Kofferen

Abstimmung über Schulform

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| Eltern stimmen ab |

Im März 1946 stimmen Eltern über die künftige Schulform ab. Neben der konfessionellen katholischen Schule, für die die Hottorfer sich entscheiden, steht noch die „Einheitsschule“ zur Wahl.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Abstimmung zur katholischen Schule: 

März 1946

  1. Am Tag der heiligen Gertrud musste ich das Hirtenschreiben ………. Einwilligung der konfessionellen Schule auf Wunsch der abstimmenden Eltern verlesen.
    Das Abstimmungsformular ist sehr kompliziert. St. Bürokratius hat Pate gestanden. Fast könnte es erscheinen, als ob die Tatsache, dass, wenn keine Eltern für diese Schule abstimmen, die Sammelschule kommt, eine Bevorzugung der Sozialisten bedeutet, die ja die „Einheitsschule“ wünschen. Die alten Mätzchen werden wieder aufgewärmt: Es gibt kein mathematisches Rechnen, keinen katholischen Fußball usw. . Es gibt aber wohl einen Katholiken, der rechnet und Fußball spielt. Aber solche Antworten weiß das verblüffte Volk oft nicht zu geben.
    Es ist wohl kein Zweifel, dass sich Hottorf zu einhundert Prozent für die konfessionelle katholische Schule entscheidet.
    Schroeder in Palenberg hat nicht die Hoffnung, dass bei ihm die Mehrheit dafür ist. In den Städten werden wir wohl Inseln minderer Religiösität erhalten. Religionsunterricht soll auch noch in den Sammelschulen sein. Auch die Evangelischen setzten sich für die religiöse Schule ein. Interessant der Brief des Amtsbruders „der anderen Fakultät“ des Pfarrer Fehsenfeld von Marklohe dazu. Im Herbst war er noch dagegen, auch die niedersächsische Splitterpartei wird sich dafür einsetzen, wie Pfarrer Stegemann von Magelsen schrieb.
  1. Zum letzten Teil des Hirtenbriefes sprach ich ernste Worte zur Not der Zeit. Nach dem Hochamt verteilte Lehrer Schulte die Abstimmungsformulare, deren Kopf er ausfüllte. Viele füllten ihn sofort aus.
    Auf dem …  in Rödingen hieß es, dass die Militärregierung an den Bischof herangetreten sei, die Schulabstimmung bis nach den Wahlen zu verschieben. Er lehnte in fünf Sätzen dieses Entgegenkommen gegen Sozialisten und Kommunisten ab, denen es natürlich hier unangenehm ist, gegen die konfessionellen Schulen Stellung nehmen zu müssen.
    Mehr als die Hälfte aller abgegebenen Stimmen sind ungültig, weil die Unterschrift in Blockschrift geleistet worden war.
  1. Eine Kalamität ist das mit den Schulabstimmungsformularen bzgl. Blockschrift der Adresse des Abstimmenden und Zeugen und der Unterschrift dieser Leute. Man staunt auch sonst bei der Durchsicht der Zettel über die Dummheit und die Unbeholfenheit der Leute. Noch drei Familien sind im Rückstand mit der Willenserklärung. Wenn die Behörde kleinlich ist, kommen nicht die vom Bischof erwarteten 90-94 Prozent heraus, besonders, wo die Sozis und Kozis so Gegenpropaganda machen.

    Immer mehr Kofferer Kinder kommen nach hier zum Unterricht. Jetzt vielleicht schon 25.
    In Kofferen und Boslar ist bisher noch immer kein Schulunterricht. Also fast zwei Jahre lernten die Kinder nichts.
  1. Einstimmig stimmten die Eltern für die katholische Schule.

Mergelgruben im Feld

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| Geschichten ranken sich um die Gruben im Feld |

In den Rur-Blumen erscheint im Sommer 1939 (Jahrgang 18) eine Artikelserie zur Geschichte der Gruben zwischen Hottorf und Lövenich.

Auf den Aufruf an die Leser in der 24. Ausgabe erfolgt eine ausfühliche Stellungnahme von Josef Lützenrath vom Damianshof. In der Ausgabe 26.  Das Thema der „Mergelgruben bei Hottorf und anderswo“ führt dann zu einem weiteren Artikel in der Ausgabe 31 (siehe weiter unten).

