagen konnte ich nicht. Ich hatte keine Heimat in ihrem Sinne, und Hottorf, wo ich das letzte Jahrzehnt  gearbeitet hatte, hatte mir am wenigsten Freude entgegengebracht von allen Orten, wo ich geweilt hatte. Dafür hatte ein gewissenloser Heuchler gesorgt, der an der Hand eines Verbrechers den Boden für meine Arbeit unterwühlt hatte, und Volk läßt sich bekanntlich leiten.

Aber in einem Punkt stimmte ich mit den Flüchtlingen überein: Brumby hatte keine kath. Kirche; es fehlte das Innewohnen  Gottes, es fehlte das Mysterium des Altares. Das war unser aller große und immerwährende Klage.

Dezember 1944 war eine Abordnung Katholiken von Brumby nach Calbe gegangen, um den dortigen kath. Pfarrer zu bewegen, auch in Brumby hin und wieder Dienst zu tun. Für die Frühe des 2. Weihnachtstages wurde ihnen Gottesdienst zugesprochen. –

Die Kirche in Brumby ist eine große Wehrkirche aus dem 12. Jahrhundert. Auf einer Bergkuppe gelegen, grüßt sie mit ihren trutzigen Zinnen und dicken Mauern und dem starken Wehrturm, umgeben von der weiten Wallmauer, stolz in das Land hinein, Das Innere überrascht noch mehr. Acht Emporen, in 2 Stockwerken übereinandergelagert, ziehen sich an 3 Seiten hin. Die Balkone waren im Mittelalter Sitz der Bruderschaften, seit der Reformation waren sie zu Familienlogen der reichen Gutsbesitzer herabge­sunken; heute stehn sie infolge der Bodenreform leer und verwaist.

Altar, Kanzel, Vorderfront der Balkone und Decke wurden in der Renaissancezeit erneuert, als das Land noch katholisch war. Man glaubt auch heute noch in einem kath. Kirchenraum zu stehn; nur das Fehlen des Ewigen Lichtes und wahrhafte Bankungestüme, die nur zum Sitzen und nicht zum Knien eingerichtet sind; bezeugen den heutigen Charakter der Kirche. Haben die Apostel dws Hauptaltars, die Evangelisten der Kanzel, die Christfiguren der in 90 Feldern kassetierten Decke, die Heiligenfiguren der 8 Emporen und der beiden Chorgestühle nicht aufgeschaut, als sich am Stephanustage 1944 die Kirche mit ungefähr 900 Menschen füllte, um sich zum ersten Male seit 400 Jahren zum hl. Opfer zu vereinen?

Nach 4 Wochen war der 2. Gottesdienst, und nun füllten ev. Christen die Emporen; Neugier hatte sie in die Kirche getrieben. Bei diesem Besuch des kath. Pfarrers wurde ausgemacht, daß alle 14 Tage nachmittags um 3 Uhr das hl. Opfer dargebracht werden solle.

Ich hatte schon die Gemeinschaftsmesse mit der aus allen Provinzen gesammelten Gemeinden eingeübt; nun führte ich im Anschluß an den Gottesdienst eine Singstunde ein, die sowohl von Katholiken als auch von Protestanten eifrigst besucht wurde. Um allen gerecht zu werden, wurde einmal ein Lied aus der Kölner, dann ein Lied aus der Diözese Münster gesungen und dann ein Lied, das den schlesischen Provinzen eigen war, und sie Protestanten sangen freudig mit.

Abe obschon jetzt alle 14 Tage Gottessdienst war, es war doch nur ein Gegrüßt-gemieden (?).

Wir Laien richteten selbst Andachten ein, aber die Kirche war eben doch nur ein Bethaus, kein Gotteshaus. Die Zusammenkünfte freitags schlossen wir meist mit einem Marienlied; wir nahmen uns vor, dem Feierstundeläuten um 11 Uhr vormittags und 6 Uhr abends wieder den Sinn des Engel des Herrn zu geben und für diese Zeit in jeder Arbeit inne zu halten, aber die Sehnsucht nach der Kath. Heimat wuchs in allen, bis auforaust8 in uns der gewaltige Chor: „Beglückt darf nun Dich, o Heimat, ich schauen.“

Der goldene Herbst war da, Hunderte von Obstbäumen trugen in den Becker’schen Gärten, im von Fruttsa’schen Park ihr schwere, reife Last; im Pfarrgarten quollen die Trauben, und die schönsten Früchte wurden in meine Hände gelegt.

Die Abendstunden vereinten uns am war Kamin, und des Werben der Freunde wurde immer inniger: „Bleib!“.

Gewiß, hier war ein ersehntes Leben, und dort war Kreuz, aber dort war auch religiöse Heimat, und dort war ein Leben, das seit 2 Jahrzehnten sein Geschick in Güte und Treue in meins verflochten hatte, und dort war Jugend, die an mich glaubte und auf mich wartete. Und das war nicht nur Glück, das war Verantwortung und Verpflichtung.

So meldete ich mich mit der Mutter zum Rücktransport in die Heimat. Jede Stunde, die ich noch bei den Freunden verleben durfte, war mir liebes Geschenk. —

Am 15. November schlug die Stunde des Abschieds. Die Liebe der Freunde umspülte mich noch einmal mit heißen Wellen. Auf Veranlassung von Frau Ministerialrat Lahr hatte jedes Mitglied des Kulturkreises ein wertvolles Buch mit einer Widmung für mich hinterlassen, zum „Aufbau einer neuen Bibliothek falls die alte verschwunden sei.“ Der Ortspfarrer schenkte mir dazu eine Federzeichnung seiner Kirche, die, wie er sagte, auf der Rückseite Worte trug, die man nicht aussprechen könnte.

Ich war von allem so verwirrt, daß ich die Schätze gar nicht beschaute, andern versprach, sie auf den Weihnachtstisch zu legen, wo sie wie ein helles Licht strahlen sollten.

Die Jungen und Mädchen hatten die Berufskameraden abschiednehmend auf der Straße mobil gemacht, ein letztes Lebewohl und auf Wiedersehen, und alles versank im Dunkel des getroffenen Herzens. – – –

„Immer 5 Personenwagen und ein Gepäckwagen!“ befahl die Bahnhofsleitung; „jeder Gepäckwagen muß von 4 Männern bewacht werden.“ So rollte dar Zug aus der russischen Zone der englischen entgegen. Bange Erwartung war in allen.

„Weferlingen – russische Endstation! Alles aussteigen! Im Marschtritt 1 km über die Grenze!“ Da wußten alle Flüchtlinge: Der Rücktransport war organisierter Raub. Jeder warf einen letzten Blick auf‘ seine letzte Habe. Schnell die Mappe mit den Papieren unter den einen Arm, ein Bündel Wäsche unter den anderen Arm geklemmt, reihte ich mich der langen Flüchtlingskolonne ein, die mit Revolverschüssen und Kolbenstößen über die Grenze getrieben wurde. Sorge und Schmerz im Herzen, Sorge um die Zukunft, Schmerz um manches Schöne, das ich mit der fraulichen Kraft des Gemütes erworben, und, wie die Rose erglühend im Kelch, ob seiner Schönheit vor andern Augen verborgen hatte, und das ich nun in schmierigen Händen wußte.

Auf der englischen Seite standen wir Tag und Nacht im weiten Hof des Lagers zur Entlausung, drei Nächte mußten wir draußen stehn, ehe uns der Zug über Oldenburg-Duisburg über den Rheinstrom fuhr, und dann waren wir am 20. November linksrheinisch.

Hier zeigte der Krieg sein grausiges Gesicht: Ruinen, Trümmer, Panzerwracks, Gräber am Wegrand. Das zerschossene Heimat-Dorf wirkte auf mich wie die höhnische Larve eines berauschten Narren.

Mein Heim?

Die Möbel von 7 Zimmern waren bis auf einige Bruchstücke gestohlen oder sinnlos zerstört; nur Familie Reitz hatte einen Schrank gerettet; selbst das Klavier seines Inhaltes beraubt, nur der leere Kasten gähnte mir entgegen.

Wie mir glaubwürdige Hottorfer berichteten, waren meine Möbel noch Ende Mai ziemlich vorhanden – also waren nicht feindliche Soldaten die Zerstörer -; einige Familien hatten, zurückkehrend, mein Heim benutzt und jetzt? Leer und verwüstet.

Und als ich die Frage stellte: „Warum habt Ihr meine Möbel nicht zusammengestellt und eingeschlossen?“ kam mir die alte Kainsfrage als Antwort: „Bin ich denn der Hüter meines Bruders? Ich habe mich nur um mich selbst gekümmert.“

Das war das Erschütterndste für mich. Zuerst wollte ich mich in pharisäerhaftem Stolz von allen abwen­den, aber dann sagte ich mir, daß, wie dem Handwerker die geschickten Hände, mir die soziale Gesinnung als Rüstzeug beigegeben war, mich helfend und hütend allem Schwachen und Kleinen zur Seite und mich schützend zwischen alles Schuldige und den berechtigten Zorn zu stellen, und daß ich nur ein Aufgeld zu zahlen hätte, wenn ich diesem Helferdrang nicht nachgeben würde. –

Was aber das Schlimmere war, meine Dienstwohnung – eng mit dem Schulraum unter einem Dach verbunden – war mit 3 Familien allerletzter Wahl belegt, die kein Hottorfer freiwillig aufgenommen hätte. Das „hat der Feinol getan.“

Man sage nicht, in der Schule behindern diese Leute keinen, und die Kinder merken nichts davon. Die Jugend weiß wohl zwischen den Fehlern und Schwachheiten wohlmeinender Menschen und den Abgründen letzter Degeneration zu unterscheiden.

– So bin ich – ungefähr als die Letzte heimgekehrt – die Einzige im Dorf, der es nicht möglich ist, wieder ein eigenes Heim zu gründen und zu genießen.

Warum geschieht mir dies? Oder werde ich auch „ohne Beutel und Schuhe“ ausgeschickt, um doch, besitzlos, zu bekunden, daß mir nichts gefehlt hat, nachdem Brumby ein so kostbares Angeld gewesen ist?

Soll ich nach der Geborgenheit und Verborgenheit seit der Strafversetzung 1934 nun nach 12 Jahren wieder unbelastet hinausgeschickt werden zu größeren Aufgaben? –

Manches im Dorf wäre anders, wenn Herr Pastor Reiners eher nach Haus gekommen wäre; aber er konnte auch erst im September wieder nach Hottorf kommen. Manche Einwohner klagen Über Diebstahl der Nachbarn, und es ist schon so, wie manche sagen, daß der Herrgott Kriegssondergesetze und eine allgemeine Amnestie erlassen muß, bis die Nachkriegszeit wieder die Herzen und Heime in Ordnung bringt.

Durch den Ortsbürgermeister wurden Mutter und ich bei den Nachbarn Froitzheim untergebracht. Dort haben wir gute Aufnahme gefunden. Ein warmer Herd und das tägliche Brot – das sind die mächtigsten und beherrschenden Faktoren dieses Notwinters.

Vor den beiden ersten apokalyptischen Reitern, die heute durch die deutschen Gaue rasen, sind wir bei Froitzheim geschützt. Dabei lasse ich mich so gerne von der Schwester der Frau Froitzheim, Frl. Sehrey, im Dorf allgemein „Tant Traud“ genannt, betreuen.

Wer morgens schon vor 6 allein im Stall den Schweizer macht, die Feuer schürt und hütet, um die körperlichen Eigenheiten und Vorlieben von Mensch und Tier weiß, den Appetit der einzelnen weckt und deckt und selbst kaum Zeit zum Essen findet, weil er in Haus und Stall und Garten und Feld schuftet; bis er abends gegen 11 Uhr an den Betten steht und jedem eine „gute Nach“ wünscht, der ist keine weiche Tante, das ist eine harte, gute Tant.

Wenn es bloß die Körperkraft der 7o-jährigen wäre, aber wie sie alles tut! In Bereitschaft und Treue, in Selbstverständlichkeit und dienender Liebe und vor allen Dingen mit immerwährendem Frohsinn. Sie ist eine „Heldin des Alltags“.

Hottorf ist durch die sinkende Geburtenzahl einklassig geworden; Herr Lehrer Schulte ist wieder in den Dienst eingestellt. Aber wer zur Nazizeit aus politischen Gründen strafversetzt wurde, der darf auch jetzt wohl einen Wunsch äußern.

Ich möchte über diesen Notwinter bei „Tant Traud“ bleiben, besonders auch um mich langsam von den Kindern zu lösen, die noch immer und überall an mir gehangen haben. Dieser Wunsch wurde mir gewährt.

Nachdem die Militärregierung durch die Hand des Regierungsdirektors Herrn Dr. Deutzmann meine Zulassung zum Schuldienst gestattet hatte, bin ich seit dem 25. Januar wieder Lehrerin der 3 untern Jahrgänge in Hottorf.

Aber wohin nach Ostern, ohne Kleid für die warmen Tage, ohne Mantel, ohne Deckzeug für die Nacht?

Wenn die Sonne am Morgen aufgeht und die Strahlen über den Horizont schießen, weiß man noch nicht, ob der Tag blau oder so grau wird, daß Wolken das strahlende Gestirn verdecken. So zeichnet sich schon leise die Arbeit an einem Menschen, mit einem Menschen und durch einen Menschen ab; dem ich als größter, nachgiebigster, aufpeitschender Feind letzter Freund sein will – aber Gewißheit ist mir noch nicht über mein äußeres Geschick. Aber in mir lebt nicht die Hoffnung, sondern der Glaube an diese Sendung, ein Glaube, so stark, daß ich hoffe, in treuer Arbeit an mir selbst die Kraft und den Segen zu haben, über die engen Bezirke des Ich und des Du und den weiteren Kreis der Berufsarbeit in die Höhen und Tiefen der Menschheit hineingreifen zu können, um so am Ewig-gültigen, am Seienden mitwirken zu dürfen; denn das Geschick der Glaubenden und Liebenden gibt der Welt die letzte Formung und nicht der Waffengang  Satans.

So gleiche ich der vor Saft überquellenden Traube, und wenn mir noch ein paar Herbstjahre die Gesundheit des Leibes verbleibt, hoffe ich, am Ende dem HERRN den liebenswürdigen Vorwurf machen zu können, daß er „den guten Wein bis zuletzt aufbewahrt hat“.

Weitere Informationen zum Ort Brumby und zur Kirche St. Petri

Erstes Maifest nach dem Krieg

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| Maibaum aus dem Pfarrwald |

Die Gründung des Maivereins erfolgte im April 1945, woran sich die erste Versteigerung der Maifrauen anschloss. Das  Maifest mit Umzug dees ersten Königspaares Christian Krafft mit Änne Meyers wurde dann am 1. Mai 1946 gefeiert. Die erste Nachkriegskirmes mit Karusell und Kinderbelustung erfolgte eine Woche später (siehe unten),

Der Verein bestand nicht lange, denn bereits im Jahre 1959 wurde däs letzte Maifest abgehalten.

Weitere bekannt Maikönigspaare sind:

  • 1947: Paul Dederichs mit Agnes Schmitz
  • ….
  • 1959: Dieter Mütz mit Anneliese Berger

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – 1. Maifest 1946: 

April 1946

  1. Bei Althoff war dieser Tage eine Versammlung zur Gründung einer Maigesellschaft. Ich bin dagegen,
    1. sind die Zeiten zu ernst und
    2. sind noch 27 Soldaten gefangen.
    3. geht es doch bloß ums Tanzen, die Jugend begreift das natürlich nicht.
    Sie wirft (wichtig) Mülfarth und mir vor, wir steckten unter einer Decke. Mülfarth wurde vor vollendete Tatsachen gestellt und will sich deswegen beim Bürgermeister und höher beschweren. Wegen dummen Geredes musste eine Frau sich schon bei ihm entschuldigen.
  1. Die Maigesellschaft holte sich den Maibaum im Pfarrwald ohne genügend Grün mitzubringen, am Abend versteigerte sie die Mädchen.

  1. Heute Danksagungsmesse durch Pfr. A.D. Heinrich Schmitt.
    Mit der Maigesellschaft waren Besprechungen, um Grün für die Kirche zu holen.

Mai 1946

  1. Gestern hatte die Maigesellschaft jedem Mädchen, dass sie sich erkauft hatten, einen Kranz gewunden und … aufgehängt. Meist hatten aber doch Mädchen die Kränze gemacht. … Maikönig ist … Krafft Christian … mit Änne Meyers, der ich es gönne. Prinzessinnen sind Agnes Schulte mit Josef …. Und Käthe Schmitz (Hausnr. 33) mit Toni Bergrath. A. ….
    Kaspar Mütz ließ aus dem Ort und aus der Kirche die Bänke holen. Ich veranlasste die Schiffer, sie wiederzuholen, da sonst die Verwunderung oder der Ärger auf die Maigesellschaft falle. Auch sollten sie keinen Jugendlichen an die Kasse setzen. …
     
    Das Hochamt um 8.30 Uhr war stark besucht. Den Burschen erfülle ich den Wunsch und hielt die Maiandacht um 14 Uhr. Ich nahm die Gebetstexte der Marienfeier in …. Sie (die Mädchen) gafften sehr zu den Burschen, die der Andacht wohl alle beiwohnten, um 15.30 Uhr war der Aufzug. Da keine Musik da war, so wirkte er noch trister wie ein Leichenzug, zu dem wenigstens ein Rosenkranz gebetet wird. Ich hatte ihnen den Rat gegeben, über den Hof zu ziehen, da sie mich schriftlich eingeladen hatten.
    Im Anschluss war Tanz, bei dem wohl alles vertreten war, auch viele Jugendliche, trotzdem der Leiter Jakob Schiffer es oft bekannt machen ließ, dass ihnen der Zutritt verboten sei. Passkontrollen schafften Ordnung. 
  1. Der Maikönig Christ. Krafft hat trotz Ablehnung des Vorstands der Maigesell-schaft der Maikönigin Änne Meyers den Kranz abgehängt. Der Vorstand hat ihr dann nachts einen neuen aufgehängt. Änne möchte von ihm nichts mehr wis-sen und ging und tanzte mit anderen.

Anmerkungen:

  • Tannengrün („Grün“) wurde auch für das Schmücken der (Not-)Kirche für das anstehende Patrozinium (Kirmes) benötigt.
  • Pfarrer Reiners wohnte noch auf dem „Hof“ – Gutshof von Meer in der Ortsmitte
  • Mehr zum Thema „Tanzen“ siehe Beitrag „Die Nachkriegsjugend und das Tanzen“ 

Ein Jahr später – im Mai 1947 berichtet auch die Lokalzeitung über die Maitradition im Rheinland:

Quelle:Lokalzeitung

Kirmes mit Karussel und Kinderbelustigung

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – 1. Kirmes 1946: 

Mai 1946
  1. Kirmessonntag.
    Leider war es abends kalt zum Festgottesdienst in der Kirche, die so schön mit Tannengrün und Fahnen geschmückt war. In der Notkirche kleidete ich mich mit Pfr. A.D. Schmidt und Pater Martin OFM vom Venusberg in Bonn an; ich trage die Monstranz, Pfr. Schmidt den Kelch mit Hostien, P. Martin die Reliquien des Hl. Georg. Prozessionaliter zogen wir mit meisten Kindern zur Linde. Dort sang uns der Lövenicher Kirchenchor unter Leitung Zimmermanns das Festhochamt. (Leider die falsche Messe). Pater Martin, er an der Duns Sevtusformulierung (?) in Rom beteiligt ist, hielt die Festpredigt recht und schlecht. Zur hl. B. kamen tags vorher nicht viele. Nachher tranken die Sänger bei Althoff je zwei Glas Bier und bekamen einige belegte Brötchen, die vier aus dem Dorf gestiftet hatten. Sie sangen dann nachmittags drei Uhr noch in der Maiandacht zwei Marienlieder mehrstimmiges Tantum ergo.

  1. Ein Karussell wurde von Hasselsweiler durch Traktor von Josef Mülfarth geholt.

  1. Heute der erste Umzug um die zerstörte Kirche. Schöner Gesang und gute Beteiligung. Anschließend Hochamt zu Ehren des Hl. Josef

    Das Karussell fand starken Zuspruch. Daneben stand eine Würfelbude. Um 16 Uhr war Kinderbelustigung auf der Wiese von Matthias Mütz. Wie unzeitgemäß. Jetzt, wo andere hungern, sogar Wettläufe von einigen Torten und Klettern nach Würstchen. Ich wollte zuerst nicht hingegangen sein, doch ließ ich mich durch den Ortsbürgermeister abholen. Lehrer Schulte sprach 3-4 Sätze zur Eröffnung. Die Hauptarbeit leistete Jussen, von dem ich das zweite Lob seit neun Monaten hörte. Wettläufe der Kinder auf der Wiese und um die Kirche und den Pützberg. Wettläufe mit Eiern in einem Löffel, Sacklaufen belustigen alle. Die schnellsten Läufer: Heinz Eickmannns, Hubert Mütz, Juliana Lingens und Franziska Jäger bekommen je ein Viertel Kuchen. Das ganze war sehr schön. Plätzchen bekamen am Schluss alle beteiligten Kinder. Leider war als Abschluss wieder Tanz. Das vierte mal in diesem Monat. Verrückt. Leider gingen auch solche hin, von denen ich es nicht erwartet hatte.

  1. Der Karussellbesitzer ist von der Preiskommission zur Anzeige gebracht worden, weil 20 Pfennig für Kinder zu viel wären. Abends nach 18 Uhr und für Erwachsene wohl.

Erstkommunion 1946

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| 12 Kommunionkinder |

Am Weißen Sonntag 1946, dem 28. April, findet die Erste Hl. Kommunion nach dem 2. Weltkrieg statt. Die 12 Kommunionkinder werden beim Hof von Meer abgeholt und zur Notkirche im geschmückten Schulgebäude geführt. 

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Erstkommunion 1946

April 1946
  1. Ostermittwoch
    Kommunionunterricht hielt Lehrerin Frau Gatzweiler, weil ich an der Kirche zu sehr beschäftigt bin.

    Fünf Kommunionanzüge (grau), die Pfarrer Kauff gestern Abend persönlich brachte, bekommen. Krieger, Breuer, Stocken, Flesch, Görtz. 20,-RM jeder. Billig.
  1. Markusprozession. Schlechtere Beteiligung. Kein Lehrer, keine Lehrerin, kein Brudermeister dabei, die Schulkinder hatten die Hände in den Hosentaschen und die Mütze auf dem Kopf. Wir gingen die Fußfälle nach.
    Mittags ließ ich Klara Küppers Unterricht bei den Kommunionkindern halten. Mit ihr und Gretchen Honold übte ich dann.
  1. Wieder Probe mit Kindern und Messdienern und Einübung von Liedern durch den Herrn Lehrer. Platzanweisung der Kinder.
  1. Bei Witwe Schmitz bekam ich drei Fahnen, mit denen wir das Schulgebäude schmückten, dazu die lange Fahne „Maria Himmelfahrt“ von Spengler. Dazu kleine Straßenfähnchen und einige Wimpel. 10…. Mädchen nahmen wir noch als Postierung zu beiden Seiten des Altares.
    Die kleine Elisabeth Honold und Grete Mütz sind Führengelchen. Die Kinder haben meist frische Blumen im Haar. Frl. Gatzweiler und Frl. Margarethe Honold führen die Kinder.
  1. Weißer Sonntag:
    Abends arbeiteten Hubert Mülfarth und Sibille Roeben und zwei von Schulte bis nach 12 Uhr an der Schmückung des Altars, woran in Grün mit kleinen Blättchen auf Karton aufgeklebt, „Jesus, Heiland, Seligmacher“ prangte. In der Mitte war ein goldener Kelch mit Hostie.
    Neben dem Altar an der Männerwand war der Platz für die zwölf Erstkommunikanten, wo ein Teppich hingelegt war. Acht Messdiener waren auch noch eigens instruiert.
    Um 7.15 Uhr holten wir mit den meisten Kindern, Messdienern und ….. und drei Fähnchen die zwölf bei von Meer ab. Die Eltern gingen dahinter, der Chor sang das Magnifikat, dann drei Fronleichnamslieder. Die Predigt gelang auch noch sehr gut, sodass alles sehr schön war.
    Um 10 Uhr war dann stille Heilige Messe.
    Um 15 Uhr die Danksagungsandacht, wo ich nur von den Kleinen vorbeten ließ und Lieder dazwischen singen. Tagsüber besuchte ich alle Elternhäuser und aß und trank mit den Leuten. Dito wohl Frau Gatzweiler und Familie Schulte. Manches gute Gespräch ließ sich da führen. Sehr schönes Wetter war die Tage. Alles grünte und blühte und die Vögel sangen.
  1. Heute Danksagungsmesse durch Pfr. A.D. Heinrich Schmitt.

Gründung Fußballverein „Schwarz-Weiß“

Am 15.04.1946 wurde der Fußballverein „Schwarz-Weiß“ gegründet.

Erste Aufgabe wird die Errichtung eines Sportplatzes.

Der Spielbetrieb wurde bereits 1949 wieder eingestellt.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Zum Fussballverein: 

Mai 1946

  1. An demselben Abend wurde die Gründung eines Sportvereins versucht.
    Jakob Schürkens, Vorsitzender,
    Nikolaus Edlinger, 2. Vorsitzender,
    Jakob Pickartz, Kassierer,
    Matthias  Flesch, Gerätewart.
    Als Platz hätten sie gerne das Stück Land vor der Schule, Froitzheim soll noch ein Stück seiner dahinter liegenden Wiese abgegeben.
    Die Engländer geben den  Sportvereinen Schuhe und zwingen die Schuster, sie zu erst zu reparieren.
    Hottorfer sagen: Club kommt nicht zu Stande. In drei Wochen ist er erledigt. Was will das beigezogene Volk? Die Bauern machen da nicht mit. Mal sehen.

  1. Vom Amtsbürgermeister kam die Anfrage, ob die „Katholische Jugendbewegung“ gegründet sei. (15.4.1946), ob die Jugendlichen des Spielvereins „Schwarz-Weiß“ erfasst seien?
    Die Kath. Jugendbewegung habe eine Sammelgenehmigung und wurde nur örtlich gemeldet, der Spielverein müsse eine besondere Genehmigung für die Jugendmannschaften bei der Militärregierung einreichen. Ferner will man wissen, was zur Schaffung eines Aufenthaltsraumes und eines Sportplatzes geplant würde. In Verhandlung steht man mit Rainer Schmitz wegen eines Stückes, das Eng. Steffens jetzt am Müntzer Weg hat. Ich wollte gern eine Zusammenkunft mit dem Vorstand, insbesondere Jakob Schürkens haben. Man erschien nicht.

Abstimmung über Schulform

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| Eltern stimmen ab |

Im März 1946 stimmen Eltern über die künftige Schulform ab. Neben der konfessionellen katholischen Schule, für die die Hottorfer sich entscheiden, steht noch die „Einheitsschule“ zur Wahl.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Abstimmung zur katholischen Schule: 

März 1946

  1. Am Tag der heiligen Gertrud musste ich das Hirtenschreiben ………. Einwilligung der konfessionellen Schule auf Wunsch der abstimmenden Eltern verlesen.
    Das Abstimmungsformular ist sehr kompliziert. St. Bürokratius hat Pate gestanden. Fast könnte es erscheinen, als ob die Tatsache, dass, wenn keine Eltern für diese Schule abstimmen, die Sammelschule kommt, eine Bevorzugung der Sozialisten bedeutet, die ja die „Einheitsschule“ wünschen. Die alten Mätzchen werden wieder aufgewärmt: Es gibt kein mathematisches Rechnen, keinen katholischen Fußball usw. . Es gibt aber wohl einen Katholiken, der rechnet und Fußball spielt. Aber solche Antworten weiß das verblüffte Volk oft nicht zu geben.
    Es ist wohl kein Zweifel, dass sich Hottorf zu einhundert Prozent für die konfessionelle katholische Schule entscheidet.
    Schroeder in Palenberg hat nicht die Hoffnung, dass bei ihm die Mehrheit dafür ist. In den Städten werden wir wohl Inseln minderer Religiösität erhalten. Religionsunterricht soll auch noch in den Sammelschulen sein. Auch die Evangelischen setzten sich für die religiöse Schule ein. Interessant der Brief des Amtsbruders „der anderen Fakultät“ des Pfarrer Fehsenfeld von Marklohe dazu. Im Herbst war er noch dagegen, auch die niedersächsische Splitterpartei wird sich dafür einsetzen, wie Pfarrer Stegemann von Magelsen schrieb.
  1. Zum letzten Teil des Hirtenbriefes sprach ich ernste Worte zur Not der Zeit. Nach dem Hochamt verteilte Lehrer Schulte die Abstimmungsformulare, deren Kopf er ausfüllte. Viele füllten ihn sofort aus.
    Auf dem …  in Rödingen hieß es, dass die Militärregierung an den Bischof herangetreten sei, die Schulabstimmung bis nach den Wahlen zu verschieben. Er lehnte in fünf Sätzen dieses Entgegenkommen gegen Sozialisten und Kommunisten ab, denen es natürlich hier unangenehm ist, gegen die konfessionellen Schulen Stellung nehmen zu müssen.
    Mehr als die Hälfte aller abgegebenen Stimmen sind ungültig, weil die Unterschrift in Blockschrift geleistet worden war.
  1. Eine Kalamität ist das mit den Schulabstimmungsformularen bzgl. Blockschrift der Adresse des Abstimmenden und Zeugen und der Unterschrift dieser Leute. Man staunt auch sonst bei der Durchsicht der Zettel über die Dummheit und die Unbeholfenheit der Leute. Noch drei Familien sind im Rückstand mit der Willenserklärung. Wenn die Behörde kleinlich ist, kommen nicht die vom Bischof erwarteten 90-94 Prozent heraus, besonders, wo die Sozis und Kozis so Gegenpropaganda machen.

    Immer mehr Kofferer Kinder kommen nach hier zum Unterricht. Jetzt vielleicht schon 25.
    In Kofferen und Boslar ist bisher noch immer kein Schulunterricht. Also fast zwei Jahre lernten die Kinder nichts.
  1. Einstimmig stimmten die Eltern für die katholische Schule.

Die Nachkriegsjugend und das Tanzen

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| Tanzkurs im Saal Mütz |

Die Nachkriegsjugend lernt das Tanzen. In Hottorf finden Tanzkurse statt, so dass zeitweise jeden Abend in der Woche im Saal geübt wird. Tanzleher ist Nikolaus Edlinger. Am Wochenende bieten Mai- und Kirmesfeste reichlich Gelegenheit zum Tanz – nicht nur in Hottorf, sondern auch in den benachbarten Orten.

Ortspfarrer Reiners findet am Tanzen – in der Nachbetrachtung seiner Chronik – überhaupt kein Gefallen. Es fällt ihm schwer zu akzeptieren, dass die Jugend sich nach dem Krieg wieder amüsieren will, solange sich noch Hottorfer Soldaten in Krieggefangenschaft befinden. Die Dokumentation seines Mißfallens gibt einen guten Überblick zu den Festen, an denen getanzt wurde – wie z.B. an St. Martin.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – „Unzeitgemäßes“ Tanzen: 

März 1946

  1. Er schlug wohl ein. Ich sprach auch gegen das unzeitgemäße Tanzen und das geradezu mordhafte Schnapsbrennen.

April 1946

  1. (Osterdienstag) Zur gleichen Zeit fanden sich im Mütz’schen Saale, den die Mädchen am Ostersonntag gereinigt hatten, ca. 150 Mädchen von hier, Ralshoven, Müntz und Kofferen ein, die bei Nikolaus Edlinger tanzen lernen wollen. 20,- RM für jede macht 3000,- RM. Feines Verdienst. Die besseren Mädchen nehmen nicht teil. Bis 1. Mai ist jeden Abend um 9 hr Tanzkursus, dann dienstags und freitags, drei Monate lang. Die Jugend vergisst die Not der Zeit und dass die Soldaten noch nicht zu Hause sind. Augenlust und Hoffahrt des Lebens und das Ende ist Fleischeslust.

Mai 1946

  1. Kirmessonntag: Im Saal von Mütz ist gegen Verbot doch Tanz. Natürlich. Wie der doch die Jugend anzieht und religiöse Werte fast nichts sind.

  1. Kinderbelustigung: Leider war als Abschluss wieder Tanz. Das vierte mal in diesem Monat. Verrückt. Leider gingen auch solche hin, von denen ich es nicht erwartet hatte.

  1. Den Hottorfern machte einen Strich durch die Rechnung des Gehens nach Gevenich zum Tanz und zur Kirmes. Jeden Sonntag irgendwo Tanz.

Juni 1946

  1. Heute wurde Edlinger veranlasst, den Mittelball des Tanzkränzchens schon morgen und nicht erst Samstag wegen der Beichtgelegenheit am Samstag zu halten. ….. hätte ich noch die 120,- RM für die Musik bezahlt. Er musste nun in die umliegenden Dörfer und alles umbestellen. Das war fein von ihm.
  1. Nachmittags nur Mittelball. Doch zwei Polizisten erschienen und verboten das Tanzen. Nur Klavierspielen sei gestattet. 30-40 Kuchen und Torten waren da, sie entgingen der Beschlagnahme, doch die Polizisten begingen den Fehler, dass sie mitaßen. Edlinger hatte nicht die vorgeschriebene Erlaubnis eine geschlossene Gesellschaft war es auch nicht, da er Karten zu 2,- RM verkauft hatte. Abends sprangen die Ralshovener mit Erlaubnis von Titz ein, sodass die Musik spielen konnte.

  1. Der Hof (von Meer) und der Kirchenvorstand soll ihnen die Polizei auf den Hals gehetzt haben. …. Hetzer, die die Mädchen und mit ihnen die Jugend dagegen aufhetzen. Frau von Meer wusch ihnen den Kopf. Frau Edlinger fuhr nach Jülich, um beim Kommandanten Tanzerlaubnis zu beantragen. Sie soll sie in 10 Tagen bekommen. „dann würde noch mehr getanzt und alles nachgeholt!“.
  1. Um zwei Uhr waren wohl alle Jungen und Mädchen da, um in Müntz an der Feier der Jugend teilzunehmen. Pfr. Duster predigte gut, aber etwas lang über das Thema „Einer trage des anderen Last“. Besonders hob er die Familiensorgen hervor und predigte gen die Tanzwut. In Müntz war Kirmes.
    Drei Tage Ball. Mit viel Eifer hatte die Jungend den Saal wiederhergestellt. Um die Feier einzuproben, hatten sie keine Zeit. Wohl in allen Orten ließ die Beteiligung der Jugend an der Kommunion zu wünschen übrig.

  1. Für den 23.6. ist wieder Tanz. Diesmal durch die Ralshovener. Wieder läuft die Jugend mit Ausnahme von vier Mädchen und einem Jungen restlos hin.

August 1946

  1. Nur einmal im Monat darf noch in einem Lokal Tanz sein mit Ausnahme eines zweiten Kirmestages .

September 1946

  1. Morgen ist schon wieder gegen die Bestimmung Ball der Ralshovener. Außer dort ist in Müntz und Kofferen Kirmes.

Oktober 1946

  1. Ein neuer Tanzkursus durch Edlinger soll begonnen haben: Pro Abend 50 Pfennig.

November 1946

  1. Ein Martinszug findet nicht statt, da er keine Genehmigung hat. Dafür ist Martins-Ball. Mal wieder. Die Jugend sackt immer mehr ab.

Dezember 1946

  1. Dem Sportverein ist sein Tanzen zu Weihnachten verboten worden.; nur Theater und ruhige Feiern sind da gestattet. Einige schoben mir das in die Schuhe.

Februar 1947

  1. Ich sprach über das Tanzen als Seelsorger. Ob es Erfolg hat?

Mai 1947

  1. Der Maizug fiel aus.
    Um halb sechs kam Mülfarth und Frau und Schulte und Frau mich abholen und so besuchten wir den Tanz. Ich tat es, um die Jugend zu gewinnen. Mal schauen, ob s Erfolg hat, z. B. nächsten Sonntag bei der hl. Kommunion ist.

  1. Die Jugend tanzte ja bis 2.30 Uhr. Die Maiandacht war gut gestern besucht.

  1. Um 15.30 Uhr: Maizug und Tanz. Mittelball. Fast nichts in der Maiandacht.

Verfahren zur Entnazifizierung

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| ... doch Nazis sind wir nie gewesen |

Aus dem Portal Rheinische Geschichte: „An­fang 1946 er­gin­gen dann ver­ein­heit­li­chen­de Richt­li­ni­en der bri­ti­schen Mi­li­tär­re­gie­rung. Ge­mäß ih­rem Prin­zip, sich bei um­fas­sen­der Kon­trol­le auf ei­ne in­di­rek­te Herr­schaft zu be­schrän­ken, wur­den im Früh­jahr des Jah­res die Deut­schen auch for­mal an der Ar­beit und der Ver­ant­wor­tung für die Ent­na­zi­fi­zie­rung be­tei­ligt. In al­len Stadt- und Land­krei­sen wur­den deut­sche Ent­na­zi­fi­zie­rungs­aus­schüs­se ein­ge­rich­tet..“

Weiterhin aus LVR: „Ein Jahr später wurde die Beurteilungspraxis differenzierter. Fortan wurde zwischen ‚Hauptschuldigen’/’Verbrechern‘, ‚Belasteten’/’Aktivisten‘, ‚Minderbelasteten‘, ‚Mitläufern‘ und ‚Entlasteten‘ unterschieden, wobei sich die Briten die Kompetenz für die ersten beiden Kategorien vorbehielten.“

Auch Hottorfer mussten im März 1946 zum Auschuss nach Linnich fahren.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Zur Entnazifizierung: 

2. März 1946: Bemerkenswert war in den 14 Tagen, dass alle Parteinagehörigen und Mitglieder aus NS-Organisationen und die, die in betrauten Organisationen Posten hatten, sich an 3 Tagen in Linnich persönlich melden mussten. Wohl ca. 20 nahmen die Meldungen entgegen. Wie manchem ist das ein rauer Gang geworden.

Durch Frau v. Meer sind hier fast alle Frauen in der Frauenschaft gewesen, von den Männern waren nicht allzu viele in der Partei. Frau von Meer hatte sich damals an die Spitze gestellt, damit nicht die Plebs regiere. Nach zwei Jahren wurde sie aber schon durch Frau Elisabeth Schmitz ersetzt, die dann tüchtig weiter warb.

Für die Hottorfer war es am zweiten Tag eine recht lästige Fahrt im Regen, da sich alle auf einem Planwagen fahren ließen, bis vor der zerstörten Rurbrücke. Nachher trank man noch gemütlich Kaffee. Im Meldungssaal hing ein schöner Spruch des Inhaltes: „Wir drängten uns in die Partei und waren überall dabei, wir waren große Profitler und riefen oft und laut: Heil Hitler! Wir nannten in ein höheres Wesen, doch Nazis sind wir nie gewesen!“

Unter anderem erschien auch Frau Katharina Kochs aus Tetz da, da auch sie als zahlendes Mitglied in die Frauenschaft hineingeriet. Es war ihr sehr peinlich, dass sie gerade mit den Hottorfern zusammenkam. „Ihr ganzes Renommee bei den Hottorfern ist hin“  stellten wir humorisch auf dem Kaffee anlässlich des Namenstages meiner Schwester fest. Die Melderei hatte wohl den Zweck, dass die passiven Nazis nicht gewählt werden dürfen und die aktiven dazu nicht wählen dürfen. Neuerdings dürfen auch Parteigenossen in die Gewerkschaften eintreten.

Inbesondere die Lehrer der Dorfschulen waren verplichtet diesen Prozess zu durchlaufen. Pfarrer Reiners berichtet z.B. dass die Lehrerin Gatzweiler „wieder Untericht halten darf„.  Vom in Hottorf geborenen Lehrer, Adam Lieven, der 1847 in Hottorf geboren wurde und die Schule in Kleinebroich-Eickerend leitete, befindet sich die Entnazifzierungsdokumente der britischen Militärregierung im Landesarchiv NRW.

Pfarrchronik der Nachkriegsjahre

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Pfarrer Reiners beginnt am 1. Februar 1946 mit einer sehr detaillierten Pfarrchronik, die am 17. Oktober 1948 endet. Auf 78 handschriflichen Seiten schildert er tagesgenau die Ereignisse zur Beseitigung der Kriegschäden an den kirchlichen Gebäuden (Kirche, Schulhaus, Pfarrhaus und Vikarie) sowie Geschehnisse in der Pfarre, in der Schule und im Ort. In Ermangelung eines passenden Heftes bzw. Buches, nimmt er freie Seiten im Buch der Marianischen Jungfrauen Kongregation.

Er hatte bereits im Jahr 1942 mit einer Chronik begonnen, die aber dirch die Besetzung abhanden gekommen ist.

Er beginnt nun wie folgt:

Liste aller Beiträge, die aus dieser Chronik zitieren:

Wiederaufbau der Kirche beginnt

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| Bauausschuss entscheidet über Architekturentwürfe |

Ende Januar 1945 befasst man sich zum erstem Mal mit dem Wiederaufba der Kirche. Der Baumbestand des Pfarrwaldes im Hambacher Forst und Stetternicher Wald im Hinblick auf verwendbares Bauholz gesichtet. 

Der Architekt Hans Laxner aus Krefeld reicht zwei verschiedene Entwürfe für den Aufbau der Kirche ein. Die Hottorfer wollen ihr altes Gotteshaus wiederhaben.

Die erste Haussammlung in Hottorf vor Weihnachten erbrachte erstaunliche 3.500 Reichsmark, eine zweite Ende Januar weitere 1.500 Reichsmark. 

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Erste Planungen zur Wiederaufbau der Kirche: 

Januar 1946

  1. Am selben 28. Januar fuhr ich mit den Kirchenvorstandsmitgliedern Peter Bergrath und Max Meyers früh zum Hambacher Wald. Oberhausmeister Hamacher kam just daher und besichtigte mit uns den Gott sei Dank nur leicht beschädigten Wald. Auf Stetternicher Gebiet stehen ca. 50 schlagreife Stockeichen. Dort sind vielleicht 2 Granateinschläge. Die vor 2 Jahren neu angelegte Buchen – und Fichtenschonung ist sehr gut angeschlagen. Am südlichsten liegt ca. 1 Morgen Tannenwald. Dort waren Stellungen drin gebaut. Einige Tannen waren durch Granaten beschädigt.
    Aus dem Wald holte man besonders Masten für die noch 23 Dörfer Jülichs, die noch ohne elektrisches Licht sind. Stellenweise ist der Wald ziemlich zerfetzt. Das Holz wird jetzt als Brennholz verkauft. Bauholz ist seit Ende Januar beschlagnahmt. Wir fuhren dann nach Hambach, wo uns die Kirche und der alte Friedhof entsetzte, wo noch nichts aufgeräumt war. Weil zu viel der Heilige Bürokratius gefragt worden war, die Kirche sogar baufällig erklärt worden war, wächst der Schaden auf ca. 100.000 Mark an. Im Dach wäre mit 10 – 15 Brettern ein Gewölbeschaden durch den monatelangen Regen von tausenden Mark verhindert worden. Lehrer Amfaldern steht dort für die christliche Sache wacker seinen Mann. Seine Frau ist mit Meyers und Nöthlings-Immels verwandt.
    Von da fuhren wir zum Stetternicher Wald zum Forstmeister Schmitt, der uns Transportgenehmigung für unser Holz gab.  Auf dem Rückweg nach Jülich kamen wir 100 – 150.000 Tellerminen vorbei, die am Wegesrand lagerten. Im Baugeschäft Docker erfuhren wir, dass an Baumaterial nur gegen Scheine vom Kreisbauamt etwas zu haben sei. Wir fuhren dahin und hörte, dass erst die 3.000 oder 8.000 A-Wohnungen in Stand gesetzt werden müssten. Dann käme erst unsere B-beschädigte Vikarie dran. Ich fuhr dann zum Kloster Overbach, wo schon sehr aufgeräumt ist und von dort aus nach Rurdorf zu Henseler, um zu sehen, ob die Stationen von Gr. Honold für unsere Kirche fertig wären. Nun ist aber der junge Willi Henseler am Kölner Dom mit Glasarbeiten beschäftigt.

  1. Am 29. Januar fuhr Max Meyers mit seinem Wagen und Peter Bergrath mit Erich v. Meers wagen zum Hambacher Wald
    Anton Schiffer, Peter Deuser Sie räumten einen Bunker aus, schlugen einige beschädigte Tannen ab und kehrten mit den 2 Fuhren gegen Abend zurück. Das Holz lagerten sie in meine Wiese. Das Wetter ging ab, infolge Nässe – viel, viel Regen fiel, sodass die Flüsse Hochwasser hatten – konnte in den nächsten 14 Tagen nichts an der Kirche gearbeitet werden, weil ja kein Schutt weggefahren werden konnte.

    Ich brachte die Kasse der Kirche buchmäßig in Ordnung und machte die Vorarbeiten für die Kirchenrechnung 1944/5 und 45/6. Viel leichter ging das, weil ich sehr viel – monatelange Mühe – auf die Rechnung 1943/44 verwandt hatte. Einer Fahrt zum bischöflichen Generalvikariat machte einen Strich dadurch die Tatsache, dass 1. Die Bahnverbindungen noch sehr mäßig sind, bloß 4 Personenzüge auf der Strecke Mönchengladbach – Aachen, 2. Tod und Seelenamt meiner Tante Josefine Heinen geb. Kemmer in Alsdorf und die bessere Aufstellung der Kirchenrechnung, wenn ich die Vorlagen 43/44 benutze.

    Inzwischen reichte Architekt Hans Laxner Königshof (Ortsteil von Krefeld), sein Büro in Krefeld, Alexanderplatz 11, zwei Entwürfe ein. Der eine will die Kirche modernisieren. Viele bauliche Umänderungen. Bis auf eine Stimme „pro“ fand der Plan allgemeine Ablehnung. Gotisierend will er insbesondere das Innere machen. Sein Durchblick in die Kirche sah zeichnerisch so aus, dass man sagte: „Runkelrübenmiete, Feldscheune wegen des Gebälks u.a.m.
    „Wir wollen die alte Kirche wieder!“ sagte man, und wenn sie 10.000,- RM (einer 25.000,- RM) teurer ist. Ich glaube, dass Schlimmste war, dass die Gesetze der Akustik nicht beachtet waren, dass es keine Luft mehr genug geben würde, dass man sich bedrückt fühlen würde. Da der Architekt selbst erschien, konnte ich es ihm persönlich sagen, er war nicht sehr erbaut, hatte sogar noch eine schöne Außenansichtzeichnung der Zukunftskirche da, die ich in meinem Zimmer aufhängen habe, und schickte bald eine neue Zeichnung, die gefiel: „Ja, das ist unsere alte Kirche. So muss sie werden!“
    So entschied auch der Bauausschuss. Letzterer setzt sich zusammen aus dem Kirchenvorstand und je 1 Mann von je 10 Häusern. Mit einer Vollversammlung hatte ich zweimal schlechte Erfahrungen gemacht. Damit kommen wir nicht weiter. Darum wurde er gebildet. Auf der Vollversammlung redeten mehr dagegen wie dafür. Aber das ergibt nicht die wahre Stimmung des Ortes. Die zeigte sich als wir so vor Weihnachten die erste Haussammlung abhielten; durch je 1 Mann vom Kirchenvorstand und einem Nichtmitglied auf je 20 Häuser. Sie brachte ca. 3.500,- RM ein; auf 1.000,- hätte ich bloß gerechnet. 
    Mit der Gabe vom Bischof von Osnabrück -8.000,- RM, die er mir von 13.000 RM Kollektengelder ließ für meine neunmonatliche Tätigkeit im Ortsteil des Kreises Grafschaft Hoyer und im Nordteil von Nienburg/ Weser – hatten wir im Neujahr 12.000,- RM zusammen. Die zweite Sammlung Ende Januar erbrachte 1.500,- RM.

Februar 1946

  1. Heute, am 15. Februar, sind bald 16.000,- RM zusammen. Hoffentlich ein großer Prozentsatz der Unkosten.

    Ich bat mal den Architekten Hans Laxner von Krefeld, Alexanderplatz 11, von Mainz gebürtig, gut katholisch, mit gesunden politischen Ansichten, mir zu sagen, wie viel wohl der Aufbau der Kirche koste, Da meinte er, das ließe sich nicht schätzen. Vielleicht 40-50.000 RM.

    In den vergangenen Tagen konnte wegen des schlechten Wetters nicht an der Kirche gearbeitet werden.

 

Der Nachlass von Architekt Hans Laxner befindet sich Baukunstarchiv NRW. Aber leider befinden sich dort keine Unterlagen zur Hottorfer Kirche: „Leider gibt es im Nachlass von Hans Laxner keine Unterlagen zur Kirche St. Georg in Linnich. Das Projekt ist auch in seinem Werkverzeichnis nicht aufgeführt.

 

Kirche ist fast ausgeräumt

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| Pfarrhaus wird zum Lager |

Seit Dezember 1945 werden Ausstattungsgegenstände und brauchbares Balkenwerk in der Kirche geborgen und auf dem Grundstück des Pfarrhauses gelagert.  Ende Januar ist der größte Teil geschafft. Der letzte Schutt wird bis zum Osterdienstag 1946 (23. April) geräumt und ist die Kirche „besenrein“.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Stand der Lagerung von  kirchlichen Ausstattung im Pfarrhaus Ende Januar 1946: 

Dezember 1945

  1. Nachdem am 3. keiner erschien war, waren am 4. da: Maria, Hubert und Wilhelm Mülfarth, Anton Schiffer sen. Und Johann Jussen, Maria Vahsen und Katharina Lorenz.
    Die Mädchen sortierten mit mir Holz, bzw. halfen Heinrich Reitz drei Karren Schutt in der Wiese laden. Er kam mit der Fuhre von Kaspar Mütz, der selbst mit den anderen Männern in der Kirche die Hälfte der Kommunionbank und einen Altar ausräumte.

  1. Am 11. Dezember arbeiteten am Balkenwerk der Kirche Anton Hochstein, Wilhelm Honold, Jul. Bauch, der Pole Zusanski, Ludwig Schiffer und Anton Witorski, Witwe Esser und Heirich Berger. Die Kanzel wurde sichergestellt.

  1. Am 13. Dezember räumten die Kommunionbankhälften, den Altar auf der Evangelienseite und den Taufstein samt …… …… Viktor Verbiesen, Fran Vaehsen, Wilhelm Stocken, Heinrich Deuser und Matthias Tirtey.

