2. Weltkrieg

Letzte Kriegsgefangenen kehren zurück

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| Die Aachener Volkzeitung berichtet: |

  • Ein Kriegsgefangener aus Russischer Gefangenschaft kehrt nun zurück (wer?)
  • Im Oktober wurde die Vikarie wieder hergestellt. Dort können zwei Famlien wohnen.
  • Schuppen am Pastorat im Rohbau fertig
  • Dachdeckermeister Moll aus Kiffelberg hat Westseite des Kirchenschiffes mit Schiefer gedeckt

Pfarrer Reiner dokumentiert Schicksal der Kriegsgefangenen in seiner Chronik.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Die Kriegsgefangenen: Pfarrer Reiners dokumentiert, wann Kriegsgefangen zurückgekehrt sind. Leider ist die  Zählweise nicht ganz nachzuvollziehen.   

März 1946
  1. 93 waren von hier waren während des Krieges Soldat, 19 fielen, 31 sind noch nicht zurück, 12 schickten eine Suchkarte, da sie persönlich noch nicht geschrieben haben. Von 2 oder 3 weiß man indirekt Bescheid.
    Josef Nöthlings geriet in russische Gefangenschaft, aus der er krank vor zweieinhalb Monaten entlassen wurde. Bis heute hat er sich kaum davon erholt.

    Seit Weihnachten hielt ich 3 Novenen vor dem Herz-Jesu-Freitag: Die erste in der Hauptsache um Wiedererlangung der Glocken, die in Hettstett, 3 km von der englischen Zonengrenze in der russischen Zone sind. Ob wir sie Ostern wieder haben? Sehr groß die Beteiligung der Leute daran: 50-90 Kommunikanten. Die zweite Novene für Glocken und Soldaten. Die dritte jetzt mehr für Vermisste. Die Beteiligung ist merklich schwächer geworden. Aber immerhin ist die Zahl der Kommunikanten 40-50 täglich. Heute hielt ich ein Seelenamt für alle 19 gefallenen Hottorfer. Die Beteiligung hätte viel besser sein können. Als Einlage ließ ich von den Mädchen des Singabends (mittwochs bei Mülfarth) singen: „Wo findet die Seele die Heimat, die Ruh?“

  1. Am Freitag, dem letzten Tag der Novene kam Josef Heister zurück, sodass jetzt nur noch 30 zurück sind. Er hatte es in der Küche in amerikanischer Gefangenschaft in Chartres und bei Boulogne gut. Der Nuntius von Frankreich habe sie zu Weihnachten besucht. Auf ihre Klage wegen schlechten Essens sei in acht Tagen Abhilfe geschaffen worden. Er sei nach Rom gefahren. Wie doch der Papst eine überweltliche Macht ist, wie er doch deutschenfreundlich ist. Er erhob auch seine Stimme zugunsten der unschuldigen gefangenen Nazis. Ob dieses Jahr viele heimkehren werden? Als Johann Heister gefangen wurde, ist er über die Heerbahn gekommen, also gut 100 Meter von seinem Haus. So hatte er ein Bild von Hottorf.
  1. Am Freitag kehrte Josef Berden aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft wieder. Vor Kriegsende hatten sie dort sehr gute Verpflegung, sie streikten gar bei schlechter, seit Mai litten sie sehr Hunger. Wie dumm und einfältig diese Rache an uns Unterlegenen, es ist eher eine Saat des Hasses als pädagogisch. Wären sie vornehm geblieben, so hätten sie sehr gute Propaganda um sich gemacht.
  1. Gestern schrieben eine Suchkarte durch das Rote Kreuz, wohl aus der Gegend von Moskau, Johann Schiffer, Hausnummer 12, und Martin Nießen, der erste bei dem Zusammenbruch in Rumänien bei Jassy gefangen, der andere nach der Übergabe Breslaus.
    Nun schrieben noch nicht: Wilhelm Esser, Hausnummer 3, Peter Herbergs, Fr. Althoff, Peter Schiffer, Hausnummer 46, Theodor Nöthlings, Heinrich Krafft, Rainer Hochstein, Wilhelm Schmitz und Peter Bläsen und Wilhelm Lieven.; zudem Peter Heine.
    Außerdem will ich die noch nicht Heimgekehrten aufzählen: Frater Josef Lieven S.V.D. in Siegburg, der in Köln als Sanitäter ist und jeden Sonntag nun in Urlaub kommt, Krieger, Wilhelm; Jülicher, Anton; Schiffer, Peter; Nöthlings, Theodor Ludwig; Moes, Johann; Braun, Alois; Krafft, Gerhard; Krafft, Wilhelm; Schiffer, Heinrich; Berden, Heinrich; Nießen, Martin; Hochstein Heinrich; Schmitz, Johann; Schiffer, Josef; Flesch, Matthias; Berger, Josef; Lieven, Nikolaus.
April 1946
  1. Gestern kehrte Johann Moes heim, der noch soeben Soldat wurde und ein Jahr gefangen war. Nun sind es noch 27.
    Johann Moes ist noch im Februar von der Zuckerfabrik in Ameln weggeholt worden, wurde Soldat und geriet verwundet bei Hackenbroich in amerikanische Gefangenschaft. Als verwundeter hatte er es gut, als Gefangene litten sie Hunger. Seit Juli war er auf einem Flughafen in Hanau beschäftigt. 

  1. Peter Blaesen schrieb aus tschechischer Gefangenschaft 2-;Mal. Er war bei der Feldherrenstandarte und darum wagte es seine Frau nicht, eine Suchkarte abzuschicken. Im Kampf warf er das Band immer weg.

Mai 1946
  1. Gestern Abend kehrte gerade vor der Maiandacht Nikolaus Lieven nach Hause. Er hat es sehr schlecht in amerikanischer Gefangenschaft gehabt und kennt nun Frankreich besser als Deutschland.

Juni 1946
  1. Rainer Krieger schrieb an mich, da er ohne Nachricht (24.2.46) von seinen Eltern ist. Er glaubt Hottorf fast ganz zerstört und seine Eltern nicht zu Haus. Diese Briefe gingen nicht durch die Zensur.

Juli 1946
  1. Anton Jülicher kehrte zur allgemeinen Freude heim. Er war einige Tage im Bodensee im Lazarett.

  1. Willi Krafft kehrte heute aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft heim. Schlechte Behandlung im allgemeinen. Oft weniger Verpflegung als in Dachau. Der Glaube habe bei vielen Schiffbruch erlitten, denn die Amerikaner seien bloß Christen dem Namen nach

November 1946
  1. Noch zwei Gefangene und sieben Vermisste haben wir.
    Josef Lieven ist durchgebrannt und studiert in St. Augustin. Ebenso ist Willi Krafft von Frankreich durchgebrannt. Beide sind schon einige Wochen hier.

Dezember 1946
  1. Josef Schiffer, Sohn von Martin Schiffer, kehrte aus französischer Gefangenschaft dieser Tage heim. Nun bleiben noch zwanzig zurück.

Januar 1947 
  1. Exequien für Anton von Berg, der am 12.4.1945 in Rußland verhungerte.
November 1947 
  1. Noch immer sind elf Gefangene nicht zurück und sechs Vermisste,  also ist auch noch die Kommunionmesse für sie.
Jan 1948
  • Von Franz Althoff kam die Nachricht, dass er gefallen sei. 

Lehrerin Gatzweiler verlässt Hottorf nach Rückkehr aus Evakuierung

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| "Hottorf hatte mir am wenigsten Freude entgegengebracht" |

Lehrerin Getrud Gatzweiler wird am 1. Oktober 1934 Lehrerin an der Kath. Volkschule in Hottorf. Dabei handelt es sich um einer Strafversetzung aufgrund ihrer kritischen Haltung zum Nationalsozialismus. Sie kehrt am 20. November 1945 aus der Evakuierung zurück. Pfingsten 1946 verlässt sie Hottorf und geht auf eigenen Wunsch zurück nach Mönchengladbach. Vermutlich im Frühjahr 1946 schreibt Sie ihre Erinnerungen zum Krieg und zur Flucht nach Bromby, 30 km südlich von Magdeburg, auf  (siehe weiter unten in diesem Beitrag, alternativ dazu gibt es  eine 15-seitige Druckversion und das handschriftliche Original zum Download).

Pfarrer Reiners schreibt in seiner Chronik über die Lehrerin Gatzweiler:

März 1946: Neuerdings darf Fräulein Gertrud Gatzweiler wieder Schulunterricht halten und hilft gut mit. Ende März soll es sich entscheiden, ob Frl. Gatzweiler eine Wohnung in Mönchengladbach bekommt, um Lehrein bei ihrem früheren Pastor in Eicken zu werden, die Genehmigung in Düsseldorf drückte er durch; mit den Mönchengladbacher Behörden hat er sich verfeindet. Er scheint sehr tatkräftig zu sein, ist aber nervös. Zwölf Jahre haben sich Lambertz und Gatzweiler nicht mehr gesehen. Die Gestapo hatte beide auf dem Kieker.

Am 5. April 1946  hielt ich die letzte Schulstunde vor den Ferien für Frl. Gatzweiler, die nach Mönchengladbach abberufen wird und heute zum Pfarrer Lambertz hin fährt. Es war ihr schwer, als sie die letzte Stunde gestern beschloss. Tränen standen ihr in den Augen . Gott vergelte ihr alles Gute, was sie den Kindern tut. Ein kathol. Herz schlägt in ihr. Dort im Mönchengladbach wird sich ihr wohl ein weites Feld öffnen.

Die Lehrerin Gatzweiler verabschiedete sich am 10.Juni 1946. Sie kommt als Mittelschullehrerin auf ihren eigenen Antrag nach Mönchengladbach. Zu ihrem Pastor Lambertz, der sie in der Jugendarbeit einsetzten wird. Neunzig Prozent (!) vom Ort sind froh, dass sie weg ist, da sie zu viel redete und kritisierte. Und ihren Streit mit Pastor Schmitt vergaß man nicht. Sie hat den Kleinen aber sehr viel Kenntnisse in Religion beigebracht. Nun sucht sie ihre Möbel im Dorf zusammen. 

Am 12. Juni 1946  ging die Lehrerin weg. 

Erinnerungen zum Krieg und zur Flucht von Gertrud Gatzweiler:

Am 12.9.1944 wurde der Unterricht in Hottorf wegen Frontnähe eingestellt.

Die Kinder, längst an die Gefahren des Luftkrieges gewöhnt, suchten in der Mehrzahl schon nicht mehr über Tag den Keller bei Fliegeralarm auf; sie fanden die Schließung der Schule höchst überflüssig. Die Front rollte so rasch näher – in einer Woche würde alles vorbei sein, und der Unterricht würde dann in Kürze weitergehen – so glaubte man allgemein. Daß an der Rur sich der längste Stellungskampf dieses grausigen Krieges entwickeln würde und daß die Dörfer, so still und abgelegen, zerstört werden würden – das ahnte niemand.

Schon seit Septemberbeginn waren in jedem Haus einige Etappetruppen einquartiert; sie sahen äußerlich nach Ordnung und Pflege aus, aber leider lernte die Jugend und die breite Masse des Volkes rasch und krass gerade von ihnen, daß das Wort „stehlen“ – von Dieb schon gar nicht zu reden – aus dem Sprach­gebrauch des deutschen Volkes entschwunden und der unschuldige Begriff „organisieren“ an seine Stelle gerückt war. Durchrollende Autos, mit Gepäckstücken hochbeladen, kündeten die zurückflutende Front an.

Das Dorfbild änderte sich jäh, als Masseneinquartierung kam. Die sogenannte „kleine Schule“, seit 47 Jahren nur von einer Lehrerin bewohnt, wurde, da sie weit und geräumig war, zum größten Truppen­sammel­platz. Am 17. September wurde Haus Nr. 2 mit 85 Schanzern belegt, Gerichtsbeamten aus Siegburg, alle gut gekleidet, obschon sie behaupteten, ihre „letzte Montur“ angelegt zu haben, Helle Wäsche, dünnes Schuhwerk, Sommeranzüge, gepflegte Hände, die nie einen Spaten umfaßt hatten, das war die Ausrüstung, die diese Leute mitbrachten. Die beiden Richter erschienen im Jagdanzug und wünschten ein weiß bezogenes Bett, das ich ihnen lächelnd gewähren konnte – wie würden diese Menschen aussehen, wenn sie den „anhänglichen“ Jülicher Boden kennen gelernt hatten?

Am 1. Tag durften sie sich wohnlich einrichten, am 2. Tag hieß es, morgens um 6 Uhr aufstehen, 6 1/2 Uhr Kaffee holen, 7 Uhr Abmarsch; Spaten wurden verteilt, und fort ging’s an neue ungewohnte Arbeit. Um 10 Uhr morgens kamen schon die ersten Herren zurück; sie sollten 2 1/2 m Boden, 1,4o m tief, 0,80 cm breit auswerfen und waren nach zweistündiger Arbeit schon abgekämpft.

Am 2. Tag verlangten die Klügsten schon nach einem Arzt; sie wollten sich ein Attest ausstellen lassen, daß sie arbeitsunfähig seien; am 5. Tag war die Schar schon so bedenklich zusammengeschmolzen, vor allen Dingen so ganz ihrer Führer beraubt, daß an eine Weiterführung der Schanzarbeit nicht zu denken war und die Herren in die Heimat zu anderer Verwendung zurückverfrachtet wurden. Sofort rückten 50 Kölner Handwerker aller Zünfte an – die Sache bekam ein besseres Gesicht. Aus einigen Schulbänken wurde eine große Bank gezimmert, aus Einzelsitzen Schemel fabriziert, aus 2 überflüssigen Türen und einem Tafelgestell erstanden Tische – die Skatecken waren fertig. Alle holten bei Bauern neues Stroh – die Lager auf dem Boden wurden fester und höher. Diesen Leuten war das Schanzen nur eine Nebenbeschäftigung, das Kartenspiel war die Hauptsache. Um 12 Uhr mittags hatten schon die ersten Handwerker die festgesetzte Menge Erde bewegt; die Arbeit war berechnet bis 5 Uhr nachmittags – dann gab es warme Suppe – aber bis dahin blieb keiner aus. Fast alle Handwerker nahmen sofort nach ihrer Ankunft eine gründliche Reinigung vor.

Bis zur NSV-Suppe mußten die Obstbäume des Dorfes daran glauben, und bei diesen Streifzügen lernten sie auch die Gegend kennen. Nach der warmen Speisung begann gegen 6 Uhr das Kartenspiel – aber Punkt 10 Uhr wurde die Notbeleuchtung eingeschaltet, kleine blaue Taschenlampenbirnen, die in jedem Raum angebracht waren und auch bei Fliegeralarm brennen bleiben konnten. Ordnung und Ruhe herrsch­ten im Haus – das wurde mit einem Schlage anders, als auch noch 15O Kölner-Hitlerjungen als Schanzen ins Haus kamen, 15O 14-16 jährige Burschen, führerlos, eine wilde, arrogante Horde, die Tag und Nacht keine Ruhe ließ. Dabei arbeite die Schar wenig – 2 Stunden Frühsport, nachmittags Fußballspiel, abends Umzug pfeifend und singend durchs Dorf. Es war eine Erlösung, als 2 Tage später noch 48 Frontsoldaten ins Haus kamen, eine Verpflegungskolonne, die hinter der Front liegende Ortschaften von Lebensmitteln zu säubern hatte. Diese Männer waren eine Hilfe, die HJ in Zucht zu halten.

Am Samstag, den 14. Oktober 1944 , morgens nach 10 Uhr, als die Jugend gerade vom Frühsport in die Klasse kam, flogen die ersten Ari-Granaten ins Dorf. Das Haus der Witwe Esser nebenan wurde getroffen. Ein Soldat, Ostpreuße, Vater von 9 Kindern, erhielt einen Splitter in die Halsschlagader, ein Hitlerjunge einen Bauchschuß – die beide wurden sterbend zum Hauptverbandsplatz nach Müntz gefahren. Ein Junge hatte beide Augen verletzt – die Burschen waren nur noch ein tobender Haufen, und noch während des Beschusses verließen die ersten mit ihrem Gepäck das Dorf; in 1 Stunde war die ganze Gesellschaft „heim zu Muttern“ verschwunden. Man hatte ihnen versprochen, nicht in Frontnähe zu kommen; man hatte ihnen das Wort gebrochen – nun durften sie auch treulos werden. Die alten Kölner Handwerker reichten auch Beschwerde ein; sie durften nach großen Streitigkeiten einige Tage später um Köln die gleiche Arbeit wieder aufnehmen. Aber es passiert wohl hin und wieder, daß man aus dem Regen in die Traufe kommt,  so auch dies Mal. 350 Elsäßer OF Leute, deren Deutschtum sehr zweifelhaft war, amen als Ersatz. Sie standen unter Aufsicht verschiedener politischer Funktionäre in Zivil; kein Wort durfte über die politische Frage fallen, nichts über die militärische Lage, obschon die Geschütze schon Tag und Nacht ballerten – ein ekelhaftes Theater -. Die Lebensmittel wurden für die ganze Belegschaft auf dem Speicher verteilt, dauernd ging’s treppauf, treppab. Bei Fliegeralarm wurde mit Absicht die Verdunkelung abgerissen; immer gab es irgendwie Zank und Streit mit den Goldfasanen in Zivil. –

Die Front in Gereonsweiler! Da wurde es Zeit, daß die unheimlichen Gesellen rückwärts verlegt wurden, und nun wechselte fast täglich die Einquartierung – Frontsoldaten.

Aber die Gegend sollte noch nicht genug verschanzt sein; nun hieß es: Die Frontsoldaten zum Obe­geschoß, das Untergeschoß wird mit 15O Russinnen belegt, die Schanzarbeit zu verrichten haben. Frauenpflege und Sauberkeit erfordert zivilisiertere Mittel als sie der Mann verlangt. Es war erstaunlich zuzusehen mit welch primitiven Mitteln sich die heimatentwöhnten Frauen und Mädchen zu behelfen wußten, aber es war auch ekelerregend und ein Beweis, wie tief die Führung des Kulturvolks der Deutschen gesunken war, die Frauen in diese Umstände einzwängte. Nachts lagen die Mädchen auf altem Stroh halbentkleidet, mit ihren Mänteln zugedeckt, aber trotz Posten schlich es schon in der 2. Nacht von oben nach unten und von unten nach oben, und nach 8 Tagen war die Unzucht und damit auch die äußere Unsauberkeit breit und offen.

Gegen diese Schmutzwogen war ich machtlos, gegen diese kleine herrliche Blüte des Rassegesetzes. Ich bat den Ortskommandanten, die Mädchen aus dem Haus zu entfernen; er gab mir zur Antwort, daß ein Privathaus sich mit Recht gegen die Ausländerinnen wehren würde, die Schule müsse diese Einquar­tierung behalten. – Das Beste für die deutsche Jugend! – Ein Teil der Soldaten sollte entfernt werden, dafür wurde der halbe Speicher mit Munition belegt.

Jeden Tag waren andere Flüchtlinge in den Zimmern, und während schon fast alle im Dorf packten, um nach rückwärts zu räumen, hatten wir noch oft nachts im Keller keine Ruhe, wo auf einigen Stühlen ein Lager bereitet war. Oben war ein Hexensabbat, in der Luft die Flieger wie Mückenschwärme – war’s ein Karnevals- oder ein Totentanz? Die Wege waren von den Panzerfahrten so schlecht geworden, daß die meisten Mädchen mit ihrem leichten Schuhwerk das Haus auch über Tag nicht mehr verließen. Seit dem 20. November wurde das Dorf von Zivilisten leerer und leerer, die Front war da.

Am Morgen des 22. erhielten die Russinnen den Befehl, 15 km weiter ostwärts zu schanzen, da sie als Frau zu sehr in der Gefahrzone ständen. Zwei große LKW‘s nahmen die Mädchen auf; die Wagen fuhren Ralshoven zu. Ich verließ mit den Mädchen das Haus, um nachzusehen, ob überhaupt noch ein Hottorfer im Dorf sei.