Die Gruben sind heute zugeschüttet und nicht mehr erkennbar.  Anderenorts im Rheinland wie zum Bespiel in Pulheim sind zumindestens Hinweise darauf erhalten (siehe Foto). 

Aktuelle Luftaufnahmen von Feldern nördlich von Hottorf zeigen kreisförmige Gebilde, die durchaus auf die alten Mergelgruben hinweisen könnten.

Kreisförmige Gebilde, nördlich von Hottorf, Quelle Google Maps

Es befindet sich auch im Heimatbuch von [SchifDav] eine Kartierung der Mergelgruben nördlich von Kofferen.

Woher stammen die Gruben im Hottorfer Feld?

Zwischen Hottorf und Lövenich finden sich im flachen Feld ungefähr 80 Gruben von etwa 30—35 Meter Durchmesser und 4—6 Meter Tiefe. Es sieht aus, als ob Riesen aus grauer Vorzeit hier ein lustiges Kugelstoßen veranstaltet hätten. Früher waren die Löcher bestimmt tiefer, die Feldarbeit hat sie chon etwas eingeebnet; sicherlich sind sie künstlichen Ursprungs. Bis in die 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts wuchs in dieser Gegend noch Wald. Auch in den Gruben standen dicke Bäume, was auf ein hohes Alter der Gruben schließen läßt. Diese eigenartigen Gruben finden sich nur in diesem Teil der Hottorfer Gemarkung, an der anderen Seite des Dorfes sind sie nirgends zu finden.

Zu welcher Zeit und zu welchem Zweck hat man nun diese Löcher ausgefahren? Hierüber bestehen drei Ansichten:

Nach der ersten soll Cäsar, der bekanntlich bei seiner Eroberung Galliens auch einige Streifzüge durch unsere Gegend machte, diese Gruben ausgeworfen haben. Diese Ansicht ist wohl die unwahrscheinlichste. Die Gruben scheinen nämlich jüngeren Datums zu sein, denn ihre Böschungen sind noch ziemlich zäh abfallend. Andere meinen, die Gruben seien zur Zeit des 30-jährigen Krieges von der Bewohnern der umliegenden Dörfer angelegt worden. Hier in den Gruben im dichten Wald hätten die Bewohner vor den wilden Kriegshorden Schutz suchen wollen. Heute noch redet man von einem unterirdischen Gang, der vom Hottorfer Stift aus zu einer dieser Gruben geführt haben soll. Gegen diese Ansicht läßt sich der Einspruch erheben: „Warum so viele Gruben?“ Zwei bis drei hätten wohl genügt, die Bewohner von vier bis fünf Dörfern aufzunehmen. Am wahrscheinlichsten klingt die dritte Meinung, daß nämlich die Bauern früherer Jahrhunderte diese Gruben anlegten, um aus ihnen im Tagebau den Mergel zu gewinnen. An einigen soll noch eine langsam ansteigende Ausfahrt zu erkennen sein. (In späterer Zeit holten die Bauern den Mergel aus Schächten mit Querstollen, sogenannten Mergelspötzen, heute nimmt man statt Mergel Kalk.) Wenn die Gruben auf diese Art entstanden sind, kann man sich ihre große Zahl erklären, wenn man bedenkt, daß der Mergel jahrhundertelang auf diese Art gewonnen wurde. Unerklärlich bleibt dann nur, warum nicht auch in anderen Gemeinden solche gruben neben zu finden sind.

Wer von unseren Lesern weiß eine andere Erklärung dieser Gruben, oder wer kennt ähnliche in anderen Gemeinden?
Es wäre doch von Interesse, ein weiteres Vorkommen dieser Gruben in unserem Kreis und die Gründe zu ihrem Entstehen einmal festzustellen. Nähere Einzelheiten werden von den Rur-Blumen veröffentlicht.

aus: Rur-Blumen, Jg. 1939, Nr. 24

Auf diese Frage in Nr. 24 der Rur-Blumen erhalten wir folgende Antwort, welche wir nachfolgend im Wortlaut wiedergeben. Die Schriftleitung.

Woher stammen die Gruben im Hottorfer Feld? So lautete die Frage und mutmaßliche Antwort darauf in den
Rur-Blumen am 17. Juni 1030, zu deren Stellungnahme die Schriftleitung ihre Leser auffordert. Ich will diesem Wunsche nachkommen.

