Boslar

25-jähriges Priesterjubiläum Pfarrer Philippen

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| Dank für Wirken und Ausdauer |

Erinnerung an das Silberne Priesterjubiläum von Heinz Philippen am 11. Juli 2011

Die Jülicher Nachrichten berichten von der Fest- und Dankmesse zum 25-jährigen Ortsjubiläum in Boslar und Hottorf:

„Danke für dieses Geschenk und Danke an alle, die mit mir und für mich beten und so mein Priestersein stützen“, sagte Pfarrer Heinz Philippen anlässlich der Messfeier zu seinem silbernen Ortsjubiläum.

Foto Kròl - Jülicher Nachrichten

1961 in Gevenich geboren, absolvierte der Geistliche sein Abitur im Haus Overbach und begann kurz darauf sein Studium der Theologie und Philosophie in Bonn und Regensburg. 1985 wurde er in Übach-Palenberg zum Diakon geweiht und empfing ein Jahr später in Aachen die Priesterweihe. Bis 1990 war er als Kaplan in St. Bonifatius Düren tätig und kam am 15. Oktober 1990 nach Boslar. Gleichzeitig übernahm er auch die Pfarre in Hottorf. 1999 kam noch Tetz hinzu, 2008 Floßdorf und Glimbach und seit 2010 ist er Leiter der GdG Aldenhoven/Linnich.

Sein Ortsjubiläum wollten die Hottorfer und Boslarer Christen nicht unbeachtet verstreichen lassen und feierten mit ihrem Pastor eine Fest- und Dankmesse. Herzlich hieß Josef Lieven, stellvertretender Kirchenvorstandsvorsitzender der Pfarrei St. Georg Hottorf, die Gläubigen in der Pfarrkirche St. Gereon willkommen. Er ging kurz auf die Geschichte der beiden Pfarren ein und auf die Bedeutung, die ein Dorfpfarrer einst hatte. Vieles, so sagte er, habe sich geändert, doch Pfarrer Philippen habe sich viele Eigenschaften eines Ortspfarrers bewahrt. „Du bist immer noch präsent. Wir danken für deine Ausdauer, deinen Einsatz und dein Wirken vor Ort. Die Freude und der Dank sollen an erster Stelle stehen“, schloss er seine kurzen Ausführungen.

Auf die Eucharistie, die Gottes Sohn durch seine Menschwerdung und seinen Tod am Kreuz schenkte, ging der Jubilar in seiner Predigt ein. „Das Geheimnis der Eucharistie ist ein Geschenk, ein Schatz des Glaubens, dem wir uns mit Ehrfurcht zuwenden müssen“, erklärte er und ergänzte noch: „Die Eucharistie ist die Brücke zwischen damals und heute“.

Im Anschluss an die Festmesse, die der Kirchenchor Boslar gestaltete, sprach Gerd Langenberg vom Kirchenvorstand Boslar noch ein Dankwort und lud alle Gottesdienstbesucher zu einem Umtrunk ins Pfarrheim ein.

Ehrendechant Joussen geht in den Ruhestand

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| Pfarrverbund Boslar - Hottorf - Tetz entsteht |

Nach 35 Jahren im Dekanat Linnich geht Ehrendechant Heinrich Joussen zum 1. Oktober 1999 in den wohlverdienten Ruhestand.

Bericht dazu im Pfarrbrief:

Abstimmung über Schulform

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| Eltern stimmen ab |

Im März 1946 stimmen Eltern über die künftige Schulform ab. Neben der konfessionellen katholischen Schule, für die die Hottorfer sich entscheiden, steht noch die „Einheitsschule“ zur Wahl.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Abstimmung zur katholischen Schule: 

März 1946

  1. Am Tag der heiligen Gertrud musste ich das Hirtenschreiben ………. Einwilligung der konfessionellen Schule auf Wunsch der abstimmenden Eltern verlesen.
    Das Abstimmungsformular ist sehr kompliziert. St. Bürokratius hat Pate gestanden. Fast könnte es erscheinen, als ob die Tatsache, dass, wenn keine Eltern für diese Schule abstimmen, die Sammelschule kommt, eine Bevorzugung der Sozialisten bedeutet, die ja die „Einheitsschule“ wünschen. Die alten Mätzchen werden wieder aufgewärmt: Es gibt kein mathematisches Rechnen, keinen katholischen Fußball usw. . Es gibt aber wohl einen Katholiken, der rechnet und Fußball spielt. Aber solche Antworten weiß das verblüffte Volk oft nicht zu geben.
    Es ist wohl kein Zweifel, dass sich Hottorf zu einhundert Prozent für die konfessionelle katholische Schule entscheidet.
    Schroeder in Palenberg hat nicht die Hoffnung, dass bei ihm die Mehrheit dafür ist. In den Städten werden wir wohl Inseln minderer Religiösität erhalten. Religionsunterricht soll auch noch in den Sammelschulen sein. Auch die Evangelischen setzten sich für die religiöse Schule ein. Interessant der Brief des Amtsbruders „der anderen Fakultät“ des Pfarrer Fehsenfeld von Marklohe dazu. Im Herbst war er noch dagegen, auch die niedersächsische Splitterpartei wird sich dafür einsetzen, wie Pfarrer Stegemann von Magelsen schrieb.
  1. Zum letzten Teil des Hirtenbriefes sprach ich ernste Worte zur Not der Zeit. Nach dem Hochamt verteilte Lehrer Schulte die Abstimmungsformulare, deren Kopf er ausfüllte. Viele füllten ihn sofort aus.
    Auf dem …  in Rödingen hieß es, dass die Militärregierung an den Bischof herangetreten sei, die Schulabstimmung bis nach den Wahlen zu verschieben. Er lehnte in fünf Sätzen dieses Entgegenkommen gegen Sozialisten und Kommunisten ab, denen es natürlich hier unangenehm ist, gegen die konfessionellen Schulen Stellung nehmen zu müssen.
    Mehr als die Hälfte aller abgegebenen Stimmen sind ungültig, weil die Unterschrift in Blockschrift geleistet worden war.
  1. Eine Kalamität ist das mit den Schulabstimmungsformularen bzgl. Blockschrift der Adresse des Abstimmenden und Zeugen und der Unterschrift dieser Leute. Man staunt auch sonst bei der Durchsicht der Zettel über die Dummheit und die Unbeholfenheit der Leute. Noch drei Familien sind im Rückstand mit der Willenserklärung. Wenn die Behörde kleinlich ist, kommen nicht die vom Bischof erwarteten 90-94 Prozent heraus, besonders, wo die Sozis und Kozis so Gegenpropaganda machen.

    Immer mehr Kofferer Kinder kommen nach hier zum Unterricht. Jetzt vielleicht schon 25.
    In Kofferen und Boslar ist bisher noch immer kein Schulunterricht. Also fast zwei Jahre lernten die Kinder nichts.
  1. Einstimmig stimmten die Eltern für die katholische Schule.