Wagen auf Wagen mit Flüchtlingen war die letzten Tage vorbeigezogen. Alle Häuser hatten in den letzten Wochen schon Flüchtlinge weiter westwärts liegender Dörfer beherbergt; daher kannten sie schon des graue Elend, in das sie jetzt selbst ziehen mußten. Ich hatte gerade die Eingangspforte zum Friedhof erreicht, als die Dachziegel meines Hauses mit jähem Sprung auf die Straße kollerten – die Heerbahn lag unter Artilleriebeschuß. Schnell in den Keller bei Gerwin Schmitz, das Haus war still und tot, da prasselten auch dort die Scheiben schon in die Straße. Nach einer halben Stunde ließ das Feuer nach – lebte die Mutter noch? Lebten die Soldaten noch, die in meinem Haus waren? Das Dach war zum größten teil abgedeckt alle Türen und Fenster mit Rahmen herausgerissen, 8 tote Russinnen vor dem Haus, verschiedene Verletzte, aber die im Haus waren, sind unverletzt geblieben, wie von einem Wunder behütet. Sie waren in dem hofwärts gelegenen Zimmer gewesen, als der Einschlag von der Straße her erfolgte, und lagen nun geistesabwesend im Keller. An ein letztes Einpacken war nicht mehr zu denken. Bis in die letzte Schrankecke waren die Schlammspritzer gedrungen, die Zimmerdecken kamen schon im Klatschregen herunter – da fuhr am andern Morgen die Mutter mit der Gulaschkanne nach Könighoven. Ich blieb noch 3 Tage in der leisen Hoffnung, daß die Front mich überholen würde; ich dachte bei dieser Motorisierung nicht an 3 Monate Stellungskrieg. Als ich mein Heim, daran ich mit Liebe gebaut hatte, verließ, hatte sich das sichere Gefühl, daß ich es nie mehr wiedersehen würde. Darum nun weg, weit weg in die unbekannte Fremde, weit weg von einem Kreuz, das ein Verbrecher für mich in der Heimat gezimmert hatte, so weit weg, daß ich nichts von der Heimat erfuhr, daß ich auf der Gesunden Basis leben durfte, auf der die anderen Menschen steh. Dieser Wunsch sollte mir in der Herrlichsten Wiese erfüllt werden. Das  Flüchtlingsjahr wurde das Jahr der Sommerfrische meines leben. Es war eine beschwingte, tatenfrohe Zeit in einem großen Kreis geistreicher, guter Menschen. –

Zuerst gelangte ich mit meiner Habe bis Titz; dort zimmerte mir Herr Pastor Hillebrand aus Lohn 7 große Holzkisten. Jetzt war mein Gepäck fertig für die Fahrt, eine ganz unerwartete Hilfe. Für den Preis von 100 Zigaretten erhielt ich ein Fuhrwerk bis Königshoven. Es war schwer, in dem Flüchtlingsstrom die Mutter zu finden, aber dann ging’s zu zweien an den Flüchtlingszug nach Bedburg.

Im Organisieren waren die Braunen groß, für Mütter, Kinder, sogar für etwaige operative Eingriffe war bestens Vorsorge getroffen. Der Zug wurde mit 1.7oo Menschen geradezu vollgestopft. Schon nach kurzer Fahrt mußte der Zug vor Gladbach einen ganzen Tag an einer Baumschonung wegen Fliegerbeschuß halt machen, und dann begann die 60 stündige Fahrt in den kalten Wagen. Zwar wurde täglich warmes Essen hereingereicht, aber strapaziös blieb die Fahrt doch. In Calbe/Saale wurden wurden wir ausgeladen; Mutter und ich gelangten mit 100 andern Flüchtlingen des Jülicher Landes nach Brumby, einem reichen Dorf der Magdeburger Börde von 2500 Einwohnern ev. Glaubens. Die Hauptlehrerin des  Ortes, Frl. Charlotte Hohmuth, nebenbei das begabteste, gesegnete, innerlich reichste weibliche Wesen, das mir das Leben gezeigt hat, spannte mich sofort in die Betreuung der Flüchtlinge ein und brachte mich selbst bei dem Bauern Otto Becker unter, der für seine 3 Kinder 3 Höfe von 25o Morgen besaß.

Nach 14 Tagen hatte ich die Abordnung für Brumbyer Schule in der Hand und erhielt folgenden Stundenplan: 8-1O I. Jg., 68 Kinder, 1O-12 II. Jg., 63 Kinder, 12-1 I. Jg. , 48 Flüchtlingskinder.

Das Schulehalten sollte eine Überraschung sein. Die Brumbyer Kinder waren bis auf einige Versager so begabt, daß ich in einem Vierteljahr so viel Stoff bewältigen konnte wie in Hottorf in 2 Jahren. Die Jugend drängte ordentlich nach vorn, das Lernen war eine Last, aber es kamen auch Frechheiten vor, die in der Heimat nie gewachsen wären, und die einer harten Faust bedurften. Dabei waren sowohl Schüler als auch Eltern von einem Arbeitseifer, daß man nicht genug Anleitung zu häuslichen Aufgaben und Übungen geben konnte. Das Gegenspiel war die letzte Stunde. Die Flüchtlingskinder stammten zum größeren Teil aus Essen, und ich weiß heute, daß eine Versetzung nach Essen-Stadt einer Strafversetzung nach Deutsch-Sibirien gleichkäme. Im 1. Jg. saßen 12 jährige, nicht aus Dummheit, sondern aus Disziplinlosigkeit: 40-50j % Versäumnisse monatlich, dreist, faul, schon sehr jung sinnlich, ein Vorwärtskommen war unmöglich. Neben den saubern Jülicher Kindern, die wie ein Gruß aus der Heimat da saßen, fiel die körperliche Verwahrlosung unangenehm auf. An den Mützen prangte das Edelweiß, das Abzeichen der kommunistischen Jugend. –

Der 3. Jg., etwa 70 Kinder, und der 4, Jg. in gleicher Stärke wurden abwechselnd von Frl. Freyer Kieinecke betreut, die, religiös völlig uninteressiert, eine Lehrerin nach preußischem Schrot und Korn war, zuverlässig und ordentlich bis zum I-Tüpfelchen. Die Oberklasse, 5.-8. Jg., 98 Kinder, unterrichtete Frl. Hohmuth in einer Klasse, u. ev. mit solchem Geschick, mit solch prickelnder Begeisterung, mit einem solch inneren Reichtum, daß ich nichts als Verwunderung und Bewunderung war.

Jede Woche wurde ich einmal zu Kaffee und Abendessen zu ihr eingeladen, und diese Stunden waren so erfüllt von Geist und Verstehen und Liebenswürdigkeit, daß wir wie zwei Gestirne waren, die ineinanderstürzen mußten. Wenn ich sie betrachtete in all ihrer körperlichen und geistigen Schönheit, was mich dann immer im letzten Moment zurück, nicht die Balken des freundschaftlichen vertraulichen Du zu betreten? Ihr Nähe war Erziehung, soldatische Haltung, seelische Disziplin, geistiges Leben – und doch! Vom ersten Augenblick an verglich ich sie mit dem Königlichen Panther, mit dem ich lächelnd spielen konnte, aber ich fürchtete, ja, ich fürchtete die Krallen oder war es die Verschiedenheit der Weltanschauung, sie eine idealistische Nationalsozialistin, der Glaube an Deutschland bedeute Religion, ich eine Feindin des heuchlerischen Gewaltsystems, das nur leeres Phrasengetrommel und leere Götzen hatte? Nein, dieser Gegensatz war es nicht, wir versuchten ineinander Berge zu versetzen und trafen uns dabei; ich fürchtete die Krallen des Panthers, die ich selbst nie erfahren, wohl aber in kurzer Zeit erleben, daß sie sich mit diesen Krallen selbst zerfleischte. –

Durch Frl. Hohmuth lernte ich auch das Dorf kennen, stellenweise ein Bild aus Richters Zeichnungen, stellenweise ein Bild moderner Zivilisation: die breiten gepflasterten Straßen und Plätze mit den dicken Akazienbäumen, die betont geräumigen Wohnungen der reichen Bauern, mit allem Pomp ausgestattet, die flachen kleinen Häuser der Knechte, die alten Rittergüter, die schöne Kunstwerke bargen.

Durch meine Gastwirtin, Frau Annemarie Becker, wurde ich zu den Advents-Leseabenden zu Familie Ministerialrat Lahr mitgenommen, wovon der jüngste 32 jährige Sohn seit einigen Wochen in Brumby als ev. Pfarrer amtierte, und so war die ganze Familie dem Bombenhagel in Berlin entronnen und hatte in dem großen Pfarrhaus in Brumby ihre Zelte aufgeschlagen. Die Mutter war einer echte weltgewandte Französin, aber ebenso der Vater ein deutscher Mann, der Pfarrer ein Gemütsmensch  von zuchtvoller Haltung, die Tochter eine tüchtige Zahnärztin, der älteste Sohn. Oberregierungsrat und z. Zt. In Hitlers Hauptquartier Ordonenzoffizier, ein sachlicher Beobachter, in politischer Hinsicht von starker Zurückhaltung der aber durch seine Charakterschilderungen der Größen des Dritten Reiches und durch manche Anekdoten die Neugier aller Zuhörer reizte.

Ferner traf ich bei diesen Mittwochs-Leseabenden an: die beachtliche und beachtenswerte Familie von Schwerin-Krosigk, die vor dem Einmarsch der Russen im Juni 1945 nach Wiesbaden flüchtete, ebenso die Familie von Trotha, die beiden Damen von der Osten sen. Und jun. Die im Juni auf ihr Gut nach Schleswig-Holtstein zogen, die zierliche, begabte Frau des Botschafters Krieger, die die Freiinnen von  Plettenberg, Familie Coens, die ihr Anwesen von 10.000 Morgen so musterhaft verwaltete, daß das Gesinde sehr zufriefen war, die reichen Gutsbesitzer Ernst u. Wilhelm Ziemann, die ev. Pfarrer Stephani und Pensky mit ihren Frauen, selbstmehr Gelehrte als Pfarrer, verschiedene Studienräte und Studienrätinnen aus der nahen Stadt, und endlich traf ich einige Male als Freund des Hauses Lahr Ernst Theodor Haecke.

Die Adventsabende waren so schön, daß man die Beibehaltung der Leseabende beschloß.

Ich kramte aus den reichen Bibliotheken meine Freunde hervor: Paul Claudel und Leon Bloy, Rilke und Michel Angelo Calderon und die noch lebenden gemütlichen Flamen.

Von selbst bekamen jetzt die Abende inmitten der ev. Gesellschaft ein kath. Gesicht und fast immer liefen die religiösen Streitigkeiten zu meinen Gunsten aus, da ich mit festeren Umrissen dienen konnte als die ev. Glaubensgenossen.

Durch diese anregende Unterhaltung ergab es sich bald von selbst, daß ich donnerstags mit Herrn Pastor Lahr die Predigt umriß und in ihren Hauptzügen aufsetzte, die dann samstags einigen Mitgliedern des Lesezirkels vorgelesen und die dann Sonntag mit großem Geschick und jugendlicher Begeisterung vorgetragen wurde.

Die Katholiken konnten jetzt ohne Bedenken die Predigt anhören, dafür hatte ich gesorgt. –

Bald wurden für dienstags Musikabende gewünscht, Sonntag war ich zum Theodor zum Abendessen eingeladen, bald lernet ich mit Pferden umgehn, und ich fuhr einspännig mit einer Jagdkutsche oder zweispännig mit einer großen Kutsche über Land, in die Stadt, durch den herrlichen von Trothaschen Park, in den Wald.

Konnte ein reichhaltigeres Programm der armen Flüchtlingslehrerin geboten werden, die überall liebenwürdig und ritterlich behandelt wurde? Konnte man irgendwo schneller den Krieg vergessen? Kein Alarm, keine Fiieger, kein Beschuss, kein Mangel, und überall nur Geist und Schönheit.

Bei meinen Gaswirten war ich bald Familienmitglied. Zuerst sehr ängstlich und mit großer Zurückhaltung aufgenommen, übergab der alte Herr Becker mir schon nach 14 Tagen die Buchführung, die erbis dahin selbst ausgeführt hatte, und nach weiteren 14 Tagen den Schlüssel zum Geldschrank.

Ansehnliche Summen sind durch meine Hände gegangen. Ich verkaufte z.B. 2.200 Zentner Spätkartoffeln zu 2,80 RM. Die Fruchtbarkeit der Börde ist noch größer als die des Jülicher Landes. Es wurde geerntet pro ha: 25O dz Kartoffeln, 28 dz Weizen, 30 dz Hafer. An Löhnen zahlte ich pro Arbeitswoche rund 500 RM aus. Es war mir eine Freude, die Deputate gut und gerecht zu verteilen. –

Zur Heimat hin hatte ich keine Bindung mehr. Nur die Rote Kreuz Schwester Katharina Herbergs, ein gutes, kluges Mädchen, das sich tapfer und offen zu mir bekannte und glaubend und liebend an mir hing, wußte um meinen Aufenthalt. Durch sie erfuhr der Ortspfarrer meine Anschrift, und so erhielt ich eines Tages von Herr Pfarrer Hubert Reiners die Nachricht, daß er eine Bücherkiste von mir durch Soldatenhilfe nach Fachhütte bei Giesenkirchen entführt hatte. Eine Bücherkiste? Wo waren die 14 andern, die über 2.000 Bände bargen? Wahrscheinlich auch durch Soldaten entfuhrt, aber nicht zur Sicherstellung! Gleichgültig! Das hier war eine saubere und darum beglückende Nachricht. Es gingen noch einige Grüße  hin und her, bis die Landesbesetzung durch die Alliierten uns trennte, und so erfuhr ich denn, daß im Februar die feine Barockkirche in Schutt und Asche sank, daß Trommelfeuer auf dem Ort gelegen, daß noch Hottorfer Männer im Kampf gefallen waren. Und darunter immer: Frohe Grüße. Das war gut gemeint, aber, Herr P. Reiners, wenn Sie wüßten, daß ich in einer Lage bin, wo mir die Freude gar nicht aufgeht! –

Am 10. April machte der Amerikaner einen überraschend schnellen Vorstoß vom Unterlauf des Main über Hessen und Thürigen nach Sachen, und schon am 13. April wurde Brumby kampflos besetzt. Kampflos? Ja! Die weißen Fahnen flatterten ganz fröhlich und neugierig aus allen Fenstern, nur Frl. Hohmuth mußte zum Flaggen gezwungen werden. Die Liebe glaubt alles. Ihre Liebe zu Deutschland und zu den führenden Männern war so stark, daß sie noch immer entgegen aller Vernunft an den Sieg glaubte. Als dann aber am 9. Mai das schmähliche Ende kam, als die Männer sich um die Verantwortung drückten, als sie sah, daß deutsche Mädchen und Frauen sich den Ausländern gaben, daß die Jugend, die sie mit nationalen Idealen erfüllt hatte, zum Polenball ging, wurde sie bleich und einsam und verbissen. Sie begrüßte keinen mehr, sie kannte keinen mehr als mich allein mit der Begründung: O, daß doch alle kalt gewesen wären oder glühend! Aber sie waren alle lau, darum mußte der Führer unterliegen, darum ging Deutschland zugrunde. –

Brumby erhielt zuerst amerikanische, dann bedeutend angenehmere englische Besatzung. Unser Kulturkreis ließ sich im großen und ganzen nicht stören, ja, die sonnigen Pfingsttage, da wir Fahrten und Spaziergänge durch das schöne Land unternahmen, gehören mit ihren feinen Gesprächen zu den schönsten Erinnerungen meines Lebens.

Allmählich wurde das Gerücht lauter: Der Russe besetzt Sachsen. Das brachte Unruhe in die Bevölkerung,  und einige Großgrundbesitzer verschwanden aus der Gegend.

Es mehrten sich Polenüberfälle auf große Bauerngehöfte, und in der Nacht zum 17. Juni wurde der Hof meines Gastwirts von maskierten Polen überfallen und beraubt. Wir wurden alle mit den Revolvern aus den Betten gestoßen, barfuß und im Hemd in einen kleinen Keller eingesperrt, woraus wir 14 Personen, erst gegen Morgen befreit werden konnten.

Alle Lebensmittel, Federvieh, alle Herrenanzüge, Schmucksachen, größere Summen Geld, alles Packmaterial, wie Tasche, Mappen, Koffer, Damenwäsche und Schuhe waren geraubt

Die Polizei, die sofort auf eine Spur aufmerksam gemacht wurde, tat nichts.

Auch meiner Mutter und mir waren viele notwendige Dinge abhanden gekommen. Meine Mutter hatte z.B. keine Schuhe mehr; man kann zwar anderer Leute Wäsche zurechtschneidern, aber man paßt nicht in jedermanns Schuhwerk. – –

In der Sonntagfrühe des 1. Juli, als die Engländer noch in ihren Betten lagen u. schliefen, rückten die Russen mit großem Tam – tam ein, dieselben Schrei- und Rüpellieder singend, die der Nat. Soz.gekannt hatte.

Gegen 11 Uhr morgens waren die Engländer mit aller Bagage verschwunden, aber 8 Tage und Nächte dauerte der Russeneinmarsch, unabsehbares Menschenmaterial.

Das war der letzte Stoß für Frl. Hohmuth!

An sie denkend, hatte ich einige Damen und Herren des Kulturkreises zu einem Freilichtspiel aus dem Stegreif veranlaßt. Das mußte ablenken! Aber sie saß wie abwesend da.

Als auf der Höhe des Spiels ein russisches Platzkonzert unsere Stimmen im abgelegenen Pfarrgarten übertönte, brach sie zitternd mit einem jähen Schrei zusammen.

Wochenlang schwebte sie zwischen Leben und Tod, und als sie wieder das Bett verlassen durfte, war sie blind und geistesgestört, und, wie mir die Ärzte der Bernburger Nervenklinik erklärten, es würden sich diese Anfälle wiederholen. Der Chefarzt sagte: „Sie wär so reich, daß sie ihren verwundeten Stolz und ihre verwundete Liebe wie ein vergiftetes  glühendes Eisen in sich hineinbohren konnte. Sie wird höchsten noch ein paar Jahre leben.“ 32 Jahre alt, und in Dunkelheit versunken! Genie und Wahnsinn! –

Schon die amerikanische Besatzung hatte mich, da ich politisch unvorbelastet war, zur Hauptlehrerin ernannt. Der Russe griff noch schneller durch. Für Brumby wurden 6 Lehrpersonen ernannt. Die Oberklasse erhielt einen 4o Stundenplan, es kamen beispielweise 2 Std.. Chemie, 2 Std. Algebra, 4 Std. Fremdsprache, französisch, englisch oder russisch hinzu. Die deutsche und lateinische Schrift mußten gleicherweise gepflegt werden. Die Lehrpersonen wechselten im Anfang schnell.

Das russische Gebiet war durch starke Postenketten von der englischen Zone getrennt. Aber es geschahen unerfreuliche Dinge; die Haltung der Russen wurde drohend und undurchsichtig. Da gingen Frl. Lehmann und Frl. Kleinecke über die „grüne Grenze“. Herr Balla, ein 55 jähriger Schlesier, von Heimat und Familie losgerissen, völlig unbemittelt, hatte in seinem politischen Fragebogen verschwiegen, daß er in den letzten Wochen zum Major befördert worden war. Er wurde seines Amtes enthoben und in die Steinbrüche nach Staßfurt gebracht, wo er noch immer für 80 Pfg. Stundenlohn arbeiten muß, ohne Hoffnung, Frau u. Kinder wiederzusehen.

Als Schulleiterin fühlte ich mich für die Güte der Lehrpersonen für das liebgewordene Dorf verantwortlich, aber ich fühlte, daß die, die ich bei der Magdeburger Regierung gleichsam erhandelte, sich doch auf die Dauer nicht würden halten können. –

Inzwischen machte die Bodenreform „rasche“ Fortschritte. Die Gutsbesitzer, die noch im Land verblieben waren, fühlten sich unschuldig gegenüber den immer drohenden Anklagen der Presse von Raub, Ausbeutung und Erpressung. Sie glaubten, daß ihr Besitztum auf 400 Morgen reduziert werde.

Als auch der Bezirkspräsident  unterschrieb, daß sie den Heimatkreis verlassen müßten, nahmen sie auch diese Nachricht noch geduldig hin. Einige Zimmer wurden versandfertig gemacht, die Koffer standen gepackt, man wartete auf den Tag der Ausweisung. Ich sehe noch Herrn Coene, wie er am letzten Sonntag seines Brumbyer Aufenthalts in der Kirche stand. Sein Ausdruck war Sammlung, höchste Innerlichkeit, Bereitschaft, Hochsinn und Demut in einem.

Nach dem Segen änderte seine Haltung jäh. Er zog die Brieftasche, legte einige große Scheine auf den Teller und ging dann fast gleichgültig wie ein Mensch, der fertig ist mit einer großen Bilanz.

Nachts gegen 2 1/2 Uhr wurden die Gutsbesitzer mit ihren Familien von Deutschen aus den Betten geholt. Sie mußten unter ihrer Aufsicht einen Handkoffer mit Leibwäsche und Kleidern packen, und dann brachte ein LKW sie zunächst ins Gefängnis nach Calbe, dann ging’s zum Lager nach Scnönebeck und von dort aus sollten sie nach Mecklenburg zum Siedeln auf 20 Morgen „verfrachtet“ werden.