Januar 1946  

  1. Am 28. Januar 1946 zog Matthias Schmitz, Karl Heister, Johann Emmerich, Nikolaus Edlinger, alles Personal des Erich von Meer mit 2 Pferden 3 schwere Balken aus der Kirche, die letzten. Sie kamen in meine Wiese, wo viel Holz aufgestapelt liegt, was vielleicht noch verwertet werden kann oder als Pfähle benutzt werden kann. Dort liegen auch ganze Karren kleines Brennholz von der Kirche und größeres, was noch zerschnitten werden muss.
    Einige Karren sind gegen Entgeld an den Küster a.D. Anton Lieven, an Wilhelm Dederichs, an Frl. Krauthausen, Wwe. Hubert Schiffer, an Geschwister Bergraths abgegeben und Wägelchen voll an Jäger, Nießen, Lang, Lenzen, Völker u.a.. Bretter erhielten Krieger, Bergrath und Heinrich Schiffer. Andere stehen noch in meiner zerstörten Waschküche.

    In meinem Haus (Pfarrhaus) steht im Zimmer rechts von der Tür zum Garten hin die Kommunionbank und der Taufletter(?), sodann die Schränke aus dem zerstörten Vereinszimmer, das Archivzimmer ist erhalten. Von links war ein Granattreffer hereingekommen, der ein großes Loch in der Straßenfensterwand verursachte und die Flurwand zerstörte. Dort liegt das Zinn der Orgel und Bänke u.a. aus der Kirche.
    Die Küche ist ziemlich erhalten und enthält Privatsachen. Der Abstellraum ist unbenutzbar, da das Dach weg ist. Keine einzige Fensterscheibe ist mehr im Haus und noch nicht. Die Fensterrahmen sind fast alle noch heil. Die Decken müssen überall neu verputzt werden.

    Oben sind die Zimmer unbeschädigt mit Ausnahme eines Loches von  1 m Durchmesser in meinem Schlafzimmer. Alle Löcher besserte Gerhard Schmitz aus unter der Assistenz von Josef Lieven („Müllers Jupp“ Sohn des Müllers Jakob Lieven, Kirchenschweitzer a.D.). Er nahm nichts dafür.

    Auf meinem Schlafzimmer sind die Reste der Altäre und die Kanzel. Mein Studierzimmer und meiner Schwester Schlafzimmer sind leer. Auf dem Fremdenschlafzimmer stehen die Stationen.

    Alle Fenster haben wir mit Brettern dicht gemacht, damit der Wind nicht so durchzieht. Keine einzige Tür ist oben mehr im Haus. Unten sind noch drei leidlich erhalten und die Kellertür.

    Der Keller ist unbeschädigt. Alle in ihm geborgenen Sachen warf der Amerikaner heraus, da er darin einen Sanitätsraum einrichtete. Meine Schwester barg sie im Juni, wo sie einige Wochen hier war.

    Die Decken im Obergeschoss sind mehr beschädigt, da das Dach monatelang nicht zugelegt war. Man wartete immer auf Dachziegel. Einige Balken waren auch zur Westseite hin zerstört. Sie machte Ende Oktober Stellmacher Jansen aus Ralshoven. Sodann lieh ich Pfannen bei Wwe. Anna Schmitz und den Gebrüdern Schmitz und ließ durch Küppers-Mülfarth mit Brettern des Rest des Daches zuschlagen. Weil die Bretter aber zu sehr auseinander übereinander geschlagen sind, kommt doch noch etwas Regen durch. Der Dachfirst müsste neu eingedeckt werden, Ziegel fehlen dort. Trotzdem der Ortsbürgermeister Wilhelm Mülfarth dreimal bei Heinrich Görtz war, und ich selbst, macht der das nicht. Das ist typisch für alle unsere überlaufenen Handwerker, sie versprechen alles, halten aber viel zu wenig.

    Im Garten machte meine Schwester oder ließ zumachen ca. 20 Granattrichter. Außer der im Dachstuhl zerstörten Waschküche sind die Schuppen an der Straße ebenso zerstört. Alle Pfannen wurden weggenommen. Die Verbindung zwischen Haus und Kohlenstall und der selbst liegt halb danieder. In ihm lagert jetzt Kalk, der mit Sand durchsetzt werden soll. Den lieferte uns durch Vermittlung von Frau v. Meer eine Eschweiler Firma, die dafür Stroh bekam: 5 Zentner von Anton Esser, 4 von Spengler, ½ von P. Schmitz, 1-1/2 von Geschwister Nöthlings, 4 von Geschwister Mütz. Jetzt ist er beschlagnahmt und wird vorläufig bloß für A-Häuser herausgerückt. (Das sind solche Häuser, die bis 25% beschädigt sind).

    In meiner Wiese waren noch 5 Granattrichter. Die meisten Bäume sind weg. Dort lagern jetzt Holz, Steine und Balken. Die Wiese müsste umgegraben werden.

    Die Vikarie hat mehr als das Pfarrhaus gelitten, der alte Lieven bezog sie doch, in ein paar Kammern haust er. Das Vereinszimmer und das darüberliegende Schlafzimmer ist mit dem Dach darüber vollständig weg. Das andere Dach deckte ihm sein Sohn Franz, jetzt Küster in Hochneukirch, schön zu.

    Dieser Tage ließen wir durch den Stellmacherr Jansen in Ralshoven feststellen, wieviel Holzwerk für den Wiederaufbau nötig ist. Unbenutzbar sind auch die 2 Zimmer, die Therese Kraft bewohnte. Ein ganz großes Loch klafft im ehemaligen Wohnzimmer des Küsters bis zum Eingang der Südseite hin.

März 1946  

  1. Am Vortage des heiligen Josef begannen wir wieder an der Kirche zu arbeiten. St. Josef möge uns beschützen. Schönstes Frühlingswetter (endlich nach sechs Regenwochen) war ein verheißungsvoller Auftakt.
    In der Kirche wurden die Bretter unter den Frauenbänken hochgestellt und das Podium unter den Männerbänken frei von Schutt. 

April 1946  

  1. Zum Arbeiten an der Kirche bekam ich am Nachmittag kein Fuhrwerk. Es erschienen Sibilla Roeben und Franziska mit Christian Lorenz, Hubert Jäger, Hubert Mühlfarth nach seiner Stunde beim Herrn Zimmermann. Wir klopften Steine und schichteten sie auf und reinigten Chor und Sitzplätze der Kinder.
  1. An der Kirche arbeiteten bloß Servus für Spengler und Viktor Verbiesen. Wir …ierten etwas den Teil, der der Zivilgemeinde gehört und fuhren alle schweren Steine aus und in der Kirche an die Straße.
  1. Nachmittags erschienen an der Kirche drei Kinder und Wilhelm Stacken, Sophie Froitzheim, Viktor Verbiesen, und Hubert Jäger, die Decke der Empore, der Beichtstuhl und der Schutt darauf und darunter wurde als letztes in der Kirche vor das Kirchenportal hinausgeschafft.
    Im Beichtstuhl war ein lebendiges Kaninchen, dass uns entsprang; eine Ratte schlug ich tot. Die Kissen waren noch gebrauchsfähig, ebenso die Birne der Lampe. Die Kinder begannen auch die Grube des Friedhofes an der Mauer bei Froitzheim zuzuwerfen. Der Friedhof selbst wird von den Leuten mehr und mehr mit Blumen geschmückt. Die beiden Bretterwände, auf denen die Bänke an der Frauen- und Männerseite standen, sind hochgehoben. Von unten sind sie noch ganz. An zwei Stellen ist der Boden eingesunken. Ob eine Sand- oder Mergelgrube die Ursache ist oder Unterkellerung? Abends kamen die neun schulentlassenen Jungen zu mir in meine Wohnung bei Frau von Meer.
  1. Osterdienstag: Die Kirche wurde ganz ausgeräumt und gekehrt. Der Rest Steine an meiner Gartenmauer aufgeschichtet. Der Fliesenbodenbelag wurde an den eingesun-kenen Stellen entfernt.

Unterrichtsbeginn nach dem 2. Weltkrieg

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| 14 Monate kein Unterricht |

Am Montag, den 14. November 1945, beginnt wieder der Unterricht in der Schule, nachdem das Schulhaus am 30. Sept nach der 14:30h Sontagsandacht feierlich eingeweiht wurde.

Quelle: Pfarrarchiv, Publicanda Hottorf, 1939-1954, Seite 169, Pfr. Reiners

Aufräumungsarbeiten an der Kirche beginnen

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| Mit Pferd und Karre wird der erste Schutt geräumt |

Ab Mitte September 1945 organisiert Pfarrer Reiners die Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten an der Kirche. In seiner Pfarrchronik hält er auf über 100 handschriflichen Seiten detailliert fest:

  • Wie viele Stunden gearbeitet wurden
  • Welche Arbeite ausgeführt wurden (Schutt laden, Steine klopfen, …)
  • Wie viele Karren Schutt verladen wurden
  • Welche Personen gearbeitet haben  

Dabei führt er eine Statistik:

  • Sep. ’45: 145 Fuhren, 91 Personentage
  • Okt. ’45: 245 Fuhren, 184 Personentage
  • Nov ’45 bis Jan ’46: 326 Fuhren, 349 Personentage

Das sind in Summe 716 Fuhren und 624 Personentage, was einer Stärke von etwa 6 Personen entspricht – also 6 Personen Vollzeit 40h/Woche von September bis Januar.

Noch für März 1946 sind diese Summen aufgeführt, danach nicht mehr:

  • Mär ’46: 325 Fuhren, 45 Personentage

Nachfolgend zwei Auschnitte aus der Pfarrchronik zum Beginn der Aufräumarbeiten im September und einer Zustandsbeschreibung der Gebäude zum Oktober 1945.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Der Beginn der Aufräumarbeiten im September 1945: 

Arbeiten und Dienste Erwachsener

September 1945

  1. nachmittags: Um 7 Uhr begann Franz Lenzen mit Leni Lang und einem Pferd und einem Hans Gereon Schmitz. Nach der heiligen Messe half Lehrer Ferdinand Schulte und Lisa Lang mit, den Schutt an der Sakristei wegzuräumen. 9 Fuhren wurden geschafft. Christian Jäger schaffte am Nachmittag. Pferd und Karre von Froitzheim bediente Gottfried Dohmen, Sohn der M… Völker. Ihm half Hubert Esser. Sie legten den Eingang zur Kirche frei. Er schaffte 4 Fuhren.
  1. morgens: Anton Schiffer erschien mit Pferd und Karre. Ihm half Nik. Edinger und Agathe Nießen sowie Herbert Dohmen. Auch Franz Breuer half einige Stunden. Sie schafften 10 Fuhren. Nachmittags holten sich Nik, Edlinger Karre und Ochs von W. Esser. Ihm half meine Schwester Mechthilde und Grethe Schiffer trotz Regen den ganzen Nachmittag. ……….. Frau Anton Jülicher. 7 Fuhren.
  1. morgens: Pferd und Karre und Peter Bergrath, Peter Jörgen, Agnes u. Gertrud Reitz, Anneliese Lieven (spätere Anneliese Skvorec), Frau Held, Sophie Froitzheim. Sie schafften 9 Fuhren. Nachmittags: Pferd von Meer und Jakob Keutmann, Nikolaus Deuser, Frau Held, Franz Klütz und Heinrich Schiffer und Frau Schiffer, Wilhelm Schmitz, Anneliese Lieven, Agnes und Gertrud Reitz. 6 Fuhren.
  1. Mit Pferd und Karre von Althoff-Dohmen fuhr Herrmann Jäger eine Fuhre.
  1. Mit Pferd und Karre fuhr …. Vaehsen und Wilhelm Claßen. 11 Fuhren.
  1. Mit Pferd und Karre erschienen nachmittags der derzeitige Bürgermeister Wilhelm Mülfahrt, Hubert, Maria, Josef, Bärbchen Mülfahrt und schafften 5 Fuhren. Die Westseite wurde freigelegt. Dito erschien mit Pferd und Karre Lothar Müte und leistete 4 Fuhren.
  1. Mit Pferd und Karre erschien nochmals Wilh. Mülfahrt mit Maria, Hubert u. Josef. Sie schafften 4 Fuhren. Nachmittags erschienen Jakob Keutmann, Josef v. Ameln, Heinrich Krichel, Sibilla Krichel, Käthe und …. Krafft, Josefina Steffens, Sibilla und Luise Roeben. —
  1. Mit Ochs und Karre kam Martin Esser; ihm halfen Wilhelm Küppers und Hubert Meyers, Stine …… Frau Heidelberg und Frau Christin Nießen, Klara Küppes und Bärbchen Mülfarth und Frau Müntz (bei Krauthausen bei Mersch), Änna Meyers und Peter Jäger. Auch Heinrich Küppers erschien kurz. Sie schafften 9 Fuhren. Morgens war auch Änne Schiffer da.
  1. Mit Karre und Pferd erschien Peter Schmitz und Gertrud Schmitz. Desgleichen Gretchen und Wilhelm Honold. Ebenso war mit Pferd und Karre da Engelbert Steffens und Fina Steffens. Hubert Jäger. 7 + 7 Fuhren. Nachmittags mit Pferd und Karre erschien Johann Krafft, und der Sohn Ludwig von Schiffer Martin. Ihnen halfen: Margarethe Honold, Frau Wilhelm Heister, Frau Breuer, Agnes Schmitz, Elisabeth Emmerich. Sie schafften 4 + 6 Fuhren.
  1. Mit Pferd und Karre waren trotz regnerischen Wetters Engelbert Krichel und Peter Breuer da: 5 Fuhren. Nachmittags mit Pferd und Karre war Josef Spengler da und ….. Brandenburg. Soldaten. 7 Fuhren.
  1. Mit Pferd und zwei Karren erschien Josef Krauthausen. Ihm half sein Soldat Maruhn. 8 Fuhren.
Kinder

September 1945

  1. Am 18.9.1945 waren da: Willi Lieven, Maria Mütz, Franziska Jäger, Hubert Reitz, Wili und Heinrich Krieger. Sie brachten am Nachmittag den Friedhof mit in Ordnung.
    Nachmittags: Heinrich und Willi Krieger, Hubert Reitz, Max und Peter Josef Krauthausen, Franziska Jäger, Maria Mütz, Fran Josef Nöthlings, Karl Heinz Eickmanns, Hermann-Josef Rixgens, Willi Heidelberg, Franz Spengler. Auf eine Stunde ließen sich auch Agathe und Helene Deuser sehen.
  1. Am 19.9.45 waren morgens da: Willi Lieven, Franziska Jäger, Maria Mütz, Katharina Küppers, Maria Lieven, Edmund Keutmann,  Willi Krieger, Hubert Jäger, Willi Heidelberg, Anni Breuer, Therese Mülfarth.
    Nachmittags: Hubert reitz, Willi und Heinrich Krieger, Maria Lieven,, Max und Peter Krauthausen, Adolf und Friedel Meyers, Hubert, Franz und Peter Spengler, Hubert und Franziska Jäger, Herrmann, Magdalena und Katharina Küppers, Hubert Mütz, Anni Breuer, Therese Mülfarth, Franziska Lorenz, Franz Rainer Herbergs, Willi Lieven, Edmund Keutmann, Willi Heidelberg, Wegen Regen arbeiteten sie mit Ausnahmen von Th. Mülfarth, L. Görtz, Hubert reitz, Hubert Jäger und M.Lieven bloß bis drei Uhr.

  1. Am 20.9.45 morgens: Hubert Jäger, Edmund Keutmann, Josef Mülfarth, Hubert Reitz, Hermann Küppers, und Hermann Josef Küppers, Max und Peter Josef Krauthausen, Therese Mülfarth, Leni Görtz, Anni Breuer, Franziska Jäger, Maria Lieven, Katharina und Magdalena Küppers, Josefine Clahsen.
    Nachmittags: Edmund Keutmann, Hubert Jäger, Hermann Küppers, Willi Heidelberg, Karl Heinz Eickmanns, Fritz von Berg, Josef Mühlfarth, Hubert, Peter und Franz Spengler, Franz Josef Nöthlings, Hubert Reitz, Franziska Jäger, Hubertine Keutmann, Therese Mülfarth, Helene Brack, Helene Deuser, Agathe Deuser, Anni Breuer, Maria Lieven, Gertrud Lentzen.
  1. Am 21.9.45 morgens: Therese Mülfarth und Maria Lieven.
    Nachmittags: Therese Mülfarth und Martha Dolfen, Franz Rainer Nöthlings, Friedrich von Berg, Peter und Hubert Spengler, Gertrud Mütz.
  1. Am 22.9. morgens: Peter Mülfarth, Magdalene Küppers, Heinrich Krieger, Willi und Hubert Heidelberg.
  1. Am 24.9. nachmittags: Willi Lieven, Heinrich Krieger, und Hubert Nießen.
  1. Am 25.9. morgens:  Hubert Jäger, und Franziska, Maria Lieven und Mülfarth Therese, Peter und Hubert Spengler, Willi Heidelberg.
    Nachmittags: Hubert Jäger, Edmund Keutmann, Hubert und Peter Spengler, Franz Rainer Herbergs, Karl Heinz Eickmanns, Helene Deuser.
  1. Am 26.9. morgens Willi und Hubert Heidelberg, Hermann Küppers, Max und Peter Josef Krauthausen, Friedel Meyers.
    Nachmittags: Franz Rainer Herbergs, Franz Josef Nöthlings, Heinz Eickmanns, Hermann Küppers, Adolf Meyers, Willi und Hubert Heidelberg, Max und Peter Josef Krauthausen, Hubert, Peter und Franz Spengler, Edmund Keutmann, Therese Mülfarth, Hubertine Keutmann, die Kinder von…., Josef und Friedel Meyers.
  1. Am 27.9. morgens: Heinz Eickmanns, Friedel von Berg, Hubert Jäger, Hubert und Peter Spengler
    Nachmittags: Peter, Hubert und Franz Spengler, Friedel von Berg, Anni Breuer u.a.m.
  1. Am 28.9. morgens: Hermann Josef Küppers,
    nachmittags Hubert, Peter und Franz Spengler.

In dieser Form erfolgt die Dokumentation der Arbeiten in der Pfarrchronik über viele Monate hinweg.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Der Zustand der Gebäude Ende Oktober 1945: 

Den Soldatenfriedhof hat mittlerweile Friedrich Weitz schön einheitlich umgestaltet. Eine Kollekte dafür brachte über 100,- RM ein. Nun ist der Kirchhof in Ordnung, bis auf einige Granatlöcher u. 6 große Mauerlöcher u. die Torpfeiler zur Straße. Die Mauer an den Privatgräbern von Meer und Schreys sind weg. Die abgeklopften Steine sind an der Kirche vom halbschräg zerstörten Turm, dessen Helm ganz fehlt, und an einer Gartenmauer aufgeschichtet.

Auf dem Ehrenfriedhof liegen 8 SS-Männer begraben, zu ihnen kommen noch 3 Soldaten der Wehrmacht. die man mit Absicht nicht zu der SS legte, die wir aber vom Zivilfriedhof zu ihnen und den 7 Weltkriegsgefallenen (1914/18) umbetten, sobald die Erlaubnis des Gesundheitsamtes da ist.

In meinem Garten, der jetzt auch durch Lenzen und meine Schwester größtenteils in Ordnung ist, waren viele Granatlöcher. Gleichfalls auf der Bleichwiese. Dort und in der Wiese sind viele Bäume hin. Von meiner Waschküche stehen nur noch 3 Mauern fest. Das Dach fehlt. In meinem Haus, wo nun seit einem Jahr das Dach beschädigt ist, bzw. zu einem Drittel ohne Ziegel, waren drei größere Löcher, die unser Maurer Gerhard Schmitz zumauerte. Die Decken sind fast ganz herunter, so dass nur noch das Vereinszimmer bewohnbar ist. Alle meine Stallungen sind hin, da der Kohlenstall eingefallen ist und kein Ziegel mehr auf dem Dach ist.

Der Kirchturm wurde durch Granaten umgeschossen. Die Sakristei ist mit einem großen Loch auf der Südseite noch heil. In der Vikarie ist das Vereinszimmer und das darüberliegende Zimmer hin, dazu zwei Wände fehlen und ein Viertel vom Dach. Ansonsten hat sie große Löcher in den Mauern. Alle Paramente der Kirche hatte ich mit der Hilfsorganistin Maria Mülfarth  am Donnerstag und Freitag der Räumung geborgen, sodass wir daran keinen Mangel haben.

Notkirche in der Schule

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| Glocke im Baum begrüsst Pfarrer Reiners |

Der große Schulraum dient bis 1949 als Notkirche.

Pfarrer Reiners berichtet im Verkündigungsbuch:

Im Juli kehrte Pfr. Schmitt wieder u. ich, feierlich durch die Glocke bei Mühlfarts in der Wiese begrüßt durch halbstündiges Läuten am 2. Sept 1945.

Die ersten Wochen ließ ich Pfr. Schmitt die von ihm angenommenen Hl. Messen verkündigen u. halten.

Am 16.9., dem 17. Sonntag nach Pfingsten verkündigte ich zum ersten Mal….
(wieder die Hl. Messe)

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Die Einrichtung der Notkirche im Oktober 1945: 

Als Notkirche dient der Raum für die Oberklasse in der Schule. Ein Fronleichnamsaltar ist nun Schulaltar. Die Schule hat keinen größeren Schaden. Der Raum bekam nun allmählich wieder ein Fenster nach dem anderen, wurde ausgeflickt und verputzt und erhielt endlich eine Tür. Ein Harmonium, gespielt von Maria Mülfarth, ab und zu von Hubert Mülfarth, ersetzt die Orgel. Allmählich kommt ein gesangliches Stück der Messe nach dem anderen. Eine Witwe Kochs aus Mönchengladbach lieh uns für einige Jahre ein Harmonium, das dann in meinen Besitz übergehen soll. Hubert Völker holte es kostenlos mit seinem Wägelchen Anfang Dezember herüber. Wir stellten dann auf den Altar zur Ostseite der Schule aus mehr von praktischen, nicht ästhetischen Gründen. Das bewährte sich gut, Männer und Frauen  sind jetzt getrennt und verteilen sich besser, die Kinder stehen vor dem Altar. Die alten Leute sitzen mit dem Gesicht zum Altar seitlich. In einer Fensternische setzten wir das Krippchen, das Harmonium unten rechts auf Balken und einem Podium. Mein Dürerbild der Geburt Christi schmückte den Hintergrund des Altars.

4. März 1946: Da unser heiliger Josef kaputt ist, so steht in der Notkirche auf einem Rollschränkchen der Lehrerin eine ca. 25 cm große Statue von Mülfarth aus Hasselsweiler. Als Blumen haben wir bloß Schneeglöckchen. Kerzen müssen gestiftet werden.

15. April 1946 (vor Ostern)
Mittags war Keuter (sein Vater ist hier gebürtig) da (aus Eschweiler) mit seinem Gesellen, um die Notkirche zu tünchen und anzustreichen. Josef Blaesen und Viktor Vanderbiesen halfen ihnen und Hubert Mülfarth. Die Wände erhielten blaue Leisten in den Ecken, die Fenster Umrahmungen. Der Sockel ist hellblau gehalten, die Bodenleisten braunrot. Das Kamingesims ist dunkelrötlich gehalten mit einem Halbkreis an der Decke. Darin sind oben große goldene Sterne und das und daneben α und Ω in Rot. Schade nur, dass der Herbergs nicht das letzte Fenster machte und die Tür. Der Fußboden erhielt einen Ölanstrich, dito das Podium, worauf das Harmonium steht. Der Altar wurde ebenso gestrichen in blau (Podium) und weiß (Aufbau). Grete und Agnes Reitz, Christian Jäger, Katharina und Christian Lorenz und G. Nießen putzten die Kirche. Sibilla Roeben und Bärbchen Mülfarth putzen Kupfer, Messing und anderes mehr. Der Beichtstuhl wurde durch Ringe in eiserner Stange verbessert.  Das Harmonium wurde bezgl. der zwei Löcher in der Hinterwand geflickt.
Die Tür des Tabernakels wurde nochmals abgefeilt, es selbst angestrichen und je zwei Haken seitlich an den Wänden angebracht, zum Aufhängen von Fahnen.
Ein Arbeiter schlief im Pastorat, einer im Vorratsraum von Frau von Meer. In Kost waren sie bei Frau von Meer, bei Froitzheim, bei Peter Bergrath und bei Mülfarth. Nun ist die Notkirche sehr schön.

Die Überreste der Altäre und der Kommunionbank wurde zum ortsansässigen Schreiner Josef Herbergs gebracht und dort wieder aufgerichtet.

Die im Turm verbliebene kleine durch Granatbeschuss schwer beschädigte Glocke wird bei Familie Mühlfahrt an der höchsten Stelle im Ort in einem Birnbaum angebracht und versieht dort ihren Dienst.

93 Soldaten aus Hottorf im 2. Weltkrieg

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| 19 Soldaten müssen sterben |

Pfarrer Reiners hat eine Liste Hottorfer Männer angelegt, die als Soldat in den Krieg gerufen wurden. Jeder fünfte musste diesen Einsatz mit seinem Leben bezahlen.

Die verstorbenen Soldaten werden zum größten Teil auf dem Hottorfer Ehrenfriedhof beigesetzt.

Er hält auch nach dem Kriegsende  genau nach, welche Soldaten noch in Gefangenschaft sind oder vermisst sind. Siehe Beitrag „Letzte Kriegsgefangenen kehren zurück“

Die Gefallenen des 2. Weltkrieges:
Martin Nöthlings
Peter Wyrenbeck
Heinrich Mütz
Vinzens Heine
Heinrich Nießen
Ernst Josten
Hubert Krenzel
Philipp Heine
Franz Steffens
Peter Gebser
Johannes Vetter
Hubert Dederichs
Josef Schmitz
Heinrich Nöthlings
Franz von Meer

Im Feld und in der Heimat verstarben:
Josef Lieven
Hermann Lieven
Anton von Berg
Heinrich Emondts
Engelbert Mütz
Hubert Roeben
Franz Althoff
Franziska Rixgens

Vermißt sind:
Wilhelm Esser
Heinz Berden
Peter Heinen
Peter Herbergs
Willi Lieven

Geflüchtete kehren zurück

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| Berichte zu Krieg und Flucht |

Ab März 1945 kehren die Hottorfer Familien zurück in den Ort. Im Pfarrarchiv befinden sich mehrere Briefe von Familien mit Schilderungen ihrer Erlebniss auf der Flucht und mit dem Datum der Rückkehr in den Ort. Pfarrer Reiners kommt im September 1945 zurück. 

Pfarre Reiners berichtet im Verkündigungsbuch (siehe Beitrag):

Am 4. März waren Mülfarths als erste da. Im Juni waren alle Bauern da, im Dezember alle Hottorfer.

Pfarrer Reiners hatte die Hottorfer gebeten hat, ihre Erlebnisse aufzuschreiben und hat sie dabei unterstützt.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Schilderungen von der Flucht 

4. März 1946: Der frühere Ortsbürgermeister Schiffer lieferte als erster eine Schilderung seiner Evakuierung. Einen feinen Bericht, echt fraulich, lieferte Sofia Froitzheim. An alle Hottorfer Familien richtete ich die Bitte. Mit Hubert Dohmen, Gretchen Schiffer, Hubert Esser, Peter Bergrath, Gretchen Honold und meiner Schwester habe ich mich schon vier Abende zusammengesetzt, um eine Schilderung des Kriegsgeschehens hier aufzuschreiben.

So kann der Chronist aus den Schilderungen folgende Daten der Rückkehrer festhalten:

Schilderung der Familie Froitzheim, Hottorf, Hausnummer 4:

Das, was wir schon lange dunkel ahnten, was wie eine Last auf unserer Seele lag, wurde am 22. März 1944 zur grauen Wirklichkeit. Abends gegen 5 Uhr verließen wir schweren Herzens die geliebte Heimat, verließen das Heim, das Heim das unserer Vorfahren schon 1779 erbaut haben. Unterwegs begegnete uns schon das Flüchtlingselend. Auf der Straße von Hottorf nach Ralshoven hatte der Tod reiche Ernte gehalten, hatte Menschen dahingerafft, die vor wenigen Stunden sich auch von der Heimat losgerissen hatten. Waren die Toten zum bemitleiden oder zu beneiden? Das hat sich wohl jeder im Stillen gefragt. So kamen wir das Herz voller Wehmut nach Titz. Dort fanden wir Aufnahme bei guten Menschen. Aber auch dort hatten wir keine Bleibe. Der Beschuss kannte keine Grenzen. So mussten wir, nachdem wir uns ins unvermeidliche begeben hatten, zum zweiten Mal flüchten. Titz war noch Heimatnähe, man sah bekannte Gesichter, traf Soldaten, die über Hottorf Bescheid wussten, und nun fort, weiter fort plan- und ziellos ins Ungewisse, nicht wissend, wo und wann ein Dach überm Kopf zu haben.

So erreichen wir dann am 30. November Königshofen. Die Tiefflieger nahmen uns in Empfang. Wir mussten sofort in den Keller. Nachher, als das tolle Treiben in der Luft sich gelegt hatte, baten wir um Obdach. Die Frau wollte uns wohl aufnehmen, aber der Mann hatte keinen Platz für uns. Ob er wohl wusste, wie weh, das uns Flüchtenden tat! So gingen wir von Tür zur Tür und baten um Unterkunft. Es fiel schwer, in Königshofen unterzukommen. Der Generalstab hatte fast alles in Beschlag genommen. Der Abend brach herein, wir wurden mutlos und entschlossen uns, am letzten Haus anzuklopfen. Wie ein Wunder erbarmte sich ein altes Ehepaar über uns. Sie stellten uns ihr Altenteil, zwei Zimmer, zur Verfügung. Und wie freudig sie es taten! Ich wusste sofort, hier haben wir eine Heimat gefunden. Unsere nächsten Nachbarn waren Familie Nöthling und Dohmen. Jeden Abend hielten wir ein Plauderstündchen und waren sofort der Heimat nahe.

Dreimal bin ich während der Evakuierung in Hottorf gewesen. Das Gleichgewicht, was wir inzwischen so ziemlich wieder erlangt hatten, störte vor Weihnachten die Feldgendarmerie. Wir sollten raus aus Königshofen. Das waren wiederum trostlose und beängstigende Tage für uns, denn von hier fort hieß, alles verlieren, das letzte Vieh, woran man noch hing, und was nun mitgeschleppt hatte. Wir sehen unseren Opa Schrey, 86-jährig, da stehen, wie er mit geballten Fäusten anklopfte und sagte: „Unsere Flüchtlinge verlassen nicht eher das Haus, wie wir“. Allmählich verebbte dieser Sturm, wir hatten Ruhe. So sahen wir denn mit der Familie Schrey dem kommenden Kriegsgeschehen entgegen.

Am 24. Februar war es mit der Ruhe aus. Nachts schrecken uns die ersten Granaten in Königshofen aus dem Schlaf auf. Der Amerikaner waren zum  Angriff übergangen. Die deutschen Truppen fluteten zurück. Und da hieß es, Hottorf vom Feind genommen! Wir waren in der Erwartung der Geschehnisse.

Am 27. Februar, nachmittags gegen 6 Uhr, nahm der Amerikaner das Dorf Königshofen ein. Eine allgemeine Spannung löste sich. Der Flüchtlinge waren von dem einen Gedanken beseelt: Heimat, wie und wann werden wir dich wieder sehen. Unsere erste Frage an einen Dolmetscher war: wann kommen wir heim?

Überall standen die Flüchtlinge in Gruppen zusammen und verhandelten das gleiche Thema. Am 9. März fuhr Fritz Gintzel unter Lebensgefahr nach Hottorf. Er brachte uns die erste Nachricht, wie es dort aussah und für uns die erfreuliche Botschaft, dass wir wohnen konnten. Am 14. März hatten wir dann glücklich die Bescheinigung zur Heimreise in der Hand.

Am 15. März fuhren Fritz Gintzel, Wilhelm Nöthlings und Sophie Froitzheim nach Hottorf. Hinter Titz fing das Niemandsland an. Wir fürchteten uns vor jedem Geräusch. Daheim angekommen, bemächtigte sich uns ein Gefühl, was sich nicht schildern lässt. Erst jetzt wussten wir, dass Wort Krieg im wahrsten Sinne zu deuten, am Wegrand Soldaten, so wie der Tod sie ereilt hatte, Trümmer über Trümmer und Vernichtung. Was wohl auf jeden einen tiefen Eindruck gemacht hat, waren die Ruinen unserer Kirche. Beim Anblick der Trümmer war wohl jedem bewusst, wie lieb ihm seine Heimatkirche war, in der er so oft gekniet und was er dann damit verloren hatte.

Am 19. März sind wir dann mit unserer Habe endgültig in die Heimat zurückgekehrt.

Weitere Briefe an die Heimat

Auch der im Ruhestand befindliche Pfarrer Schmitt sendet einen zweiseitigen Bericht mit seinen Fluchterlebnissen an Pfarrer Reiners (Brief als PDF).

Rainer Krieger schreibt am 24.02.1946 aus der Gefangenschaft (Brief als PDF).

Peter Mai, Oberzollinspektor, aus Köln, der im Krieg als Schanzer in Hottorf im Saal untergebracht war, schreibt im Dezember 1945 an Pfarrer Reiners in Sorge um das Hottorfer Gotteshaus:

Köln-Dellbrück, 10.12.1945
Bensberger Marktweg 45.

Hochwürdiger Herr Pastor!
Sie werden sich meiner wohl nicht mehr erinnern. Ich war im vorigen Jahr als Schanzer in Ihrer Gemeinde und war bei Frau Heister im Quartier. Am vorjährigen Kirchweihfeste hielten Sie uns eine schöne Ansprache, in der Sie dem Wunsche Ausdruck geben, daß wir das nächste Kirchweihfest in unserer heimatlichen Kirche und Sie mit Ihrer Pfarrkindern dasselbe in der Hottorfer Kirche feiern könnten. Für mich persönlich ist Ihr Wunsch in Erfüllung gegangen. Ich bin am 10. Mai gesund und heil aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, habe Frau und Kind gesund und mein Haus unbeschädigt, trotz vieler naheliegender Bombeneinschläge, vorgefunden. Unsere Kirche St. Josef in Köln-Delbrück ist eine der wenigen Kölner Kirchen, die keinen Schaden gelitten haben. Aber wie steht es mit der schönsten Kirche im Jülicher Land? Ich habe gehört, daß Hottorf noch schwer unter Artilleriefeuer gelitten hat. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, Hochwürdiger Herr Pastor, wenn näheres darüber erfahren könnte.

Ihren weiblichen Küster, des Frl. Gretchen – Familienname weiß ich leider nicht mehr – kenne ich auch sehr gut und bitte um Ausrichtung eines Grußes.

Indem ich Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest wünsche, verbleibe ich mit den herzlichsten Grüßen
Ihr Peter Mai

Truppen sammeln sich im Hottorfer Feld

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| Bereit zum Vorstoß auf den Rhein |

In der Nacht zum 25. Februar sammeln sich Amerikanische Truppenteile auf dem Feld hinter Hottorf in Richtung Lövenich, um verstärkt über Erkelenz nach Mönchengladbach vorzugehen.

Während das 405. Infantrieregiment nach der Einnahme von Hottorf schon seit dem Nachmittag des Vortages dort ausharrt, bricht das 406. Regiment um 4:00h in Boslar auf und erreicht Hottorf gegen 9:00h. Über Nacht wurde das 701. Panzerbataillon wieder mit Material aufgestockt und ebenso rückte das 771. Panzerjäger-Bataillon von Linnich nach. Als weitere Verstärkung nimmt am frühen Morgen auch eine flexible Kampfeinheit der US-Panzerdivision (Combat Command B der 5th Armored Division) den Weg durch Hottorf. Dabei handelt es sich um eine kombinierte Kampfkraft aus Panzern, Panzergrenadieren und Artillerie. Das 407. Infantrieregiment hatte die Nacht in Höhe „Dingbucher Hof“ verbracht und greift am Morgen Lövenich an, das sie gegen 9:45 erreichen.

Jeglicher Nachschub von Benzin- und Munition erfolgte über die wenigen Brücken und erzeugte einen starken Straßenverkehr über die Wege, die erst einen Tag zuvor freigekämpft wurden. Für einen Lkw bedeutete eine Fahrt zurück zum Nachschub und Rückkehr zum Regiment 24 Stunden. So führte auch der Weg der 102. Nachschubkompanie durch Hottorf, um bei dem Kampf um Lövenich die Panzer direkt auf dem Schlachtfeld zu tanken.

 

Frontlinien der Operation Grenade aus Februar und März 1945
Frontlinien der Operation Grenade aus Februar und März 1945

Detaillierte Beschreibung übersetzt aus dem Kapitel 11 „Clearing the path to the Rhine“ von  With the 102d Infantry Division trough Germany, siehe Bücher mit Bezug zu Hottorf

Am  Montag, dem 25  Februar

Rechts wurde der Angriff um 0900 Uhr von Hottorf aus durch das 406th Infantry wiederaufgenommen, das frühmorgens von Boslar nach Norden durch das 405th Infantry marschiert war. Das 405th hielt die Linie Hompesch–Ralshoven, um die rechte Divisionflanke zu sichern (siehe Karte 15). Das 2. Bataillon des 406th Infantry links rückte rasch vor, nahm Klein Boslar um 0933 Uhr und Katzem um 1010 Uhr. Die Angriffsformation bestand aus Company F rechts und Company G links. Ein Zug schwerer Maschinengewehre von Company H war jeder Angriffskompanie zugeteilt. Company A des 701st Tank Battalion hatte je einen Zug bei den Kompanien. Elemente des 771st Tank Destroyer Battalion waren ebenfalls dabei.

Die übliche Angriffsmethode über offenes Gelände sah enge Zusammenarbeit von Infanterie und Panzern vor. Kleine Infanteriegruppen wurden jedem Panzer zugeteilt mit der Anweisung, ihn nie zu verlassen und ihre Aktionen zu koordinieren. Dieses System funktionierte perfekt.

Beim Angriff auf Katzem pinnte eine feindliche Infanterietasche östlich des Ortes mit automatischen Waffen die Infanterie fest, bis sie durch Panzerfeuer zerstreut wurde. Der Vormarsch wurde nach Heranziehung der unterstützenden Panzer und neun Salven 155-mm-Haubitzenfeuer des Korps auf der rechten Flanke fortgesetzt. Bis 1130 Uhr waren 1500 Yards vorangekommen und zwei Hausgruppen gesäubert. Zwei feindliche Panzer wurden durch Bazookafeuer zerstört. Um 1245 Uhr wurde Eichof durch ein brillantes Manöver unter schwerem Kleinkaliberfeuer erobert. Die einzige mögliche Vorwärtsbewegung in diesem offenen Gelände war ein stetiges, langsames Gehen oder Kriechen. Schnelle Sprünge (wie in den Dienstschulen gelehrt) erwiesen sich als zu erschöpfend und boten in flachem, offenem Terrain wenig Schutz.

Bis 1500 Uhr erreichte das Bataillon, das nach Worten des Stabschefs Major Franke „den ganzen Weg kämpfen mußte“, das Hochgelände nördlich und östlich von Katzem und grub sich unter feindlichem Artilleriefeuer aus dem Norden ein. Wie während der gesamten Operation üblich, zogen sich die Deutschen nach längstmöglicher Verzögerung zurück. Dennoch tötete das Bataillon in den schweren Kämpfen um die verstreuten Hausgruppen etwa 40 Deutsche und nahm 50 gefangen. Das Bataillon verlor 6 Gefallene und 53 Verwundete.

Das 3. Bataillon des 406th Infantry blieb bis 0400 Uhr am 25. Februar in Boslar, marschierte dann nach Hottorf, um als rechte Divisionflanke in den Angriff einzugreifen. Um 0915 Uhr sprangen sie von der nördlichen Ortslinie Hottorfs an, in Kompaniekolonne: K, L und I. Die schweren Maschinengewehre waren zwischen den beiden Spitzenkompanien verteilt für Flankenschutz, Mörser und ein zugeteilter Panzerjägerzug blieben in Hottorf als Feuerbasis. Eine Panzerkompanie war zugeteilt und wartete in Hottorf auf Befehle.

Sofort geriet die Infanterie unter schweres 88-mm-Feuer aus Marienfeld auf der rechten Flanke sowie von feindlicher Infanterie und Panzern in und um die verstreuten Häuser vorne. Außer diesen Häusern bot das flache Gelände keinen Deckung. Dieses Feuer nagelte das Bataillon fest, und Company B des 701st Tank Battalion wurde zum Angriff beordert. Zwei Panzerzüge griffen in Linie an, ein Zug deckte die rechte Flanke ab, unterstützt von zwei Sturmgeschützen. Die Angriffsbataillone gruben sich für die Nacht nordöstlich von Katzem ein und schlossen an die Stellungen des 407th links an. Inzwischen rückte das 1. Bataillon in regimentaler Reserve hinter die Angriffskeile und bezog Katzem nach dessen Sicherung.

407. Infantrie Division

Gleichzeitig nahm das 407th Infantry um 0900 Uhr auf der linken Seite aus dem Raum Kofferen den Angriff wieder auf; mit dem 1. und 2. Bataillon in vorderster Linie nahmen sie Lovenich um 1015 Uhr und sicherten anschließend das Schlüsselgelände auf den dahinterliegenden Höhen. Säuberungsaktionen wurden bis 1315 Uhr durchgeführt.

Das 1. Bataillon sprang mit einer Panzerkompanie zum Angriff auf Lovenich an. Der Angriff folgte der Straße, wurde zeitweise durch Infanterie- und Artilleriefeuer verlangsamt, doch um 1107 Uhr war das Bataillon durch den Ort hindurch und hatte Anschluss nach rechts und links hergestellt. Im weiteren Verlauf des Tages kam es zu keinem besonderen Ereignis.

Das 3. Bataillon griff in gestaffelter Kompanieechelon nach links an, um die exponierte Westflanke zu sichern. Nur vereinzelter Widerstand kam von vorne, und bis 0945 Uhr hatte das Bataillon, unterstützt von Company C des 701st Tank Battalion, Lovenich erreicht und die unmittelbar nördlich gelegenen Höhen gesichert.

Das 405th Infantry fungierte an diesem Tag überwiegend als Divisionsreserve, obwohl am frühen Morgen das 3. Bataillon durch Ralshoven vorstieß, um die Sicherung der rechten Flanke zu verbessern. Nach einem schweren Artillerievorbereitungsfeuer überraschte Company L den Ort um 0600 Uhr, nahm 35 Gefangene ohne eigene Verluste, woraufhin Company E L auf den Höhen östlich von Hottorf ablöste.

Company C, 701st Tank Battalion, das dem 407th Infantry unterstellt war, sprang aus Stellungen nördlich von Dingbuchhof zur Unterstützung des Angriffs auf Lovenich an. Die Panzer hatten keine Schwierigkeiten und waren bis 1100 Uhr durch den Ort hindurch, wobei der 3. Zug den Nordostrand besetzte. Der 2. Zug wurde angesetzt, einen Hügelrücken unmittelbar nördlich des Ortes zu halten; beim Überschreiten des Kamms geriet er jedoch unter schweres Feuer von schätzungsweise sieben Panzerabwehrkanonen entlang der Straße Lovenich–Erkelenz. Zwei Panzer wurden sofort ausgeschaltet, die übrigen mussten sich unter schwerem Artillerie- und Mörserfeuer zurückziehen. Die Panzer wichen daher nach Lovenich zurück und organisierten dort Stellungen in Erwartung eines Gegenangriffs. Die zugeteilten Panzerjäger des 771st Tank Destroyer Battalion bezogen ebenfalls Stellungen in den nördlichen und östlichen Randverteidigungen hinter der bereits auf dem Hügelrücken eingegrabenen Infanterie. Ein Gegenangriff blieb jedoch aus, obwohl der Ort für den Rest des Tages und der Nacht schwer beschossen wurde. Vereinzelte feindliche Flugzeuge waren aktiv; eine Sturmgeschützbesatzung, die am Nachmittag in Lovenich beim Essen war, wurde von einem feindlichen Bomber angegriffen, doch das Geschütz und die Begleitfahrzeuge blieben unbeschädigt.

Die beiden Angriffsregimenter verbrachten den Rest des Tages damit, Verteidigungen auszubauen und sich auf den Angriff gegen Erkelenz am nächsten Tag vorzubereiten, während das 405th Infantry weiterhin auf der Linie Hompesch–Ralshoven die rechte Flanke der Division deckte. Der 1. Zug der 102nd Reconnaissance Troop wurde mit einem Auftrag vorausgeschickt und verbrachte die Nacht mit Aufklärung östlich von Köckhoven.

Am frühen Morgen des 26. Februar rückte Combat Command B der 5th Armored Division, das in der vorangegangenen Nacht die Rur überschritten und Hottorf erreicht hatte, unter Kontrolle des XIII. Korps rechts des 406th Infantry vor. Sein Auftrag war, die verwundbare rechte Flanke der Division zu verstärken, wo sich eine beträchtliche Lücke zur linken Flanke der 29th Infantry Division aufgetan hatte. CCB stieß zunächst auf die Linie Wockerath–Teerheeg–Menekrath vor, ihr erstes Ziel, und hatte bis 1325 Uhr das Gebiet nordöstlich von Erkelenz überrollt. Nach der Säuberung der Orte Krauthausen und Venrath um 1600 Uhr hielten die Panzerverbände diese Ortschaften, bis sie nach Einbruch der Dunkelheit von Teilen des 405th Infantry abgelöst wurden, und richteten dann einen Sicherungsschirm nach Nordosten ein.

Große Begeisterung herrschte, und die Hoffnungen waren hoch, als die Kolosse der 5th Armored Division durch die Linien der Ozark-Division rollten. Der Feind war auf dem Rückzug, und man glaubte, dass nun nichts mehr den Vormarsch des XIII. Korps aufhalten könne. Die zuvor vorhandenen Befürchtungen wegen der exponierten rechten Flanke schwanden rasch, und die Einnahme Erkelenz galt als gesichert. Nun war man bereit, ohne die Furcht, in drei Richtungen kämpfen zu müssen, loszubrechen.

Probleme

Wir wußten nicht, daß weicher Schlamm, offenes Gelände und zahlreiche eingegrabene feindliche 88er unsere eigenen und unterstützenden Panzer verlangsamen und schließlich zum Stillstand bringen würden. Die Panzer des 701st Tank Battalion bedurften dringend einer Wartung. Sie hatten hervorragende Arbeit geleistet, aber enorme Prügel bezogen. Die Besatzungen waren müde und erschöpft und hatten tagelang nicht geschlafen.

Obwohl ein Panzerbataillon normalerweise nur einen Sturmgeschütz-Zug besaß, hatte das 701st durch Entnahme von Stabspersonal einen zusätzlichen provisorischen Zug organisiert, sodass Companies A und C jeweils Sturmgeschütze hatten. Diese Geschütze wurden für Unterstützungsfeuer eingesetzt, obwohl sie gelegentlich dicht hinter den Angriffskeilen vorgerückt sind. Sie schienen weniger feindliches Panzerabwehrfeuer anzuziehen als die Panzer, möglicherweise weil der kürzere Rohr ihrer Geschütze sie weniger bedrohlich erscheinen ließ. Es schien Praxis der deutschen Panzerjäger zu sein, sich hinzusetzen, das Feuer zurückzuhalten, bis sie fast überrannt waren, und dann entweder ihre Waffen zu verlassen oder sich zu ergeben.

Um 1300 Uhr am 25. Februar war Company D des 701st in Hottorf eingetroffen. Zur Zeit der Brachelen-Operation waren dem Panzerbataillon sechzehn zusätzliche mittlere Panzer zugeteilt worden, um notwendige Sofort-Ersatzleistungen zu gewährleisten. Diese Extrapanzer waren nicht vom Heer zurückgerufen worden und stellten effektiv eine zusätzliche mittlere Kompanie dar. Verluste in den Linienkompanien wurden durch diese von Company-D-Besatzungen bemannten Panzer ersetzt.

Das Problem der Benzin- und Munitionsversorgung forderte ebenfalls die Energie und das Geschick jedes Mannes. Die Hauptschwierigkeit war der Engpaß durch die wenigen Brücken über den Fluß und den starken Straßenverkehr. Die Arbeit, Nachschub vorzubringen, begann täglich um 1500 Uhr, und oft genug kamen Munition und Benzin gerade noch rechtzeitig an, um die Panzer für den nächsten Morgenangriff zu versorgen. Für einen Lkw bedeutete eine Fahrt zurück zum Nachschub und Rückkehr zum Regiment 24 Stunden. Während des Kampfes um Lovenich betankten Besatzungen der 102d Quartermaster Company die Panzer direkt auf dem Schlachtfeld, um die Infanterie rechtzeitig zu unterstützen.

 

Hottorf wird besetzt

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Pfarrer Reiners vermerkt nüchtern im Verkündigungsbuch: „Am 25.2.1945, Sonntag, wurde Hottorf besetzt.“

Am frühen Morgen des 24. Februars starteten Amerikanische Infantrie- und Panzer-Bataillone den Angriff in Richtung Hottorf von Boslar und Tetz aus. Sie gerieten schnell unter schweres Feuer von Deutschen Flugabwehrgeschützen aus Richtung Hompesch und Müntz. Mehrere Linien von Schützen- und Panzergräben sowie Bunkern befanden sich im freien Feld zwischen Hottorf, Gevenich und Boslar. Schanzer hatten die Gräben schon im Herbst 1944 angelegt (siehe Beitrag: Erste Deutsche Einquartierung mit Karte). Der Vormarsch war dadurch so erschwert, dass von sieben Panzern nur noch zwei voll funktionierende Panzer mit der Infanterie gegen 12:00h die Ortschaft Hottorf erreichten. Sie nahmen den Ort ohne große Gegenwehr ein.  

Ein verheerender Schlag traf das 701. Panzerbataillon, als es den Vormarsch des 405. Infanterieregiments auf das Dorf Hottorf unterstützte. Panzerabwehrkanonen schalteten vier Panzer einer Kompanie aus, acht einer anderen.“ (übersetzt aus Operation Grenade: Race to the Roer, siehe Bücher mit Bezug zu Hottorf)

Die Besatzung des Sherman-Panzers der Ninth U.S. Army, die trotz vier Treffern durch deutsche 88-mm-Granaten bei der Eroberung von Hottorf unverletzt blieb.
Die Besatzung des Sherman-Panzers der Ninth U.S. Army, die trotz vier Treffern durch deutsche 88mm Flugabwehrgranaten bei der Eroberung von Hottorf unverletzt blieb.