Truppen sammeln sich im Hottorfer Feld

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| Bereit zum Vorstoß auf den Rhein |

In der Nacht zum 25. Februar sammeln sich Amerikanische Truppenteile auf dem Feld hinter Hottorf in Richtung Lövenich, um verstärkt über Erkelenz nach Mönchengladbach vorzugehen.

Während das 405. Infantrieregiment nach der Einnahme von Hottorf schon seit dem Nachmittag des Vortages dort ausharrt, bricht das 406. Regiment um 4:00h in Boslar auf und erreicht Hottorf gegen 9:00h. Über Nacht wurde das 701. Panzerbataillon wieder mit Material aufgestockt und ebenso rückte das 771. Panzerjäger-Bataillon von Linnich nach. Als weitere Verstärkung nimmt am frühen Morgen auch eine flexible Kampfeinheit der US-Panzerdivision (Combat Command B der 5th Armored Division) den Weg durch Hottorf. Dabei handelt es sich um eine kombinierte Kampfkraft aus Panzern, Panzergrenadieren und Artillerie. Das 407. Infantrieregiment hatte die Nacht in Höhe „Dingbucher Hof“ verbracht und greift am Morgen Lövenich an, das sie gegen 9:45 erreichen.

Jeglicher Nachschub von Benzin- und Munition erfolgte über die wenigen Brücken und erzeugte einen starken Straßenverkehr über die Wege, die erst einen Tag zuvor freigekämpft wurden. Für einen Lkw bedeutete eine Fahrt zurück zum Nachschub und Rückkehr zum Regiment 24 Stunden. So führte auch der Weg der 102. Nachschubkompanie durch Hottorf, um bei dem Kampf um Lövenich die Panzer direkt auf dem Schlachtfeld zu tanken.

 

Frontlinien der Operation Grenade aus Februar und März 1945
Frontlinien der Operation Grenade aus Februar und März 1945

Detaillierte Beschreibung übersetzt aus dem Kapitel 11 „Clearing the path to the Rhine“ von  With the 102d Infantry Division trough Germany, siehe Bücher mit Bezug zu Hottorf

Am  Montag, dem 25  Februar

Rechts wurde der Angriff um 0900 Uhr von Hottorf aus durch das 406th Infantry wiederaufgenommen, das frühmorgens von Boslar nach Norden durch das 405th Infantry marschiert war. Das 405th hielt die Linie Hompesch–Ralshoven, um die rechte Divisionflanke zu sichern (siehe Karte 15). Das 2. Bataillon des 406th Infantry links rückte rasch vor, nahm Klein Boslar um 0933 Uhr und Katzem um 1010 Uhr. Die Angriffsformation bestand aus Company F rechts und Company G links. Ein Zug schwerer Maschinengewehre von Company H war jeder Angriffskompanie zugeteilt. Company A des 701st Tank Battalion hatte je einen Zug bei den Kompanien. Elemente des 771st Tank Destroyer Battalion waren ebenfalls dabei.

Die übliche Angriffsmethode über offenes Gelände sah enge Zusammenarbeit von Infanterie und Panzern vor. Kleine Infanteriegruppen wurden jedem Panzer zugeteilt mit der Anweisung, ihn nie zu verlassen und ihre Aktionen zu koordinieren. Dieses System funktionierte perfekt.

Beim Angriff auf Katzem pinnte eine feindliche Infanterietasche östlich des Ortes mit automatischen Waffen die Infanterie fest, bis sie durch Panzerfeuer zerstreut wurde. Der Vormarsch wurde nach Heranziehung der unterstützenden Panzer und neun Salven 155-mm-Haubitzenfeuer des Korps auf der rechten Flanke fortgesetzt. Bis 1130 Uhr waren 1500 Yards vorangekommen und zwei Hausgruppen gesäubert. Zwei feindliche Panzer wurden durch Bazookafeuer zerstört. Um 1245 Uhr wurde Eichof durch ein brillantes Manöver unter schwerem Kleinkaliberfeuer erobert. Die einzige mögliche Vorwärtsbewegung in diesem offenen Gelände war ein stetiges, langsames Gehen oder Kriechen. Schnelle Sprünge (wie in den Dienstschulen gelehrt) erwiesen sich als zu erschöpfend und boten in flachem, offenem Terrain wenig Schutz.

Bis 1500 Uhr erreichte das Bataillon, das nach Worten des Stabschefs Major Franke „den ganzen Weg kämpfen mußte“, das Hochgelände nördlich und östlich von Katzem und grub sich unter feindlichem Artilleriefeuer aus dem Norden ein. Wie während der gesamten Operation üblich, zogen sich die Deutschen nach längstmöglicher Verzögerung zurück. Dennoch tötete das Bataillon in den schweren Kämpfen um die verstreuten Hausgruppen etwa 40 Deutsche und nahm 50 gefangen. Das Bataillon verlor 6 Gefallene und 53 Verwundete.

Das 3. Bataillon des 406th Infantry blieb bis 0400 Uhr am 25. Februar in Boslar, marschierte dann nach Hottorf, um als rechte Divisionflanke in den Angriff einzugreifen. Um 0915 Uhr sprangen sie von der nördlichen Ortslinie Hottorfs an, in Kompaniekolonne: K, L und I. Die schweren Maschinengewehre waren zwischen den beiden Spitzenkompanien verteilt für Flankenschutz, Mörser und ein zugeteilter Panzerjägerzug blieben in Hottorf als Feuerbasis. Eine Panzerkompanie war zugeteilt und wartete in Hottorf auf Befehle.

Sofort geriet die Infanterie unter schweres 88-mm-Feuer aus Marienfeld auf der rechten Flanke sowie von feindlicher Infanterie und Panzern in und um die verstreuten Häuser vorne. Außer diesen Häusern bot das flache Gelände keinen Deckung. Dieses Feuer nagelte das Bataillon fest, und Company B des 701st Tank Battalion wurde zum Angriff beordert. Zwei Panzerzüge griffen in Linie an, ein Zug deckte die rechte Flanke ab, unterstützt von zwei Sturmgeschützen. Die Angriffsbataillone gruben sich für die Nacht nordöstlich von Katzem ein und schlossen an die Stellungen des 407th links an. Inzwischen rückte das 1. Bataillon in regimentaler Reserve hinter die Angriffskeile und bezog Katzem nach dessen Sicherung.

407. Infantrie Division

Gleichzeitig nahm das 407th Infantry um 0900 Uhr auf der linken Seite aus dem Raum Kofferen den Angriff wieder auf; mit dem 1. und 2. Bataillon in vorderster Linie nahmen sie Lovenich um 1015 Uhr und sicherten anschließend das Schlüsselgelände auf den dahinterliegenden Höhen. Säuberungsaktionen wurden bis 1315 Uhr durchgeführt.

Das 1. Bataillon sprang mit einer Panzerkompanie zum Angriff auf Lovenich an. Der Angriff folgte der Straße, wurde zeitweise durch Infanterie- und Artilleriefeuer verlangsamt, doch um 1107 Uhr war das Bataillon durch den Ort hindurch und hatte Anschluss nach rechts und links hergestellt. Im weiteren Verlauf des Tages kam es zu keinem besonderen Ereignis.