Als Herr Wilhelm Ziemanns nicht sogleich öffnete, halfen Russen mit dem Gewehrkolben nach. Da rief Herr Ziemanns in russischer Sprache aus dem Fenster: „Ich bin 3 Jahre in Sibirien in Gefangenschaft gewesen; ich werde nicht noch einmal dahin gehn.“

Dann schickte er seine Frau, das Tor zu öffnen. Als die Kommunisten das Schlafzimmer betraten, hatte sich Herr Wilhelm Ziemanns erhängt. Der Tod war auf der Stelle eingetreten. Während des Tumultes entkam sein 19 jähriger Sohn im Nebel der Nacht; er ist seitdem verschollen. –

Als ich am andern Morgen in das Coene’sche Gut ging, angeblich um nachzusehen, ob noch schulpflichtige Kinder in den Betten seien,  war schon manches Stück der Einrichtung verschwunden, obschon noch keiner der Arbeiter das Haus betreten hatte. –

Die Belegschaft der Großbauern wurde aufgefordert, sich zum Siedeln auf 20 Morgen zu melden, es meldeten sich im ganzen Dorf nur 8 Arbeiter und 1 Essener. Da wurden die Parzellen kurzerhand verlost, ebenso der ganze Viehbestand. Dabei kamen die lächerlichsten Zusammenstellungen heraus; so erhielt beispielsweise das Reitpferd des Herrn Coene eine 65 jährige etwa 2 1/2 Zentner schwere Witwe. – –

Unser Kulturkreis war zusammengeschmolzen. Außer Frau Becker und Familie Lahr war nur noch die Frau des Botschafters Krieger übrig geblieben. Eine geb. Freiin von Plettenberg, Schwester der Frau Coene, war sie mit ihren 4 Kindern von Berlin zum Schwager geflüchtet. Im Zuge der Bodenreform wurde ihr noch 1 Zimmer belassen, da sie von der Wohlfahrtsunterstützung doch nicht mehr Miete zahlen könne. Ihr Guthaben war eingefroren. Sie war nicht mitverhaftet worden, um ihren Gatten anzulocken, von dem noch jede Nachricht ausstand. So mußte aber auch Frau Krieger den Versammlungsabenden fern bleiben, da sie ihre Kinder nicht allein lassen konnte und dauernd fürchtete, von ihnen getrennt zu werden. –

War der Kulturkreis nur zusammengewürfelt worden, um mir eine Freude zu bereiten?-

Durch das Näherzusammengerücktsein entwickelten sich die Beziehungen zu Familie Lahr immer inniger; sie sind zu einer Freundschaft erblüht, der keine Trennung mehr schadet. – –

Einen Abend der Woche hatte ich immer für meine Mitflüchtlinge freigehalten. Wenn freitags die Becker’sche Belegschaft entlöhnt war, ging ich zu den Heimatlosen, zu den Menschen in der Fremde. Da mir die Fremde so viel bot, war ich die stärkste von allen. Wenn ich mittags um 1 Uhr mit den Flüchtlingskindern die Schule verließ, standen die Evakuierten bereit, mit auf den Acker zu fahren. Dann kam es immer noch zu einer Plauderviertelstunde. Freitagsabends kannten wir kein Auseinandergehn. Ich ließ jeden seine Heimat so golden wie möglich malen; ich ließ jeden klagen und wieder klagen über die Fremde; denn das erleichterte das Herz. Und dann wurde ich selbst heiter und sang mit ihnen. Klagen? Nein, klagen konnte ich nicht. Ich hatte keine Heimat in ihrem Sinne, und Hottorf, wo ich das letzte Jahrzehnt  gearbeitet hatte, hatte mir am wenigsten Freude entgegengebracht von allen Orten, wo ich geweilt hatte. Dafür hatte ein gewissenloser Heuchler gesorgt, der an der Hand eines Verbrechers den Boden für meine Arbeit unterwühlt hatte, und Volk läßt sich bekanntlich leiten.

Aber in einem Punkt stimmte ich mit den Flüchtlingen überein: Brumby hatte keine kath. Kirche; es fehlte das Innewohnen  Gottes, es fehlte das Mysterium des Altares. Das war unser aller große und immerwährende Klage.

Dezember 1944 war eine Abordnung Katholiken von Brumby nach Calbe gegangen, um den dortigen kath. Pfarrer zu bewegen, auch in Brumby hin und wieder Dienst zu tun. Für die Frühe des 2. Weihnachtstages wurde ihnen Gottesdienst zugesprochen. –

Die Kirche in Brumby ist eine große Wehrkirche aus dem 12. Jahrhundert. Auf einer Bergkuppe gelegen, grüßt sie mit ihren trutzigen Zinnen und dicken Mauern und dem starken Wehrturm, umgeben von der weiten Wallmauer, stolz in das Land hinein, Das Innere überrascht noch mehr. Acht Emporen, in 2 Stockwerken übereinandergelagert, ziehen sich an 3 Seiten hin. Die Balkone waren im Mittelalter Sitz der Bruderschaften, seit der Reformation waren sie zu Familienlogen der reichen Gutsbesitzer herabge­sunken; heute stehn sie infolge der Bodenreform leer und verwaist.

Altar, Kanzel, Vorderfront der Balkone und Decke wurden in der Renaissancezeit erneuert, als das Land noch katholisch war. Man glaubt auch heute noch in einem kath. Kirchenraum zu stehn; nur das Fehlen des Ewigen Lichtes und wahrhafte Bankungestüme, die nur zum Sitzen und nicht zum Knien eingerichtet sind; bezeugen den heutigen Charakter der Kirche. Haben die Apostel dws Hauptaltars, die Evangelisten der Kanzel, die Christfiguren der in 90 Feldern kassetierten Decke, die Heiligenfiguren der 8 Emporen und der beiden Chorgestühle nicht aufgeschaut, als sich am Stephanustage 1944 die Kirche mit ungefähr 900 Menschen füllte, um sich zum ersten Male seit 400 Jahren zum hl. Opfer zu vereinen?

Nach 4 Wochen war der 2. Gottesdienst, und nun füllten ev. Christen die Emporen; Neugier hatte sie in die Kirche getrieben. Bei diesem Besuch des kath. Pfarrers wurde ausgemacht, daß alle 14 Tage nachmittags um 3 Uhr das hl. Opfer dargebracht werden solle.

Ich hatte schon die Gemeinschaftsmesse mit der aus allen Provinzen gesammelten Gemeinden eingeübt; nun führte ich im Anschluß an den Gottesdienst eine Singstunde ein, die sowohl von Katholiken als auch von Protestanten eifrigst besucht wurde. Um allen gerecht zu werden, wurde einmal ein Lied aus der Kölner, dann ein Lied aus der Diözese Münster gesungen und dann ein Lied, das den schlesischen Provinzen eigen war, und sie Protestanten sangen freudig mit.

Abe obschon jetzt alle 14 Tage Gottessdienst war, es war doch nur ein Gegrüßt-gemieden (?).

Wir Laien richteten selbst Andachten ein, aber die Kirche war eben doch nur ein Bethaus, kein Gotteshaus. Die Zusammenkünfte freitags schlossen wir meist mit einem Marienlied; wir nahmen uns vor, dem Feierstundeläuten um 11 Uhr vormittags und 6 Uhr abends wieder den Sinn des Engel des Herrn zu geben und für diese Zeit in jeder Arbeit inne zu halten, aber die Sehnsucht nach der Kath. Heimat wuchs in allen, bis auforaust8 in uns der gewaltige Chor: „Beglückt darf nun Dich, o Heimat, ich schauen.“

Der goldene Herbst war da, Hunderte von Obstbäumen trugen in den Becker’schen Gärten, im von Fruttsa’schen Park ihr schwere, reife Last; im Pfarrgarten quollen die Trauben, und die schönsten Früchte wurden in meine Hände gelegt.

Die Abendstunden vereinten uns am war Kamin, und des Werben der Freunde wurde immer inniger: „Bleib!“.

Gewiß, hier war ein ersehntes Leben, und dort war Kreuz, aber dort war auch religiöse Heimat, und dort war ein Leben, das seit 2 Jahrzehnten sein Geschick in Güte und Treue in meins verflochten hatte, und dort war Jugend, die an mich glaubte und auf mich wartete. Und das war nicht nur Glück, das war Verantwortung und Verpflichtung.

So meldete ich mich mit der Mutter zum Rücktransport in die Heimat. Jede Stunde, die ich noch bei den Freunden verleben durfte, war mir liebes Geschenk. —

Am 15. November schlug die Stunde des Abschieds. Die Liebe der Freunde umspülte mich noch einmal mit heißen Wellen. Auf Veranlassung von Frau Ministerialrat Lahr hatte jedes Mitglied des Kulturkreises ein wertvolles Buch mit einer Widmung für mich hinterlassen, zum „Aufbau einer neuen Bibliothek falls die alte verschwunden sei.“ Der Ortspfarrer schenkte mir dazu eine Federzeichnung seiner Kirche, die, wie er sagte, auf der Rückseite Worte trug, die man nicht aussprechen könnte.

Ich war von allem so verwirrt, daß ich die Schätze gar nicht beschaute, andern versprach, sie auf den Weihnachtstisch zu legen, wo sie wie ein helles Licht strahlen sollten.

Die Jungen und Mädchen hatten die Berufskameraden abschiednehmend auf der Straße mobil gemacht, ein letztes Lebewohl und auf Wiedersehen, und alles versank im Dunkel des getroffenen Herzens. – – –

„Immer 5 Personenwagen und ein Gepäckwagen!“ befahl die Bahnhofsleitung; „jeder Gepäckwagen muß von 4 Männern bewacht werden.“ So rollte dar Zug aus der russischen Zone der englischen entgegen. Bange Erwartung war in allen.

„Weferlingen – russische Endstation! Alles aussteigen! Im Marschtritt 1 km über die Grenze!“ Da wußten alle Flüchtlinge: Der Rücktransport war organisierter Raub. Jeder warf einen letzten Blick auf‘ seine letzte Habe. Schnell die Mappe mit den Papieren unter den einen Arm, ein Bündel Wäsche unter den anderen Arm geklemmt, reihte ich mich der langen Flüchtlingskolonne ein, die mit Revolverschüssen und Kolbenstößen über die Grenze getrieben wurde. Sorge und Schmerz im Herzen, Sorge um die Zukunft, Schmerz um manches Schöne, das ich mit der fraulichen Kraft des Gemütes erworben, und, wie die Rose erglühend im Kelch, ob seiner Schönheit vor andern Augen verborgen hatte, und das ich nun in schmierigen Händen wußte.

Auf der englischen Seite standen wir Tag und Nacht im weiten Hof des Lagers zur Entlausung, drei Nächte mußten wir draußen stehn, ehe uns der Zug über Oldenburg-Duisburg über den Rheinstrom fuhr, und dann waren wir am 20. November linksrheinisch.

Hier zeigte der Krieg sein grausiges Gesicht: Ruinen, Trümmer, Panzerwracks, Gräber am Wegrand. Das zerschossene Heimat-Dorf wirkte auf mich wie die höhnische Larve eines berauschten Narren.

Mein Heim?

Die Möbel von 7 Zimmern waren bis auf einige Bruchstücke gestohlen oder sinnlos zerstört; nur Familie Reitz hatte einen Schrank gerettet; selbst das Klavier seines Inhaltes beraubt, nur der leere Kasten gähnte mir entgegen.

Wie mir glaubwürdige Hottorfer berichteten, waren meine Möbel noch Ende Mai ziemlich vorhanden – also waren nicht feindliche Soldaten die Zerstörer -; einige Familien hatten, zurückkehrend, mein Heim benutzt und jetzt? Leer und verwüstet.

Und als ich die Frage stellte: „Warum habt Ihr meine Möbel nicht zusammengestellt und eingeschlossen?“ kam mir die alte Kainsfrage als Antwort: „Bin ich denn der Hüter meines Bruders? Ich habe mich nur um mich selbst gekümmert.“

Das war das Erschütterndste für mich. Zuerst wollte ich mich in pharisäerhaftem Stolz von allen abwen­den, aber dann sagte ich mir, daß, wie dem Handwerker die geschickten Hände, mir die soziale Gesinnung als Rüstzeug beigegeben war, mich helfend und hütend allem Schwachen und Kleinen zur Seite und mich schützend zwischen alles Schuldige und den berechtigten Zorn zu stellen, und daß ich nur ein Aufgeld zu zahlen hätte, wenn ich diesem Helferdrang nicht nachgeben würde. –

Was aber das Schlimmere war, meine Dienstwohnung – eng mit dem Schulraum unter einem Dach verbunden – war mit 3 Familien allerletzter Wahl belegt, die kein Hottorfer freiwillig aufgenommen hätte. Das „hat der Feinol getan.“

Man sage nicht, in der Schule behindern diese Leute keinen, und die Kinder merken nichts davon. Die Jugend weiß wohl zwischen den Fehlern und Schwachheiten wohlmeinender Menschen und den Abgründen letzter Degeneration zu unterscheiden.

– So bin ich – ungefähr als die Letzte heimgekehrt – die Einzige im Dorf, der es nicht möglich ist, wieder ein eigenes Heim zu gründen und zu genießen.

Warum geschieht mir dies? Oder werde ich auch „ohne Beutel und Schuhe“ ausgeschickt, um doch, besitzlos, zu bekunden, daß mir nichts gefehlt hat, nachdem Brumby ein so kostbares Angeld gewesen ist?

Soll ich nach der Geborgenheit und Verborgenheit seit der Strafversetzung 1934 nun nach 12 Jahren wieder unbelastet hinausgeschickt werden zu größeren Aufgaben? –

Manches im Dorf wäre anders, wenn Herr Pastor Reiners eher nach Haus gekommen wäre; aber er konnte auch erst im September wieder nach Hottorf kommen. Manche Einwohner klagen Über Diebstahl der Nachbarn, und es ist schon so, wie manche sagen, daß der Herrgott Kriegssondergesetze und eine allgemeine Amnestie erlassen muß, bis die Nachkriegszeit wieder die Herzen und Heime in Ordnung bringt.

Durch den Ortsbürgermeister wurden Mutter und ich bei den Nachbarn Froitzheim untergebracht. Dort haben wir gute Aufnahme gefunden. Ein warmer Herd und das tägliche Brot – das sind die mächtigsten und beherrschenden Faktoren dieses Notwinters.

Vor den beiden ersten apokalyptischen Reitern, die heute durch die deutschen Gaue rasen, sind wir bei Froitzheim geschützt. Dabei lasse ich mich so gerne von der Schwester der Frau Froitzheim, Frl. Sehrey, im Dorf allgemein „Tant Traud“ genannt, betreuen.

Wer morgens schon vor 6 allein im Stall den Schweizer macht, die Feuer schürt und hütet, um die körperlichen Eigenheiten und Vorlieben von Mensch und Tier weiß, den Appetit der einzelnen weckt und deckt und selbst kaum Zeit zum Essen findet, weil er in Haus und Stall und Garten und Feld schuftet; bis er abends gegen 11 Uhr an den Betten steht und jedem eine „gute Nach“ wünscht, der ist keine weiche Tante, das ist eine harte, gute Tant.

Wenn es bloß die Körperkraft der 7o-jährigen wäre, aber wie sie alles tut! In Bereitschaft und Treue, in Selbstverständlichkeit und dienender Liebe und vor allen Dingen mit immerwährendem Frohsinn. Sie ist eine „Heldin des Alltags“.

Hottorf ist durch die sinkende Geburtenzahl einklassig geworden; Herr Lehrer Schulte ist wieder in den Dienst eingestellt. Aber wer zur Nazizeit aus politischen Gründen strafversetzt wurde, der darf auch jetzt wohl einen Wunsch äußern.

Ich möchte über diesen Notwinter bei „Tant Traud“ bleiben, besonders auch um mich langsam von den Kindern zu lösen, die noch immer und überall an mir gehangen haben. Dieser Wunsch wurde mir gewährt.

Nachdem die Militärregierung durch die Hand des Regierungsdirektors Herrn Dr. Deutzmann meine Zulassung zum Schuldienst gestattet hatte, bin ich seit dem 25. Januar wieder Lehrerin der 3 untern Jahrgänge in Hottorf.

Aber wohin nach Ostern, ohne Kleid für die warmen Tage, ohne Mantel, ohne Deckzeug für die Nacht?

Wenn die Sonne am Morgen aufgeht und die Strahlen über den Horizont schießen, weiß man noch nicht, ob der Tag blau oder so grau wird, daß Wolken das strahlende Gestirn verdecken. So zeichnet sich schon leise die Arbeit an einem Menschen, mit einem Menschen und durch einen Menschen ab; dem ich als größter, nachgiebigster, aufpeitschender Feind letzter Freund sein will – aber Gewißheit ist mir noch nicht über mein äußeres Geschick. Aber in mir lebt nicht die Hoffnung, sondern der Glaube an diese Sendung, ein Glaube, so stark, daß ich hoffe, in treuer Arbeit an mir selbst die Kraft und den Segen zu haben, über die engen Bezirke des Ich und des Du und den weiteren Kreis der Berufsarbeit in die Höhen und Tiefen der Menschheit hineingreifen zu können, um so am Ewig-gültigen, am Seienden mitwirken zu dürfen; denn das Geschick der Glaubenden und Liebenden gibt der Welt die letzte Formung und nicht der Waffengang  Satans.

So gleiche ich der vor Saft überquellenden Traube, und wenn mir noch ein paar Herbstjahre die Gesundheit des Leibes verbleibt, hoffe ich, am Ende dem HERRN den liebenswürdigen Vorwurf machen zu können, daß er „den guten Wein bis zuletzt aufbewahrt hat“.

Weitere Informationen zum Ort Brumby und zur Kirche St. Petri

93 Soldaten aus Hottorf im 2. Weltkrieg

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| 19 Soldaten müssen sterben |

Pfarrer Reiners hat eine Liste Hottorfer Männer angelegt, die als Soldat in den Krieg gerufen wurden. Jeder fünfte musste diesen Einsatz mit seinem Leben bezahlen.

Die verstorbenen Soldaten werden zum größten Teil auf dem Hottorfer Ehrenfriedhof beigesetzt.

Er hält auch nach dem Kriegsende  genau nach, welche Soldaten noch in Gefangenschaft sind oder vermisst sind. Siehe Beitrag „Letzte Kriegsgefangenen kehren zurück“

Die Gefallenen des 2. Weltkrieges:
Martin Nöthlings
Peter Wyrenbeck
Heinrich Mütz
Vinzens Heine
Heinrich Nießen
Ernst Josten
Hubert Krenzel
Philipp Heine
Franz Steffens
Peter Gebser
Johannes Vetter
Hubert Dederichs
Josef Schmitz
Heinrich Nöthlings
Franz von Meer

Im Feld und in der Heimat verstarben:
Josef Lieven
Hermann Lieven
Anton von Berg
Heinrich Emondts
Engelbert Mütz
Hubert Roeben
Franz Althoff
Franziska Rixgens

Vermißt sind:
Wilhelm Esser
Heinz Berden
Peter Heinen
Peter Herbergs
Willi Lieven

Geflüchtete kehren zurück

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| Berichte zu Krieg und Flucht |

Ab März 1945 kehren die Hottorfer Familien zurück in den Ort. Im Pfarrarchiv befinden sich mehrere Briefe von Familien mit Schilderungen ihrer Erlebniss auf der Flucht und mit dem Datum der Rückkehr in den Ort. Pfarrer Reiners kommt im September 1945 zurück. 

Pfarre Reiners berichtet im Verkündigungsbuch (siehe Beitrag):

Am 4. März waren Mülfarths als erste da. Im Juni waren alle Bauern da, im Dezember alle Hottorfer.

Pfarrer Reiners hatte die Hottorfer gebeten hat, ihre Erlebnisse aufzuschreiben und hat sie dabei unterstützt.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Schilderungen von der Flucht 

4. März 1946: Der frühere Ortsbürgermeister Schiffer lieferte als erster eine Schilderung seiner Evakuierung. Einen feinen Bericht, echt fraulich, lieferte Sofia Froitzheim. An alle Hottorfer Familien richtete ich die Bitte. Mit Hubert Dohmen, Gretchen Schiffer, Hubert Esser, Peter Bergrath, Gretchen Honold und meiner Schwester habe ich mich schon vier Abende zusammengesetzt, um eine Schilderung des Kriegsgeschehens hier aufzuschreiben.

So kann der Chronist aus den Schilderungen folgende Daten der Rückkehrer festhalten:

Schilderung der Familie Froitzheim, Hottorf, Hausnummer 4:

Das, was wir schon lange dunkel ahnten, was wie eine Last auf unserer Seele lag, wurde am 22. März 1944 zur grauen Wirklichkeit. Abends gegen 5 Uhr verließen wir schweren Herzens die geliebte Heimat, verließen das Heim, das Heim das unserer Vorfahren schon 1779 erbaut haben. Unterwegs begegnete uns schon das Flüchtlingselend. Auf der Straße von Hottorf nach Ralshoven hatte der Tod reiche Ernte gehalten, hatte Menschen dahingerafft, die vor wenigen Stunden sich auch von der Heimat losgerissen hatten. Waren die Toten zum bemitleiden oder zu beneiden? Das hat sich wohl jeder im Stillen gefragt. So kamen wir das Herz voller Wehmut nach Titz. Dort fanden wir Aufnahme bei guten Menschen. Aber auch dort hatten wir keine Bleibe. Der Beschuss kannte keine Grenzen. So mussten wir, nachdem wir uns ins unvermeidliche begeben hatten, zum zweiten Mal flüchten. Titz war noch Heimatnähe, man sah bekannte Gesichter, traf Soldaten, die über Hottorf Bescheid wussten, und nun fort, weiter fort plan- und ziellos ins Ungewisse, nicht wissend, wo und wann ein Dach überm Kopf zu haben.

So erreichen wir dann am 30. November Königshofen. Die Tiefflieger nahmen uns in Empfang. Wir mussten sofort in den Keller. Nachher, als das tolle Treiben in der Luft sich gelegt hatte, baten wir um Obdach. Die Frau wollte uns wohl aufnehmen, aber der Mann hatte keinen Platz für uns. Ob er wohl wusste, wie weh, das uns Flüchtenden tat! So gingen wir von Tür zur Tür und baten um Unterkunft. Es fiel schwer, in Königshofen unterzukommen. Der Generalstab hatte fast alles in Beschlag genommen. Der Abend brach herein, wir wurden mutlos und entschlossen uns, am letzten Haus anzuklopfen. Wie ein Wunder erbarmte sich ein altes Ehepaar über uns. Sie stellten uns ihr Altenteil, zwei Zimmer, zur Verfügung. Und wie freudig sie es taten! Ich wusste sofort, hier haben wir eine Heimat gefunden. Unsere nächsten Nachbarn waren Familie Nöthling und Dohmen. Jeden Abend hielten wir ein Plauderstündchen und waren sofort der Heimat nahe.