Im späteren Tagesverlauf und in der Nacht druchquerten noch weitere Truppen und Verbände Hottorf, um sich nordöstlich von Hottorf auf der Ebene in Richtung Lövenich/Kleinboslar – etwa auf der Fläche des heutigen Windparks – „einzugraben“ und zu sammeln (siehe Beitrag: Truppen sammeln sich im Hottorfer Feld). 

Kolonne US-Fahrzeuge im Marsch durch Hottorf auf dem Weg nach Erkelenz – Februar 1945
Kolonne US-Fahrzeuge im Marsch durch Hottorf auf dem Weg nach Erkelenz – Februar 1945, Quelle: LIFE Magazine Archives - William Vandivert Photographer WWP-PD, https://www.facebook.com/100021421346688/posts/column-of-us-vehicles-on-the-move-through-hottorf-on-the-way-to-erkelenz-germany/1700248677365827/
Frontverläufe an den Tagen nach der Rurüberquerung bei Linnich und Rurdorf
Vom Hottorf nach Hardt, 24. bis 28. Februar 1945. Hinweis: Die Darstellung der Regimentsaktionen erfolgt durch Zahlen auf den Pfeilen, die die Bataillone kennzeichnen.
Vom Hottorf nach Hardt, 24. bis 28. Februar 1945. Hinweis: Die Darstellung der Regimentsaktionen erfolgt durch Zahlen auf den Pfeilen, die die Bataillone kennzeichnen.

Detaillierte Beschreibung übersetzt aus dem Kapitel 11 „Clearing the path to the Rhine“ von  With the 102d Infantry Division trough Germany, siehe Bücher mit Bezug zu Hottorf

Kapitel 11 – Räumung des Wegs zu Rhein

Außer den Gegenangriffen bei Boslar war der Brückenkopf noch nicht ernsthaft bedroht worden. Die Gewinne des ersten Tages hatten die Fähigkeit des Feindes eingeschränkt, die Überquerungsstellen mit anderen als indirekten Artilleriefeuer oder Flugzeugen zu belästigen. Die verbleibenden Aufgaben für den 24. Februar bestanden daher darin, die Tiefe des Brückenkopfs zu vergrößern, um Manövrierraum zu sichern, den Rest der Divisionsgliederungen überzusetzen und die Fortsetzung des Angriffs nach Norden am folgenden Tag vorzubereiten. Es gab keine Anzeichen aktiven Feindwiderstands, obwohl die taktische Luftaufklärung gepanzerte Kolonnen tief im Rheinland bewegend meldete.

Eine Entwicklung, die unsere Position besonders im frühen Morgen stärkte, war die Tatsache, dass bis 0500 Uhr am 24. Februar die gesamte 771st Tank Destroyer Battalion den Fluss überquert hatte und für einen aktiven Einsatz in der Operation bereit war. Drei mittlere Kompanien des 701st Tank Battalion waren ebenfalls übergesetzt und bewegten sich zu ihrem Sammelgebiet in der Nähe von Tetz, das bald Schauplatz überfüllter Verwirrung wurde. Die ersten Panzer überquerten die Brücke bei Rurdorf um 0330 Uhr. Die Brücke konnte nur einen Panzer gleichzeitig tragen, was die Überquerungszeit erheblich verlängerte. Zudem waren alle Straßen auf der anderen Seite in sehr schlechtem Zustand, sodass fast fünf Stunden für die Fahrt nach Tetz benötigt wurden. Das Bataillon schloss schließlich um etwa 0900 Uhr in seinem Sammelgebiet auf.

Es wurde früh klar, dass die Infanterie nicht über ihre gesamte Panzerunterstützung für die Wiederaufnahme des Angriffs verfügen würde. Angesichts der feindlichen Lage und des Wunsches, unsere Erfolge auszunutzen, befahl der Divisionskommandeur jedoch, den Angriff um 1000 Uhr fortzusetzen und so weit und so schnell wie möglich vorzutreiben.

Das 405. Infantrie Regiment

Das 1. Bataillon des 405th Infantry, links in der Regimentszone, griff um 1000 Uhr von seinen Stellungen entlang der Böschung nördlich der aus Tetz führenden Eisenbahngleise auf Hottorf an. Company B war rechts, C links, und A, das am Vortag am meisten in den Minenfeldern gelitten hatte, in Reserve. Die Maschinengewehre der schweren Waffenkompanie waren auf beiden Flanken aufgestellt (siehe Karte 15, Seite 153).

Unmittelbar nach der Ankunft in Tetz wurde Company A des 701st Tank Battalion dem 1. Bataillon des 405th zugeteilt. Captain Shanks, der Kompaniekommandeur, erhielt nur 30 Minuten vor H-Stunde Kenntnis vom bevorstehenden Angriff und hatte weniger als fünf Minuten, um seine Zugführer zu briefen. Dennoch rückte die Kompanie die Straße nach Boslar hinauf und stellte sich dort in gestaffelter Linie links der Straße ostwärts auf. Die Panzer sollten links wenden und nordwärts gegen Hottorf vorrücken, koordiniert mit der Infanterie. Kaum aufgestellt, gerieten sie unter extrem schweres Panzerabwehrfeuer aus Osten und Südosten. Captain Shanks schätzte, dass mindestens ein Dutzend 88-mm-Geschütze gegen ihn standen, alle so gut getarnt, dass er später beim Abgehen des Geländes fast über die Geschützgruben stolperte, bevor er sie sah. Vier Panzer wurden ausgeschaltet, vier weitere im Schlamm festgefahren. Die verbleibenden zwei zogen sich langsam zurück und feuerten, bis die Munition aufgebraucht war. Dann nahmen sie so viele Verwundete auf, wie sie fassen konnten, und zogen ab. Captain Shanks, dessen eigener Panzer beschädigt war, befahl dem Reservezug, direkt nordostwärts nach Hottorf vorzurücken. Zwei dieser Panzer blieben in einem Panzergraben südlich der Ortschaft stecken, aber drei erreichten das Ziel. Einer davon hatte einen Treffer am Turm erhalten, der das Geschütz so gelockert hatte, dass es nicht mehr zielen konnte. Zudem klemmte ein Geschoß im Verschluß, sodass der Panzer außer seiner koaxialen Maschinengewehr nutzlos war. Glücklicherweise erhielt die Kompanie in der Nacht Teilersatz für ihre Verluste.

Die Infanterie rückte daher allein über das offene Gelände vor und geriet unter schweres Feuer aus Richtung Hompesch und Müntz, aber praktisch keines aus Hottorf. Der Vormarsch wurde nicht gestoppt, und um 1200 Uhr waren die Männer durch den Ort und gruben sich nordostwärts ein, leicht ostwärts ausgerichtet. Dort stockte der Angriff, da die Divisionsartillerie, die den Fluss noch nicht überquert hatte, keine weitere Unterstützung leisten konnte.

Das 3. Bataillon rückte um 1100 Uhr vom Nordrand von Boslar aus, mit dem Ziel des Hochgeländes östlich von Hottorf. Company B des 701st Tank Battalion unterstützte diesen Vorstoß.

Die Panzer verließen eilig ihr Sammelgebiet, wo sie gerade rechtzeitig zur Angriffsanweisung eingetroffen waren, und stießen Richtung Boslar vor, nur um festzustellen, dass der Infanterieangriff bereits lief. Lieutenant Kappa, der Kommandeur von Company B, ließ zwei Züge in Angriffskeil aufstellen, und die Kompanie versuchte, zur Infanterie aufzuschließen. Aus Boslar ausbrechend, gerieten sie unter schweres Feuer von 88ern nordöstlich von Hompesch. Diese Geschütze, die aus 2200 Yards Entfernung über flaches Gelände feuerten, schalteten sieben unserer Panzer aus, sodass nur zwei Hottorf erreichten. Einer davon hatte ein defektes Geschütz. Nach Erreichen des Ortes schlossen sich ihnen zwei Sturmgeschütze an, die vorwärtsgekommen waren, sowie die drei Panzer von Company A. Fünf weitere Panzer des 3. Zuges wurden schließlich herangeführt, und um 1330 Uhr war eine hastige Verteidigung improvisiert. Später am Nachmittag wurden jedoch alle Panzer nach Boslar zurückgezogen.

In der Zwischenzeit nahm die Infanterie etwa 40 Gefangene in einem Steinbruch (der am Vortag eine problematische Stellung gewesen war) und drang nach Hottorf und dem Hochgelände über Ralshoven vor. Das Bataillon grub sich ein und sicherte seine Positionen für den Rest des Tages.

Um 1400 Uhr rückte das 2. Bataillon, in regimentaler Reserve, in ein Sammelgebiet am Rand von Boslar vor. 30 Minuten später wurde es erneut beauftragt, eine Lücke zu schließen, diesmal zwischen dem 406th Infantry rechts und hinten sowie dem 3. Bataillon des 405th in Hottorf. Das Bataillon stellte sich auf und grub sich unter schwerem Kleinkaliberfeuer aus dem Osten entlang einer Nord-Süd-Linie von Hottorf bis Gevelsdorf ein.

Das 407. Infantrie Regiment

Auf der linken Divisionstang sprang das 407th Infantry um 1000 Uhr an und rückte in beiden Bataillonsabschnitten rasch vor. Das 1. Bataillon rechts nutzte Marschfeuer und advanced schnell etwa tausend Yards über das offene Gelände zwischen Kofferen und Hottorf, umzingelte acht Truppenunterkünfte und nahm in etwa zehn Minuten 179 Gefangene. Das Bataillon grub sich dann zwischen Kofferen und Hottorf ein und blieb den Rest des Tages in den Fuchslöchern und deutschen Gräben.

Das 2. Bataillon links griff um 0930 Uhr ohne Panzerunterstützung von Glimbach auf Kofferen und Dingbuchoff vor, mit dem Ziel des Hochgeländes westlich von Kofferen. Company F wurde bald durch schweres Feuer aus Korrenzig (im Abschnitt der 84th Division) festgenagelt und mußte sich nach einem Vormarsch von etwa fünfhundert Yards eingraben. Gegen Mittag erschien Company C des 701st Tank Battalion, und um 1315 Uhr wurde der Angriff fortgesetzt. Company G, unterstützt von den Panzern, drang in Kofferen ein, gefolgt von Company E. Dann mußte Company F aus der Reserve rechts eingesetzt werden, um den Bataillonsvormarsch zu unterstützen, während Company C des 701st Tank Battalion das feindliche Artilleriefeuer neutralisierte. Nach Erreichen dieses Ziels reorganisierte sich die Panzerkompanie in Kofferen und rückte gegen Dingbuchoff vor. Mit Hilfe ihres provisorischen Sturmgeschütz-Zugs stürmte sie das Gebiet, schaltete zwei gezogene Panzerabwehrgeschütze aus und nahm hundert Gefangene aus einem Bunker. Dabei gingen zwei Panzer verloren; trotz schwerem feindlichen Artilleriefeuer war bis 1600 Uhr das gesamte Gelände zwischen Kofferen und Dingbuchoff gesichert.

Das 406. Infantrie Regiment

Um die rechte Divisionflanke zu sichern, griff das 1. Bataillon um 1100 Uhr Hompesch mit Company A links, C rechts und B in Reserve an. Maschinengewehre am Südrand des Dorfes und auf dem Hochgelände im Osten sowie 88er aus östlicher Richtung bremsten den Angriff, doch die Kompanien rückten unter schwerer Artillerieunterstützung vor und sicherten ihr Ziel bis 1245 Uhr. Lt. Col. Woodson D. Scott, der Bataillonskommandeur, bat um Erlaubnis, den Vormarsch fortzusetzen, doch diese wurde verweigert, da die Division gleichzeitig frontal angriff und die rechte Flanke verteidigte. Während das 405th vorstieß, mußte das 406th die rechte Flanke ausdehnen, wodurch wir stündlich verwundbarer wurden. Die Truppen gruben sich dann am östlichen Ortsrand ein und schlossen an das 405th Infantry links an.

Das 2. Bataillon rückte um 1800 Uhr nach Boslar und marschierte in der Nacht weiter nach Hottorf, um am nächsten Morgen einen Angriff nach Norden vorzubereiten. Das 3. Bataillon tat dasselbe durch Boslar nach Hottorf.

Die Tagesaufgaben waren nun erfüllt. Um diese Erfolge auszunutzen, bereiteten sich die der Division zugeteilten Panzer- und mechanisierten Einheiten darauf vor, die Rur zu überqueren und an kommenden Kämpfen teilzunehmen. Am 24. Februar letztmals wurde jedoch eine Änderung vorgenommen: Combat Command B ging unter die Kontrolle seiner Mutter-5th Armored Division über, während die 11th Cavalry Group vom XIII Corps zurückgerufen wurde.

Mit dem nun fest etablierten Rur-Brückenkopf bis Hottorf im Norden und Ralshoven im Osten und einem gründlich verwirrten Feind hinsichtlich des nächsten Schritts war die 102. Division bereit, ihre Lage zu nutzen und zum Rhein vorzustoßen.

 

Der Chronist erinnert sich an die Reste eines Weltkriegsbunkers an der Landstraße von Hottorf in Richtung Gevenich in der Rechtskurve vor der Barbara-Kapelle an der der rechten Fahrbahnswite, der erst in 1970-Jahren vollständig beseitigt wurde.

 

 

Amerikanische Truppen überqueren die Rur

nrw-wappen

| D-Day der Operation Grenade |

Die 9. US-Armee beginnt am 23. Februar um 3:30 Uhr mit der Überquerung der Rur.  Dabei errichtete das 407. Infantrie Regiment mit dem 1. und 2. Bataillion den Brückenkopf bei Linnich und das 1. Batallion des 405. Regiments den Brückenkopf bei Rurdorf. 
In Booten setzten sie über, wobei die Infantristen das Ufer unter Kontrolle bringen sollten. An Stahlkabeln wurden zunächst Boot um Boot über die weiterhin reißende Rur gezogen; gleichzeitig wurden zwischen gespannten Stahlkabeln Fußsteige errichtet. 

Ein Fußsteig über die Rur am 23. Februar 1944, Quelle: picture alliance / Usis-Dite/Lee

Ein in Linnich zunächst mit Sturmbooten übersetztes Bataillon erreichte um 6:30h Gevenich und nahm dort im Ort 160 Gefangene. Ein weiteres Batailon errichtete einen Fußsteig und erreichte um 9:15h Uhr das Gut Breitenbend. Die in Rurdorf übersetzen Truppen gingen über Erzelbach nach Tetz und Boslar. Während Tetz schon um 6:50h eingenommen wurde, gab es in Boslar bis zum Abend insgesamt sieben Gegenangriffe der Deutschen Wehrmacht. Erst in der Nacht konnten Amerikanische Panzer dir Rur überqueren und konnten die Deutschen in Boslar zurückdrängen. 

In Linnich und Rurdorf wurden jeweiles Fußsteige und Pontonbrücken errichtet – eine Behelfsbrücke für leichte Fahrzeuge und bis in die Nacht eine schwere Brücke für Panzer.  Am ersten Tag der Operation Grenade erreichten die Amerikanischen Truppen über die beiden Flussüberquerungen bei Linnich und Rurdorf die Orte Glimbach, Gevenich, Tetz und Boslar.  

Karte am Morgen des 24.Feb 1944 der Brückenköpfe bei Linnich und Rurdort aus "With the 102d Infantry Division trough Germany"

Auf der gesamten Länge der Rur hatten bis zum Abend rund 25.000 US-Soldaten die Rur überquert, in der Nacht folgten die ersten leichten Panzer. Südlich von Jülich wurde ein Fußsteig mehrmals zerstört und konnte erst im fünften Anlauf ferstiggestellt werden.

Detaillierte Beschreibung übersetzt aus dem Kapitel 10 „Establishing the Roer Bridgehead“ von  With the 102d Infantry Division trough Germany, siehe Bücher mit Bezug zu Hottorf

Einrichtung des Bückenkopfes an der Rur

Eine Nacht, die vor Spannung vibrierte. Sterne funkelten durch klare Lücken in den zerfetzten, jagenden Wolken. Unter den Füßen quatschte der durchweichte Boden, während eine Patrouille vorsichtig zu den wartenden Booten glitt, die von Pionieren bereitgehalten wurden. Sogar hier, entlang der vergleichsweise ruhigen Ufer der Rur, saugten Gegenströme und Wirbel bedrohlich – gierig, wie es den Ingenieuren schien. Eine Deckungsgruppe, ausgebreitet und angespannt am Westufer wartend, fror in Erwartung und rechnete jeden Moment mit dem scharfen Stakkato einer Maschinenpistole, dem blendenden Licht einer Leuchtrakete oder dem leisen „Plumps-Platsch“ eines deutschen Mörsers. Sicherlich konnten diese lauten Vorbereitungen den Ohren der Vorposten der deutschen 59. Infanteriedivision nicht entgehen, die auf den alliierten Vorstoß zum Rhein gewartet hatten.

H-Hour minus 30 

Pünktlich um 03:00 Uhr stießen „Buck“ Rogers’ Night Raiders in die Dunkelheit vor, in die reißende Rur, die von ihrem Frühlingshochwasserpegel zurückgegangen war. Diese berühmte Patrouille des 407th Infantry, angeführt von First Lieutenant Roy Rogers, war mehrere Wochen vor der Überquerung organisiert worden und hatte seit ihrer Gründung zahlreiche Raids im Abschnitt des 407th Infantry durchgeführt. Vollständig aus Freiwilligen bestehend, meist College-Absolventen, hatten die Raiders zahlreiche herausragende Erfolge vorzuweisen und weltweite Aufmerksamkeit durch die Berichterstattung von Presseagenturen und Zeitungen in den USA erhalten.

Ein vorbereitendes Mörserfeuer auf den Deich jenseits des Flusses war gerade von First Lieutenant Karl Aamott angehoben worden, der diese wichtige Expedition geschickt geplant hatte. Nun wartete er gespannt, während das Boot – ein dunkler Klumpen in der Nacht – wirbelte und schließlich unter geschickten Händen stabilisiert wurde. Ihr Start war durch einen Mörsergranateneinschlag in der Nähe unterbrochen worden. Splitter streiften Rogers’ Auge. Zwei weitere Männer wurden verletzt, doch alle setzten ihren Weg fort.

Als die Ruder der Besatzungen in den tosenden Strom tauchten, eröffnete ein deutsches Maschinengewehr in nicht einmal fünfzig Yards Entfernung das Feuer, Leuchtspuren bildeten ein rotes Baldachin über ihnen. Doch in dem unbeständigen Sternenlicht waren auf dem rasenden Fluss schwankende Sturmboote schlechte Ziele. Einige Minuten später – Minuten, die sich für Wartende und Handelnde wie Stunden dehnten – stupsten die Boote leise ans Ostufer der Rur. Die Männer sprangen rasch an Land und kletterten wie besessen die glitschigen Hänge hinauf. Mit uhrwerkartiger Präzision schwärmten dunkle Gestalten aus und umzingelten das bedrohliche Maschinengewehr. Instinktiv erwiderte ein Mann das Feuer. Ein anderer griff nach seiner Handgranate. Ein guter Wurf; ein dumpfer Knall; ein Schrei; dann Stille.

Nun war die Gelegenheit, sich neu zu formieren, Köpfe zu zählen und den benötigten Brückenkopf zu sichern. Eine Gruppe unter Sergeant Albert Charpentier schwenkte zur Eisenbahnlinie ab, die von einem dichten Minenfeld gesäumt war, das Gefangene später als hinter ihrer Vorpostenlinie angelegt beschrieben, um ihre Einheit am Fluss zu halten – komme Hochwasser, Hölle oder Angriff. Der Rest der Patrouille kämpfte sich nach Süden und räumte ein Maschinengewehrnest nach dem anderen. Zur H-Stunde – dreißig Minuten später – setzte die erste Sturm-Welle des 407th Infantry ohne Probleme über. Ihr Brückenkopf, der erste über die Rur, war etabliert.

Zu diesem Zeitpunkt hatten Rogers’ Raiders fünfhundert Yards Flussufer auf einer zweihundert Yards breiten Front geräumt, fünf Maschinengewehrnester ausgeschaltet, sechs weitere automatische Waffenstellungen gesäubert, fünfzehn Deutsche getötet und acht gefangen genommen. In diesen hektischen, wilden dreißig Minuten verloren sie keinen einzigen Mann. Ihre im Voraus bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Planung hatte sich ausgezahlt.

Als Rogers in den Keller des Linnicher Schulgebäudes zurückkehrte, setzte er sich für ein paar Minuten auf eine K-Ration-Kiste, ruhte aus und blinzelte im schwachen Licht, während die nervöse Anspannung der Erschöpfung wich. Jemand trat zu ihm und sagte: „Der General will Sie sprechen.“

Lieutenant Roy Rogers ging zu der Gruppe von Offizieren, in deren Mitte Major General Keating und Colonel Dwyer im rauchgefüllten Raum standen. Er hielt noch die Überreste einer von einer Kugel zerschmetterten Taschenlampe in der Hand.

„Der Angriff verläuft dank Ihnen und den Leistungen Ihrer Männer sehr reibungslos“, sagte der General. „Es ist mir eine Ehre, Ihnen diese Bronze Star zu verleihen mit dem Dank und der Anerkennung der Sturmtruppen.“

„Am Raid war nichts Spektakuläres“, sagte Rogers später. „Die Jungs haben strikt nach Plan gearbeitet. Wir gehen keine Risiken ein.“

Start des Angriffs

Fast gleichzeitig, als wären sie über einen einzigen Schalter verbunden und gesteuert, durchbrachen über zweihundert Geschütze, Raketenwerfer, Maschinengewehre aller Kaliber, Gewehre, Mörser und all die Werkzeuge des Krieges die todesähnliche Stille der Nacht. Das Tal der Rur stand im Feuerschein explodierender Granaten und Leuchtspuren. Man fragte sich, wie unter dieser verheerenden Wucht überhaupt etwas überleben konnte. Bei dem grellen Licht der Artilleriemündungsfeuer und der explodierenden Geschosse hätte man eine Zeitung lesen können. Der Lärm betäubte die Soldaten, die die steile Böschung hinunter zu den wartenden Booten hasteten. Rauchschwaden und der Geruch von verbranntem Pulver trieben in stetig wachsendem Ausmaß über das Tal. Die lang erwartete Offensive war nun tatsächlich im Gang.

Benommen und überrascht, aber dennoch entschlossen, mit aller Kraft zurückzuschlagen, begann die deutsche Artillerie binnen zehn Minuten mit Gegenfeuer aus Fernartillerie und Raketenwerfern. Offenbar unsicher über die genaue Übergangsstelle schien der Feind zunächst zögerlich, seinen kostbaren Munitionsvorrat allzu großzügig gegen den unsichtbaren Gegner einzusetzen. Doch mit dem ersten Morgengrauen nahm das Feuer stetig zu, bis es einem wahren Hagel aus Proteststahl glich, der die Infanterie der Unterstützung und Reserve sowie die Pioniere an den Übergangsstellen bei Rurdorf und Linnich peitschte. Auch das Ablenkungsmanöver bei Flossdorf zog seinen Teil des Feuers auf sich.

Die eigentlichen Hauptübergänge in Stärke begannen pünktlich um 03:30 Uhr. Führende Bataillone waren das 1. Bataillon des 405th bei Rurdorf sowie das 1. und 2. Bataillon des 407th bei Linnich. Die erste Welle setzte ausschließlich in Sturmbooten über, die von den 327th und 279th Engineer Combat Battalions gerudert wurden. Um 04:20 Uhr waren die ersten Übergänge bei Rurdorf abgeschlossen. Bei Linnich, wo das Vorankommen weniger schwierig war, benötigte die erste Welle nur sechzehn Minuten und hatte das Ostufer bereits um 03:46 Uhr gesichert.

Verlassene Sturmboote bei Linnich
Verlassene Sturmboote bei Linnich

407. Regiment bei Linnich

Das 1. Bataillon des 407th hatte den Auftrag, Gevenich zu nehmen. Das Bataillon setzte pünktlich um 03:30 Uhr in zwei Wellen mit jeweils zwei Kompanien nebeneinander über; A und B führten, gefolgt von C und D. Die zweite Welle begann um 03:39 Uhr mit dem Übersetzen, unmittelbar nachdem die erste das gegenüberliegende Ufer erreicht hatte. Es standen genügend Boote für beide Wellen zur Verfügung, sodass die Boote der ersten Welle nicht zurückgeführt werden mussten und am Ufer liegen blieben, sobald die Truppe ausgestiegen war.

Etwas Maschinengewehrfeuer flussabwärts störte die Truppe während des Übergangs, und Mörserfeuer schlug im Fluss und entlang der Ufer ein, doch die Verluste waren gering und kein einziges Boot kenterte. Kurz nach der Landung nahmen die Soldaten rasch etwa fünfundzwanzig granatenschock‑geschädigte Gefangene. Diese Gefangenen wurden dann kurzerhand dazu benutzt, die Amerikaner durch die deutschen Minenfelder vor Gevenich zu führen. Verluste durch diese besondere Bedrohung wurden so vollständig vermieden.

Die vorderen Kompanien (A und B) bewegten sich lautlos in Gevenich hinein und stießen – offenbar trotz eigentlich ausreichender Vorwarnzeit – auf die Deutschen, bevor diese überhaupt bemerkten, dass Amerikaner in der Nähe waren. Bis 06:30 Uhr hatten sie sich kampflos ergeben, und 160 Gefangene wurden gemacht. In dem Ort fanden sich weder Minen noch Sprengfallen – ein weiteres Zeichen dafür, dass die Verteidiger völlig überrascht worden waren. Auf dem Weg nach Gevenich wurde Kompanie C, die den Sturmkompanien folgte, kurzzeitig durch Maschinengewehrfeuer von der anderen Seite der Straße Gevenich–Linnich niedergehalten, konnte aber ohne nennenswerte Verzögerung weiter vorrücken.

In Gevenich wurden die Kompanien beim Aufbau eines Verteidigungsrings um den Ort herum mäßigem Mörserfeuer ausgesetzt; zudem erhielten sie Maschinengewehrfeuer sowohl aus nördlicher als auch aus südlicher Richtung. Der Bataillonskommandeur, Lieutenant Colonel George Park, schickte zwei gefangene Sanitäter eigenständig hinaus, um mit den Geschützbedienungen zu sprechen. Die Bedienung des nördlichen Geschützes kehrte mit den Sanitätern zurück und ergab sich, die Bedienung des südlichen Geschützes erklärte dagegen, sie werde sich nicht ergeben. Sie waren jedoch durchaus bereit, das Feuer einzustellen und zeigten ihren guten Willen sofort, indem sie ihre Stellungen verließen und sich zurückzogen.

In dieser Phase war das Bataillon weder mit dem 405th auf der rechten Seite noch mit dem 2. Bataillon auf der linken Seite verbunden, doch wurden Patrouillen hinausgeschickt, um soweit möglich Verbindung herzustellen und zu halten. Die Verbindung mit dem Regiment erfolgte ausschließlich über Funk und war ausgezeichnet, und bis 10:20 Uhr war die Stellung gut gefestigt.

Die gesamte verfügbare Munition wurde von Zug A&P per Hand nach vorne getragen, dem dafür 29 zusätzliche Männer zugeteilt worden waren. Dieser Zug setzte die Munition über den Fluss und richtete in Gevenich ein kleines Munitionsdepot ein.

Vier Trupps mit Tragen – je einer bei jeder Kompanie – brachten Verwundete sofort nach deren Verwundung in Sicherheit. Der Bataillonsverbandsplatz lag nahe dem Ufer auf der Linnicher Seite der Rur und übernahm, weil er näher lag als jeder andere in der Umgebung, im weiteren Verlauf einen unverhältnismäßig großen Teil der Verwundetenversorgung, darunter auch Verwundete anderer Bataillone und der Pioniere. Obwohl das Bataillon im Laufe des Tages nur etwa fünfzig Ausfälle hatte, wurden bis 10:00 Uhr bereits mehr als neunundneunzig Verwundete im Verbandsplatz behandelt. Gehfähige Verwundete anderer Einheiten wurden mit Fahrzeugen zu ihren eigenen Verbandsplätzen zurückgebracht, um die Überlastung zu verringern.

Zum Panzerabwehrschutz verfügte das Bataillon über fünf dreiköpfige Bazookatrupps, die der ersten Welle folgten. Der Panzerabwehrzug unter Führung von Second Lieutenant Louis Spitzer setzte außerdem drei deutsche 7,5‑cm‑Feldgeschütze in Stellung, die zuvor überrannt worden waren. Mit diesen bekämpften sie Maschinengewehre und andere Zielgelegenheiten.

Eine einzige ernsthafte Bedrohung für das äußerst erfolgreiche Vorrücken des 407th Infantry entstand, als der Feind um 15:15 Uhr Glimbach aus Richtung Gevenich mit Panzern und Infanterie angriff. Ohne Panzerabwehrkanonen, Panzerjäger oder Panzer, die den Fluss noch nicht hatten überqueren können, und während sie Munition für schwere Mörser und Bazookas von Hand heranschleppten, hielt das 2. Bataillon seine Stellung und forderte Artillerieunterstützung an. Fast sofort legten acht Artilleriebataillone ihr Feuer auf die Angreifer und zerstreuten Panzer und Infanterie. Kurz darauf erschienen, einem Ruf der Division folgend, P‑47‑Jagdflugzeuge über dem Gefechtsfeld und vollendeten die Vernichtung der feindlichen Kräfte in diesem Raum. Das 2. Bataillon blieb den Rest des Tages ungehindert in Glimbach.

Das 3. Bataillon des 407th Infantry unterstützte anfangs das Übersetzen der Sturmwellen mit Feuer aller Art. Bis 08:15 Uhr war dieser Auftrag erfüllt, und das Bataillon begann, in Sturmbooten überzusetzen. Glücklicherweise wurde während dieses Vorgangs die nördliche Fußgängerbrücke bei Linnich fertiggestellt, sodass der größte Teil des Bataillons zu Fuß überqueren konnte. Um 09:15 Uhr sammelten sie sich in Breitenbend als Regimentsreserve. Später am Tag rückte das 3. Bataillon nördlich von Glimbach vor und bezog Stellungen, um den Anschluss an Teile der 84th Division auf der linken Seite herzustellen.

405. Regiment bei Rurdorf

Das 1. Bataillon bildete die Sturmwelle des 405th Infantry. Wegen der Enge des Regimentsabschnitts konnte jeweils nur eine Kompanie gleichzeitig übersetzen; Kompanie C ging zur H‑Stunde als erste über. A, B und D sollten in dieser Reihenfolge folgen. Eine zusätzliche Schwierigkeit ergab sich aus der unzureichenden Zahl an Booten – es standen nur genug für zwei Kompanien zur Verfügung. Daher war geplant, dass die Pioniere die erste Welle übersetzen und mit den Booten für die nächste Welle zurückkehren sollten. Mehrere Fahrzeuge kenterten durch Nahtreffer von Mörsergranaten, doch kein Boot erhielt einen direkten Treffer. Als die dritte Kompanie den Übergang versuchte, standen nur noch etwa die Hälfte der ursprünglich 32 Boote zur Verfügung.

Alle Männer trugen Schwimmwesten, und niemand ertrank, obwohl ein voll besetztes Boot bis nach Linnich abtrieb. Diejenigen, die in den Fluss fielen, marschierten auf dem Ufer, an dem sie anlandeten, flussaufwärts zurück, um sich wieder ihren Einheiten anzuschließen.

Zusätzliche Notfallmunition für den unmittelbaren Einsatz wurde mit den Sturmwellen von Hand übergesetzt. In einer Schützenkompanie trug jeder Mann eine Panzerabwehrmine; in einer anderen trug jeder eine Bazooka‑Granate; in der dritten trug jeder eine 60‑mm‑Mörsergranate. Die Soldaten der schweren Kompanie trugen jeweils eine 81‑mm‑Mörsergranate. Auf diese Weise wurde am Ostufer des Flusses ein beachtliches Munitionsdepot angelegt.

Bis 04:45 Uhr war Imbusch gesichert, und das Bataillon ordnete sich neu, während es darauf wartete, dass das unterstützende Artilleriefeuer angehoben wurde, um anschließend auf sein Ziel westlich von Boslar vorzurücken. Beim Vorgehen in den Wald war leichtes Infanteriefeuer aufgekommen, und durch Minen am Flussufer und in der Nähe von Gut Bischhof gab es einige Verluste. Um 07:45 Uhr nahm das Bataillon den Angriff wieder auf, um die Eisenbahnlinie auf dem Kamm des Hangs zwischen Erzelbach und Tetz zu erobern. Der Angriff wurde durch Feuer aus automatischen Waffen entlang des Gleises verlangsamt, doch die Männer rückten unter Artillerieschutz Schritt für Schritt vor und hatten bis Mittag das Ziel genommen und sich entlang eines Steilhanges unmittelbar östlich der Gleise eingegraben.

Das 2. Bataillon setzte um 05:50 Uhr über, ebenfalls in Kolonne der Kompanien, mit E an der Spitze, gefolgt von G, F und H. Die Neuordnung erfolgte im Bereich Gut Bischhof, ohne nennenswerten feindlichen Widerstand außer vereinzeltem Infanteriefeuer. Um 06:50 Uhr rückte das Bataillon auf Tetz vor, das mit geringen Schwierigkeiten besetzt wurde.

In der Zwischenzeit rückten die Kompanien G und F nebeneinander vor, südlich an Tetz vorbei, und hatten bis 09:30 Uhr die Höhen östlich des Ortes genommen. Gegen Mittag versuchte eine auf etwa hundert Mann geschätzte feindliche Infanterie, von vorne rechts und von hinten in die Stellung des 2. Bataillons einzudringen, wurde jedoch durch gut gelegtes Artilleriefeuer zurückgeschlagen. Am Nachmittag wurden diese Kompanien verlegt, um die Lücke zwischen Boslar und Gevenich zu schließen und Anschluss an das 407th Infantry herzustellen; sie gruben sich in den offenen Feldern zwischen beiden Orten ein.

Das 3. Bataillon des 405th unterstützte den Übergang der ersten beiden Bataillone, indem es beim Heruntertragen der Sturmboote zum Wasser half und später Unterstützungsfeuer gab. Nachdem die ersten beiden Bataillone übergesetzt und auf ihre Ziele vorgerückt waren, setzte das 3. Bataillon gegen 13:00 Uhr über die infantry support bridge über. Um 15:35 Uhr, nach einer zwanzigminütigen Artillerievorbereitung, griff das Bataillon von der Eisenbahnlinie nördlich von Tetz aus an und durchzog dabei das 1. und 2. Bataillon im Angriff auf Boslar. Dort stieß das Bataillon auf den stärksten Widerstand des Tages und konnte den Ort erst um 16:37 Uhr unter schwerer Artillerieunterstützung betreten. Sobald es innerhalb des Ortes war, sicherte das Bataillon hastig seine Positionen. Anschließend setzte es den Vormarsch auf die Höhen nördlich und östlich fort und, als es mit dem 2. Bataillon auf einer Linie stand, nahm letzteres seinen Angriff wieder auf und rückte in die Lücke zwischen Boslar und Gevenich vor, wodurch die Regimentsstellung gefestigt wurde.

Bis 14:00 Uhr waren alle Infanterie-Sturmkräfte sicher über den Fluss, und die Ausarbeitung des Brückenkopfes war gut vorangeschritten. Viele Deutsche waren in ihren Fuchslochstellungen entlang der Ufer getötet worden. Andere waren vor unserem erbarmungslosen Feuer geflohen, doch viele waren zu granatenschockiert, um etwas anderes zu tun, als vor der Wucht unseres Vormarschs zu kauern.

Während zusätzliche Einheiten zum Übersetzen ansetzten, begannen die größten Schwierigkeiten des Tages. Sowohl bei Rurdorf als auch bei Linnich sah der Angriffsplan den Bau von zwei Fußgängerbrücken vor: einer infantry support bridge und einer treadway bridge. Der überflutete, eisige Fluss mit seiner reißenden Strömung und treibenden Trümmern war allein schon ausreichend, um diese Operationen heikel und anstrengend zu machen, doch kombiniert mit feindlichem Artillerie- und Mörserfeuer sowie angreifenden strahlgetriebenen Flugzeugen (die in diesem Gebiet erstmals auftauchten), schufen sie eine äußerst schwierige Ingenieurleistung. Schmale Fußgängerbrücken, die für eine Strömung von sechs Knoten pro Stunde ausgelegt waren, spannten an ihren Kabeln. Einige kippten unter dem Gewicht der Truppen um und wurden flussabwärts gerissen. Unterstützungsbrücken, die von Gummipontons getragen wurden, sackten unter dem zerstörerischen Feindfeuer durch. Eines der in der Rurdorf-Region eingesetzten LVTs blieb mitten im Strom stehen, trieb in der wirbelnden Strömung ab und zerstörte vollständig eine Brücke, die geradezu fertiggestellt war. Auch die Infanterie-Sturmboote litten schwer. Einige kenterten, sodass die Infanterie schwimmen musste; einige wurden auf dem Westufer zerstört, bevor sie zu Wasser gelassen werden konnten; andere sanken oder wurden unbrauchbar. Die Truppen kämpften gegen die Zeit, und jeder solcher Vorfall verzögerte die Ausarbeitung des Brückenkopfes und steigerte die bedrohliche Gefahr eines erfolgreichen Gegenangriffs.

406. Regiment 

Das 406th Infantrie Regiment, zunächst als Divisionsreserve in Baesweiler, verbrachte einen vergleichsweise ruhigen Vormittag. Gegen Mittag rückte es nach Setterich vor. Am Nachmittag marschierte es nach Rurdorf, wo um 16:00 Uhr das 3. Bataillon über die Fußgängerbrücke setzte. Das 1. Bataillon folgte eine halbe Stunde später unter leichtem feindlichem Artilleriefeuer, während das 2. Bataillon gegen 21:00 Uhr übersetzte und in Tetz als Reserve die Nacht verbrachte.

Das 3. Bataillon rückte ebenfalls über Tetz vor, wurde aber nach Einbruch der Dunkelheit in die Linie beordert, um die rechte Flanke der Division zu sichern. Die Kompanien K und L wurden daher östlich von Boslar in Stellung gebracht.

Das 1. Bataillon erreichte Tetz gegen 18:00 Uhr und folgte dem Malefink-Bach talaufwärts, bereit als Divisionsreserve zu verbleiben. Später wurde es nach Einbruch der Dunkelheit eingesetzt, um die rechte Flanke zu halten, nachdem sich Gegenangriffe gegen Boslar abzeichneten. Das Bataillon rückte direkt auf die Höhenlinie von Boslar zu den von dem 3. Bataillon bezogenen Stellungen vor. Das Regiment war somit gut aufgestellt, um die stark exponierte rechte Divisionflanke zu decken, die durch die Verzögerung der 29th Infantry Division – der linken Einheit des XIX Corps – entstanden war, die nicht wie geplant auf gleicher Höhe blieb.

Gegenattacke

Anfangs hielt die deutsche 59. Infanteriedivision stand, im Norden flankiert von der 183. Volksgrenadier-Division und im Süden von der 363. Volksgrenadier-Division – sie trug die Hauptlast des Ozark-Angriffs. Die Vorbereitungsfeuer hatten die Verteidiger so geschockt, dass sie nicht effektiv widerstehen konnten, als unsere Spitzenkräfte die Hauptverteidigungslinie durchbrachen. Vor Einbruch der Nacht zeigte der Feind jedoch eine deutliche Verhärtung seiner Haltung, wie im Glimbach-Vorfall zu sehen war. Zudem deuteten Aussagen von Kriegsgefangenen darauf hin, dass der Gegner bei Dunkelheit noch zu entschlossenen Gegenangriffen fähig war. Der Boslar-Korridor erschien besonders verwundbar. Angesichts dieser Gefahr und auch zur Verbesserung der taktischen Kontrolle wurde das 3. Bataillon des 406th Infantry um 20:40 Uhr dem 405th Infantry angegliedert.

Um 20:00 Uhr war die Treadway-Brücke bei Linnich endlich fertiggestellt. Zwanzig Minuten später ereignete sich eine Katastrophe, gerade als Company B des 771st Tank Destroyer Battalion zum Übersetzen ansetzte. Die Brücke wurde plötzlich von drei tief fliegenden feindlichen Flugzeugen angegriffen und zerstört. Daraufhin wendeten Companies A und B des 771st Tank Destroyer Battalion nach Süden ab, um die Treadway-Brücke bei Rurdorf zu nutzen, die gerade fertiggestellt wurde. Company A begann um 22:41 Uhr den Übergang, doch ihr Vorrücken wurde durch Schutt-Lkw verzögert, die unter Priorität fuhren, um die stark beschädigten und zerfurchten Straßen unmittelbar jenseits des Flusses zu reparieren. Bis Mitternacht kroch Company A nur langsam über die Brücke.

Das Fehlen von Panzerjägern erhöhte die Verwundbarkeit unseres Brückenkopfes, doch mit der Fertigstellung einer infantry support bridge bei Linnich um 15:05 Uhr konnte das 407th Infantry seine Panzerabwehrkanonen zum Fußvolk vorschicken. Auch das 405th gelang es, einige Panzerabwehrkanonen über eine Unterstützungsbrücke zu bringen. Dies war äußerst glücklich, da der erwartete feindliche Gegenangriff sich gerade in der Boslar-Region abzeichnete.

Company L des 406th war die Erste, die den Schock dieses Angriffs durch eine kleine Infanteriegruppe aus östlicher Richtung erlitt. Diese feindlichen Patrouillen wurden zurückgeschlagen, und die Lage blieb mehrere Stunden ruhig. Währenddessen wurde das 1. Bataillon des 406th Infantry nach vorn beordert, um die Verteidigung des Ortes zu verstärken; es rückte östlich von Boslar vor und bezog Stellungen mit Südostausrichtung auf dem Hochgelände. Diese Positionen waren gegen 21:30 Uhr besetzt. Um 23:00 Uhr startete ein Gegenangriff durch ein geschätztes feindliches Platoon gegen die neuen Stellungen, wurde jedoch rasch abgewehrt.

In dieser Phase tobte nördlich des Ortes ein heftiger Kampf, wo etwa zwanzig deutsche Selbstfahrlafetten begleitet von zwei unterbesetzten Infanteriekompanien, versuchten, das Dorf einzukreisen, um unsere Truppen zu vertreiben. Die deutsche Infanterie wurde jedoch durch ein Artilleriefeuer von neun Bataillonen stark zerstreut. Die feindlichen Geschütze, nun ihrer Unterstützung beraubt, konnten ihre Aufgabe nicht erfüllen, obwohl zwei oder drei tatsächlich in Boslar einrückten, bevor der Angriff endgültig gestoppt wurde. Ein zweiter Versuch um 22:00 Uhr scheiterte ebenfalls. Die feindlichen Geschütze zogen sich dann etwa dreihundert Yards nördlich von Boslar zurück und warteten auf einen günstigen Moment für einen neuen Angriff. Das Dorf wurde die ganze Nacht hindurch vom Feind beschossen. Schwerer noch war jedoch unser eigenes Artilleriefeuer, das auf Anruf des Kommandeurs des 3. Bataillons des 405th Infantry auf Boslar fiel und einige Verluste in Bataillonen des 405th und 406th Infantry verursachte. Diese drastische Maßnahme erwies sich als wirksam, um den Ort gegen die fanatischen Angriffe des Feindes zu halten. Obwohl Scharmützel mit verwirrten deutschen Truppen innerhalb unserer Positionen die ganze Nacht andauerten, sah der Morgen das Ende der Kämpfe.

Um 04:58 Uhr nahmen die Selbstfahrlafetten außerhalb von Boslar ihren Gegenangriff erneut auf, diesmal ohne Infanterieunterstützung. Wieder wurden sie zurückgeschlagen. Nicht zufrieden mit diesen Rückschlägen, wiederholte sich der Angriff um 07:57 Uhr zum siebten Mal gegen das 2. Bataillon des 405th Infantry. Schließlich trieb eine schwere Konzentration unserer Artillerie sie endgültig zurück, und die 341st Assault Gun Brigade zog sich zurück, um nie wieder gesehen zu werden.

Damit endete die erste Phase des Rheinlandfeldzugs. Der Brückenkopf war nun etabliert. Der Weg für den Vormarsch zum Rhein war geebnet. Leider wurde unser Sieg nicht ohne Verluste errungen, und obwohl die Zahlen im Vergleich zur Heftigkeit der Schlacht gering sind, wurden 74 Mann getötet, 493 verwundet und 31 als vermisst gemeldet.

Artilleriefeuer

Die vorbereitenden Artilleriefeuer für den Rur-Übergang begannen um 02:45 Uhr, 45 Minuten vor der H-Stunde. Neben den organischen Divisionsbataillonen – den 379th, 380th, 381st und 927th – feuerten zahlreiche weitere Bataillone unter Korpskontrolle in den vorgesehenen Brückenkopf-Bereich. Der erste Sperrfeuer-Vorhang wurde von vier Bataillonen 105-mm-Haubitzen, vier Bataillonen gepanzerten Feldhaubitzen, vier Bataillonen 155-mm … auf Lovenich um 08:00 Uhr am 23. Februar abgeworfen, wo sechzehn 500-Pfund-Bomben fielen. Katzem war ein weiteres Ziel, das um 09:45 Uhr und erneut um 11:15 Uhr mit insgesamt zweiunddreißig Bomben belegt wurde. Kuckhoven wurde ebenfalls um etwa 10:30 Uhr von Sturzkampfflugzeugen angegriffen und beschossen, als dort feindliche Truppen gesichtet wurden. Später am Tag wurde eine umfangreiche Suche nach großen Kaliber-Eisenbahngeschützen durchgeführt, die in der Nähe von Erkelenz vermutet wurden. Diese Geschütze beschossen die Übergangsstelle bei Linnich mit uhrwerkartiger Regelmäßigkeit während des Nachmittags und stellten die ganze Nacht hindurch eine erhebliche Störung dar. Günstiges Wetter ermöglichte am Nachmittag Tieffliegereinsätze über dem gesamten rückwärtigen Feindgebiet, was die Situation weiter reduzierte, was immer an Beweglichkeit ihm noch geblieben war.
 
Luftunterstützung 
Die 509th, 510th und 511th Fighter Squadrons stellten nach Tagesanbruch die Luftunterstützung. Ihr erster Einsatz erfolgte um 08:00 Uhr am 23. Februar auf Lovenich, wo sechzehn 500-Pfund-Bomben abgeworfen wurden. Katzem war ein weiteres Ziel, das um 09:45 Uhr und erneut um 11:15 Uhr mit insgesamt zweiunddreißig Bomben belegt wurde. Kuckhoven wurde ebenfalls um etwa 10:30 Uhr von Sturzkampfflugzeugen angegriffen und mit Maschinengewehrfeuer beschossen, als dort feindliche Truppen gesichtet wurden. Später am Tag wurde eine umfangreiche Suche nach großen Kaliber-Eisenbahngeschützen durchgeführt, die in der Nähe von Erkelenz vermutet wurden. Diese Geschütze beschossen die Übergangsstelle bei Linnich mit uhrwerkartiger Regelmäßigkeit während des Nachmittags und stellten die ganze Nacht hindurch eine erhebliche Störung dar. Günstiges Wetter ermöglichte am Nachmittag Tieffliegereinsätze über dem gesamten rückwärtigen Feindgebiet, was die noch verbliebene Beweglichkeit des Gegners weiter reduzierte.
 
Rauch

Der Einsatz von Rauch bei der Überquerung der Rur erwies sich als wertvolle Ablenkungs- und Verschleierungsmaßnahme. Die Winde hatten wochenlang konstant aus Südwest geweht, und man ging davon aus, dass dies so bleiben würde. Die Wetterbedingungen am D-Day waren perfekt. Das Gelände war vollständig für die Platzierung der Rauchtöpfe untersucht worden, und diese Studien zeigten die Notwendigkeit von zwei Basislinien: Eine Basislinie lag 50 Yards flussaufwärts von der Brücke bei Flossdorf und erstreckte sich über 300 Yards; die andere lag 50 Yards flussabwärts und erstreckte sich ebenfalls über 300 Yards. Welche Linie später genutzt werden würde, hing vom Wind ab.

Insgesamt wurden 980 Töpfe vorbereitet, 440 pro Basislinie. In 15-Yard-Abständen wurden ausreichend Töpfe aufgestellt, die für zweieinhalb Stunden brannten. Diese Töpfe waren zu Bündeln von je vier Stück gebunden, auf spitz zulaufende Pfähle gesteckt, die in den Boden getrieben wurden. Sie wurden in der Leeseite eines Deiches platziert, der Schutz vor feindlichem Feuer und Beobachtung bot.

Der Scheinrauchvorhang bei Flossdorf wurde zur H-Stunde vom 3. Bataillon des 405th Infantry unter Aufsicht von First Lieutenant Richard Kerr, dem Gasoffizier, gezündet. Riesige Wolken sammelten sich in der stillen Luft und brachen dann plötzlich über den verstreuten kahlen Bäumen hervor – gespenstisch im azurblauen Morgengrauen. Der Feind reagierte sofort mit schwerem Artillerie-, Mörser- und Kleinkaliberfeuer auf das leere Gebiet. Bei Rurdorf, wo kein Rauch eingesetzt wurde, blieb die Übergangsstelle fast unangetastet. Weiter nördlich bei Linnich wurde Rauch genutzt, um bei Tagesanbruch den Fluss und das Tal zu verschleiern, als strahlgetriebene Flugzeuge – Me 262 – tief über dem Gebiet auftauchten, um die Überquerung zu stören.

