Josef Lieven

Bau einer Kapelle

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| Gebrüder Adam und Carsilius |

Der Aachener Stiftsherr Adam von Hoytorp, Kanonikus am Marienerstift, und sein Bruder Ritter Carsilus von Hoytorp geben Ländereien aus dem Eigentum der Hottorfer Burg zum Bau einer Kapelle. Damit errichten sie eine Stiftung und legen den Grundstock zum Bau eines Gotteshauses für die Hottorfer Bewohner. 

Der Pastor von Boslar, Ludwig von Kintzweiler gibt die Einwilligung zum Bau, wie es heißt, erst nach langen vergeblichen Bitten. Das Patronrecht an der Kapelle erhielten die Herren von Hottorf, also die Familie der Gründer. Darum wird die Kapelle frei genannt, weil sie unabhängig vom Pastor war und nicht, wie gewöhnlich die Kapellen, von diesem vergeben wurde.

Stiftungsurkunde

I. n. d. a. Ludowicus de Kyntzwilre pastor ecclesie de boeselor universis – quod ego hon. d’nis videl. Casilio de hoytorp militi parochiano meo et Ade ejus fratri leg. canonico D. marie aquensis consensi ut ipsi de suis bonis in villa de hoitorp Capelle faciant et consecrari procurent – salvis – juribus ad me – pertinentibus -. In hujus rei testimonium sigillum meum hiis litteris duxi fid.
apponendum.
Datum a’o d’ni M.CCCXL sedo ferin quarta octavorum sollempnit. pasche.
Siegel

Quelle: [Ritz]

Übersetzung:

Im Namen des Herrn. Amen.
Ich, Ludvicus von Kintzwilre (Ludwig von Kintzweiler), Pfarrer der Kirche von Boeselor (heute: Boslar), teile allen mit: Dass ich dem ehrwürdigen Herrn, nämlich Kasilius von Hoytorp, Ritter und mein Pfarrangehöriger, sowie seinem Bruder Adam, rechtmäßiger Kanoniker der Kirche St. Maria zu Aachen, zugestimmt habe, dass sie aus ihrem eigenen Vermögen in der Ortschaft Hoytorp (heute: Hottorf) eine Kapelle errichten und ihre Weihe veranlassen dürfen – unter Wahrung der Rechte, die mir zustehen.
Zum Zeugnis dieser Angelegenheit habe ich mein Siegel unter dieses Schreiben setzen lassen.
Gegeben im Jahr des Herrn 1340, am Mittwoch der Osteroktav

Der Namenspatron der Kapelle wurde der heilige Georg. Dieser wird erstmals am 18. August 1407 in einer Urkunde von Fredericus Mormona im Zusammenhang als Verwalter der vakanten Rektorenstelle ewähnt: „ecclesia S. Georgii canonicatum et prependam ac capellam sine cura in Hottorf“.

Wilhelm Rolt, Barone de Goir, wird erster Rektor der freien Kapelle. Als Rektor bezeichnet man den Priester, der als Leiter einer Kirche amtiert, die nicht Pfarrkirche ist.

Den Vornamen Carsillius/Karsilius war in der Zeit und in der Region ein gebräuchlicher Vorname. Zur Familie der Ritter von Hottorf konnte der Chronist dieser Webseite keine Abstammungsdaten zur Vorfahren ermitteln.

Ein Kanoniker ist ein Geistlicher, der an der Liturgie des jeweiligen Dom- oder Stiftkapitels mitwirkt. In einigen Quellen wird Adam von Hottorf dem Münsterstift zugeordnet. Die übliche Bezeichnung lautet jedoch Marienstift (mariae aquensis), aus dem der spätere Aachener Münster (Dom) hervorgeht.

Auch in der Familie der von Palant von Breitenbend, die dann 1420  das Patronat der Hottorfer Kapelle erhalten, ist Carsilus ein gebräuchlicher Vorname. Carsilius I. (1315-1382) war wie Adam von Hottorf Kanoniker am Marienstift zu Aachen. Von ihm ist jedoch bekannt, dass er am 20. 03. 1331 auf ein Kanonikat verzichtet, um am 01.02.1341 Ritter zu werden. Sein Urenkel Karsil III. (1440 – 1475) erbt im Jahr 1475 den ehemaligen Hof der Hottorfer Ritter.

Wer sich für  Ahnenforschung interessiert, findet unter dem Menüpunkt Familien weitere Informationen zur Herkunft und den Verwandtschaftsverhältnissen einiger Hottorfer Familien.