Dreimal bin ich während der Evakuierung in Hottorf gewesen. Das Gleichgewicht, was wir inzwischen so ziemlich wieder erlangt hatten, störte vor Weihnachten die Feldgendarmerie. Wir sollten raus aus Königshofen. Das waren wiederum trostlose und beängstigende Tage für uns, denn von hier fort hieß, alles verlieren, das letzte Vieh, woran man noch hing, und was nun mitgeschleppt hatte. Wir sehen unseren Opa Schrey, 86-jährig, da stehen, wie er mit geballten Fäusten anklopfte und sagte: „Unsere Flüchtlinge verlassen nicht eher das Haus, wie wir“. Allmählich verebbte dieser Sturm, wir hatten Ruhe. So sahen wir denn mit der Familie Schrey dem kommenden Kriegsgeschehen entgegen.

Am 24. Februar war es mit der Ruhe aus. Nachts schrecken uns die ersten Granaten in Königshofen aus dem Schlaf auf. Der Amerikaner waren zum  Angriff übergangen. Die deutschen Truppen fluteten zurück. Und da hieß es, Hottorf vom Feind genommen! Wir waren in der Erwartung der Geschehnisse.

Am 27. Februar, nachmittags gegen 6 Uhr, nahm der Amerikaner das Dorf Königshofen ein. Eine allgemeine Spannung löste sich. Der Flüchtlinge waren von dem einen Gedanken beseelt: Heimat, wie und wann werden wir dich wieder sehen. Unsere erste Frage an einen Dolmetscher war: wann kommen wir heim?

Überall standen die Flüchtlinge in Gruppen zusammen und verhandelten das gleiche Thema. Am 9. März fuhr Fritz Gintzel unter Lebensgefahr nach Hottorf. Er brachte uns die erste Nachricht, wie es dort aussah und für uns die erfreuliche Botschaft, dass wir wohnen konnten. Am 14. März hatten wir dann glücklich die Bescheinigung zur Heimreise in der Hand.

Am 15. März fuhren Fritz Gintzel, Wilhelm Nöthlings und Sophie Froitzheim nach Hottorf. Hinter Titz fing das Niemandsland an. Wir fürchteten uns vor jedem Geräusch. Daheim angekommen, bemächtigte sich uns ein Gefühl, was sich nicht schildern lässt. Erst jetzt wussten wir, dass Wort Krieg im wahrsten Sinne zu deuten, am Wegrand Soldaten, so wie der Tod sie ereilt hatte, Trümmer über Trümmer und Vernichtung. Was wohl auf jeden einen tiefen Eindruck gemacht hat, waren die Ruinen unserer Kirche. Beim Anblick der Trümmer war wohl jedem bewusst, wie lieb ihm seine Heimatkirche war, in der er so oft gekniet und was er dann damit verloren hatte.

Am 19. März sind wir dann mit unserer Habe endgültig in die Heimat zurückgekehrt.

Weitere Briefe an die Heimat

Auch der im Ruhestand befindliche Pfarrer Schmitt sendet einen zweiseitigen Bericht mit seinen Fluchterlebnissen an Pfarrer Reiners (Brief als PDF).

Rainer Krieger schreibt am 24.02.1946 aus der Gefangenschaft (Brief als PDF).

Peter Mai, Oberzollinspektor, aus Köln, der im Krieg als Schanzer in Hottorf im Saal untergebracht war, schreibt im Dezember 1945 an Pfarrer Reiners in Sorge um das Hottorfer Gotteshaus:

Köln-Dellbrück, 10.12.1945
Bensberger Marktweg 45.

Hochwürdiger Herr Pastor!
Sie werden sich meiner wohl nicht mehr erinnern. Ich war im vorigen Jahr als Schanzer in Ihrer Gemeinde und war bei Frau Heister im Quartier. Am vorjährigen Kirchweihfeste hielten Sie uns eine schöne Ansprache, in der Sie dem Wunsche Ausdruck geben, daß wir das nächste Kirchweihfest in unserer heimatlichen Kirche und Sie mit Ihrer Pfarrkindern dasselbe in der Hottorfer Kirche feiern könnten. Für mich persönlich ist Ihr Wunsch in Erfüllung gegangen. Ich bin am 10. Mai gesund und heil aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, habe Frau und Kind gesund und mein Haus unbeschädigt, trotz vieler naheliegender Bombeneinschläge, vorgefunden. Unsere Kirche St. Josef in Köln-Delbrück ist eine der wenigen Kölner Kirchen, die keinen Schaden gelitten haben. Aber wie steht es mit der schönsten Kirche im Jülicher Land? Ich habe gehört, daß Hottorf noch schwer unter Artilleriefeuer gelitten hat. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, Hochwürdiger Herr Pastor, wenn näheres darüber erfahren könnte.

Ihren weiblichen Küster, des Frl. Gretchen – Familienname weiß ich leider nicht mehr – kenne ich auch sehr gut und bitte um Ausrichtung eines Grußes.

Indem ich Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest wünsche, verbleibe ich mit den herzlichsten Grüßen
Ihr Peter Mai

Truppen sammeln sich im Hottorfer Feld

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| Bereit zum Vorstoß auf den Rhein |

In der Nacht zum 25. Februar sammeln sich Amerikanische Truppenteile auf dem Feld hinter Hottorf in Richtung Lövenich, um verstärkt über Erkelenz nach Mönchengladbach vorzugehen.

Während das 405. Infantrieregiment nach der Einnahme von Hottorf schon seit dem Nachmittag des Vortages dort ausharrt, bricht das 406. Regiment um 4:00h in Boslar auf und erreicht Hottorf gegen 9:00h. Über Nacht wurde das 701. Panzerbataillon wieder mit Material aufgestockt und ebenso rückte das 771. Panzerjäger-Bataillon von Linnich nach. Als weitere Verstärkung nimmt am frühen Morgen auch eine flexible Kampfeinheit der US-Panzerdivision (Combat Command B der 5th Armored Division) den Weg durch Hottorf. Dabei handelt es sich um eine kombinierte Kampfkraft aus Panzern, Panzergrenadieren und Artillerie. Das 407. Infantrieregiment hatte die Nacht in Höhe „Dingbucher Hof“ verbracht und greift am Morgen Lövenich an, das sie gegen 9:45 erreichen.

Jeglicher Nachschub von Benzin- und Munition erfolgte über die wenigen Brücken und erzeugte einen starken Straßenverkehr über die Wege, die erst einen Tag zuvor freigekämpft wurden. Für einen Lkw bedeutete eine Fahrt zurück zum Nachschub und Rückkehr zum Regiment 24 Stunden. So führte auch der Weg der 102. Nachschubkompanie durch Hottorf, um bei dem Kampf um Lövenich die Panzer direkt auf dem Schlachtfeld zu tanken.

 

Frontlinien der Operation Grenade aus Februar und März 1945
Frontlinien der Operation Grenade aus Februar und März 1945

Detaillierte Beschreibung übersetzt aus dem Kapitel 11 „Clearing the path to the Rhine“ von  With the 102d Infantry Division trough Germany, siehe Bücher mit Bezug zu Hottorf

Am  Montag, dem 25  Februar

Rechts wurde der Angriff um 0900 Uhr von Hottorf aus durch das 406th Infantry wiederaufgenommen, das frühmorgens von Boslar nach Norden durch das 405th Infantry marschiert war. Das 405th hielt die Linie Hompesch–Ralshoven, um die rechte Divisionflanke zu sichern (siehe Karte 15). Das 2. Bataillon des 406th Infantry links rückte rasch vor, nahm Klein Boslar um 0933 Uhr und Katzem um 1010 Uhr. Die Angriffsformation bestand aus Company F rechts und Company G links. Ein Zug schwerer Maschinengewehre von Company H war jeder Angriffskompanie zugeteilt. Company A des 701st Tank Battalion hatte je einen Zug bei den Kompanien. Elemente des 771st Tank Destroyer Battalion waren ebenfalls dabei.

Die übliche Angriffsmethode über offenes Gelände sah enge Zusammenarbeit von Infanterie und Panzern vor. Kleine Infanteriegruppen wurden jedem Panzer zugeteilt mit der Anweisung, ihn nie zu verlassen und ihre Aktionen zu koordinieren. Dieses System funktionierte perfekt.

Beim Angriff auf Katzem pinnte eine feindliche Infanterietasche östlich des Ortes mit automatischen Waffen die Infanterie fest, bis sie durch Panzerfeuer zerstreut wurde. Der Vormarsch wurde nach Heranziehung der unterstützenden Panzer und neun Salven 155-mm-Haubitzenfeuer des Korps auf der rechten Flanke fortgesetzt. Bis 1130 Uhr waren 1500 Yards vorangekommen und zwei Hausgruppen gesäubert. Zwei feindliche Panzer wurden durch Bazookafeuer zerstört. Um 1245 Uhr wurde Eichof durch ein brillantes Manöver unter schwerem Kleinkaliberfeuer erobert. Die einzige mögliche Vorwärtsbewegung in diesem offenen Gelände war ein stetiges, langsames Gehen oder Kriechen. Schnelle Sprünge (wie in den Dienstschulen gelehrt) erwiesen sich als zu erschöpfend und boten in flachem, offenem Terrain wenig Schutz.

Bis 1500 Uhr erreichte das Bataillon, das nach Worten des Stabschefs Major Franke „den ganzen Weg kämpfen mußte“, das Hochgelände nördlich und östlich von Katzem und grub sich unter feindlichem Artilleriefeuer aus dem Norden ein. Wie während der gesamten Operation üblich, zogen sich die Deutschen nach längstmöglicher Verzögerung zurück. Dennoch tötete das Bataillon in den schweren Kämpfen um die verstreuten Hausgruppen etwa 40 Deutsche und nahm 50 gefangen. Das Bataillon verlor 6 Gefallene und 53 Verwundete.

Das 3. Bataillon des 406th Infantry blieb bis 0400 Uhr am 25. Februar in Boslar, marschierte dann nach Hottorf, um als rechte Divisionflanke in den Angriff einzugreifen. Um 0915 Uhr sprangen sie von der nördlichen Ortslinie Hottorfs an, in Kompaniekolonne: K, L und I. Die schweren Maschinengewehre waren zwischen den beiden Spitzenkompanien verteilt für Flankenschutz, Mörser und ein zugeteilter Panzerjägerzug blieben in Hottorf als Feuerbasis. Eine Panzerkompanie war zugeteilt und wartete in Hottorf auf Befehle.

Sofort geriet die Infanterie unter schweres 88-mm-Feuer aus Marienfeld auf der rechten Flanke sowie von feindlicher Infanterie und Panzern in und um die verstreuten Häuser vorne. Außer diesen Häusern bot das flache Gelände keinen Deckung. Dieses Feuer nagelte das Bataillon fest, und Company B des 701st Tank Battalion wurde zum Angriff beordert. Zwei Panzerzüge griffen in Linie an, ein Zug deckte die rechte Flanke ab, unterstützt von zwei Sturmgeschützen. Die Angriffsbataillone gruben sich für die Nacht nordöstlich von Katzem ein und schlossen an die Stellungen des 407th links an. Inzwischen rückte das 1. Bataillon in regimentaler Reserve hinter die Angriffskeile und bezog Katzem nach dessen Sicherung.

407. Infantrie Division

Gleichzeitig nahm das 407th Infantry um 0900 Uhr auf der linken Seite aus dem Raum Kofferen den Angriff wieder auf; mit dem 1. und 2. Bataillon in vorderster Linie nahmen sie Lovenich um 1015 Uhr und sicherten anschließend das Schlüsselgelände auf den dahinterliegenden Höhen. Säuberungsaktionen wurden bis 1315 Uhr durchgeführt.

Das 1. Bataillon sprang mit einer Panzerkompanie zum Angriff auf Lovenich an. Der Angriff folgte der Straße, wurde zeitweise durch Infanterie- und Artilleriefeuer verlangsamt, doch um 1107 Uhr war das Bataillon durch den Ort hindurch und hatte Anschluss nach rechts und links hergestellt. Im weiteren Verlauf des Tages kam es zu keinem besonderen Ereignis.

Das 3. Bataillon griff in gestaffelter Kompanieechelon nach links an, um die exponierte Westflanke zu sichern. Nur vereinzelter Widerstand kam von vorne, und bis 0945 Uhr hatte das Bataillon, unterstützt von Company C des 701st Tank Battalion, Lovenich erreicht und die unmittelbar nördlich gelegenen Höhen gesichert.

Das 405th Infantry fungierte an diesem Tag überwiegend als Divisionsreserve, obwohl am frühen Morgen das 3. Bataillon durch Ralshoven vorstieß, um die Sicherung der rechten Flanke zu verbessern. Nach einem schweren Artillerievorbereitungsfeuer überraschte Company L den Ort um 0600 Uhr, nahm 35 Gefangene ohne eigene Verluste, woraufhin Company E L auf den Höhen östlich von Hottorf ablöste.

Company C, 701st Tank Battalion, das dem 407th Infantry unterstellt war, sprang aus Stellungen nördlich von Dingbuchhof zur Unterstützung des Angriffs auf Lovenich an. Die Panzer hatten keine Schwierigkeiten und waren bis 1100 Uhr durch den Ort hindurch, wobei der 3. Zug den Nordostrand besetzte. Der 2. Zug wurde angesetzt, einen Hügelrücken unmittelbar nördlich des Ortes zu halten; beim Überschreiten des Kamms geriet er jedoch unter schweres Feuer von schätzungsweise sieben Panzerabwehrkanonen entlang der Straße Lovenich–Erkelenz. Zwei Panzer wurden sofort ausgeschaltet, die übrigen mussten sich unter schwerem Artillerie- und Mörserfeuer zurückziehen. Die Panzer wichen daher nach Lovenich zurück und organisierten dort Stellungen in Erwartung eines Gegenangriffs. Die zugeteilten Panzerjäger des 771st Tank Destroyer Battalion bezogen ebenfalls Stellungen in den nördlichen und östlichen Randverteidigungen hinter der bereits auf dem Hügelrücken eingegrabenen Infanterie. Ein Gegenangriff blieb jedoch aus, obwohl der Ort für den Rest des Tages und der Nacht schwer beschossen wurde. Vereinzelte feindliche Flugzeuge waren aktiv; eine Sturmgeschützbesatzung, die am Nachmittag in Lovenich beim Essen war, wurde von einem feindlichen Bomber angegriffen, doch das Geschütz und die Begleitfahrzeuge blieben unbeschädigt.

Die beiden Angriffsregimenter verbrachten den Rest des Tages damit, Verteidigungen auszubauen und sich auf den Angriff gegen Erkelenz am nächsten Tag vorzubereiten, während das 405th Infantry weiterhin auf der Linie Hompesch–Ralshoven die rechte Flanke der Division deckte. Der 1. Zug der 102nd Reconnaissance Troop wurde mit einem Auftrag vorausgeschickt und verbrachte die Nacht mit Aufklärung östlich von Köckhoven.

Am frühen Morgen des 26. Februar rückte Combat Command B der 5th Armored Division, das in der vorangegangenen Nacht die Rur überschritten und Hottorf erreicht hatte, unter Kontrolle des XIII. Korps rechts des 406th Infantry vor. Sein Auftrag war, die verwundbare rechte Flanke der Division zu verstärken, wo sich eine beträchtliche Lücke zur linken Flanke der 29th Infantry Division aufgetan hatte. CCB stieß zunächst auf die Linie Wockerath–Teerheeg–Menekrath vor, ihr erstes Ziel, und hatte bis 1325 Uhr das Gebiet nordöstlich von Erkelenz überrollt. Nach der Säuberung der Orte Krauthausen und Venrath um 1600 Uhr hielten die Panzerverbände diese Ortschaften, bis sie nach Einbruch der Dunkelheit von Teilen des 405th Infantry abgelöst wurden, und richteten dann einen Sicherungsschirm nach Nordosten ein.

Große Begeisterung herrschte, und die Hoffnungen waren hoch, als die Kolosse der 5th Armored Division durch die Linien der Ozark-Division rollten. Der Feind war auf dem Rückzug, und man glaubte, dass nun nichts mehr den Vormarsch des XIII. Korps aufhalten könne. Die zuvor vorhandenen Befürchtungen wegen der exponierten rechten Flanke schwanden rasch, und die Einnahme Erkelenz galt als gesichert. Nun war man bereit, ohne die Furcht, in drei Richtungen kämpfen zu müssen, loszubrechen.

Probleme

Wir wußten nicht, daß weicher Schlamm, offenes Gelände und zahlreiche eingegrabene feindliche 88er unsere eigenen und unterstützenden Panzer verlangsamen und schließlich zum Stillstand bringen würden. Die Panzer des 701st Tank Battalion bedurften dringend einer Wartung. Sie hatten hervorragende Arbeit geleistet, aber enorme Prügel bezogen. Die Besatzungen waren müde und erschöpft und hatten tagelang nicht geschlafen.

Obwohl ein Panzerbataillon normalerweise nur einen Sturmgeschütz-Zug besaß, hatte das 701st durch Entnahme von Stabspersonal einen zusätzlichen provisorischen Zug organisiert, sodass Companies A und C jeweils Sturmgeschütze hatten. Diese Geschütze wurden für Unterstützungsfeuer eingesetzt, obwohl sie gelegentlich dicht hinter den Angriffskeilen vorgerückt sind. Sie schienen weniger feindliches Panzerabwehrfeuer anzuziehen als die Panzer, möglicherweise weil der kürzere Rohr ihrer Geschütze sie weniger bedrohlich erscheinen ließ. Es schien Praxis der deutschen Panzerjäger zu sein, sich hinzusetzen, das Feuer zurückzuhalten, bis sie fast überrannt waren, und dann entweder ihre Waffen zu verlassen oder sich zu ergeben.

Um 1300 Uhr am 25. Februar war Company D des 701st in Hottorf eingetroffen. Zur Zeit der Brachelen-Operation waren dem Panzerbataillon sechzehn zusätzliche mittlere Panzer zugeteilt worden, um notwendige Sofort-Ersatzleistungen zu gewährleisten. Diese Extrapanzer waren nicht vom Heer zurückgerufen worden und stellten effektiv eine zusätzliche mittlere Kompanie dar. Verluste in den Linienkompanien wurden durch diese von Company-D-Besatzungen bemannten Panzer ersetzt.

Das Problem der Benzin- und Munitionsversorgung forderte ebenfalls die Energie und das Geschick jedes Mannes. Die Hauptschwierigkeit war der Engpaß durch die wenigen Brücken über den Fluß und den starken Straßenverkehr. Die Arbeit, Nachschub vorzubringen, begann täglich um 1500 Uhr, und oft genug kamen Munition und Benzin gerade noch rechtzeitig an, um die Panzer für den nächsten Morgenangriff zu versorgen. Für einen Lkw bedeutete eine Fahrt zurück zum Nachschub und Rückkehr zum Regiment 24 Stunden. Während des Kampfes um Lovenich betankten Besatzungen der 102d Quartermaster Company die Panzer direkt auf dem Schlachtfeld, um die Infanterie rechtzeitig zu unterstützen.

 

Hottorf wird besetzt

Logo Hottorf ohne Schrift

Pfarrer Reiners vermerkt nüchtern im Verkündigungsbuch: „Am 25.2.1945, Sonntag, wurde Hottorf besetzt.“

Am frühen Morgen des 24. Februars starteten Amerikanische Infantrie- und Panzer-Bataillone den Angriff in Richtung Hottorf von Boslar und Tetz aus. Sie gerieten schnell unter schweres Feuer von Deutschen Flugabwehrgeschützen aus Richtung Hompesch und Müntz. Mehrere Linien von Schützen- und Panzergräben sowie Bunkern befanden sich im freien Feld zwischen Hottorf, Gevenich und Boslar. Schanzer hatten die Gräben schon im Herbst 1944 angelegt (siehe Beitrag: Erste Deutsche Einquartierung mit Karte). Der Vormarsch war dadurch so erschwert, dass von sieben Panzern nur noch zwei voll funktionierende Panzer mit der Infanterie gegen 12:00h die Ortschaft Hottorf erreichten. Sie nahmen den Ort ohne große Gegenwehr ein.  

Ein verheerender Schlag traf das 701. Panzerbataillon, als es den Vormarsch des 405. Infanterieregiments auf das Dorf Hottorf unterstützte. Panzerabwehrkanonen schalteten vier Panzer einer Kompanie aus, acht einer anderen.“ (übersetzt aus Operation Grenade: Race to the Roer, siehe Bücher mit Bezug zu Hottorf)

Die Besatzung des Sherman-Panzers der Ninth U.S. Army, die trotz vier Treffern durch deutsche 88-mm-Granaten bei der Eroberung von Hottorf unverletzt blieb.
Die Besatzung des Sherman-Panzers der Ninth U.S. Army, die trotz vier Treffern durch deutsche 88mm Flugabwehrgranaten bei der Eroberung von Hottorf unverletzt blieb.

Im späteren Tagesverlauf und in der Nacht druchquerten noch weitere Truppen und Verbände Hottorf, um sich nordöstlich von Hottorf auf der Ebene in Richtung Lövenich/Kleinboslar – etwa auf der Fläche des heutigen Windparks – „einzugraben“ und zu sammeln (siehe Beitrag: Truppen sammeln sich im Hottorfer Feld). 