Über den Fluss

Jede große Schlacht besteht aus vielen kleinen Kämpfen, und selten ist klar, welches Verhältnis die kleinen zu den großen haben. Manchmal haben die kleineren Kämpfe ein Eigenleben und summieren sich scheinbar nie zu einer großen Operation. Es gibt Zeiten, in denen man sich ein großes Unternehmen nicht vorstellen kann, bis man auf Bataillone, Kompanien und sogar Einzelpersonen heruntergeht. Die kleine Aktion ist wie ein klarer Teich, in dem das „große Bild“ durch Wellen am Boden verzerrt liegt. Es gibt einen Vorteil daran, das „kleine Bild“ zu betrachten: Alles wirkt konkreter, realistischer. Und es betont den edelsten Teil der Geschichte – den Kampf des einzelnen Soldaten, sei es ein Pionier, der im dunklen, wirbelnden Wasser kämpft, um ein Kabel zu befestigen, ein Funker, der im Schnee nach einem defekten Kabel sucht, oder ein Schütze, der schultertief im Fluss watet, sich durch unbekannte Minenfelder kämpft und mit letzter Verzweiflung tötet, die im Kriegshoch kommt. Ihnen gebührt die Anerkennung.

Ihre Geschichte wird treffend von Howard K. Smith, CBS-Korrespondent, erzählt, der in jenen angespannten ersten Stunden der großen alliierten Offensive dabei war, die den Beginn vom Ende Deutschlands markierte. Sein Tagebuch notiert natürlich die großen Momente und die Opfer weniger Einzelner, die für unseren Sieg verantwortlich waren. Aber es ist ein Tribut an alle.

Die Regimente 405, 406 und 407 gehörten zur 102. Infantrie Division „Ozark“ der 9. Amerikanischen Armee. Ein Regiment mit etwa 3.000 Soldaten besteht aus drei Bataillonen. 

Kirche unter Artilleriebeschuss

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| Hl. Georg sollte als erfahrener Kriegsmann die Kirche schützen |

Am Donnerstag, dem 22. Februar 1945, wird die Kirche am Vortag der Operation Grenade – der Überquerung der Rur – durch Artilleriebeschuss bis auf die Umfassungsmauern zerstört.

Durch ein Aufkären des Wetters konnten strategische Ziele erstmals wieder auf der Ostseite der Rur bombardiert werden. Dabei sollten die geplanten Brückenköpfe bei Linnich und Rurdorf vorbereitet werden, die bis zur Höhe Gevenich und Boslar gehen sollten. Obwohl die Amerikanische Artillerie darauf achtete, nicht mehr als üblich zu feuern, um die Deutsche Wehrmacht keinen Hinweis auf die bevorstehende Operation zu geben, fiel die Hottorfer Kirche diesem Beschuss zum Opfer.

Pfarrer Reiners berichtet um Verkündigungsbuch:

Wir alle vertrauten auf den Schutz des Hl. Georg, der uns als erfahrener Kriegsmann die Kirche schützen sollte, so tat es bloß bis zum Donnerstag, dem 22. Febr. 1945, ab 3 Uhr bis halb 6 nachmittags schossen die Flakgeschütze von Floßdorf aus, mir …., Spenrath und Augenzeugen berichten, die Kirche zusammen. Am 23.2.ging die letzte Offensive der Alliierten los, die hier bei Linnich den Übergang über die Rur genommen mit Infanterie rechts u. standen bei Körrenzig.

Die bis in der Nacht zum 23. Februar gehenden Vorbereitungen zur Operation Grenade werden wie folgt beschrieben, übersetzt aus With the 102d Infantry Division trough Germany, siehe Bücher mit Bezug zu Hottorf:

Nach der Monatsmitte besserte sich das Wetter deutlich. Der Regen hörte auf, und der Himmel klarte auf – eine Entwicklung, die nicht nur die rückwärtigen Gebiete und Nachschublinien des Feindes wieder Angriffen aus der Luft aussetzte, sondern auch seine Aktivitäten auf der gegenüberliegenden Seite des Rurtals wieder für Beobachter am Boden sichtbar machte. Die Hochwasserlage begann sich zu entspannen, und der Fluss fiel täglich um etwa einen Zoll, obwohl die Strömung gefährlich stark blieb – zwischen sechs und zwölf Meilen pro Stunde. Schließlich kam es am 22. Februar zu einem plötzlichen Rückgang des Wasserstands um drei Zoll. Alles deutete darauf hin, dass die Flut weitaus schneller zurückging als erwartet.

Der D‑Day war nun auf den 23. Februar festgelegt worden, mit der H‑Stunde um 03:30. In Vorbereitung des neuen Angriffs rückten die Sturmtruppen erneut an die Flusslinie vor. So verließen am 22. Februar das 1. und 2. Bataillon des 405th Infantry Baesweiler und erreichten Ederen, Welz und Freialdenhoven. Während der Nacht vom 22. auf 23. Februar bewegten sich das 1. und 2. Bataillon des 407th Infantry von Gereonsweiler nach Linnich. Das Divisionshauptquartier wurde gemeinsam mit dem 407th Infantry in einem Schulgebäude in Linnich eingerichtet – mit Blick auf den reißenden Fluss. Die Vorbereitungen näherten sich rasch ihrem Abschluss.

Man konnte die Spannung spüren, als die Dunkelheit über das Rurtal fiel. Das Material für den Übergang musste die steile Böschung gegenüber Rurdorf hinunter getragen werden, und Tausende Männer befanden sich in Reichweite jeder verfügbaren deutschen Waffe. Alles konnte geschehen – und wahrscheinlich würde es das auch. Man hoffte still auf das Beste.

Am frühen Abend herrschte Stille; nur gelegentlich durchbrach eine bernsteinfarbene Leuchtrakete die Ruhe der Nacht. Am nächsten Tag, dem 23. Februar, nur wenige Stunden entfernt, sollte der große Angriff beginnen. Es war der Anfang vom Ende, und viele schöpften daraus Zuversicht. Alle glaubten an den kommenden Erfolg. Der Feind feuerte sporadisch Granaten, Mörser‑ und Maschinengewehrsalven. In den verdunkelten Straßen von Linnich und Rurdorf bewegten sich Männer lautlos wie Schatten, sprangen hastig in Türöffnungen, wenn eine Granate über sie hinwegzischte oder Kugeln Ziegelstaub in die Straßen schleuderten. Hin und wieder trat ein Einzelner aus einem Unterstand, getrieben von Neugier und Hoffnung, etwas zu sehen, das ihn beruhigen mochte. Für viele war es der erste Fronteinsatz – ihre Vorstellungskraft quälte ihre Herzen. Mehrere Volltreffer in das Divisionshauptquartier erinnerten auch die Kriegskorrespondenten daran, dass der Krieg keine Gnade kannte und der Tod in der Luft lauerte.

„Rogers’ Night Raiders“ – die furchtlose Gruppe von Offizieren und Soldaten, die sich längst im Nahkampf mit dem Feind bewährt hatte – schwärzten ruhig ihre Gesichter und überprüften ihre Waffen. Sie würden als Erste über den Fluss gehen und den Gegner vom jenseitigen Ufer vertreiben, damit die Boote nicht unter direktes Infanteriefeuer gerieten.

Das Fernmeldepersonal, von dem so vieles abhing, arbeitete still an der Aufrechterhaltung der Verbindungen, im Wissen, dass sie ständig in Gefahr waren, aber weitermachen mussten. Die Geschützbedienungen überprüften die Zünder, legten die Granaten bereit, um sie so schnell wie möglich in die Rohre zu laden. Sie würden die ersten Schüsse der bevorstehenden Schlacht abfeuern.

Einige versuchten zu schlafen, doch Ruhe war ihnen nicht vergönnt – sie wälzten sich auf schmutzigen Böden, wo immer es einigermaßen Schutz gab. Sie hörten das Gurgeln des Flusses, den sie bald überqueren sollten – eine mahnende Erinnerung daran, dass der morgige Tag der D‑Day sein würde.

Die Vorbereitungen für die Schlacht an der Rur waren abgeschlossen – ihre Durchführung stand unmittelbar bevor. Wir waren bereit.

Stauseen an der Rur werden abgelassen

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| Amerikaner müssen Überquerung der Rur mehrfach verschieben |

Nachdem Aachen schon im Oktober 1944 durch die Amerikanische Armee befreit wurde und dort schon im Dezember die Aachener Nachrichten als erste freie Zeitung erscheinen, dauert der Vormarsch bis nach Hottorf noch weitere vier Monate – bis in den Februar 1945. Zum großern Hindernis wurde die Überquerung der Rur.

Noch im April 2022 erschien dazu ein Artikel in der Welt:  „Wie ein kleiner Fluss den US-Vormarsch zum Ruhrgebiet stoppte“. Die Planung und Durchführung der sogenannten Operation Grenade zur Rurquerung ist auch in Amerikanischen Kriegsberichten ausführlich dokumentiert.

Nachfolgend befinden sich Textausschnitte aus verschiedenen Quellen in Bezug zur späteren Querung der Rur bei Linnich und bei Rurdorf.  

Eigentlich ist die Rur in der Eifel ein eher kleiner, beschaulicher Fluss. Selten ist er breiter als 25 Meter; an der Mündung in die Maas fließen pro Sekunde etwa 26 Kubikmeter Wasser durch die Rur.

Im Februar 1945 war das allerdings anders. Auf dem oft abschüssigen Ostufer der Rur und dahinter hatten sich deutsche Truppen in einem gut befestigten Stellungssystem eingegraben und in Erwartung des Angriffs der 9. US-Armee am 8. Februar die Tore von Urfttal- und Rurtalsperre südlich von Düren geöffnet. Rund 100 Millionen Kubikmeter machten die Rur zu einem reißendem Hindernis. Natürlich waren alle Brücken gesprengt.

Operation Grenade war der Name einer Operation der 9. US-Armee an der Westfront des Zweiten Weltkrieges vom 22. Februar bis 11. März 1945, in deren Verlauf die amerikanischen Truppen erfolgreich die Rur überquerten.

Ursprünglich sollte die Operation Grenade zeitnah zur Operation Veritable beginnen (8. Februar), was aber wegen der Öffnung zweier Talsperren in der Eifel (Rurtalsperre und Urfttalsperre) durch die Wehrmacht undurchführbar wurde: Diese sprengte am 10. Februar 1945 die Verschlüsse des Kermeterstollens am Kraftwerk Heimbach, woraufhin die Urfttalsperre bis zum Niveau des Kermeterstollens leer lief, und auch die Verschlüsse der Grundablassstollen der Staumauer Schwammenauel (Rursee). Beides zusammen erzeugte flussabwärts ein Hochwasser, das die Flussaue verschlammte und die Rur an Stellen mit hohem Ufer zu einem reißenden Fluss machte.

Normalerweise ist die Rur ein ruhiges Flüsschen, das an vielen Stellen etwa 30 Meter breit ist. Die Planer vermuteten, dass das Tauwetter und die Zerstörung von Rurstaudämmen sie in einen bis zu zwei Kilometer breiten See verwandeln würden. Auch nach dem Rückgang des Hochwassers würde das Gelände so morastig sein, dass Fahrzeuge nicht außerhalb fester Wege manövrieren könnten. 

aus: Wikipedia

Alle Vorbereitungen waren abgeschlossen in Erwartung eines DDay am 10. Februar, als am Vorabend des Angriffs die Deutschen die Ablassventile der Rurtalsperren zerstörten. Etwa zwölf Tage sollte es dauern, bis das Wasser in den Stauseen abgeflossen war.

Oberhalb von Düren, wo die Flussufer relativ hoch sind, bestand die schlimmste Auswirkung der Flut darin, dass sich die Strömung stark beschleunigte, stellenweise auf mehr als 15 Kilometer pro Stunde. Unterhalb dagegen, entlang des größten Teils ihres Laufs, trat die Rur über die Ufer und überflutete die Talebene. Nördlich von Linnich, wo der Fluss normalerweise 25 bis 30 Meter breit ist, dehnte er sich zu einem bis zu zwei km breiten See aus. Häufiger traten Überflutungen mit einer Breite bis 400 Meter auf. Der Boden zu beiden Seiten des überfluteten Flussbetts war weich und schwammig. Während die Pioniere über den langsam zurückgehenden Wasserstand wachten, wurde die Operation GRENADE mehrfach verschoben.

Luftaufnahme der Rur bei Linnich, oben links Gut Breitenbend
Luftaufnahme der Rur bei Linnich, oben links Gut Breitenbend

Auf Anraten der Pioniere setzte General Simpson schließlich den DDay auf den 23. Februar fest – einen Tag, bevor die Stauseen vermutlich vollständig entleert sein würden. Obwohl der Fluss noch immer Hochwasser führte, war der Pegel inzwischen bis zu 40 cm unter den Höchststand gesunken, und an nur wenigen Stellen überstieg die Strömung 10 km pro Stunde. Indem General Simpson den frühestmöglichen Zeitpunkt nutzte, an dem eine Überquerung mit vertretbarer Erfolgsaussicht möglich schien, statt auf normale Bedingungen zu warten, hoffte er, ein gewisses Maß an Überraschung zu erreichen.

Das weitere Vorrücken der Amerikanischen Armee von der Überquerung der Rur bei Rurdorf bis zur Befreiung von Hottorf ist in folgenden Beiträgen weiter beschrieben:

In memoriam Goswin Frenken

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| Im KZ Flossenbürg gestorben |

Goswin Frenken war Sohn des Kölner Oberlandesgerichtspräsidenten Josef Frenken und der Maria Eleonore von Meer. Er ist am 2. August 1887 in Hottorf geboren und ist am 4. Aug. in der Hottorfer Kirche getauft worden. Er hatte sechs Geschwister.

Über sein Leben in Hottorf ist nichts bekannt. Sein Vater, Josef Frenken, wurde zwei Jahre nach seiner Geburt Staatsanwalt in Köln.  

Goswin Frenken studierte in Berlin und wurde 1922 Hochschullehrer in Köln. Wegen Äußerungen über das NS Regime wurde er verurteilt. Er kam 1941 in Gestapohaft und und starb 1945 im KZ Flossenbürg.

Mehr über sein Leben und Wirken bei Wikipedia.

 

Messgewänder auf der Flucht

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| Nun war unsere Kirche kein Gotteshaus mehr|

Pfarre Reiners berichtet im Verkündigungsbuch von der Räumung der Kirche:

Sonntag 19.11.1944- 25. Sonntag im Jahreskreis:
7:00 Uhr Abenmesse. sonst alles wie gewöhnlich. 6:00 Uhr Beichtgelegenheit.
….
Die Verwandten wollten nicht länger warten. Sie rückten am Mittwoch, dem 22.11.1944, mit den meisten Hottorfern ab. Die Messe für die Soldaten fiel aus. Stattdessen hielt ich eine für Schiffer. Am Donnertag packte ich mit Maria Mülfarth (Anmerkung: spätere Maria Krafft) alle Paramente in der Kirche zusammen und übergab sie verschiedenen Leuten (Schmitz P., Althoff), die sie in Holzweiler bei Porz, wohin Mühlfahrts tags vorher abgerückt waren, abluden. Mit einem Heuwagen von Berger voller kirchlichen Sachen fuhr auch ich abends aus dem Ort. Nachmittags habe ich noch das Allerheiligste sumiert. Nun war unsere Kirche kein Gotteshaus mehr. Tags darauf kam ich unter Granatbeschuss nochmals wieder und trug alles aus meinem Hause in den Keller. Die ….… u. das Reliquiar des Hl. Georg nahm Joh. Esser mit nach Hemmerden, wo es eingemauert wurde. Die … Monstranz versorgte Nik. Deuser. Die Kelche nahmen Froitzheim und Jansen mit. Ich selbst …. vor Pastor Schmitt, der schon Wochen nach Arensberg weg war. Mühlfahrt behielten die Paramente zum Teil. Ein anderer kam zu meinem Bruder, der in Otzenrath evakuiert war. Der Rest nach Kleinenbroich, wohin meine Schwester ging. Ich selbst ging nach Hoge an der Weser am 21. Dez. dort blieb ich bis Ende August.

Am 18. Dez. war ich zum letzten Mal 3 Tage hier in Hottorf.

Quelle: Pfarrachiv „Publicanda Hottorf 1939-1954“

Weitere Zitate aus dem Verkündigungsbuch befinden sich in folgenden Beiträgen:

Aufruf zur Evakuierung

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| Hottorf pickepacke voll mit Soldaten |

Immer mehr Einwohner fliehen aus Hottorf.
Nach dem ersten Granatbeschuss des Dorfes am 14. Oktober sind nun alle zum Verlassen der Dorfes aufgefordert. Während die ersten Familien sofort am 15. Oktober aufbrechen, treten die letzten Ende Ende November die Flucht an (siehe Beitrag: Messgewänder auf der Flucht) . 

Schon seit Sommer 1944  hatte das Militär das alleinige Sagen in Hottorf. Unter anderem wurden mehr als 10 Feldküchen für die Versorgung der Front im Dorf betrieben. 

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners: 

Eine Änderung kam am Samstag, den 14. Oktober, als Artilleriebeschuss die Straße Gevenich-Hottorf-Müntzerweg abtastete. Tags vorher waren fünf Salven auf die Bunkerlinie der Gevenicher Straße abgegeben worden. Von da an kamen viele Nächte Artillerieschüsse über Hottorf zum Teil bis Titz. Ängstliche, fast die Hälfte Hottorfs schlief von da ab im Keller. In dieser Zeit war fast andauernd Fliegeralarm, da fast immer feindliche Flieger kreisten. Manchmal wurde der Gottesdienst viel später begonnen oder nachmittags nachgehalten.

Ab 15. Oktober brauchte man sich wegen der Frontnähe nicht mehr um Alarm zu kümmern. Seit dieser Zeit war auch das Bürgermeisteramt Körrenzig nach Hottorf verlegt im Haus Schmitz Hausnr. 25 und die Amtskasse war bei Krauthausen Nr. 62

Von der Ortsgruppenleitung – die Zivilverwaltung hatte nichts mehr zu sagen; schon seit dem 20. Juli nicht mehr – wurde die Bevölkerung aufgefordert, freiwillig sich evakuieren zu lassen.

Mindestens 12-15 Küchen lagen in Hottorf, die die Front zum Teil bis Brachelen versorgten. Diese brachten auch die Toten mit, die sie nach Lövenich zum Ehrenfriedhof brachten, die Verwundeten kamen nach Müntz zum Hauptverbandsplatz im Kloster. Manchmal kamen auch gefangene Amerikaner die Heerbahn in Trupps zu 15-20, oft ohne Kopfbedeckung, gezogen, um nach Müntz zur Gendarmerie gebracht zu werden.

Allmählich war unser kleines Hottorf pickepacke voll mit Soldaten der Wehrmacht und der SS, von Schanzern, Ausländern, Flüchtlingen, Polizisten, politischen Leitern und Eingesessenen.

Erste Deutsche Einquartierung

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| Schanzer bestimmen das Ortsbild |

Ab dem September wurden in allen Häusern von Hottorf Soldaten einquartiert. Hinzu kamen dann etwa 500 Zivilisten zum „Schanzen“ also zum Graben von Panzergräben, Laufgräben und Deckungslöcher – mit Hand und Spaten. Flüchtlinge aus dem Bereich zwischen Aachen und Rur zogen durch den Ort und suchten nach Unterschlupf und Nahrung.

Ab Mitte September kamen Gerichtsbeamte aus Siegburg als die ersten Schanzer. Ihnen folgten Handwerker aus Köln. Mitte Oktober wurden Hitlerjungen aus Köln geschickt, die nach den Granateneinschlägen direkt wieder zurückgeholt wurden. Aus weiteren Gegenden kamen immer mehr Schanzer nach Hottorf, darunter NS-Liniengetreue oder auch Männer aus dem Elsass, russische Frauen und natürlich wurden auch die Hottorfer Männer zum Schanzen herangezogen.

Die Lehrin Garzweiler berichtet sehr ausführlich von den Schanzern, die in der Schule untergebracht waren (siehe Beitrag: Lehrerin Gatzweiler verlässt Hottorf nach Rückkehr aus Evakuierung). Weiter unten in diesem Beitrag beschreibt Pfarrer Reiner die Einquartierungen von Soldaten und  Schanzern  in seiner Chronik.

Die Amerikanische Armee erstellte detaillierte Karten über Minenfelder und Gräben (siehe unten). Um Hottorf herum werden im Herbst 1944 in Richtung Westen (Richtung Rur) allein drei Reihen von Panzergräben gezogen. Diese führten später zu Verlusten von amerikanischen Panzern, konnten den Vormarsch aber nicht ernsthaft aufhalten. 

Verteidigungsanlagen östlich der Rur. Die Bunker und Maschinengewehrstände gehörten zur sekundären Siegfriedlinie. Die meisten Gräben, Minenfelder und tausende Fuchslöcher (nicht im Skizzenplan dargestellt) wurden in den Wintermonaten angelegt und bildeten eine Verteidigung, die nur durch enge Artillerie-Infanterie-Koordination durchbrochen werden konnte.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners: 

Gegen Ende August brach die deutsche Front in Frankreich zusammen. Die Alliierten rückten zum Teil 70 Kilometer vor. Wir hier in Hottorf, die wir zum allergrößten Teil schon lange nicht mehr an einen deutschen Sieg glaubten, und aus religiösen Gründen die Nazis herzlich satt waren, erwarteten die Gegner als Befreier.

September 1944

  1. Anfang September verlas ich das Evangelium vom 14. Sonntag nach Pfingsten, worin es heißt: Sorget nicht ängstlich. Ich sprach dazu und dachte, am Dienstagabend haben wir es überstanden!
    Anfang September kam als erste deutsche Einquartierung eine Gruppe Sanitäter von Brüssel. 
  1. Am 4. September mussten als Deutschlands letztes Aufgebot schulentlassene Burschen nach Palenberg-Merkstein und in der Eifel (Reifferscheid) schanzen, um den Westwall noch mehr zu befestigen. Das Kommen der Feinde verzögerte sich.
    Ab 4. September mussten auch hier Panzergräben und Laufgräben und Deckungslöcher gegraben werden. Neue Einquartierung, und zwar in Wien aufgestellte Volksgrenadiere. Mittlerweile kam die Front näher. Bei Stolberg wurde hart gekämpft. Die Fenster in der Kirche zittern andauernd. Flakbatterien kamen. Leider hielt der Westwall stand. Wären die Gegner doch nur sofort durchgestoßen, uns wäre viel Leid erspart geblieben. Schon Ende August hatten alle Leute sich Sachen in der Erde vergraben.
    Am 4. September wurden plötzlich alle Ausländer weggeholt und Richtung Köln in Bewegung gesetzt. Am folgenden Tag kamen sie wieder. Auch aus den Grenzgebieten kamen sie in großen Zügen an, zogen über die Heerbahn zum Rhein hin. Am 4. September kam die Front zum Stehen und diese Ausländer zurück. Allmählich kamen dieselbe Straße mehr und mehr Flüchtlinge. Als auswärtige Schanzer waren Mitte September Siegburger und Troisdorfer hier, sehr anständige und meist gebildete Herren.

  1. Am 17. September war ein außerordentlicher Geburtstag unter Kanonendonner und Tieffliegerschießen. 
    Mitte September ging Pastor Schmidt nach Arensberg. Kein Mensch arbeitete noch auf dem Feld. Aber wie sich alles so hinzog, fing man doch allmählich wieder an, zuerst mit dem notwendigsten, dann mit der Saatbestellung. Viele Tiefflieger kreisten, aber einzelnen Personen taten sie nichts. Viele Bomben fielen tagtäglich auf Bahnstrecken und Landstraßen. Immer mehr füllte sich das Dorf mit Flüchtlingen aus den Grenzdörfern, so dass fast mehr Flüchtlinge als Hottorfer hier waren. Dazu kamen etwa 200 Soldaten.
    Die Messen wurden werktags immer mehr besucht, der Kommunionempfang stieg immer mehr.
    Um den 15. September erschien Rektor Schroeder von Palenberg, der bis zum 19. November hier blieb. Er hoffte von Tag zu Tag zurückkehren zu können. Am Anfang ist er noch zwei bis drei Mal dahin zurückgefahren. Einmal hat er mehrere Stunden dort wegen Beschuss in der Kirche gesessen. Ganz langsam kam die Front näher.
    Seit Anfang September hatten wir jeden Abend Andacht, manchmal mit Segen, manchmal bloß Rosenkranz. Mehrere Male hatten wir feierliche Hochämter.
    Ab 17. September hielt ich sonntags Abends 7 Uhr eine dritte heilige Messe, in der zuletzt nur Soldaten dienten. Es fiel direkt auf, wie andächtig die Soldaten zuhörten. Ein Soldat spielte anstatt des immer mehr erblindenden Anton Lieven die Orgel, ab und zu auch Rektor Schroeder. Sehr oft hat er Beichtgelegenheit gegeben. Im Oktober hatten wir jeden Abend Rosenkranzandacht.

  1. Ende September bekam ich von Prummern Familie Pelzer als Einquartierung. Sechs Mann, dazu tagsüber vier der Familie Helden. Sie schliefen, wie die meisten in Hottorf auf Betten auf der Erde. Als Fliegergeschädigte hatte ich die halbtaube Lina Langohr aus Aachen schon seit Mai bei mir. Im Oktober kam Frau Tillmanns von Lieck, die Schwiegermutter meiner Schwester, noch dazu. Endlich noch aus Eschweiler Tante und Onkel aus Übach, Wilhelm Cremer mit Frau. Einquartierung hatte ich dadurch keine mehr. Nur die Leiterin der Nähstube der Kölner Westwallarbeiter musste bei uns schlafen.

Oktober 1944

  • Ende September bis Mitte Oktober hatte sich das Leben in Hottorf stabilisiert. Militär und Zivil und Flüchtlinge hatten sich aneinander gewöhnt. Alle Feld- und Hausarbeiten wurden wieder verrichtet.
    Wenn nicht die Flüchtlinge täglich gekommen wären, bzw. vorbeigezogen wären, die Flieger nicht gewesen und das Grollen der Front, man hätte sich daran gewöhnen können. Alle männlichen Einwohner Hottorfs – nur nicht Melker – mussten im September und Oktober Schanzarbeiten verrichten. Einmal wurde je ein Spaten aus jeder Familie requiriert. Viele verstanden es aber, sich zu drücken. Die Bauern mussten viele Sonntage Kriegsmaterial mit ihrer Karre fahren. Von den Grenzdörfern wurde viel Vieh – 20.000 Stück Herdbuchvieh – hier durchgetrieben. – Frontbedarf.
    Maul- und Klauenseuche brach aus. Um diese Zeit musste an einem Sonntag jede vierte Kuh aus Hottorf nach Linnich getrieben werden. Auch einige Pferde mussten ans Militär abgeliefert werden. Im Übrigen hatten wir hier sehr fettige Monate, da viel geschlachtete wurde.
  1. Eine Änderung kam am Samstag, den 14. Oktober, als Artilleriebeschuss die Straße Gevenich-Hottorf-Müntzerweg abtastete. Drei Hitlerjungen wurden verletzt, zwei sollen davon gestorben sein und ein Soldat blieb tot. Dazu zwei Pferde von Vaehsen am Müntzerweg, eine Kuh von Frau Esser, ein Fohlen von Gerwin Schmitz, Deuser Nikolaus Scheune brannte, Josef Lievens Haus (Hausnr. 9 – direkt gegegenüber der Kirche) wurde getroffen, Esser Hausnr. 3 Hof, bei At. Mütz (Hausnr. 41) wurde ……..getroffen und bei Schmitz Wilhelm (Hausnr. 48) die Scheune. Ich kam gerade von Grefrath oder Kleinenbroich zurück, wohin ich persönlich Sachen gebracht hatte, daraufhin ließen sich evakuieren die Milchverkäuferin Frau Gertrud Schiffer (Hausnr. 23), Ana Schiffer (Hausnr. 26), Familie Wilhelm Schmitz (Hausnr. 98), Peter Schiffer, August Brack.
    Nachzutragen wäre, dass drei Tage vorher Hitlerjugend aus dem Siegkreis von Tetz nach hier verlegt wurde, die infolge des Beschusses querfeldein abrückte. Tags vorher waren fünf Salven auf die Bunkerlinie der Gevenicher Straße ab-gegeben worden. Von da an kamen viele Nächte Artillerieschüsse über Hottorf zum Teil bis Titz. Ängstliche, fast die Hälfte Hottorfs schlief von da ab im Keller. In dieser Zeit war fast andauernd Fliegeralarm, da fast immer feindliche Flieger kreisten. Manchmal wurde der Gottesdienst viel später begonnen oder nachmittags nachgehalten.

  1. Ab 15. Oktober brauchte man sich wegen der Frontnähe nicht mehr um Alarm zu kümmern. Seit dieser Zeit war auch das Bürgermeisteramt Körrenzig nach Hottorf verlegt im Haus Schmitz Hausnr. 25 und die Amtskasse war bei Krau-thausen Nr. 62. Als Ersatz für die Hitlerjugend kamen ca. 500 Kölner, die in Massenquartieren in der Schule, im Saal von Mütz und Scheunen lagen. Als Führung hatten sie politische Leiter. Ein Schanzer schrieb später nochmals, ein Oberzollinspektor Peter Mai.
    Der Brief aus Dezember 1945 befindet sich im Beitrag „Geflüchtete kehren zurück„.
    Diese politischen Leiter wurden später, Anfang November abgelöst, weil sie Unterschlagungen an Esswaren für die eigenen Leute begangen hatten. Damals begann man die Flüchtlinge langsam herauszudrücken. Nur vereinzelte gingen. Von der Ortsgruppenleitung – die Zivilverwaltung hatte nichts mehr zu sagen; schon seit dem 20. Juli nicht mehr – wurde die Bevölkerung aufgefordert, freiwillig sich evakuieren zu lassen. Seit Anfang Oktober waren alle männlichen Personen von 16 – 55 Jahren im Volkssturm zusammengefasst. Zum Schanzen wurden alle Männer bis 65 Jahre erfasst. Der Volkssturm baute am Sonntagmorgen Panzersperren.
    Das Christkönigsfest feierten wir noch in gewohnter Weise. Für alle Kinder begann der Erstbeichtunterricht in der Vikarie.

November 1944

  1. Allerheiligen störten Tiefflieger, die Bomben einen Kilometer entfernt bei den Bunkern zwischen Gevenich warfen, den meisten Leuten des Zuhörens bei der Predigt. Wir zogen kurz noch auf die Gräber.

  1. Am 7. November beerdigten wir Theodor Koch aus Ederen. Der Pastor Plum aus Ederen erschien persönlich aus Mersch. Die Front war damals bei Lindern-Gereonsweiler-Ederen-Bourheim

    Für die abgerückten Kölner Schanzern kamen Ausländer, Frauen und Männer mit Berliner politischen Leitern, um Ordnung zu schaffen, „extra von Dr. Goebbels geschickt!“ 

Als Beispiel, wie sich Partei und Wehrmacht oft gegeneinander stellten, diene folgendes: Ein SS-Feldwebel, der die Ortskommandatur vertrat, – Ortskommandant war ein Oberleutnant, der bei von Meer in Quartier, seit dem die Artillerie Anfang September nach hier kam, ging die Häuser nach, um Massenquartiere zu schaffen. Er geriet im Haus des P. Bergrath, wo der Führer Pelzer der Fünfhundertschaft Schanzarbeiter in Quartier war, mit diesem Pelzer aneinander. Pelzer lag im Bett, es war halb zwölf nachts. Da wollte dieser SS-Wachtmeister die Räume des ganzen Hauses beschlagnahmen. Der Hauseigentümer machte darauf aufmerksam, dass alle Räume von der Fünfhundertschaft in Beschlag genommen seien. Der SS-Kerl wollte ins Zimmer des Pelzer, das abgeschlossen war. Nach wiederholter Aufforderung, das Zimmer zu öffnen, bekam er von Pelzer die Antwort, die Zimmer seien von ihm belegt. Der SS-Kerl trat darauf mit dem Stiefel die Tür ein. Pelzer sprang aus dem Bett und griff zu seinem Dienstrevolver. Ebenso zückte der SS-Feldwebel den Revolver. So standen sie gegeneinander. Bergrath trat vermittelnd dazwischen und bat, nicht zu schießen. Sie ließen die Waffen sinken und Pelzer fragte den SS-Kerl nach seinem Namen und Truppenteil. Erst nach zweimaligem  Fragen und nachdem Pelzer gesagt hatte: Er kenne doch die Bestimmungen, wer die Oberhand habe, gab der Feldwebel Namen und Truppenteil an. Da verzog er sich und keine Einquartierung kam.

Daraus ist klar zu ersehen, „dass die Partei den Krieg führte“. So hatte das  ja schon am 4. September der Amtsbürgermeister PG Reiner Pickartz  auf der Körrenziger Rurbrücke gesagt. Und „es wird nicht mehr gesäet. Schanzen geht vor. Wir haben zu bestimmen.“

Erste Brandbomben erreichen Hottorf

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| Fliegeralarm und Brandbomben |

Die Nacht vom 30. zum 31. August 1943 wird für viele unvergeßlich bleiben. Gegen 12 Uhr nachts wurde Fliegeralarm gegeben, trotzdem keine feindlichen Flugzeuge zu hören waren. Plötzlich gegen halb drei Uhr kamen mehrere hundert Flugzeuge von einem Großangriff auf Rheydt und Mönchengladbach zurück. (Die Feindflüge zum Ruhrgebiet und in den Raum Mönchengladbach berührten fast immer die nördliche  Kreisgrenze.)
Einige wahllos abgeworfene Brandbomben zwischen Hottorf und Ralshoven setzten zwei Fruchtmieten in Brand. Jetzt warfen die feindlichen Bomberpiloten größere Mengen Brandbomben ab und trafen als erstes das Gehöft der Familie Nöthlings. Da die Piloten wahrscheinlich die Kirche als mitten im Dorf gelegen ansahen, regnete es nur so von Bomben am südlichen Teil des Dorfes. Daraufhin entstanden Großbrände bei Gerwin Schmitz, Albert Froitzheim und Witwe Esser. Die Scheunen und Stallungen
brannten restlos nieder. Andere Brandbomben konnten von den Anwohnern zeitig gelöscht werden, womit größerer Schaden abgewendet wurde.

Quelle: Schiffer

Am 30./31. August 1943 fand ein schwerer Großangriff mit 660 Flugzeugen und 556 Toten sowie massiver Zerstörung von Mönchengladbach und Rheydt statt. RAF Bomber Kommandos starteten gegen Mitternacht aus Mittel- und Südengland; Angriffswellen ab 02:00 Uhr, Dauer 73 Minuten bis 04:40 Uhr. Siehe: rp-online

Flurnamen und deren Geschichte

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| Om Acker, Ahl Maar, Danzeberg, usw. |

Im Herbst 1940 erscheint im Westdeutschen Beobachter ein Artikel zur Geschichte von Hottorf. Dort wird inbesondere auf die damaligen Flurbezeichnungen in Hottorf eingegangen und deren Bedeutung hergeleitet.

Die heutigen Flurbezeichnungen kann man auf Online Karten von NRW einsehen.

Hottorf kann auf ein beträchtliches Alter zurückblicken. Ein gewisser Adam von Hottorf baute schon im Jahr 1350 eine Kapelle dort. Die weitere Geschichte Hottorfs lässt sich nur sehr lückenhaft und bruchstückweise verfolgen.

Zunächst bestand hier eine größere Ritterburg, der Stammsitz der Ritter „von Hottorf“. Man nimmt an, dass die ein Überrest des Festungsgrabens ist. Die Freiherren von Palant (die späteren Besitzer von Breitebent bei Linnich) waren die Besitzer dieser Burg. Ihnen folgten die Freiheit von Bremp und die von Bettenhoven.

Um 1400 soll der Besitz in vier Höfe aufgeteilt werden sein. Einer dieser Höfe lag wahrscheinlich gegenüber Erdmanns Keller (in der heutigen Bergstraße). Vor etwa 50 Jahren (also: ca 1890) konnte man dort noch Fundamente sehen. Einer dieser vier Höfe ging im Jahre 1492 in den Besitz der Familie Horrich über, die ihn bis 1700 verwaltete Von 1700 bis 1837 wohnte die Familie Oidtmann dort, dann wurde der Hof von der Familie von Meer übernommen. Dieser Hof ist der einzige, dessen Besitz in einer Hand blieb. Die anderen zersplitterten immer mehr und teilten sich im Laufe der Jahre in kleinere Höfe auf.

Hottorf soll sich von dem 30-jährigen Kriege mehr auf Boslar zu erstreckt haben. Man nimmt an, dass dieser Dorfteil im 30-jährigen Kriege zerstört worden ist. Für diese Annahme sprechen folgende Tatsachen: Die Kirche (früher Kapelle) steht am äußersten Südrand des Dorfes; dagegen war es früher Sitte, dass sie in die Ortsmitte gebaut wurde. Dadurch, dass ein Teil des Dorfes zerstört wurde, kam sie an den Dorfrand. Weiter spricht der zwischen Boslar und Hompesch gebräuchliche Flurname „Am Keller“ dafür. Vielleicht war es ein im 30-jährigen Krieg als Zufluchtsraum dienender Keller mit gut verdecktem und geschützten Eingang, der dann vielleicht erst ein stürze, als man lange Zeit nach jenem Schreckenskriege über den völlig eingeebneten einstigen Dorfteil den Pflug zog. Alte Dorfeinwohner wissen nichts mehr von ihm, doch der Flurname deutet darauf hin, dass der Keller vorhanden gewesen ist. Vielleicht kann der Keller und der zwischen Boslar gefundene Ziegel von einem Einzelgehöft stammen.

Überreste der Kapelle sind wohl die weißgrauen Quadersteine in der Nordwand der jetzigen Kirche. Die Kirche wurde im Jahre 1755, der Turm erst im Jahre 1855 gebaut. Die Glocken sind aus dem Jahren 1653,1763, 1928. Außerhalb Hottorfs liegt die Mühle. Die eigentliche Windmühle, ein großer Holzbau, brannte, als er gerade 100 Jahre alt war, im Jahre 1924 ab. Die eine Riesenfackel leuchtete sie in den dämmrigen Sonntagsmorgen, bis dieses Wahrzeichen Hottorfs mit donnerndem Krachen zusammenstürzte.

Größere Brände entstanden in früheren Jahren in Hottorf sehr häufig. Im Jahre 1752 brannten fünf Häuser nieder, ein Jahr später fielen zwei Häuser dem Feuer zum Opfer, wobei auch zwei Kinder ums Leben kamen. 1831 wurde eine Häuser Partie gegenüber der Kirche, ein Raub der Flammen. Im Hofe von von Meer brach im Jahre 1894 auf Maria Lichtmess und im Jahre 1911 Feuer aus.

Früher tagten die Hottorfer an der Thingbuche, die in der Nähe des Thingbucherhofes (heute: Dingbucher Hof)  stand, und vor ungefähr 20 Jahren (also um 1920) einem Sturm zum Opfer fiel. Bei diesen Zusammenkünften wurden die Leute gewählt, die die Anteile an dem Wald verteilten. Im Wald um Hottorf fanden im Jahr 1770 noch Wolfsjagden statt und im Jahre 1769 wurden nicht weniger als fünf Wölfe zur Strecke gebracht.

Nach der Rodung des Waldes wuchs auf diesem Boden, das Getreide, sehr ärmlich, und das Unkraut in erstaunlicher Üppigkeit. Dank der zähen Fleißes der Bauern ist es heute umgekehrt. Das zwischen Hottorf und Koffern gelegene Land ist bedeutend besser, denn dort wurde der Wald viel früher gerodet. Das beste Land liegt jedoch südlich vom Dorf. Es wird seit Menschengedenken als Ackerland benutzt. Schon der Flurname um „Om Acker“ deutet auf die Güte des Landes hin. Früher baute man in Hottorf, den blau blühenden Flachs und den köstlich duftenden Raps an, ebenso Hopfen, Spelt, Buchweizen und Weid (eine Frucht, aus der man Farbstoff gewann). Der Flurname „Am Mühlendreesch“ erinnert uns an die Zeit, wo der Weid noch angebaut wurde. Auf diesem Stück stand eine Mühle, die den Weid verarbeitete. Bis vor wenigen Jahrzehnten (Ende des 19. Jahrhunderts) klapperten in Hottorf die Webstühle noch in großer Zahl, die den angebauten Flachs verwoben.

Der in früheren Jahren viel stärkere Anbau von Roggen und Gerste ist zu Gunsten der Zuckerrüben und des Weizen zurückgegangen. Viele Flurnamen erzählen uns manchen aus der jüngeren und älteren Geschichte. Zunächst die Namen der im Ort selbst: „Der Veerkesmaat“ trägt wohl seinen Namen daher, weil hier in früheren Jahren der Schweinemarkt abgehalten wurde. Die Namen „Pötzberg“ und „Karusellplai“ sind wohl für jeden leicht verständlich. Der Flurname „Am Lichepaat“ (Leichenpfad) hält die Erinnerung fest an einen Pfad, auf dem die Einwohner von Katzem, die früher zur Pfarre Kofferen gehörten, ihren Verstorbenen nach Koffern brachten, damit sie dort beerdigt wurden. Der Name „Ahl Maar“ erinnert an eine Mulde zwischen Ralshoven und der Hottorfer Mühle. Bei sehr starken Regenfällen floss das aus der Maar im Dorf über fließende Wasser durch einen Graben zu dieser Mulde, wo es langsam versankt. Heute ist dieser Graben über Ralshoven und Hasselsweiler weiter, bis die bei Linnich in die Rur münden Malefink weitergeführt. Die „Ahl Maar“ besteht also heute nur noch als Flurname. Der schon in der Nähe der „Ahl Maar“ gebräuchte Flurname „Em Nesselrot“ ist, wenn der schon um 1600 gebräuchliche Familienname „von Nesselrot“ auf diese Rodungsstelle zurückgeht, sehr alt (Nesselrodungsstelle).

Die Namen „Om Acker“,  „Am Mühlendreesch“ und „Am Keller“ wurden schon vorher erklärt. Im „Immerötchen“ soll nach Ansicht älterer Leute eine Hexe verbrannt worden sein, die den Namen Irma trug. Daher ist das „Imme“; für „rötche“ fand man keine Erklärung. Der Name scheint jedoch anderen Ursprung zu sein. Es kommt wohl von „immer roden“ (vergleiche Immerath), wozu „Immerötche“ die Verkleinerung bildet.

Die Namen „Am Buchenholzbusch“ und „Am Eichenbusch“ gehen auf den im Jahr 1860 ausgerodeten  Buchenholzwald zurück, der sich von Holzweiler bis Rurich zog. Ob der Name „Botterkuhl“ (Buttergrube) auf die Güte des Landes hinweist, oder ob er von der Butterblume kommt, die in erster Zeit nach der Rodung vielleicht reichhaltig in der Mulde gewachsen sein mag, lässt sich heute nicht mehr feststellen. „Grönkuhl“ (grüne Grube) kommt wohl daher, weil hier das Gras üppig wuchs. Die „Krohgrube“ (Krähengrube) muss wohl ein Lieblingsplatz der Krähen gewesen sein. Der Flurname „En der Luh“ erinnert an den früher in der Nähe gelegenen Lohnbusch, an dem eine Sage anknüpft: Ein der Spielleidenschaft verfallener reicher Adliger verlor beim Spiel seinen ganzen Besitz, doch gestattete der glückliche Gewinner ihm noch auf seine Bitte die Ernte der Aussaat. In einem Jahr würde er dann das Land bekommen. Doch der Gewinner wartete vergeblich auf die Nutzung des gewonnenen Landes. Der schlaue Verlierer hatte Buchen gesät.

Die kleine Anhöhe vor Ralshoven trägt den Namen des „Danzeberg“ (Tanzberg). Man erklärt den Namen dahingehend, dass hier einmal der Tanzplatz der Hexen und Feuermänner gewesen ist. Auch spricht man vom „Danzeberger Düfel“ (Teufel).

Quelle: Geschichte des Dorfes Hottorf, Autor unbekannt, Westdeutscher Beobachter : amtliches Organ der NSDAP und sämtlicher Behörden, Ausgabe Jülich, Jahrgang 16 / Nr. 322 im Jahr 1940.
Alle Jülicher Ausgaben des Jahres 1940 sind im Bestand der Universitätsbiliothek Köln

Die im Artikel erwähnte räumliche Ausdehung des Ortes in Richtung Boslar ist allerdings umstritten. Helmut Schiffer widerspricht der Darstellung in seinem Buch von 1977 und verweist auf römische Ziegeleien.

Gerade in diesen Feldern (in Richtung Boslar und Gevenich) kommen auch heute noch vermehrt Ziegel- oder Ziegelreste zum Vorschein, die von römischen Ziegeleien stammen, welche in dem Dreieck Hottorf-Gevenich-Boslar gestanden haben. Da zur Zeit unserer Urväter diese Ziegel bedeutend häufiger und in großer Zahl zu finden waren, nahmen diese an, daß sich Hottorf noch in südlicher Richtung ausgedehnt hätte. (Diese Annahme wurde durch die Tatsache bestärkt, daß sich die Kirche am Südrand des Dorfes und nicht, wie sonst üblich, inmitten des Dorfes befand.) Dieser verschwundene Teil wäre zur Zeit des Dreizigjährigen Krieges entstanden, als sich die Dorfbewohner, aus Furcht vor den kriegerischen Truppen, in den Wald zurückgezogen hätten. Diese Aussagen beruhen aber einzig und allein nur auf der Tatsache, daß unsere Vorfahren in vermehrtem Maße oben genannte Steine fanden und sie sich die Herkunft nicht erklären konnten. Deshalb die Annahme von dem verschwundenen Teil von Hottorf. Heute ist die Herkunft geklärt und als „Römergut“ identifiziert.

Die zweite Frage wäre die der Kirche betreffend. Da Adam von Hottorf im Jahre 1340 Ländereien zum Bau einer Kapelle gab, wurde diese auf dem geschenkten Land errichtet. Dieses Land befand sich neben dem Besitztum des Adam von Hottorf und seines Bruders Ritt er Karsilius, welches heute den unerklärlichen Namen „Stift“ führt. Wäre dieses Land itgendwo anderes gelegen, hätte die Kirche irgendwo anderes gestanden, vielleicht mitten im Dorf. Bei dem Bau der damaligen Kapelle konnte man sich den Standort nicht aussuchen, sonderen man mußte diese dort bauen, wo sich das geschenkte Land befand. Deshalb liegt die Kirche am südlichen Rand und nicht inmitten des Dorfes, wie es sonst der Fall  ist.

Quelle: Schiffer

Erste Einberufungsbescheide zugestellt

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| Zehn Männer einberufen |

Schon ziemlich früh wurde die Hottorfer Bevölkerung mit dem Krieg in Verbindung gebracht. Im August 1940 forderte die deutsche Wehrmacht mehrmals Pferde von den Bauern zu Hottorf, und in der Nacht vom 25. zum 26. August brachte die Polizei morgens gegen 2 Uhr zehn Männern den Einberufungsbescheid.

Am 27. August wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben und wieder wurden mehr als 30 Pferde von der Wehrmacht eingezogen.

Nach und nach wurden viele Leute zum Kriegsdienst eingezogen und die Opfer, die von der Bevölkerung verlangt wurden, wurden immer größer.

Quelle: Schiffer

Gemeinde-Chronik im Jahr 1940

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| 101 Wohnhäuser im Jahr 1938 neu nummeriert |

Bürgemeister Schiffer  schreibt 1940 in seiner Gemeinde-Chronik (Originaldokument als PDF):

Die Gemeinde Hottorf hat im Jahre 1940 rund 480 Einwohner, die zu 90% Landwirtschaft betreiben. Dagegen hatten wir in den Jahren um 1880 herum ungefähr 400 Einwohner, wovon etwa 15% Samt- und Seidenweberei betrieben. Die Weberei war damals auf der Höhe, so dass  die Weber ein sehr gutes Auskommen hatten. Als nun später die Weberei nur noch fabrikmäßig betrieben wurde, und die Weber arbeitslos wurden, begann auch die Landflucht zur Stadt, und daher ergibt sich auch die große Einbuße der Einwohnerzahl. Wir hatten damals in Hottorf 121 nummerierte Wohnhäuser. Als ich im Jahre 1938 die Nummerierung neu vornehmen musste, waren nur noch 101 Wohnhäuser vorhanden, also 16% weniger. Die verschwundenen Häuser wurden meistens vom Nachbar gekauft und abgebrochen oder als Stallung benutzt, weil es meistens alte Lehmhütten waren, die heute keiner mehr bewohnen möchte.

So war damals ein Wohnhaus, wo jetzt Witwe Esser den Pferdestall hat. Als im Jahr 1911 Stallungen und Scheune bei von Meer abbrannten, kauften dieselben das nebenanliegende Wohnhaus um Ihren Hof zu erweitern. Das Besitztum von Hubert Lorenz besteht aus fünf kleinen Wohnhäusern, es ist wohl zu begrüßen, dass in dem engen Raum einmal aufgeräumt wurde.

Der Nebenbau von Mütz war ein Wohnhaus. Auf dem Garten von Witwe Stocken stand ein Wohnhaus mit Scheune und Stallungen. Der kleine Nebenbau von Witwe Nöthlings war ein Wohnhaus Auf dem Platz von Anton Esser Steffens gegenüber standen drei Wohnhäuser. Neben Witwe Dederich auf Koffern zu stand ein Wohnhaus. Hinter dem Hause von Karl Heister stand ein Wohnhaus. Neben dem Hause von Heinrich Görtz Ecke Flurgasse standen zwei Wohnhäuser. In der Flurgasse auf dem Hofe von Rixgens und neben demselben standen je ein Wohnhaus. Neben dem Hause von Wilhelm Schmitz stand ein Wohnhaus mit Stallungen. Neben den Stallungen von Josef Deuser stand ein Wohnhaus mit Stall. Das Haus Deuser gegenüber jetzt Eigentum v. Meer war früher zwei Hauser.

Hiermit sind also 21 Häuser nachgewiesen, die dem Abbruch bzw. dem Umbau verfielen. Dagegen wurde neugebaut: 1 Das Haus von Barbara Honold, dafür wurde das alte Haus abgebrochen, ebenfalls wurde das alte Haus von Geschwister Bergrath abgebrochen und neu gebaut. 3. das Haus von Wilh. Mühlfahrt wurde von Grund auf neu gebaut mit den Stallungen, es war bloß die alte Scheune vorhanden.

Im Jahre 1911 erhielt Hottorf Elektrizität.

Der oben erwähnte Umschwung in der Gemeinde datiert aus den Jahren von 1880 – 1940.

