Wiederaufbau der Kirche beginnt

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| Bauausschuss entscheidet über Architekturentwürfe |

Ende Januar 1945 befasst man sich zum erstem Mal mit dem Wiederaufbau der Kirche. Der Baumbestand des Pfarrwaldes im Hambacher Forst und Stetternicher Wald im Hinblick auf verwendbares Bauholz gesichtet. 

Der Architekt Hans Laxner aus Krefeld reicht zwei verschiedene Entwürfe für den Aufbau der Kirche ein. Die Hottorfer wollen ihr altes Gotteshaus wiederhaben.

Die erste Haussammlung in Hottorf vor Weihnachten erbrachte erstaunliche 3.500 Reichsmark, eine zweite Ende Januar weitere 1.500 Reichsmark. 

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Erste Planungen zur Wiederaufbau der Kirche: 

Januar 1946

  1. Am selben 28. Januar fuhr ich mit den Kirchenvorstandsmitgliedern Peter Bergrath und Max Meyers früh zum Hambacher Wald. Oberhausmeister Hamacher kam just daher und besichtigte mit uns den Gott sei Dank nur leicht beschädigten Wald. Auf Stetternicher Gebiet stehen ca. 50 schlagreife Stockeichen. Dort sind vielleicht 2 Granateinschläge. Die vor 2 Jahren neu angelegte Buchen – und Fichtenschonung ist sehr gut angeschlagen. Am südlichsten liegt ca. 1 Morgen Tannenwald. Dort waren Stellungen drin gebaut. Einige Tannen waren durch Granaten beschädigt.
    Aus dem Wald holte man besonders Masten für die noch 23 Dörfer Jülichs, die noch ohne elektrisches Licht sind. Stellenweise ist der Wald ziemlich zerfetzt. Das Holz wird jetzt als Brennholz verkauft. Bauholz ist seit Ende Januar beschlagnahmt. Wir fuhren dann nach Hambach, wo uns die Kirche und der alte Friedhof entsetzte, wo noch nichts aufgeräumt war. Weil zu viel der Heilige Bürokratius gefragt worden war, die Kirche sogar baufällig erklärt worden war, wächst der Schaden auf ca. 100.000 Mark an. Im Dach wäre mit 10 – 15 Brettern ein Gewölbeschaden durch den monatelangen Regen von tausenden Mark verhindert worden. Lehrer Amfaldern steht dort für die christliche Sache wacker seinen Mann. Seine Frau ist mit Meyers und Nöthlings-Immels verwandt.
    Von da fuhren wir zum Stetternicher Wald zum Forstmeister Schmitt, der uns Transportgenehmigung für unser Holz gab.  Auf dem Rückweg nach Jülich kamen wir 100 – 150.000 Tellerminen vorbei, die am Wegesrand lagerten. Im Baugeschäft Docker erfuhren wir, dass an Baumaterial nur gegen Scheine vom Kreisbauamt etwas zu haben sei. Wir fuhren dahin und hörte, dass erst die 3.000 oder 8.000 A-Wohnungen in Stand gesetzt werden müssten. Dann käme erst unsere B-beschädigte Vikarie dran. Ich fuhr dann zum Kloster Overbach, wo schon sehr aufgeräumt ist und von dort aus nach Rurdorf zu Henseler, um zu sehen, ob die Stationen von Gr. Honold für unsere Kirche fertig wären. Nun ist aber der junge Willi Henseler am Kölner Dom mit Glasarbeiten beschäftigt.

  1. Am 29. Januar fuhr Max Meyers mit seinem Wagen und Peter Bergrath mit Erich v. Meers wagen zum Hambacher Wald
    Anton Schiffer, Peter Deuser Sie räumten einen Bunker aus, schlugen einige beschädigte Tannen ab und kehrten mit den 2 Fuhren gegen Abend zurück. Das Holz lagerten sie in meine Wiese. Das Wetter ging ab, infolge Nässe – viel, viel Regen fiel, sodass die Flüsse Hochwasser hatten – konnte in den nächsten 14 Tagen nichts an der Kirche gearbeitet werden, weil ja kein Schutt weggefahren werden konnte.

