Verkündigungsbuch

Geflüchtete kehren zurück

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| Berichte zu Krieg und Flucht |

Ab März 1945 kehren die Hottorfer Familien zurück in den Ort. Im Pfarrarchiv befinden sich mehrere Briefe von Familien mit Schilderungen ihrer Erlebniss auf der Flucht und mit dem Datum der Rückkehr in den Ort. Pfarrer Reiners kommt im September 1945 zurück. 

Pfarre Reiners berichtet im Verkündigungsbuch (siehe Beitrag):

Am 4. März waren Mülfarths als erste da. Im Juni waren alle Bauern da, im Dezember alle Hottorfer.

Pfarrer Reiners hatte die Hottorfer gebeten hat, ihre Erlebnisse aufzuschreiben und hat sie dabei unterstützt.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Schilderungen von der Flucht 

4. März 1946: Der frühere Ortsbürgermeister Schiffer lieferte als erster eine Schilderung seiner Evakuierung. Einen feinen Bericht, echt fraulich, lieferte Sofia Froitzheim. An alle Hottorfer Familien richtete ich die Bitte. Mit Hubert Dohmen, Gretchen Schiffer, Hubert Esser, Peter Bergrath, Gretchen Honold und meiner Schwester habe ich mich schon vier Abende zusammengesetzt, um eine Schilderung des Kriegsgeschehens hier aufzuschreiben.

So kann der Chronist aus den Schilderungen folgende Daten der Rückkehrer festhalten:

Schilderung der Familie Froitzheim, Hottorf, Hausnummer 4:

Das, was wir schon lange dunkel ahnten, was wie eine Last auf unserer Seele lag, wurde am 22. März 1944 zur grauen Wirklichkeit. Abends gegen 5 Uhr verließen wir schweren Herzens die geliebte Heimat, verließen das Heim, das Heim das unserer Vorfahren schon 1779 erbaut haben. Unterwegs begegnete uns schon das Flüchtlingselend. Auf der Straße von Hottorf nach Ralshoven hatte der Tod reiche Ernte gehalten, hatte Menschen dahingerafft, die vor wenigen Stunden sich auch von der Heimat losgerissen hatten. Waren die Toten zum bemitleiden oder zu beneiden? Das hat sich wohl jeder im Stillen gefragt. So kamen wir das Herz voller Wehmut nach Titz. Dort fanden wir Aufnahme bei guten Menschen. Aber auch dort hatten wir keine Bleibe. Der Beschuss kannte keine Grenzen. So mussten wir, nachdem wir uns ins unvermeidliche begeben hatten, zum zweiten Mal flüchten. Titz war noch Heimatnähe, man sah bekannte Gesichter, traf Soldaten, die über Hottorf Bescheid wussten, und nun fort, weiter fort plan- und ziellos ins Ungewisse, nicht wissend, wo und wann ein Dach überm Kopf zu haben.

So erreichen wir dann am 30. November Königshofen. Die Tiefflieger nahmen uns in Empfang. Wir mussten sofort in den Keller. Nachher, als das tolle Treiben in der Luft sich gelegt hatte, baten wir um Obdach. Die Frau wollte uns wohl aufnehmen, aber der Mann hatte keinen Platz für uns. Ob er wohl wusste, wie weh, das uns Flüchtenden tat! So gingen wir von Tür zur Tür und baten um Unterkunft. Es fiel schwer, in Königshofen unterzukommen. Der Generalstab hatte fast alles in Beschlag genommen. Der Abend brach herein, wir wurden mutlos und entschlossen uns, am letzten Haus anzuklopfen. Wie ein Wunder erbarmte sich ein altes Ehepaar über uns. Sie stellten uns ihr Altenteil, zwei Zimmer, zur Verfügung. Und wie freudig sie es taten! Ich wusste sofort, hier haben wir eine Heimat gefunden. Unsere nächsten Nachbarn waren Familie Nöthling und Dohmen. Jeden Abend hielten wir ein Plauderstündchen und waren sofort der Heimat nahe.