Die ersten beiden Ansichten bezgl. der geschilderten Gruben und ihrer Entstehung gehören samt und sonders in das Reich der Märchenwelt und einer kindlich überspannten Phantasie, und es verlohnt sich tatsächlich nicht, auf diesen Unsinn einzugehen und hierfür Druckschwärze und Papier zu vergeuden. Aber ebenso bestimmt und sicher trifft die 3. Ansicht zu, daß es sich nämlich um sog. Mergelgruben handelt, die von einem rührseligen Heimatforscher vielleicht bei Nacht und Nebel als etwas ganz Absonderliches entdeckt wurden. Aber dies ist ja eine eigene Angelegenheit, die jedem Tierchen sein Pläsierchen lassen soll.

Jeder ältere Bauer, der im letzten Haarwechsel steht, erinnert sich noch an die Zeit, wo man den Mergel seines hohen Gehalts an kohlensaurem Kalk wegen sehr schätzte und ihn deshalb an Ort und Stelle grub, wo er sich befand und verwendet werden sollte. Selbstverständlich ist dieses Naturprodukt anorganischer Bestandteile nicht in allen Gegenden so stark und so hochwertig abgelagert, daß sich der Abbau des Mergels auch lohnte. Je nach Beimischung mit Sand, Ton etc. unterscheidet man hoch- und minderwertigen Mergel. Den größten Kalkgehalt besitzt augenscheinlich der Mergel, worin man die sog. Mergelmännchen vorfindet. Es sind dies weiße längliche Kalkstückchen in der Form und Größe etwa eines Kokons (Puppe) der Seidenraupe. Und weil der Mergel ebensowenig wie auch Torf, Kohle, Erze, Sand, sich nicht überall vorfindet, deshalb schon treffen wir logischerweise auch nicht in allen Gemeinden und Landstrichen solche eingefallenen oder eingeebneten Mergelgruben an, wie das in Hottorf der Fall ist. Es braucht auch nicht jede frühere Schindsgrube oder alle Patschgrübe deshalb schon ein Römergrab zu sein, wenn auch von Kindskindern dort grobe Knochen und alte Tonscherben gefunden werden. Generell bezeichnet man einen Boden, wo sich Lehm und Mergel im Gemisch vorfindet, als Lößboden, der bekanntlich sehr fruchtbar ist. Der Lehm, als weniger kalkreich, ist von rotbrauner Farbe, während der Mergel kalthaltig und hellgelb ist. Die Schichtung von Lehm und Mergel ist sehr verschieden, und deshalb mußte sich die Gewinnung des letzteren auch der örtlichen Lagerung anpassen ähnlich wie bei Torf und Kohle, im Tagebau oder Schachtförderung. Landläufig spricht man von Mergelköpfen, wo im Laufe der Zeit der oberschichtige Lehm durch starke Niederschläge und Schneewasser abgewaschen wurde. Dort tritt vielfach der Mergel beim Pflügen schon zu Tage. An solchen Stellen vollzog sich natürlich der einfachste und billigste Abbau durch Abgraben und Abfahren des Mergels zu der nächsten Verwendungsstelle. Und hierbei entstanden dann die vorgefundenen Gruben von 30—10 Meter Durchmesser, die nunmehr, nach vielleicht einem Menschenalter, schon zu den bedenklichsten Phantastereien aus der Urzeit, zwar irrtümlich, Anlaß boten. Nun liegt aber nicht überall im Flachland der früher so begehrenswerte Mergel so flachgründig, sondern er liegt unter einer mehr oder weniger hohen Lehmschicht, oft 3, 4 und mehr Meter lief in der Erde. Hier war man zu Großvaters Zeil noch gezwungen Mergel „auszupötzen“, d. h. es musste erst ein Schacht senkrecht in die Erde getrieben werden, wie beim Brunnenbau oder beim „Sandgziehen“, ehe man auf den Mergel stieß. Bis in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurde im Winter, wenn die Maurer ihrem Beruf nicht mehr nachgehen konnten, im Akkord Mergel gepötzt ober gezogen. Einer füllt mit einem kurzstieligen Spaten im Pötz den Korb, während oben zwei Männer den anderen aufgepötzten Korb entleerten. Die benutze Seilwinde mußte schon recht stabil sein, weil so ein Korb Mergel recht schwer war. Um die Abraumarbeiten zu ersparen und die Ergiebigkeit an Mergel für einen größeren Bedarf voll auszunutzen, wurden sog. Querstollen seitlich in die Erde getrieben. Man konnte dies ohne Gefahr des Einstürzens, weil der Mergel bekanntlich stand, … (hier fehlt eine Zeile in der Kopie)
gepötzt als unlohnend oder voll ausgebeutet aufgegeben, dann wurden die Querstollen des Schachtes mit den zur Zeit der häufigen Waldrodungen reichlich vorhandenen Baumstämmen, auch mit Schanzen oder Abfallholz, abgeriegelt und der Einsteigeschacht mit dem abgeräumten Lehm und sonstigen verfügbaren Erdmassen wieder zugeschüttet. Im Laufe der Zeit verfaulte das verwendete Holz in der Erde, und das meist reichliche Winterwasser spülte die lockere, eingefüllte Erde in die offen gebliebenen Querstollen, sodaß sich in den früheren Schächten größere Hohlräume bildeten und bei stärkerem Druck auf die Oberfläche schließlich nachgaben und einstürzten. So bestand die Gefahr, daß nach Verlauf von Generationen, wenn niemand mehr an das Vorhandensein der Mergelpötze dachte, oder die betreffende Parzelle den Besitzer gewechselt hatte, plötzlich Pferde und Pflug in die Tiefe einsanken, die
dann mit Mühe und Not ausgegraben werden mußten oder auch schon mal zu Schaden kamen. Solche nicht wünschens-
werten Vorkommnisse sind aber nicht nur im Kreise Jülich, sondern auch auf der Gilbach seit Jahren bekannt geworden. So war Schreiber dieser Zeilen vor einigen Jähren Augenzeuge, wie beim Getreidemähen mit einem Traktor ein merkwürdiges Loch im Boden entstand, von der ungefähren Größe eines Pferdetrittes. Beim näheren Zustehen löste sich durch leichtes Nachstoßen mit dem Stock der Boden in einer Rundung von 1,5 Meter und polterte etwa 3 Meter in die unheimliche Tiefe. Hätte der Traktor mit dem Selbstbinder zum 2. Mal dieselbe Stelle passiert, so wäre ein unabsehbares Unglück geschehen. Solche Bodensenkungen sehen einem Granattrichter sehr ähnlich und müssen wiederholt zugefüllt werden, weil die alten seitlichen Querstollen nicht so leicht vollgestopft werden können und man dies am zweckmäßigsten mit Wasserspülung erreichen kann. Mit der Verwendung des gebrannten Stückkalkes und des neuzeitlichen, hochprozentigen Sackkalkes ist der Mergel jetzt ausgeschaltet worden, und mit dem Verschwinden und Vergessen der sagenhaften Mergelgruben gehört auch sehr bald diese letzte idyllische Romantik des Flachlandes der Vergessenheit an.