Kolonne US-Fahrzeuge im Marsch durch Hottorf auf dem Weg nach Erkelenz – Februar 1945
Kolonne US-Fahrzeuge im Marsch durch Hottorf auf dem Weg nach Erkelenz – Februar 1945, Quelle: LIFE Magazine Archives - William Vandivert Photographer WWP-PD, https://www.facebook.com/100021421346688/posts/column-of-us-vehicles-on-the-move-through-hottorf-on-the-way-to-erkelenz-germany/1700248677365827/
Frontverläufe an den Tagen nach der Rurüberquerung bei Linnich und Rurdorf
Vom Hottorf nach Hardt, 24. bis 28. Februar 1945. Hinweis: Die Darstellung der Regimentsaktionen erfolgt durch Zahlen auf den Pfeilen, die die Bataillone kennzeichnen.
Vom Hottorf nach Hardt, 24. bis 28. Februar 1945. Hinweis: Die Darstellung der Regimentsaktionen erfolgt durch Zahlen auf den Pfeilen, die die Bataillone kennzeichnen.

Detaillierte Beschreibung übersetzt aus dem Kapitel 11 „Clearing the path to the Rhine“ von  With the 102d Infantry Division trough Germany, siehe Bücher mit Bezug zu Hottorf

Kapitel 11 – Räumung des Wegs zu Rhein

Außer den Gegenangriffen bei Boslar war der Brückenkopf noch nicht ernsthaft bedroht worden. Die Gewinne des ersten Tages hatten die Fähigkeit des Feindes eingeschränkt, die Überquerungsstellen mit anderen als indirekten Artilleriefeuer oder Flugzeugen zu belästigen. Die verbleibenden Aufgaben für den 24. Februar bestanden daher darin, die Tiefe des Brückenkopfs zu vergrößern, um Manövrierraum zu sichern, den Rest der Divisionsgliederungen überzusetzen und die Fortsetzung des Angriffs nach Norden am folgenden Tag vorzubereiten. Es gab keine Anzeichen aktiven Feindwiderstands, obwohl die taktische Luftaufklärung gepanzerte Kolonnen tief im Rheinland bewegend meldete.

Eine Entwicklung, die unsere Position besonders im frühen Morgen stärkte, war die Tatsache, dass bis 0500 Uhr am 24. Februar die gesamte 771st Tank Destroyer Battalion den Fluss überquert hatte und für einen aktiven Einsatz in der Operation bereit war. Drei mittlere Kompanien des 701st Tank Battalion waren ebenfalls übergesetzt und bewegten sich zu ihrem Sammelgebiet in der Nähe von Tetz, das bald Schauplatz überfüllter Verwirrung wurde. Die ersten Panzer überquerten die Brücke bei Rurdorf um 0330 Uhr. Die Brücke konnte nur einen Panzer gleichzeitig tragen, was die Überquerungszeit erheblich verlängerte. Zudem waren alle Straßen auf der anderen Seite in sehr schlechtem Zustand, sodass fast fünf Stunden für die Fahrt nach Tetz benötigt wurden. Das Bataillon schloss schließlich um etwa 0900 Uhr in seinem Sammelgebiet auf.

Es wurde früh klar, dass die Infanterie nicht über ihre gesamte Panzerunterstützung für die Wiederaufnahme des Angriffs verfügen würde. Angesichts der feindlichen Lage und des Wunsches, unsere Erfolge auszunutzen, befahl der Divisionskommandeur jedoch, den Angriff um 1000 Uhr fortzusetzen und so weit und so schnell wie möglich vorzutreiben.

Das 405. Infantrie Regiment

Das 1. Bataillon des 405th Infantry, links in der Regimentszone, griff um 1000 Uhr von seinen Stellungen entlang der Böschung nördlich der aus Tetz führenden Eisenbahngleise auf Hottorf an. Company B war rechts, C links, und A, das am Vortag am meisten in den Minenfeldern gelitten hatte, in Reserve. Die Maschinengewehre der schweren Waffenkompanie waren auf beiden Flanken aufgestellt (siehe Karte 15, Seite 153).

Unmittelbar nach der Ankunft in Tetz wurde Company A des 701st Tank Battalion dem 1. Bataillon des 405th zugeteilt. Captain Shanks, der Kompaniekommandeur, erhielt nur 30 Minuten vor H-Stunde Kenntnis vom bevorstehenden Angriff und hatte weniger als fünf Minuten, um seine Zugführer zu briefen. Dennoch rückte die Kompanie die Straße nach Boslar hinauf und stellte sich dort in gestaffelter Linie links der Straße ostwärts auf. Die Panzer sollten links wenden und nordwärts gegen Hottorf vorrücken, koordiniert mit der Infanterie. Kaum aufgestellt, gerieten sie unter extrem schweres Panzerabwehrfeuer aus Osten und Südosten. Captain Shanks schätzte, dass mindestens ein Dutzend 88-mm-Geschütze gegen ihn standen, alle so gut getarnt, dass er später beim Abgehen des Geländes fast über die Geschützgruben stolperte, bevor er sie sah. Vier Panzer wurden ausgeschaltet, vier weitere im Schlamm festgefahren. Die verbleibenden zwei zogen sich langsam zurück und feuerten, bis die Munition aufgebraucht war. Dann nahmen sie so viele Verwundete auf, wie sie fassen konnten, und zogen ab. Captain Shanks, dessen eigener Panzer beschädigt war, befahl dem Reservezug, direkt nordostwärts nach Hottorf vorzurücken. Zwei dieser Panzer blieben in einem Panzergraben südlich der Ortschaft stecken, aber drei erreichten das Ziel. Einer davon hatte einen Treffer am Turm erhalten, der das Geschütz so gelockert hatte, dass es nicht mehr zielen konnte. Zudem klemmte ein Geschoß im Verschluß, sodass der Panzer außer seiner koaxialen Maschinengewehr nutzlos war. Glücklicherweise erhielt die Kompanie in der Nacht Teilersatz für ihre Verluste.

Die Infanterie rückte daher allein über das offene Gelände vor und geriet unter schweres Feuer aus Richtung Hompesch und Müntz, aber praktisch keines aus Hottorf. Der Vormarsch wurde nicht gestoppt, und um 1200 Uhr waren die Männer durch den Ort und gruben sich nordostwärts ein, leicht ostwärts ausgerichtet. Dort stockte der Angriff, da die Divisionsartillerie, die den Fluss noch nicht überquert hatte, keine weitere Unterstützung leisten konnte.

Das 3. Bataillon rückte um 1100 Uhr vom Nordrand von Boslar aus, mit dem Ziel des Hochgeländes östlich von Hottorf. Company B des 701st Tank Battalion unterstützte diesen Vorstoß.

Die Panzer verließen eilig ihr Sammelgebiet, wo sie gerade rechtzeitig zur Angriffsanweisung eingetroffen waren, und stießen Richtung Boslar vor, nur um festzustellen, dass der Infanterieangriff bereits lief. Lieutenant Kappa, der Kommandeur von Company B, ließ zwei Züge in Angriffskeil aufstellen, und die Kompanie versuchte, zur Infanterie aufzuschließen. Aus Boslar ausbrechend, gerieten sie unter schweres Feuer von 88ern nordöstlich von Hompesch. Diese Geschütze, die aus 2200 Yards Entfernung über flaches Gelände feuerten, schalteten sieben unserer Panzer aus, sodass nur zwei Hottorf erreichten. Einer davon hatte ein defektes Geschütz. Nach Erreichen des Ortes schlossen sich ihnen zwei Sturmgeschütze an, die vorwärtsgekommen waren, sowie die drei Panzer von Company A. Fünf weitere Panzer des 3. Zuges wurden schließlich herangeführt, und um 1330 Uhr war eine hastige Verteidigung improvisiert. Später am Nachmittag wurden jedoch alle Panzer nach Boslar zurückgezogen.

In der Zwischenzeit nahm die Infanterie etwa 40 Gefangene in einem Steinbruch (der am Vortag eine problematische Stellung gewesen war) und drang nach Hottorf und dem Hochgelände über Ralshoven vor. Das Bataillon grub sich ein und sicherte seine Positionen für den Rest des Tages.

Um 1400 Uhr rückte das 2. Bataillon, in regimentaler Reserve, in ein Sammelgebiet am Rand von Boslar vor. 30 Minuten später wurde es erneut beauftragt, eine Lücke zu schließen, diesmal zwischen dem 406th Infantry rechts und hinten sowie dem 3. Bataillon des 405th in Hottorf. Das Bataillon stellte sich auf und grub sich unter schwerem Kleinkaliberfeuer aus dem Osten entlang einer Nord-Süd-Linie von Hottorf bis Gevelsdorf ein.

Das 407. Infantrie Regiment

Auf der linken Divisionstang sprang das 407th Infantry um 1000 Uhr an und rückte in beiden Bataillonsabschnitten rasch vor. Das 1. Bataillon rechts nutzte Marschfeuer und advanced schnell etwa tausend Yards über das offene Gelände zwischen Kofferen und Hottorf, umzingelte acht Truppenunterkünfte und nahm in etwa zehn Minuten 179 Gefangene. Das Bataillon grub sich dann zwischen Kofferen und Hottorf ein und blieb den Rest des Tages in den Fuchslöchern und deutschen Gräben.

Das 2. Bataillon links griff um 0930 Uhr ohne Panzerunterstützung von Glimbach auf Kofferen und Dingbuchoff vor, mit dem Ziel des Hochgeländes westlich von Kofferen. Company F wurde bald durch schweres Feuer aus Korrenzig (im Abschnitt der 84th Division) festgenagelt und mußte sich nach einem Vormarsch von etwa fünfhundert Yards eingraben. Gegen Mittag erschien Company C des 701st Tank Battalion, und um 1315 Uhr wurde der Angriff fortgesetzt. Company G, unterstützt von den Panzern, drang in Kofferen ein, gefolgt von Company E. Dann mußte Company F aus der Reserve rechts eingesetzt werden, um den Bataillonsvormarsch zu unterstützen, während Company C des 701st Tank Battalion das feindliche Artilleriefeuer neutralisierte. Nach Erreichen dieses Ziels reorganisierte sich die Panzerkompanie in Kofferen und rückte gegen Dingbuchoff vor. Mit Hilfe ihres provisorischen Sturmgeschütz-Zugs stürmte sie das Gebiet, schaltete zwei gezogene Panzerabwehrgeschütze aus und nahm hundert Gefangene aus einem Bunker. Dabei gingen zwei Panzer verloren; trotz schwerem feindlichen Artilleriefeuer war bis 1600 Uhr das gesamte Gelände zwischen Kofferen und Dingbuchoff gesichert.

Das 406. Infantrie Regiment

Um die rechte Divisionflanke zu sichern, griff das 1. Bataillon um 1100 Uhr Hompesch mit Company A links, C rechts und B in Reserve an. Maschinengewehre am Südrand des Dorfes und auf dem Hochgelände im Osten sowie 88er aus östlicher Richtung bremsten den Angriff, doch die Kompanien rückten unter schwerer Artillerieunterstützung vor und sicherten ihr Ziel bis 1245 Uhr. Lt. Col. Woodson D. Scott, der Bataillonskommandeur, bat um Erlaubnis, den Vormarsch fortzusetzen, doch diese wurde verweigert, da die Division gleichzeitig frontal angriff und die rechte Flanke verteidigte. Während das 405th vorstieß, mußte das 406th die rechte Flanke ausdehnen, wodurch wir stündlich verwundbarer wurden. Die Truppen gruben sich dann am östlichen Ortsrand ein und schlossen an das 405th Infantry links an.

Das 2. Bataillon rückte um 1800 Uhr nach Boslar und marschierte in der Nacht weiter nach Hottorf, um am nächsten Morgen einen Angriff nach Norden vorzubereiten. Das 3. Bataillon tat dasselbe durch Boslar nach Hottorf.

Die Tagesaufgaben waren nun erfüllt. Um diese Erfolge auszunutzen, bereiteten sich die der Division zugeteilten Panzer- und mechanisierten Einheiten darauf vor, die Rur zu überqueren und an kommenden Kämpfen teilzunehmen. Am 24. Februar letztmals wurde jedoch eine Änderung vorgenommen: Combat Command B ging unter die Kontrolle seiner Mutter-5th Armored Division über, während die 11th Cavalry Group vom XIII Corps zurückgerufen wurde.

Mit dem nun fest etablierten Rur-Brückenkopf bis Hottorf im Norden und Ralshoven im Osten und einem gründlich verwirrten Feind hinsichtlich des nächsten Schritts war die 102. Division bereit, ihre Lage zu nutzen und zum Rhein vorzustoßen.

 

Der Chronist erinnert sich an die Reste eines Weltkriegsbunkers an der Landstraße von Hottorf in Richtung Gevenich in der Rechtskurve vor der Barbara-Kapelle an der der rechten Fahrbahnswite, der erst in 1970-Jahren vollständig beseitigt wurde.

 

 

Amerikanische Truppen überqueren die Rur

nrw-wappen

| D-Day der Operation Grenade |

Die 9. US-Armee beginnt am 23. Februar um 3:30 Uhr mit der Überquerung der Rur.  Dabei errichtete das 407. Infantrie Regiment mit dem 1. und 2. Bataillion den Brückenkopf bei Linnich und das 1. Batallion des 405. Regiments den Brückenkopf bei Rurdorf. 
In Booten setzten sie über, wobei die Infantristen das Ufer unter Kontrolle bringen sollten. An Stahlkabeln wurden zunächst Boot um Boot über die weiterhin reißende Rur gezogen; gleichzeitig wurden zwischen gespannten Stahlkabeln Fußsteige errichtet. 

Ein Fußsteig über die Rur am 23. Februar 1944, Quelle: picture alliance / Usis-Dite/Lee

Ein in Linnich zunächst mit Sturmbooten übersetztes Bataillon erreichte um 6:30h Gevenich und nahm dort im Ort 160 Gefangene. Ein weiteres Batailon errichtete einen Fußsteig und erreichte um 9:15h Uhr das Gut Breitenbend. Die in Rurdorf übersetzen Truppen gingen über Erzelbach nach Tetz und Boslar. Während Tetz schon um 6:50h eingenommen wurde, gab es in Boslar bis zum Abend insgesamt sieben Gegenangriffe der Deutschen Wehrmacht. Erst in der Nacht konnten Amerikanische Panzer dir Rur überqueren und konnten die Deutschen in Boslar zurückdrängen. 

In Linnich und Rurdorf wurden jeweiles Fußsteige und Pontonbrücken errichtet – eine Behelfsbrücke für leichte Fahrzeuge und bis in die Nacht eine schwere Brücke für Panzer.  Am ersten Tag der Operation Grenade erreichten die Amerikanischen Truppen über die beiden Flussüberquerungen bei Linnich und Rurdorf die Orte Glimbach, Gevenich, Tetz und Boslar.  

Karte am Morgen des 24.Feb 1944 der Brückenköpfe bei Linnich und Rurdort aus "With the 102d Infantry Division trough Germany"

Auf der gesamten Länge der Rur hatten bis zum Abend rund 25.000 US-Soldaten die Rur überquert, in der Nacht folgten die ersten leichten Panzer. Südlich von Jülich wurde ein Fußsteig mehrmals zerstört und konnte erst im fünften Anlauf ferstiggestellt werden.

Detaillierte Beschreibung übersetzt aus dem Kapitel 10 „Establishing the Roer Bridgehead“ von  With the 102d Infantry Division trough Germany, siehe Bücher mit Bezug zu Hottorf

Einrichtung des Bückenkopfes an der Rur

Eine Nacht, die vor Spannung vibrierte. Sterne funkelten durch klare Lücken in den zerfetzten, jagenden Wolken. Unter den Füßen quatschte der durchweichte Boden, während eine Patrouille vorsichtig zu den wartenden Booten glitt, die von Pionieren bereitgehalten wurden. Sogar hier, entlang der vergleichsweise ruhigen Ufer der Rur, saugten Gegenströme und Wirbel bedrohlich – gierig, wie es den Ingenieuren schien. Eine Deckungsgruppe, ausgebreitet und angespannt am Westufer wartend, fror in Erwartung und rechnete jeden Moment mit dem scharfen Stakkato einer Maschinenpistole, dem blendenden Licht einer Leuchtrakete oder dem leisen „Plumps-Platsch“ eines deutschen Mörsers. Sicherlich konnten diese lauten Vorbereitungen den Ohren der Vorposten der deutschen 59. Infanteriedivision nicht entgehen, die auf den alliierten Vorstoß zum Rhein gewartet hatten.

H-Hour minus 30 

Pünktlich um 03:00 Uhr stießen „Buck“ Rogers’ Night Raiders in die Dunkelheit vor, in die reißende Rur, die von ihrem Frühlingshochwasserpegel zurückgegangen war. Diese berühmte Patrouille des 407th Infantry, angeführt von First Lieutenant Roy Rogers, war mehrere Wochen vor der Überquerung organisiert worden und hatte seit ihrer Gründung zahlreiche Raids im Abschnitt des 407th Infantry durchgeführt. Vollständig aus Freiwilligen bestehend, meist College-Absolventen, hatten die Raiders zahlreiche herausragende Erfolge vorzuweisen und weltweite Aufmerksamkeit durch die Berichterstattung von Presseagenturen und Zeitungen in den USA erhalten.

Ein vorbereitendes Mörserfeuer auf den Deich jenseits des Flusses war gerade von First Lieutenant Karl Aamott angehoben worden, der diese wichtige Expedition geschickt geplant hatte. Nun wartete er gespannt, während das Boot – ein dunkler Klumpen in der Nacht – wirbelte und schließlich unter geschickten Händen stabilisiert wurde. Ihr Start war durch einen Mörsergranateneinschlag in der Nähe unterbrochen worden. Splitter streiften Rogers’ Auge. Zwei weitere Männer wurden verletzt, doch alle setzten ihren Weg fort.

Als die Ruder der Besatzungen in den tosenden Strom tauchten, eröffnete ein deutsches Maschinengewehr in nicht einmal fünfzig Yards Entfernung das Feuer, Leuchtspuren bildeten ein rotes Baldachin über ihnen. Doch in dem unbeständigen Sternenlicht waren auf dem rasenden Fluss schwankende Sturmboote schlechte Ziele. Einige Minuten später – Minuten, die sich für Wartende und Handelnde wie Stunden dehnten – stupsten die Boote leise ans Ostufer der Rur. Die Männer sprangen rasch an Land und kletterten wie besessen die glitschigen Hänge hinauf. Mit uhrwerkartiger Präzision schwärmten dunkle Gestalten aus und umzingelten das bedrohliche Maschinengewehr. Instinktiv erwiderte ein Mann das Feuer. Ein anderer griff nach seiner Handgranate. Ein guter Wurf; ein dumpfer Knall; ein Schrei; dann Stille.

Nun war die Gelegenheit, sich neu zu formieren, Köpfe zu zählen und den benötigten Brückenkopf zu sichern. Eine Gruppe unter Sergeant Albert Charpentier schwenkte zur Eisenbahnlinie ab, die von einem dichten Minenfeld gesäumt war, das Gefangene später als hinter ihrer Vorpostenlinie angelegt beschrieben, um ihre Einheit am Fluss zu halten – komme Hochwasser, Hölle oder Angriff. Der Rest der Patrouille kämpfte sich nach Süden und räumte ein Maschinengewehrnest nach dem anderen. Zur H-Stunde – dreißig Minuten später – setzte die erste Sturm-Welle des 407th Infantry ohne Probleme über. Ihr Brückenkopf, der erste über die Rur, war etabliert.

Zu diesem Zeitpunkt hatten Rogers’ Raiders fünfhundert Yards Flussufer auf einer zweihundert Yards breiten Front geräumt, fünf Maschinengewehrnester ausgeschaltet, sechs weitere automatische Waffenstellungen gesäubert, fünfzehn Deutsche getötet und acht gefangen genommen. In diesen hektischen, wilden dreißig Minuten verloren sie keinen einzigen Mann. Ihre im Voraus bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Planung hatte sich ausgezahlt.

Als Rogers in den Keller des Linnicher Schulgebäudes zurückkehrte, setzte er sich für ein paar Minuten auf eine K-Ration-Kiste, ruhte aus und blinzelte im schwachen Licht, während die nervöse Anspannung der Erschöpfung wich. Jemand trat zu ihm und sagte: „Der General will Sie sprechen.“

Lieutenant Roy Rogers ging zu der Gruppe von Offizieren, in deren Mitte Major General Keating und Colonel Dwyer im rauchgefüllten Raum standen. Er hielt noch die Überreste einer von einer Kugel zerschmetterten Taschenlampe in der Hand.

„Der Angriff verläuft dank Ihnen und den Leistungen Ihrer Männer sehr reibungslos“, sagte der General. „Es ist mir eine Ehre, Ihnen diese Bronze Star zu verleihen mit dem Dank und der Anerkennung der Sturmtruppen.“

„Am Raid war nichts Spektakuläres“, sagte Rogers später. „Die Jungs haben strikt nach Plan gearbeitet. Wir gehen keine Risiken ein.“

Start des Angriffs

Fast gleichzeitig, als wären sie über einen einzigen Schalter verbunden und gesteuert, durchbrachen über zweihundert Geschütze, Raketenwerfer, Maschinengewehre aller Kaliber, Gewehre, Mörser und all die Werkzeuge des Krieges die todesähnliche Stille der Nacht. Das Tal der Rur stand im Feuerschein explodierender Granaten und Leuchtspuren. Man fragte sich, wie unter dieser verheerenden Wucht überhaupt etwas überleben konnte. Bei dem grellen Licht der Artilleriemündungsfeuer und der explodierenden Geschosse hätte man eine Zeitung lesen können. Der Lärm betäubte die Soldaten, die die steile Böschung hinunter zu den wartenden Booten hasteten. Rauchschwaden und der Geruch von verbranntem Pulver trieben in stetig wachsendem Ausmaß über das Tal. Die lang erwartete Offensive war nun tatsächlich im Gang.