    Ich brachte die Kasse der Kirche buchmäßig in Ordnung und machte die Vorarbeiten für die Kirchenrechnung 1944/5 und 45/6. Viel leichter ging das, weil ich sehr viel – monatelange Mühe – auf die Rechnung 1943/44 verwandt hatte. Einer Fahrt zum bischöflichen Generalvikariat machte einen Strich dadurch die Tatsache, dass 1. Die Bahnverbindungen noch sehr mäßig sind, bloß 4 Personenzüge auf der Strecke Mönchengladbach – Aachen, 2. Tod und Seelenamt meiner Tante Josefine Heinen geb. Kemmer in Alsdorf und die bessere Aufstellung der Kirchenrechnung, wenn ich die Vorlagen 43/44 benutze.

    Inzwischen reichte Architekt Hans Laxner Königshof (Ortsteil von Krefeld), sein Büro in Krefeld, Alexanderplatz 11, zwei Entwürfe ein. Der eine will die Kirche modernisieren. Viele bauliche Umänderungen. Bis auf eine Stimme „pro“ fand der Plan allgemeine Ablehnung. Gotisierend will er insbesondere das Innere machen. Sein Durchblick in die Kirche sah zeichnerisch so aus, dass man sagte: „Runkelrübenmiete, Feldscheune wegen des Gebälks u.a.m.
    „Wir wollen die alte Kirche wieder!“ sagte man, und wenn sie 10.000,- RM (einer 25.000,- RM) teurer ist. Ich glaube, dass Schlimmste war, dass die Gesetze der Akustik nicht beachtet waren, dass es keine Luft mehr genug geben würde, dass man sich bedrückt fühlen würde. Da der Architekt selbst erschien, konnte ich es ihm persönlich sagen, er war nicht sehr erbaut, hatte sogar noch eine schöne Außenansichtzeichnung der Zukunftskirche da, die ich in meinem Zimmer aufhängen habe, und schickte bald eine neue Zeichnung, die gefiel: „Ja, das ist unsere alte Kirche. So muss sie werden!“
    So entschied auch der Bauausschuss. Letzterer setzt sich zusammen aus dem Kirchenvorstand und je 1 Mann von je 10 Häusern. Mit einer Vollversammlung hatte ich zweimal schlechte Erfahrungen gemacht. Damit kommen wir nicht weiter. Darum wurde er gebildet. Auf der Vollversammlung redeten mehr dagegen wie dafür. Aber das ergibt nicht die wahre Stimmung des Ortes. Die zeigte sich als wir so vor Weihnachten die erste Haussammlung abhielten; durch je 1 Mann vom Kirchenvorstand und einem Nichtmitglied auf je 20 Häuser. Sie brachte ca. 3.500,- RM ein; auf 1.000,- hätte ich bloß gerechnet. 
    Mit der Gabe vom Bischof von Osnabrück -8.000,- RM, die er mir von 13.000 RM Kollektengelder ließ für meine neunmonatliche Tätigkeit im Ortsteil des Kreises Grafschaft Hoyer und im Nordteil von Nienburg/ Weser – hatten wir im Neujahr 12.000,- RM zusammen. Die zweite Sammlung Ende Januar erbrachte 1.500,- RM.

Februar 1946

  1. Heute, am 15. Februar, sind bald 16.000,- RM zusammen. Hoffentlich ein großer Prozentsatz der Unkosten.

    Ich bat mal den Architekten Hans Laxner von Krefeld, Alexanderplatz 11, von Mainz gebürtig, gut katholisch, mit gesunden politischen Ansichten, mir zu sagen, wie viel wohl der Aufbau der Kirche koste, Da meinte er, das ließe sich nicht schätzen. Vielleicht 40-50.000 RM.

    In den vergangenen Tagen konnte wegen des schlechten Wetters nicht an der Kirche gearbeitet werden.

 

Der Nachlass von Architekt Hans Laxner befindet sich Baukunstarchiv NRW. Aber leider befinden sich dort keine Unterlagen zur Hottorfer Kirche: „Leider gibt es im Nachlass von Hans Laxner keine Unterlagen zur Kirche St. Georg in Linnich. Das Projekt ist auch in seinem Werkverzeichnis nicht aufgeführt.

 

Kirche ist fast ausgeräumt

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| Pfarrhaus wird zum Lager |

Seit Dezember 1945 werden Ausstattungsgegenstände und brauchbares Balkenwerk in der Kirche geborgen und auf dem Grundstück des Pfarrhauses gelagert.  Ende Januar ist der größte Teil geschafft. Der letzte Schutt wird bis zum Osterdienstag 1946 (23. April) geräumt und ist die Kirche „besenrein“.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Stand der Lagerung von  kirchlichen Ausstattung im Pfarrhaus Ende Januar 1946: 

Dezember 1945

  1. Nachdem am 3. keiner erschien war, waren am 4. da: Maria, Hubert und Wilhelm Mülfarth, Anton Schiffer sen. Und Johann Jussen, Maria Vahsen und Katharina Lorenz.
    Die Mädchen sortierten mit mir Holz, bzw. halfen Heinrich Reitz drei Karren Schutt in der Wiese laden. Er kam mit der Fuhre von Kaspar Mütz, der selbst mit den anderen Männern in der Kirche die Hälfte der Kommunionbank und einen Altar ausräumte.