aus: Rur-Blumen, Jg. 1939, Nr. 26

offen: Digitalisierung und Widergabe des dritten Artikels “ Mergelgruben bei Hottorf und anderswo“ aus dem Archiv der Rur-Blumen

Gebiet der Bürgermeisterei Hottorf

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| Im Regierungsbezirk Aachen |

Aus Buch des Regierungsbezirks Aachen „Gebiets-Eintheilung und Verzeichniss der Kreise, Cantons, Bürgermeistereien, Pfarren, Gemeinen, Dörfer und Orte des Regierungs-Bezirks Aachen“ aus dem Jahr 1817  geht die Größe und Bedeutung der Bürgemeisterei Hottorf hervor. Hierzu gehörten die Orte: Bousslar, Breidenben, Erzelbach, Gevelsdorf, Hasselsweiler, Hompesch, Hottorf, Müntz, Raelshoven und  Tetz.

Der Aachener Lehrer, Johann Heinrich Kallenbach; veröffentlicht 1850 einen „Wegweiser für Lehrer, Reisende und Freunde der Heimathkunde“ (siehe auch Quellen), in dem er Hottorf als „reiche  Bürgemeisterei“ bezeichnet. Er beschreibt alle Orte des Regierungsbezirks Aachen mit Zugehörigkeit zu der jeweiligen Bürgemeisterei und beschreibt Entfernungsangaben in „Stunden“, vermutlich zu Fuss.