Dreimal bin ich während der Evakuierung in Hottorf gewesen. Das Gleichgewicht, was wir inzwischen so ziemlich wieder erlangt hatten, störte vor Weihnachten die Feldgendarmerie. Wir sollten raus aus Königshofen. Das waren wiederum trostlose und beängstigende Tage für uns, denn von hier fort hieß, alles verlieren, das letzte Vieh, woran man noch hing, und was nun mitgeschleppt hatte. Wir sehen unseren Opa Schrey, 86-jährig, da stehen, wie er mit geballten Fäusten anklopfte und sagte: „Unsere Flüchtlinge verlassen nicht eher das Haus, wie wir“. Allmählich verebbte dieser Sturm, wir hatten Ruhe. So sahen wir denn mit der Familie Schrey dem kommenden Kriegsgeschehen entgegen.

Am 24. Februar war es mit der Ruhe aus. Nachts schrecken uns die ersten Granaten in Königshofen aus dem Schlaf auf. Der Amerikaner waren zum  Angriff übergangen. Die deutschen Truppen fluteten zurück. Und da hieß es, Hottorf vom Feind genommen! Wir waren in der Erwartung der Geschehnisse.

Am 27. Februar, nachmittags gegen 6 Uhr, nahm der Amerikaner das Dorf Königshofen ein. Eine allgemeine Spannung löste sich. Der Flüchtlinge waren von dem einen Gedanken beseelt: Heimat, wie und wann werden wir dich wieder sehen. Unsere erste Frage an einen Dolmetscher war: wann kommen wir heim?

Überall standen die Flüchtlinge in Gruppen zusammen und verhandelten das gleiche Thema. Am 9. März fuhr Fritz Gintzel unter Lebensgefahr nach Hottorf. Er brachte uns die erste Nachricht, wie es dort aussah und für uns die erfreuliche Botschaft, dass wir wohnen konnten. Am 14. März hatten wir dann glücklich die Bescheinigung zur Heimreise in der Hand.

Am 15. März fuhren Fritz Gintzel, Wilhelm Nöthlings und Sophie Froitzheim nach Hottorf. Hinter Titz fing das Niemandsland an. Wir fürchteten uns vor jedem Geräusch. Daheim angekommen, bemächtigte sich uns ein Gefühl, was sich nicht schildern lässt. Erst jetzt wussten wir, dass Wort Krieg im wahrsten Sinne zu deuten, am Wegrand Soldaten, so wie der Tod sie ereilt hatte, Trümmer über Trümmer und Vernichtung. Was wohl auf jeden einen tiefen Eindruck gemacht hat, waren die Ruinen unserer Kirche. Beim Anblick der Trümmer war wohl jedem bewusst, wie lieb ihm seine Heimatkirche war, in der er so oft gekniet und was er dann damit verloren hatte.

Am 19. März sind wir dann mit unserer Habe endgültig in die Heimat zurückgekehrt.

Weitere Briefe an die Heimat

Auch der im Ruhestand befindliche Pfarrer Schmitt sendet einen zweiseitigen Bericht mit seinen Fluchterlebnissen an Pfarrer Reiners (Brief als PDF).

Rainer Krieger schreibt am 24.02.1946 aus der Gefangenschaft (Brief als PDF).

Peter Mai, Oberzollinspektor, aus Köln, der im Krieg als Schanzer in Hottorf im Saal untergebracht war, schreibt im Dezember 1945 an Pfarrer Reiners in Sorge um das Hottorfer Gotteshaus:

Köln-Dellbrück, 10.12.1945
Bensberger Marktweg 45.