  1. Am 11. Dezember arbeiteten am Balkenwerk der Kirche Anton Hochstein, Wilhelm Honold, Jul. Bauch, der Pole Zusanski, Ludwig Schiffer und Anton Witorski, Witwe Esser und Heirich Berger. Die Kanzel wurde sichergestellt.

  1. Am 13. Dezember räumten die Kommunionbankhälften, den Altar auf der Evangelienseite und den Taufstein samt …… …… Viktor Verbiesen, Fran Vaehsen, Wilhelm Stocken, Heinrich Deuser und Matthias Tirtey.

Januar 1946  

  1. Am 28. Januar 1946 zog Matthias Schmitz, Karl Heister, Johann Emmerich, Nikolaus Edlinger, alles Personal des Erich von Meer mit 2 Pferden 3 schwere Balken aus der Kirche, die letzten. Sie kamen in meine Wiese, wo viel Holz aufgestapelt liegt, was vielleicht noch verwertet werden kann oder als Pfähle benutzt werden kann. Dort liegen auch ganze Karren kleines Brennholz von der Kirche und größeres, was noch zerschnitten werden muss.
    Einige Karren sind gegen Entgeld an den Küster a.D. Anton Lieven, an Wilhelm Dederichs, an Frl. Krauthausen, Wwe. Hubert Schiffer, an Geschwister Bergraths abgegeben und Wägelchen voll an Jäger, Nießen, Lang, Lenzen, Völker u.a.. Bretter erhielten Krieger, Bergrath und Heinrich Schiffer. Andere stehen noch in meiner zerstörten Waschküche.

    In meinem Haus (Pfarrhaus) steht im Zimmer rechts von der Tür zum Garten hin die Kommunionbank und der Taufletter(?), sodann die Schränke aus dem zerstörten Vereinszimmer, das Archivzimmer ist erhalten. Von links war ein Granattreffer hereingekommen, der ein großes Loch in der Straßenfensterwand verursachte und die Flurwand zerstörte. Dort liegt das Zinn der Orgel und Bänke u.a. aus der Kirche.
    Die Küche ist ziemlich erhalten und enthält Privatsachen. Der Abstellraum ist unbenutzbar, da das Dach weg ist. Keine einzige Fensterscheibe ist mehr im Haus und noch nicht. Die Fensterrahmen sind fast alle noch heil. Die Decken müssen überall neu verputzt werden.

    Oben sind die Zimmer unbeschädigt mit Ausnahme eines Loches von  1 m Durchmesser in meinem Schlafzimmer. Alle Löcher besserte Gerhard Schmitz aus unter der Assistenz von Josef Lieven („Müllers Jupp“ Sohn des Müllers Jakob Lieven, Kirchenschweitzer a.D.). Er nahm nichts dafür.

    Auf meinem Schlafzimmer sind die Reste der Altäre und die Kanzel. Mein Studierzimmer und meiner Schwester Schlafzimmer sind leer. Auf dem Fremdenschlafzimmer stehen die Stationen.

    Alle Fenster haben wir mit Brettern dicht gemacht, damit der Wind nicht so durchzieht. Keine einzige Tür ist oben mehr im Haus. Unten sind noch drei leidlich erhalten und die Kellertür.

    Der Keller ist unbeschädigt. Alle in ihm geborgenen Sachen warf der Amerikaner heraus, da er darin einen Sanitätsraum einrichtete. Meine Schwester barg sie im Juni, wo sie einige Wochen hier war.