Daraus sind die folgenden Zitate entnommen:

  • Der Meer- oder Malfinbach, welcher zwischen Titz und Spiel in der Nähe der Meerhöfe, östlich von der Düsseldorfer Heerstraße entspringt, fließt in einem breiten, westlichen Querthale des Jülicher Landrückens, wendet sich bei Tetz nordwärts und ergießt sich unter Körrenzig in die Ruhr. In seinem fruchtbaren Thale und auf dessen Umrandung liegen die Dörfer: Spiel, Titz, Münd, Hottorf, Koffern, Gevenich, Hasselsweiler, Münz, Boslar, Tetz, Glimbach und Körrenzig.
  • Hottorf, (1300) Hutdorf, mit Koffern und Gevenich auf einem halbinselförmigen Zweige des Erkelenzer Landrückens, südwärts des Buchholzwaldes gelegen, 2 Std. von Jülich, 41/2 Ml. von Aachen entfernt, ist ein Kirchdorf und Hauptort der großen und reichen Bürgermeisterei gleichen Namens. Letztere zählt über 4000 Seelen und enthält außer Hottorf die Kirchdörfer Tetz, Münz, Hasselsweiler, Gevelsdorf, Boslar und die Dörfer Hompesch und Ralshoven. Sämmtliche Ortschaften dieser Bürgermeisterei, früher im Herzogthum Jülich gelegen, gehörten unter franz. Herrschaft zum Roerdepartement, Arrondissement Köln, Canton Jülich. Hottorf erhielt 1342 mit Zustimmung des Pfarrers zu Boslar eine Kapelle, welche Carsilius und Adam von Hottorf bauen und weihen ließen. Im 16. Jahrhundert wird sie noch als Kapelle im Amt Boslar aufgeführt; 1630 kam dieselbe an die Deutschordens-Kommende Siersdorf. Wann dieselbe zur Pfarrkirche erhoben worden, ist mir nicht bekannt.
  • Koffern, (1500) Kupfern, ein Dorf in der Bürgermeisterei Körrenzig, ist 2 Stunden von Erkelenz, 8 Stunden von Aachen entfernt. Das Dorf Koffern, im ehemaligen jülichschen Amte Boslar gelegen, besaß im 16. Jahrhundert schon eine Kapelle, welche zu Glimbach gehörte. Hier, wie auch in Körrenzig, Baal, Lövenich, Dovern, Bracheln und Hilfarth, beschäftigen sich viele Leute der ärmern Klasse mit der Fabrikation der Birkenbesen. Heidebesen machen die Bewohner von Arsbeck, Virgeln, Myhl, Ophoven und Steinkirchen, wo die Heide (Erica vulgaris und Erica Tetralix) in großer Menge vorkommt.
  • Gevenich, (1500) Grevenich, mit 830 Einwohnern, durch eine
    Zweigstraße mit Linnich verbunden, ist 2 Stunden vom Kreisorte Erkelenz, 4,08 Meilen von Aachen entfernt und hat eine schöne Lage auf einer Anhöhe am Westrande des Jülich-Erkelenzer Landrückens. Es ist ein Kirchdorf in der Bürgermeisterei Körrenzig, in welchem viel irdenes Geschirr als: Töpfe, Schüsseln, Tiegel, Teller, Kübel, Dachpfannen etc. verfertigt werden. Dieser Pfarrort hatte im 16. Jahrhundert nur eine Kapelle, wovon der Pastor zu Boslar das Patronatrecht besaß. Vor der französischen Occupation gehörte Gevenich zum herzoglich-jülichschen Amte Boslar — An der Straße nach Linnich findet man Dipsacus pilosus und etwas südlicher Centaurea calcitrapa in großer Menge.
  • Hasselsweiler, (1200) Hassilt, (1400 Hasselt, zwischen lachenden Gefilden des Meerbachthales gelegen, 11/2 Stunde von Jülich, 4,63 Meilen von Aachen entfernt. Es ist ein freundliches Kirchdorf in der Bürgermeisterei Hottorf, mit 711 Einwohnern. Das jülicher Dekanatsverzeichniß vom 13. Jahrhundert nennt Hassilt eine Pfarre mit einer Vikarie, bei welcher der Capellarius des Kölner Erzbischofes (1400) das Patronatrecht besaß. Im 16. Jahrhundert wird Hasselsweiler unter den Pfarreien des herzogl. Amtes Jülich mit aufgeführt; damals übten der Herzog von Jülich und „der thumeuster zu Köln“ das Patronatrecht abwechselnd aus.— Gerste und Raps gerathen hier, wie in der ganzen fruchtreichen Umgegend , vorzüglich.
  • Münz, (1200) Munze, (1400) Moentz, im malerischen Thale der Malfin, 1 1/2 Stunde von Jülich, 4,42 Meilen von Aachen entfernt, ist ein langes ansehnliches Kirchdorf in der Bürgermeisterei Hottorf und zählt an 620 Einwohner, worunter viele Israeliten. Münz war bereits im 13. Jahrhundert
    eine Pfarre mit einer Vikarie und gehörte zum ehemaligen Dekanat Jülich. Der Capellarius des Kölner Erzbischofs hatte (1400) das Patronatrecht daselbst. Hier stand ehemals eine fränkische Hofkapelle, zu Staatsarchiven dienend. Im 16. Jahrhundert und später gehörte Münz zum herzoglich-
    jülichschen Amte Boslar. In den Dörfern Münz, Gevelsdorf, Hottorf, Spiel, Rödingen, Steinstraß und Lich, wird starker Frucht- und Oelsamenhandel getrieben.