Hochwürdiger Herr Pastor!
Sie werden sich meiner wohl nicht mehr erinnern. Ich war im vorigen Jahr als Schanzer in Ihrer Gemeinde und war bei Frau Heister im Quartier. Am vorjährigen Kirchweihfeste hielten Sie uns eine schöne Ansprache, in der Sie dem Wunsche Ausdruck geben, daß wir das nächste Kirchweihfest in unserer heimatlichen Kirche und Sie mit Ihrer Pfarrkindern dasselbe in der Hottorfer Kirche feiern könnten. Für mich persönlich ist Ihr Wunsch in Erfüllung gegangen. Ich bin am 10. Mai gesund und heil aus der Kriegsgefangenschaft zurückgekehrt, habe Frau und Kind gesund und mein Haus unbeschädigt, trotz vieler naheliegender Bombeneinschläge, vorgefunden. Unsere Kirche St. Josef in Köln-Delbrück ist eine der wenigen Kölner Kirchen, die keinen Schaden gelitten haben. Aber wie steht es mit der schönsten Kirche im Jülicher Land? Ich habe gehört, daß Hottorf noch schwer unter Artilleriefeuer gelitten hat. Ich wäre Ihnen sehr dankbar, Hochwürdiger Herr Pastor, wenn näheres darüber erfahren könnte.

Ihren weiblichen Küster, des Frl. Gretchen – Familienname weiß ich leider nicht mehr – kenne ich auch sehr gut und bitte um Ausrichtung eines Grußes.

Indem ich Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest wünsche, verbleibe ich mit den herzlichsten Grüßen
Ihr Peter Mai

Hottorf wird besetzt

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Pfarrer Reiners vermerkt nüchtern im Verkündigungsbuch: „Am 25.2.1945, Sonntag, wurde Hottorf besetzt.“

Am frühen Morgen des 24. Februars starteten Amerikanische Infantrie- und Panzer-Bataillone den Angriff in Richtung Hottorf von Boslar und Tetz aus. Sie gerieten schnell unter schweres Feuer von Deutschen Flugabwehrgeschützen aus Richtung Hompesch und Müntz. Mehrere Linien von Schützen- und Panzergräben sowie Bunkern befanden sich im freien Feld zwischen Hottorf, Gevenich und Boslar. Schanzer hatten die Gräben schon im Herbst 1944 angelegt (siehe Beitrag: Erste Deutsche Einquartierung mit Karte). Der Vormarsch war dadurch so erschwert, dass von sieben Panzern nur noch zwei voll funktionierende Panzer mit der Infanterie gegen 12:00h die Ortschaft Hottorf erreichten. Sie nahmen den Ort ohne große Gegenwehr ein.  

Ein verheerender Schlag traf das 701. Panzerbataillon, als es den Vormarsch des 405. Infanterieregiments auf das Dorf Hottorf unterstützte. Panzerabwehrkanonen schalteten vier Panzer einer Kompanie aus, acht einer anderen.“ (übersetzt aus Operation Grenade: Race to the Roer, siehe Bücher mit Bezug zu Hottorf)

Die Besatzung des Sherman-Panzers der Ninth U.S. Army, die trotz vier Treffern durch deutsche 88-mm-Granaten bei der Eroberung von Hottorf unverletzt blieb.
Die Besatzung des Sherman-Panzers der Ninth U.S. Army, die trotz vier Treffern durch deutsche 88mm Flugabwehrgranaten bei der Eroberung von Hottorf unverletzt blieb.

Im späteren Tagesverlauf und in der Nacht druchquerten noch weitere Truppen und Verbände Hottorf, um sich nordöstlich von Hottorf auf der Ebene in Richtung Lövenich/Kleinboslar – etwa auf der Fläche des heutigen Windparks – „einzugraben“ und zu sammeln (siehe Beitrag: Truppen sammeln sich im Hottorfer Feld). 