    Die Decken im Obergeschoss sind mehr beschädigt, da das Dach monatelang nicht zugelegt war. Man wartete immer auf Dachziegel. Einige Balken waren auch zur Westseite hin zerstört. Sie machte Ende Oktober Stellmacher Jansen aus Ralshoven. Sodann lieh ich Pfannen bei Wwe. Anna Schmitz und den Gebrüdern Schmitz und ließ durch Küppers-Mülfarth mit Brettern des Rest des Daches zuschlagen. Weil die Bretter aber zu sehr auseinander übereinander geschlagen sind, kommt doch noch etwas Regen durch. Der Dachfirst müsste neu eingedeckt werden, Ziegel fehlen dort. Trotzdem der Ortsbürgermeister Wilhelm Mülfarth dreimal bei Heinrich Görtz war, und ich selbst, macht der das nicht. Das ist typisch für alle unsere überlaufenen Handwerker, sie versprechen alles, halten aber viel zu wenig.

    Im Garten machte meine Schwester oder ließ zumachen ca. 20 Granattrichter. Außer der im Dachstuhl zerstörten Waschküche sind die Schuppen an der Straße ebenso zerstört. Alle Pfannen wurden weggenommen. Die Verbindung zwischen Haus und Kohlenstall und der selbst liegt halb danieder. In ihm lagert jetzt Kalk, der mit Sand durchsetzt werden soll. Den lieferte uns durch Vermittlung von Frau v. Meer eine Eschweiler Firma, die dafür Stroh bekam: 5 Zentner von Anton Esser, 4 von Spengler, ½ von P. Schmitz, 1-1/2 von Geschwister Nöthlings, 4 von Geschwister Mütz. Jetzt ist er beschlagnahmt und wird vorläufig bloß für A-Häuser herausgerückt. (Das sind solche Häuser, die bis 25% beschädigt sind).

    In meiner Wiese waren noch 5 Granattrichter. Die meisten Bäume sind weg. Dort lagern jetzt Holz, Steine und Balken. Die Wiese müsste umgegraben werden.

    Die Vikarie hat mehr als das Pfarrhaus gelitten, der alte Lieven bezog sie doch, in ein paar Kammern haust er. Das Vereinszimmer und das darüberliegende Schlafzimmer ist mit dem Dach darüber vollständig weg. Das andere Dach deckte ihm sein Sohn Franz, jetzt Küster in Hochneukirch, schön zu.

    Dieser Tage ließen wir durch den Stellmacherr Jansen in Ralshoven feststellen, wieviel Holzwerk für den Wiederaufbau nötig ist. Unbenutzbar sind auch die 2 Zimmer, die Therese Kraft bewohnte. Ein ganz großes Loch klafft im ehemaligen Wohnzimmer des Küsters bis zum Eingang der Südseite hin.

März 1946  

  1. Am Vortage des heiligen Josef begannen wir wieder an der Kirche zu arbeiten. St. Josef möge uns beschützen. Schönstes Frühlingswetter (endlich nach sechs Regenwochen) war ein verheißungsvoller Auftakt.
    In der Kirche wurden die Bretter unter den Frauenbänken hochgestellt und das Podium unter den Männerbänken frei von Schutt. 

April 1946  

  1. Zum Arbeiten an der Kirche bekam ich am Nachmittag kein Fuhrwerk. Es erschienen Sibilla Roeben und Franziska mit Christian Lorenz, Hubert Jäger, Hubert Mühlfarth nach seiner Stunde beim Herrn Zimmermann. Wir klopften Steine und schichteten sie auf und reinigten Chor und Sitzplätze der Kinder.
  1. An der Kirche arbeiteten bloß Servus für Spengler und Viktor Verbiesen. Wir …ierten etwas den Teil, der der Zivilgemeinde gehört und fuhren alle schweren Steine aus und in der Kirche an die Straße.
  1. Nachmittags erschienen an der Kirche drei Kinder und Wilhelm Stacken, Sophie Froitzheim, Viktor Verbiesen, und Hubert Jäger, die Decke der Empore, der Beichtstuhl und der Schutt darauf und darunter wurde als letztes in der Kirche vor das Kirchenportal hinausgeschafft.
    Im Beichtstuhl war ein lebendiges Kaninchen, dass uns entsprang; eine Ratte schlug ich tot. Die Kissen waren noch gebrauchsfähig, ebenso die Birne der Lampe. Die Kinder begannen auch die Grube des Friedhofes an der Mauer bei Froitzheim zuzuwerfen. Der Friedhof selbst wird von den Leuten mehr und mehr mit Blumen geschmückt. Die beiden Bretterwände, auf denen die Bänke an der Frauen- und Männerseite standen, sind hochgehoben. Von unten sind sie noch ganz. An zwei Stellen ist der Boden eingesunken. Ob eine Sand- oder Mergelgrube die Ursache ist oder Unterkellerung? Abends kamen die neun schulentlassenen Jungen zu mir in meine Wohnung bei Frau von Meer.
  1. Osterdienstag: Die Kirche wurde ganz ausgeräumt und gekehrt. Der Rest Steine an meiner Gartenmauer aufgeschichtet. Der Fliesenbodenbelag wurde an den eingesunkenen Stellen entfernt.