  • Boslar, (800) Buslare, (1200) Boislair, (1200) Boesseler, (1400) Boyßelair, gleichfalls im Thale der Malfin gelegen, ist 1 1/4 Stunde von Jülich, 4,10 Meilen von Aachen entfernt und hat 410 Einwohner. Es ist ein großes, aber unansehnliches Kirchdorf mit schmutzigen Straßen, gehört zur Bürgermeisterei Hottorf und war ehemals der Hauptort des herzoglich-jülichschen Amtes Boslar. Die Villa Buslare in der Grafschaft Jülich wird schon im Jahre 861 genannt. Im 13. Jahrhundert hatte Boslar bereits eine Pfarrkirche, bei welcher der Herzog von Jülich (1400) das Patronatrecht ausübte. 1340 war Ludewicus de Kintzwilre Pastor zu Boesselar. 1803 am 13, September, wo bei vollen Scheunen 120 Häuser mit Ställen und Scheunen abbrannten, blieben nur 4 Häuser von Boslar verschont.
  • Tetz, (I200) Tetze, 11/4 Stunde vom Kreisorte Jülich, 3,08 Meilen von Aachen entfernt, ist ein kleines, unansehnliches Kirchdorf in der Bürgermeisterei Hottorf, mit alten Häusern, einem herrschaftlichen Schlosse und 417 Einwohnern. Es liegt am Ausgange des fruchtbaren, mit Dörfern übersäeten Thales der Malfin, welche hier in die weitläufige Ruhrniederung eintritt. Tetze wird im Jülicher Dekanatsverzeichnisse vom 13. Jahrhundert als Pfarrvikarie, im 16. Jahrhundert aber als Pfarre im herzoglich-jülichschen Amte Boslar aufgeführt, bei welcher die Herren von Leers, als Inhaber der Herrschaft Tetz, das Patronatrecht besaßen.
  • Glimbach, (1200) Glinbach, (1500) Glymbach, ein Dorf auf dem
    Westrandede des Erkelenzer Landrückeus, dessen malerische Hügel hier jäh in die Ruhrebene versinken. Es ist 2 Stunden von Erkeleuz, 4,18 Meilen von Aachen entfernt, hat meistens alterthümliche, lehmene Häuser und 464 Einwohner. Dieser Ort wird schon im 13. Jahrhundert als Pfarre mit einer Vikarie im Dekanat Jülich aufgeführt. Der Herzog von Jülich besaß (1400) das Patronatrecht bei dieser Kirche, welche damals zum Amte Boslar gehörte. Hier werden irdene Töpfe, Schüsseln, Teller, Näpfe und Dachziegel gebacken, welche in die Nähe und Ferne ausgeführt werden. — In einem Wäldchen zwischen Glimbach, Ruhrig, Baal und Koffern wächst die sehr seltene Meerzwiebel oder blaue Maiblume (Endymion nutans) in großer Menge.
  • Körrenzig oder Cörrenzig, (1000) Corinzich, (1029) Cornyzich, (1200) Corizich, ein großes Kirchdorf und Hauptort einer Bürgermeisterei mit 992 Einwohnern, 2 Stunden v«n Erkelenz, 4,09 Meilen von Aachen, entfernt. Es ist auf dem rechten Ufer des Ruhrflusses gelegen und der Länge nach von der
    Landstraße durchschnitten. Kaiser Konrad II. schenkte (1029) der Abtei Burtscheid Güter zu Cornizich, Altenhof und Will im Jülichgau, in den Grafschaften Gerard’s und Giselberts, womit bis dahin ein gewisser Benelin vom Reiche belehnt gewesen war. Im 13. Jahrh. hatte Körrenzig schon eine Pfarrkirche mit einer Vikarie, welche zum Jülicher Dekanate gehörte; das St. Adalbertsstift zu Aachen besaß das Patronatrecht bei dieser Kirche. Im 16. Jahrhundert und später gehörte Körrenzig zum herzoglich-jülichschen Amte Boslar; unter der Fremdherrschaft aber nebst den in der Bürgermeisterei gelegenen Dörfern Gevenich, Glimbach, Koffern und Ruhrig zum Canton Linnich des Roerdepartements. — Hier werden irdene Küchengeschirre, als Kübel, Näpfe, Töpfe, Teller und Schüsseln von derselben Qualität verfertigt, wie zu Glimbach und Gevenich. Körrenzig und Ruhrig haben Ueberfluß an Heu und Grummet. Letzterer Ort, links von der Linnich-Erkelenzer Landstraße gelegen, ist wenig bevölkert, hat ein gräfliches Haus und in neuester Zeit auch eine eigene Schule erhalten. Das Haus Ruhrig ist der Sitz des Grafen Hompesch, eines alten, ursprünglich kölnischen Rittergeschlechts. Die Hompesch, Humpesch, Humpusch, zuerst Hoingen (d. h. aus Honingen), genannt Humpesch, wurden im J. 1745 in den Grafenstand erhoben. 1166 war Sibodo von Hoingen genannt Humpesch, im Gefolge des Erzbischofs Reinald von Köln. In demselben Jahre verkauft Karl von Hoingen mit Zustimmung seiner Söhne und Töchter seinen Hof zu Honingen (Hünningen unweit Büllingen oder Höngen?) der Abtei St. Mauritz zu Köln. 1275 verkauften Cuno von Mullenark, dessen Halbbruder Reinard, genannt Hoengeu, Selman
    und Cuno von Humpes, Knappen, dem kölnischen Domkapitel ihren Hof zu Oidweiler und ihren Antheil an dem Patronat der Kirche daselbst.