Kolonne US-Fahrzeuge im Marsch durch Hottorf auf dem Weg nach Erkelenz – Februar 1945
Kolonne US-Fahrzeuge im Marsch durch Hottorf auf dem Weg nach Erkelenz – Februar 1945, Quelle: LIFE Magazine Archives - William Vandivert Photographer WWP-PD, https://www.facebook.com/100021421346688/posts/column-of-us-vehicles-on-the-move-through-hottorf-on-the-way-to-erkelenz-germany/1700248677365827/
Frontverläufe an den Tagen nach der Rurüberquerung bei Linnich und Rurdorf
Vom Hottorf nach Hardt, 24. bis 28. Februar 1945. Hinweis: Die Darstellung der Regimentsaktionen erfolgt durch Zahlen auf den Pfeilen, die die Bataillone kennzeichnen.
Vom Hottorf nach Hardt, 24. bis 28. Februar 1945. Hinweis: Die Darstellung der Regimentsaktionen erfolgt durch Zahlen auf den Pfeilen, die die Bataillone kennzeichnen.

Detaillierte Beschreibung übersetzt aus dem Kapitel 11 „Clearing the path to the Rhine“ von  With the 102d Infantry Division trough Germany, siehe Bücher mit Bezug zu Hottorf

Kapitel 11 – Räumung des Wegs zu Rhein

Außer den Gegenangriffen bei Boslar war der Brückenkopf noch nicht ernsthaft bedroht worden. Die Gewinne des ersten Tages hatten die Fähigkeit des Feindes eingeschränkt, die Überquerungsstellen mit anderen als indirekten Artilleriefeuer oder Flugzeugen zu belästigen. Die verbleibenden Aufgaben für den 24. Februar bestanden daher darin, die Tiefe des Brückenkopfs zu vergrößern, um Manövrierraum zu sichern, den Rest der Divisionsgliederungen überzusetzen und die Fortsetzung des Angriffs nach Norden am folgenden Tag vorzubereiten. Es gab keine Anzeichen aktiven Feindwiderstands, obwohl die taktische Luftaufklärung gepanzerte Kolonnen tief im Rheinland bewegend meldete.

Eine Entwicklung, die unsere Position besonders im frühen Morgen stärkte, war die Tatsache, dass bis 0500 Uhr am 24. Februar die gesamte 771st Tank Destroyer Battalion den Fluss überquert hatte und für einen aktiven Einsatz in der Operation bereit war. Drei mittlere Kompanien des 701st Tank Battalion waren ebenfalls übergesetzt und bewegten sich zu ihrem Sammelgebiet in der Nähe von Tetz, das bald Schauplatz überfüllter Verwirrung wurde. Die ersten Panzer überquerten die Brücke bei Rurdorf um 0330 Uhr. Die Brücke konnte nur einen Panzer gleichzeitig tragen, was die Überquerungszeit erheblich verlängerte. Zudem waren alle Straßen auf der anderen Seite in sehr schlechtem Zustand, sodass fast fünf Stunden für die Fahrt nach Tetz benötigt wurden. Das Bataillon schloss schließlich um etwa 0900 Uhr in seinem Sammelgebiet auf.

Es wurde früh klar, dass die Infanterie nicht über ihre gesamte Panzerunterstützung für die Wiederaufnahme des Angriffs verfügen würde. Angesichts der feindlichen Lage und des Wunsches, unsere Erfolge auszunutzen, befahl der Divisionskommandeur jedoch, den Angriff um 1000 Uhr fortzusetzen und so weit und so schnell wie möglich vorzutreiben.

Das 405. Infantrie Regiment

Das 1. Bataillon des 405th Infantry, links in der Regimentszone, griff um 1000 Uhr von seinen Stellungen entlang der Böschung nördlich der aus Tetz führenden Eisenbahngleise auf Hottorf an. Company B war rechts, C links, und A, das am Vortag am meisten in den Minenfeldern gelitten hatte, in Reserve. Die Maschinengewehre der schweren Waffenkompanie waren auf beiden Flanken aufgestellt (siehe Karte 15, Seite 153).