 

 

Hottorf wird erstmals erwähnt

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| Ortsbezeichnung "Hoitorp" in Urkunde |

Hierbei handelt es sich um Heinrich von Overbach. Denn wie das Landesarchiv NRW bestätigt, ist  „Overbach“ die hochdeutsche Schreibweise von „Overbag“ oder „Overbaig“. So heißt es in dem zugehörigen Regest (in: Regesten der Erzbischöfe von Köln im Mittelalter, Bd. 5, hg. v. Wilhelm Janssen, Köln/ Bonn 1973, S. 115-116): „Heinrich von Overbach (Overbag)“.

Heinrich von Overbach war Hofmeister des Grafen Wilhelm von Jülich und hat gemäß Urkunde Land in Hottorf besessen (siehe auch:  https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_Overbach).

 

Somit wird dokumentiert, das Ritter Heinrich von Overbach Grundstücke in Hottorf in „vollem“ Eigentum besitzt (im Gegensatz zu Lehen).

Ein Lehen ist ein Gut, das ein Lehnsherr (z.B. Adliger) einem Lehnsmann (Vasall) zur Nutzung überlässt, meist gegen bestimmte Verpflichtungen.

Der Begriff Mannlehen bezeichnet ursprünglich jedes gegen Kriegsdienst verliehene Lehen. Mit dem Begriff eng verbunden ist der Umstand, dass ein Mannlehen nur an einen wehrfähigen Mann, das heißt im Mannesstamm, vererbt werden kann.

Allode konnten frei vererbt werden (daher allodialfrei), auch an Töchter, während Lehen beim Aussterben einer Familie im Mannesstamm an den Lehnsherrn zurückfielen.

Lehen war sogenanntes nutzbares Eigentum, Allod dagegen war volles Eigentum. Dies kam auch im synonymen zeitgenössischen Begriff für Allod, Erbe und Eigen, zum Ausdruck.

Herzogtum Jülich wird unabhängig

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| Stadtmauer schützt Jülich |

Durch den Sieg Graf Walrams bei Worringen wurde Jülichs Unabhängigkeit endgültig gesichert. Die Stadt erhielt kurz nach 1300 eine neue Stadtmauer, von der heute noch das Rurtor (Hexenturm) als ältestes Bauwerk Jülichs erhalten ist. Diese Stadtmauer schützte Jülich 250 Jahre, während deren der Machtbereich der Grafen und Herzöge beständig wuchs, durch Heiraten und Erbfolge kamen die Gebiete Berg, Ravensberg, Kleve und Mark, zeitweise auch Geldern, hinzu. Die Herrscher hielten sich allerdings nur noch selten in Jülich auf, bevorzugte Residenzen waren Nideggen, Hambach, Kaster, Nimwegen, Düsseldorf und Kleve. 

Zwei Rittergüter

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| Große Landfestung |

Im Hochmittelalter (um 1300) ist Hottorf der Stammsitz der Ritter von Hottorf.

Stift (Burg)

Wie das Rittergut in früherer Zeit ausgesehen hat, ist leider nicht bekannt. Es muß sich aber um eine  sehr große „Landfeste“ gehandelt haben, welche einen quadratischen Innenraum hatte. Diese Aussage wird durch die Tatsache bestärkt, daß sich oben am „Stift“ insgesamt drei Türme befinden, beziehungsweise befunden haben, denn ein Turm wurde im zweiten Weltkrieg zerstört. (Dieser Turm stand auf dem Anwesen vom Hubert Dohmen – jetzt Jürgen Dudeck, Georgstr. 14). Der zweite Turm steht an der eigentlichen Burganlage und der dritte Turm steht an der Nordseite des Hauses Herbergs. (Im Jahre 1870 erwarb die Familie Herbergs den heutigen Besitz von dem damaligen Burgbesitzer Nöthlings.) Die zwei noch übriggebliebenen Türme haben dieselbe Größe und sie bilden mit dem zerstörten  Turm ein rechtwinkeliges Dreieck. Da es aber unwahrscheinlich ist, daß eine „Burg“ rechtwinkeliges“ (gemeint: dreieckiges) Aussehen hat, muß sich ein vierter Turm auf der Nordseite (jetzt Herbergs ) befunden haben. Die Fundamente der riesigen Außenmauern sind noch erhalten, aber sonst ist von den damaligen Wirtschaftsgebäuden nicht mehr viel zu sehen. Nur das Herrenhaus (Stift), die Verwalterwohnung (Herbergs) und die zwei noch verbliebenen Türme erinnern noch heute an die ehemals große „Burg Palant“ (Werner II Herr von Palant von Breitenbend wurde der späterere Besitzer).