Unterrichtsbeginn nach dem 2. Weltkrieg

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| 14 Monate kein Unterricht |

Am Montag, den 14. November 1945, beginnt wieder der Unterricht in der Schule, nachdem das Schulhaus am 30. Sept nach der 14:30h Sontagsandacht feierlich eingeweiht wurde.

Quelle: Pfarrarchiv, Publicanda Hottorf, 1939-1954, Seite 169, Pfr. Reiners

Aufräumungsarbeiten an der Kirche beginnen

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| Mit Pferd und Karre wird der erste Schutt geräumt |

Ab Mitte September 1945 organisiert Pfarrer Reiners die Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten an der Kirche. In seiner Pfarrchronik hält er auf über 100 handschriflichen Seiten detailliert fest:

  • Wie viele Stunden gearbeitet wurden
  • Welche Arbeite ausgeführt wurden (Schutt laden, Steine klopfen, …)
  • Wie viele Karren Schutt verladen wurden
  • Welche Personen gearbeitet haben  

Dabei führt er eine Statistik:

  • Sep. ’45: 145 Fuhren, 91 Personentage
  • Okt. ’45: 245 Fuhren, 184 Personentage
  • Nov ’45 bis Jan ’46: 326 Fuhren, 349 Personentage

Das sind in Summe 716 Fuhren und 624 Personentage, was einer Stärke von etwa 6 Personen entspricht – also 6 Personen Vollzeit 40h/Woche von September bis Januar.

Noch für März 1946 sind diese Summen aufgeführt, danach nicht mehr:

  • Mär ’46: 325 Fuhren, 45 Personentage

Nachfolgend zwei Auschnitte aus der Pfarrchronik zum Beginn der Aufräumarbeiten im September und einer Zustandsbeschreibung der Gebäude zum Oktober 1945.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Der Beginn der Aufräumarbeiten im September 1945: 

Arbeiten und Dienste Erwachsener

September 1945

  1. nachmittags: Um 7 Uhr begann Franz Lenzen mit Leni Lang und einem Pferd und einem Hans Gereon Schmitz. Nach der heiligen Messe half Lehrer Ferdinand Schulte und Lisa Lang mit, den Schutt an der Sakristei wegzuräumen. 9 Fuhren wurden geschafft. Christian Jäger schaffte am Nachmittag. Pferd und Karre von Froitzheim bediente Gottfried Dohmen, Sohn der M… Völker. Ihm half Hubert Esser. Sie legten den Eingang zur Kirche frei. Er schaffte 4 Fuhren.
  1. morgens: Anton Schiffer erschien mit Pferd und Karre. Ihm half Nik. Edinger und Agathe Nießen sowie Herbert Dohmen. Auch Franz Breuer half einige Stunden. Sie schafften 10 Fuhren. Nachmittags holten sich Nik, Edlinger Karre und Ochs von W. Esser. Ihm half meine Schwester Mechthilde und Grethe Schiffer trotz Regen den ganzen Nachmittag. ……….. Frau Anton Jülicher. 7 Fuhren.
  1. morgens: Pferd und Karre und Peter Bergrath, Peter Jörgen, Agnes u. Gertrud Reitz, Anneliese Lieven (spätere Anneliese Skvorec), Frau Held, Sophie Froitzheim. Sie schafften 9 Fuhren. Nachmittags: Pferd von Meer und Jakob Keutmann, Nikolaus Deuser, Frau Held, Franz Klütz und Heinrich Schiffer und Frau Schiffer, Wilhelm Schmitz, Anneliese Lieven, Agnes und Gertrud Reitz. 6 Fuhren.
  1. Mit Pferd und Karre von Althoff-Dohmen fuhr Herrmann Jäger eine Fuhre.
  1. Mit Pferd und Karre fuhr …. Vaehsen und Wilhelm Claßen. 11 Fuhren.
  1. Mit Pferd und Karre erschienen nachmittags der derzeitige Bürgermeister Wilhelm Mülfahrt, Hubert, Maria, Josef, Bärbchen Mülfahrt und schafften 5 Fuhren. Die Westseite wurde freigelegt. Dito erschien mit Pferd und Karre Lothar Müte und leistete 4 Fuhren.
  1. Mit Pferd und Karre erschien nochmals Wilh. Mülfahrt mit Maria, Hubert u. Josef. Sie schafften 4 Fuhren. Nachmittags erschienen Jakob Keutmann, Josef v. Ameln, Heinrich Krichel, Sibilla Krichel, Käthe und …. Krafft, Josefina Steffens, Sibilla und Luise Roeben. —
  1. Mit Ochs und Karre kam Martin Esser; ihm halfen Wilhelm Küppers und Hubert Meyers, Stine …… Frau Heidelberg und Frau Christin Nießen, Klara Küppes und Bärbchen Mülfarth und Frau Müntz (bei Krauthausen bei Mersch), Änna Meyers und Peter Jäger. Auch Heinrich Küppers erschien kurz. Sie schafften 9 Fuhren. Morgens war auch Änne Schiffer da.
  1. Mit Karre und Pferd erschien Peter Schmitz und Gertrud Schmitz. Desgleichen Gretchen und Wilhelm Honold. Ebenso war mit Pferd und Karre da Engelbert Steffens und Fina Steffens. Hubert Jäger. 7 + 7 Fuhren. Nachmittags mit Pferd und Karre erschien Johann Krafft, und der Sohn Ludwig von Schiffer Martin. Ihnen halfen: Margarethe Honold, Frau Wilhelm Heister, Frau Breuer, Agnes Schmitz, Elisabeth Emmerich. Sie schafften 4 + 6 Fuhren.
  1. Mit Pferd und Karre waren trotz regnerischen Wetters Engelbert Krichel und Peter Breuer da: 5 Fuhren. Nachmittags mit Pferd und Karre war Josef Spengler da und ….. Brandenburg. Soldaten. 7 Fuhren.
  1. Mit Pferd und zwei Karren erschien Josef Krauthausen. Ihm half sein Soldat Maruhn. 8 Fuhren.
Kinder