Unmittelbar nach der Ankunft in Tetz wurde Company A des 701st Tank Battalion dem 1. Bataillon des 405th zugeteilt. Captain Shanks, der Kompaniekommandeur, erhielt nur 30 Minuten vor H-Stunde Kenntnis vom bevorstehenden Angriff und hatte weniger als fünf Minuten, um seine Zugführer zu briefen. Dennoch rückte die Kompanie die Straße nach Boslar hinauf und stellte sich dort in gestaffelter Linie links der Straße ostwärts auf. Die Panzer sollten links wenden und nordwärts gegen Hottorf vorrücken, koordiniert mit der Infanterie. Kaum aufgestellt, gerieten sie unter extrem schweres Panzerabwehrfeuer aus Osten und Südosten. Captain Shanks schätzte, dass mindestens ein Dutzend 88-mm-Geschütze gegen ihn standen, alle so gut getarnt, dass er später beim Abgehen des Geländes fast über die Geschützgruben stolperte, bevor er sie sah. Vier Panzer wurden ausgeschaltet, vier weitere im Schlamm festgefahren. Die verbleibenden zwei zogen sich langsam zurück und feuerten, bis die Munition aufgebraucht war. Dann nahmen sie so viele Verwundete auf, wie sie fassen konnten, und zogen ab. Captain Shanks, dessen eigener Panzer beschädigt war, befahl dem Reservezug, direkt nordostwärts nach Hottorf vorzurücken. Zwei dieser Panzer blieben in einem Panzergraben südlich der Ortschaft stecken, aber drei erreichten das Ziel. Einer davon hatte einen Treffer am Turm erhalten, der das Geschütz so gelockert hatte, dass es nicht mehr zielen konnte. Zudem klemmte ein Geschoß im Verschluß, sodass der Panzer außer seiner koaxialen Maschinengewehr nutzlos war. Glücklicherweise erhielt die Kompanie in der Nacht Teilersatz für ihre Verluste.

Die Infanterie rückte daher allein über das offene Gelände vor und geriet unter schweres Feuer aus Richtung Hompesch und Müntz, aber praktisch keines aus Hottorf. Der Vormarsch wurde nicht gestoppt, und um 1200 Uhr waren die Männer durch den Ort und gruben sich nordostwärts ein, leicht ostwärts ausgerichtet. Dort stockte der Angriff, da die Divisionsartillerie, die den Fluss noch nicht überquert hatte, keine weitere Unterstützung leisten konnte.

Das 3. Bataillon rückte um 1100 Uhr vom Nordrand von Boslar aus, mit dem Ziel des Hochgeländes östlich von Hottorf. Company B des 701st Tank Battalion unterstützte diesen Vorstoß.

Die Panzer verließen eilig ihr Sammelgebiet, wo sie gerade rechtzeitig zur Angriffsanweisung eingetroffen waren, und stießen Richtung Boslar vor, nur um festzustellen, dass der Infanterieangriff bereits lief. Lieutenant Kappa, der Kommandeur von Company B, ließ zwei Züge in Angriffskeil aufstellen, und die Kompanie versuchte, zur Infanterie aufzuschließen. Aus Boslar ausbrechend, gerieten sie unter schweres Feuer von 88ern nordöstlich von Hompesch. Diese Geschütze, die aus 2200 Yards Entfernung über flaches Gelände feuerten, schalteten sieben unserer Panzer aus, sodass nur zwei Hottorf erreichten. Einer davon hatte ein defektes Geschütz. Nach Erreichen des Ortes schlossen sich ihnen zwei Sturmgeschütze an, die vorwärtsgekommen waren, sowie die drei Panzer von Company A. Fünf weitere Panzer des 3. Zuges wurden schließlich herangeführt, und um 1330 Uhr war eine hastige Verteidigung improvisiert. Später am Nachmittag wurden jedoch alle Panzer nach Boslar zurückgezogen.