Benommen und überrascht, aber dennoch entschlossen, mit aller Kraft zurückzuschlagen, begann die deutsche Artillerie binnen zehn Minuten mit Gegenfeuer aus Fernartillerie und Raketenwerfern. Offenbar unsicher über die genaue Übergangsstelle schien der Feind zunächst zögerlich, seinen kostbaren Munitionsvorrat allzu großzügig gegen den unsichtbaren Gegner einzusetzen. Doch mit dem ersten Morgengrauen nahm das Feuer stetig zu, bis es einem wahren Hagel aus Proteststahl glich, der die Infanterie der Unterstützung und Reserve sowie die Pioniere an den Übergangsstellen bei Rurdorf und Linnich peitschte. Auch das Ablenkungsmanöver bei Flossdorf zog seinen Teil des Feuers auf sich.

Die eigentlichen Hauptübergänge in Stärke begannen pünktlich um 03:30 Uhr. Führende Bataillone waren das 1. Bataillon des 405th bei Rurdorf sowie das 1. und 2. Bataillon des 407th bei Linnich. Die erste Welle setzte ausschließlich in Sturmbooten über, die von den 327th und 279th Engineer Combat Battalions gerudert wurden. Um 04:20 Uhr waren die ersten Übergänge bei Rurdorf abgeschlossen. Bei Linnich, wo das Vorankommen weniger schwierig war, benötigte die erste Welle nur sechzehn Minuten und hatte das Ostufer bereits um 03:46 Uhr gesichert.

Verlassene Sturmboote bei Linnich
Verlassene Sturmboote bei Linnich

407. Regiment bei Linnich

Das 1. Bataillon des 407th hatte den Auftrag, Gevenich zu nehmen. Das Bataillon setzte pünktlich um 03:30 Uhr in zwei Wellen mit jeweils zwei Kompanien nebeneinander über; A und B führten, gefolgt von C und D. Die zweite Welle begann um 03:39 Uhr mit dem Übersetzen, unmittelbar nachdem die erste das gegenüberliegende Ufer erreicht hatte. Es standen genügend Boote für beide Wellen zur Verfügung, sodass die Boote der ersten Welle nicht zurückgeführt werden mussten und am Ufer liegen blieben, sobald die Truppe ausgestiegen war.

Etwas Maschinengewehrfeuer flussabwärts störte die Truppe während des Übergangs, und Mörserfeuer schlug im Fluss und entlang der Ufer ein, doch die Verluste waren gering und kein einziges Boot kenterte. Kurz nach der Landung nahmen die Soldaten rasch etwa fünfundzwanzig granatenschock‑geschädigte Gefangene. Diese Gefangenen wurden dann kurzerhand dazu benutzt, die Amerikaner durch die deutschen Minenfelder vor Gevenich zu führen. Verluste durch diese besondere Bedrohung wurden so vollständig vermieden.

Die vorderen Kompanien (A und B) bewegten sich lautlos in Gevenich hinein und stießen – offenbar trotz eigentlich ausreichender Vorwarnzeit – auf die Deutschen, bevor diese überhaupt bemerkten, dass Amerikaner in der Nähe waren. Bis 06:30 Uhr hatten sie sich kampflos ergeben, und 160 Gefangene wurden gemacht. In dem Ort fanden sich weder Minen noch Sprengfallen – ein weiteres Zeichen dafür, dass die Verteidiger völlig überrascht worden waren. Auf dem Weg nach Gevenich wurde Kompanie C, die den Sturmkompanien folgte, kurzzeitig durch Maschinengewehrfeuer von der anderen Seite der Straße Gevenich–Linnich niedergehalten, konnte aber ohne nennenswerte Verzögerung weiter vorrücken.

In Gevenich wurden die Kompanien beim Aufbau eines Verteidigungsrings um den Ort herum mäßigem Mörserfeuer ausgesetzt; zudem erhielten sie Maschinengewehrfeuer sowohl aus nördlicher als auch aus südlicher Richtung. Der Bataillonskommandeur, Lieutenant Colonel George Park, schickte zwei gefangene Sanitäter eigenständig hinaus, um mit den Geschützbedienungen zu sprechen. Die Bedienung des nördlichen Geschützes kehrte mit den Sanitätern zurück und ergab sich, die Bedienung des südlichen Geschützes erklärte dagegen, sie werde sich nicht ergeben. Sie waren jedoch durchaus bereit, das Feuer einzustellen und zeigten ihren guten Willen sofort, indem sie ihre Stellungen verließen und sich zurückzogen.

In dieser Phase war das Bataillon weder mit dem 405th auf der rechten Seite noch mit dem 2. Bataillon auf der linken Seite verbunden, doch wurden Patrouillen hinausgeschickt, um soweit möglich Verbindung herzustellen und zu halten. Die Verbindung mit dem Regiment erfolgte ausschließlich über Funk und war ausgezeichnet, und bis 10:20 Uhr war die Stellung gut gefestigt.

Die gesamte verfügbare Munition wurde von Zug A&P per Hand nach vorne getragen, dem dafür 29 zusätzliche Männer zugeteilt worden waren. Dieser Zug setzte die Munition über den Fluss und richtete in Gevenich ein kleines Munitionsdepot ein.

Vier Trupps mit Tragen – je einer bei jeder Kompanie – brachten Verwundete sofort nach deren Verwundung in Sicherheit. Der Bataillonsverbandsplatz lag nahe dem Ufer auf der Linnicher Seite der Rur und übernahm, weil er näher lag als jeder andere in der Umgebung, im weiteren Verlauf einen unverhältnismäßig großen Teil der Verwundetenversorgung, darunter auch Verwundete anderer Bataillone und der Pioniere. Obwohl das Bataillon im Laufe des Tages nur etwa fünfzig Ausfälle hatte, wurden bis 10:00 Uhr bereits mehr als neunundneunzig Verwundete im Verbandsplatz behandelt. Gehfähige Verwundete anderer Einheiten wurden mit Fahrzeugen zu ihren eigenen Verbandsplätzen zurückgebracht, um die Überlastung zu verringern.

Zum Panzerabwehrschutz verfügte das Bataillon über fünf dreiköpfige Bazookatrupps, die der ersten Welle folgten. Der Panzerabwehrzug unter Führung von Second Lieutenant Louis Spitzer setzte außerdem drei deutsche 7,5‑cm‑Feldgeschütze in Stellung, die zuvor überrannt worden waren. Mit diesen bekämpften sie Maschinengewehre und andere Zielgelegenheiten.

Eine einzige ernsthafte Bedrohung für das äußerst erfolgreiche Vorrücken des 407th Infantry entstand, als der Feind um 15:15 Uhr Glimbach aus Richtung Gevenich mit Panzern und Infanterie angriff. Ohne Panzerabwehrkanonen, Panzerjäger oder Panzer, die den Fluss noch nicht hatten überqueren können, und während sie Munition für schwere Mörser und Bazookas von Hand heranschleppten, hielt das 2. Bataillon seine Stellung und forderte Artillerieunterstützung an. Fast sofort legten acht Artilleriebataillone ihr Feuer auf die Angreifer und zerstreuten Panzer und Infanterie. Kurz darauf erschienen, einem Ruf der Division folgend, P‑47‑Jagdflugzeuge über dem Gefechtsfeld und vollendeten die Vernichtung der feindlichen Kräfte in diesem Raum. Das 2. Bataillon blieb den Rest des Tages ungehindert in Glimbach.

Das 3. Bataillon des 407th Infantry unterstützte anfangs das Übersetzen der Sturmwellen mit Feuer aller Art. Bis 08:15 Uhr war dieser Auftrag erfüllt, und das Bataillon begann, in Sturmbooten überzusetzen. Glücklicherweise wurde während dieses Vorgangs die nördliche Fußgängerbrücke bei Linnich fertiggestellt, sodass der größte Teil des Bataillons zu Fuß überqueren konnte. Um 09:15 Uhr sammelten sie sich in Breitenbend als Regimentsreserve. Später am Tag rückte das 3. Bataillon nördlich von Glimbach vor und bezog Stellungen, um den Anschluss an Teile der 84th Division auf der linken Seite herzustellen.

405. Regiment bei Rurdorf

Das 1. Bataillon bildete die Sturmwelle des 405th Infantry. Wegen der Enge des Regimentsabschnitts konnte jeweils nur eine Kompanie gleichzeitig übersetzen; Kompanie C ging zur H‑Stunde als erste über. A, B und D sollten in dieser Reihenfolge folgen. Eine zusätzliche Schwierigkeit ergab sich aus der unzureichenden Zahl an Booten – es standen nur genug für zwei Kompanien zur Verfügung. Daher war geplant, dass die Pioniere die erste Welle übersetzen und mit den Booten für die nächste Welle zurückkehren sollten. Mehrere Fahrzeuge kenterten durch Nahtreffer von Mörsergranaten, doch kein Boot erhielt einen direkten Treffer. Als die dritte Kompanie den Übergang versuchte, standen nur noch etwa die Hälfte der ursprünglich 32 Boote zur Verfügung.

Alle Männer trugen Schwimmwesten, und niemand ertrank, obwohl ein voll besetztes Boot bis nach Linnich abtrieb. Diejenigen, die in den Fluss fielen, marschierten auf dem Ufer, an dem sie anlandeten, flussaufwärts zurück, um sich wieder ihren Einheiten anzuschließen.

Zusätzliche Notfallmunition für den unmittelbaren Einsatz wurde mit den Sturmwellen von Hand übergesetzt. In einer Schützenkompanie trug jeder Mann eine Panzerabwehrmine; in einer anderen trug jeder eine Bazooka‑Granate; in der dritten trug jeder eine 60‑mm‑Mörsergranate. Die Soldaten der schweren Kompanie trugen jeweils eine 81‑mm‑Mörsergranate. Auf diese Weise wurde am Ostufer des Flusses ein beachtliches Munitionsdepot angelegt.

Bis 04:45 Uhr war Imbusch gesichert, und das Bataillon ordnete sich neu, während es darauf wartete, dass das unterstützende Artilleriefeuer angehoben wurde, um anschließend auf sein Ziel westlich von Boslar vorzurücken. Beim Vorgehen in den Wald war leichtes Infanteriefeuer aufgekommen, und durch Minen am Flussufer und in der Nähe von Gut Bischhof gab es einige Verluste. Um 07:45 Uhr nahm das Bataillon den Angriff wieder auf, um die Eisenbahnlinie auf dem Kamm des Hangs zwischen Erzelbach und Tetz zu erobern. Der Angriff wurde durch Feuer aus automatischen Waffen entlang des Gleises verlangsamt, doch die Männer rückten unter Artillerieschutz Schritt für Schritt vor und hatten bis Mittag das Ziel genommen und sich entlang eines Steilhanges unmittelbar östlich der Gleise eingegraben.

Das 2. Bataillon setzte um 05:50 Uhr über, ebenfalls in Kolonne der Kompanien, mit E an der Spitze, gefolgt von G, F und H. Die Neuordnung erfolgte im Bereich Gut Bischhof, ohne nennenswerten feindlichen Widerstand außer vereinzeltem Infanteriefeuer. Um 06:50 Uhr rückte das Bataillon auf Tetz vor, das mit geringen Schwierigkeiten besetzt wurde.

In der Zwischenzeit rückten die Kompanien G und F nebeneinander vor, südlich an Tetz vorbei, und hatten bis 09:30 Uhr die Höhen östlich des Ortes genommen. Gegen Mittag versuchte eine auf etwa hundert Mann geschätzte feindliche Infanterie, von vorne rechts und von hinten in die Stellung des 2. Bataillons einzudringen, wurde jedoch durch gut gelegtes Artilleriefeuer zurückgeschlagen. Am Nachmittag wurden diese Kompanien verlegt, um die Lücke zwischen Boslar und Gevenich zu schließen und Anschluss an das 407th Infantry herzustellen; sie gruben sich in den offenen Feldern zwischen beiden Orten ein.

Das 3. Bataillon des 405th unterstützte den Übergang der ersten beiden Bataillone, indem es beim Heruntertragen der Sturmboote zum Wasser half und später Unterstützungsfeuer gab. Nachdem die ersten beiden Bataillone übergesetzt und auf ihre Ziele vorgerückt waren, setzte das 3. Bataillon gegen 13:00 Uhr über die infantry support bridge über. Um 15:35 Uhr, nach einer zwanzigminütigen Artillerievorbereitung, griff das Bataillon von der Eisenbahnlinie nördlich von Tetz aus an und durchzog dabei das 1. und 2. Bataillon im Angriff auf Boslar. Dort stieß das Bataillon auf den stärksten Widerstand des Tages und konnte den Ort erst um 16:37 Uhr unter schwerer Artillerieunterstützung betreten. Sobald es innerhalb des Ortes war, sicherte das Bataillon hastig seine Positionen. Anschließend setzte es den Vormarsch auf die Höhen nördlich und östlich fort und, als es mit dem 2. Bataillon auf einer Linie stand, nahm letzteres seinen Angriff wieder auf und rückte in die Lücke zwischen Boslar und Gevenich vor, wodurch die Regimentsstellung gefestigt wurde.

Bis 14:00 Uhr waren alle Infanterie-Sturmkräfte sicher über den Fluss, und die Ausarbeitung des Brückenkopfes war gut vorangeschritten. Viele Deutsche waren in ihren Fuchslochstellungen entlang der Ufer getötet worden. Andere waren vor unserem erbarmungslosen Feuer geflohen, doch viele waren zu granatenschockiert, um etwas anderes zu tun, als vor der Wucht unseres Vormarschs zu kauern.

Während zusätzliche Einheiten zum Übersetzen ansetzten, begannen die größten Schwierigkeiten des Tages. Sowohl bei Rurdorf als auch bei Linnich sah der Angriffsplan den Bau von zwei Fußgängerbrücken vor: einer infantry support bridge und einer treadway bridge. Der überflutete, eisige Fluss mit seiner reißenden Strömung und treibenden Trümmern war allein schon ausreichend, um diese Operationen heikel und anstrengend zu machen, doch kombiniert mit feindlichem Artillerie- und Mörserfeuer sowie angreifenden strahlgetriebenen Flugzeugen (die in diesem Gebiet erstmals auftauchten), schufen sie eine äußerst schwierige Ingenieurleistung. Schmale Fußgängerbrücken, die für eine Strömung von sechs Knoten pro Stunde ausgelegt waren, spannten an ihren Kabeln. Einige kippten unter dem Gewicht der Truppen um und wurden flussabwärts gerissen. Unterstützungsbrücken, die von Gummipontons getragen wurden, sackten unter dem zerstörerischen Feindfeuer durch. Eines der in der Rurdorf-Region eingesetzten LVTs blieb mitten im Strom stehen, trieb in der wirbelnden Strömung ab und zerstörte vollständig eine Brücke, die geradezu fertiggestellt war. Auch die Infanterie-Sturmboote litten schwer. Einige kenterten, sodass die Infanterie schwimmen musste; einige wurden auf dem Westufer zerstört, bevor sie zu Wasser gelassen werden konnten; andere sanken oder wurden unbrauchbar. Die Truppen kämpften gegen die Zeit, und jeder solcher Vorfall verzögerte die Ausarbeitung des Brückenkopfes und steigerte die bedrohliche Gefahr eines erfolgreichen Gegenangriffs.

406. Regiment 

Das 406th Infantrie Regiment, zunächst als Divisionsreserve in Baesweiler, verbrachte einen vergleichsweise ruhigen Vormittag. Gegen Mittag rückte es nach Setterich vor. Am Nachmittag marschierte es nach Rurdorf, wo um 16:00 Uhr das 3. Bataillon über die Fußgängerbrücke setzte. Das 1. Bataillon folgte eine halbe Stunde später unter leichtem feindlichem Artilleriefeuer, während das 2. Bataillon gegen 21:00 Uhr übersetzte und in Tetz als Reserve die Nacht verbrachte.

Das 3. Bataillon rückte ebenfalls über Tetz vor, wurde aber nach Einbruch der Dunkelheit in die Linie beordert, um die rechte Flanke der Division zu sichern. Die Kompanien K und L wurden daher östlich von Boslar in Stellung gebracht.

Das 1. Bataillon erreichte Tetz gegen 18:00 Uhr und folgte dem Malefink-Bach talaufwärts, bereit als Divisionsreserve zu verbleiben. Später wurde es nach Einbruch der Dunkelheit eingesetzt, um die rechte Flanke zu halten, nachdem sich Gegenangriffe gegen Boslar abzeichneten. Das Bataillon rückte direkt auf die Höhenlinie von Boslar zu den von dem 3. Bataillon bezogenen Stellungen vor. Das Regiment war somit gut aufgestellt, um die stark exponierte rechte Divisionflanke zu decken, die durch die Verzögerung der 29th Infantry Division – der linken Einheit des XIX Corps – entstanden war, die nicht wie geplant auf gleicher Höhe blieb.

Gegenattacke

Anfangs hielt die deutsche 59. Infanteriedivision stand, im Norden flankiert von der 183. Volksgrenadier-Division und im Süden von der 363. Volksgrenadier-Division – sie trug die Hauptlast des Ozark-Angriffs. Die Vorbereitungsfeuer hatten die Verteidiger so geschockt, dass sie nicht effektiv widerstehen konnten, als unsere Spitzenkräfte die Hauptverteidigungslinie durchbrachen. Vor Einbruch der Nacht zeigte der Feind jedoch eine deutliche Verhärtung seiner Haltung, wie im Glimbach-Vorfall zu sehen war. Zudem deuteten Aussagen von Kriegsgefangenen darauf hin, dass der Gegner bei Dunkelheit noch zu entschlossenen Gegenangriffen fähig war. Der Boslar-Korridor erschien besonders verwundbar. Angesichts dieser Gefahr und auch zur Verbesserung der taktischen Kontrolle wurde das 3. Bataillon des 406th Infantry um 20:40 Uhr dem 405th Infantry angegliedert.

Um 20:00 Uhr war die Treadway-Brücke bei Linnich endlich fertiggestellt. Zwanzig Minuten später ereignete sich eine Katastrophe, gerade als Company B des 771st Tank Destroyer Battalion zum Übersetzen ansetzte. Die Brücke wurde plötzlich von drei tief fliegenden feindlichen Flugzeugen angegriffen und zerstört. Daraufhin wendeten Companies A und B des 771st Tank Destroyer Battalion nach Süden ab, um die Treadway-Brücke bei Rurdorf zu nutzen, die gerade fertiggestellt wurde. Company A begann um 22:41 Uhr den Übergang, doch ihr Vorrücken wurde durch Schutt-Lkw verzögert, die unter Priorität fuhren, um die stark beschädigten und zerfurchten Straßen unmittelbar jenseits des Flusses zu reparieren. Bis Mitternacht kroch Company A nur langsam über die Brücke.

Das Fehlen von Panzerjägern erhöhte die Verwundbarkeit unseres Brückenkopfes, doch mit der Fertigstellung einer infantry support bridge bei Linnich um 15:05 Uhr konnte das 407th Infantry seine Panzerabwehrkanonen zum Fußvolk vorschicken. Auch das 405th gelang es, einige Panzerabwehrkanonen über eine Unterstützungsbrücke zu bringen. Dies war äußerst glücklich, da der erwartete feindliche Gegenangriff sich gerade in der Boslar-Region abzeichnete.

Company L des 406th war die Erste, die den Schock dieses Angriffs durch eine kleine Infanteriegruppe aus östlicher Richtung erlitt. Diese feindlichen Patrouillen wurden zurückgeschlagen, und die Lage blieb mehrere Stunden ruhig. Währenddessen wurde das 1. Bataillon des 406th Infantry nach vorn beordert, um die Verteidigung des Ortes zu verstärken; es rückte östlich von Boslar vor und bezog Stellungen mit Südostausrichtung auf dem Hochgelände. Diese Positionen waren gegen 21:30 Uhr besetzt. Um 23:00 Uhr startete ein Gegenangriff durch ein geschätztes feindliches Platoon gegen die neuen Stellungen, wurde jedoch rasch abgewehrt.

In dieser Phase tobte nördlich des Ortes ein heftiger Kampf, wo etwa zwanzig deutsche Selbstfahrlafetten begleitet von zwei unterbesetzten Infanteriekompanien, versuchten, das Dorf einzukreisen, um unsere Truppen zu vertreiben. Die deutsche Infanterie wurde jedoch durch ein Artilleriefeuer von neun Bataillonen stark zerstreut. Die feindlichen Geschütze, nun ihrer Unterstützung beraubt, konnten ihre Aufgabe nicht erfüllen, obwohl zwei oder drei tatsächlich in Boslar einrückten, bevor der Angriff endgültig gestoppt wurde. Ein zweiter Versuch um 22:00 Uhr scheiterte ebenfalls. Die feindlichen Geschütze zogen sich dann etwa dreihundert Yards nördlich von Boslar zurück und warteten auf einen günstigen Moment für einen neuen Angriff. Das Dorf wurde die ganze Nacht hindurch vom Feind beschossen. Schwerer noch war jedoch unser eigenes Artilleriefeuer, das auf Anruf des Kommandeurs des 3. Bataillons des 405th Infantry auf Boslar fiel und einige Verluste in Bataillonen des 405th und 406th Infantry verursachte. Diese drastische Maßnahme erwies sich als wirksam, um den Ort gegen die fanatischen Angriffe des Feindes zu halten. Obwohl Scharmützel mit verwirrten deutschen Truppen innerhalb unserer Positionen die ganze Nacht andauerten, sah der Morgen das Ende der Kämpfe.