Bürgermeister
Schiffer

Der 2. Weltkrieg bricht aus

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| Überfall auf Polen |

Als Zweiter Weltkrieg (1. September 19392. September 1945) wird der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte im 20. Jahrhundert bezeichnet. Über 60 Staaten waren direkt oder indirekt beteiligt, mehr als 110 Millionen Menschen trugen Waffen. Schätzungen zufolge wurden über 65 Millionen Menschen getötet.

In Europa begann der Zweite Weltkrieg am 1. September 1939 mit dem von Adolf Hitler befohlenen Überfall auf Polen. In Ostasien befand sich das Kaiserreich Großjapan unter Kaiser Hirohito bereits seit Juli 1937 im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg mit der Republik China und ab Mitte 1938 in einem Grenzkrieg mit der Sowjetunion. Der japanische Angriff auf Pearl Harbor Anfang Dezember 1941 eröffnete den Pazifikkrieg. Japan erklärte am selben Tag den Vereinigten Staaten und Großbritannien den Krieg. Kriegserklärungen Deutschlands und Italiens an die USA folgten kurz darauf.

aus: Wikipedia

Mergelgruben im Feld

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| Geschichten ranken sich um die Gruben im Feld |

In den Rur-Blumen erscheint im Sommer 1939 (Jahrgang 18) eine Artikelserie zur Geschichte der Gruben zwischen Hottorf und Lövenich.

Auf den Aufruf an die Leser in der 24. Ausgabe erfolgt eine ausfühliche Stellungnahme von Josef Lützenrath vom Damianshof. In der Ausgabe 26.  Das Thema der „Mergelgruben bei Hottorf und anderswo“ führt dann zu einem weiteren Artikel in der Ausgabe 31 (siehe weiter unten).

Die Gruben sind heute zugeschüttet und nicht mehr erkennbar.  Anderenorts im Rheinland wie zum Bespiel in Pulheim sind zumindestens Hinweise darauf erhalten (siehe Foto). 

Aktuelle Luftaufnahmen von Feldern nördlich von Hottorf zeigen kreisförmige Gebilde, die durchaus auf die alten Mergelgruben hinweisen könnten.

Kreisförmige Gebilde, nördlich von Hottorf, Quelle Google Maps

Woher stammen die Gruben im Hottorfer Feld?

Zwischen Hottorf und Lövenich finden sich im flachen Feld ungefähr 80 Gruben von etwa 30—35 Meter Durchmesser und 4—6 Meter Tiefe. Es sieht aus, als ob Riesen aus grauer Vorzeit hier ein lustiges Kugelstoßen veranstaltet hätten. Früher waren die Löcher bestimmt tiefer, die Feldarbeit hat sie chon etwas eingeebnet; sicherlich sind sie künstlichen Ursprungs. Bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts wuchs in dieser Gegend noch Wald. Auch in den Gruben standen dicke Bäume, was auf ein hohes Alter der Gruben schließen läßt. Diese eigenartigen Gruben finden sich nur in diesem Teil der Hottorfer Gemarkung, an der anderen Seite des Dorfes sind sie nirgends zu finden.

Zu welcher Zeit und zu welchem Zweck hat man nun diese Löcher ausgefahren? Hierüber bestehen drei Ansichten:

Nach der ersten soll Cäsar, der bekanntlich bei seiner Eroberung Galliens auch einige Streifzüge durch unsere Gegend machte, diese Gruben ausgeworfen haben. Diese Ansicht ist wohl die unwahrscheinlichste. Die Gruben scheinen nämlich jüngeren Datums zu sein, denn ihre Böschungen sind noch ziemlich zäh abfallend. Andere meinen, die Gruben seien zur Zeit des 30-jährigen Krieges von der Bewohnern der umliegenden Dörfer angelegt worden. Hier in den Gruben im dichten Wald hätten die Bewohner vor den wilden Kriegshorden Schutz suchen wollen. Heute noch redet man von einem unterirdischen Gang, der vom Hottorfer Stift aus zu einer dieser Gruben geführt haben soll. Gegen diese Ansicht läßt sich der Einspruch erheben: „Warum so viele Gruben?“ Zwei bis drei hätten wohl genügt, die Bewohner von vier bis fünf Dörfern aufzunehmen. Am wahrscheinlichsten klingt die dritte Meinung, daß nämlich die Bauern früherer Jahrhunderte diese Gruben anlegten, um aus ihnen im Tagebau den Mergel zu gewinnen. An einigen soll noch eine langsam ansteigende Ausfahrt zu erkennen sein. (In späterer Zeit holten die Bauern den Mergel aus Schächten mit Querstollen, sogenannten Mergelspötzen, heute nimmt man statt Mergel Kalk.) Wenn die Gruben auf diese Art entstanden sind, kann man sich ihre große Zahl erklären, wenn man bedenkt, daß der Mergel jahrhundertelang auf diese Art gewonnen wurde. Unerklärlich bleibt dann nur, warum nicht auch in anderen Gemeinden solche gruben neben zu finden sind.

Wer von unseren Lesern weiß eine andere Erklärung dieser Gruben, oder wer kennt ähnliche in anderen Gemeinden?
Es wäre doch von Interesse, ein weiteres Vorkommen dieser Gruben in unserem Kreis und die Gründe zu ihrem Entstehen einmal festzustellen. Nähere Einzelheiten werden von den Rur-Blumen veröffentlicht.

aus: Rur-Blumen, Jg. 1939, Nr. 24

Auf diese Frage in Nr. 24 der Rur-Blumen erhalten wir folgende Antwort, welche wir nachfolgend im Wortlaut wiedergeben. Die Schriftleitung.

Woher stammen die Gruben im Hottorfer Feld? So lautete die Frage und mutmaßliche Antwort darauf in den
Rur-Blumen am 17. Juni 1030, zu deren Stellungnahme die Schriftleitung ihre Leser auffordert. Ich will diesem Wunsche nachkommen.

Die ersten beiden Ansichten bezgl. der geschilderten Gruben und ihrer Entstehung gehören samt und sonders in das Reich der Märchenwelt und einer kindlich überspannten Phantasie, und es verlohnt sich tatsächlich nicht, auf diesen Unsinn einzugehen und hierfür Druckschwärze und Papier zu vergeuden. Aber ebenso bestimmt und sicher trifft die 3. Ansicht zu, daß es sich nämlich um sog. Mergelgruben handelt, die von einem rührseligen Heimatforscher vielleicht bei Nacht und Nebel als etwas ganz Absonderliches entdeckt wurden. Aber dies ist ja eine eigene Angelegenheit, die jedem Tierchen sein Pläsierchen lassen soll.

Jeder ältere Bauer, der im letzten Haarwechsel steht, erinnert sich noch an die Zeit, wo man den Mergel seines hohen Gehalts an kohlensaurem Kalk wegen sehr schätzte und ihn deshalb an Ort und Stelle grub, wo er sich befand und verwendet werden sollte. Selbstverständlich ist dieses Naturprodukt anorganischer Bestandteile nicht in allen Gegenden so stark und so hochwertig abgelagert, daß sich der Abbau des Mergels auch lohnte. Je nach Beimischung mit Sand, Ton etc. unterscheidet man hoch- und minderwertigen Mergel. Den größten Kalkgehalt besitzt augenscheinlich der Mergel, worin man die sog. Mergelmännchen vorfindet. Es sind dies weiße längliche Kalkstückchen in der Form und Größe etwa eines Kokons (Puppe) der Seidenraupe. Und weil der Mergel ebensowenig wie auch Torf, Kohle, Erze, Sand, sich nicht überall vorfindet, deshalb schon treffen wir logischerweise auch nicht in allen Gemeinden und Landstrichen solche eingefallenen oder eingeebneten Mergelgruben an, wie das in Hottorf der Fall ist. Es braucht auch nicht jede frühere Schindsgrube oder alle Patschgrübe deshalb schon ein Römergrab zu sein, wenn auch von Kindskindern dort grobe Knochen und alte Tonscherben gefunden werden. Generell bezeichnet man einen Boden, wo sich Lehm und Mergel im Gemisch vorfindet, als Lößboden, der bekanntlich sehr fruchtbar ist. Der Lehm, als weniger kalkreich, ist von rotbrauner Farbe, während der Mergel kalthaltig und hellgelb ist. Die Schichtung von Lehm und Mergel ist sehr verschieden, und deshalb mußte sich die Gewinnung des letzteren auch der örtlichen Lagerung anpassen ähnlich wie bei Torf und Kohle, im Tagebau oder Schachtförderung. Landläufig spricht man von Mergelköpfen, wo im Laufe der Zeit der oberschichtige Lehm durch starke Niederschläge und Schneewasser abgewaschen wurde. Dort tritt vielfach der Mergel beim Pflügen schon zu Tage. An solchen Stellen vollzog sich natürlich der einfachste und billigste Abbau durch Abgraben und Abfahren des Mergels zu der nächsten Verwendungsstelle. Und hierbei entstanden dann die vorgefundenen Gruben von 30—10 Meter Durchmesser, die nunmehr, nach vielleicht einem Menschenalter, schon zu den bedenklichsten Phantastereien aus der Urzeit, zwar irrtümlich, Anlaß boten. Nun liegt aber nicht überall im Flachland der früher so begehrenswerte Mergel so flachgründig, sondern er liegt unter einer mehr oder weniger hohen Lehmschicht, oft 3, 4 und mehr Meter lief in der Erde. Hier war man zu Großvaters Zeil noch gezwungen Mergel „auszupötzen“, d. h. es musste erst ein Schacht senkrecht in die Erde getrieben werden, wie beim Brunnenbau oder beim „Sandgziehen“, ehe man auf den Mergel stieß. Bis in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde im Winter, wenn die Maurer ihrem Beruf nicht mehr nachgehen konnten, im Akkord Mergel gepötzt ober gezogen. Einer füllt mit einem kurzstieligen Spaten im Pötz den Korb, während oben zwei Männer den anderen aufgepötzten Korb entleerten. Die benutze Seilwinde mußte schon recht stabil sein, weil so ein Korb Mergel recht schwer war. Um die Abraumarbeiten zu ersparen und die Ergiebigkeit an Mergel für einen größeren Bedarf voll auszunutzen, wurden sog. Querstollen seitlich in die Erde getrieben. Man konnte dies ohne Gefahr des Einstürzens, weil der Mergel bekanntlich stand, … (hier fehlt eine Zeile in der Kopie)
gepötzt als unlohnend oder voll ausgebeutet aufgegeben, dann wurden die Querstollen des Schachtes mit den zur Zeit der häufigen Waldrodungen reichlich vorhandenen Baumstämmen, auch mit Schanzen oder Abfallholz, abgeriegelt und der Einsteigeschacht mit dem abgeräumten Lehm und sonstigen verfügbaren Erdmassen wieder zugeschüttet. Im Laufe der Zeit verfaulte das verwendete Holz in der Erde, und das meist reichliche Winterwasser spülte die lockere, eingefüllte Erde in die offen gebliebenen Querstollen, sodaß sich in den früheren Schächten größere Hohlräume bildeten und bei stärkerem Druck auf die Oberfläche schließlich nachgaben und einstürzten. So bestand die Gefahr, daß nach Verlauf von Generationen, wenn niemand mehr an das Vorhandensein der Mergelpötze dachte, oder die betreffende Parzelle den Besitzer gewechselt hatte, plötzlich Pferde und Pflug in die Tiefe einsanken, die
dann mit Mühe und Not ausgegraben werden mußten oder auch schon mal zu Schaden kamen. Solche nicht wünschens-
werten Vorkommnisse sind aber nicht nur im Kreise Jülich, sondern auch auf der Gilbach seit Jahren bekannt geworden. So war Schreiber dieser Zeilen vor einigen Jähren Augenzeuge, wie beim Getreidemähen mit einem Traktor ein merkwürdiges Loch im Boden entstand, von der ungefähren Größe eines Pferdetrittes. Beim näheren Zustehen löste sich durch leichtes Nachstoßen mit dem Stock der Boden in einer Rundung von 1,5 Meter und polterte etwa 3 Meter in die unheimliche Tiefe. Hätte der Traktor mit dem Selbstbinder zum 2. Mal dieselbe Stelle passiert, so wäre ein unabsehbares Unglück geschehen. Solche Bodensenkungen sehen einem Granattrichter sehr ähnlich und müssen wiederholt zugefüllt werden, weil die alten seitlichen Querstollen nicht so leicht vollgestopft werden können und man dies am zweckmäßigsten mit Wasserspülung erreichen kann. Mit der Verwendung des gebrannten Stückkalkes und des neuzeitlichen, hochprozentigen Sackkalkes ist der Mergel jetzt ausgeschaltet worden, und mit dem Verschwinden und Vergessen der sagenhaften Mergelgruben gehört auch sehr bald diese letzte idyllische Romantik des Flachlandes der Vergessenheit an.

aus: Rur-Blumen, Jg. 1939, Nr. 26

offen: Digitalisierung und Widergabe des dritten Artikels “ Mergelgruben bei Hottorf und anderswo“ aus dem Archiv der Rur-Blumen

Krippe im Hochaltar

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Das Bild zeigt die Krippe, die in den Hochaltar hinein gebaut wird.

Krippe 1938

Ausflug der Volksschule

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Nach Monschau

Der große Schulauflug erfolgte am 20. Juli 1936. Mit über 60 Personen ging es über Düren, Nideggen, Heimbach , Maria Wald nach Cochem. 
Davon stammt das folgene Foto:

Ein weiteres Gruppenfoto.

Das genaue Jahr der Aufnahme ist unbekannt, vermutlich 1935
(+/- 2 Jahre)

Hottorf kommt zum Amt Körrenzig

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| Bürgermeisterei Hottorf aufgelöst |

Am 01. April 1936 wurden die Gemeinden Boslar, Gevenich, Glimbach, Hottorf, Körrenzig und Tetz zum Amt Körrenzig zusammengefasst.

In Folge der bereits 1932 geplanten kommunalen Neugleiderung im Kreis Jülich war die „Bürgermeisterei Hottorf“  zwischenzeitlich aufgelöst worden.

Gründung der Freiwilligen Feuerwehr

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Erste Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Hottorf.
Die spätere Neugründung erfolgte nach dem zweiten Weltkrieg im Jahr 1946.

Gründung des heutigen Bistums Aachen

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| Peter Vogt wird neuer Bischof |

Grundlage für die Wiedererrichtung des Bistums Aachen in seiner heutigen Zirkumskription wurde das 1929 zwischen dem Hl. Stuhl und dem Freistaat Preußen geschlossene Konkordat, das von Nuntius Eugenio Pacelli (dem späteren Papst Pius XII.) und vom preußischen Ministerpräsidenten Otto Braun am 14. Juni 1929 in Berlin unterzeichnet wurde.

Es folgten am 13. August 1930 die Päpstliche Bulle „Pastoralis officii Nostri“ und das „Dekret des Apostolischen Nuntius in Deutschland betr. Domkapitel und Cirumscripto der Diözese Aachen“ vom 31. August 1930.

Damit war der altehrwürdige Dom zu Aachen wieder Kathedralkirche geworden. Und am 25. März 1931 schließlich wurde Joseph Heinrich Peter Vogt, zuvor Dompropst und Generalvikar in Köln, als Bischof in Aachen eingeführt (+ 5.10.1937).

Patronin des Bistums Aachen ist die Gottesmutter, Titularfest der 15. August, Mariä Himmelfahrt.

Weltmission 1930

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In regelmäßigen Abständen wird für die Anliegen der Mission gebetet, so auch 1930 vom 11. bis 18. Mai

65 Jahre Männergesangsverein

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| Vortrag mehrstimmiger Gesangsstücke |

Wie im Beitrag „Gründung des Männergesangsvereins „erwähnt, war der Verein über die Grenzen von Hottorf bekannt und unterhielt rege Beziehungen zu Gesangsvereinen in der Umgebung.  Helmut Schiffer erwähnt als Ziel des Vereins, „die Ausbildung der Mitglieder zum Vortrag mehrstimmiger Gesangsstücke sowie gesellige Unterhaltung mit Auschluss aller Politk“. Die gesellige Unterhaltung bestand in Theatervorführungen und Tanzveranstaltungen, wobei die Kostüme einem späteren Brand bei Deuser  zum Opfer fielen.

Das 65-jährige Bestehen wurde mit einem großen Sängerfest und Festzug durch den Ort gefeiert.

Der Verein löst sich zum Beginn des 2. Weltkriegs auf.

Offen: Wer hat mehr Informationen zum Sängerfest 198, zu den Fotos oder kennt die Sänger?

 

Bockwindmühle wird Raub der Flammen

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| Brandstifter wird angeklagt |

Radierung der Windmühle von Hottorf
Dei Windmühle von Hottorf in einer Radierung von Peter Hessling (Foto: H. Schiffer)

Die Hottorfer Mühle konnte dem Schicksal, dem auch einige andere Windmühlen im Kreise Jülich zum Opfer gefallen waren, nicht entweichen. Sie brannte am Dienstagmorgen, dem 6 . August 1925, nieder. In der Brandnacht hatte der Müller Jakob Lieven noch bis gegen 4 Uhr morgens gemahlen, hatte dann, wie nach jedem Mahlgang, die Mühle noch einmal kontrolliert und war ins Bett gegangen. Das Wetter war diesig und Nieselregen war die ganze Nacht hindurch gefallen. Um halb fünf Uhr waren noch einige Hottorfer Bürger von einer Tanzveranstaltung in Hasselsweiler  an der Mühle vorbeigekommen, hatten aber nichts Außergewöhnliches entdeckt. Gegen 5 Uhr morgens stand die Mühle jedoch in Flammen, siebrannte vollkommen nieder. Als das schwere Achsenkreuz in die Tiefe fiel, wurde der Aufschlag noch selbst im Ort gehört.

Die Familie Lieven vermutete Brandstiftung, und führte diesbezüglich auch einen Prozeß gegen den Verdächtigen. Aber man konnte ihm nichts beweisen und so wurde der Mann aus Jülich wegen Mangel an Indizien schließlich freigesprochen.

Die Windmühle wurde nicht mehr aufgebaut. Jetzt wurde nur noch mit der Dampfmaschine gemahlen. Als die Mühle schließlich auch an das elektrische Netz angeschlossen wurde, hatte die Dampfmaschine ausgedient.

Während des zweiten Weltkrieges wurde die Mahltätigkeit weitgehend eingestellt. Mit Ende desselben wurde der Betrieb wieder aufgenommen, da die Mühle keine Zerstörungen zu verzeichnen hatte.

Nach und nach setzten sich aber immer weiter die fabrik-mäßigen Großmühlen durch und die Kleinmühlen hielten der Konkurrenz nicht stand. Als die Konkurrenz zu groß wurde, stellte de r letzte Müller der Hottorfer Mühle, Edmund Dolfen, ein Enkel der  Helene Lieven, den Betrieb Ende der 60ziger Jahre ein. Somit erlosch nach 5 Generationen jeglicher Mahlbetrieb und die Hottorfer Mühle lebt nur noch in der Erinnerung weiter.

Zu der Geschichte der Hottorfer Mühle sei mir noch eine kleine Erzählung gestattet. Wenn der Müller die Flügel in eine bestimmte Stellung brachte, war dies ein Zeichen für die Leute auf den Feldern, nach Hause zu gehen, denn dann nahte ein Gewitter. So hat der Müller manchem Hottorfer die Nässe erspart, denn allen war das Zeichen bekannt. Woher er die Nachricht bezog, daß ein Gewitter naht, ist nicht bekannt. Vielleicht war es der sechste Sinn!

Die Angaben zur Geschichte der Hottorfer Windmühle verdanke ich den auf der Mühle geborenen Geschwistern Lieven, Nikolaus Lieven und Frau Caecilia Mühlfart, geb. Lieven.

Quelle: Schiffer

Die oben erwähnte Stellung der Windmühlenflügel wird im Artikel aus den Rur-Blumen (Nr 18 – 1933) zur Düppelsmühle bei Titz beschrieben:
„Nicht allgemein dürfte es bekannt sein, daß die Stellung der Windmühlenflügel in Ruhezeiten nicht von ungefähr ist. So bieten die Flügel an Sonntagen das Bild eines aufrechtstehenden Kreuzes (+), während an hohen Festtagen wie auch bei Dorffesten die Flügel die Stellung eines liegenden Kreuzes (X) haben. Auf Veranlassung der Feuerversicherungen haben die Flügel die letztere Steilung auch bei Gewittern, um so der Blitzgefahr weniger ausgesetzt zu sein

Dekanat Hasselsweiler entsteht

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| Änderung in kirchlichen Strukturen |

Die Hottorfer Pfarre kommt zum neu errichteten Dekanat Hasselsweiler.

„Das Dekanat gehörte ursprünglich zur Christianität Jülich im Archidiakonat des Kölner Domkapitels. Auch in der Zeit Angliederung des linksrheinischen Gebiets an Frankreich wurden bei der neuen Organisation des ersten Bistums Aachen die Pfarren des heutigen Dekanates Sukkursalen im Kanton Jülich.

Als 1821 die Diözese Aachen aufgehoben, die Erzdiözese Köln wieder errichtet und die alte Einteilung nach Dekanaten wieder eingeführt wurde, kam das Gebiet zum Dekanat Jülich. 1925 wurde es abgetrennt und als Dekanat Hasselsweiler gegründet.“

Aus: Handbuch des Bistums Aachen. Zweite Ausgabe, hg. vom Bischöflichen Generalvikariat Aachen, Aachen 1962, S. 235.

Für die Anliegen der Mission

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| Missionsbildchen erinnern |

In regelmäßigen Abständen wird für die Anliegen der Mission gebetet.
Zu Gedenken daran werden Missionsbildchen verteilt.

1920: vom 30. Mai bis 6. Juni 

Opfer des 1. Weltkriegs

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| 24 Hottorfer sterben |

In den vier Kriegsjahren seit 1914 hatten fast zehn Millionen Soldaten ihr Leben verloren, 20 Millionen waren verwundet worden. Die Anzahl der zivilen Opfer wird auf weitere sieben Millionen geschätzt (Quelle: Spencer Tucker (Hrsg.): The Encyclopedia of World War I. A Political, Social and Military History. Santa Barbara 2005, S. 273).

Die Opfer des Ersten Weltkriegs sind:

Anton von Berg
Heinrich Görtz
Josef Krieger
Hermann Rixgens
Bernhard Esser
Heinrich Schmitz
Josef Wirtz
Johann Flesch
Konrad Herbergs
Josef Emmerich
Heinrich Breuer
Heinrich Flesch

Franz Deuser
Josef Vaessen
Jakob Breuer
Josef Esser
Heinrich Escher
Hubert Claßen
Wilhelm Schiffer
Wilhelm Schiffer
Karl Nöthlings
Hermann Nyuss
Heinrich Emondts
Wilhelm Brack

Soldaten kehren heim

Von aus dem Krieg heimgekehrten Truppen und Soldaten existieren einige Fotos: 

Foto um 1914 zeigt Feldwebel Reitz
Foto um 1914 zeigt Feldwebel Reitz aus Hottorf, Quelle: Jülicher Heimatkalender

noch offen: weitere Bilder liegen vor und werden ergänzt

Marianische Jungfrauen- und Jünglings-Kongregation in Hottorf

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Ab Ende des 19. Jahrhunderts bildeten sich solche Gruppen in zahlreichen Pfarreien als kirchliche, kulturelle und gemeinnützige Vereinigung für schulentlassene und unverheiratete Frauen und Jünglinge. Ziele waren die sittlich-religiöse Unterweisung, das gesellige Beisammensein sowie die Veranstaltung von Theateraufführungen und Wallfahrten. Die religiöse Erziehung in der Vereinigung zeichnet sich durch die Marienverehrung aus.

(aus: Jugend Deutschland! 1918-1945)

So wurde auch in Hottorf am 3. Dezember 1913 in der Amtzeit von Pfarrer Müller jeweils eine Kongregation für „Jungfrauen“ und „Jünglinge“ gestiftet und eingerichtet.

Die  erste Aufnahmen erfolgten am 18. Januar 1914, wo 67 Mitglieder aufgenommen wurden. Weitere Aufnahmen sind wie folgt datiert:

  • 2. Aufnahme am 20.12.1914 von 12 Mitgliedern
  • 3. Aufnahme am 08.12.1916 von 14 Mitgliedern
  • 4. Aufnahme am 24.02.1918 von 14 Mitgliedern bei der Gelegenheit von Excerzitien
  • 5. Aufnahme am 08.12.1919 von 10 Mitgliedern
  • 6. Aufnahme am 08.12.1920 von 3 Mitgliedern
  • 7. Aufnahme am 08.12.1922 von 8 Mitgliedern
  • 8. Aufnahme am 08.12.1923 von 9 Mitgliedern bei der Gelegenheit der Mission

Unter dem späteren Pfarrer Schmitt ruhten die Kongregationsarbeit.

Zeitzeugen sind die nachfolgende Satzungen und Gebetheftchen:

Hottorf sammelt 67 Mark zur Nationalflugspende

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Die Nationalflugspende war eine nationale Geldsammelaktion, von der Regierung vor dem Ersten Weltkrieg dazu eingerichtet, die Entwicklung der deutschen Flugzeugindustrie voranzutreiben.
Quelle: Wikipedia

Das Kaiserreich führte eine allgemeine Spendenaktion durch, die in Hottorf ein Ergebnis von 67 Mark beitrug.

Anschluss an das Elektrizitätsnetz

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In der Gemeindechronik aus dem Jahr 1940 erwähnt Bürgermeister Schiffer, dass Hottorf im Jahr 1911 Elektrizität erhält.

Postkarte aus 1910

Konrad Müller grueßt mit Zeppelin

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| Luftfahrtpionier mit Hottorfer Wurzeln |

Im Jahre 1883 wurde in Düsseldorf Konrad Müller geboren. Ein Jahr später war er in Hottorf, denn dort wurde er von Verwandten großgezogen. Er besuchte auch hier die Schule, um anschließend als Mechaniker zu arbeiten. Nach umfangreichen Studien im In – und Ausland wurde er an die Zeppelinwerft nach Friedrichshafen gerufen, um dann im Jahre 1909 als technicher Führer des „Z2“ (Zeppelia 2) die ersten Kölner Luftmanöver mitzumachen.

Man schrieb den 20. November 1909. Gegen 10 Uhr traffen die ersten Nachrichten in Jülich ein, daß der “ Z2″ in Köln aufgestiegen sei, um eine Erprobungsfahrt nach Aachen zu machen. Diese war im Jahre 1909 eine Sensationsmeldung und der ganze Kreis Jülich stand Kopf, mußte doch der Zeppelin über Jülich fliegen. Aber die Enttäuschung war groß, denn um 12 Uhr erreichte der Zeppelin Aachen, ohne daß irgendein Rurländer denselben gesehen hatte. Aber der technische Führer Konrad Müller hatte scinen Heimatkreis nicht vergessen, denn plötzlich tauchte der Riese über Jülich auf und als sich die
Spitze des Zeppelins senkte, glaubten alle Leute, er
würde auf dem Artillerie-Fahrplatz landen. Aber er
landete nicht, sondern Konrad Müller machte elnen Abstecher nach Hottorf, wobei er den Zeppelin, zum Gruße an sein Heimatdorf, sich neigen ließ. Erst dann flog er nach Köln zurück. (Wäre Konrad Müller nicht gewegesen, hätte Hottorf und der Kreis Jülich den Zeppelin nie gesehen und wäre damit um eine Sensation ärmer gewesen. )

Quelle: Schiffer

Im (abgebaggerten) Ort Langweiler bei Aldenhoven hat der der Luftfahrtpionier und Zeppelinkonstrukteur Konrad Müller (1883–1968) länger gelebt haben. Er überflog Langweiler auch im März 1936 per Zeppelin. Das heutige „Neu-Langweiler“ in Kinzweiler ehrt ihn mit einer Konrad-Müller-Straße.

Pfr. Rosellen stirbt nach knapp 15-jährigem Dienst

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Am 6. Januar entschläft Pfarrer Rosellen nach knapp 15-jährigem Dienst in Hottorf. Der kranke Pfarrer Anton Heinrich Schmitz tritt seine Nachfolge an, in der Hoffnung auf eine weitere Gesundung in Hottorf. 

Diese Erwartungen werden nicht erfüllt. Er stirbt am 20. Juli 1912 nur vier Jahre nach seiner Amtseinführung am 25. April. 1906. In dieser Zeit wird die Hl. Messe von Patres zelebriert. 

Erste Bank in Hottorf

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| Auf Initiative des Bauernvereins |

Von den … Vereinen möchte ich an erster Stelle den „Bauernverein“ nennen. Dieser wurde zu Beginn des 19. Jahrhunderts gegründet. Auf Initiative der Bauern wurde bereits im Jahre 1906 die erste „Bank“  in Hottorf eröffnet ( Spar – und Darlehenskasse)

Quelle: Schiffer

Später gibt es auch eine Filiale  der Volksbank Jülich in Hottorf, ein Hinweis auf die Wohlhabenheit der Bevölkerung.

Bau des Vikariehauses

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Das sogenannte „Vikariehaus“ wird um die Jahrhundertwende gebaut. Heute trägt es die Hausnummer 13 in der Georgstraße (Familie Blau).

Die Baukosten betragen 2.200 Thaler, die ebenso wie die Kosten für die Orgel in Höhe von 2.100 Thalern durch freiwillige Spenden finanziert werden.

Laut Rur-Blumen „Während des Zeitraumes von 1848-1861 im Kreise Jülich ausgeführten kirchlichen Bauten“ ist dort das Vikarigebäude aufgeführt.

Als das Haus nicht mehr von den Vikaren bewohnt wurde, vermietete der Kirchenvorstand dieses Haus.

Bis zum Bau eines Jugendheimes im Jahre 1972 war in dem Vikariegebäude die Bücherei untergebracht.

Siehe auch Beitrag:

 

Zur Währungsangabe in Thaler:

Der T(h)aler ist eine alte Silbermünze bzw. Währungseinheit in vielen deutschen Staaten.Der Taler entstand im 16. Jahrhundert aus den sogenannten „Guldengroschen“ (u. a. Joachimstaler) und verbreitete sich danach im ganzen Heiligen Römischen Reich und darüber hinaus. Er blieb in Deutschland – zuletzt als Vereinstaler – bis zur Reichswährungsreform nach 1871 in Gebrauch und wurde erst 1907/1908 endgültig aus dem Zahlungsverkehr genommen, als die Mark alleinige Währung wurde.

Staatsgehalt für Pfarrer Rosellen

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Im 19. Jahrhundert gab es in Preußen ein festes Staatsgehalt für Pfarrer, da die Kirche und der Staat eng miteinander verbunden waren.

  • Ab 1817 gab es die „Evangelische Kirche in Preußen“, die vom Staat organisiert und finanziert wurde.
  • Auch katholische Priester erhielten ein Staatsgehalt, da Preußen nach den Eroberungen im Rheinland und Westfalen große katholische Gebiete hatte.

So erhielt auch Pfarrer Rosellen ein Staatsgehalt, das der Bürgemeister bewilligt hat:

Wortlaut der Urkunde No. 692 vom 04.06.1892:

Euer Hochwürden benachrichtige ich im Auftrage der königliche Regierung durch Verfügung von 24. Mai cur. II 2293 Ihnen aus Gründen der Billigkeil vom 1. April d. Jahres ab ein Staatsgehalt von 400 Mk, zahlbar vierteljährlich postnumerando bewilligt hat.

Der Bürgermeister von Hottorf
Aretz

 Quelle: Pfarrarchiv Urkundenbuch 1751-1966, Nr. 53

Siehe:

 

Erste zivile Karte des Rheinlands

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| Internationale Meterkonvention und Höhenlinien |

„Über einen Zeitraum von nahezu 50 Jahren seit dem Beginn der Landesaufnahme waren die Uraufnahmen selbst wegen des mangelnden militärischen und zivilen Interesses nicht mehr vervielfältigt worden. Erst um 1860 wandelte sich das Interesse von ziviler Seite her. Besonders von Seiten des Bergbaus bestand ein wirkliches Verlangen nach Karten im Maßstab 1: 25.000. Ab 1868 stellte der Generalstab diese Kartenblätter, die ursprünglich nur für die Ableitung von Folgemaßstäben herangezogen werden sollten, dem Preußischen Handelsministerium zur Verfügung. Da die jetzt veröffentlichten Kartenblätter aber bereits zwischen 1836-1850 aufgenommen worden waren und erst 20 Jahre später ohne weitere Aktualisierungen in den Handel gelangten, wurden sie in einigen Teilen Preußens abgelehnt. In der Folgezeit wurde der Ruf nach aktuellen Karten immer dringlicher. Der Grundstein für die Neuaufnahme war somit gelegt. Ab 1875 wurde das gesamte preußische Staatsgebiet noch einmal neu aufgenommen, nunmehr in der durch die Internationale Meterkonvention von 1875 vereinbarten Maßeinheit Meter. Man übernahm von den Urmesstischblättern lediglich den Blattschnitt, die Projektion und den Maßstab. Die Geländewiedergabe erfolgte nicht mehr in einer Schraffendarstellung, sondern erstmals in Form von Höhenschichtlinien, wobei als Bezugspunkt für eine einheitliche Höhenangabe in ganz Deutschland eine als Normal-Null bezeichnete Niveaufläche eingeführt wurde. Im Vergleich zur Uraufnahme lassen sich in dieser Neuaufnahme deutlich die modernen kartographischen Gestaltungsgrundsätze erkennen, wie z.B. die Gliederung des Wegenetzes, die Darstellung und Begrenzung der Vegetation, die Wiedergabe der Verwaltungsbezirke, sowie die Beschriftung und der Blattrand, die bis heute den Inhalt und das Aussehen der amtlichen topographischen Landeskartenwerke prägen. Als Herstellungsverfahren wählte man überwiegend die Gravur auf Kupfer oder die Zeichnung auf Lithographiestein

(Beschreibung aus TIM-Online NRW)

Kartenausschschnitt

Ortslage Hottorf
  • Der Buchholzbusch ist gerodet und auf dieser Kartendarstellung nicht mehr enthalten.
  • Im Vergleich zur älteren Tranchot Karte findet man auf diese Karte den Gutshof „Elmpter-Hof“ „gegenüber des Erdmann-Kellers (Bergstraße) nicht mehr.
  • Die Maar erstreckt sich weiterhin vollständig zwischen heutiger Georgstraße und Bergstraße, also inklusive Parkstreifen an der Georgstraße und Spielplatz. Der Weiher setzt sich gegenüber der Dorfstraße im Neubaugebiet fort (entlang der Straße „Am Bildstock“).
  • Der Teil des heutigen Amselwegs in Richtung Wegekreuz nach Kofferen ist als Hohlweg eingezeichnet, was mit der Beschreibung des zweiten Fußfallkreuzes übereinstimmt. 

Quelle: TIM-Online NRW

Die Preußische Kartenaufnahme – Uraufnahme 1836-1850 ist online verfügbar. Man muss diese allerdings manuell bei „Kartenwahl“ (‚+‘-Zeichen) hinzuladen, siehe  Screenshot:

Abriss der Pfarrscheune und Instandsetzung des Pfarrhauses

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| Kirchenvorstand verliert Prozess |

Pfarrer Reinckens und Kirchenvorstand streiten 5 Jahre über die Instandsetzung von Gebäuden am Pfarrhaus:

  • Der Kirchenvorstand dokumentiert in zwei Schreiben vom 22. Juli 1877 und 29. April 1878 seinen Willen zur Instandsetzung der Ökonomiegebäude des Pfarrhauses. Darin wurde Pfarrer Reinckens aufgefordert, die nötigen Reparaturen vorzunehmen.
  • Im Jahr 1878 ersucht der Kirchenvorstand sogar die preußische Regierung, das Pfarrhaus instand zu setzen.
  • Die Ökonomiegebäude müssen repariert werden, der Kirchenvorstand entschied am 12. August 1879, vor Gericht zu klagen: „Da mit dem Pfarrer Reinckens hierselbst auf gütlichem Wege die Instandsetzung wegen versäumter Reparaturen an dem Ökonomiegebäude des hiesigen Pfarrhauses nämlich Scheune und Stallung nicht herbeizuführen ist, so beschloß der Kirchenvorstand welcher in dieser Eigenschaft heute versammelt war, einstimmig gegen den Pfarrer bei Gericht klagend vorgehen zu müßen um den Verfall der Ökonomiegebäude vorzubeugen, mit welcher der Kirchenvorstand sich insgesamt einverstanden erklärte.“
  • Zwischen Kirchenvorstand und Pfarrer kommt es zum Prozess wegen der Instandsetzung der Gebäude, der zu Ungunsten des Kirchenvorstandes ausgeht. Der Kirchenvorstand erklärt einstimmig auf einer Sitzung am 29. Januar 1882 bevor sie „die Scheune dem Nutznießer zum Gebrauch reparieren lassen würden, dieselbe lieber abbrechen zu lassen.“

Deshalb wird die Pfarrscheune einige Zeit später abgebrochen.

Am 24. Juli 1882 wird die Instandsetzung des Pfarrhauses abgeschlossen, es erfolgt die Kostenabrechnung.

Wappenfenster werden durch Hagelschlag zerstört

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| Starke Unwetter |

Wie die Zeitung Rur-Blumen am 1. Oktober 1938 über die Hottorfer Kirche berichtet, werden die Wappenfenster im Jahr 1875 durch Hagelschlag derart beschädigt, dass sie durch andere einfachere, ersetzt wurden.

Foto ist Teil einer Postkarte aus dem Anfang des 20. Jhd.

 

 

Erste Petroleumlampe aus Aachen

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| Zeitalter der Technik bricht in Hottorf an |

Josef Honold bringt die erste Petroleumlampe aus Aachen nach Hottorf.

Die erste Petroleumlampe war angekommen. Heinrich Josef Honold ( geb. 1823, gest. 1875 ) hatte dieselbe von einer Geschäftsreise aus Aachen mitgebracht. ( Er war Fuhrmann und verkaufte in Aachen Getreide, Kartoffeln, Raps und dergleichen. Auf der Heimfahrt fuhr er über Alsdorf, um dort Kohlen zu laden, die er dann in seinem Geschäft in Hottorf verkaufte. ) Diese Lampe wurde nun zuerst von der Nachbarschaft bestaunt und am zweiten Abend war das ganze Dorf versammelt, um das neue Licht zu bewundern. (Bis dahin hatten die Hottorfer nur Öllicht gekannt.) Um eventuellen „Explosionen“ zu begegenen, stand bei der ersten „Inbetriebnahme“ derselben ein Eimer Wasser unter dem Tisch.

Quelle: Schiffer

Gründung des Männergesangsvereins

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| Liederkranz |

Am 01. Mai 1863 wird der Männergesangverein „Liederkranz“ gegründet. Der Verein bestand bis zu Beginn des zweiten Weltkrieges.

Im Oktober 2023 hat der Männergesangvereins Laetitia 1881 e.V. einen Auszug seiner Chronik veröffentlicht, wobei der Hottorfer MGV mehrmals Erwähnung findet: 

  • 1888:

    In treuem Zusammenhalt mit dem Bruderverein Liederkranz Hottorf sang der Verein mit demselben dem Herrn Bürgermeister Aretz in Gevelsdorf zum 25-jährigen Dienstjubiläum am 17. Februar ein Ständchen. Ebenso beteiligte sich der Verein durch Gesangsvorträge und Festrede des Herrn Mühlfart am Jubiläum des hl. Vaters Papst Leo XIII und erwiderte den Besuch des Gesangvereins Hilurin Borschemich, bei dessen Fahnenweihe am 27. Mai und nahm teil am 25-jährigen Bestehen des Gesangvereins Liederkranz Hottorf.

  • 1890:

    Besonders eifrige Sänger waren Wilhelm Lang und Leonhard Schiffer, welche, trotzdem sie in Müntz bzw. in Hottorf in Stellung waren, bei keiner Theaterprobe fehlten und den Weg nach Hasselsweiler nicht scheuten, um bei ihren Sangesbrüdern zu sein. Als Leonhard Schiffer* in Hottorf heiratete, brachte der Verein ihm ein Ständchen. Wilhelm Lorenz hielt im Birnbaume eine Rede, machher hatte die junge Frau alle Mühe, ihren Mann in Hottorf zu halten. Er wollte unbedingt mit den Kollegen wieder nach Hasselsweiler gehen.

  • 1923: Auch wurden Konzerte in Gevelsdorf, Hottorf und Müntz besucht, wo der Dirigent auf einem Konzert, laut Kassenbuch 12.000 Mark für Bier und Zigaretten erhielt. Das Lied „Hänsel und Gretel“ kostete am 1. August 118.704 Mark.

  • 1925: Der Verein besuchte in diesem Jahre die Fahnenweihen und Sängertreffen in Tetz, Hottorf und Titz.

* Anmerkung des Chronisten: Der genannte Leonard Schiffer taucht im Trauungsbuch von Hottorf im Jahr 1890 nicht als Bräutigam auf, sondern als Trauzeuge der Paares Franz Maintz aus Hasselsweiler und Anna Jülicher aus Hottorf (oo 16.11.1890).  

siehe auch Beitrag: 

Zweites Schulgebäude

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Die Gemeinde wird gezwungen, ein zweites Schulgebäude zu bauen.

Noch offen: Im Linnicher Stadtarchiv befindet sich die Schulchronik von Hottorf. Diese wird noch in diese Dorfchronik einfliessen.

 

Testament von Theodor Noethlings

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| Ursprung der Karfreitagsprozession |

Auf das Testament des Theodor Noethlings (Jülich, den 16. Februar 1859) ist wohl der Ursprung der Karfreitagsprozession zurückzuführen. Hier ein Ausschnitt aus der Urkunde:

„Ich vermache den Armen der Gemeinde Hottorf aus der von mir angekauften Parzelle 200 auf dem Müntzerbusch einen Morgen längsseitig neben der Parzelle Nr. 199 gelegen. Dieser Morgen soll verpachtet und der jährliche Pachtpreis alljährlich am Karfreitage unter die besagten Armen von der Armenverwaltung verteilt werden. … Das noch übrig bleibende Viertel von diesem Morgen soll der zeitige Lehrer zu Hottorf erhalten. Für die jährliche Pacht dieses Viertels ist derselbe verpflichtet, am Karfreitage des Nachmittags mit den Schulkindern die sogenannten sieben Fussfälle um das Dorf zu gehen oder bei schlechtem Wetter eine Stunde in der Kirche den Rosenkranz und sonst auf das bittere Leid unseres Erlösers abzubeten.“

Foto aus dem Urkundenbuch im Pfarrachiv:

Beschreibung zur Abfolge der Prozession wohl aus einem Plan für den Chor:
(vermutlich aus den 1980er Jahren) 

 

 

Hauptbahnhof in Köln eröffnet

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Das Verkehrsnetz wird dichter und Köln Verkehrsknotenpunkt: seit 1839 verkehrt im Rheinland die Eisenbahn. 1859 wird in Köln der neue Hauptbahnhof und die angeschlossene Eisenbahnbrücke – die heutige Hohenzollernbrücke – eröffnet.

Genehmigung zur Rodung des Buchholzbusches

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Am 28. Juli 1857 genehmigt die königliche Regierung die Rodung des ganzen Buchholzbusches zwischen Lövenich und Hottorf. Etwa 1972 Morgen, davon 547 Morgen auf Hottorf entfallend, werden „in die historische Kornkammer“ eingegliedert.

Eine ausführliche Berichterstattung zum Buchholzbusch und dessen Abholzung befindet sich im Virtuellen Museum des Erkelenzer Geschichtsverein.

In der Jülicher Volkszeitung erschien im Juli 1950 ein 3-seitiger Bericht zum Ende des Buchholzbusches. Darin wird ausgeführt wie die Teilung und der Verkauf der Parzellen erfolgte. Er erdet mit dem Satz: „Für den ehemals so großen und stolzen Waldbestand im Norden des Kreises Jülich hatte damit das letzte Stündlein geschlagen und die heimat wurde um eine Schöheit ärmer.“ 

Dem Chronisten liegen weitere Unterlagen aus dem Nachlass von Martin Lemm vor: drunter Original-Kaufvertrag einer Hottorfer Familie. Diese werden später gescannt und hier veröffentlicht.

Dazu aus Heinrich Tischler, Sagen des Jülicher Landes 1949:

Wie der Lohbusch bei Boslar entstand

Vor einigen hundert Jahren war unser Heimatkreis noch viel mit Wald bestanden. Jülich war von einem herrlichen Kranz prachtvoller Wälder umgeben. Es war der große Bürgerwald, kurz „Bürge“ genannt, in der Gemeinde Steinstraß, der Güstener und Welldorfer Erbwald, der Patterner Erbwald, der Müntz-Hottorfer Erbwald, der Lohbusch bei Boslar, der Gevelsdorfer Erbwald, der Buchholzbusch bei Hottorf, der Gereonsweiler Busch, der Freialdenhovener Lohbusch, der Hambacher Erbbusch, der Koslarer Erbwald. Die Wälder waren Erbwälder, die mehreren Eigentümern gehörten. Die Erbberechtigung haftete an Person, Familie oder Hof. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Wälder gerodet. So lag auch zwischen Mersch und Boslar früher ein stattlicher Hochwald. Der „Loo“ hieß dieser Wald im Volksmund. Es war die niederdeutsche Bezeichnung fur Wald. Es war ein Erbwald, der zu den Dorfern Bos-lar und Hottorf gehörte und war 185 Morgen groß. In ihm standen einst 21.287 Buchen, 745 Linden und 47 Eichen.

Uber alle ragte ein majestätischer Riese hervor, eine Buche, deren schönen regelmäßigen Stamm drei Männer kaum umspannen konnten. Sie mochte wohl 700 Jahre alt sein. „Soll stehen bleiben bis 2000″, so hatten einst Gebleute – Leute, welchen die jährliche Zuteilung des Holzes an die Berechtigten oblag – in ihre Rinde eingeschnitzt. Als der Wald im Winter 1869/70 gerodet wurde, kaufte Kaplan Lieck zu Boslar die Buche und vergönnte dem ehrwürdigen Künder alter Zeiten noch eine Frist von 10 Jahren, dann wurde auch sie gefällt.

Familie von Meer schenkt erste Orgel

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Der Wert der gestifteten ersten Orgel wird im Stiftungsbuch mit 2.100 Reichstaler vermerkt. Der Bau der Orgel erfolgt zwischen den Jahren 1848 und 1861.

Kaufkraft von 2100 Reichstalern im Jahr 1855

  • Ein Arbeiter verdiente ca. 150–300 Reichstaler pro Jahr.
  • Ein Lehrer oder Beamter verdiente ca. 400–800 Reichstaler pro Jahr.
  • Ein Haus in der Stadt kostete 1000–5000 Reichstaler.
  • 1 kg Brot kostete etwa 4 Pfennige (0,04 Reichstaler) → 2100 Reichstaler konnten etwa 52.500 kg Brot kaufen.

Wortlaut der Urkunde vom 02.09.1895:

Contrakt der Familie von Meer und Kirche zu Hottorf

Der Kirchenvorstand von Hottorf einer- und Fräulein Agnes von Meer, Herr Joseph von Meer und dessen Ehefrau Catharina von Meer geborene von Berg andererseits sind übereingekommen wie folgt:

Art. 1. Fräulein Agnes von Meer, Herr Jos. von Meer und dessen Ehefrau Catharina on Berg schenken der Kirche zu Hottorf eine für dieselbe passende Orgel

Art. 2. Dagegen überläßt der Kirchenvorstand den genannten Donatoren und deren unmittebaren Descendenten, d. h. den Kindern aus der Ehe des Herrn Jos. von Meer und Catharina von Berg den sogenannten d. Oidtmannschen Kirchenstuhl  auf Lebensdauer.

Art. 3. Auch überläßt der Kirchenvorstand dem Herrn Joseph von Meer einen Platz auf der Orgelbühne auf Lebensdauer.

Art. 4. Die Art. 2 u. 3 den genannten Familien gliedern erteilte Bewilligung hört auf, sobald die selben ihre Wohnung nach einer andern Pfarre verlegt haben, auch können sie ihr erworbenes Recht nicht auf Andern übertragen.

Art. 5. Für gegenwärtige Übereinkunft, welche in dusebo ausgefertigt ist, ist die oberörtliche Genehmigung zu erbitten.

gez.  Agnes von Meer
gez. Jos. von Meer
gez. Cathar. von Berg.

Der Kirchenvorstand,
gez. Reinckens, Pfr.:              gez. P. J. Breuer,
gez. Joh. Jos. Niessen,          gez.Reiner von Coellen,
gez. Caspar Mütz,                  gez. Peter Breuer:

Die vorstehende Übereinkunft hat durch die gemäß Art. 72 des Decrets vom 30. Do. 1809 nachgesuchte und erhaltene Genehmigung der Hohen geistlichen Behörde vom 17. April 1857 ihre Gültigkeit erlangt.
gez. Reinchens Pfr.
gez  Peter Breuer
gez. Joh. Jos. Niessen

 Quelle: Pfarrarchiv Urkundenbuch 1751-1966, Nr. 15

Wer sich für  Ahnenforschung interessiert, findet unter dem Menüpunkt Familien weitere Informationen zur Herkunft und den Verwandtschaftsverhältnissen einiger Hottorfer Familien – auch der Familie von Meer.

Die Geschwister Agnes und Joseph von Meer ersteigerten 1839 den Gutshof in der Ortsmitte von Hottorf von der Familie von Oidtmann.

 

Bau des Kirchturms

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Die Kirche erhält den Kirchturm an der Westseite.

Photo ist Teil einer Postkarte aus dem Anfang des 20. Jhd.

 

 

Jakob Offermann – Die Geschichte der Dörfer

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| Bedeutende Bürgermeisterei |

In seinem 1854 erschienen Buch „Geschichte der Städte, Flecken, Dörfer, Burgen u. Klöster in den Kreisen Jülich, Düren, Erkelenz, Geilenkirchen und Heinsberg : nebst statistischen Angaben / nach authentischen Quellen“ fasst Jakob Offermann aus Linnich die Geschichte aus Hottorf zusammen und weist auf dei Bedeutung der Bürgermeisterei hin.

Er erwähnt „Hutorf“ als alte Schreibweise des Ortsnamens.

Um 1854 hat Hottorf 540 Einwohner. In der gesamten Bürgermeisterei wohnen 4.130 Menschen, „worunter 138 Israeliten in den Dörfen Münz, Boslar und Tetz wohnen“. (S. 57, bei Tetz beschrieben) 

Korrektur: Die Brüder Adam und Karsilius gründeten 1340 die Kapelle, nicht wie hier beschrieben die Eheleute Karsilius und Gerta. Diese ware es, die 1420 das Patronatsrecht an Werner Herr von Paland und von Breitenbend übertrugen. 1637, nicht 1630, wurde das Patronatsrecht an die Deutschordenskommende übertragen.