Das 3. Bataillon griff in gestaffelter Kompanieechelon nach links an, um die exponierte Westflanke zu sichern. Nur vereinzelter Widerstand kam von vorne, und bis 0945 Uhr hatte das Bataillon, unterstützt von Company C des 701st Tank Battalion, Lovenich erreicht und die unmittelbar nördlich gelegenen Höhen gesichert.

Das 405th Infantry fungierte an diesem Tag überwiegend als Divisionsreserve, obwohl am frühen Morgen das 3. Bataillon durch Ralshoven vorstieß, um die Sicherung der rechten Flanke zu verbessern. Nach einem schweren Artillerievorbereitungsfeuer überraschte Company L den Ort um 0600 Uhr, nahm 35 Gefangene ohne eigene Verluste, woraufhin Company E L auf den Höhen östlich von Hottorf ablöste.

Company C, 701st Tank Battalion, das dem 407th Infantry unterstellt war, sprang aus Stellungen nördlich von Dingbuchhof zur Unterstützung des Angriffs auf Lovenich an. Die Panzer hatten keine Schwierigkeiten und waren bis 1100 Uhr durch den Ort hindurch, wobei der 3. Zug den Nordostrand besetzte. Der 2. Zug wurde angesetzt, einen Hügelrücken unmittelbar nördlich des Ortes zu halten; beim Überschreiten des Kamms geriet er jedoch unter schweres Feuer von schätzungsweise sieben Panzerabwehrkanonen entlang der Straße Lovenich–Erkelenz. Zwei Panzer wurden sofort ausgeschaltet, die übrigen mussten sich unter schwerem Artillerie- und Mörserfeuer zurückziehen. Die Panzer wichen daher nach Lovenich zurück und organisierten dort Stellungen in Erwartung eines Gegenangriffs. Die zugeteilten Panzerjäger des 771st Tank Destroyer Battalion bezogen ebenfalls Stellungen in den nördlichen und östlichen Randverteidigungen hinter der bereits auf dem Hügelrücken eingegrabenen Infanterie. Ein Gegenangriff blieb jedoch aus, obwohl der Ort für den Rest des Tages und der Nacht schwer beschossen wurde. Vereinzelte feindliche Flugzeuge waren aktiv; eine Sturmgeschützbesatzung, die am Nachmittag in Lovenich beim Essen war, wurde von einem feindlichen Bomber angegriffen, doch das Geschütz und die Begleitfahrzeuge blieben unbeschädigt.

Die beiden Angriffsregimenter verbrachten den Rest des Tages damit, Verteidigungen auszubauen und sich auf den Angriff gegen Erkelenz am nächsten Tag vorzubereiten, während das 405th Infantry weiterhin auf der Linie Hompesch–Ralshoven die rechte Flanke der Division deckte. Der 1. Zug der 102nd Reconnaissance Troop wurde mit einem Auftrag vorausgeschickt und verbrachte die Nacht mit Aufklärung östlich von Köckhoven.

Am frühen Morgen des 26. Februar rückte Combat Command B der 5th Armored Division, das in der vorangegangenen Nacht die Rur überschritten und Hottorf erreicht hatte, unter Kontrolle des XIII. Korps rechts des 406th Infantry vor. Sein Auftrag war, die verwundbare rechte Flanke der Division zu verstärken, wo sich eine beträchtliche Lücke zur linken Flanke der 29th Infantry Division aufgetan hatte. CCB stieß zunächst auf die Linie Wockerath–Teerheeg–Menekrath vor, ihr erstes Ziel, und hatte bis 1325 Uhr das Gebiet nordöstlich von Erkelenz überrollt. Nach der Säuberung der Orte Krauthausen und Venrath um 1600 Uhr hielten die Panzerverbände diese Ortschaften, bis sie nach Einbruch der Dunkelheit von Teilen des 405th Infantry abgelöst wurden, und richteten dann einen Sicherungsschirm nach Nordosten ein.

Große Begeisterung herrschte, und die Hoffnungen waren hoch, als die Kolosse der 5th Armored Division durch die Linien der Ozark-Division rollten. Der Feind war auf dem Rückzug, und man glaubte, dass nun nichts mehr den Vormarsch des XIII. Korps aufhalten könne. Die zuvor vorhandenen Befürchtungen wegen der exponierten rechten Flanke schwanden rasch, und die Einnahme Erkelenz galt als gesichert. Nun war man bereit, ohne die Furcht, in drei Richtungen kämpfen zu müssen, loszubrechen.

Probleme

Wir wußten nicht, daß weicher Schlamm, offenes Gelände und zahlreiche eingegrabene feindliche 88er unsere eigenen und unterstützenden Panzer verlangsamen und schließlich zum Stillstand bringen würden. Die Panzer des 701st Tank Battalion bedurften dringend einer Wartung. Sie hatten hervorragende Arbeit geleistet, aber enorme Prügel bezogen. Die Besatzungen waren müde und erschöpft und hatten tagelang nicht geschlafen.

Obwohl ein Panzerbataillon normalerweise nur einen Sturmgeschütz-Zug besaß, hatte das 701st durch Entnahme von Stabspersonal einen zusätzlichen provisorischen Zug organisiert, sodass Companies A und C jeweils Sturmgeschütze hatten. Diese Geschütze wurden für Unterstützungsfeuer eingesetzt, obwohl sie gelegentlich dicht hinter den Angriffskeilen vorgerückt sind. Sie schienen weniger feindliches Panzerabwehrfeuer anzuziehen als die Panzer, möglicherweise weil der kürzere Rohr ihrer Geschütze sie weniger bedrohlich erscheinen ließ. Es schien Praxis der deutschen Panzerjäger zu sein, sich hinzusetzen, das Feuer zurückzuhalten, bis sie fast überrannt waren, und dann entweder ihre Waffen zu verlassen oder sich zu ergeben.

Um 1300 Uhr am 25. Februar war Company D des 701st in Hottorf eingetroffen. Zur Zeit der Brachelen-Operation waren dem Panzerbataillon sechzehn zusätzliche mittlere Panzer zugeteilt worden, um notwendige Sofort-Ersatzleistungen zu gewährleisten. Diese Extrapanzer waren nicht vom Heer zurückgerufen worden und stellten effektiv eine zusätzliche mittlere Kompanie dar. Verluste in den Linienkompanien wurden durch diese von Company-D-Besatzungen bemannten Panzer ersetzt.

Das Problem der Benzin- und Munitionsversorgung forderte ebenfalls die Energie und das Geschick jedes Mannes. Die Hauptschwierigkeit war der Engpaß durch die wenigen Brücken über den Fluß und den starken Straßenverkehr. Die Arbeit, Nachschub vorzubringen, begann täglich um 1500 Uhr, und oft genug kamen Munition und Benzin gerade noch rechtzeitig an, um die Panzer für den nächsten Morgenangriff zu versorgen. Für einen Lkw bedeutete eine Fahrt zurück zum Nachschub und Rückkehr zum Regiment 24 Stunden. Während des Kampfes um Lovenich betankten Besatzungen der 102d Quartermaster Company die Panzer direkt auf dem Schlachtfeld, um die Infanterie rechtzeitig zu unterstützen.