Um 04:58 Uhr nahmen die Selbstfahrlafetten außerhalb von Boslar ihren Gegenangriff erneut auf, diesmal ohne Infanterieunterstützung. Wieder wurden sie zurückgeschlagen. Nicht zufrieden mit diesen Rückschlägen, wiederholte sich der Angriff um 07:57 Uhr zum siebten Mal gegen das 2. Bataillon des 405th Infantry. Schließlich trieb eine schwere Konzentration unserer Artillerie sie endgültig zurück, und die 341st Assault Gun Brigade zog sich zurück, um nie wieder gesehen zu werden.

Damit endete die erste Phase des Rheinlandfeldzugs. Der Brückenkopf war nun etabliert. Der Weg für den Vormarsch zum Rhein war geebnet. Leider wurde unser Sieg nicht ohne Verluste errungen, und obwohl die Zahlen im Vergleich zur Heftigkeit der Schlacht gering sind, wurden 74 Mann getötet, 493 verwundet und 31 als vermisst gemeldet.

Artilleriefeuer

Die vorbereitenden Artilleriefeuer für den Rur-Übergang begannen um 02:45 Uhr, 45 Minuten vor der H-Stunde. Neben den organischen Divisionsbataillonen – den 379th, 380th, 381st und 927th – feuerten zahlreiche weitere Bataillone unter Korpskontrolle in den vorgesehenen Brückenkopf-Bereich. Der erste Sperrfeuer-Vorhang wurde von vier Bataillonen 105-mm-Haubitzen, vier Bataillonen gepanzerten Feldhaubitzen, vier Bataillonen 155-mm … auf Lovenich um 08:00 Uhr am 23. Februar abgeworfen, wo sechzehn 500-Pfund-Bomben fielen. Katzem war ein weiteres Ziel, das um 09:45 Uhr und erneut um 11:15 Uhr mit insgesamt zweiunddreißig Bomben belegt wurde. Kuckhoven wurde ebenfalls um etwa 10:30 Uhr von Sturzkampfflugzeugen angegriffen und beschossen, als dort feindliche Truppen gesichtet wurden. Später am Tag wurde eine umfangreiche Suche nach großen Kaliber-Eisenbahngeschützen durchgeführt, die in der Nähe von Erkelenz vermutet wurden. Diese Geschütze beschossen die Übergangsstelle bei Linnich mit uhrwerkartiger Regelmäßigkeit während des Nachmittags und stellten die ganze Nacht hindurch eine erhebliche Störung dar. Günstiges Wetter ermöglichte am Nachmittag Tieffliegereinsätze über dem gesamten rückwärtigen Feindgebiet, was die Situation weiter reduzierte, was immer an Beweglichkeit ihm noch geblieben war.
 
Luftunterstützung 
Die 509th, 510th und 511th Fighter Squadrons stellten nach Tagesanbruch die Luftunterstützung. Ihr erster Einsatz erfolgte um 08:00 Uhr am 23. Februar auf Lovenich, wo sechzehn 500-Pfund-Bomben abgeworfen wurden. Katzem war ein weiteres Ziel, das um 09:45 Uhr und erneut um 11:15 Uhr mit insgesamt zweiunddreißig Bomben belegt wurde. Kuckhoven wurde ebenfalls um etwa 10:30 Uhr von Sturzkampfflugzeugen angegriffen und mit Maschinengewehrfeuer beschossen, als dort feindliche Truppen gesichtet wurden. Später am Tag wurde eine umfangreiche Suche nach großen Kaliber-Eisenbahngeschützen durchgeführt, die in der Nähe von Erkelenz vermutet wurden. Diese Geschütze beschossen die Übergangsstelle bei Linnich mit uhrwerkartiger Regelmäßigkeit während des Nachmittags und stellten die ganze Nacht hindurch eine erhebliche Störung dar. Günstiges Wetter ermöglichte am Nachmittag Tieffliegereinsätze über dem gesamten rückwärtigen Feindgebiet, was die noch verbliebene Beweglichkeit des Gegners weiter reduzierte.
 
Rauch

Der Einsatz von Rauch bei der Überquerung der Rur erwies sich als wertvolle Ablenkungs- und Verschleierungsmaßnahme. Die Winde hatten wochenlang konstant aus Südwest geweht, und man ging davon aus, dass dies so bleiben würde. Die Wetterbedingungen am D-Day waren perfekt. Das Gelände war vollständig für die Platzierung der Rauchtöpfe untersucht worden, und diese Studien zeigten die Notwendigkeit von zwei Basislinien: Eine Basislinie lag 50 Yards flussaufwärts von der Brücke bei Flossdorf und erstreckte sich über 300 Yards; die andere lag 50 Yards flussabwärts und erstreckte sich ebenfalls über 300 Yards. Welche Linie später genutzt werden würde, hing vom Wind ab.

Insgesamt wurden 980 Töpfe vorbereitet, 440 pro Basislinie. In 15-Yard-Abständen wurden ausreichend Töpfe aufgestellt, die für zweieinhalb Stunden brannten. Diese Töpfe waren zu Bündeln von je vier Stück gebunden, auf spitz zulaufende Pfähle gesteckt, die in den Boden getrieben wurden. Sie wurden in der Leeseite eines Deiches platziert, der Schutz vor feindlichem Feuer und Beobachtung bot.

Der Scheinrauchvorhang bei Flossdorf wurde zur H-Stunde vom 3. Bataillon des 405th Infantry unter Aufsicht von First Lieutenant Richard Kerr, dem Gasoffizier, gezündet. Riesige Wolken sammelten sich in der stillen Luft und brachen dann plötzlich über den verstreuten kahlen Bäumen hervor – gespenstisch im azurblauen Morgengrauen. Der Feind reagierte sofort mit schwerem Artillerie-, Mörser- und Kleinkaliberfeuer auf das leere Gebiet. Bei Rurdorf, wo kein Rauch eingesetzt wurde, blieb die Übergangsstelle fast unangetastet. Weiter nördlich bei Linnich wurde Rauch genutzt, um bei Tagesanbruch den Fluss und das Tal zu verschleiern, als strahlgetriebene Flugzeuge – Me 262 – tief über dem Gebiet auftauchten, um die Überquerung zu stören.

Über den Fluss

Jede große Schlacht besteht aus vielen kleinen Kämpfen, und selten ist klar, welches Verhältnis die kleinen zu den großen haben. Manchmal haben die kleineren Kämpfe ein Eigenleben und summieren sich scheinbar nie zu einer großen Operation. Es gibt Zeiten, in denen man sich ein großes Unternehmen nicht vorstellen kann, bis man auf Bataillone, Kompanien und sogar Einzelpersonen heruntergeht. Die kleine Aktion ist wie ein klarer Teich, in dem das „große Bild“ durch Wellen am Boden verzerrt liegt. Es gibt einen Vorteil daran, das „kleine Bild“ zu betrachten: Alles wirkt konkreter, realistischer. Und es betont den edelsten Teil der Geschichte – den Kampf des einzelnen Soldaten, sei es ein Pionier, der im dunklen, wirbelnden Wasser kämpft, um ein Kabel zu befestigen, ein Funker, der im Schnee nach einem defekten Kabel sucht, oder ein Schütze, der schultertief im Fluss watet, sich durch unbekannte Minenfelder kämpft und mit letzter Verzweiflung tötet, die im Kriegshoch kommt. Ihnen gebührt die Anerkennung.

Ihre Geschichte wird treffend von Howard K. Smith, CBS-Korrespondent, erzählt, der in jenen angespannten ersten Stunden der großen alliierten Offensive dabei war, die den Beginn vom Ende Deutschlands markierte. Sein Tagebuch notiert natürlich die großen Momente und die Opfer weniger Einzelner, die für unseren Sieg verantwortlich waren. Aber es ist ein Tribut an alle.

Die Regimente 405, 406 und 407 gehörten zur 102. Infantrie Division „Ozark“ der 9. Amerikanischen Armee. Ein Regiment mit etwa 3.000 Soldaten besteht aus drei Bataillonen. 

Kirche unter Artilleriebeschuss

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| Hl. Georg sollte als erfahrener Kriegsmann die Kirche schützen |

Am Donnerstag, dem 22. Februar 1945, wird die Kirche am Vortag der Operation Grenade – der Überquerung der Rur – durch Artilleriebeschuss bis auf die Umfassungsmauern zerstört.

Durch ein Aufkären des Wetters konnten strategische Ziele erstmals wieder auf der Ostseite der Rur bombardiert werden. Dabei sollten die geplanten Brückenköpfe bei Linnich und Rurdorf vorbereitet werden, die bis zur Höhe Gevenich und Boslar gehen sollten. Obwohl die Amerikanische Artillerie darauf achtete, nicht mehr als üblich zu feuern, um die Deutsche Wehrmacht keinen Hinweis auf die bevorstehende Operation zu geben, fiel die Hottorfer Kirche diesem Beschuss zum Opfer.

Pfarrer Reiners berichtet um Verkündigungsbuch:

Wir alle vertrauten auf den Schutz des Hl. Georg, der uns als erfahrener Kriegsmann die Kirche schützen sollte, so tat es bloß bis zum Donnerstag, dem 22. Febr. 1945, ab 3 Uhr bis halb 6 nachmittags schossen die Flakgeschütze von Floßdorf aus, mir …., Spenrath und Augenzeugen berichten, die Kirche zusammen. Am 23.2.ging die letzte Offensive der Alliierten los, die hier bei Linnich den Übergang über die Rur genommen mit Infanterie rechts u. standen bei Körrenzig.

Die bis in der Nacht zum 23. Februar gehenden Vorbereitungen zur Operation Grenade werden wie folgt beschrieben, übersetzt aus With the 102d Infantry Division trough Germany, siehe Bücher mit Bezug zu Hottorf:

Nach der Monatsmitte besserte sich das Wetter deutlich. Der Regen hörte auf, und der Himmel klarte auf – eine Entwicklung, die nicht nur die rückwärtigen Gebiete und Nachschublinien des Feindes wieder Angriffen aus der Luft aussetzte, sondern auch seine Aktivitäten auf der gegenüberliegenden Seite des Rurtals wieder für Beobachter am Boden sichtbar machte. Die Hochwasserlage begann sich zu entspannen, und der Fluss fiel täglich um etwa einen Zoll, obwohl die Strömung gefährlich stark blieb – zwischen sechs und zwölf Meilen pro Stunde. Schließlich kam es am 22. Februar zu einem plötzlichen Rückgang des Wasserstands um drei Zoll. Alles deutete darauf hin, dass die Flut weitaus schneller zurückging als erwartet.

Der D‑Day war nun auf den 23. Februar festgelegt worden, mit der H‑Stunde um 03:30. In Vorbereitung des neuen Angriffs rückten die Sturmtruppen erneut an die Flusslinie vor. So verließen am 22. Februar das 1. und 2. Bataillon des 405th Infantry Baesweiler und erreichten Ederen, Welz und Freialdenhoven. Während der Nacht vom 22. auf 23. Februar bewegten sich das 1. und 2. Bataillon des 407th Infantry von Gereonsweiler nach Linnich. Das Divisionshauptquartier wurde gemeinsam mit dem 407th Infantry in einem Schulgebäude in Linnich eingerichtet – mit Blick auf den reißenden Fluss. Die Vorbereitungen näherten sich rasch ihrem Abschluss.

Man konnte die Spannung spüren, als die Dunkelheit über das Rurtal fiel. Das Material für den Übergang musste die steile Böschung gegenüber Rurdorf hinunter getragen werden, und Tausende Männer befanden sich in Reichweite jeder verfügbaren deutschen Waffe. Alles konnte geschehen – und wahrscheinlich würde es das auch. Man hoffte still auf das Beste.

Am frühen Abend herrschte Stille; nur gelegentlich durchbrach eine bernsteinfarbene Leuchtrakete die Ruhe der Nacht. Am nächsten Tag, dem 23. Februar, nur wenige Stunden entfernt, sollte der große Angriff beginnen. Es war der Anfang vom Ende, und viele schöpften daraus Zuversicht. Alle glaubten an den kommenden Erfolg. Der Feind feuerte sporadisch Granaten, Mörser‑ und Maschinengewehrsalven. In den verdunkelten Straßen von Linnich und Rurdorf bewegten sich Männer lautlos wie Schatten, sprangen hastig in Türöffnungen, wenn eine Granate über sie hinwegzischte oder Kugeln Ziegelstaub in die Straßen schleuderten. Hin und wieder trat ein Einzelner aus einem Unterstand, getrieben von Neugier und Hoffnung, etwas zu sehen, das ihn beruhigen mochte. Für viele war es der erste Fronteinsatz – ihre Vorstellungskraft quälte ihre Herzen. Mehrere Volltreffer in das Divisionshauptquartier erinnerten auch die Kriegskorrespondenten daran, dass der Krieg keine Gnade kannte und der Tod in der Luft lauerte.

„Rogers’ Night Raiders“ – die furchtlose Gruppe von Offizieren und Soldaten, die sich längst im Nahkampf mit dem Feind bewährt hatte – schwärzten ruhig ihre Gesichter und überprüften ihre Waffen. Sie würden als Erste über den Fluss gehen und den Gegner vom jenseitigen Ufer vertreiben, damit die Boote nicht unter direktes Infanteriefeuer gerieten.

Das Fernmeldepersonal, von dem so vieles abhing, arbeitete still an der Aufrechterhaltung der Verbindungen, im Wissen, dass sie ständig in Gefahr waren, aber weitermachen mussten. Die Geschützbedienungen überprüften die Zünder, legten die Granaten bereit, um sie so schnell wie möglich in die Rohre zu laden. Sie würden die ersten Schüsse der bevorstehenden Schlacht abfeuern.

Einige versuchten zu schlafen, doch Ruhe war ihnen nicht vergönnt – sie wälzten sich auf schmutzigen Böden, wo immer es einigermaßen Schutz gab. Sie hörten das Gurgeln des Flusses, den sie bald überqueren sollten – eine mahnende Erinnerung daran, dass der morgige Tag der D‑Day sein würde.

Die Vorbereitungen für die Schlacht an der Rur waren abgeschlossen – ihre Durchführung stand unmittelbar bevor. Wir waren bereit.

Stauseen an der Rur werden abgelassen

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| Amerikaner müssen Überquerung der Rur mehrfach verschieben |

Nachdem Aachen schon im Oktober 1944 durch die Amerikanische Armee befreit wurde und dort schon im Dezember die Aachener Nachrichten als erste freie Zeitung erscheinen, dauert der Vormarsch bis nach Hottorf noch weitere vier Monate – bis in den Februar 1945. Zum großern Hindernis wurde die Überquerung der Rur.

Noch im April 2022 erschien dazu ein Artikel in der Welt:  „Wie ein kleiner Fluss den US-Vormarsch zum Ruhrgebiet stoppte“. Die Planung und Durchführung der sogenannten Operation Grenade zur Rurquerung ist auch in Amerikanischen Kriegsberichten ausführlich dokumentiert.

Nachfolgend befinden sich Textausschnitte aus verschiedenen Quellen in Bezug zur späteren Querung der Rur bei Linnich und bei Rurdorf.  

Eigentlich ist die Rur in der Eifel ein eher kleiner, beschaulicher Fluss. Selten ist er breiter als 25 Meter; an der Mündung in die Maas fließen pro Sekunde etwa 26 Kubikmeter Wasser durch die Rur.

Im Februar 1945 war das allerdings anders. Auf dem oft abschüssigen Ostufer der Rur und dahinter hatten sich deutsche Truppen in einem gut befestigten Stellungssystem eingegraben und in Erwartung des Angriffs der 9. US-Armee am 8. Februar die Tore von Urfttal- und Rurtalsperre südlich von Düren geöffnet. Rund 100 Millionen Kubikmeter machten die Rur zu einem reißendem Hindernis. Natürlich waren alle Brücken gesprengt.

Operation Grenade war der Name einer Operation der 9. US-Armee an der Westfront des Zweiten Weltkrieges vom 22. Februar bis 11. März 1945, in deren Verlauf die amerikanischen Truppen erfolgreich die Rur überquerten.

Ursprünglich sollte die Operation Grenade zeitnah zur Operation Veritable beginnen (8. Februar), was aber wegen der Öffnung zweier Talsperren in der Eifel (Rurtalsperre und Urfttalsperre) durch die Wehrmacht undurchführbar wurde: Diese sprengte am 10. Februar 1945 die Verschlüsse des Kermeterstollens am Kraftwerk Heimbach, woraufhin die Urfttalsperre bis zum Niveau des Kermeterstollens leer lief, und auch die Verschlüsse der Grundablassstollen der Staumauer Schwammenauel (Rursee). Beides zusammen erzeugte flussabwärts ein Hochwasser, das die Flussaue verschlammte und die Rur an Stellen mit hohem Ufer zu einem reißenden Fluss machte.

Normalerweise ist die Rur ein ruhiges Flüsschen, das an vielen Stellen etwa 30 Meter breit ist. Die Planer vermuteten, dass das Tauwetter und die Zerstörung von Rurstaudämmen sie in einen bis zu zwei Kilometer breiten See verwandeln würden. Auch nach dem Rückgang des Hochwassers würde das Gelände so morastig sein, dass Fahrzeuge nicht außerhalb fester Wege manövrieren könnten. 

aus: Wikipedia

Alle Vorbereitungen waren abgeschlossen in Erwartung eines DDay am 10. Februar, als am Vorabend des Angriffs die Deutschen die Ablassventile der Rurtalsperren zerstörten. Etwa zwölf Tage sollte es dauern, bis das Wasser in den Stauseen abgeflossen war.

Oberhalb von Düren, wo die Flussufer relativ hoch sind, bestand die schlimmste Auswirkung der Flut darin, dass sich die Strömung stark beschleunigte, stellenweise auf mehr als 15 Kilometer pro Stunde. Unterhalb dagegen, entlang des größten Teils ihres Laufs, trat die Rur über die Ufer und überflutete die Talebene. Nördlich von Linnich, wo der Fluss normalerweise 25 bis 30 Meter breit ist, dehnte er sich zu einem bis zu zwei km breiten See aus. Häufiger traten Überflutungen mit einer Breite bis 400 Meter auf. Der Boden zu beiden Seiten des überfluteten Flussbetts war weich und schwammig. Während die Pioniere über den langsam zurückgehenden Wasserstand wachten, wurde die Operation GRENADE mehrfach verschoben.

Luftaufnahme der Rur bei Linnich, oben links Gut Breitenbend
Luftaufnahme der Rur bei Linnich, oben links Gut Breitenbend

Auf Anraten der Pioniere setzte General Simpson schließlich den DDay auf den 23. Februar fest – einen Tag, bevor die Stauseen vermutlich vollständig entleert sein würden. Obwohl der Fluss noch immer Hochwasser führte, war der Pegel inzwischen bis zu 40 cm unter den Höchststand gesunken, und an nur wenigen Stellen überstieg die Strömung 10 km pro Stunde. Indem General Simpson den frühestmöglichen Zeitpunkt nutzte, an dem eine Überquerung mit vertretbarer Erfolgsaussicht möglich schien, statt auf normale Bedingungen zu warten, hoffte er, ein gewisses Maß an Überraschung zu erreichen.

Das weitere Vorrücken der Amerikanischen Armee von der Überquerung der Rur bei Rurdorf bis zur Befreiung von Hottorf ist in folgenden Beiträgen weiter beschrieben:

Messgewänder auf der Flucht

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| Nun war unsere Kirche kein Gotteshaus mehr|

Pfarre Reiners berichtet im Verkündigungsbuch von der Räumung der Kirche:

Sonntag 19.11.1944- 25. Sonntag im Jahreskreis:
7:00 Uhr Abenmesse. sonst alles wie gewöhnlich. 6:00 Uhr Beichtgelegenheit.
….
Die Verwandten wollten nicht länger warten. Sie rückten am Mittwoch, dem 22.11.1944, mit den meisten Hottorfern ab. Die Messe für die Soldaten fiel aus. Stattdessen hielt ich eine für Schiffer. Am Donnertag packte ich mit Maria Mülfarth (Anmerkung: spätere Maria Krafft) alle Paramente in der Kirche zusammen und übergab sie verschiedenen Leuten (Schmitz P., Althoff), die sie in Holzweiler bei Porz, wohin Mühlfahrts tags vorher abgerückt waren, abluden. Mit einem Heuwagen von Berger voller kirchlichen Sachen fuhr auch ich abends aus dem Ort. Nachmittags habe ich noch das Allerheiligste sumiert. Nun war unsere Kirche kein Gotteshaus mehr. Tags darauf kam ich unter Granatbeschuss nochmals wieder und trug alles aus meinem Hause in den Keller. Die ….… u. das Reliquiar des Hl. Georg nahm Joh. Esser mit nach Hemmerden, wo es eingemauert wurde. Die … Monstranz versorgte Nik. Deuser. Die Kelche nahmen Froitzheim und Jansen mit. Ich selbst …. vor Pastor Schmitt, der schon Wochen nach Arensberg weg war. Mühlfahrt behielten die Paramente zum Teil. Ein anderer kam zu meinem Bruder, der in Otzenrath evakuiert war. Der Rest nach Kleinenbroich, wohin meine Schwester ging. Ich selbst ging nach Hoge an der Weser am 21. Dez. dort blieb ich bis Ende August.