Et Zubbelsdeer zwischen Hottorf und Ralshoven

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| Eine überlieferte Erzählung |

So erzählte Großvater einst seine Begegnung mit dem Zubbelsdeer:

Wir hatten auf Isenkrahe den ganzen Tag schwer gearbeitet und dann bis abends noch einen Namenstag gefeiert. Um 10 Uhr trat ich den Heimweg an. Ich ging damals jeden Samstagabend nach Hause. Ein kalter Novemberwind blies mir ins Gesicht, so dass ich nur mühsam vorwärts kam.

Als ich hinter Ralshoven schon einige Lichter von Hottorf, meinem Heimatorte, sehen konnte, setzte noch ein heftiger Regen ein, so dass mich bald der ganze durchnässte Mantel schwer auf der Schulter drückte. Doch nur weiter, dachte ich, in 10 Minuten bin ich ja zu Hause. Wenn ich nur noch den Danzeberg hinter mir habe, dennoch war es schon immer nicht ganz geheuer, besonders spät am Abend nicht.

Meine Mutter hatte mir schon als kleines Kind angeraten, wenn ich spät abends diesen Weg machen müsste, einen Rosenkranz in der Tasche mitzunehmen, dann könnte mir der Danzeberger „Düvel“ und auch das „Zubbelsdeer“ nichts anhaben.

Ich hatte diesen Rat der Mutter bis jetzt auch immer befolgt, und richtig bis jetzt hatte das Zubbelsdeer mir noch nichts anhaben können. So hatte ich auch an diesem Abend keine Angst, denn ich wusste, in der linken Hosentasche hatte ich einen Rosenkranz, den kleinen, den mit den blauen Körnern. Ich öffnete den Mantel, um ihn mit der linken Hand heraus zu holen. Oh Schreck, der Rosenkranz war weg. Da fiel mir ein, dass er noch in der anderen Hose sei, ich hatte mich ja zur Namenstagsseier umgezogen.

Mittlerweile war ich am Danzeberg angekommen. Es überlief mich kalt bei dem Gedanken, hier ohne Rosenkranz gehen zu müssen. Doch nur den Stock fester in der Hand gepackt und dann mutig weiter. Schon hatte ich den Berg halb hinter mir, da packt mich plötzlich von hinten ein haariger Arm um die Schultern. Ich wollte mich umdrehen und mit dem Stock um mich schlagen, doch die schweren, haarigen Arme pressten sich fest um meinen Körper und um umschlangen meine Arme, so dass jede Gegenwehr ausgeschaltet war.

Langsam und mühsam schleppte ich mich mit dem Zubbelsdeer auf dem Rücken weiter, und ich hoffte, es werde mich freigeben. Doch es umschlang mich immer fester, so dass mir fast der Atem weg ging. Durch plötzliche Springen und durch Hin- und Herenken versuchte ich, den lästigen Gast abzuschütteln, doch alles vergebens. Da kam mir ein guter Gedanke: ich wollte mich ganz vorüberbeugen, dann musste das unheimliche Scheusal vornüber fallen. Gesagt, getan. Ich bückte mich so tief wie möglich, fast mit dem Kopf bis auf die Erde und das Zubbeldsdeer viel. Doch im Fallen ließ es mich nicht los, so fiel ich mit, und da ich meine Hände nicht austrecken konnte, fiel ich mit Brust und Kopf zuerst in den Dreck, mit dem Kopfe gerade auf einen Stein. Mir schwand das Bewusstsein. Als ich mit blutigen Händen und mit einem dumpfen Druck im Kopfe erwacht, konnte ich mich kaum erheben, noch immer hatte der unheimliche Quälgeist nicht von mir gelassen. Da fasste mich eine unbeschreibliche Wut.

Wie wild trete ich mich ein dutzend Mal im Kreis herum, sprang hin und her und schlug dann mit dem Stock wie wild  um mich. Inzwischen hatte ich nämlich die Hände frei bekommen. Nun fühlte ich mich völlig frei, doch nur für ein paar Minuten, da fiel mich das Ungeheuer von neuem an. Zuerst ein Stoß in die Seite, und als ich mit der Hand dorthin griff, hatte es mich vom neuen umschlungen.

Müde und matt, wie ich nun war, ließ sich willenlos alles über mich ergehen und tappte mit der schweren Last weiter durch den aufgeweichten Boden. Deutlich fühlte ich eine haarige Hand um meinen Hals und einen heißen, unregelmäßigen Atem in meinem Nacken. Ab und zu schlug etwas Hartes, wie eine schwere Faust gegen meine Waden. Meine Kraft ging zu Ende, ich wurde müder und müder, der Weg wurde holperig und aufgeweichter, oft trat ich bis an die Knie ins Wasser, ich war vom richtigen Wege abgekommen, stolperte stundenlang durch Feldwege und über Felder, ohne mich auf den rechten Weg zurückzufinden und ohne meine lebendige Last loszuwerden.

Ich war der Verzweiflung nahe, da hört sich auf einmal eine Glocke läuten. Im selben Augenblick ließ das Zubbelsdeer von mir, und ich fühlte mich von der ungeheuren Last befreit. Ich befand mich hinter Ralshoven, war im Dunkeln mit dem Zubbelsdeer um Ralhoven herum geirrt. Glücklich war ich, als ich endlich zu Hause ankam.

aus: Heinrich Tichlers, Sagen des Jülicher Landes, Jülich 1949

Erläuterung:
Isenkrahe:  Gut bei Gevelsdorf
Danzeberg: Anhöhe zwischen Hottorf und Ralshoven, gleichnamige Flurbezeichnung

Im Pfarrarchiv vermerkt eine handschriftliche Notiz auf einer Kopie dieses Geschichte aus dem Buch von Tischler das Jahr 1950.

Kirche in Ralshoven wird eingeweiht

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| Kleine Dorfchronik von Ralshoven |

Im Jahr 1950 erschein in der Lokalzeitung eine kleine Ortschronik von Ralshoven und erwähnt folgende Ereignisse:

  • 1797 Holzkreuz von Konrad Lemm wird bei Mission geweiht
  • 1822 Kauf einer Glocke im Schloss zu Rurich
  • 1823 Bau der Kapelle
  • 1849 Fronleichnam: Einsegnung der Kirche
  • 1852 Ernennung Rektoratskirche
  • 1864 Bau der Schule
  • 1945 Brand der Kirche durch Kriegsereignisse

Preußische Uraufnahme des Rheinlands

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| Offiziere zu Aufnahme- und Kartierungsarbeiten abkommandiert |

„Der Anlass für die Herstellung der Preußischen Uraufnahme war die Notwendigkeit, nach der politischen Neugliederung Europas durch den Wiener Kongress (1814 bis 1815) ein einheitliches Kartenwerk für das Staatsgebiet des Königreichs Preußen zu schaffen. Als nach den Befreiungskriegen Preußen den Großteil seines alten Staatsgebiets zurückerhielt und u.a. die Rheinprovinz und die Provinz Westfalen neu hinzukamen, standen dem preußischen Militär zunächst nur die von Napoleon zurückgelassenen Tranchot-Karten zur Verfügung. Deshalb beschloss der preußische Generalstab im Jahr 1818, eine neue umfassende topographische Aufnahme der westlichen Provinzen und des übrigen Staatsgebietes durchzuführen. Unter der Leitung des Generalmajors Freiherr von Müffling wurden junge Offiziere im Leutnantsrang zu den Aufnahme- und Kartierungsarbeiten abkommandiert. Jedes Blatt wurde mit Rang und Namen des aufnehmenden Offiziers abgezeichnet. In der Provinz Westfalen wurde mit den Arbeiten 1836, in der Provinz Rheinland ab 1842 begonnen. Als technische Geräte dienten der Messtisch mit Kompass, Wasserwaage und Diopterlineal. Mit dieser für heutige Verhältnisse einfachen Technik entstanden die Blätter der Uraufnahme in bestechender Genauigkeit. Sie wurden anschließend mit großer zeichnerischer Präzision farbig ausgearbeitet. Auch die Uraufnahme wurde anfangs als militärisches Geheimnis gehütet und lediglich für die Bearbeitung der Generalstabskarte 1:100.000 genutzt. Da aber von ziviler Seite immer dringender eine Freigabe der militärischen Karten gefordert wurde, um z. B. Planungen für den Straßen- und Eisenbahnbau zu erleichtern, entschloss man sich ab 1868, die vorhandenen Blätter zu vervielfältigen und zu veröffentlichen. Ursprünglich hatte die Uraufnahme ein eigenes Nummerierungssystem ohne Blattnamen.

(Beschreibung aus TIM-Online NRW)

Kartenausschschnitte

Mairie Hottorf mit Lage des Buchholzbusches
Ortslage Hottorf
  • Leider verläuft auch die Auftrennung in Blättern hier durch den Ort, die in der Darstellung nicht korrekt überlappen.
  • Im Gegensatz zu den älteren frnzösichen Tranchot Karten ist der Detaillierungsgrad in der Ortschaft geringer.
  • Die Maar erstreckt sich vollständig zwsichen heutiger Georgstraße und Bergstraße, also inklusive Parkstreifen an der Georgstraße und Spielplatz. Der Weiher setzt sich gegenüber der Dorfstr. im Neubaugebiet fort (entlang der Straße „Am Bildstock“).
  • Der Teil des heutigen Amselwegs in Richtung Wegekreuz nach Kofferen ist als Hohlweg eingezeichnet, was mit der Beschreibung des zweiten Fußfallkreuzes übereinstimmt. 

Quelle: TIM-Online NRW

Die Preußische Kartenaufnahme – Uraufnahme 1836-1850 ist online verfügbar. Man muss diese allerdings manuell bei „Kartenwahl“ (‚+‘-Zeichen) hinzuladen, siehe  Screenshot:

Heinrich Gottfried Ignaz Reinckens wird Pfarrer

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Nach dem Tod von Pfr. Schleger wird Heinrich Gottfried Ignaz Reinckens am 4. April 1838 Pfarrer zu Hottorf und übernimmt die wiedererrichtete Pfarrei.

Der Pfarrer und Lokalschulinspektor, Ritter des roten Adlerordens 3. Klasse mit der Schleife feiert in Hottorf Jubiläen:

  • am 13. 05.1884 im Alter von 84 Jahren sein 60-jähriges Priesterjubiläum
  • am 14.05.1888 sein goldenes Jubiläum als Pfarrer von Hottorf

Pfarre wieder selbständig

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| Erzbischöfliche Urkunde |

Durch Urkunde vom 16. März 1837 ernennt der Erzbischof von Köln,  Clemens August Droste zu Vischering, Hottorf wieder zur selbstständigen Pfarre.

Die feierliche Erhebung erfolgte jedoch erst am 7. Juni 1837 durch Dechanten Felix Holz aus Lich als Erzbischöflichen Kommissar und durch den Landrat von Bülow aus Jülich als Königlicher Kommissar. Der damalige Chronist berichtet: „Sr. Königliche Majestät hat huldreichst geruht, Hottorf Pfarrrechte zu erteilen

Wortlaut der erzbischöflichen Urkunde: No. 1574

Wir Clemens August, durch Gottes Erbarmung und die Gnade des heiligen Stuhls, Erzbischof von Cöln, desselben hl. Apostolischen Stuhlsgeborner Legat Freiherr Droste zu Vischering, Doctor der Theologie und Ritter des rothen Adler Ordensdritter Klasse Entbieten allen Angehörigen des Erzbisthums Unsern Gruß im Herrn.

Schon Unser in Gott ruhender Herr Amtsvorfahrer, weiland Erzbischof Ferdinand August hochheiligen Andenkens, war, wie Wir mit inniger Teilnahme aus den Uns vorgelegten Verhandlungen ersehen haben, während der Dauer seiner Amtsverwaltung unablässig bemüht gewesen, das so viele Gemeinden der Erzdiözese Köln durch die unter der Fremdherrschaft statt gefundene Supprimierung ihrer Pfarrkirchen betroffene Ungleit vermittelst kräftiger Bewortung bei der oberen Staatsbehörden so viel als möglich zu entern. Seine Bemühungen sind nicht allein durch die seither erfolgte Wiederherstellung von mehreren früher supprimierten Pfarreien mit einem erwünschten Erfolge gekrönt worden,sondern des Königs Majestät haben auch in Berücksichtigung der bereits vor Unserm Amtsantritt vorgetragenen Lokalverhältnisse und in der eben so landesväterlichen als frommen Absicht, die unter der Fremdherrschaft verloren gegangenen Pfarrechte wieder herzustellen, mittelst Allerhöchster Kabinets-Ordre vom 17. März v. J. die Wiederhebung von drei in unserer Erzdiözese gelegenen supprimierten Kirchen zu selbstständigen Sukkursal-Pfarrkirchen, jedoch ohne Staatsgehalt, zu genehmigen geruht. Unter diesen supprimierten Kirchen, welche zufolge der erwähnten Allerhöchsten Kabinets-Ordre zu selbstständig en Sukkursal-Pfarrkirchen wieder erhoben werden sollen, befindet sich auch die Kirche zu Hottorf im Dekanate Jülichs -Wir erheben dernach aus Erzbischöflicher Authorität und Kraft Unseres Oberhirten Amtes die bisherige Nebenkirche zu Hottorf zur selbstständigen Sukkursalpfarrkirche, entbinden die dortige Gemeinde von ihren bisherigen pfarrlichen Verhältnissen zu der Pfarrkirche in Müntz und verleihen obiger Kirche alle jene Privilegien und Gerechtsame, welche einer Sukkursal-Pfarrkirche nach der bestehenden Verfassung zukommen. – Der Pfarrsprengel dieser neuen Sukkursalkirche soll gegenwärtig dieselben Bestandtheile begreifen, welche die supprimierte Pfarre Hottorf unmittelbar vor der bei der letzten unter der französischen Landesverwaltung stattgefundenen Kirchen-Organisation erfolgten Suppression gehabt hat. – Das Einkommen der ohne Staatsgehalt neu errichteten Pfarrstelle zu Hottorf soll aus den Revenuen der ehemaligen dem dortigen Hülfsgeistlichen seither immer belassenen Pfarrdotationsgüter bestehen, deren Reinertrag gegenwärtig im Kataster auf 278 rl. 11 Spr 6 P abgeschätzt ist, wozu um den höheren Orts vorgeschriebenen Normalsatz von 300 r. zu erreichen. Das auf wenigsten 21 rl. 19 Sgr. 6 Pfl. veranschlagte Einkommen an Stolgebühren und aus Stiftungen hinzu gerechnet wird. – Da der jetzige Pfarrer zu Müntz gemäß Benachrichtigung des Landdechanten vom M. d. M. auf alle Entschädigung wegen der Pfarrgüter zu Hottorf, Stolgebühren, Stiftungs-Einkünften und sonstigen Emolumenten von der Kirche zu Hottorf Verzicht geleistet hat, so wird hierdurch ausdrücklich bemerkt, daß seine Nachfolger im Pfarramte zu Müntz, ferner Ansprüche darauf zu erheben, unter keinem Vorwande berechtigt sein sollen. Der jetzt vorhandene Fabrik und Stiftungsfonds bleibt in dem gegenwärtigen Bestande in Besitz der Kirche zu Hottorf, für welche derselbe bisher seinem Zwecke gemäß fortwährend verwendet worden.

Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und beigedrückten Erzbischöflichen Insiegels gegeben Köle am sechszehnten Marz achtzehnhundert sieben und dreißig
Clemens August
Erzbischof von Cöln

Begriffe:

  • Supprimierung“ kommt aus dem Lateinischen supprimere („unterdrücken, zurückhalten“) und bedeutet allgemein Unterdrückung, Abschaffung oder Zurückdrängung.
  • Eine Succursal-Kirche (auch Sukkursalkirche oder Filialkirche genannt) ist eine Kirche, die einer größeren Pfarrei untergeordnet ist. Sie dient als Nebenkirche oder Filiale einer Hauptkirche (Pfarrkirche), insbesondere in ländlichen Gebieten oder weitläufigen Gemeinden. Diese Kirchen haben oft keine eigene Pfarrei oder keinen festen Priester, sondern werden von der Hauptkirche betreut. In der Urkunde ist jedoch von einer Sukursal-Pfarrkirche die Rede, also einer vollwertigen Pfarrei.
  • Ein Pfarrsprengel ist das geografische Gebiet, das einer bestimmten Pfarrgemeinde zugeordnet ist.
  • Dotationsgüter sind Wirtschaftsgüter, die einem Unternehmen oder einer Institution dauerhaft zur Verfügung gestellt werden, meist ohne direkte Gegenleistung. 
  • Die Angabe „21 rl. 19 sgr. 6 pfl.“ bedeutet  21 Reichstaler, 19 Silbergroschen und 6 Pfennige

 Quelle: Pfarrarchiv Urkundenbuch 1751-1966, Nr. 9

Die Eigenständigkeit als Pfarrei dauert fast weitere 190 Jahre an, bis zur Fusion aller Katholischen Linnicher Pfarreien und Kirchengemeinden am 1. Januar 2026.
Siehe Beitrag „Neue Pfarrei und Kirchengemeinde St. Josef

 

Rektoralshaus wird Pfarrhaus

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| Neue Bezeichnung |

Mit der Erhebung der Gemeinde zur selbständigen Pfarrei ändert sich im Jahr 1837 auch die Bezeichnung für das Haus, in dem der bisherige Rektor wohnte. Somit wird aus dem Rektoralshaus das Pfarrhaus.

In den Unterlagen für den Denkmalschutz wird fälschlicherweise das Jahr 1837 als Baujahr angeben.  Das Rektoralshaus stammt vermutlicher Weise aus 1726.

Siehe Beitrag zur Planung:  Neues Rektoralshaus

 

 

Familie Oidtmann verkauft Grundstück für Volksschule

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| Nur für 100 Thaler |

Im Jahr 1832 kauft die Gemeinde zum Neubau der Schule ein Grundstück von der Familie Oidtmann für 100 Thaler preisgünstig, ein besonderes Entgegenkommen der Grundstückseigentümer.

Wer sich für  Ahnenforschung interessiert, findet unter dem Menüpunkt Familien weitere Informationen zur Herkunft und den Verwandtschaftsverhältnissen einiger Hottorfer Familien – auch der Familie von Oidtmann, die viele Stiftungen für die Hottorfer Kirche eingerichtet hat.

Der Verkauf des oben genannten Grundstückes erfolgte durch die Witwe Maria Josefine Huberta von Oidtmann (geb. von Francken). Sie stirbt 5 Jahre später und  ihr Erbe wird auf die Kinder aufgeteilt, wobei Land und Hof in Hottorf verkauft werden. Da der Hof mit Garten nicht geteilt werden konnten, wird dieser 1839 versteigert. Neuer Eigentümer wird die Familie von Meer. 

Auflösung des Bistums Aachens

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| Wieder zum Erzbistum Köln |

Napoleon stürzte. Europas Antlitz veränderte sich erneut. Der Wiener Kongreß (1814 – 1815) brachte jedoch keine Klärung der kirchlichen Angelegenheiten. So kam es zur Päpstlichen Bulle „De salute animarum“ vom 16. Juli 1821, die die Neuumschreibung der preußischen Diözesen vornahm. Sie hob das Bistum Aachen auf und errichtete wieder das Erzbistum Köln. Die endgültige Auflösung des Bistums Aachen erfolgte dann am 24./25. März 1825 nach der letzten Sitzung des Domkapitels

Erstes Spritzenhaus auf dem Pützberg

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| Späterer Stationsaltar |

Auf dem heutigen Pützberg wird das erste Spritzenhaus für die Feuerwehr aus Backsteinen errichtet. Dieses wird später einmal im Jahr am Dreifaltigkeitssonntag festlich zur Prozession geschmückt.

Das auf dem Foto abgebildete Holzkreuz steht unter Denkmaschutz befindet sich heute am Haus Ecke Bergstraße/Dorfstraße  (siehe Kreuze und Kapellen).

 noch offen: einarbeitung der Festschriften der Freiwilligen Feuerwehr anlässlich des 40- bzw- 50-jährigen Bestehens

 

Gebiet der Bürgermeisterei Hottorf

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| Im Regierungsbezirk Aachen |

Aus Buch des Regierungsbezirks Aachen „Gebiets-Eintheilung und Verzeichniss der Kreise, Cantons, Bürgermeistereien, Pfarren, Gemeinen, Dörfer und Orte des Regierungs-Bezirks Aachen“ aus dem Jahr 1817  geht die Größe und Bedeutung der Bürgemeisterei Hottorf hervor. Hierzu gehörten die Orte: Bousslar, Breidenben, Erzelbach, Gevelsdorf, Hasselsweiler, Hompesch, Hottorf, Müntz, Raelshoven und  Tetz.

Der Aachener Lehrer, Johann Heinrich Kallenbach; veröffentlicht 1850 einen „Wegweiser für Lehrer, Reisende und Freunde der Heimathkunde“ (siehe auch Quellen), in dem er Hottorf als „reiche  Bürgemeisterei“ bezeichnet. Er beschreibt alle Orte des Regierungsbezirks Aachen mit Zugehörigkeit zu der jeweiligen Bürgemeisterei und beschreibt Entfernungsangaben in „Stunden“, vermutlich zu Fuss.

Daraus sind die folgenden Zitate entnommen:

  • Der Meer- oder Malfinbach, welcher zwischen Titz und Spiel in der Nähe der Meerhöfe, östlich von der Düsseldorfer Heerstraße entspringt, fließt in einem breiten, westlichen Querthale des Jülicher Landrückens, wendet sich bei Tetz nordwärts und ergießt sich unter Körrenzig in die Ruhr. In seinem fruchtbaren Thale und auf dessen Umrandung liegen die Dörfer: Spiel, Titz, Münd, Hottorf, Koffern, Gevenich, Hasselsweiler, Münz, Boslar, Tetz, Glimbach und Körrenzig.
  • Hottorf, (1300) Hutdorf, mit Koffern und Gevenich auf einem halbinselförmigen Zweige des Erkelenzer Landrückens, südwärts des Buchholzwaldes gelegen, 2 Std. von Jülich, 41/2 Ml. von Aachen entfernt, ist ein Kirchdorf und Hauptort der großen und reichen Bürgermeisterei gleichen Namens. Letztere zählt über 4000 Seelen und enthält außer Hottorf die Kirchdörfer Tetz, Münz, Hasselsweiler, Gevelsdorf, Boslar und die Dörfer Hompesch und Ralshoven. Sämmtliche Ortschaften dieser Bürgermeisterei, früher im Herzogthum Jülich gelegen, gehörten unter franz. Herrschaft zum Roerdepartement, Arrondissement Köln, Canton Jülich. Hottorf erhielt 1342 mit Zustimmung des Pfarrers zu Boslar eine Kapelle, welche Carsilius und Adam von Hottorf bauen und weihen ließen. Im 16. Jahrhundert wird sie noch als Kapelle im Amt Boslar aufgeführt; 1630 kam dieselbe an die Deutschordens-Kommende Siersdorf. Wann dieselbe zur Pfarrkirche erhoben worden, ist mir nicht bekannt.
  • Koffern, (1500) Kupfern, ein Dorf in der Bürgermeisterei Körrenzig, ist 2 Stunden von Erkelenz, 8 Stunden von Aachen entfernt. Das Dorf Koffern, im ehemaligen jülichschen Amte Boslar gelegen, besaß im 16. Jahrhundert schon eine Kapelle, welche zu Glimbach gehörte. Hier, wie auch in Körrenzig, Baal, Lövenich, Dovern, Bracheln und Hilfarth, beschäftigen sich viele Leute der ärmern Klasse mit der Fabrikation der Birkenbesen. Heidebesen machen die Bewohner von Arsbeck, Virgeln, Myhl, Ophoven und Steinkirchen, wo die Heide (Erica vulgaris und Erica Tetralix) in großer Menge vorkommt.
  • Gevenich, (1500) Grevenich, mit 830 Einwohnern, durch eine
    Zweigstraße mit Linnich verbunden, ist 2 Stunden vom Kreisorte Erkelenz, 4,08 Meilen von Aachen entfernt und hat eine schöne Lage auf einer Anhöhe am Westrande des Jülich-Erkelenzer Landrückens. Es ist ein Kirchdorf in der Bürgermeisterei Körrenzig, in welchem viel irdenes Geschirr als: Töpfe, Schüsseln, Tiegel, Teller, Kübel, Dachpfannen etc. verfertigt werden. Dieser Pfarrort hatte im 16. Jahrhundert nur eine Kapelle, wovon der Pastor zu Boslar das Patronatrecht besaß. Vor der französischen Occupation gehörte Gevenich zum herzoglich-jülichschen Amte Boslar — An der Straße nach Linnich findet man Dipsacus pilosus und etwas südlicher Centaurea calcitrapa in großer Menge.
  • Hasselsweiler, (1200) Hassilt, (1400 Hasselt, zwischen lachenden Gefilden des Meerbachthales gelegen, 11/2 Stunde von Jülich, 4,63 Meilen von Aachen entfernt. Es ist ein freundliches Kirchdorf in der Bürgermeisterei Hottorf, mit 711 Einwohnern. Das jülicher Dekanatsverzeichniß vom 13. Jahrhundert nennt Hassilt eine Pfarre mit einer Vikarie, bei welcher der Capellarius des Kölner Erzbischofes (1400) das Patronatrecht besaß. Im 16. Jahrhundert wird Hasselsweiler unter den Pfarreien des herzogl. Amtes Jülich mit aufgeführt; damals übten der Herzog von Jülich und „der thumeuster zu Köln“ das Patronatrecht abwechselnd aus.— Gerste und Raps gerathen hier, wie in der ganzen fruchtreichen Umgegend , vorzüglich.
  • Münz, (1200) Munze, (1400) Moentz, im malerischen Thale der Malfin, 1 1/2 Stunde von Jülich, 4,42 Meilen von Aachen entfernt, ist ein langes ansehnliches Kirchdorf in der Bürgermeisterei Hottorf und zählt an 620 Einwohner, worunter viele Israeliten. Münz war bereits im 13. Jahrhundert
    eine Pfarre mit einer Vikarie und gehörte zum ehemaligen Dekanat Jülich. Der Capellarius des Kölner Erzbischofs hatte (1400) das Patronatrecht daselbst. Hier stand ehemals eine fränkische Hofkapelle, zu Staatsarchiven dienend. Im 16. Jahrhundert und später gehörte Münz zum herzoglich-
    jülichschen Amte Boslar. In den Dörfern Münz, Gevelsdorf, Hottorf, Spiel, Rödingen, Steinstraß und Lich, wird starker Frucht- und Oelsamenhandel getrieben.
  • Boslar, (800) Buslare, (1200) Boislair, (1200) Boesseler, (1400) Boyßelair, gleichfalls im Thale der Malfin gelegen, ist 1 1/4 Stunde von Jülich, 4,10 Meilen von Aachen entfernt und hat 410 Einwohner. Es ist ein großes, aber unansehnliches Kirchdorf mit schmutzigen Straßen, gehört zur Bürgermeisterei Hottorf und war ehemals der Hauptort des herzoglich-jülichschen Amtes Boslar. Die Villa Buslare in der Grafschaft Jülich wird schon im Jahre 861 genannt. Im 13. Jahrhundert hatte Boslar bereits eine Pfarrkirche, bei welcher der Herzog von Jülich (1400) das Patronatrecht ausübte. 1340 war Ludewicus de Kintzwilre Pastor zu Boesselar. 1803 am 13, September, wo bei vollen Scheunen 120 Häuser mit Ställen und Scheunen abbrannten, blieben nur 4 Häuser von Boslar verschont.
  • Tetz, (I200) Tetze, 11/4 Stunde vom Kreisorte Jülich, 3,08 Meilen von Aachen entfernt, ist ein kleines, unansehnliches Kirchdorf in der Bürgermeisterei Hottorf, mit alten Häusern, einem herrschaftlichen Schlosse und 417 Einwohnern. Es liegt am Ausgange des fruchtbaren, mit Dörfern übersäeten Thales der Malfin, welche hier in die weitläufige Ruhrniederung eintritt. Tetze wird im Jülicher Dekanatsverzeichnisse vom 13. Jahrhundert als Pfarrvikarie, im 16. Jahrhundert aber als Pfarre im herzoglich-jülichschen Amte Boslar aufgeführt, bei welcher die Herren von Leers, als Inhaber der Herrschaft Tetz, das Patronatrecht besaßen.
  • Glimbach, (1200) Glinbach, (1500) Glymbach, ein Dorf auf dem
    Westrandede des Erkelenzer Landrückeus, dessen malerische Hügel hier jäh in die Ruhrebene versinken. Es ist 2 Stunden von Erkeleuz, 4,18 Meilen von Aachen entfernt, hat meistens alterthümliche, lehmene Häuser und 464 Einwohner. Dieser Ort wird schon im 13. Jahrhundert als Pfarre mit einer Vikarie im Dekanat Jülich aufgeführt. Der Herzog von Jülich besaß (1400) das Patronatrecht bei dieser Kirche, welche damals zum Amte Boslar gehörte. Hier werden irdene Töpfe, Schüsseln, Teller, Näpfe und Dachziegel gebacken, welche in die Nähe und Ferne ausgeführt werden. — In einem Wäldchen zwischen Glimbach, Ruhrig, Baal und Koffern wächst die sehr seltene Meerzwiebel oder blaue Maiblume (Endymion nutans) in großer Menge.
  • Körrenzig oder Cörrenzig, (1000) Corinzich, (1029) Cornyzich, (1200) Corizich, ein großes Kirchdorf und Hauptort einer Bürgermeisterei mit 992 Einwohnern, 2 Stunden v«n Erkelenz, 4,09 Meilen von Aachen, entfernt. Es ist auf dem rechten Ufer des Ruhrflusses gelegen und der Länge nach von der
    Landstraße durchschnitten. Kaiser Konrad II. schenkte (1029) der Abtei Burtscheid Güter zu Cornizich, Altenhof und Will im Jülichgau, in den Grafschaften Gerard’s und Giselberts, womit bis dahin ein gewisser Benelin vom Reiche belehnt gewesen war. Im 13. Jahrh. hatte Körrenzig schon eine Pfarrkirche mit einer Vikarie, welche zum Jülicher Dekanate gehörte; das St. Adalbertsstift zu Aachen besaß das Patronatrecht bei dieser Kirche. Im 16. Jahrhundert und später gehörte Körrenzig zum herzoglich-jülichschen Amte Boslar; unter der Fremdherrschaft aber nebst den in der Bürgermeisterei gelegenen Dörfern Gevenich, Glimbach, Koffern und Ruhrig zum Canton Linnich des Roerdepartements. — Hier werden irdene Küchengeschirre, als Kübel, Näpfe, Töpfe, Teller und Schüsseln von derselben Qualität verfertigt, wie zu Glimbach und Gevenich. Körrenzig und Ruhrig haben Ueberfluß an Heu und Grummet. Letzterer Ort, links von der Linnich-Erkelenzer Landstraße gelegen, ist wenig bevölkert, hat ein gräfliches Haus und in neuester Zeit auch eine eigene Schule erhalten. Das Haus Ruhrig ist der Sitz des Grafen Hompesch, eines alten, ursprünglich kölnischen Rittergeschlechts. Die Hompesch, Humpesch, Humpusch, zuerst Hoingen (d. h. aus Honingen), genannt Humpesch, wurden im J. 1745 in den Grafenstand erhoben. 1166 war Sibodo von Hoingen genannt Humpesch, im Gefolge des Erzbischofs Reinald von Köln. In demselben Jahre verkauft Karl von Hoingen mit Zustimmung seiner Söhne und Töchter seinen Hof zu Honingen (Hünningen unweit Büllingen oder Höngen?) der Abtei St. Mauritz zu Köln. 1275 verkauften Cuno von Mullenark, dessen Halbbruder Reinard, genannt Hoengeu, Selman
    und Cuno von Humpes, Knappen, dem kölnischen Domkapitel ihren Hof zu Oidweiler und ihren Antheil an dem Patronat der Kirche daselbst.

Marie Hottorf von Frankreich abgetrennt

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| Ende der Franzosenzeit im Rheinland |

Durch den Pariser Frieden vom 30. Mai 1814 wird die Bürgermeisterei Hottorf wieder von Frankreich abgetrennt und fiel nach dem endgültigen Friedenschluss zu Wien (Wiener Kongress) vom 5. April 1815 der Krone Preußens zu.

Gründungsjahr der Kirchengemeinde

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| Hottorf wird erstmals eigenständige Pfarre |

Bischof Marc Antoine Berdolet erhebt 1804 die Filiale Hottorf zur Pfarre im Kanton Jülich, die bis dahin Filialort von Boslar war.

 

 

Peter Gerhard Schiffer wird erster Pfarrer in Hottorf

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Peter Gerhard Schiffer wird 1803 Priester in Hottorf und mit der Erhebung der Pfarre im darauffolgenden Jahr erster Pfarrer in Hottorf.

Er konnte erst im Jahr 1804 das Pfarrhaus beziehen, da sich bis dahin Rektor Heinrich Erdmann weigerte, dasselbe zu räumen.

Mit Wirkung zum 22.04.1817 wurde Peter Gerhard Schiffer nach Boslar versetzt. Hottorf war mittlerweile seit 1808 wieder unselbstständig und Annexkirche von Müntz.

Der Beginn des Bistum Aachens

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| Berdolet wird erster Bischof |

Das erstmalige Bistum Aachen wurde auf Betreiben Napoleons 1802 geschaffen. Grundlage dafür war das zwischen Napoleon Bonaparte und Papst Pius VII. geschlossenen Konkordat (Staatskirchenvertrag) von 1801. Das neue Bistum sollte Heimat für die ca. 650.000 Katholiken der beiden neu geschaffenen Departements Rur und Rhein-Mosel werden.

Erster Bischof wurde Marc Antoine Berdolet, am 13. September 1740 im elsäßischen Rougemont geboren. Am 9. Mai 1802 ernannte Napoleon ihn zum Bischof der neuen Diözese, am 25. Juli wurde Berdolet im Aachener Dom inthronisiert. Aber schon sieben Jahre später, am 13. August 1809, starb er in Aachen.

Hasselsweiler und Tetz kommen zur Marie Hottorf

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| Französische Verwaltungsstrukturen |

Die Bürgermeistereien Hasselsweiler und Tetz werden zur Mairie (Bürgermeisterei) Hottorf vereinigt.

Hottorf ist der Hauptort der gleichnamigen ausgedehnten Bürgermeisterei. Letztere zählt über 3500 Seelen und enthält außer Hottorf die Kirchdörfer Tetz, Boslar, Müntz, Hasselsweiler, Gevelsdorf und die Dörfer Ralshoven und Hompesch. Früher war nicht Hottorf, sondern Boslar der leitende Ort dieser Gegend.

Die bevorzugte Stellung, Hauptort einer großen Bürgermeisterei zu sein, hat Hottorf erst unter der Preußischen Regierung nach den Befreiungskriegen erhalten. Das Dorf zählt gegen 500 katholische Einwohner.

Quelle: tbd, Kapitel Bürgermeisterei Hottorf, S. 185

Bau der Hottorfer Bockwindmühle

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| Die Windmühle zu Hottorf |

Die Windmühle in Hottorf zählte zu den historischen Mühlen, wie sie im 19. und frühen 20. Jahrhundert in vielen Ortschaften des Rheinlandes üblich waren. In weiteren Orten im Umfeld wurden vergleichbare Bockwindmühlen betrieben, häufig durch Pächterfamilien, wie der Familie Lieven, die auf Windmühlen in Hottorf, Ederen und Spiel ansässig war. Die Mühlen dienten vor allem dem Mahlen von Getreide für die örtliche Landwirtschaft.

Wo die letzten Höhen der Eifel in die Ebene hinabgleiten, wo saftige Wiesen und fruchtbare Ackerflächen liegen, da beginnt das große niederrheinische Tiefgebiet. In mitten dieser üppigen Getreidefelder waren die Windmühlen zu Hause. Sie beherrschten mit ihren sich drehenden Flügeln die Szenerie in den weiten Feldern und schufen so die vorhandene Eintracht zwischen dem Getreide und dem täglichen Brot. So waren denn auch die Windmühlen in Pattern, Mersch, Spiel, Höllen, Titz und Hottorf Wahrzeichen für die Fruchtbarkeit der Jülicher Börde.

Die Windmühle konnte auf eine reiche und stolze Vergangenheit im Dienst des Menschen zurückschauen . Nachdem die Kreuzfahrer aus dem Abendland zurückkehrten, bauten sie selbst die dort ehrfürchtig bestaunten Windmühlen nach, oder ließen sie später von sachkundigen Handwerkern, den sogenannten Mühlenbauern, bauen. Aber die zunehmende Ausdehnung der Fabrikmünlen verdrängte die Kleinmühle, und als schließlich der Benzinmotor und die Elektrizität Einzug hielten, bedeutete dieses den Tod der Winmühlen.

Die Hottorfer „Bockmühle“ , sogenannt, weil der eigentliche Mühlenaufbau auf einem Bock aufgesetzt war, lag zwischen Hottorf und Müntz in mitten der Felder. Diese hatte eine Vorgängerin, die an einer nicht mehr zu bestimmenden Stelle zwischen Hottorf und Kofferen gestanden hat (Anmerkung: die Waidmühle). Name des Erbauers, sowie Jahr und Ursache des Unterganges sind nicht mehr bekannt, nur deralte Flurname „Mühlendriesch“ oder „Mühlenweg“ erinnert noch daran.

Die Lievensche Mühle wurde im Jahre 1801 von Leopold Erdmann errichtet . Dann ging sie in den Besitz der Familie von Meer ein und später wurde sie von Friedrich Wilhelm Lieven käuflich erworben. Das Jahr ist leider unbekannt. Die Mühle war ungefähr 20 Meter hoch und das Flügelrad hatte vier Flügel. Der „Bock“ hatte einen Durchmesser von fast sechs Meter und der schwerste Teil der Mühle, das Achsenkreuz, an dem die Flügel fest montiert werden konnten, wog fast 20 Zentner. Die ganze Mühle konnte in den Wind gedreht werden. (Dieses konnte man nur bei den Bockmühlen. Bei den holländischen Windmühlen, die auch bei uns zu finden waren, konnte nur der obere Teil, die „Haube“ gedreht werden.) Dadurch konnte der Wind die mit Segeltuch bespannten Flügel antreiben. Wenn nicht gemahlen wurde, oder wenn Regen bevorstand, wurden die Segeltücher zusammengerollt und an einer Seite der Flügelblätter befestigt. Die Senkrechten und Waagerechten der Flügel waren aus Balken angefertigt, während die Flügelblätter aus Dachlatten waren. Wenn die Flügel durch irgendwelche Einflüsse beschädigt waren und repariert werden mußten, konnte man jeden einzelnen Flügel am Achsenkreuz lösen und mittels einer Seilwinde nach unten lassen. Nach der Reparatur wurde der Flügel dann wieder hochgezogen. Das Drehen der Flügel konnte beeinflußt werden und bei zu starkem Wind wurden dieselben abgebremst. Die Hottorfer Mühle besaß zwei Mahlgänge, im oberen Mahlgang wurde der  Roggen und im unteren der Weizen gemahlen.

Am Anfang des  19. Jahrhunderts wurde eine Dampfmaschine angeschafft, damit auch bei Windstille gemahlen werden konnte. Diese stand da, wo jetzt noch die Vorrichtungen des neueren Mahlwerkes stehen. Es bestand aber damals kein Zusammenhang zwischen der Dampfmaschine und der Windmühle. Wenn längere Zeit mit Windstille zu rechnen war, kamen die Müller aus der Umgebung, um in Hottorf mahlen zu lassen.

Quelle: Schiffer

Um das Jahr 1858 herum kauft Friedrich Wilhelm (Hubert) Lieven aus Jackerath die Hottorfer Mühle von der Familie von Meer. Sein Großvater Jakob Lieven hatte schon 1780 die Mühle in Immerath betrieben. Sein Bruder Jakob Hubert Lieven wohnt zunächst auch auf der Hottorfer Mühle und pachtet 1867 die Ederner Mühle, die er später auch kauft. Nachdem die Ederner Mühle im März 1900 – zwei Jahre nach seinem Tod – abbrennt, kauft ein Sohn die Bockwindmühle in Spiel und drei weitere Generationen betreiben dann die Spieler Mühle. Erfreulicherweise ist sie als historische Bockwindmühle bis heute erhalten. Sie wurde 1959 abgebaut, um im LVR-Freilichtmuseum Kommern wieder aufgebaut zu werden. 

Johann Wilhelm Hubert Lieven, der dritte und jüngste Bruder des Friedrich Wilhelm (Käufer der Hottorfer Mühle) wird als einziger nicht Müller. Er ist der Ururgroßvater des Chronisten dieser Webseite. Aus diesem Familienast gehen auch mehrere Küster und Organisten sowie ein Priester hervor. 

Errichtung der „Marie Hottorf“

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| Französische Verwaltungsstrukturen |

Aus der Gemeinde Hottorf wurde eine „Marie Hottorf“ (Bürgermeisterei Hottorf) und damit ein integrierter Bestandteil der französischen Republik.

Erster Bürgermeister wurde Ferdinand Wilhelm von Oidtmann.

Französische Ingenieure kartieren das Rheinland

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| 171 militärische Kartenblätter |

„Unmittelbar nach der Besetzung der linksrheinischen Gebiete durch französische Revolutionsheere im Jahre 1794 wurde eine topographische Aufnahme dieser Gebiete durch französische Ingenieuroffiziere unter der Leitung des Obersten Jean Joseph Tranchot in Angriff genommen. Als Grundlage für diese Arbeiten legte Tranchot 1801/09 ein Dreiecksnetz über das Gebiet westlich des Rheins. Nach den Feldaufnahmeblättern wurden die eigentlichen Kartenblätter mehrfarbig im Maßstab 1:20.000 gezeichnet.

Der Befreiungskrieg (1813 bis 1815) machte den topographischen Aufnahmearbeiten durch die französischen Offiziere ein Ende. Durch den Wiener Kongress (1814 bis 1815) und einige Folgeverträge wurden die Rheinlande und Westfalen dem Königreich Preußen zugeschrieben.

Ab 1817 führten preußische Offiziere unter der Leitung des Generalmajors Friedrich Karl Ferdinand Freiherr v. Müffling die Aufnahme der linksrheinischen Gebiete fort und dehnten sie nach Osten weiter aus. Die von den preußischen Offizieren aufgenommenen Kartenblätter unterscheiden sich allerdings deutlich von den französischen Blättern, da sie nicht deren Feinheit und Detailreichtum besitzen. Beide Kartenaufnahmen der Rheinlande durch Tranchot und durch von Müffling waren ausschließlich der militärischen Nutzung vorbehalten und sollten zur Ableitung von Generalstabskarten dienen.

127 Blätter mit einem Kartenbildformat von 50 cm x 50 cm, 21 Blätter mit einem Kartenbildformat von 47 cm x 45 cm und 23 Kartenblätter in Sonderformaten entfallen auf das Gebiet Nordrhein-Westfalens.“

(Beschreibung aus TIM-Online NRW)

Kartenausschschnitte

Mairie Hottorf mit Lage des Buchholzbusches
Ortslage Hottorf
  • Leider verläuft durch den Ort die oben genante Aufrennung  in zwei Blättern, die in der Darstellung nicht korrekt überlappen.
  • Man sieht sehr deutlich die Lage der Burg (Stift), wie im Beitrag Zwei Rittergüter beschrieben. Auch gegenüber Erdmanns Keller in der Bergstraße ist eine Hofanlage erkennbar – vermutlich der Elmpter Hof, der ursprünglich zur Burg gehörte. Auch derHof in der Ortmitte, heute Lübbers, ist gut erkennbar..
  • Die Maar erstreckt sich vollständig zwsichen heutiger Georgstraße und Bergstraße, also inklusive Parkstreifen an der Georgstraße und Spielplatz. Der Weiher setzt sich gegenüber der Dorfstr. im Neubaugebiet fort (entlang der Straße „Am Bildstock“).
  • Der Teil des heutigen Amselwegs in Richtung Wegekreuz nach Kofferen ist als Hohlweg eingezeichnet, was mit der Beschreibung des zweiten Fußfallkreuzes übereinstimmt. 

Quelle: TIM-Online NRW

Die Kartenaufnahme der Rheinlande 1801-1828 (sog. Tranchot-Karte) ist online verfügbar. Man muss diese allerdings manuell bei „Kartenwahl“ (‚+‘-Zeichen) hinzuladen, siehe  Screenshot:

Besetzung des Rheinlandes durch französische Revolutionstruppen

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| Säkularisierung beginnt |

Mit der kampflosen Besetzung durch die französischen Revolutionstruppen endet 1794 die Geschichte des „Heiligen Köln“ und der Freien Reichsstadt Köln. Die Universität wird geschlossen, der kirchliche Besitz eingezogen, Klöster und Kongregationen werden säkularisiert.

Mit Unterzeichnung der Akte vom „Baselner Frieden“ (1795) fiel das Herzogtum Jülich an Frankreich.

Guss der zweiten Glocke

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| Marienglocke |

Guss der zweiten Glocke  (c‘‘) in Gilich (Jülich) durch die Geschwister von Oidtmann. Die Marienglocke trägt die Inschrift:

SANCTA MARIA HEISCHE ICH,
DIE LEBENDIGEN BERUEFE ICH,
DIE DOTTEN BELEUTE ICH,
DAS DONNERWETTER VERTREIBE ICH.
MARIA, THERESIA, FRANCISCUS, WERNERUS, CASPARUS.
ANNO 1793

Kapelle wird als Kirche neu errichtet

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| Bau der Kirche |

Die heutige einfache Kirche wurde, mit Hilfe der für die Geschichte von Hottorf so bedeutsamen Familie von Oidtman, 1777 wieder erbaut. Beim Neubau blieben einzelne Stücke der Umfassungsmauer der alten Kapelle an der Nordwestseite stehen. Die Kirche besteht aus einem Backsteinsaalbau mit östlich angebrachter Sakristei. Das Kirchenschiff besitzt eine hölzerne Spiegeldecke, welche mit einer Putzschicht überzogen wurde.

Quelle: Schiffer

Überreste der Kapelle (Umfassunsgmauer) sind die weißgrauen Quadersteine in der Nordwand.

Quadersteine unten rechts im Bild

Volkzählung 1767

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| 364 Einwohner |

In den Rur-Blumen werden im März 1927 in einem Artikel zum 18. Jahrhundet die Ergebnisse der Volkzählung aus dem Jahr 1767 berichtet:

  • Hottorf:  364 Einwohner
  • Hasselsweiler: 365
  • Müntz: 444
  • Hompesch: 145
  • Ralshoven: 112
  • Boslar: 562
  • Gevenich: 512
  • Linnich: 1.018
  • Körrenzig: 358
  • Jülich: 2.027

Im Jahr des Erscheinens des Artikels in den Rur-Blumen, also im März 1927, zählt Hottorf 495 Einwohner.

Quelle: Rur-Blumen, Nr. 10 vom 5.3.1927, Unsere Heimat im 18. Jahrhundert im Spiegel eines Tagebuches von Adolf Fischer

Gotische Kapelle zerstört

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| Weitere Urkunden beim Brand in Boslar zerstört |

In der Zeit von Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Kirche jedoch zerstört, vielleicht im dreißigjährigen oder im siebenjährigen Krieg (1618-1648 oder 1756-1763).

Damit endet eigentlich „Kirchengeschichte“ von Hottorf,  denn alle vorhandenen Urkunden sind bis auf einen Teil bei einem Großfeuer in Boslar (nur vier von 120 Häusern wurden verschont) am 13. September 1803 verbrannt. Da Hottorf nur Filiaort von Boslar war, befanden sich die Urkunden und Niederschriften im Pfarrhaus von Boslar, welches auch ein Raub der Flammen wurde.

Quelle: Schiffer

Die Abfolge der Ereignisse (u.a. die von Oitdtmannschen Stiftungen von Fenstern, Altar und Kommunionbank von 1750 bis 1754  sowie die Schilderungen zu den Auswirkungen des siebenjährigen Kriegs im Rheinland) legt die Vermutungnahe, dass die Zerstörung  im siebenjährigen Krieg – also um 1760, somit Mitte des 18. Jahrhunderts – erfolgte.

 

Der Siebenjährige Krieg belastet das Rheinland

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| 1756 bis 1763 |

Noch waren die Folgen des 30-jährigen Krieges nicht überwunden und schon wieder folgte Krieg auf Krieg. Besonders der Siebenjährige Krieg nahm das Rheinland schwer mit. Die Franzosen rücken mit großen Truppenmassen durch das Jülicher Land bis in Hannover hinein und wurden dann von den Preußen und Hannoveranern zurückgedrängt. Unter Freund und Feind hatte das Jülicher Land, selbst nicht Schauplatz der Kämpfe, schwer zu leiden. Der Einquartierung Fouragierungen, Vorspannforderungen und Kontributionen ist kein Ende.

Im Februar 1757 sind Linnich und Erkelenz durch Einquartierung viel beschwert worden. Im Juli des selben Jahres sind übr Aldenhoven und Jülich wieder viele Franzosen zu Fuß und zu Pferd nach dem Hannoverschen marschiert. Das war der Vormarsch des 114.000 Mann starken französischen Heeres. Am 23. Juni wurden dann die Franzosen von den Preussen geschlagen uind die Sieger rückten nach. 

….

So ging es fast ununterbrochen die Jahre hindurch. Hier noch einige Notizen. Im Oktober 1750 hat man den Franzosen Vorspann mit Karren müssen geben und Mehl gefahren von Jülich nach Düsseldorf, auch nach Köln. Im Dezember 1760 sind drei Marschen Franzosen von Aldenhoven durch Lövenich nach Erkelenz gezogen. Am 14. Dezember 1761 marschierten französische Völker zu Fuß von Boslar her durch Lövenich nach Dahlen, war ein Elsass teutsches Regiment. Am 31. Mai und 2. Juni 1761 kamen vom Bruch, Münz und anderen umliegenden Orten auf dem Marsche nach Erkelenz wohl ausgerüstete französische Standarmen (Gendarmen); wie viel Kompanie es gewesen, ist unbewusst, und hatten viel Bagage und Maulesel bei sich. Im Mai 1763 marschierten Schweizer auf Linnich.