 

Hottorf wird besetzt

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Pfarrer Reiners vermerkt nüchtern im Verkündigungsbuch: „Am 25.2.1945, Sonntag, wurde Hottorf besetzt.“

Am frühen Morgen des 24. Februars starteten Amerikanische Infantrie- und Panzer-Bataillone den Angriff in Richtung Hottorf von Boslar und Tetz aus. Sie gerieten schnell unter schweres Feuer von Deutschen Flugabwehrgeschützen aus Richtung Hompesch und Müntz. Mehrere Linien von Schützen- und Panzergräben sowie Bunkern befanden sich im freien Feld zwischen Hottorf, Gevenich und Boslar. Schanzer hatten die Gräben schon im Herbst 1944 angelegt (siehe Beitrag: Erste Deutsche Einquartierung mit Karte). Der Vormarsch war dadurch so erschwert, dass von sieben Panzern nur noch zwei voll funktionierende Panzer mit der Infanterie gegen 12:00h die Ortschaft Hottorf erreichten. Sie nahmen den Ort ohne große Gegenwehr ein.  

Ein verheerender Schlag traf das 701. Panzerbataillon, als es den Vormarsch des 405. Infanterieregiments auf das Dorf Hottorf unterstützte. Panzerabwehrkanonen schalteten vier Panzer einer Kompanie aus, acht einer anderen.“ (übersetzt aus Operation Grenade: Race to the Roer, siehe Bücher mit Bezug zu Hottorf)

Die Besatzung des Sherman-Panzers der Ninth U.S. Army, die trotz vier Treffern durch deutsche 88-mm-Granaten bei der Eroberung von Hottorf unverletzt blieb.
Die Besatzung des Sherman-Panzers der Ninth U.S. Army, die trotz vier Treffern durch deutsche 88mm Flugabwehrgranaten bei der Eroberung von Hottorf unverletzt blieb.

Im späteren Tagesverlauf und in der Nacht druchquerten noch weitere Truppen und Verbände Hottorf, um sich nordöstlich von Hottorf auf der Ebene in Richtung Lövenich/Kleinboslar – etwa auf der Fläche des heutigen Windparks – „einzugraben“ und zu sammeln (siehe Beitrag: Truppen sammeln sich im Hottorfer Feld). 

Kolonne US-Fahrzeuge im Marsch durch Hottorf auf dem Weg nach Erkelenz – Februar 1945
Kolonne US-Fahrzeuge im Marsch durch Hottorf auf dem Weg nach Erkelenz – Februar 1945, Quelle: LIFE Magazine Archives - William Vandivert Photographer WWP-PD, https://www.facebook.com/100021421346688/posts/column-of-us-vehicles-on-the-move-through-hottorf-on-the-way-to-erkelenz-germany/1700248677365827/
Frontverläufe an den Tagen nach der Rurüberquerung bei Linnich und Rurdorf
Vom Hottorf nach Hardt, 24. bis 28. Februar 1945. Hinweis: Die Darstellung der Regimentsaktionen erfolgt durch Zahlen auf den Pfeilen, die die Bataillone kennzeichnen.
Vom Hottorf nach Hardt, 24. bis 28. Februar 1945. Hinweis: Die Darstellung der Regimentsaktionen erfolgt durch Zahlen auf den Pfeilen, die die Bataillone kennzeichnen.

Detaillierte Beschreibung übersetzt aus dem Kapitel 11 „Clearing the path to the Rhine“ von  With the 102d Infantry Division trough Germany, siehe Bücher mit Bezug zu Hottorf

Kapitel 11 – Räumung des Wegs zu Rhein

Außer den Gegenangriffen bei Boslar war der Brückenkopf noch nicht ernsthaft bedroht worden. Die Gewinne des ersten Tages hatten die Fähigkeit des Feindes eingeschränkt, die Überquerungsstellen mit anderen als indirekten Artilleriefeuer oder Flugzeugen zu belästigen. Die verbleibenden Aufgaben für den 24. Februar bestanden daher darin, die Tiefe des Brückenkopfs zu vergrößern, um Manövrierraum zu sichern, den Rest der Divisionsgliederungen überzusetzen und die Fortsetzung des Angriffs nach Norden am folgenden Tag vorzubereiten. Es gab keine Anzeichen aktiven Feindwiderstands, obwohl die taktische Luftaufklärung gepanzerte Kolonnen tief im Rheinland bewegend meldete.

Eine Entwicklung, die unsere Position besonders im frühen Morgen stärkte, war die Tatsache, dass bis 0500 Uhr am 24. Februar die gesamte 771st Tank Destroyer Battalion den Fluss überquert hatte und für einen aktiven Einsatz in der Operation bereit war. Drei mittlere Kompanien des 701st Tank Battalion waren ebenfalls übergesetzt und bewegten sich zu ihrem Sammelgebiet in der Nähe von Tetz, das bald Schauplatz überfüllter Verwirrung wurde. Die ersten Panzer überquerten die Brücke bei Rurdorf um 0330 Uhr. Die Brücke konnte nur einen Panzer gleichzeitig tragen, was die Überquerungszeit erheblich verlängerte. Zudem waren alle Straßen auf der anderen Seite in sehr schlechtem Zustand, sodass fast fünf Stunden für die Fahrt nach Tetz benötigt wurden. Das Bataillon schloss schließlich um etwa 0900 Uhr in seinem Sammelgebiet auf.

Es wurde früh klar, dass die Infanterie nicht über ihre gesamte Panzerunterstützung für die Wiederaufnahme des Angriffs verfügen würde. Angesichts der feindlichen Lage und des Wunsches, unsere Erfolge auszunutzen, befahl der Divisionskommandeur jedoch, den Angriff um 1000 Uhr fortzusetzen und so weit und so schnell wie möglich vorzutreiben.

Das 405. Infantrie Regiment

Das 1. Bataillon des 405th Infantry, links in der Regimentszone, griff um 1000 Uhr von seinen Stellungen entlang der Böschung nördlich der aus Tetz führenden Eisenbahngleise auf Hottorf an. Company B war rechts, C links, und A, das am Vortag am meisten in den Minenfeldern gelitten hatte, in Reserve. Die Maschinengewehre der schweren Waffenkompanie waren auf beiden Flanken aufgestellt (siehe Karte 15, Seite 153).