In der Zwischenzeit nahm die Infanterie etwa 40 Gefangene in einem Steinbruch (der am Vortag eine problematische Stellung gewesen war) und drang nach Hottorf und dem Hochgelände über Ralshoven vor. Das Bataillon grub sich ein und sicherte seine Positionen für den Rest des Tages.

Um 1400 Uhr rückte das 2. Bataillon, in regimentaler Reserve, in ein Sammelgebiet am Rand von Boslar vor. 30 Minuten später wurde es erneut beauftragt, eine Lücke zu schließen, diesmal zwischen dem 406th Infantry rechts und hinten sowie dem 3. Bataillon des 405th in Hottorf. Das Bataillon stellte sich auf und grub sich unter schwerem Kleinkaliberfeuer aus dem Osten entlang einer Nord-Süd-Linie von Hottorf bis Gevelsdorf ein.

Das 407. Infantrie Regiment

Auf der linken Divisionstang sprang das 407th Infantry um 1000 Uhr an und rückte in beiden Bataillonsabschnitten rasch vor. Das 1. Bataillon rechts nutzte Marschfeuer und advanced schnell etwa tausend Yards über das offene Gelände zwischen Kofferen und Hottorf, umzingelte acht Truppenunterkünfte und nahm in etwa zehn Minuten 179 Gefangene. Das Bataillon grub sich dann zwischen Kofferen und Hottorf ein und blieb den Rest des Tages in den Fuchslöchern und deutschen Gräben.

Das 2. Bataillon links griff um 0930 Uhr ohne Panzerunterstützung von Glimbach auf Kofferen und Dingbuchoff vor, mit dem Ziel des Hochgeländes westlich von Kofferen. Company F wurde bald durch schweres Feuer aus Korrenzig (im Abschnitt der 84th Division) festgenagelt und mußte sich nach einem Vormarsch von etwa fünfhundert Yards eingraben. Gegen Mittag erschien Company C des 701st Tank Battalion, und um 1315 Uhr wurde der Angriff fortgesetzt. Company G, unterstützt von den Panzern, drang in Kofferen ein, gefolgt von Company E. Dann mußte Company F aus der Reserve rechts eingesetzt werden, um den Bataillonsvormarsch zu unterstützen, während Company C des 701st Tank Battalion das feindliche Artilleriefeuer neutralisierte. Nach Erreichen dieses Ziels reorganisierte sich die Panzerkompanie in Kofferen und rückte gegen Dingbuchoff vor. Mit Hilfe ihres provisorischen Sturmgeschütz-Zugs stürmte sie das Gebiet, schaltete zwei gezogene Panzerabwehrgeschütze aus und nahm hundert Gefangene aus einem Bunker. Dabei gingen zwei Panzer verloren; trotz schwerem feindlichen Artilleriefeuer war bis 1600 Uhr das gesamte Gelände zwischen Kofferen und Dingbuchoff gesichert.

Das 406. Infantrie Regiment

Um die rechte Divisionflanke zu sichern, griff das 1. Bataillon um 1100 Uhr Hompesch mit Company A links, C rechts und B in Reserve an. Maschinengewehre am Südrand des Dorfes und auf dem Hochgelände im Osten sowie 88er aus östlicher Richtung bremsten den Angriff, doch die Kompanien rückten unter schwerer Artillerieunterstützung vor und sicherten ihr Ziel bis 1245 Uhr. Lt. Col. Woodson D. Scott, der Bataillonskommandeur, bat um Erlaubnis, den Vormarsch fortzusetzen, doch diese wurde verweigert, da die Division gleichzeitig frontal angriff und die rechte Flanke verteidigte. Während das 405th vorstieß, mußte das 406th die rechte Flanke ausdehnen, wodurch wir stündlich verwundbarer wurden. Die Truppen gruben sich dann am östlichen Ortsrand ein und schlossen an das 405th Infantry links an.