Im ständigen Kriege verrohten natürlich die Sitten und die Verbrechen mehrten sich.

Aus Rur-Blumen, Nr. 10 vom 5. März 1927, Unsere Heimat im Spiegel eines Tagebuches von Adolf Fischer 

Siehe auch: Siebenjähriger Krieg bei Wikipedia

 

 

Errichtung der Kommunionbank

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| Passend zu den Altären |

Im Jahr 1754 stifteten die von Oidtmann die zu den Altären passende Kommunionbank mir reichem Rocaillewerk.

Die barocke Tauf-Balustrade weist das Allianzwappen des Johann Kaspar von Oidtmann und der Cäcilia von Kessel zu Terbrüggen auf, verheiratet im Jahr 1708.

 

 

Hausbrände im 18. Jahrhundert

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| 7 Häuser brennen nieder, 2 Kinder sterben im Feuer |

Freilich, gerade gegen Brandstifter musste damals scharf vorgegangen werden, denn allzu häufig hören wir aus jener Zeit von verheerenden Bränden, die freilich meist ihre Ursache in dem leichtsinnigen Umgang mit dem Feuer gehabt haben mögen. Deshalb war auch bei schweren Strafen der Gebrauch von offenen Lampen und das Rauchen in Scheunen und Stellungen verboten, des gleichen seit 1757 das Eindecken neuer Häuser mit Stroh. Es brannte fast ständig. Hier nur eine kleine Liste: am 10. Dezember 1752 abends brannten in Hottorf fünf Häuser, eine Scheune und etliche Stallungen nieder. Ebenfalls in Hottorf brannte am 27. Juli des folgenden Jahres, 1753, abends 11:00 Uhr, ein Haus nieder und von einem neuen Haus das Dach ab. Mit verbrannt sind zwei Kühe und was schlimmer war, „zwei Kinder in dem Hause wo der Brand angegangen“.

Aus Rur-Blumen, Nr. 10 vom 5. März 1927, Unsere Heimat im Spiegel eines Tagebuchess von Adolf Fischer 

Siehe auch: Flurnamen und deren Geschichte

 

Errichtung der barocken Altargruppe

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| Stiftung vom Kannonikus von Oidtmann |

Die dreiteilige Altargruppe in einfachen Barockformen wird von Peter Christopher von Oidtmann damals Kanoniker der Kollegialkirche Beata Maria Virginis in Jülich gestiftet.

Der Muttergottesaltar mit einer Madonnenstatute und dem Wappen von Oidtmann dem geschweiften Aufsatz trägt die Inschrift „J. J. VON OIDTMANN, CANNONICUS JULIACENSIS“. Der Stifter ist J. J. Oidtmann, ebenfalls Kannoniker in Jülich.

Der Georgiusaltar mit der Statue des Hl. Georg trägt dieselbe Inschrift.

Die Oidtmanns – verwandt mit den Oidtmanns in Linnich – saßen 2 Jahrhunderte auf auf dem Horrichhof in Hottorf (bis 1839). Ihr Adelsstand wurde durch Königlich-Preußische Kabinettorder vom 11.06.1838 anerkannt.

 

 

 

Wappenfenster mit Inschriften

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| Stiftung von Major von Oidtmann aus Berlin |

Die Kapelle (Kirche) erhält mehrere Wappenfenster mit Inschriften.

Zwei Fenster werden vom Major von Oidtmann in Berlin gestiftet. Das eine mit der Inschrift „LUCEAT IN SOLO FRANCISKUS WILHELMUS OIDTMANN. LUCEAT IN POLO MARIA ELISABETHA OIDTMANNS. LUCEAT IN SOLO ET IN POLO AMBORUM PROGENIES, QUORUM EXPENSIT HIC ET HAEC FENESTRA ANNO 1750 POSITA“.

Das andere ohne Wappen mit der Inschrift: “ADMODUM REFERENDUS DOMINUS DOMINUS PETRUS CHRISTOPHORUS OIDTMANN, ECLISIAE COLLEGIATAE BEATAE MIRIAE VIRGINIS JULIAC. CANONICUS, DONUM DEDIT 1752”.

 

 

Treueid zum Kurfürst

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| Huldigungliste 1730/1731 |

Karl Philipp, Kurfürst von der Pfalz, von 1716 bis 1742 als Herzog von Berg Nachfolger seines Bruders Johann Wilhelm II. (Jan Wellem), hatte für den Fall seines kinderlosen Ablebens seinen Bruder Franz Ludwig, Erzbischof und Kurfürst von Mainz, als seinen Nachfolger auserkoren und deshalb mit Erlass vom 21.7.1730 eine Eventual-Erbhuldigung angeordnet. Eine Beamtenkommission zog durch die Städte und Dörfer des Landes und die männlichen Haushaltvorstände mussten vor den Kurfürstlichen Gesandten den Treue-Eid leisten. Darüber wurden Namenslisten erstellt, die sogenannten Huldigungslisten.
 
Die Listen sind keine exakte Bevölkerungsaufnahme, weil nur die männlichen Haushaltungsvorstände den Treue-Eid leisteten und schriftlich erfasst wurden. Daher finden sich nur die Familienoberhäupter, falls der Ehemann gestorben war, auch dessen Witwe. Kinder werden dort nicht genannt.

Im Herzogtum Jülich zum Beispiel finden sich in diesen Listen nur die Dorfbewohner, aber keine Adligen und auch keine Pfarrer

Diese Listen hat das Landesarchiv NRW Rheinland digitalisiert und Online gestellt, auch für Hottorf (als Teil vom Amt Boslar):

Karte des Erzbistums Köln

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| Burg in Holtorp |

Diese Karte aus 1725-1750 des Erzbistums Köln zeigt Hottorf als einen Ort „Holtorp“ mit einer Burg („chateaux“) im Territorium von Boslar.
(Karte klicken für große Darstellung)

Quelle:
Einrichtung: Moravian Library
Vollständiger Titel: Carte Nouvelle de l’Archevesché et Eslectorat de Cologne Avec ses Enclaves dans les Pays Circomvoisins.
Autor: Sanson, Guillaume
Jahr der Abbildung: 1725 – 1750
Veröffentlichungsdatum: 1725 – 1750
Herausgeber: Ottens, Josua
Physische Größe: 46.50 x 58.00 cm

Bei dieser weiteren Karte des Herzogtums Jülich aus gleicher Zeit stimmen die geographischen Verhältnisse der Verortung von Hottorf nicht.
(Karte klicken für große Darstellung)

Quelle:
Einrichtung: Moravian Library
Vollständiger Titel: Le Duché de Iuliers, l’Abbaye de Sr. Cornelis Munster, la Baronie de Wickrad, et la Ville Imperiale d’Aix la Chapelle Autor: Sanson, Guillaume
Jahr der Abbildung: 1725 – 1750
Veröffentlichungsdatum: 1725 – 1750
Herausgeber: Ottens, Josua
Physische Größe: 41.50 x 54.50 cm

Hinweis: OldsMapOnline

Neues Rektoralshaus

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| Rektor baut weiter |

Am 15. August 1725 legte der damalige Rektor Constantin Adam Dierna dem Kirchenvorstand den Entwurf eines neuen Rektoralshauses vor, das ebenfalls von Arnold Heck erbaut wird.

 

 

Bau einer „Pfarrscheune“

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| Bausumme von 105 Thalern |

Am 11. Mai wird mit dem Bau einer „Pfarrscheune“ begonnen. In dem Kontrakt zum Bau der Scheune werden sechs Wochen Bauzeit angesetzt, weiter heißt es: „sie soll aus vorgeschriebenem, gesunden Eichenholz, fuß und zoll maß bestehen, andernfalls solle ihm Arnold Heck bey sechs von genannten Contract abgezogen werden.“

Dieser Vertrag wird von Dierna und Heck unterzeichnet. Am 18. Juli 1722 wird dem Baumeister auf Schloss Hambach die Bausumme von 105 Thalern übergeben.

 

 

Installation der ersten Glocke

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| Glocke von 1513 |

Installation der ersten Glocke (b‘)

Wie die Inschrift vermuten lässt, wurde diese bereits 1513 gegossene Glocke wohl aus einem anderen Ort übernommen.

ANNA HEISCHEN ICH, IN DIE EERE GOTZ LUDEN ICH, GREGORIUS VON TRIER GOIS MICH ANNO DNI 1513

Diese große Glocke stammt von Gregorius van Trier, welcher zu jener Zeit in Aachen tätig war und für ganz Nordrhein-Westfalen viele Glocken lieferte.

Diese Glocke wurde über 500 Jahre nie beschädigt oder umgegosssen und hängt weiterhin im Hottorfer Kirchturm.

Einkünfte der Kapelle an Deutschordenskommende

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Ende der Einflusses der von Pallant

Die von Palant scheinen das Patronatsrecht bis 1637 ausgeübt zu haben (genaueres kann nicht gesagt werden, denn darüber gibt es keine Unterlagen), denn von da ab gingen alle Rechte und Einkünfte der Kirche an die Deutschordenskommende Siersdorf.

Im Jahre 1190 gründeten Bremer Kaufleute den Deutschen Orden, eine Vereinigung zur Krankenpflege während der Kreuzzüge. Die erste Berührung des Ordens mit dem Jülicher Land fand auf einem Kreuzzug in den Jahren 1218 bis 1219 statt, an dem auch Graf Wilhelm III. von Jülich teilnahm. Der Kreuzzug war 1215 auf dem Lateranischen Konzil von Papst Innocenz III. geplant worden. Dieser Zug wurde dann 1218 gegen den in Kairo lebenden mächtigen Sultan Saladin geführt, wo er im Jahre 1221 scheiterte. Graf Wilhelm starb 1219 an einer tückischen Krankheit, nachdem er kurz zuvor aus Anerkennung für die Krankenpfege dem Orden die Kirchen in Nideggen und Siersdorf „geschenkt und übertragen, zu ewigem, sichern und vollständigen Besitz.“ Aus dieser Stiftung entstand dann die Siersdorfer Kommende.

Quelle: Schiffer

Nach knapp 230 Jahren endet das Patronat der von Palant

sIm Jahr 1420 hatte Werner II (1375-1456) das Patronat von den Herren von Hottorf übernommen.

Sein Urenkel Gerhardt (1472-1546) von Palandt-Flamersheim zu Hottorf und Vernich lebt wohl auf der Wasserburg Flamersheim bei Euskirchen und hat das Patronat der Hottorfer Kapelle als letzter Palandt inne. Er hat keine Söhne, wohl aber fünf Töchter, wovon Adriana (1530-1579) einen von Utenhove heiratet, dessen Familie an anderer Stelle als Besitzer des ursprünglichen Hottorfer (Burg-)Gutshofes genannt wird. Das Wappen der von Utenhove soll sich heute noch an der Südseite des Stifts befinden (konnte der Chronist noch nicht überprüfen).

Auch Adrianas Sohn Johan Karel (1519-1618) bleibt ohne männlichen Nachwuchs. Dies mag der Grund sein, warum auch das Patronat der Hottorfer Kapelle weitergegeben wurde.

Wappen von Palant von Breitenbend
Wappen von Palandt-Flamersheim
Wappen von Utehove

Wer sich für  Ahnenforschung interessiert, findet unter dem Menüpunkt Familien weitere Informationen zur Herkunft und den Verwandtschaftsverhältnissen einiger Hottorfer Familien.

Brudermord – Bernhard von Tongeren

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| Des Vates Fluch |

Die überlieferte Geschichte vom Steinkreuz wird innerhalb von wenigen Jahren in zwei verschiedenen Versionen in den Rur-Blumen wiedergegeben:

  1. Das alte Steinkreuz am Wege von Hottorf nach Lövenich in: Jg. 1937, Nr. 4 und
  2. Das alte Kreuz am Buchholzbusch in Nr. 43 vom 30. Okt. 1943, Seite 163-64.

Beide Geschichten sind weiter unten wiedergegeben. Im Pfarrachiv befindet sich dazu folgende Ergänzung von Wilhelm Honold: 

Anno 1925. Wenn Johann Schmitz, 12 Jahre alt, Willi Schmitz 10, Jahre alt, und ich Wilhelm Honold, 13 Jahre alt, unseren Sonntagsspaziergang machten, war unser Ziel der Rabeboom (Rabenbaum). Der Rabeboom war eine mehrere 100 Jahre alte Buche und stand zwischen Hottorf und Kleinboslar. Die Buche war der letzte stumme Zeuge von dem damaligen Brudermord. Diesen Baum benutzten im Herbst und Winter die Krähen als Rastplatz. Daher der Name Rabeboom. Wir konnten mit drei Jungen die Buche umfassen, aber uns dabei nur mit den Fingerspitzen berühren. Der Umfang in 1 Meter Höher war ca. 4,26 m. 
Wenn wir von unserem Spaziergnag zu spät nach Hause kamen, gab es eine „Abreibung“. Leider ist die Buche von deutschen Soldaten 1944 gefällt worden.

Ich erinnere mich, dass das in der nachstehenden Aufzeichnung erwähnte Kreuz immer einen anderen Platz hatte. Um dieses zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen. Laut mündlicher Überlieferung war zur Zeit des Brudermordes 1623 Hottorf vom Mischwald umgeben. Es waren nur einige, die von der Landwirtschaft lebten. Die Herren und Wohlhabenden des Ortes waren Weber. Die Weber gingen zu Fuß nach Rheydt (Entfernung 25 km) und holten im Rucksack Garn, webten dieses zu Tuch und brachten es zurück. 

Landwirte und Weber lebten zusammen wie Katz und Hund. Ein Beispiel: Wenn ein Weber das Gasthaus betrat, nahm er sein Taschentuch und wischte damit den Stuhl ab mit der Begründung, es könnte ein Landwirt darauf gesessen haben. Ein jähes Erwachen gab es für die Herren Weber in den Jahren 1855-1860. Die Dampfmaschine hielt Einzug in den Betrieben. In Rheydt gab es kein Garn mehr, es waren Webereien gebaut worden, die billiger arbeiteten. Jetzt war guter Rat teuer. Die Weber in Hottorf waren arbeitslos. Das haben wir 1975 bei der Automatisierung und Rationalisierung auch erlebt, über 1 Mio. Arbeitlose in Deutschland.

1860 blieb den Webern nichts anders übrig, als zu ihren Feinden überzugehen und Landwirt zu werden. Man rodete in der Gemarkung Hottorf 2.400 Morgen Wald und bildete viele Kleinbetriebe. Dazu sagte man als Schimpfname „Ackere mit einer Kuh“. Der letzte Samtweber, Hermann Heister, ist 1936 zu Grabe getragen worden.  

Seit 1860 ist das Kreuz ruhelos hin und her gewälzt worden. Keiner wollte es auf seinem Acker haben. 1930 hat der Landwirt Josef Reiners aus Hottorf das Kreuz zum Friedhof gefahren und es an der Nordmauer abgestellt. Im Krieg 1939-1945 wurden Kirche und Friedhofmauer schwer zerstört. Als im Jahre 1947 die Friedhofsmauer repariert wurde, hat das Kreuz (dort eingemauert) hoffentlich für immer einen festen Platz erhalten.  

Das alte Steinkreuz am Wege von Hottorf nach Lövenich

In Hottorf lebte ein alter Bauer mit seinen beiden erwachsenen Söhnen. Zwischen dem Vater und den Söhnen kam es oft zu heftigen Streitigkeiten, denn trotz seines Alters wollte der Vater das Gut nicht aus der Hand geben und den Söhnen überlassen. Eines Tages, a1s der Streit wieder heftig tobte, vertrieben die Söhne den Vater vom Hof. Am Hoftor wandte sich der Vater nochmals um und sprach den Fluch über seine Söhne aus: „So ihr nicht euren alten Vater hier auf dem Hofe leben 1asset, bis ihm der Tod die Augen sch1ießt, so sollt auch ihr euer Leben, nicht auf ihm verbringen.“ Jahre vergingen. Die Brüder schafften Hand in Hand und mehrten den Besitz. Auf einer Kirmes lernten sie beide ein Mädchen aus Kleinboslar kennen, das sie bald auch liebten. Mit der Liebe zum Mädchen zog der Hass gegeneinander in die Brüder ein. Beide drängten auf Entscheidung. Das Mädchen merkte diesen Hass und kannte den Jähzorn der Brüder. Deshalb fürchtete es sich, münd1ich die Entscheidung zu geben und versprach, sie schriftlich zu benachrichtigen. Der ältere der beiden Brüder ahnte wohl, dass der jüngere Bruder ausersehen würde, und Neid und Eifersucht steigerten sich in ihm gewaltig. So sann er nun auf eine List. Er redete mit dem Knecht den das Mädchen meist als Bote schickte und bestach ihn, falls der Bescheid für ihn ungünstig ausfalle, in mit schreibgewandter Hand in einen günstigen umzuwandeln. Beide erwarteten nun mit großer Spannung die Entscheidung. Schon bald traf sie ein und das Mädchen hatte den Älteren auserwählt. Der Jüngere stand da wie vom Schlag getroffen. „Hat sie ihre Ansicht wirklich so schnell geändert? Beim letzten Zusammensein versprach sie mir hoch und heilig ihre Liebe.“ Dabei schaute er den Boten an, dessen Blick verlegen den Boden suchte. Da stieg eine böse Ahnung ihm auf und sehr schroff sagte er: „Ich traue dem Brief nicht, sofort reite ich hin, wenn es auch schon dunkel wird.“ Damit lief er ins Haus, um Sattel und Zügel zu holen.

Der ältere Bruder sah schon im Geiste, wie ein plumper Betrug entdeckt würde und damit jegliche Hoffnung auf den Besitz des Mädchens schwinden. Wie ist es mit dem versprochenen Lohn fragte der noch wartende Knecht. „Den bekommst du nach der Heirat deines Bruders“, höhnte der Knecht. Zornig sah jener ihn an und brüllte: „nach meiner!“ Dann werde ich wohl noch lange warten müssen“, entgegnete der Knecht, denn dein Bruder bekommt das Mädchen. „Nie“! schrie der Ältere dem Knecht ins Gesicht und stürmte in den Pferdestall. Hastig führte er ein Pferd heraus und zum Tor hinausspringend, wandte er sich noch zum Knecht und schrie: „Ich muss noch eine Besorgung in der Stadt machen.“ Jetzt kam auch der jüngere aus dem Pferdestall, der in Ruhe sein Pferd gesattelt hatte, und ritt zuversichtlich zum Tor hinaus. Der Knecht, dem eine böse Ahnung in den Sinn gekommen war, wollte ihn noch warnen. Doch er wurde abgewiesen mit den Worten: „Was willst du noch, du Betrüger? Da meldete sich beim Knecht das Gewissen und er fühlte sich mitschuldig an dem, was vielleicht geschehen könnte. So eilte er sinnend durch das dunkle Dorf. Da kam ihm der Gedanke, ein Pferd zu leihen und nachzureiten. Doch verwarf er diesen Plan wieder und fasste den Entschluss, in die Kirche zu gehen, um den Allmächtigen zu bitten, ein Unheil abzuwenden. Doch zu spät! Als er zögernd in der Dorfstraße stand und weiter überlegte, hörte er in der Ferne Hufschläge eines galoppierenden Pferdes. Er lauschte gespannt und merkte, wie die Hufschläge immer näher kamen. Schon bald jagte das Pferd an ihm vorbei. Doch erkannte er voll Entsetzen den Fuchs des Jüngeren, doch der Reiter fehlte. Er rief die Dorfbewohner zusammen und alle suchten den Reiter, den sie nach langer Zeit tot in seinem Blute fanden. Von dem Täter fanden sie keine Spur, er war schon entflohen.

Der jüngere war von seinem eigenen Bruder erschlagen worden und der Ältere starb später in fremdem Land. Des Vaters Fluch war in Erfüllung gegangen.

Noch zum Anfang der 20. Jahrhunderts stand am Weg zwischen Lövenich und Hottorf da wo die Grenzen der beiden Gemarkungen 1iegen, ein altes Steinkreuz. Es trug die Aufschrift „Anno 1623, den 9.0ktober, ist der wohl edle ehrenfeste Bernhard von Tongern allhier jämmerlich ermordet worden.“

Steinkreuz auf dem Hottorfer Friedhof an der Mauer zum Nachbargebäude in der Heerbahn (östliche Seite des Friedhofs)

Das alte Kreuz am Buchholzbusch

Es waren betrübte und armselige Zeiten damals, als man Anno Domini 1623 schrieb. Seit fast ein und einem halben Jahrzehnt vergingen die Tage in Unruhe und Sorge, und die Nächte waren voller Leid und Gefahren.

Im Jahre 1609 war der letzte Herzog Johann Wilhelm von Jülich im Wahnsinn gestorben, nachdem seine Räte die Herzogin Jakobe von Baden aus dem Wege geräumt hatten, um den kranken Fürsten Antoinette von Lothringen als zweite Gattin zuzuführen. Der Tod des Herzog führte zum Jülich-klevischen Erbfolgestreit, der das gesegnete Jülicher Land und seine weitere Umgebung verheerte. Vom 28. Juli bis zum 1. September 1610 hatte Moritz von Oranien mit seinen Scharen die Stadt Jülich belagert. Bei Broich, unweit der Festung, standen die Zelte seiner Truppen, und viele Feuerschlünder warfen ihre glühenden Kugeln in die unglückliche Stadt. Die Fußgänger und Reiter aber ergossen sich raubend und plündernd weit in die umliegenden Dörfer und Gehöfte und nahmen, was ihnen das Mitnehmen wert war. Denn der Krieg musste den Krieg ernähren, und so mancher von den Landknechten suchte noch dazu, in den rauen Händeln jeder Zeit sein eigenes Glück zu machen, um später desto ungesorgter Leben zu können.

Der Kampf um das reiche Erbe war aber noch nicht beendet, als eine noch schlimmere Heimsuchung entbrannte. Das war jener lange, fürchterliche Kampf, den man später wegen seiner Dauer kurzweg den 30-jährigen Krieg nannte, ohne dabei an all das Leid und das Elend der wenigen Überlebenden und die große Schande seines Friedensschlusses zu denken. Vom 5. September 1621 bis zum 3. Februar 1622 schlugen abermals fremde Truppen ihr Lager bei Broich auf, um von hier aus fast fünf Monate lang den Kommandanten Friedrich Pithan in der Festung Jülich zu belagern und ihm zur Übergabe der zäh verteidigten Stadt zu zwingen, Wieder litt das platte Land unter den Bedrückungen und Plünderungen der umherschweifenden Kriegsvölker, die Weg und Steg unsicher machten.

Nun schrieb man den 9. Oktobris; ein schöner Herbsttag neigt sich seinem Ende zu. Der grimme Krieg hatte erst fünf Jahre gedauert, und sein Ende war noch nicht abzusehen. Die Herbstsonne war schon einige Zeit hinter den hohen Wipfeln des dichten Buchholzbusches verschwunden und hatte die letzten goldenen Lichtstrahlen gleich eine feurigen Schleppe hinter sich hergezogen.

Auf einem der unweit Klein-Bouslar gelagerten Herrenhöfe war es allmählich ruhig geworden. Die fremden Hofleute, die in dem kleinen Dorfe für ihre Heimat hatten, waren schon längst in ihre armseligen Hütten gegangen, um sich nach des Tages Mühe und Last der wohlverdienten Ruhe hinzugeben. Das laute Muhen einiger Kühe und das plötzliche Stampfen unruhiger Pferde hatte aufgehört und einer großen, abendlichen Stille Platz gemacht. Ein frischer Wind strich durch die Äste der Bäume, die den Herrenhof umgaben, und Trieb mit den fallenden Blättern sein Spiel. Mit heiseren Schrei überflog ein Käuzchen beutesuchend das still gewordene Gehöft.

Jörg, der Kleinknecht, hatte sich bereits in seinen bescheidenen Verschlag bei den Pferden zurückgezogen und behaglich auf seinen Strohlager gestreckt. Eben noch hatte er den Junker Bernhard von Tongeren gedacht, dem er vor einer Stunde den Braunen gesattelt hatte und der ein so freundlicher Herr war. Mit dem Gedanken an den Junker und an seinen späten Ritt schlief Jörg sorglos ein.

Da stieß ihn plötzlich jemand in die Seite: „Jörg, auf! Kein großes Geräusch gemacht! Sattle in den Braunen, und hinaus mit ihm auf die Wiese! Aber sofort!“

Jörg hebt sich die Augen, den ersten Schlaf schnell zu vertreiben. Ein neuer, kräftiger Fauststoß half ihm dabei: „Mach doch voran! Du Faulenzer!“ herrschte ihn jemand an. Da erkannte Jörg den älteren Junker, der im Gegensatz zu seinem Bruder Bernhard so ungut zu allen Leuten war, und antwortete ihm: „Der braune ist nicht da, Herr! Junker Bernhard ritt damit aus!“

„Wohin?“ wollte da der Junge noch wissen. Aber Jörg stellte sich dumm und stumm; er gab darauf keine Antwort.

„Den Mund auf!“ brüllte ihn der Junker an. „Ich will wissen, wohin der Herr Bruder geritten ist! Oder soll ich dir das Mundwerk öffnen!“

Der Kleinknecht aber schwieg weiter. Er wusste zwar recht wohl, dass junger Bernhard, wie so oft an dem schönen Fräulein auf dem Hottorfer Herrenhaus seinen kurzen Besuch abstatten wollte. Aber der ungute Bruder sollte davon aus seinem Munde nichts erfahren.

Jörgs sattelte ein anderes Pferd und führte es hinaus. Der Junker bestieg es, und während er mit der Reitpeitsche nach Jörg Schluck, murmelte er zwischen seinen Zähnen: „Freund, dir werde ich den Besuch noch heimzahlen. Einmal muss doch nun damit ein Ende werden!“ Der Kleinknecht hörte die Worte noch und schrak zusammen. Waren sie für ihn und seine Ohren bestimmt oder nicht? Sollte vielleicht der Junker Bernhard gemeint sein? Dann wäre es bald in der Zeit, ihn zu warnen. Voller Gedanken war sich Jörg wieder auf seine Strohschütte; über seine Gedanken und Pläne aber legte der Schlaf bald das Vergessen.

Der Junker ritt während dessen davon, er sprengte über die Obstwiesen der väterlichen Besitzungen zu den Wege, der von Lövenich nach Hottorf führte.

Just zur selben Zeit hatte auch Bernhard von Tongeren drüben in Hottorf seinen Braunen wieder bestiegen, nachdem er sich von seiner Braut verabschiedet und von ihren Eltern Urlaub genommen hatte. Seinen Blick ging jetzt noch einmal zurück zu dem Fenster, wo er seine Herzliebste wusste. Dann gab er dem Tier einen leichten Schenkeldruck und schlug den Heimweg ein.

Tiefe nächtliche Dunkelheit hatte sich bereits über Wald und Feld gelagert. Doch das gute Tier und sein furchtloser Reiter kannten den breiten Weg, der nach Hause führte, gut. Niemand war mehr unterwegs, und nichts rührte sich. Selbst der Herbstwind schlief. Die Stille der Nacht war in diesen unruhigen und gefahrvollen Kriegstagen doppelt unheimlich. Darum hielt der Junker auch vorsichtshalber die eine Hand ständig am Griff seiner Doppelpistole, die geladen in seinem Gürtel steckte. Das dichte Gehölz des Buchholzbusches war für unheimliche Gesellen ein guter Aufenthalt. Unverhoffte Gefahren konnten von dort her drohen.

Aber alles blieb ruhig und still bis auf ein Käuzchen, das mehrmals jämmerlich aufschrie. Unangefochten erreichte Bernhard von Tongeren das Ende des Busches auf der Seite gegen Mitternacht, wo der schmalere Weg auf Klein-Bouslar zu, den die Alten gerne den Leichenweg nannten, nach Morgen und Abend hin abzweigte. Erleichtert atmete der einsame Reiter auf, als er nun von der breiteren Straße in den uralten Leichenweg einbog. Ahnungslos ritt er weiter. Die Hand ließ den Griff der Pistole fahren; denn nun konnte die Gefahr nicht mehr so groß sein. Bernhard von Tongeren dachte nicht daran, dass gerade an dieser Stelle der Tod begierig auf ihn lauerte und sich sein Schicksal hier erfüllen sollte. Das Pferd witterte schon den Stall und schlug eine schnellere Gangart an. Aber es spürte auch die Nähe eines versteckten Menschen und wurde deshalb unruhig. Der Junker war noch in seinen Gedanken drüben auf dem Herrenhofe in Hottorf. Süße Worte klangen in seinen Ohren nach. Der beutegierige Tod schüttelte nachdenklich den Kopf und drehte noch einmal seine Sanduhr um; er beobachtete voller Spannung, wie die letzten Körnchen allmählich in die untere Hälfte seines Stundenglases fielen.

Da raschelte es ganz leise, ein wenig im Strauchwerk zur Seite des Weges, als der Junker vorüberschritt. Schnell griff die Hand wieder zur Pistole, während sich die Augen tief in das dunkle Gemisch bohren wollten. Aber nichts war in der Dunkelheit zu sehen.

In der Sanduhr des unheimlichen Sensenmannes aber fielen gerade die letzten Sandkörnchen in die untere Hälfte. Da knackte es erneut in den Sträuchern; der Junker kannte das Geräusch. Nun wusste er mit Sicherheit, dass ein Übeltäter ihn beschlich und ein grimmer Kampf bevorstand. Aber noch eher er die ersten Versuche machen konnte, aus dem Sattel zu springen, zerriss ein Schuss die nächtliche Stille. Mit einem leisen Aufschrei griff der Junker in die linke Seite, dann fiel er schwer aus dem Sattel auf den Boden. Das Pferd machte erschrocken einen weiten Satz und schleift den zu Tode getroffenen Junker noch ein paar Schritte weiter. Dann löste sich der Fuß des Reiters aus dem Steigbügel und das Tier rannte heimwärts.

Junker Bernhard von Tongeren lag im niedrigen Gras an der Webseite. Er war bewusstlos geworden. Aus einer tiefen Wunde floss langsam das rote Blut, und mit ihm Schwant allmählich das Leben dahin.

Als am anderen Morgen sich der Kleinknecht Jörg zu ungewohnt früher Stunde von seinem Lager im Pferdestall erhob, sah er sofort, dass der Braune des Junkers Bernhard fehlte. Dagegen stand der Rappen, dem er den Bruder gezäumt hatte, richtig an seinem Platz. Aber draußen hörte er ein Scharren und Wiehern, das bis in seine Träume gedrungen war und ihn geweckt hatte. Da lief Jörg voller Ahnungen hinaus. Er fand dort das Pferd des Junkers, Bernhard vor dem Wiesentor. Erschrocken lief Jörg, nachdem er das Tier eingestallt hatte, in das Herrenhaus und meldete dort seinen entsetzlichen Verdacht.

Darauf wurde der Junker Bernhard sofort von einigen Leuten gesucht. Die Knechte fanden ihn bald draußen am Leichenweg, kalt und tot. Sie trogen die Leiche zurück nach Klein-Bouslar in das Herrenhaus. Das war für alle ein recht trauriger Heimweg; denn alle liebten den stets freundlichen Junker, der sich immer um ihre großen und kleinen Leiden und Freuden gekümmert hatte.

Von Klein-Bouslar aus bereitete man den toten Junker nach einigen Tagen ein feierliches Begräbnis, an dem die Edlen und Herren der ganzen Gegend mit ihren Frauen teilnahmen. Viele aus dem Volk zogen hinter dem Sarge her und geleiteten den toten Junker in die Gruft seiner Vorfahren.

Auch Jörg war unter den Leidtragenden. Jedem, der es wissen wollte, erzählte er seine letzten Erlebnisse mit dem Junker. Dabei wusste er dann auch von den schlimmen Drohungen zu sprechen, die der Bruder des Junkers noch am letzten Abend ausgestoßen hatte.

So kam es, dass man bald in der ganzen Gegend heimlich auf den Junker als den schuldigen Meuchelmörder wies. Aber offen getraute sich niemand, es zu sagen, da alle den Junker fürchteten und keiner zeugen der Meintat beibringen konnte. So blieb der Meuchelmord für alle Zeiten ungesühnt.

An der Stelle aber wo die Untat geschehen ist, wurde bald darauf ein schlichtes Steinkreuz errichtet, das die Worte trug:
    A° 1623 DEN 9
    OKTOB IST DER
    WOLEDLER EHRENFESTER
    BERNHARDT VON
    TONGEREN ALLHIE JA=
    MERLIC ER
    MORDT

 (Das R und besonders das N ist in „Bernhard“ zweifelhaft.)

Mehr als drei Jahrhunderte hindurch hat dieses Steinkreuz an der Stelle des Verbrechens gestanden und Kindern und Kindeskinder von der grausigen Unterhalt erzählt. Weil es aber zu nah am Wege stand und allzu oft von ungeschickten Fuhrleuten angefahren wurde, steht das alte Kreuz seit einigen Jahren auf dem Hotter Kirchhof an der Ostmauer am Sakristeieingang und zeugt auch dort noch weiter von jener schlimmen Tat, von der heute noch manchmal dieAalten an stürmischen Herbsttagen erzählen.

 

Dreißigjähriger Krieg bricht aus

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| Ende mit dem Westfälischen Frieden 1648 |

Die Bevölkerungszahl der Deutschen geht um ein Drittel zurück und erst im 18. Jahrhundert erreicht Deutschland wieder den Bevölkerungsstand von 1618. Deutschland verödet, in manchen Regionen ist die bäuerliche Bevölkerung praktisch ausgestorben.

Allerdings sind nicht alle Regionen gleich betroffen. Besonders trifft es die Regionen, durch die die Armeen ziehen, wie zum Beispiel Norddeutschland, Niedersachsen, Mitteldeutschland, das Gebiet des heutigen Hessen und Bayern.

Belagerung Jülichs

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| Zeltlager vor der Kirche |

Im Zusammenhang mit der Belagerung Jülichs durch Moritz von Oranien: Zeltlager des holländischen „Commisaris Generals“ Thomas van Stakenbroeck vor unserer Kirche (auf einem Kupferstich von Florentinus Balthasar)

Foto: Schiffer

Anmerkung des Chronisten: Wenn man von einer Genauigkeit der Darstellung ausgehen kann, lässt diese vermuten, dass Hottorf auch an der Südseite (also in Richtung Müntz/Hompesch) bewaldet war, also eben nicht nur in der nördlichen Richtung mit dem Buchholzbuch. Für eine eventuelle Bewaldung an der Südseite des Dorfes existieren jedoch keine Belege.

Überfall und Plünderung

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Überfall und Plünderung der Ortschaft durch spanisches Kriegsvolk unter Führung des Obristen Fronßbergs. Häuser und Felder wurden niedergebrannt.

Dazu gehört auch der damalige Horrich Hof in der Ortsmitte.  Meinhard von Horrich gefangen, sein Haus ausgeplündert. 

Quelle: Kriesgschäden, welche das Herzogthum Jülich durch Einlagerungen und Durchzüge spanischer und kurkölnischer Truppen in den Jahren 1568 bis 1589 erlitten hat, Mitgeteilt von W. Grafen von Mirbach, Seiten 279 bis 327, aus Zeitschift des Aachener Geschichtsvereins, Jahr ??, aus Stadtbibliothek Aachen ZVNW 52.136.168

Darin heißt es auf Seite 290: „Des spanischen Obristen Fronßbergs Kriegsvolk hat im Jahr 1580 im Dorff Bosselar, Hompesch, Muntz, Hottorff, Raelshoven, wie dan des Graven von Reulr Volk im Jahr 1579 im Dorff Gevenich Glimbach Schaden gethan … 1820 Thaler.

Es wird auch von weiteren Schäden durch die Spanier in den umliegende Dörfen wie. z. B. Tetz, Gevelsdorf im Januar 1586 oder in Lövenich und Katzem im Oktober 1588 berichtet.

 

Erste Kartierung von Hottorf

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| Auf spanischen Kriegskarten |

Karte von  Christian Sgrooten, Kartograf vom Niederrhein, mit Schreibweise „Hottorp“
(Karte zeigt nach oben in östliche Himmelrichtung, Karte anklicken für große Darstellung)

Quelle: 
Einrichtung: Moravian Library
Vollständiger Titel: Gelriae, Cliviae, Finitimorvmque Locorvm Verissima Descriptio Autor: Sgrooten, Christian
Jahr der Abbildung: 1570 – 1603
Veröffentlichungsdatum: 1570 – 1603

Erste kartographische Beweise des Ortes in einem handgezeichneten Atlanten von Christian van Sgrooten auf spanischen Kriegskarten der damaligen Festung Jülich. Von jeder Karte existiert nur noch je ein Originalstück (ein Stück in der „Bibliotheque Royale Albert I“ in Brüssel und ein Stück in der „Biblioteca Nacional“ in Madrid). Auf diesen Karten wird unser Ort einmal „Hottorff“ (1573) und 1592 „Heydorpe“ genannt.

Quelle: Schiffer

Karte von  Christian Sgrooten aus 1557 mit Schreibweise „Haydorff“
(Karte klicken für große Darstellung)

Hinweis: OldsMapOnline

Das Konzil von Trient

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| Katholische Reform |

Das Konzil von Trient beginnt, es dauert 18 Jahre mit unseligen Unterbrechungen: Katholische Reform und Abgrenzung vom Protestantismus (Bibelkanon, Tradition, Gnadenlehre, Kirchenverständnis, Sakramente, Liturgie, Heiligenverehrung, Disziplin, Orden).

Filiale von Boslar

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| Sakramente wurden nicht gespendet |

Die ganze Zeit hindurch blieb Hottorf Filialort von Boslar  Die Kommunikanten gehören zu Boslar, der Pastor, d.h. der die Kapelle von Boslar bedienende Geistliche, hat wöchentlich drei Messen.
Die Kapelle hatte keinen eigene Sakramente, aber eine eigene Begräbnisstätte.

Quelle: Schiffer

In einem Erkundigungsbuch des 16. Jahrhundert befinden sich mehrere Einträge für Hottorf (entnommen aus Visitationsprotokolle u. Berichte [8]):

28. Juni 1533

Übersetzte und kommentierte Fassung:
Hottorf. Die Kapelle ist keine selbstständige Pfarrei, sondern eine Filiale. Der „Capellenherr“ ist Gerhardt von Palant, ein Adeliger, der das Patronatsrecht innehat – also das Recht, den Pastor einzusetzen. Solche Rechte waren damals typisch für Adelsfamilien.
Die Kapelle besitzt etwa 40 Morgen Ackerland. Ein „Morgen“ war ein Flächenmaß, das ungefähr der Fläche entspricht, die man an einem Morgen pflügen konnte – ca. 0,25 bis 0,35 Hektar.
Jeder Morgen bringt 3 Sümber Roggen ein – „Sümber“ ist ein regionales Hohlmaß für Getreide (wahrscheinlich um die 60 Liter).
Zusätzlich gibt es einen Zehnten, eine Abgabe, die meist an die Kirche oder den Grundherrn ging. Hier sind es jährlich 30 Malter Roggen und ebenso viel Hafer. Ein „Malter“ war ein weiteres Maß für Getreide, oft ca. 93–110 Liter.
Der „dritte Licht“ (eine weitere Einnahmequelle) besteht aus 12 Morgen Wald/Büsche aus dem Buchholzbusch und bringt 20 Mark jährlich ein.
Die Kommunikanten (also Pfarrangehörige) gehören zur Gemeinde Boslar.
Der Pastor liest wöchentlich drei Messen, was eine stattliche Anzahl für eine kleine Kapelle war.
Der Altar der heiligen Katharina ist ein eigener Stiftungspunkt. Für eine Messe dort bekommt man 10 Malter Roggen – typisch für Altäre mit eigener Stiftung (so genannte Altarpfründen).
Die Kapelle hat Renten, also regelmäßige Einkünfte. Ein Zehnt bringt 1 Malter, und daraus werden Kerzen bezahlt – für den liturgischen Gebrauch. In einem Jahr wird mehr verbraucht als im anderen.
Es gibt keine Schule und kein Hospital, was bei kleinen Kapellen üblich war – diese Aufgaben lagen meist in der Pfarrgemeinde.
Es gibt eine Bruderschaft (Mutter Gottes und St. Georg). Sie besitzt 4 Malter Roggen (Einkünfte) und muss dem Pastor und den Kirchenrat Rechenschaft geben.
Spenden (vielleicht aus Stiftungen oder Kollekten) bringen weitere 5 Malter Roggen ein.
Der Küster, also der Kirchendiener, bekommt 9 oder 10 Gulden – eine einfache, aber wichtige Rolle: Er war für den Unterhalt der Kirche (Kerzen, Reinigung, Pflege des Altars) zuständig.
Der Pastor predigt das Evangelium – also gemäß der Lehre Christi – und lebt ehrbar. Das war eine wichtige Charakterbeschreibung und zeigt: Man hielt ihn für tüchtig und moralisch einwandfrei.
Die Untertanen (also die Gläubigen oder die Bewohner) sind gehorsam und friedlich, ohne neue Ideen oder Aufstände – wahrscheinlich eine implizite Abgrenzung gegenüber reformatorischen Strömungen oder sozialen Unruhen.
Pastor: Herr Gerhart von Wassenbergh ist Vikar. Er wurde vom Junker Gerhart von Palant zu Flamersheim eingesetzt.
Er besitzt 40 Morgen Ackerland und ein Wohnhaus.
An Büchern besitzt er die Bibel, das „Paratium discipulum“ (Leitfaden für den korrekten priesterlichen Dienst), die „Postilla“ (zur Predigtvorbereitung über das Kirchenjahr hinweg) und andere (geistliche Werke). Diese drei Bücher zeigen, dass er gut ausgebildet und liturgisch orientiert war – auch wenn er vermutlich kein Universitätsstudium hatte.
Junker Herman von Ghoir, Statthalter von Limburg, hat dem Küster in Houtorp für sechs Jahre seine Sommerabgaben (Naturalabgaben) erlassen.
Der Pastor beklagt sich darüber, dass einige Nachbarn nicht bereit sind, gegenüber der Kirche Rechenschaft abzulegen.
Lenhart ter Roich, Derich Schender und Meister Dreyss sagen, dass die Gesetze der Kirche bloße Menschengesetze seien.
Sie wollen nicht fasten und auch die heiligen Feiertage nicht begehen.
Dennoch haben sie das heilige Sakrament empfangen und sich nicht öffentlich getrennt (z. B. durch Kirchenaustritt oder Sektenbildung).

Houtorp. Ist ein capella. Der capellen ist gifter Gerhardt van Palant, der selbiger setz innen einen pastoir.
Hait de capelle ungefierlich 40 morgen artlantz, doit eder morgen 3 sumber rocgen. Darzo einen zienden, doit eins jairs 30 malder rogen das ander so vil haveren, das dirde licht es ledich 12 morgen busch darzo 20 mark juirliches. De communicanten gehueren zo Boslar. Der pastoir haitzer wecken  3 missen.
Der ist sent Cathrinen altair, hait 10 malder rocgen zo einer missen.
De capelle hait renten, ein zenden doit /malder, wirt bider kerzen ausgedain, also eins jairs mehe, dan das ander. Ist kein schoil noch hospitail.
Ist  ein broderschaft, hait 4 malder rocgen , beschicht rechenschaft vur pastoir und naberen.
Item spinden 5 malder rocgen.
Der custer hait 9 ader 10 gulden .
Der pastoir predigt den text des hilgen evangeliums und erberlichs levens. De underthanen sint gehoirsam one alle neuwerong.
Pastoir: Her Gerhart van Wassenbergh ist  vicarius und jonkher Gerhart van Palant zo Flamersheim hait sieine gegeven. Hait 40 morgen arlands , hait eine behausung. Libros haven Biblian, Paratium discipulum, Postillam etc.
Bemerkungen:
Jonkher Herman van Ghoir, stathelder van Lymburd, hait dem custer zo Houtorp 6 jaire siene sommergerien vur enthalden.
Der pastoir sagt an, we eine de naberen zo der kirchen rechenschaft neit wellen nemen. Lenhart ter Roich, Derich Schender, Neister Dreyss sagen, der  kirchen gesetz sint minschen gesetz, willen neit vasten noch de hilge dage  fieren, doch  haven zom hilgen sacrament gegangen, rotten sich auch neit.

4. August 1550

Übersetzte und kommentierte Fassung:

Die Kapelle in Hotorff (auch Houtorp), betreut von Cornelius Merckelbach, ist eine Filialkapelle der Mutterkirche in Boslar und untersteht dieser in allen Belangen. Sie besitzt keine Sakramentsvollmacht, das heißt: weder Taufe, noch Eucharistie, noch Beichte dürfen dort gespendet werden. Allein Beerdigungen finden dort statt.

Die Patronatsherren dieser Kapelle sind die Herren von Pallandt zu Flamersheim, die das Präsentationsrecht innehaben. Sie haben dieses genutzt, um Peter von Braicheln, einen Geistlichen aus Brabant, als Kaplan zu berufen. Dieser wurde offiziell vom Propst der Kölner Kirche (vermutlich ein Dompropst) angenommen, öffentlich ausgerufen („proclamatus“) und in sein Amt eingeführt („in vestitus“) . Peter von Braicheln gibt an, über alle erforderlichen Urkunden zu verfügen, die seine Bestellung belegen.

Allerdings gibt es Widerstand in der Gemeinde: Die Nachbarn zeigen sich unzufrieden mit seiner Lehre und beklagen zudem, dass der Kaplan in einem eheähnlichen Verhältnis mit einer Frau lebt, was nach kirchlichem Recht als Konkubinat untersagt ist.

In der Gemeinde bestehen Bruderschaften sowie sogenannte Spinden (gemeinnützige Stiftungen oder gemeinschaftlich verwaltete Einkünfte). Diese Einrichtungen bestehen schon seit alter Zeit und werden weiterhin nach überliefertem Brauch gepflegt. Das kirchliche Fastengebot ist zwar offiziell eingeführt und verpflichtend, wird in der Praxis jedoch nur nachlässig oder widerwillig beachtet.

Bemerkungen Schiffer: Der Pastor klagt, daß Herman von Goir der Kapelle 20 Mark Rente von den Höfen von Hottorf vorenthält. Seinem Vorgänger, Gerhart Tielen, seien sie gerichtlich zugesprochen, jedoch habe Goir an das Kammergericht appeliert, wo die Sache 24 Jahre gelegen und unerledigt geblieben ist. Er ruft die Intervention des Herzogs an.

Hotorff (Cornelius Merckelbach ) ist eine capell der moderkirchen boessler underhoerich, nulla habet sacramenta, sed solum sepulturam.
Und die Palender van Flamershem sint derselbiger gifter, haben sie vergeben hern Petern van Braicheln, Brabender, ist presentiert preposito i n ecclesia Coloniensi, ist proclamatus et in vestitus, dicit se desuyer sus habere documenta.
Die nachbarn sint wail nit siner lehr zufridden, sunder hait eine concubin.

Haben broderschaften und spinden, werden gehalten wie van alders . Fasten wird geboden aber qwailich gehalten . Opfern zu Boslar

10. Januar 1560

Übersetzte und kommentierte Fassung:

Die Kapelle Hottorff (auch Houtorp) ist eine Filialkirche der Mutterpfarre Boslar.
Als Kirchmeister fungiert Wilhelm Hardberch, Cornelius Merckelbach ist der amtierende Statthalter (Verwalter). Bezüglich des Lehrverhaltens und der Lebensführung ihres Vikars geben die Verantwortlichen der Gemeinde ein gutes Zeugnis ab.
Der Vikar, Petrus Corentzich, hat drei Jahre in Emmerich und eineinhalb Jahre in Düsseldorf studiert. Er gehört zur dritten Studienklasse (wohl theologisch-akademisch).
Vor vier Jahren wurde er in Köln auf ein Altarbenefizium hin geweiht. Die Kapelle, die dem hl. Adalbert von Aachen geweiht ist, hat er seit anderthalb Jahren betreut.
Er ist Vikar – der eigentliche Rektor der Kapelle ist Leonhard Merckelbach, der vom Herrn von Flamersheim (Patronatsherr) eingesetzt wurde.

Der Vikar besitzt eine Heilige Schrift, sowie theologische Werke wie: Theophylactus (byzantinischer Bibelkommentator),Brentius (Johannes Brenz, protestantischer  Reformator), Erasmus’ Paraphrasen und den Katechismus von Brenz. Im Examen wurde er als ziemlich gebildet und sachkundig eingeschätzt.
In der Gemeinde gibt es keine Wiedertäufer (also keine Hinweise auf Täufer oder andere radikale Reformationsströmungen).
In allen anderen Punkten erklären sie, unter die Pfarrei Boslar zu gehören.
Der Vikar hat sein Einkommen aus Gütern und Renten der Kapelle schriftlich übernommen, also ordentlich dokumentiert.

Bemerkungen Schiffer: Die Kapelle hat einen Zehnten von 5 Mltr . Roggen (daraus bekommt der Vikar 1 Mltr. und die Armen 1 Kltr., der Offermann 6 übr.) und einige Roggenrenten; an Geld 46 Th 6 Alb. Die Armen haben 4,5 Mltr. Roggen, 6,5 Sbr. Weizen. Zur Beleuchtung sind 2 Pfd. Wachs und 2 Q.  Oel angewiesen, werden aber nicht geliefert. Einkommen des Pastors 17 Mltr. 1 Sbr. Korn (Zehnte von 42 Morgen)
Nota: wirt der capellen entzoge nan Goiren und des herrn van Elmbs hof 20 morgen. Für die Nachbarmesse sind 8 Mltr. gestiftet , aber 5 werden nur geliefert

1582 berechnet der Kaplan sein Einkommen folgendermassen: 28 Mltr. Roggen aus einem Zehnten von 40 Morgen, 24 Heister (zu 8 Albus) auf dem Münzer Busch. 4 Gewalt (zu 1 Glg ) auf dem Bockholz, 5 Mltr. Roggen aus dem Marienaltar. Zu dem Anniversar gehören 6 M. Ackerland, die jährlich 3 Mltr. Roggen ertragen .