Unmittelbar nach der Ankunft in Tetz wurde Company A des 701st Tank Battalion dem 1. Bataillon des 405th zugeteilt. Captain Shanks, der Kompaniekommandeur, erhielt nur 30 Minuten vor H-Stunde Kenntnis vom bevorstehenden Angriff und hatte weniger als fünf Minuten, um seine Zugführer zu briefen. Dennoch rückte die Kompanie die Straße nach Boslar hinauf und stellte sich dort in gestaffelter Linie links der Straße ostwärts auf. Die Panzer sollten links wenden und nordwärts gegen Hottorf vorrücken, koordiniert mit der Infanterie. Kaum aufgestellt, gerieten sie unter extrem schweres Panzerabwehrfeuer aus Osten und Südosten. Captain Shanks schätzte, dass mindestens ein Dutzend 88-mm-Geschütze gegen ihn standen, alle so gut getarnt, dass er später beim Abgehen des Geländes fast über die Geschützgruben stolperte, bevor er sie sah. Vier Panzer wurden ausgeschaltet, vier weitere im Schlamm festgefahren. Die verbleibenden zwei zogen sich langsam zurück und feuerten, bis die Munition aufgebraucht war. Dann nahmen sie so viele Verwundete auf, wie sie fassen konnten, und zogen ab. Captain Shanks, dessen eigener Panzer beschädigt war, befahl dem Reservezug, direkt nordostwärts nach Hottorf vorzurücken. Zwei dieser Panzer blieben in einem Panzergraben südlich der Ortschaft stecken, aber drei erreichten das Ziel. Einer davon hatte einen Treffer am Turm erhalten, der das Geschütz so gelockert hatte, dass es nicht mehr zielen konnte. Zudem klemmte ein Geschoß im Verschluß, sodass der Panzer außer seiner koaxialen Maschinengewehr nutzlos war. Glücklicherweise erhielt die Kompanie in der Nacht Teilersatz für ihre Verluste.

Die Infanterie rückte daher allein über das offene Gelände vor und geriet unter schweres Feuer aus Richtung Hompesch und Müntz, aber praktisch keines aus Hottorf. Der Vormarsch wurde nicht gestoppt, und um 1200 Uhr waren die Männer durch den Ort und gruben sich nordostwärts ein, leicht ostwärts ausgerichtet. Dort stockte der Angriff, da die Divisionsartillerie, die den Fluss noch nicht überquert hatte, keine weitere Unterstützung leisten konnte.

Das 3. Bataillon rückte um 1100 Uhr vom Nordrand von Boslar aus, mit dem Ziel des Hochgeländes östlich von Hottorf. Company B des 701st Tank Battalion unterstützte diesen Vorstoß.

Die Panzer verließen eilig ihr Sammelgebiet, wo sie gerade rechtzeitig zur Angriffsanweisung eingetroffen waren, und stießen Richtung Boslar vor, nur um festzustellen, dass der Infanterieangriff bereits lief. Lieutenant Kappa, der Kommandeur von Company B, ließ zwei Züge in Angriffskeil aufstellen, und die Kompanie versuchte, zur Infanterie aufzuschließen. Aus Boslar ausbrechend, gerieten sie unter schweres Feuer von 88ern nordöstlich von Hompesch. Diese Geschütze, die aus 2200 Yards Entfernung über flaches Gelände feuerten, schalteten sieben unserer Panzer aus, sodass nur zwei Hottorf erreichten. Einer davon hatte ein defektes Geschütz. Nach Erreichen des Ortes schlossen sich ihnen zwei Sturmgeschütze an, die vorwärtsgekommen waren, sowie die drei Panzer von Company A. Fünf weitere Panzer des 3. Zuges wurden schließlich herangeführt, und um 1330 Uhr war eine hastige Verteidigung improvisiert. Später am Nachmittag wurden jedoch alle Panzer nach Boslar zurückgezogen.

In der Zwischenzeit nahm die Infanterie etwa 40 Gefangene in einem Steinbruch (der am Vortag eine problematische Stellung gewesen war) und drang nach Hottorf und dem Hochgelände über Ralshoven vor. Das Bataillon grub sich ein und sicherte seine Positionen für den Rest des Tages.

Um 1400 Uhr rückte das 2. Bataillon, in regimentaler Reserve, in ein Sammelgebiet am Rand von Boslar vor. 30 Minuten später wurde es erneut beauftragt, eine Lücke zu schließen, diesmal zwischen dem 406th Infantry rechts und hinten sowie dem 3. Bataillon des 405th in Hottorf. Das Bataillon stellte sich auf und grub sich unter schwerem Kleinkaliberfeuer aus dem Osten entlang einer Nord-Süd-Linie von Hottorf bis Gevelsdorf ein.

Das 407. Infantrie Regiment

Auf der linken Divisionstang sprang das 407th Infantry um 1000 Uhr an und rückte in beiden Bataillonsabschnitten rasch vor. Das 1. Bataillon rechts nutzte Marschfeuer und advanced schnell etwa tausend Yards über das offene Gelände zwischen Kofferen und Hottorf, umzingelte acht Truppenunterkünfte und nahm in etwa zehn Minuten 179 Gefangene. Das Bataillon grub sich dann zwischen Kofferen und Hottorf ein und blieb den Rest des Tages in den Fuchslöchern und deutschen Gräben.

Das 2. Bataillon links griff um 0930 Uhr ohne Panzerunterstützung von Glimbach auf Kofferen und Dingbuchoff vor, mit dem Ziel des Hochgeländes westlich von Kofferen. Company F wurde bald durch schweres Feuer aus Korrenzig (im Abschnitt der 84th Division) festgenagelt und mußte sich nach einem Vormarsch von etwa fünfhundert Yards eingraben. Gegen Mittag erschien Company C des 701st Tank Battalion, und um 1315 Uhr wurde der Angriff fortgesetzt. Company G, unterstützt von den Panzern, drang in Kofferen ein, gefolgt von Company E. Dann mußte Company F aus der Reserve rechts eingesetzt werden, um den Bataillonsvormarsch zu unterstützen, während Company C des 701st Tank Battalion das feindliche Artilleriefeuer neutralisierte. Nach Erreichen dieses Ziels reorganisierte sich die Panzerkompanie in Kofferen und rückte gegen Dingbuchoff vor. Mit Hilfe ihres provisorischen Sturmgeschütz-Zugs stürmte sie das Gebiet, schaltete zwei gezogene Panzerabwehrgeschütze aus und nahm hundert Gefangene aus einem Bunker. Dabei gingen zwei Panzer verloren; trotz schwerem feindlichen Artilleriefeuer war bis 1600 Uhr das gesamte Gelände zwischen Kofferen und Dingbuchoff gesichert.

Das 406. Infantrie Regiment

Um die rechte Divisionflanke zu sichern, griff das 1. Bataillon um 1100 Uhr Hompesch mit Company A links, C rechts und B in Reserve an. Maschinengewehre am Südrand des Dorfes und auf dem Hochgelände im Osten sowie 88er aus östlicher Richtung bremsten den Angriff, doch die Kompanien rückten unter schwerer Artillerieunterstützung vor und sicherten ihr Ziel bis 1245 Uhr. Lt. Col. Woodson D. Scott, der Bataillonskommandeur, bat um Erlaubnis, den Vormarsch fortzusetzen, doch diese wurde verweigert, da die Division gleichzeitig frontal angriff und die rechte Flanke verteidigte. Während das 405th vorstieß, mußte das 406th die rechte Flanke ausdehnen, wodurch wir stündlich verwundbarer wurden. Die Truppen gruben sich dann am östlichen Ortsrand ein und schlossen an das 405th Infantry links an.