Das 2. Bataillon rückte um 1800 Uhr nach Boslar und marschierte in der Nacht weiter nach Hottorf, um am nächsten Morgen einen Angriff nach Norden vorzubereiten. Das 3. Bataillon tat dasselbe durch Boslar nach Hottorf.

Die Tagesaufgaben waren nun erfüllt. Um diese Erfolge auszunutzen, bereiteten sich die der Division zugeteilten Panzer- und mechanisierten Einheiten darauf vor, die Rur zu überqueren und an kommenden Kämpfen teilzunehmen. Am 24. Februar letztmals wurde jedoch eine Änderung vorgenommen: Combat Command B ging unter die Kontrolle seiner Mutter-5th Armored Division über, während die 11th Cavalry Group vom XIII Corps zurückgerufen wurde.

Mit dem nun fest etablierten Rur-Brückenkopf bis Hottorf im Norden und Ralshoven im Osten und einem gründlich verwirrten Feind hinsichtlich des nächsten Schritts war die 102. Division bereit, ihre Lage zu nutzen und zum Rhein vorzustoßen.

 

Der Chronist erinnert sich an die Reste eines Weltkriegsbunkers an der Landstraße von Hottorf in Richtung Gevenich in der Rechtskurve vor der Barbara-Kapelle an der der rechten Fahrbahnswite, der erst in 1970-Jahren vollständig beseitigt wurde.

 

 

Kirche unter Artilleriebeschuss

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| Hl. Georg sollte als erfahrener Kriegsmann die Kirche schützen |

Am Donnerstag, dem 22. Februar 1945, wird die Kirche am Vortag der Operation Grenade – der Überquerung der Rur – durch Artilleriebeschuss bis auf die Umfassungsmauern zerstört. 

Durch ein Aufkären des Wetters konnten strategische Ziele erstmals wieder auf der Ostseite der Rur bombardiert werden. Dabei sollten die geplanten Brückenköpfe bei Linnich und Rurdorf vorbereitet werden, die bis zur Höhe Gevenich und Boslar gehen sollten. Obwohl die Amerikanische Artillerie darauf achtete, nicht mehr als üblich zu feuern, um die Deutsche Wehrmacht keinen Hinweis auf die bevorstehende Operation zu geben, fiel die Hottorfer Kirche diesem Beschuss zum Opfer.

Pfarrer Reiners berichtet um Verkündigungsbuch:

Wir alle vertrauten auf den Schutz des Hl. Georg, der uns als erfahrener Kriegsmann die Kirche schützen sollte, so tat es bloß bis zum Donnerstag, dem 22. Febr. 1945, ab 3 Uhr bis halb 6 nachmittags schossen die Flakgeschütze von Floßdorf aus, mir …., Spenrath und Augenzeugen berichten, die Kirche zusammen. Am 23.2.ging die letzte Offensive der Alliierten los, die hier bei Linnich den Übergang über die Rur genommen mit Infanterie rechts u. standen bei Körrenzig.

Die bis in der Nacht zum 23. Februar gehenden Vorbereitungen zur Operation Grenade werden wie folgt beschrieben, übersetzt aus With the 102d Infantry Division trough Germany, siehe Bücher mit Bezug zu Hottorf:

Nach der Monatsmitte besserte sich das Wetter deutlich. Der Regen hörte auf, und der Himmel klarte auf – eine Entwicklung, die nicht nur die rückwärtigen Gebiete und Nachschublinien des Feindes wieder Angriffen aus der Luft aussetzte, sondern auch seine Aktivitäten auf der gegenüberliegenden Seite des Rurtals wieder für Beobachter am Boden sichtbar machte. Die Hochwasserlage begann sich zu entspannen, und der Fluss fiel täglich um etwa einen Zoll, obwohl die Strömung gefährlich stark blieb – zwischen sechs und zwölf Meilen pro Stunde. Schließlich kam es am 22. Februar zu einem plötzlichen Rückgang des Wasserstands um drei Zoll. Alles deutete darauf hin, dass die Flut weitaus schneller zurückging als erwartet.