September 1945

  1. Am 18.9.1945 waren da: Willi Lieven, Maria Mütz, Franziska Jäger, Hubert Reitz, Wili und Heinrich Krieger. Sie brachten am Nachmittag den Friedhof mit in Ordnung.
    Nachmittags: Heinrich und Willi Krieger, Hubert Reitz, Max und Peter Josef Krauthausen, Franziska Jäger, Maria Mütz, Fran Josef Nöthlings, Karl Heinz Eickmanns, Hermann-Josef Rixgens, Willi Heidelberg, Franz Spengler. Auf eine Stunde ließen sich auch Agathe und Helene Deuser sehen.
  1. Am 19.9.45 waren morgens da: Willi Lieven, Franziska Jäger, Maria Mütz, Katharina Küppers, Maria Lieven, Edmund Keutmann,  Willi Krieger, Hubert Jäger, Willi Heidelberg, Anni Breuer, Therese Mülfarth.
    Nachmittags: Hubert reitz, Willi und Heinrich Krieger, Maria Lieven,, Max und Peter Krauthausen, Adolf und Friedel Meyers, Hubert, Franz und Peter Spengler, Hubert und Franziska Jäger, Herrmann, Magdalena und Katharina Küppers, Hubert Mütz, Anni Breuer, Therese Mülfarth, Franziska Lorenz, Franz Rainer Herbergs, Willi Lieven, Edmund Keutmann, Willi Heidelberg, Wegen Regen arbeiteten sie mit Ausnahmen von Th. Mülfarth, L. Görtz, Hubert reitz, Hubert Jäger und M.Lieven bloß bis drei Uhr.