Vor der Jahrhundertwende (um 1900) wurde das „Stift“ noch einmal repariert und der noch vorhandene Turm (etwa 15. Jahrhundert) mit Schiefer gedeckt (siehe Foto). Der Burggarten wurde wieder bepflanzt und verhalf so dem Anwesen zu neuem Glanz. Leider wurde das Gebäude im zweiten Weltkrieg stark beschädigt. Es ist nur noch notdürftig von den jetzigen Besitzern (Nöthlings) repariert worden. Von der ehemaligen Anlage ist nicht mehr viel zu sehen, denn das Herrenhaus und der Turm sind noch immer stark beschädigt und sie werden wohl auch nicht mehr zu altem Glanz erwachen. Letzter Zeuge der  glanzvollen Tage ist nur noch das „Uettenhovensche“ Wappen in der Südmauer des Herrenhauses.

(Ob die Maar als Festungsgraben zu dieser Burg gehörte, ist mehr als fraglich. Zwar fand man bei der letzten Entschlammung im Jahre 1968 starke Mauerreste, die als Fundament einem Turm gedient haben könnten, aber die eigentliche Herkunft wird wohl nicht mehr geklärt werden können.)

Quelle: Schiffer

Ende des 13. Jahrhundert zersplittert der Besitz der Herren von Hottorf und der Haupteil mit der eigentlichen Burg geht in den Besitz der Herren von Palant zu Breitenbend bei Linnich über. Im Beitrag „Vier adeliege Höfe“ wird die weitere Geschichte dargestellt.

Zu den adeligen Höfen gehört auch der in der Ortmitte gelegene Gutshof, der wohl ursprünglich ein „Filialgut“ der Ritter von Müntz war und heute der Familie Lübbers gehört. Welches Rittergut älter ist, lässt sich nicht mehr sagen.

Helmut Schiffer ordnet den Gutshof in der Ortsmitte ebenfalls der Hottorfer Burg zu, allerdings nennen verschiedene Quellen wie Kapitel zur Bürgermeisterei Hottorf und der Aachener Geschichtsverien Nr 33 „Pfandherlichkeit Müntz“ hier die Ritter von Müntz.   

Fügt man die Darstellungen aus verschiedenen Quellen zusammen, muss man von folgender geographischen Anordnung der Hottorfer Burganlage ausgehen: 

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Wer sich für  Ahnenforschung interessiert, findet unter dem Menüpunkt Familien weitere Informationen zur Herkunft und den Verwandtschaftsverhältnissen einiger Hottorfer Familien.

Älteste Erwähnung des Rittergeschlechts

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| Urkunde erwähnt Heinrich und Wilhelm von Hoihtorp |

Im Januar 1248 verkauften die Kinder Johanns von der Baelen und desssen Ehefrau Heilwich ihren Hof, das heutige Gut Kippingen nördlich von Rurich, an das Kloster Ophoven. Dabei handelt es sich um einen ehemaligen Teil der Burg Rurich.  Dazu gab unter anderem Heinrich von Hoihtorp als Oheim der unmündigen Kinder seine Einwilligung. Zu den Zeugen gehörte auch Wilhelm von Hoihtorp.

Dabei dürfte es sich um die älteste bekannte Erwähnung von Hottorf handeln. [Breuer] nennt noch einen „Winegoz von Hotdorp“ im Jahr 1227, also 21 Jahre früher. Die referenzierte Urkunde (aus: Joerres, Urkundenbuch des Stiftes St. Gereon zu Köln, Nr. 88 Seite 87) betrifft den Fronhoff Wissersheim, einem Ortsteil von Nörvenich. Aufgrund der Entfernung zu Hottorf scheint das Auftreten eines Ritters von Hottorf als Zeuge einer Urkunde eher unwahrscheinlich. 

Der Kommentar im Urkundenbuch merkt Lesefehler an. So mag es sein, das Autor der ZAGV (im Band 10 von 1879), nämlich W. Graf von Mirbach, der ja selbst ein Urkundenarchiv u.a. mit Erwähnung von Hottorf gepflegt hat, diesen Lesefehler von Hotdorp zu Holtrop korrigiert.   

Die Schreibweise Holtrop ist aber für Hottorf nicht bekannt. Die Wasserburg, das Geschlecht und den Ort Holtrop gab es bei Niederaußem bis dieser 1958 dem Braunkohlentagebau Fortuna-Garsdorf zum Opfer fiel. 

Aachener Geschichtsverein (Band 10, erschienen1879)
Urkundenbuch des Stiftes St. Gereon zu Köln, erschienen 1893
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