Am 18. Dez. war ich zum letzten Mal 3 Tage hier in Hottorf.

Quelle: Pfarrachiv „Publicanda Hottorf 1939-1954“

Weitere Zitate aus dem Verkündigungsbuch befinden sich in folgenden Beiträgen:

Aufruf zur Evakuierung

Logo Hottorf ohne Schrift

| Hottorf pickepacke voll mit Soldaten |

Immer mehr Einwohner fliehen aus Hottorf.
Nach dem ersten Granatbeschuss des Dorfes am 14. Oktober sind nun alle zum Verlassen der Dorfes aufgefordert. Während die ersten Familien sofort am 15. Oktober aufbrechen, treten die letzten Ende Ende November die Flucht an (siehe Beitrag: Messgewänder auf der Flucht) . 

Schon seit Sommer 1944  hatte das Militär das alleinige Sagen in Hottorf. Unter anderem wurden mehr als 10 Feldküchen für die Versorgung der Front im Dorf betrieben. 

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners: 

Eine Änderung kam am Samstag, den 14. Oktober, als Artilleriebeschuss die Straße Gevenich-Hottorf-Müntzerweg abtastete. Tags vorher waren fünf Salven auf die Bunkerlinie der Gevenicher Straße abgegeben worden. Von da an kamen viele Nächte Artillerieschüsse über Hottorf zum Teil bis Titz. Ängstliche, fast die Hälfte Hottorfs schlief von da ab im Keller. In dieser Zeit war fast andauernd Fliegeralarm, da fast immer feindliche Flieger kreisten. Manchmal wurde der Gottesdienst viel später begonnen oder nachmittags nachgehalten.

Ab 15. Oktober brauchte man sich wegen der Frontnähe nicht mehr um Alarm zu kümmern. Seit dieser Zeit war auch das Bürgermeisteramt Körrenzig nach Hottorf verlegt im Haus Schmitz Hausnr. 25 und die Amtskasse war bei Krauthausen Nr. 62

Von der Ortsgruppenleitung – die Zivilverwaltung hatte nichts mehr zu sagen; schon seit dem 20. Juli nicht mehr – wurde die Bevölkerung aufgefordert, freiwillig sich evakuieren zu lassen.

Mindestens 12-15 Küchen lagen in Hottorf, die die Front zum Teil bis Brachelen versorgten. Diese brachten auch die Toten mit, die sie nach Lövenich zum Ehrenfriedhof brachten, die Verwundeten kamen nach Müntz zum Hauptverbandsplatz im Kloster. Manchmal kamen auch gefangene Amerikaner die Heerbahn in Trupps zu 15-20, oft ohne Kopfbedeckung, gezogen, um nach Müntz zur Gendarmerie gebracht zu werden.

Allmählich war unser kleines Hottorf pickepacke voll mit Soldaten der Wehrmacht und der SS, von Schanzern, Ausländern, Flüchtlingen, Polizisten, politischen Leitern und Eingesessenen.

Erste Deutsche Einquartierung

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| Schanzer bestimmen das Ortsbild |

Ab dem September wurden in allen Häusern von Hottorf Soldaten einquartiert. Hinzu kamen dann etwa 500 Zivilisten zum „Schanzen“ also zum Graben von Panzergräben, Laufgräben und Deckungslöcher – mit Hand und Spaten. Flüchtlinge aus dem Bereich zwischen Aachen und Rur zogen durch den Ort und suchten nach Unterschlupf und Nahrung.

Ab Mitte September kamen Gerichtsbeamte aus Siegburg als die ersten Schanzer. Ihnen folgten Handwerker aus Köln. Mitte Oktober wurden Hitlerjungen aus Köln geschickt, die nach den Granateneinschlägen direkt wieder zurückgeholt wurden. Aus weiteren Gegenden kamen immer mehr Schanzer nach Hottorf, darunter NS-Liniengetreue oder auch Männer aus dem Elsass, russische Frauen und natürlich wurden auch die Hottorfer Männer zum Schanzen herangezogen.

Die Lehrin Garzweiler berichtet sehr ausführlich von den Schanzern, die in der Schule untergebracht waren (siehe Beitrag: Lehrerin Gatzweiler verlässt Hottorf nach Rückkehr aus Evakuierung). Weiter unten in diesem Beitrag beschreibt Pfarrer Reiner die Einquartierungen von Soldaten und  Schanzern  in seiner Chronik.

Die Amerikanische Armee erstellte detaillierte Karten über Minenfelder und Gräben (siehe unten). Um Hottorf herum werden im Herbst 1944 in Richtung Westen (Richtung Rur) allein drei Reihen von Panzergräben gezogen. Diese führten später zu Verlusten von amerikanischen Panzern, konnten den Vormarsch aber nicht ernsthaft aufhalten. 

Verteidigungsanlagen östlich der Rur. Die Bunker und Maschinengewehrstände gehörten zur sekundären Siegfriedlinie. Die meisten Gräben, Minenfelder und tausende Fuchslöcher (nicht im Skizzenplan dargestellt) wurden in den Wintermonaten angelegt und bildeten eine Verteidigung, die nur durch enge Artillerie-Infanterie-Koordination durchbrochen werden konnte.

Amerikanische Luftaufnahme von Hottorf am  18.11.1944 zeigt Panzergräben am unteren und rechten Bildrand.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners: 

Gegen Ende August brach die deutsche Front in Frankreich zusammen. Die Alliierten rückten zum Teil 70 Kilometer vor. Wir hier in Hottorf, die wir zum allergrößten Teil schon lange nicht mehr an einen deutschen Sieg glaubten, und aus religiösen Gründen die Nazis herzlich satt waren, erwarteten die Gegner als Befreier.

September 1944

  1. Anfang September verlas ich das Evangelium vom 14. Sonntag nach Pfingsten, worin es heißt: Sorget nicht ängstlich. Ich sprach dazu und dachte, am Dienstagabend haben wir es überstanden!
    Anfang September kam als erste deutsche Einquartierung eine Gruppe Sanitäter von Brüssel. 
  1. Am 4. September mussten als Deutschlands letztes Aufgebot schulentlassene Burschen nach Palenberg-Merkstein und in der Eifel (Reifferscheid) schanzen, um den Westwall noch mehr zu befestigen. Das Kommen der Feinde verzögerte sich.
    Ab 4. September mussten auch hier Panzergräben und Laufgräben und Deckungslöcher gegraben werden. Neue Einquartierung, und zwar in Wien aufgestellte Volksgrenadiere. Mittlerweile kam die Front näher. Bei Stolberg wurde hart gekämpft. Die Fenster in der Kirche zittern andauernd. Flakbatterien kamen. Leider hielt der Westwall stand. Wären die Gegner doch nur sofort durchgestoßen, uns wäre viel Leid erspart geblieben. Schon Ende August hatten alle Leute sich Sachen in der Erde vergraben.
    Am 4. September wurden plötzlich alle Ausländer weggeholt und Richtung Köln in Bewegung gesetzt. Am folgenden Tag kamen sie wieder. Auch aus den Grenzgebieten kamen sie in großen Zügen an, zogen über die Heerbahn zum Rhein hin. Am 4. September kam die Front zum Stehen und diese Ausländer zurück. Allmählich kamen dieselbe Straße mehr und mehr Flüchtlinge. Als auswärtige Schanzer waren Mitte September Siegburger und Troisdorfer hier, sehr anständige und meist gebildete Herren.

  1. Am 17. September war ein außerordentlicher Geburtstag unter Kanonendonner und Tieffliegerschießen. 
    Mitte September ging Pastor Schmidt nach Arensberg. Kein Mensch arbeitete noch auf dem Feld. Aber wie sich alles so hinzog, fing man doch allmählich wieder an, zuerst mit dem notwendigsten, dann mit der Saatbestellung. Viele Tiefflieger kreisten, aber einzelnen Personen taten sie nichts. Viele Bomben fielen tagtäglich auf Bahnstrecken und Landstraßen. Immer mehr füllte sich das Dorf mit Flüchtlingen aus den Grenzdörfern, so dass fast mehr Flüchtlinge als Hottorfer hier waren. Dazu kamen etwa 200 Soldaten.
    Die Messen wurden werktags immer mehr besucht, der Kommunionempfang stieg immer mehr.
    Um den 15. September erschien Rektor Schroeder von Palenberg, der bis zum 19. November hier blieb. Er hoffte von Tag zu Tag zurückkehren zu können. Am Anfang ist er noch zwei bis drei Mal dahin zurückgefahren. Einmal hat er mehrere Stunden dort wegen Beschuss in der Kirche gesessen. Ganz langsam kam die Front näher.
    Seit Anfang September hatten wir jeden Abend Andacht, manchmal mit Segen, manchmal bloß Rosenkranz. Mehrere Male hatten wir feierliche Hochämter.
    Ab 17. September hielt ich sonntags Abends 7 Uhr eine dritte heilige Messe, in der zuletzt nur Soldaten dienten. Es fiel direkt auf, wie andächtig die Soldaten zuhörten. Ein Soldat spielte anstatt des immer mehr erblindenden Anton Lieven die Orgel, ab und zu auch Rektor Schroeder. Sehr oft hat er Beichtgelegenheit gegeben. Im Oktober hatten wir jeden Abend Rosenkranzandacht.

  1. Ende September bekam ich von Prummern Familie Pelzer als Einquartierung. Sechs Mann, dazu tagsüber vier der Familie Helden. Sie schliefen, wie die meisten in Hottorf auf Betten auf der Erde. Als Fliegergeschädigte hatte ich die halbtaube Lina Langohr aus Aachen schon seit Mai bei mir. Im Oktober kam Frau Tillmanns von Lieck, die Schwiegermutter meiner Schwester, noch dazu. Endlich noch aus Eschweiler Tante und Onkel aus Übach, Wilhelm Cremer mit Frau. Einquartierung hatte ich dadurch keine mehr. Nur die Leiterin der Nähstube der Kölner Westwallarbeiter musste bei uns schlafen.

Oktober 1944

  • Ende September bis Mitte Oktober hatte sich das Leben in Hottorf stabilisiert. Militär und Zivil und Flüchtlinge hatten sich aneinander gewöhnt. Alle Feld- und Hausarbeiten wurden wieder verrichtet.
    Wenn nicht die Flüchtlinge täglich gekommen wären, bzw. vorbeigezogen wären, die Flieger nicht gewesen und das Grollen der Front, man hätte sich daran gewöhnen können. Alle männlichen Einwohner Hottorfs – nur nicht Melker – mussten im September und Oktober Schanzarbeiten verrichten. Einmal wurde je ein Spaten aus jeder Familie requiriert. Viele verstanden es aber, sich zu drücken. Die Bauern mussten viele Sonntage Kriegsmaterial mit ihrer Karre fahren. Von den Grenzdörfern wurde viel Vieh – 20.000 Stück Herdbuchvieh – hier durchgetrieben. – Frontbedarf.
    Maul- und Klauenseuche brach aus. Um diese Zeit musste an einem Sonntag jede vierte Kuh aus Hottorf nach Linnich getrieben werden. Auch einige Pferde mussten ans Militär abgeliefert werden. Im Übrigen hatten wir hier sehr fettige Monate, da viel geschlachtete wurde.
  1. Eine Änderung kam am Samstag, den 14. Oktober, als Artilleriebeschuss die Straße Gevenich-Hottorf-Müntzerweg abtastete. Drei Hitlerjungen wurden verletzt, zwei sollen davon gestorben sein und ein Soldat blieb tot. Dazu zwei Pferde von Vaehsen am Müntzerweg, eine Kuh von Frau Esser, ein Fohlen von Gerwin Schmitz, Deuser Nikolaus Scheune brannte, Josef Lievens Haus (Hausnr. 9 – direkt gegegenüber der Kirche) wurde getroffen, Esser Hausnr. 3 Hof, bei At. Mütz (Hausnr. 41) wurde ……..getroffen und bei Schmitz Wilhelm (Hausnr. 48) die Scheune. Ich kam gerade von Grefrath oder Kleinenbroich zurück, wohin ich persönlich Sachen gebracht hatte, daraufhin ließen sich evakuieren die Milchverkäuferin Frau Gertrud Schiffer (Hausnr. 23), Ana Schiffer (Hausnr. 26), Familie Wilhelm Schmitz (Hausnr. 98), Peter Schiffer, August Brack.
    Nachzutragen wäre, dass drei Tage vorher Hitlerjugend aus dem Siegkreis von Tetz nach hier verlegt wurde, die infolge des Beschusses querfeldein abrückte. Tags vorher waren fünf Salven auf die Bunkerlinie der Gevenicher Straße ab-gegeben worden. Von da an kamen viele Nächte Artillerieschüsse über Hottorf zum Teil bis Titz. Ängstliche, fast die Hälfte Hottorfs schlief von da ab im Keller. In dieser Zeit war fast andauernd Fliegeralarm, da fast immer feindliche Flieger kreisten. Manchmal wurde der Gottesdienst viel später begonnen oder nachmittags nachgehalten.

  1. Ab 15. Oktober brauchte man sich wegen der Frontnähe nicht mehr um Alarm zu kümmern. Seit dieser Zeit war auch das Bürgermeisteramt Körrenzig nach Hottorf verlegt im Haus Schmitz Hausnr. 25 und die Amtskasse war bei Krau-thausen Nr. 62. Als Ersatz für die Hitlerjugend kamen ca. 500 Kölner, die in Massenquartieren in der Schule, im Saal von Mütz und Scheunen lagen. Als Führung hatten sie politische Leiter. Ein Schanzer schrieb später nochmals, ein Oberzollinspektor Peter Mai.
    Der Brief aus Dezember 1945 befindet sich im Beitrag „Geflüchtete kehren zurück„.
    Diese politischen Leiter wurden später, Anfang November abgelöst, weil sie Unterschlagungen an Esswaren für die eigenen Leute begangen hatten. Damals begann man die Flüchtlinge langsam herauszudrücken. Nur vereinzelte gingen. Von der Ortsgruppenleitung – die Zivilverwaltung hatte nichts mehr zu sagen; schon seit dem 20. Juli nicht mehr – wurde die Bevölkerung aufgefordert, freiwillig sich evakuieren zu lassen. Seit Anfang Oktober waren alle männlichen Personen von 16 – 55 Jahren im Volkssturm zusammengefasst. Zum Schanzen wurden alle Männer bis 65 Jahre erfasst. Der Volkssturm baute am Sonntagmorgen Panzersperren.
    Das Christkönigsfest feierten wir noch in gewohnter Weise. Für alle Kinder begann der Erstbeichtunterricht in der Vikarie.

November 1944

  1. Allerheiligen störten Tiefflieger, die Bomben einen Kilometer entfernt bei den Bunkern zwischen Gevenich warfen, den meisten Leuten des Zuhörens bei der Predigt. Wir zogen kurz noch auf die Gräber.

  1. Am 7. November beerdigten wir Theodor Koch aus Ederen. Der Pastor Plum aus Ederen erschien persönlich aus Mersch. Die Front war damals bei Lindern-Gereonsweiler-Ederen-Bourheim

    Für die abgerückten Kölner Schanzern kamen Ausländer, Frauen und Männer mit Berliner politischen Leitern, um Ordnung zu schaffen, „extra von Dr. Goebbels geschickt!“ 

Als Beispiel, wie sich Partei und Wehrmacht oft gegeneinander stellten, diene folgendes: Ein SS-Feldwebel, der die Ortskommandatur vertrat, – Ortskommandant war ein Oberleutnant, der bei von Meer in Quartier, seit dem die Artillerie Anfang September nach hier kam, ging die Häuser nach, um Massenquartiere zu schaffen. Er geriet im Haus des P. Bergrath, wo der Führer Pelzer der Fünfhundertschaft Schanzarbeiter in Quartier war, mit diesem Pelzer aneinander. Pelzer lag im Bett, es war halb zwölf nachts. Da wollte dieser SS-Wachtmeister die Räume des ganzen Hauses beschlagnahmen. Der Hauseigentümer machte darauf aufmerksam, dass alle Räume von der Fünfhundertschaft in Beschlag genommen seien. Der SS-Kerl wollte ins Zimmer des Pelzer, das abgeschlossen war. Nach wiederholter Aufforderung, das Zimmer zu öffnen, bekam er von Pelzer die Antwort, die Zimmer seien von ihm belegt. Der SS-Kerl trat darauf mit dem Stiefel die Tür ein. Pelzer sprang aus dem Bett und griff zu seinem Dienstrevolver. Ebenso zückte der SS-Feldwebel den Revolver. So standen sie gegeneinander. Bergrath trat vermittelnd dazwischen und bat, nicht zu schießen. Sie ließen die Waffen sinken und Pelzer fragte den SS-Kerl nach seinem Namen und Truppenteil. Erst nach zweimaligem  Fragen und nachdem Pelzer gesagt hatte: Er kenne doch die Bestimmungen, wer die Oberhand habe, gab der Feldwebel Namen und Truppenteil an. Da verzog er sich und keine Einquartierung kam.

Daraus ist klar zu ersehen, „dass die Partei den Krieg führte“. So hatte das  ja schon am 4. September der Amtsbürgermeister PG Reiner Pickartz  auf der Körrenziger Rurbrücke gesagt. Und „es wird nicht mehr gesäet. Schanzen geht vor. Wir haben zu bestimmen.“

Erste Brandbomben erreichen Hottorf

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| Fliegeralarm und Brandbomben |

Die Nacht vom 30. zum 31. August 1943 wird für viele unvergeßlich bleiben. Gegen 12 Uhr nachts wurde Fliegeralarm gegeben, trotzdem keine feindlichen Flugzeuge zu hören waren. Plötzlich gegen halb drei Uhr kamen mehrere hundert Flugzeuge von einem Großangriff auf Rheydt und Mönchengladbach zurück. (Die Feindflüge zum Ruhrgebiet und in den Raum Mönchengladbach berührten fast immer die nördliche  Kreisgrenze.)
Einige wahllos abgeworfene Brandbomben zwischen Hottorf und Ralshoven setzten zwei Fruchtmieten in Brand. Jetzt warfen die feindlichen Bomberpiloten größere Mengen Brandbomben ab und trafen als erstes das Gehöft der Familie Nöthlings. Da die Piloten wahrscheinlich die Kirche als mitten im Dorf gelegen ansahen, regnete es nur so von Bomben am südlichen Teil des Dorfes. Daraufhin entstanden Großbrände bei Gerwin Schmitz, Albert Froitzheim und Witwe Esser. Die Scheunen und Stallungen
brannten restlos nieder. Andere Brandbomben konnten von den Anwohnern zeitig gelöscht werden, womit größerer Schaden abgewendet wurde.

Quelle: Schiffer

Am 30./31. August 1943 fand ein schwerer Großangriff mit 660 Flugzeugen und 556 Toten sowie massiver Zerstörung von Mönchengladbach und Rheydt statt. RAF Bomber Kommandos starteten gegen Mitternacht aus Mittel- und Südengland; Angriffswellen ab 02:00 Uhr, Dauer 73 Minuten bis 04:40 Uhr. Siehe: rp-online

Erste Einberufungsbescheide zugestellt

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| Zehn Männer einberufen |

Schon ziemlich früh wurde die Hottorfer Bevölkerung mit dem Krieg in Verbindung gebracht. Im August 1940 forderte die deutsche Wehrmacht mehrmals Pferde von den Bauern zu Hottorf, und in der Nacht vom 25. zum 26. August brachte die Polizei morgens gegen 2 Uhr zehn Männern den Einberufungsbescheid.

Am 27. August wurden die ersten Lebensmittelkarten ausgegeben und wieder wurden mehr als 30 Pferde von der Wehrmacht eingezogen.

Nach und nach wurden viele Leute zum Kriegsdienst eingezogen und die Opfer, die von der Bevölkerung verlangt wurden, wurden immer größer.

Quelle: Schiffer

Der 2. Weltkrieg bricht aus

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| Überfall auf Polen |

Als Zweiter Weltkrieg (1. September 19392. September 1945) wird der zweite global geführte Krieg sämtlicher Großmächte im 20. Jahrhundert bezeichnet. Über 60 Staaten waren direkt oder indirekt beteiligt, mehr als 110 Millionen Menschen trugen Waffen. Schätzungen zufolge wurden über 65 Millionen Menschen getötet.

In Europa begann der Zweite Weltkrieg am 1. September 1939 mit dem von Adolf Hitler befohlenen Überfall auf Polen. In Ostasien befand sich das Kaiserreich Großjapan unter Kaiser Hirohito bereits seit Juli 1937 im Zweiten Japanisch-Chinesischen Krieg mit der Republik China und ab Mitte 1938 in einem Grenzkrieg mit der Sowjetunion. Der japanische Angriff auf Pearl Harbor Anfang Dezember 1941 eröffnete den Pazifikkrieg. Japan erklärte am selben Tag den Vereinigten Staaten und Großbritannien den Krieg. Kriegserklärungen Deutschlands und Italiens an die USA folgten kurz darauf.

aus: Wikipedia

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