Das 2. Bataillon rückte um 1800 Uhr nach Boslar und marschierte in der Nacht weiter nach Hottorf, um am nächsten Morgen einen Angriff nach Norden vorzubereiten. Das 3. Bataillon tat dasselbe durch Boslar nach Hottorf.

Die Tagesaufgaben waren nun erfüllt. Um diese Erfolge auszunutzen, bereiteten sich die der Division zugeteilten Panzer- und mechanisierten Einheiten darauf vor, die Rur zu überqueren und an kommenden Kämpfen teilzunehmen. Am 24. Februar letztmals wurde jedoch eine Änderung vorgenommen: Combat Command B ging unter die Kontrolle seiner Mutter-5th Armored Division über, während die 11th Cavalry Group vom XIII Corps zurückgerufen wurde.

Mit dem nun fest etablierten Rur-Brückenkopf bis Hottorf im Norden und Ralshoven im Osten und einem gründlich verwirrten Feind hinsichtlich des nächsten Schritts war die 102. Division bereit, ihre Lage zu nutzen und zum Rhein vorzustoßen.

 

Der Chronist erinnert sich an die Reste eines Weltkriegsbunkers an der Landstraße von Hottorf in Richtung Gevenich in der Rechtskurve vor der Barbara-Kapelle an der der rechten Fahrbahnswite, der erst in 1970-Jahren vollständig beseitigt wurde.

 

 

Amerikanische Truppen überqueren die Rur

nrw-wappen

| D-Day der Operation Grenade |

Die 9. US-Armee beginnt am 23. Februar um 3:30 Uhr mit der Überquerung der Rur.  Dabei errichtete das 407. Infantrie Regiment mit dem 1. und 2. Bataillion den Brückenkopf bei Linnich und das 1. Batallion des 405. Regiments den Brückenkopf bei Rurdorf. 
In Booten setzten sie über, wobei die Infantristen das Ufer unter Kontrolle bringen sollten. An Stahlkabeln wurden zunächst Boot um Boot über die weiterhin reißende Rur gezogen; gleichzeitig wurden zwischen gespannten Stahlkabeln Fußsteige errichtet. 

Ein Fußsteig über die Rur am 23. Februar 1944, Quelle: picture alliance / Usis-Dite/Lee

Ein in Linnich zunächst mit Sturmbooten übersetztes Bataillon erreichte um 6:30h Gevenich und nahm dort im Ort 160 Gefangene. Ein weiteres Batailon errichtete einen Fußsteig und erreichte um 9:15h Uhr das Gut Breitenbend. Die in Rurdorf übersetzen Truppen gingen über Erzelbach nach Tetz und Boslar. Während Tetz schon um 6:50h eingenommen wurde, gab es in Boslar bis zum Abend insgesamt sieben Gegenangriffe der Deutschen Wehrmacht. Erst in der Nacht konnten Amerikanische Panzer dir Rur überqueren und konnten die Deutschen in Boslar zurückdrängen. 

In Linnich und Rurdorf wurden jeweiles Fußsteige und Pontonbrücken errichtet – eine Behelfsbrücke für leichte Fahrzeuge und bis in die Nacht eine schwere Brücke für Panzer.  Am ersten Tag der Operation Grenade erreichten die Amerikanischen Truppen über die beiden Flussüberquerungen bei Linnich und Rurdorf die Orte Glimbach, Gevenich, Tetz und Boslar.  

Karte am Morgen des 24.Feb 1944 der Brückenköpfe bei Linnich und Rurdort aus "With the 102d Infantry Division trough Germany"

Auf der gesamten Länge der Rur hatten bis zum Abend rund 25.000 US-Soldaten die Rur überquert, in der Nacht folgten die ersten leichten Panzer. Südlich von Jülich wurde ein Fußsteig mehrmals zerstört und konnte erst im fünften Anlauf ferstiggestellt werden.

Detaillierte Beschreibung übersetzt aus dem Kapitel 10 „Establishing the Roer Bridgehead“ von  With the 102d Infantry Division trough Germany, siehe Bücher mit Bezug zu Hottorf

Einrichtung des Bückenkopfes an der Rur

Eine Nacht, die vor Spannung vibrierte. Sterne funkelten durch klare Lücken in den zerfetzten, jagenden Wolken. Unter den Füßen quatschte der durchweichte Boden, während eine Patrouille vorsichtig zu den wartenden Booten glitt, die von Pionieren bereitgehalten wurden. Sogar hier, entlang der vergleichsweise ruhigen Ufer der Rur, saugten Gegenströme und Wirbel bedrohlich – gierig, wie es den Ingenieuren schien. Eine Deckungsgruppe, ausgebreitet und angespannt am Westufer wartend, fror in Erwartung und rechnete jeden Moment mit dem scharfen Stakkato einer Maschinenpistole, dem blendenden Licht einer Leuchtrakete oder dem leisen „Plumps-Platsch“ eines deutschen Mörsers. Sicherlich konnten diese lauten Vorbereitungen den Ohren der Vorposten der deutschen 59. Infanteriedivision nicht entgehen, die auf den alliierten Vorstoß zum Rhein gewartet hatten.

H-Hour minus 30 

Pünktlich um 03:00 Uhr stießen „Buck“ Rogers’ Night Raiders in die Dunkelheit vor, in die reißende Rur, die von ihrem Frühlingshochwasserpegel zurückgegangen war. Diese berühmte Patrouille des 407th Infantry, angeführt von First Lieutenant Roy Rogers, war mehrere Wochen vor der Überquerung organisiert worden und hatte seit ihrer Gründung zahlreiche Raids im Abschnitt des 407th Infantry durchgeführt. Vollständig aus Freiwilligen bestehend, meist College-Absolventen, hatten die Raiders zahlreiche herausragende Erfolge vorzuweisen und weltweite Aufmerksamkeit durch die Berichterstattung von Presseagenturen und Zeitungen in den USA erhalten.

Ein vorbereitendes Mörserfeuer auf den Deich jenseits des Flusses war gerade von First Lieutenant Karl Aamott angehoben worden, der diese wichtige Expedition geschickt geplant hatte. Nun wartete er gespannt, während das Boot – ein dunkler Klumpen in der Nacht – wirbelte und schließlich unter geschickten Händen stabilisiert wurde. Ihr Start war durch einen Mörsergranateneinschlag in der Nähe unterbrochen worden. Splitter streiften Rogers’ Auge. Zwei weitere Männer wurden verletzt, doch alle setzten ihren Weg fort.