Der D‑Day war nun auf den 23. Februar festgelegt worden, mit der H‑Stunde um 03:30. In Vorbereitung des neuen Angriffs rückten die Sturmtruppen erneut an die Flusslinie vor. So verließen am 22. Februar das 1. und 2. Bataillon des 405th Infantry Baesweiler und erreichten Ederen, Welz und Freialdenhoven. Während der Nacht vom 22. auf 23. Februar bewegten sich das 1. und 2. Bataillon des 407th Infantry von Gereonsweiler nach Linnich. Das Divisionshauptquartier wurde gemeinsam mit dem 407th Infantry in einem Schulgebäude in Linnich eingerichtet – mit Blick auf den reißenden Fluss. Die Vorbereitungen näherten sich rasch ihrem Abschluss.

Man konnte die Spannung spüren, als die Dunkelheit über das Rurtal fiel. Das Material für den Übergang musste die steile Böschung gegenüber Rurdorf hinunter getragen werden, und Tausende Männer befanden sich in Reichweite jeder verfügbaren deutschen Waffe. Alles konnte geschehen – und wahrscheinlich würde es das auch. Man hoffte still auf das Beste.

Am frühen Abend herrschte Stille; nur gelegentlich durchbrach eine bernsteinfarbene Leuchtrakete die Ruhe der Nacht. Am nächsten Tag, dem 23. Februar, nur wenige Stunden entfernt, sollte der große Angriff beginnen. Es war der Anfang vom Ende, und viele schöpften daraus Zuversicht. Alle glaubten an den kommenden Erfolg. Der Feind feuerte sporadisch Granaten, Mörser‑ und Maschinengewehrsalven. In den verdunkelten Straßen von Linnich und Rurdorf bewegten sich Männer lautlos wie Schatten, sprangen hastig in Türöffnungen, wenn eine Granate über sie hinwegzischte oder Kugeln Ziegelstaub in die Straßen schleuderten. Hin und wieder trat ein Einzelner aus einem Unterstand, getrieben von Neugier und Hoffnung, etwas zu sehen, das ihn beruhigen mochte. Für viele war es der erste Fronteinsatz – ihre Vorstellungskraft quälte ihre Herzen. Mehrere Volltreffer in das Divisionshauptquartier erinnerten auch die Kriegskorrespondenten daran, dass der Krieg keine Gnade kannte und der Tod in der Luft lauerte.

„Rogers’ Night Raiders“ – die furchtlose Gruppe von Offizieren und Soldaten, die sich längst im Nahkampf mit dem Feind bewährt hatte – schwärzten ruhig ihre Gesichter und überprüften ihre Waffen. Sie würden als Erste über den Fluss gehen und den Gegner vom jenseitigen Ufer vertreiben, damit die Boote nicht unter direktes Infanteriefeuer gerieten.

Das Fernmeldepersonal, von dem so vieles abhing, arbeitete still an der Aufrechterhaltung der Verbindungen, im Wissen, dass sie ständig in Gefahr waren, aber weitermachen mussten. Die Geschützbedienungen überprüften die Zünder, legten die Granaten bereit, um sie so schnell wie möglich in die Rohre zu laden. Sie würden die ersten Schüsse der bevorstehenden Schlacht abfeuern.

Einige versuchten zu schlafen, doch Ruhe war ihnen nicht vergönnt – sie wälzten sich auf schmutzigen Böden, wo immer es einigermaßen Schutz gab. Sie hörten das Gurgeln des Flusses, den sie bald überqueren sollten – eine mahnende Erinnerung daran, dass der morgige Tag der D‑Day sein würde.

Die Vorbereitungen für die Schlacht an der Rur waren abgeschlossen – ihre Durchführung stand unmittelbar bevor. Wir waren bereit.

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