Weitere Urkunden im 15. Jahrhundert

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| Hoittorp |

Hottorf wird als Hoittorp erwähnt: 

  • 1424 – bei der Erbpacht des Wilhelm von Kofferen aus dem Besitz des Werner Herrn zu Paland und zu Breitenbenden (angrenzedes Land, an das der Geistlichen von Hottorf)
  • 1450 – bei der Erbpacht des Rutger, Gemahl der Liese von Glimbach aus dem Besitz des Werner Herrn zu Paland und zu Breitenbenden
  • 1456 – bei der Erbteilung des Werner Herrn zu Paland und zu Breitenbenden mit Hof und Gut zu Hottorf mit Lehnsleuten, Gericht und allem Zubehör einschl. dem Hofland: Am 24.07.1456 machen seine Söhne und Enkel Erbteilung. Es teilen die überlebenden Söhne Reynalt, Karselis, Werner, Diderich und Johan; außerdem die Kinder der verstorbenen Söhne Daem, Johan und Emondt. Die Teilung wurde, wie es scheint, in aller Friedfertigkeit und ohne Hinzuziehung von Dedingsluden vorgenommen, nur zwei Freunde, Diederich von Berchenhusen, Vogt zu Boslar, und Herr Arnolt von Rymmelsberch, Pastor zu Linnich, wohnten ihr als Zeugen bei. (Quelle)

1424
1450
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