Als die Ruder der Besatzungen in den tosenden Strom tauchten, eröffnete ein deutsches Maschinengewehr in nicht einmal fünfzig Yards Entfernung das Feuer, Leuchtspuren bildeten ein rotes Baldachin über ihnen. Doch in dem unbeständigen Sternenlicht waren auf dem rasenden Fluss schwankende Sturmboote schlechte Ziele. Einige Minuten später – Minuten, die sich für Wartende und Handelnde wie Stunden dehnten – stupsten die Boote leise ans Ostufer der Rur. Die Männer sprangen rasch an Land und kletterten wie besessen die glitschigen Hänge hinauf. Mit uhrwerkartiger Präzision schwärmten dunkle Gestalten aus und umzingelten das bedrohliche Maschinengewehr. Instinktiv erwiderte ein Mann das Feuer. Ein anderer griff nach seiner Handgranate. Ein guter Wurf; ein dumpfer Knall; ein Schrei; dann Stille.

Nun war die Gelegenheit, sich neu zu formieren, Köpfe zu zählen und den benötigten Brückenkopf zu sichern. Eine Gruppe unter Sergeant Albert Charpentier schwenkte zur Eisenbahnlinie ab, die von einem dichten Minenfeld gesäumt war, das Gefangene später als hinter ihrer Vorpostenlinie angelegt beschrieben, um ihre Einheit am Fluss zu halten – komme Hochwasser, Hölle oder Angriff. Der Rest der Patrouille kämpfte sich nach Süden und räumte ein Maschinengewehrnest nach dem anderen. Zur H-Stunde – dreißig Minuten später – setzte die erste Sturm-Welle des 407th Infantry ohne Probleme über. Ihr Brückenkopf, der erste über die Rur, war etabliert.

Zu diesem Zeitpunkt hatten Rogers’ Raiders fünfhundert Yards Flussufer auf einer zweihundert Yards breiten Front geräumt, fünf Maschinengewehrnester ausgeschaltet, sechs weitere automatische Waffenstellungen gesäubert, fünfzehn Deutsche getötet und acht gefangen genommen. In diesen hektischen, wilden dreißig Minuten verloren sie keinen einzigen Mann. Ihre im Voraus bis ins kleinste Detail ausgearbeitete Planung hatte sich ausgezahlt.

Als Rogers in den Keller des Linnicher Schulgebäudes zurückkehrte, setzte er sich für ein paar Minuten auf eine K-Ration-Kiste, ruhte aus und blinzelte im schwachen Licht, während die nervöse Anspannung der Erschöpfung wich. Jemand trat zu ihm und sagte: „Der General will Sie sprechen.“

Lieutenant Roy Rogers ging zu der Gruppe von Offizieren, in deren Mitte Major General Keating und Colonel Dwyer im rauchgefüllten Raum standen. Er hielt noch die Überreste einer von einer Kugel zerschmetterten Taschenlampe in der Hand.

„Der Angriff verläuft dank Ihnen und den Leistungen Ihrer Männer sehr reibungslos“, sagte der General. „Es ist mir eine Ehre, Ihnen diese Bronze Star zu verleihen mit dem Dank und der Anerkennung der Sturmtruppen.“

„Am Raid war nichts Spektakuläres“, sagte Rogers später. „Die Jungs haben strikt nach Plan gearbeitet. Wir gehen keine Risiken ein.“

Start des Angriffs

Fast gleichzeitig, als wären sie über einen einzigen Schalter verbunden und gesteuert, durchbrachen über zweihundert Geschütze, Raketenwerfer, Maschinengewehre aller Kaliber, Gewehre, Mörser und all die Werkzeuge des Krieges die todesähnliche Stille der Nacht. Das Tal der Rur stand im Feuerschein explodierender Granaten und Leuchtspuren. Man fragte sich, wie unter dieser verheerenden Wucht überhaupt etwas überleben konnte. Bei dem grellen Licht der Artilleriemündungsfeuer und der explodierenden Geschosse hätte man eine Zeitung lesen können. Der Lärm betäubte die Soldaten, die die steile Böschung hinunter zu den wartenden Booten hasteten. Rauchschwaden und der Geruch von verbranntem Pulver trieben in stetig wachsendem Ausmaß über das Tal. Die lang erwartete Offensive war nun tatsächlich im Gang.

Benommen und überrascht, aber dennoch entschlossen, mit aller Kraft zurückzuschlagen, begann die deutsche Artillerie binnen zehn Minuten mit Gegenfeuer aus Fernartillerie und Raketenwerfern. Offenbar unsicher über die genaue Übergangsstelle schien der Feind zunächst zögerlich, seinen kostbaren Munitionsvorrat allzu großzügig gegen den unsichtbaren Gegner einzusetzen. Doch mit dem ersten Morgengrauen nahm das Feuer stetig zu, bis es einem wahren Hagel aus Proteststahl glich, der die Infanterie der Unterstützung und Reserve sowie die Pioniere an den Übergangsstellen bei Rurdorf und Linnich peitschte. Auch das Ablenkungsmanöver bei Flossdorf zog seinen Teil des Feuers auf sich.

Die eigentlichen Hauptübergänge in Stärke begannen pünktlich um 03:30 Uhr. Führende Bataillone waren das 1. Bataillon des 405th bei Rurdorf sowie das 1. und 2. Bataillon des 407th bei Linnich. Die erste Welle setzte ausschließlich in Sturmbooten über, die von den 327th und 279th Engineer Combat Battalions gerudert wurden. Um 04:20 Uhr waren die ersten Übergänge bei Rurdorf abgeschlossen. Bei Linnich, wo das Vorankommen weniger schwierig war, benötigte die erste Welle nur sechzehn Minuten und hatte das Ostufer bereits um 03:46 Uhr gesichert.

Verlassene Sturmboote bei Linnich
Verlassene Sturmboote bei Linnich

407. Regiment bei Linnich

Das 1. Bataillon des 407th hatte den Auftrag, Gevenich zu nehmen. Das Bataillon setzte pünktlich um 03:30 Uhr in zwei Wellen mit jeweils zwei Kompanien nebeneinander über; A und B führten, gefolgt von C und D. Die zweite Welle begann um 03:39 Uhr mit dem Übersetzen, unmittelbar nachdem die erste das gegenüberliegende Ufer erreicht hatte. Es standen genügend Boote für beide Wellen zur Verfügung, sodass die Boote der ersten Welle nicht zurückgeführt werden mussten und am Ufer liegen blieben, sobald die Truppe ausgestiegen war.

Etwas Maschinengewehrfeuer flussabwärts störte die Truppe während des Übergangs, und Mörserfeuer schlug im Fluss und entlang der Ufer ein, doch die Verluste waren gering und kein einziges Boot kenterte. Kurz nach der Landung nahmen die Soldaten rasch etwa fünfundzwanzig granatenschock‑geschädigte Gefangene. Diese Gefangenen wurden dann kurzerhand dazu benutzt, die Amerikaner durch die deutschen Minenfelder vor Gevenich zu führen. Verluste durch diese besondere Bedrohung wurden so vollständig vermieden.