  1. Am 20.9.45 morgens: Hubert Jäger, Edmund Keutmann, Josef Mülfarth, Hubert Reitz, Hermann Küppers, und Hermann Josef Küppers, Max und Peter Josef Krauthausen, Therese Mülfarth, Leni Görtz, Anni Breuer, Franziska Jäger, Maria Lieven, Katharina und Magdalena Küppers, Josefine Clahsen.
    Nachmittags: Edmund Keutmann, Hubert Jäger, Hermann Küppers, Willi Heidelberg, Karl Heinz Eickmanns, Fritz von Berg, Josef Mühlfarth, Hubert, Peter und Franz Spengler, Franz Josef Nöthlings, Hubert Reitz, Franziska Jäger, Hubertine Keutmann, Therese Mülfarth, Helene Brack, Helene Deuser, Agathe Deuser, Anni Breuer, Maria Lieven, Gertrud Lentzen.
  1. Am 21.9.45 morgens: Therese Mülfarth und Maria Lieven.
    Nachmittags: Therese Mülfarth und Martha Dolfen, Franz Rainer Nöthlings, Friedrich von Berg, Peter und Hubert Spengler, Gertrud Mütz.
  1. Am 22.9. morgens: Peter Mülfarth, Magdalene Küppers, Heinrich Krieger, Willi und Hubert Heidelberg.
  1. Am 24.9. nachmittags: Willi Lieven, Heinrich Krieger, und Hubert Nießen.
  1. Am 25.9. morgens:  Hubert Jäger, und Franziska, Maria Lieven und Mülfarth Therese, Peter und Hubert Spengler, Willi Heidelberg.
    Nachmittags: Hubert Jäger, Edmund Keutmann, Hubert und Peter Spengler, Franz Rainer Herbergs, Karl Heinz Eickmanns, Helene Deuser.
  1. Am 26.9. morgens Willi und Hubert Heidelberg, Hermann Küppers, Max und Peter Josef Krauthausen, Friedel Meyers.
    Nachmittags: Franz Rainer Herbergs, Franz Josef Nöthlings, Heinz Eickmanns, Hermann Küppers, Adolf Meyers, Willi und Hubert Heidelberg, Max und Peter Josef Krauthausen, Hubert, Peter und Franz Spengler, Edmund Keutmann, Therese Mülfarth, Hubertine Keutmann, die Kinder von…., Josef und Friedel Meyers.
  1. Am 27.9. morgens: Heinz Eickmanns, Friedel von Berg, Hubert Jäger, Hubert und Peter Spengler
    Nachmittags: Peter, Hubert und Franz Spengler, Friedel von Berg, Anni Breuer u.a.m.
  1. Am 28.9. morgens: Hermann Josef Küppers,
    nachmittags Hubert, Peter und Franz Spengler.

In dieser Form erfolgt die Dokumentation der Arbeiten in der Pfarrchronik über viele Monate hinweg.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Der Zustand der Gebäude Ende Oktober 1945: 

Den Soldatenfriedhof hat mittlerweile Friedrich Weitz schön einheitlich umgestaltet. Eine Kollekte dafür brachte über 100,- RM ein. Nun ist der Kirchhof in Ordnung, bis auf einige Granatlöcher u. 6 große Mauerlöcher u. die Torpfeiler zur Straße. Die Mauer an den Privatgräbern von Meer und Schreys sind weg. Die abgeklopften Steine sind an der Kirche vom halbschräg zerstörten Turm, dessen Helm ganz fehlt, und an einer Gartenmauer aufgeschichtet.

Auf dem Ehrenfriedhof liegen 8 SS-Männer begraben, zu ihnen kommen noch 3 Soldaten der Wehrmacht. die man mit Absicht nicht zu der SS legte, die wir aber vom Zivilfriedhof zu ihnen und den 7 Weltkriegsgefallenen (1914/18) umbetten, sobald die Erlaubnis des Gesundheitsamtes da ist.

In meinem Garten, der jetzt auch durch Lenzen und meine Schwester größtenteils in Ordnung ist, waren viele Granatlöcher. Gleichfalls auf der Bleichwiese. Dort und in der Wiese sind viele Bäume hin. Von meiner Waschküche stehen nur noch 3 Mauern fest. Das Dach fehlt. In meinem Haus, wo nun seit einem Jahr das Dach beschädigt ist, bzw. zu einem Drittel ohne Ziegel, waren drei größere Löcher, die unser Maurer Gerhard Schmitz zumauerte. Die Decken sind fast ganz herunter, so dass nur noch das Vereinszimmer bewohnbar ist. Alle meine Stallungen sind hin, da der Kohlenstall eingefallen ist und kein Ziegel mehr auf dem Dach ist.

Der Kirchturm wurde durch Granaten umgeschossen. Die Sakristei ist mit einem großen Loch auf der Südseite noch heil. In der Vikarie ist das Vereinszimmer und das darüberliegende Zimmer hin, dazu zwei Wände fehlen und ein Viertel vom Dach. Ansonsten hat sie große Löcher in den Mauern. Alle Paramente der Kirche hatte ich mit der Hilfsorganistin Maria Mülfarth  am Donnerstag und Freitag der Räumung geborgen, sodass wir daran keinen Mangel haben.

Notkirche in der Schule

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| Glocke im Baum begrüsst Pfarrer Reiners |

Der große Schulraum dient bis 1949 als Notkirche.