Hottorff, capell  under Bossler. (Wilhelm Hardberchs kirchmeister, Cornelius Merckelbach stathalter ). Über Lehre und Lebenswandel ihres Vikars geben sie gutes Zeugnis. Der Vikar, Petrus Corentzich hat zu Embrich 3 und zu Duysseldorf 1,5 jar studirt, fiut III classis. Ist fur 4 jarn zu Collen titulo altaris . Hat disse capelle ( Adalberti Aquensis ) 1,5 jar vertretten .
Est vicarius. Verus rector est Leonhardus Merckelbach, a domino in Flamersheim institutus . Habet sacrum Bibliam, Theophiliactum, Brentuim, Paraphrases Erasmi, Cathcismum Brentii.
Ist in examine zimblich gelehrt und geschicht erfunden.
Haben keine widerteuffer.
In aliisarticulis nihil, dan se gehoren under Bossler.
Der vicarius hat sein gehalt neben der capellen gult und renthen schriftlich uberantwort.

12. Juli 1582

Übersetzte und kommentierte Fassung:

Der Kaplan Servatius Spiell berichtet, dass es dort einen Marienaltar gibt, zu dem auch ein Anniversarium (Jahresgedächtnis) gestiftet wurde.
Im Rahmen dieses Jahrtags sind 30 Messen zwischen Ostern und Pfingsten zu feiern. Der Ausdruck „einnachpaurdienst“ kann bedeuten, dass eine einzelne Nachbarschaft oder Familie die finanzielle Verantwortung für diesen Altar bzw. das Messgedächtnis übernommen hat.

Eie Kollatoren (also Präsentations- und Patronatsherren) sind die Erben der Familie von Pallandt zu Flamersdorf (Flamersheim).

Der letzte Kaplan vor Spiell war ein gewisser Peter aus Brabant.

Anmerkung des Chronisten: Damit der dürfte der 10 Jahre zuvor genannte Peter von Braicheln (Brachelen) vermutlich wegen seiner lebensführung abgelöst worden sien.  

Hottorpf. Der Kaplan Servatius Spiell berichtet, es sei daselbst auch ein Altar der Mariae neben einem anniversario zu thun 30 missen zwischen Ostern und Pfingsten, und were einnachpaurdienst. Kollatoren d   Erben von Palant zu Flamersdorff . Peter Brabender letzter Kaplan

Waidmühle am Dorfrand

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| Vorgänger des Indigo Farbstoffs |

Der Anbau der Waidpflanze, die den später durch das Indigo verdrängten Farbstoff liefert, war in dieser Gegend umfangreich: es gab im Amte Boslar fünf Waidmühlen; davon gehörten die zu Boslar, Müntz, Gevenich und Cofferen dem Herzog von Jülich, die zu Hottorf den v. Palant. Zu Linnich hatte der Herzog zwei solcher Mühlen.

aus:  Zeitschrift des Aachener Geschichtsvereins, 33. Band, 1911, Die Pfandherrlichkeit Müntz

Die genannten Mühlen gehen aus einer Vogtrechnung aus dem Jahr 1515 hervor. 

Lage der Flur "An der Weidmühle" an der Landstraße nach Gevenich

Baunöte der Kapelle

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In einer Stiftungsurkunde im Pfarrarchiv (im Kriege verbrannt) vom Jahre 1506 wird von Baunöten der Kapelle gesprochen. Ob in diesen Jahren die Kirche vergrößert wurde und daher die Baunöte auftraten, kann nicht gesagt werden.
Der Patron der Kapelle ist Karsilius von Palant, Herr zu Breitenbend. (Anmerkung des Chronisten: Aufgrund des Datums muss es sich um Carsililius IV handeln) Die von Palant bauten die Kirche jedenfalls aus, denn im Jahre 1610 besaßen die Hottorfer Bürger ein wunderschönes Gotteshaus . Es war der damaligen Kunstrichtung (Gotik) angepaßt. Es hatte ein lang gezogenes Kirchenschiff, hohe Fenster und ein großes Kirchenportal. Der Westturm stand praktisch als selbstständiger Baukörper neben dem Kirchenschiff, welches scheinbar nur angelehnt erschien.
Damals wie heute stand die Kirche am Südrand unseres Dorfes, daß Dorf zog sich dann von der Kirche gesehen in nördlicher Richtung.

Quelle: Schiffer

In der Übersicht über den Inhalt der kleine Archive der Rheinprovinz (siehe auch Quellen) findet sich der Text dieser Urkunde:

1506, Nov. 30 (op sent Andreis dach des hilgen apostelen). Rektor Michel van Linnich und die gemeinen Nachbaim von Hotorp geben mit raede jonker Karsillis van Palant herren zo Breidenbeent, gijffter der capellen zo Hotorp, vier Morgen Artland durch buices noeden an der capeilen dem Itaepyen van Marckelbach und seiner Ehefrau zu Erbpacht. Es siegeln die Schöffen des Hauptgerichts Jülich. — Pergament Original. sehr beschädigt. 1 S.

Vollständige Übersetzung mit Erklärungen:

Rektor Michel van Linnich und die allgemeinen Nachbarn von Hottorf übergeben mit Zustimmung des Junker Carsillis von Palant, Herr auf Breidenbend, dem Stifter der Kapelle zu Hotorf, vier Morgen Land im Artland (vermutlich Ackerland) durch „buices noeden“ (vermutlich: „Buchsnoten“ = Grundstücksgrenzen, oder anderes Flurmaß) an der Kapelle.
Empfänger ist Etienne (?) von Merckelbach und seine Ehefrau, und zwar als Erbpacht (erbliches Nutzungsrecht gegen festgelegtes Entgelt oder Dienstleistung).
Die Schöffen des Hauptgerichts Jülich besiegeln die Urkunde.

Die Familie von Palant war ein typisches Beispiel für den niederen Landadel, der seine Stellung durch kluge Heiraten, kirchliche Patronatsrechte und enge Beziehungen zu Territorialfürsten (z. B. dem Herzog von Jülich) sicherte. 

Beim genannten Karsilius IV von Palant muss es sich um den Urenkel der Werner II handeln, an den im Jahr 1420 das Patronat der Kapelle übertragen worden ist.

Weitere Details auf der Familienseite.

Zwei aufgeschriebene Waldordnungen

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| Ordnung zur Nutzung des Holzes und zur Schweinemast (mit Eicheln) |

Skizze zur geographischen Lage des Waldgebietes

Landkarten aus der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts zeigen genauere Grenzen der ensprechenden Waldbereiche:

Auf der rechten Rurseite, im nördlichsten Teil des ehemaligen Kreises Jülich, erstreckte sich bis zur Mitte des vorigen Jahrhunderts der Buchholzbusch, oder „Bökesbösch„, wie er im Volksmund genannt wurde. Der Hochwald, in dem Buchen und Eichen standen, war im Kataster als Wald II. und III. Klasse eingetragen, weil die Bäume sich mit dichtem Unterholz und strauchwald vermischten.

Der Wald grenzte an die „elf gehultzden Dörfer“, nämlich im Süden an die Feldern der Gemeinden Gevelsdorf, Ralshoven, Müntz, Hompesch, Boslar, Hottorf, Kofferen, im Norden an Holtzweiler, Katzem, Kleinbouslar und Lövenich, im Osten verlief er ungefähr bis in die Nähe des Gutshofes Isenkroid und im Westen erreichte er den Dingbuchhof, der an der Straße zwischen Kofferen und Lövenich liegt. (Anmerkung des Chronisten: Die Waldordnung des Buchholzbusches vom 16.10.1470 nennt mit Ertzelbach ingesamt 12 Gemeinden. Ebenso wird seine westliche Ausdehnung an anderen Stellen auch bis Rurich verortet.) Seine Gesamtgröße betrug 1972 „alte“ Morgen ( der alte Morgen war etwas größer als der jetzige) 75 Ruthen und 6 Fuß. Der Reinertrag belief sich im Jahre 1857 auf 1325 Thaler.

Der Müntz – Hottorfer „Erbenwald, im Kataster von Hottorf unter Flur D, Nummer 11/7, Flurabteilung „Hagelkreuzweg“ (alte Bezeichnung), als Busch zweiter Klasse eingetragen, hatte eine Gesamtgröße von 661 Morgen, 16 Ruthen und 40 Fuß. (Davon besaßen die Armen der Dörfer Müntz, Hottorf und Ralshoven an Servituten 20 Morgen, 150 Ruthen, 60 Fuß  .Dieser Wald grenzte nun westlich und nördlich am Buch-holzbusch, östlich am Gevelsdorfer Erbwald, ( 848 Morg. ) südlich an den Gemarkungen Gevelsdorf, Ralshoven und Hottorf. Der Boden im Wald war im allgemeinen eben, nur einige Vertiefungen (Mergelgruben) befanden sich darin.

Über die Entstehung kann nichts mehr gesagt werden, denn die frühere Geschichte der großen Wälder am Niederrhein ist meistens unbekannt.

Kommt man jedoch ins Mittelalter, wo „die gewohnheitsmäßige Handhabung des Waldrechts, welches jährlich beim ‚Holzgeding‘ gewiesen wurde, aufgezeichnet und gleichzeitig Regesten über ausgeteiltes Holz und die Holzrechte angelegt“ wurden, kann man etwas über die damaligen Bewohner und die Gewohnheiten der Holzberechtigten erfahren.

Anfangs konnte jeder Bewohner der betreffenden Gemeinde über den Busch verfügen. Er konnte sein nötiges Bau- u. Brennholz aus dem Wald holen, konnte seine Schweine zur Eichelmast treiben, oder aber er rodete den Wald, um den Boden aggrarmäßig zu benutzen. Diesem Umtrieb mußte ein Ende gemacht werden, sollte der Wald nicht durch das willkürliche Verfügen der Anrainer zugrunde gehen.

Deshalb kam im Jahre 1470, am 16. Oktober, die Ritterschaft und die gehultzden Dörfer zusammen, um eine Buschordnung aufzustellen .

„1470 Oktober 16 ( up sent Gallen dach ) Carsilius von Paland, Her zu Breidenbendt, Dahm und Göddert von Harff gebrudere, Dederich von Betgenhausen, Friderich von Gritteren , Carl von Bausselar, Dahm von Rurich und Gerard von Kosslar und fort Bosselar, Gevenich, Hottorf , Hompesch, Ertzelbach, Glimbach, Kofferen, Cörrentzig, Mintz, Lövenich, Bausseler, Katzem gehölzden auf dem Buchholzbusch, daß der busch unvergänglich und unverderblich bleiben möge“.

In dieser sogenannten „Chür“ waren die Rechte und Pflichten der Erbberechtigten (Es war ein Erbwald, d. h ., daß Nutzungsrecht war nur an eine bestimmte Anzahl von Bürger abgegeben worden, die dieses Recht geerbt oder durch Kauf erworben hatten, denn beim Verkauf übertrugen sich die Rechte und Pflichten auf den Käufer) verzeichnet.

Es werden nun Waldbeamte „Gebmänner „ eingestellt , die dem einzelnen Erben das zugeteilte Holz zuweisen, und Förster, die darüber wachen, daß kein Waldfrevel begangen wird. Die Anteile eines jeden wirtschaftlichen Betriebes werden „Holzgewalt “ genannt. Je nach dem, wieviel Ackerland der Hof besitzt, wird diesem eine, eine halbe oder ein viertel Holgewalt zugeteilt, wobei man für ein viertel Holzgewalt den Ausdruck „Klaue“ gebraucht. Die Holberechtigten werden als „Lehenmann“ , „Dienstmann“ und „Kotter“ geführt, wobei der Letzte nur ein viertel Gewalt Holz sein Eigen nennen konnte. Auch wird die Schweinemast in der Waldordnung besonders erwähnt. Es wird genau bestimmt, (Schweinelisten) wieviel Schweinei insgesamt auf ein Gewalt aufgetrieben werden dürfen und wieviel jeder Berechtigter zu der „gemeinen“ Herde zustellen darf, damit der Eckernertrag nicht unnötig zerstört wird. ( Besonderer Reichtum oder Mangel an Eckern in einem Herbst war für den mittelalterlichen Menschen wenigstens ein ebenso großes Ereigniss wie eine besonders gute oder besonders schlechte Weinernte. Diese Schweine wurden gebrannt, damit man erkennen konnte, von welchem Berechtigten sie waren. Außerdem mußte ein „Brandgeld “ an den Grundherr abgegeben werden . Wurden ungebrannte Schweine bei der Mast angetroffen, mußte der Besitzer Strafezahlen (siehe Absatz 18, Waldordnung 1470 ).

Der Wald hatte eine eigene Verwaltung mit eigener Gerichtsbarkeit. (Die gehultzten Dörfer wurden auf der einen Seite von Boslar als Hauptort , auf der anderen Seite von Lövenich vertreten. ) Das Gericht „Ding“ wurde jährlich unter den 10 Dingbuchen abgehalten. ( Heute erinnert daran noch der Dingbuchhof an der Straße zwischen Kofferen und Lövenich. Diese Straße verläuft ziemlich genau durch den ehemaligen Busch.) Die „Chür“ des Buchholzbusches fand jährlich am Sankt Michaelstage, dem 29. September, statt. Bei dieser Versammlung wurden die „Gebleute“ oder “ Buschgräven“ von den Buschberechtigten gewählt und die Waldordnung vorgelesen. Wenn nötig, wurden neue Rechten oder Pflichten in die Waldordnung aufgenommen oder andere gestrichen. Die Verwaltung des Erbwaldes bestand aus fünf Mitgliedern. Einer war Buschschreiber und überwachte die Geschäfte, die anderen Männer waren die Gebleute, welche jährlich die Holzverteilung an die Buschberechtigten vornahmen, außerdem wurde ein Jahresbericht über die Verwaltung vorgelegt. Die Gebleute und der Waldschreiber, ( beide mußten Beerbte des Waldes sein, die durch einen feierlichen Fid verpflichtet wurden ) wurden alle zwei Jahre, jeweils einer von der Boslarer Seite und einer von der Lövenicher Seite, neu gewählt. Das zu schlagene Holz wurde dann durch die Gebleute je nach Eigentumsrechte in Gewalt oder Klaue an die dafür vorgesehenen Eigentümer verteilt. (Die Stämme, die gefällt werden sollten, wurden mit einem Brandzeichen versehen, welches in einer Kiste in Boslar, beziehungsweise Lövenich aufbewahrt wurde. Damit eine mißbräuchliche Benutzung ausgeschlossen war, gehörten zu jeder kiste drei Schlüssel, die jeweils einzeln von dem Hofbesitzer, einem Gebmann und einem Schöffen verwahrt wurden. Außerdem befand sich in jeder Kiste die Waldordnung.) Zu den Eigentümemgehörten auch die Kirchen; in Hottorf Kapelle und Küsterei nebst dem St. Beatae Mariae-Virgines Altar.

Wurde Holz ohne Erlaubnis gefällt, mußte derjenige mit einer Bestrafung rechnen (s. Abs. 7, W.O. 1470). Ebenfalls wurde bestraft, wer das Holz eines anderen Waldgenossen abschlug, zudem verlor er sein eigenes Holz (s. Abs. 10, W.O. 1470).

Diese Strafgelder, „Brüchten“ genannt, gehörten den Gebleuten und dem Schreiber, eingeschlossen dem angestellten Förster, da diese kein eigenes Holzrecht besaßen. Ließen diese ein Vergehen ungestraft, wurden sie des Amtes enthoben, außerdem drohte ihnen noch eine Strafe.

Wenn den Berechtigten das Holz zugeteilt worden war, mußten sie es unter normalen Bedingungen bis zum 31. März aus dem Wald fahren, andernfalls fiel es wieder der ganzen Waldgenossenschaft zu (s. Abs. 14, W.O. 1470). In den Waldordnungen von 1470, beziehungsweise 1488, tritt als besonderes Merkmal die Einigkeit und Unzertrennbarkeit der Buscherben gegenüber „Auswendiger“ (Fremden) hervor. ( „Vors erst ist dahin vertragen und all sämtlich eins worden, dass forthin kein auswendiger auf vorschriebenem busch soll noch mag erb werden als allein vermittels oder durch ersterbnus und heiratsvorwarden … “ ). Dieses Zusammengehörigkeitsgefühl tritt besonders in der Bezeichnung „Stockgut“ (Gut und Wald gehören zusammen) und „Stammgut“ ( Familiengut, von Generation zu Generation vererbt ) auf. So ist es nicht verwunderlich, daß nur die Stockgüter volles Waldrecht besaßen, und dieses Recht nur durch Heirat oder Erbteilung an einen „Auswendiger“ übergehen konnte. Nur in diesem Fall konnten die Waldrechte an einen Fremden übergehen. Die Berechtigten, daß heißt diejenigen, die das Waldrecht besaßen, waren die „Gehultzden“, wie wir es in der Waldordnung vom Jahre 1470 sehen.

Wurde ein Stockgut verkauft, ohne das der Ankäufer es selbst bewohnte oder bewirtschaftete, konnte jeder Waldberechtigte gegen Erstattung des Kaufpreises dieses Gut erwerben (s . Abs. 2 , W.O. 1470). Da dieses Recht aber zu Unstimmigkeiten unter den Waldgenossen führte, wurde dieser Absatz der Waldordnung bei einer erneuten Zusammenkunft am 29. September 1488 umgeändert. Fortan konnten nur die nächsten Verwandten des Verkäufers dieses Gut in einem bestimmten, festgesetzten Zeitraum erwerben ( „Item ist auf heut dato dieses briefs beschlossen und bestättigt . . . . . . . wan ein des verkaufes bruder oder nechster befreundter käme und ein einwendig gehöltz der mann wäre binnen gebührlicher zeit der sechs wochen und drei tagen, dessen beschüdt solle vergehen und beider erbschaft bleiben, so viel der wäre.“)

Dagegen durfte ein Waldbeerbter jederzeit die Berechtigung eines anderen Waldgenossen erwerben . Es mußte wohl eine Erbung oder Enterbung vor dem Waldgeding zur Bestätigung des Kaufes erfolgen (s . Abs. 20, W.O. 1470). Kaufte nun ein „Auswendiger“ ein Stockgut, so hatte dieser nur das Recht, die Waldbenutzung auf dem gekauften Gut zu benutzen, wogegen ein „Erbe“ volles Recht hinsichtlich der Waldberechtigung besaß.

Diese ganzen Eigentumsrechte der Erben wurden aber durch die Servitutsrechte der Armen eingeschränkt. So hatten die Armen das verbriefte Recht, Eicheln von den Bäumen zu schlagen, um diese als Viehfutter zu verwenden, außerdem durften sie die verletzten oder abgestorbenen Wurzelstöcke einholen, alles von Wind und Wetter gebrochene Reisig einsammeln, das ganze Jahr hindurch Besenreisig aus dem Wald zu holen, ebenso alle Abfälle, die beim Fällen und Aufladen entstanden.   Außerdem durften sie Gras, Laub und Moos als Streu holen, (dies aber unter Beteiligung an den Steuern) sowie das zum Verkauf kommende Holz um ein Drittel billiger erwerben. Auch erhielten sie Holz umsonst, denn es heißt in der Buschordnung: „Arme Leut, die einen Zettel von hoffsleuten, naebern, die gehultzden synd, vorwiesen, sall man einen waen (Wagen) holtz geven um goetz wyllen.“ Diese Waldordnung galt die ganze Zeit hindurch, denn sie hat fast 400 Jahre die Waldrechte in der alten Satzung wiedergegeben.

Quelle: Schiffer

Helmut Schiffer zitiert in seiner Zusammenfassung aus einem Aufsatz von Armin Tille aus dem 23. Band des Aachener Geschchtvereins aus dem Jahr 1901, der nachfolgend wiedergegeben wird und beide Waldordnungen als Anlagen vollständig enthält. 

In den Waldordnungen tauchen die Schreibweisen „Huttorf“ und „Hottorff“ für den Ortnamen auf.

Weitere Urkunden im 15. Jahrhundert

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| Hoittorp |

Hottorf wird als Hoittorp erwähnt:

  • 1424 – bei der Erbpacht des Wilhelm von Kofferen aus dem Besitz des Werner Herrn zu Paland und zu Breitenbenden (angrenzedes Land, an das der Geistlichen von Hottorf)
  • 1450 – bei der Erbpacht des Rutger, Gemahl der Liese von Glimbach aus dem Besitz des Werner Herrn zu Paland und zu Breitenbenden
  • 1456 – bei der Erbteilung des Werner Herrn zu Paland und zu Breitenbenden mit Hof und Gut zu Hottorf mit Lehnsleuten, Gericht und allem Zubehör einschl. dem Hofland: Am 24.07.1456 machen seine Söhne und Enkel Erbteilung. Es teilen die überlebenden Söhne Reynalt, Karselis, Werner, Diderich und Johan; außerdem die Kinder der verstorbenen Söhne Daem, Johan und Emondt. Die Teilung wurde, wie es scheint, in aller Friedfertigkeit und ohne Hinzuziehung von Dedingsluden vorgenommen, nur zwei Freunde, Diederich von Berchenhusen, Vogt zu Boslar, und Herr Arnolt von Rymmelsberch, Pastor zu Linnich, wohnten ihr als Zeugen bei. (Quelle)

1424
1450

Patronatsrecht an Werner Herr von Palant von Breitenbenden

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| Letzte Ritter von Hottorf übergeben an Palant zu Breitenbend |

Die Geschwister Karsilius und Greta von Hottorp übertragen im Jahr 1420  ihr Patronatsrecht der Kapelle St. Georg an die mächtigeren Palant zu Breitenbend, der auch später im Besitz der Hottorfer Burg bzw. des Gutshofes gelangt.

Hochdeutsche Fassung der Urkunde:

Wir, Gesilis und Greta, beide aus Hotorp, Bruder und Schwester, die keine ehelichen Kinder haben, Kinder des Ritters Hermann von Hotorp – geben bekannt –
die in Hotorp gelegene Kapelle, die von unseren  alten Vorfahren gestiftet und geschenkt wurde –
haben wir dem ehrbaren und frommen Herrn Werner von Palant, Herrn zu Breidenbend, und seinen Erben übertragen – haben demselben Herrn Werner die vorgenannte Kapelle zu Hotorp als Erbschenkung und damit die Verantwortung und das Recht über diese gestiftete Kapelle übertragen –
Zeugen dieses Vorgangs sind die ehrbaren Herren Reynalt von Palant, Pastor zu Boyselair, Werner van den Driesch und Johan von Hotorp –
ausgestellt im Jahr des Herrn 1420, am Festtag der Kathedra Petri (22. Feb.).

Wir Gesilis ind Greta beyde van hotorp broeder ind suster die wilne elige kinder waen hen hermans van hotorp ritters – Kund – want die Capelle zu hotorp gelegen van unsen alden gestoid getbegaefft – der Eerber vrome her Werner van Palant herre zu Breidenbent ind sine eruen – hain demselven h. Werner vursz – upgetragen – die vurg. erfgifte der vursz Capelle zu hoitdorp
– getzuge – Eerbern heren Reynalt van Palant pastoir zu Boyselair – Werner van den Driesch ind Johan van hotorp
– gegeuen i. d. j. u. h. dusentvyerhundert 
ind zwentzich up sent Peters dach ad cathedr.

Siegel

Quelle: Schiffer

Zu den Personen:

  • Die Geschwister Carsilius II (lateinische Schreibweise von Gesilis) und Greta sind Kinder von Hermann von Hottorf und somit vermutlich Enkel der Stifters der Hottorfer Kapelle Carsilius I
  • Sie sind wahrscheinlich die letzten Herren von Hottorf und regeln das Patronatsrecht der Hottorfer Kapelle.
  • Die Rolle des als Zeugen genannten Johan von Hottorf (ggfs. ein unverheirateter  oder „armer“ Onkel von Carsilius und Greta) ist unklar. Er erhält nicht das Patronatrecht und erbt auch nicht den Hottorfer Hof.
  • Denn Werner II Herr von Palant von Breitenbenden (1375 – 1456) erbt nicht nur das Patronatsrecht der Kapelle sondern ihm gehört später auch ist die Hottorfer Burg. Dazu gehören Hof und Gut mit allen Lehnleuten, Gericht und allem Zubehör einschl. Hofland wie aus seinem Testament von 1456 hervorgeht.
  • Als weiter Zeuge fungiert Reinhard von Palant (1400 – 1474) als Pastor von Boslar und Sohn von Werner.
  • Mehr zur Familengeschichte

Weitere Rektoren wurden:

  • 1506 Michael von Linnich,
  • 1533 Gerhard von Wassenberg und
  • 1560 Leonard Merckelbach

Wer sich für  Ahnenforschung interessiert, findet unter dem Menüpunkt Familien weitere Informationen zur Herkunft und den Verwandtschaftsverhältnissen einiger Hottorfer Familien.

 

Kapelle zu Hottorf urkundlich genannt

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| St. Georg Bruderschaft |

Die Kapelle zu Hottorf  und die Bruderschaft unserer lieben Frau und Hl. Georg wird 1415 auf einer Urkunde im gräflich Mirbachen Archiv genannt (Urkunden #2209 auf Seite 297), in der die Eheleute Winant und Bela zu Gevelsdorf der Kapelle zu Hoytdorp/Hoitdorp eine Erbrente schulden.

Hinweis aus „Die Kunstdenkmäler im Kreis Jülich“ :

Urkunde im gräflich Mirbachschen Archiv. — Ann. h. V. N. LV, S. 297 oder teilweise unter diesem Link im Internet veröffentlicht.

Vier adelige Höfe

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| Gutshöfe im Mittelalter |

Nach einem Aufsatze des  Pfarrers Metternich im Jülicher Kreisblatt (1911 Nr. 68) gab es zu Ende des 14. Jahrhunderts drei, bald nacher vier adelige Höfe, die vermutlich sämtlich als Teile eines zersplitterten älteren Rittergutes, des Stammsitzes der Ritter von Hottorf, zu betrachten sind. Was für Umstände die Zersplitterung des Gutes veranlaßten, ist nicht bekannt. Nach 1400 finden wir im Besitz des Hauptteils die von Palant zu Breitenbend. Der heute noch stehende, wohl ins 15. Jahrhundert zurückreichende Turm bewahrt die Erinnerung an eine trutzige, kühne Mannen beherbergende Landfeste, und der Wassertümpel, die „Maar“ ist sicher ein Rest des ehemals die Burg umgebenden Festungsgrabens. Durch Heirat kam das Gut von den Palant an die Freiherren von Brempt und Uettenhoven; letztere gewannen später den ganzen Besitz, deren Wappen sich noch in einer Mauer des Anwesens, das den unerklärlichen Namen „Stift“ führt vorfindet.

Neben der Palantschen Burg hielt die ehemalige Ritterfamilie von Hottorf bzw. ihre Erben, die von Goir, ihren Sitz. Der Keller am Eingange des Dorfes von Müntz her gehörte ihrem Hause. 1448 teilten sie mit einem von Elmpt, bereits 1570 sahen sie sich aber durch Geldnot zum Verkauf ihres Teiles an Heinrich von Merken genötigt; dessen Nachkommen verkauften ebenfalls wieder durch Schulden gezwungen, an den Bürger Cremer in Jülich. Dessen Erben aber mußten die Erwerbung gegen Erstattung ihrer Auslagen abtreten an die Gräfin von Efferen, von der es an von Ulner und zuletzt an von Dalberger kam. Der von Elmptsche Teil kam 1706 zu Hälfte ebenfalls in die Hände eines Jülicher Geldmannes Wilhelm Cremer; die andere Hälfte blieb bis gegen 1800 im Besitze der Erben von Elmpt.

Das vierte Gut zu Hottorf, seit 1837 im Besitze der Familie von Meer, gehörte einste den Rittern zu Müntz. Nach 1400 besaßen es die mit ihnen verwandten von Efferen; 1492 hattes es gemeinschaftlich Johann von Horrich und Ulrich von Bell. Letzterer schied bals aus; die Horrich wurden die alleinigen Inhaber. Der Besitz umfaßte 104 Morgen Ackerland und 10 Gewald Holz. Die Kriegslasten brachten damals manchem Gute den Ruin. Sie wurden auch für das Haus Horrich zu Hottorf der Anfang vom Ende. An den schrecklichen Heimsuchungen, welche von 1566 bis 1591 die spanischen Truppen über das Jülicher Land verhängten wurde Meinhard von Horrich gefangen, sein Haus ausgeplündert. Dadurch kam er Schulden; vorher hat er sich um Mehrung seines Besitzes gemüht und dass zersplitterte Merkelbacher Lehngut zu Hottorf gekauft; 1591 musste er den Herzog um die Erlaubnis bitten, sein Gut mit einer Hypothek zu belasten. Seine Nachfolger gingen zurück. Der letzte war Johann Friedrich. Obgleich seine vier Schwestern ins Kloster gingen und sein einziger Bruder in jungen Tagen starb, konnte er sich nicht mehr halten. Sein Vater hatte ihm große Schulden hinterlassen. Nicht einmal der Fleischjude war bezahlt; die Gebäude waren in Unstand; so verkauft er 1700 den Hof an die Familie Oidtman. Diese brachte das Gut wieder empor, vergrößerte es durch Ankäufe aus dem ehemals Palantschen und Goarschen Ländereien und erwarb zu dem adeligen Besitztum kurz, nachher auch den Adelstitel. Religiöse und hochwertige Gesinnung lebte in dieser Familie; eine Anzahl ihrer Söhne wurde Priester, freigiebig, sorgte sie für die Ausstattung der Hottorfer Kirche, in der ihre Wappenschilder das Andenken an sie lebendig erhalten; auch das Jülicher Armenland im Hotter Felde ist oidtmansche Stiftung. Sie blüht heute als eine hoch angesehene Offiziersfamilie. Bis 1837 blieb das Gut in ihrem Besitz; dann ging es, wie schon oben gesagt, durch Kauf über an von Meer. Was von den Gebäude noch aus der Zeit, der von Horrich erhalten ist, ist unbekannt; in den Kunstdenkmälern des Kreises Jülich werden die beiden Ecktürme an den Ökonomiegebäuden als die einzigen Reste der „ursprünglichen“ Anlage bezeichnet; gegen diese Ansicht erheben sich jedoch Bedenken. Dreimal innerhalb von 100 Jahren hat eine Feuersbrunst Ökonomiegebäude in Trümmer gelegt: das erste Mal 1807 oder 1808 dann 1898 und zuletzt im August 1911.

Überführt man diese textuelle Darstellung in eine Grafik ergeben sich die verschiedenen Linien bzw. Höfe, die in weiteren Beiträgen  auf dieser Webseite und auch in der Darstellung der Familien:

  • Erben „von Elmpt“ der Ritter von Hottorf: Elmpter Hof oder Elmpter Lehen Zweiter Teil (zu „Lehen“ siehe unten)
  • Abtrennung an die von Goir: Goirscher Hof oder Elmpter Lehen Erster Teil
  • Haupteil an die Herren von Palant von Breitenbend: Burg Palant (nicht Bestandteil der Mannkammerhöfe – siehe unten)
  • Thönisgut Hof oder Merkelbacher Lehen – durch Heirat verwandt mit den von Palant, geht später über in das Horrischer Lehen über
  • Ehemaliger Gutshof der Ritter von Müntz, später Horrisch Hof, heute Lübbers
Anklicken für größere Darstellung

Neben der Burg gab es die eingangs erwähnten vier adeligen Höfe. Diese sogenannten „Lehnsgüter“ unterstanden der Mannkammerverwaltung Jülich.

(Die Entstehung der Mannkammer wird in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts gesetzt. Sämtliche Güter im Herzogtum Jülich, mit Ausnahme der „Allodialgüter“ ( Allod ist ein lehnsfreier Grundbesitz, der frei von Abgabepflicht ist.) – zu denen auch die Palantsche Burg gehörte – unterstanden einem Lehnsherren, dem Herzog von Jülich.
Da dieser nicht selbst alle Ritter – oder Bauerngüter verwalten konnte, übergab er diese „Lehen“ zur besseren Bewirtschaftung an edle und verdiente Herren seines Territoriums. Diese „Mannen“ der Lehnsgüter  waren dem Lehnsherrn durch Huld und Eid verpflichtet, mit „Mann und Pferd“ im Heeresfolge zu dienen. Dafür übernahm dann der Herzog den Schutz der Güter vor fremden Truppen. So kam es oft vor, daß Besitzer ihre eigenen Güter dem Herzog als Lehnsgut vermachten, nur um in den Schutz desselben zu gelangen.
Da die wirtschaftlichen Interessen dieser Güter gleich waren, schloßen sie sich zu den „Mannkammerhöfen“ zusammen. Als sich das Herzogtum Jülich immer weiter ausbreitete und viele kleine Ländereien integriert wurden, blieben die Lehnsgüter dieser Ländereien bestehen, wurden aber alle der Mannkammerverwaltung Jülich unterstellt. So behielten sie bis zur Angliederung Jülichs an Frankreich ihre Selbstständigkeit.)

Diese vier Lehnsgüter der Mannkammerverwaltung Jülich,  gelegen in Hottorf waren:
1 . Elmpter Lehen erster Teil
2 . Elmpter Lehen zweiter Teil
3 . Merkelbachlehen
4 . Horricher Lehen

Quelle: Schiffer

Wer sich für  Ahnenforschung interessiert, findet unter dem Menüpunkt Familien weitere Informationen zur Herkunft und den Verwandtschaftsverhältnissen einiger Hottorfer Familien.

Gründung einer Bruderschaft

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| B. M. V. - Bruderschaft Mariae Virgine |

Im bischöflichen Diözesanarchiv in Aachen befinden sich Dokumente zur Stiftung der Bruderschaft B. M. V.. Neben einem Vorwort  dindet sich dort die Stiftungen des Wilhelm Rolt, Barone de Goir,  aus dem Jahr 1356 für die Bruderschaft B. M. V. und die Kirche St. Georg.  Wilhelm Rolt ist der erster Rektor der freien Kapelle.

Die Bruderschaft erhält weitere Stiftungen in den Folgejahren, wie im Jahr 1415 durch die Eheleute Winant und Bela zu Gevelsdorf.

Wie lange die Bruderschaft aber ingesamt aktiv war, ist nicht bekannt.

Bau einer Kapelle

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| Gebrüder Adam und Carsilius |

Der Aachener Stiftsherr Adam von Hoytorp, Kanonikus am Marienerstift, und sein Bruder Ritter Carsilus von Hoytorp geben Ländereien aus dem Eigentum der Hottorfer Burg zum Bau einer Kapelle. Damit errichten sie eine Stiftung und legen den Grundstock zum Bau eines Gotteshauses für die Hottorfer Bewohner. 

Der Pastor von Boslar, Ludwig von Kintzweiler gibt die Einwilligung zum Bau, wie es heißt, erst nach langen vergeblichen Bitten. Das Patronrecht an der Kapelle erhielten die Herren von Hottorf, also die Familie der Gründer. Darum wird die Kapelle frei genannt, weil sie unabhängig vom Pastor war und nicht, wie gewöhnlich die Kapellen, von diesem vergeben wurde.

Stiftungsurkunde

I. n. d. a. Ludowicus de Kyntzwilre pastor ecclesie de boeselor universis – quod ego hon. d’nis videl. Casilio de hoytorp militi parochiano meo et Ade ejus fratri leg. canonico D. marie aquensis consensi ut ipsi de suis bonis in villa de hoitorp Capelle faciant et consecrari procurent – salvis – juribus ad me – pertinentibus -. In hujus rei testimonium sigillum meum hiis litteris duxi fid.
apponendum.
Datum a’o d’ni M.CCCXL sedo ferin quarta octavorum sollempnit. pasche.
Siegel

Quelle: Schiffer

Übersetzung:

Im Namen des Herrn. Amen.
Ich, Ludvicus von Kintzwilre (Ludwig von Kintzweiler), Pfarrer der Kirche von Boeselor (heute: Boslar), teile allen mit: Dass ich dem ehrwürdigen Herrn, nämlich Kasilius von Hoytorp, Ritter und mein Pfarrangehöriger, sowie seinem Bruder Adam, rechtmäßiger Kanoniker der Kirche St. Maria zu Aachen, zugestimmt habe, dass sie aus ihrem eigenen Vermögen in der Ortschaft Hoytorp (heute: Hottorf) eine Kapelle errichten und ihre Weihe veranlassen dürfen – unter Wahrung der Rechte, die mir zustehen.
Zum Zeugnis dieser Angelegenheit habe ich mein Siegel unter dieses Schreiben setzen lassen.
Gegeben im Jahr des Herrn 1340, am Mittwoch der Osteroktav

Der Namenspatron der Kapelle wurde der heilige Georg. Dieser wird erstmals am 18. August 1407 in einer Urkunde von Fredericus Mormona im Zusammenhang als Verwalter der vakanten Rektorenstelle ewähnt: „ecclesia S. Georgii canonicatum et prependam ac capellam sine cura in Hottorf“.

Wilhelm Rolt, Barone de Goir, wird erster Rektor der freien Kapelle. Als Rektor bezeichnet man den Priester, der als Leiter einer Kirche amtiert, die nicht Pfarrkirche ist.

Den Vornamen Carsillius/Karsilius war in der Zeit und in der Region ein gebräuchlicher Vorname. Zur Familie der Ritter von Hottorf konnte der Chronist dieser Webseite keine Abstammungsdaten zur Vorfahren ermitteln.

Ein Kanoniker ist ein Geistlicher, der an der Liturgie des jeweiligen Dom- oder Stiftkapitels mitwirkt. In einigen Quellen wird Adam von Hottorf dem Münsterstift zugeordnet. Die übliche Bezeichnung lautet jedoch Marienstift (mariae aquensis), aus dem der spätere Aachener Münster (Dom) hervorgeht.

Auch in der Familie der von Palant von Breitenbend, die dann 1420  das Patronat der Hottorfer Kapelle erhalten, ist Carsilus ein gebräuchlicher Vorname. Carsilius I. (1315-1382) war wie Adam von Hottorf Kanoniker am Marienstift zu Aachen. Von ihm ist jedoch bekannt, dass er am 20. 03. 1331 auf ein Kanonikat verzichtet, um am 01.02.1341 Ritter zu werden. Sein Urenkel Karsil III. (1440 – 1475) erbt im Jahr 1475 den ehemaligen Hof der Hottorfer Ritter.

Wer sich für  Ahnenforschung interessiert, findet unter dem Menüpunkt Familien weitere Informationen zur Herkunft und den Verwandtschaftsverhältnissen einiger Hottorfer Familien.

 

 

Hottorf wird erstmals erwähnt

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| Ortsbezeichnung "Hoitorp" in Urkunde |

Hierbei handelt es sich um Heinrich von Overbach. Denn wie das Landesarchiv NRW bestätigt, ist  „Overbach“ die hochdeutsche Schreibweise von „Overbag“ oder „Overbaig“. So heißt es in dem zugehörigen Regest (in: Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, Bd. 5, hg. v. Wilhelm Janssen, Köln/ Bonn 1973, S. 115-116): „Heinrich von Overbach (Overbag)“.

Heinrich von Overbach war Hofmeister des Grafen Wilhelm von Jülich und hat gemäß Urkunde Land in Hottorf besessen (siehe auch:  https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_Overbach).

 

Somit wird dokumentiert, das Ritter Heinrich von Overbach Grundstücke in Hottorf in „vollem“ Eigentum besitzt (im Gegensatz zu Lehen).

Ein Lehen ist ein Gut, das ein Lehnsherr (z.B. Adliger) einem Lehnsmann (Vasall) zur Nutzung überlässt, meist gegen bestimmte Verpflichtungen.

Der Begriff Mannlehen bezeichnet ursprünglich jedes gegen Kriegsdienst verliehene Lehen. Mit dem Begriff eng verbunden ist der Umstand, dass ein Mannlehen nur an einen wehrfähigen Mann, das heißt im Mannesstamm, vererbt werden kann.

Allode konnten frei vererbt werden (daher allodialfrei), auch an Töchter, während Lehen beim Aussterben einer Familie im Mannesstamm an den Lehnsherrn zurückfielen.

Lehen war sogenanntes nutzbares Eigentum, Allod dagegen war volles Eigentum. Dies kam auch im synonymen zeitgenössischen Begriff für Allod, Erbe und Eigen, zum Ausdruck.

Herzogtum Jülich wird unabhängig

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| Stadtmauer schützt Jülich |

Durch den Sieg Graf Walrams bei Worringen wurde Jülichs Unabhängigkeit endgültig gesichert. Die Stadt erhielt kurz nach 1300 eine neue Stadtmauer, von der heute noch das Rurtor (Hexenturm) als ältestes Bauwerk Jülichs erhalten ist. Diese Stadtmauer schützte Jülich 250 Jahre, während deren der Machtbereich der Grafen und Herzöge beständig wuchs, durch Heiraten und Erbfolge kamen die Gebiete Berg, Ravensberg, Kleve und Mark, zeitweise auch Geldern, hinzu. Die Herrscher hielten sich allerdings nur noch selten in Jülich auf, bevorzugte Residenzen waren Nideggen, Hambach, Kaster, Nimwegen, Düsseldorf und Kleve.

Zwei Rittergüter

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| Große Landfestung |

Im Hochmittelalter (um 1300) ist Hottorf der Stammsitz der Ritter von Hottorf.

Stift (Burg)

Wie das Rittergut in früherer Zeit ausgesehen hat, ist leider nicht bekannt. Es muß sich aber um eine  sehr große „Landfeste“ gehandelt haben, welche einen quadratischen Innenraum hatte. Diese Aussage wird durch die Tatsache bestärkt, daß sich oben am „Stift“ insgesamt drei Türme befinden, beziehungsweise befunden haben, denn ein Turm wurde im zweiten Weltkrieg zerstört. (Dieser Turm stand auf dem Anwesen vom Hubert Dohmen – jetzt Jürgen Dudeck, Georgstr. 14). Der zweite Turm steht an der eigentlichen Burganlage und der dritte Turm steht an der Nordseite des Hauses Herbergs. (Im Jahre 1870 erwarb die Familie Herbergs den heutigen Besitz von dem damaligen Burgbesitzer Nöthlings.) Die zwei noch übriggebliebenen Türme haben dieselbe Größe und sie bilden mit dem zerstörten  Turm ein rechtwinkeliges Dreieck. Da es aber unwahrscheinlich ist, daß eine „Burg“ rechtwinkeliges“ (gemeint: dreieckiges) Aussehen hat, muß sich ein vierter Turm auf der Nordseite (jetzt Herbergs ) befunden haben. Die Fundamente der riesigen Außenmauern sind noch erhalten, aber sonst ist von den damaligen Wirtschaftsgebäuden nicht mehr viel zu sehen. Nur das Herrenhaus (Stift), die Verwalterwohnung (Herbergs) und die zwei noch verbliebenen Türme erinnern noch heute an die ehemals große „Burg Palant“ (Werner II Herr von Palant von Breitenbend wurde der späterere Besitzer).

Vor der Jahrhundertwende (um 1900) wurde das „Stift“ noch einmal repariert und der noch vorhandene Turm (etwa 15. Jahrhundert) mit Schiefer gedeckt (siehe Foto). Der Burggarten wurde wieder bepflanzt und verhalf so dem Anwesen zu neuem Glanz. Leider wurde das Gebäude im zweiten Weltkrieg stark beschädigt. Es ist nur noch notdürftig von den jetzigen Besitzern (Nöthlings) repariert worden. Von der ehemaligen Anlage ist nicht mehr viel zu sehen, denn das Herrenhaus und der Turm sind noch immer stark beschädigt und sie werden wohl auch nicht mehr zu altem Glanz erwachen. Letzter Zeuge der  glanzvollen Tage ist nur noch das „Uettenhovensche“ Wappen in der Südmauer des Herrenhauses.

(Ob die Maar als Festungsgraben zu dieser Burg gehörte, ist mehr als fraglich. Zwar fand man bei der letzten Entschlammung im Jahre 1968 starke Mauerreste, die als Fundament einem Turm gedient haben könnten, aber die eigentliche Herkunft wird wohl nicht mehr geklärt werden können.)

Quelle: Schiffer

Ende des 13. Jahrhundert zersplittert der Besitz der Herren von Hottorf und der Haupteil mit der eigentlichen Burg geht in den Besitz der Herren von Palant zu Breitenbend bei Linnich über. Im Beitrag „Vier adeliege Höfe“ wird die weitere Geschichte dargestellt.

Zu den adeligen Höfen gehört auch der in der Ortmitte gelegene Gutshof, der wohl ursprünglich ein „Filialgut“ der Ritter von Müntz war und heute der Familie Lübbers gehört. Welches Rittergut älter ist, lässt sich nicht mehr sagen.

Helmut Schiffer ordnet den Gutshof in der Ortsmitte ebenfalls der Hottorfer Burg zu, allerdings nennen verschiedene Quellen wie Kapitel zur Bürgermeisterei Hottorf und der Aachener Geschichtsverien Nr 33 „Pfandherlichkeit Müntz“ hier die Ritter von Müntz.   

Fügt man die Darstellungen aus verschiedenen Quellen zusammen, muss man von folgender geographischen Anordnung der Hottorfer Burganlage ausgehen: 

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Heiligsprechung Karls des Großen

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| Aachen Sitz des Reiches |

Friedrich I. bestätigt die Freiheitsrechte Aachens, das er als Haupt und Sitz des Reiches bezeichnet. Die Stadt Aachen erhält Markt- und Münzrecht.

Römische Heerstraße

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| Römer waren Namensgeber für Straßenname "Heerbahn" |

Die Region um das heutige Jülich im Rheinland war schon im 1. Jahrhundert n. Chr. ein wichtiger Ort im Römischen Reich. Hier bauten die Römer eine bedeutende Fernstraße – die sogenannte Via Belgica –, die Köln mit Boulogne-sur-Mer an der Kanalküste verband.
Jülich und seine Umgebung sind ein Beispiel für die tiefgreifende römische Prägung des Rheinlands – sichtbar im Straßennetz, im städtischen Leben und in archäologischen Funden bis heute.

Die frühesten Funde reichen bis in die Steinzeit und die Römerzeit zurück; von letzterer wurden Funde von meinem Vater, Heinrich Schiffer, und von mir gemacht (1962). Bei Ausschachtungsarbeiten am Hause Jülicher entdeckten wir zuerst ein paar Scherben. Beim  Weitergraben stießen wir dann auf eine flache Schale und schließlich auf eine gut erhaltene römische Tonflasche, die etwa ins 3. Jh. n. Chr. zurückdatiert werden kann. Durch Zufall waren wir damit auf ein römisches Brandgrab gestoßen. Hierbei handelt es sich um eine vorgeschichtliche Grabart. Der Tote wurde verbrannt und die Asche und die Knochenreste (so genannter Leichenbrand ) in einem Gefäß (Urne) beigesetzt.

Nun erhebt sich die Frage, wie gerade ein römisches Brandgrab an diese Stelle gelangen konnte. Dafür muß ich ein wenig zurückgreifen. Als die Römer in das linksrheinische Germanien einfielen und es besetzten, bauten sie die Verkehrs – und Handelswege (diese reichten zum Teil bis in die Steinzeit zurück) aus militärischen und wirtschaftlichen Gründen aus. Es wurden neue Straßenzüge angelegt, und diese sogenannten Heer- und Handelsstraßen führten alle in die Rheintalstraße, welche die Rheinlager untereinander verband. Es war die kürzeste Verbindung zwischen Italien und Gallien. So gingen alle Straßen des heutigen Kreises unter den Römern von dem römischen Juliacum (Jülich) aus. So war Jülich schon vor 2000 Jahren ein Verkehrskreuz, was es bis heute geblieben ist. Die Straßen gingen in alle Himmelsrichtungen, hatten aber alle ein gemeinsames Ziel. Sie führten in die Römerlager und von dort nach Colonia, damals wie heute das Verkehrskreuz des Westens. Eine dieser Heerstraßen führte in das Neußer Römerlager (Jülich-Kaster-Neuß) . Man konnte jedoch auf zwei Wegen dorthin gelangen. Ein Weg führte über Welldorf, Güsten, Rödingen, Kirchtroisdorf, Neuß. Der andere führte über die Merscher Höhe, östlich Mersch, westlich Sevenich, Hottorf, westlich Hasselsweiler, östlich Gevelsdorf über Titz zum Neußer Lager.

 Da die Römer die Angewohnheit hatten, ihre Toten neben den Heerstraßen zu beerdigen, gerade dort, wo sie gestorben oder im Kampf mit Freund oder Feind gefallen waren, ist durch unseren Fund klar erwiesen, daß eine dieser Heerstraßen am jetzigen südlichen Rand von Hottorf vorbeigegangen ist. Deshalb auch der Name Heerstraße, der bis vor einigen Jahren für die jetzige Stiftsstraße verwendet wurde . Diese gefundene Tonflasche diente , neben einigen anderen Gegenständen, als Beigabe für den Toten auf dem Weg in die Ewigkeit.
So waren denn nachweislich die Römer die ersten, welche die Gegend um Hottorf betreten haben.

Quelle: Schiffer

Die bei H. Schiffer beschriebenen Brandgräber sind auch in Müntz gefunden worden. Dazu berichten die Rurblumen in der Ausgabe 6 vom Jahr 1935 „Brandgräber aus römischer Zeit in Müntz – Ein Fund, der nicht überraschen kann“.

Auch in Gevenich existieren Nachweise aus der Römerzeit. Die Stadt Linnich berichtet auf ihrer Homepage zu Gevenich: „An den zwei Fundstellen in Gevenich, wurden im Fundgut Säulentrümmer aus Sandstein, Scherben von feinem roten Tongeschirr des gehobenen römischen Haushalts entdeckt. Nach datierbaren Keramikfunden ging die Römerzeit im Linnicher Raum im 4. Jahrhundert n. Chr. zu Ende.

Noch offen:

Es bleibt die Frage, welche archäologischen Bodenfunde es überhaupt in Hottorf und Umgebung gab. Die Antwort erwarte ich bei einem Ende 2025 geplanten Termin beim LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland in Bonn. Mag jemand daran teilnehmen? Vorab und unverbindlich hat das LVR alle archäologischen Aktivitäten in und um Hottorf in der Karte zusammengefasst.

Jülich wird erstmals erwähnt

nrw-wappen

| Römer im Rheinland |

Jülich wird erstmals mit verlässlichem Datum anlässlich eines Gefechts zwischen Truppen Caesar Julians (Apostata) mit 600 fränkischen Kriegern im Jahre 356 erwähnt. Solche Beutezüge der Germanen führten um 310 zum Bau der ersten römischen Befestigung in Jülich.

Mit diesem Beitrag möchte der Chronist auch mit den Ereignissen zur Ortsgeschichte von Hottorf beginnen.

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