In memoriam Goswin Frenken

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| Im KZ Flossenbürg gestorben |

Goswin Frenken war Sohn des Kölner Oberlandesgerichtspräsidenten Josef Frenken und der Maria Eleonore von Meer. Er ist am 2. August 1887 in Hottorf geboren und ist am 4. Aug. in der Hottorfer Kirche getauft worden. Er hatte sechs Geschwister.

Über sein Leben in Hottorf ist nichts bekannt. Sein Vater, Josef Frenken, wurde zwei Jahre nach seiner Geburt Staatsanwalt in Köln.   

Goswin Frenken studierte in Berlin und wurde 1922 Hochschullehrer in Köln. Wegen Äußerungen über das NS Regime wurde er verurteilt. Er kam 1941 in Gestapohaft und und starb 1945 im KZ Flossenbürg.

Mehr über sein Leben und Wirken bei Wikipedia.

 

Messgewänder auf der Flucht

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| Nun war unsere Kirche kein Gotteshaus mehr|

Pfarre Reiners berichtet im Verkündigungsbuch von der Räumung der Kirche:

Sonntag 19.11.1944- 25. Sonntag im Jahreskreis:
7:00 Uhr Abenmesse. sonst alles wie gewöhnlich. 6:00 Uhr Beichtgelegenheit.
….
Die Verwandten wollten nicht länger warten. Sie rückten am Mittwoch, dem 22.11.1944, mit den meisten Hottorfern ab. Die Messe für die Soldaten fiel aus. Stattdessen hielt ich eine für Schiffer. Am Donnertag packte ich mit Maria Mülfarth (Anmerkung: spätere Maria Krafft) alle Paramente in der Kirche zusammen und übergab sie verschiedenen Leuten (Schmitz P., Althoff), die sie in Holzweiler bei Porz, wohin Mühlfahrts tags vorher abgerückt waren, abluden. Mit einem Heuwagen von Berger voller kirchlichen Sachen fuhr auch ich abends aus dem Ort. Nachmittags habe ich noch das Allerheiligste sumiert. Nun war unsere Kirche kein Gotteshaus mehr. Tags darauf kam ich unter Granatbeschuss nochmals wieder und trug alles aus meinem Hause in den Keller. Die ….… u. das Reliquiar des Hl. Georg nahm Joh. Esser mit nach Hemmerden, wo es eingemauert wurde. Die … Monstranz versorgte Nik. Deuser. Die Kelche nahmen Froitzheim und Jansen mit. Ich selbst …. vor Pastor Schmitt, der schon Wochen nach Arensberg weg war. Mühlfahrt behielten die Paramente zum Teil. Ein anderer kam zu meinem Bruder, der in Otzenrath evakuiert war. Der Rest nach Kleinenbroich, wohin meine Schwester ging. Ich selbst ging nach Hoge an der Weser am 21. Dez. dort blieb ich bis Ende August.

Am 18. Dez. war ich zum letzten Mal 3 Tage hier in Hottorf.

Quelle: Pfarrachiv „Publicanda Hottorf 1939-1954“

Weitere Zitate aus dem Verkündigungsbuch befinden sich in folgenden Beiträgen:

Aufruf zur Evakuierung

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| Hottorf pickepacke voll mit Soldaten |

Immer mehr Einwohner fliehen aus Hottorf.
Nach dem ersten Granatbeschuss des Dorfes am 14. Oktober sind nun alle zum Verlassen der Dorfes aufgefordert. Während die ersten Familien sofort am 15. Oktober aufbrechen, treten die letzten Ende Ende November die Flucht an (siehe Beitrag: Messgewänder auf der Flucht) .  

Schon seit Sommer 1944  hatte das Militär das alleinige Sagen in Hottorf. Unter anderem wurden mehr als 10 Feldküchen für die Versorgung der Front im Dorf betrieben. 

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners: 

Eine Änderung kam am Samstag, den 14. Oktober, als Artilleriebeschuss die Straße Gevenich-Hottorf-Müntzerweg abtastete. Tags vorher waren fünf Salven auf die Bunkerlinie der Gevenicher Straße abgegeben worden. Von da an kamen viele Nächte Artillerieschüsse über Hottorf zum Teil bis Titz. Ängstliche, fast die Hälfte Hottorfs schlief von da ab im Keller. In dieser Zeit war fast andauernd Fliegeralarm, da fast immer feindliche Flieger kreisten. Manchmal wurde der Gottesdienst viel später begonnen oder nachmittags nachgehalten.

Ab 15. Oktober brauchte man sich wegen der Frontnähe nicht mehr um Alarm zu kümmern. Seit dieser Zeit war auch das Bürgermeisteramt Körrenzig nach Hottorf verlegt im Haus Schmitz Hausnr. 25 und die Amtskasse war bei Krauthausen Nr. 62

Von der Ortsgruppenleitung – die Zivilverwaltung hatte nichts mehr zu sagen; schon seit dem 20. Juli nicht mehr – wurde die Bevölkerung aufgefordert, freiwillig sich evakuieren zu lassen.

Mindestens 12-15 Küchen lagen in Hottorf, die die Front zum Teil bis Brachelen versorgten. Diese brachten auch die Toten mit, die sie nach Lövenich zum Ehrenfriedhof brachten, die Verwundeten kamen nach Müntz zum Hauptverbandsplatz im Kloster. Manchmal kamen auch gefangene Amerikaner die Heerbahn in Trupps zu 15-20, oft ohne Kopfbedeckung, gezogen, um nach Müntz zur Gendarmerie gebracht zu werden.

Allmählich war unser kleines Hottorf pickepacke voll mit Soldaten der Wehrmacht und der SS, von Schanzern, Ausländern, Flüchtlingen, Polizisten, politischen Leitern und Eingesessenen.

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