Pfarrer Reiners berichtet im Verkündigungsbuch:

Im Juli kehrte Pfr. Schmitt wieder u. ich, feierlich durch die Glocke bei Mühlfarts in der Wiese begrüßt durch halbstündiges Läuten am 2. Sept 1945.

Die ersten Wochen ließ ich Pfr. Schmitt die von ihm angenommenen Hl. Messen verkündigen u. halten.

Am 16.9., dem 17. Sonntag nach Pfingsten verkündigte ich zum ersten Mal….
(wieder die Hl. Messe)

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Die Einrichtung der Notkirche im Oktober 1945: 

Als Notkirche dient der Raum für die Oberklasse in der Schule. Ein Fronleichnamsaltar ist nun Schulaltar. Die Schule hat keinen größeren Schaden. Der Raum bekam nun allmählich wieder ein Fenster nach dem anderen, wurde ausgeflickt und verputzt und erhielt endlich eine Tür. Ein Harmonium, gespielt von Maria Mülfarth, ab und zu von Hubert Mülfarth, ersetzt die Orgel. Allmählich kommt ein gesangliches Stück der Messe nach dem anderen. Eine Witwe Kochs aus Mönchengladbach lieh uns für einige Jahre ein Harmonium, das dann in meinen Besitz übergehen soll. Hubert Völker holte es kostenlos mit seinem Wägelchen Anfang Dezember herüber. Wir stellten dann auf den Altar zur Ostseite der Schule aus mehr von praktischen, nicht ästhetischen Gründen. Das bewährte sich gut, Männer und Frauen  sind jetzt getrennt und verteilen sich besser, die Kinder stehen vor dem Altar. Die alten Leute sitzen mit dem Gesicht zum Altar seitlich. In einer Fensternische setzten wir das Krippchen, das Harmonium unten rechts auf Balken und einem Podium. Mein Dürerbild der Geburt Christi schmückte den Hintergrund des Altars.

4. März 1946: Da unser heiliger Josef kaputt ist, so steht in der Notkirche auf einem Rollschränkchen der Lehrerin eine ca. 25 cm große Statue von Mülfarth aus Hasselsweiler. Als Blumen haben wir bloß Schneeglöckchen. Kerzen müssen gestiftet werden.

15. April 1946 (vor Ostern)
Mittags war Keuter (sein Vater ist hier gebürtig) da (aus Eschweiler) mit seinem Gesellen, um die Notkirche zu tünchen und anzustreichen. Josef Blaesen und Viktor Vanderbiesen halfen ihnen und Hubert Mülfarth. Die Wände erhielten blaue Leisten in den Ecken, die Fenster Umrahmungen. Der Sockel ist hellblau gehalten, die Bodenleisten braunrot. Das Kamingesims ist dunkelrötlich gehalten mit einem Halbkreis an der Decke. Darin sind oben große goldene Sterne und das und daneben α und Ω in Rot. Schade nur, dass der Herbergs nicht das letzte Fenster machte und die Tür. Der Fußboden erhielt einen Ölanstrich, dito das Podium, worauf das Harmonium steht. Der Altar wurde ebenso gestrichen in blau (Podium) und weiß (Aufbau). Grete und Agnes Reitz, Christian Jäger, Katharina und Christian Lorenz und G. Nießen putzten die Kirche. Sibilla Roeben und Bärbchen Mülfarth putzen Kupfer, Messing und anderes mehr. Der Beichtstuhl wurde durch Ringe in eiserner Stange verbessert.  Das Harmonium wurde bezgl. der zwei Löcher in der Hinterwand geflickt.
Die Tür des Tabernakels wurde nochmals abgefeilt, es selbst angestrichen und je zwei Haken seitlich an den Wänden angebracht, zum Aufhängen von Fahnen.
Ein Arbeiter schlief im Pastorat, einer im Vorratsraum von Frau von Meer. In Kost waren sie bei Frau von Meer, bei Froitzheim, bei Peter Bergrath und bei Mülfarth. Nun ist die Notkirche sehr schön.

Die Überreste der Altäre und der Kommunionbank wurde zum ortsansässigen Schreiner Josef Herbergs gebracht und dort wieder aufgerichtet.

Die im Turm verbliebene kleine durch Granatbeschuss schwer beschädigte Glocke wird bei Familie Mühlfahrt an der höchsten Stelle im Ort in einem Birnbaum angebracht und versieht dort ihren Dienst.

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