Die vorderen Kompanien (A und B) bewegten sich lautlos in Gevenich hinein und stießen – offenbar trotz eigentlich ausreichender Vorwarnzeit – auf die Deutschen, bevor diese überhaupt bemerkten, dass Amerikaner in der Nähe waren. Bis 06:30 Uhr hatten sie sich kampflos ergeben, und 160 Gefangene wurden gemacht. In dem Ort fanden sich weder Minen noch Sprengfallen – ein weiteres Zeichen dafür, dass die Verteidiger völlig überrascht worden waren. Auf dem Weg nach Gevenich wurde Kompanie C, die den Sturmkompanien folgte, kurzzeitig durch Maschinengewehrfeuer von der anderen Seite der Straße Gevenich–Linnich niedergehalten, konnte aber ohne nennenswerte Verzögerung weiter vorrücken.

In Gevenich wurden die Kompanien beim Aufbau eines Verteidigungsrings um den Ort herum mäßigem Mörserfeuer ausgesetzt; zudem erhielten sie Maschinengewehrfeuer sowohl aus nördlicher als auch aus südlicher Richtung. Der Bataillonskommandeur, Lieutenant Colonel George Park, schickte zwei gefangene Sanitäter eigenständig hinaus, um mit den Geschützbedienungen zu sprechen. Die Bedienung des nördlichen Geschützes kehrte mit den Sanitätern zurück und ergab sich, die Bedienung des südlichen Geschützes erklärte dagegen, sie werde sich nicht ergeben. Sie waren jedoch durchaus bereit, das Feuer einzustellen und zeigten ihren guten Willen sofort, indem sie ihre Stellungen verließen und sich zurückzogen.

In dieser Phase war das Bataillon weder mit dem 405th auf der rechten Seite noch mit dem 2. Bataillon auf der linken Seite verbunden, doch wurden Patrouillen hinausgeschickt, um soweit möglich Verbindung herzustellen und zu halten. Die Verbindung mit dem Regiment erfolgte ausschließlich über Funk und war ausgezeichnet, und bis 10:20 Uhr war die Stellung gut gefestigt.

Die gesamte verfügbare Munition wurde von Zug A&P per Hand nach vorne getragen, dem dafür 29 zusätzliche Männer zugeteilt worden waren. Dieser Zug setzte die Munition über den Fluss und richtete in Gevenich ein kleines Munitionsdepot ein.

Vier Trupps mit Tragen – je einer bei jeder Kompanie – brachten Verwundete sofort nach deren Verwundung in Sicherheit. Der Bataillonsverbandsplatz lag nahe dem Ufer auf der Linnicher Seite der Rur und übernahm, weil er näher lag als jeder andere in der Umgebung, im weiteren Verlauf einen unverhältnismäßig großen Teil der Verwundetenversorgung, darunter auch Verwundete anderer Bataillone und der Pioniere. Obwohl das Bataillon im Laufe des Tages nur etwa fünfzig Ausfälle hatte, wurden bis 10:00 Uhr bereits mehr als neunundneunzig Verwundete im Verbandsplatz behandelt. Gehfähige Verwundete anderer Einheiten wurden mit Fahrzeugen zu ihren eigenen Verbandsplätzen zurückgebracht, um die Überlastung zu verringern.

Zum Panzerabwehrschutz verfügte das Bataillon über fünf dreiköpfige Bazookatrupps, die der ersten Welle folgten. Der Panzerabwehrzug unter Führung von Second Lieutenant Louis Spitzer setzte außerdem drei deutsche 7,5‑cm‑Feldgeschütze in Stellung, die zuvor überrannt worden waren. Mit diesen bekämpften sie Maschinengewehre und andere Zielgelegenheiten.

Eine einzige ernsthafte Bedrohung für das äußerst erfolgreiche Vorrücken des 407th Infantry entstand, als der Feind um 15:15 Uhr Glimbach aus Richtung Gevenich mit Panzern und Infanterie angriff. Ohne Panzerabwehrkanonen, Panzerjäger oder Panzer, die den Fluss noch nicht hatten überqueren können, und während sie Munition für schwere Mörser und Bazookas von Hand heranschleppten, hielt das 2. Bataillon seine Stellung und forderte Artillerieunterstützung an. Fast sofort legten acht Artilleriebataillone ihr Feuer auf die Angreifer und zerstreuten Panzer und Infanterie. Kurz darauf erschienen, einem Ruf der Division folgend, P‑47‑Jagdflugzeuge über dem Gefechtsfeld und vollendeten die Vernichtung der feindlichen Kräfte in diesem Raum. Das 2. Bataillon blieb den Rest des Tages ungehindert in Glimbach.

Das 3. Bataillon des 407th Infantry unterstützte anfangs das Übersetzen der Sturmwellen mit Feuer aller Art. Bis 08:15 Uhr war dieser Auftrag erfüllt, und das Bataillon begann, in Sturmbooten überzusetzen. Glücklicherweise wurde während dieses Vorgangs die nördliche Fußgängerbrücke bei Linnich fertiggestellt, sodass der größte Teil des Bataillons zu Fuß überqueren konnte. Um 09:15 Uhr sammelten sie sich in Breitenbend als Regimentsreserve. Später am Tag rückte das 3. Bataillon nördlich von Glimbach vor und bezog Stellungen, um den Anschluss an Teile der 84th Division auf der linken Seite herzustellen.

405. Regiment bei Rurdorf

Das 1. Bataillon bildete die Sturmwelle des 405th Infantry. Wegen der Enge des Regimentsabschnitts konnte jeweils nur eine Kompanie gleichzeitig übersetzen; Kompanie C ging zur H‑Stunde als erste über. A, B und D sollten in dieser Reihenfolge folgen. Eine zusätzliche Schwierigkeit ergab sich aus der unzureichenden Zahl an Booten – es standen nur genug für zwei Kompanien zur Verfügung. Daher war geplant, dass die Pioniere die erste Welle übersetzen und mit den Booten für die nächste Welle zurückkehren sollten. Mehrere Fahrzeuge kenterten durch Nahtreffer von Mörsergranaten, doch kein Boot erhielt einen direkten Treffer. Als die dritte Kompanie den Übergang versuchte, standen nur noch etwa die Hälfte der ursprünglich 32 Boote zur Verfügung.

Alle Männer trugen Schwimmwesten, und niemand ertrank, obwohl ein voll besetztes Boot bis nach Linnich abtrieb. Diejenigen, die in den Fluss fielen, marschierten auf dem Ufer, an dem sie anlandeten, flussaufwärts zurück, um sich wieder ihren Einheiten anzuschließen.

Zusätzliche Notfallmunition für den unmittelbaren Einsatz wurde mit den Sturmwellen von Hand übergesetzt. In einer Schützenkompanie trug jeder Mann eine Panzerabwehrmine; in einer anderen trug jeder eine Bazooka‑Granate; in der dritten trug jeder eine 60‑mm‑Mörsergranate. Die Soldaten der schweren Kompanie trugen jeweils eine 81‑mm‑Mörsergranate. Auf diese Weise wurde am Ostufer des Flusses ein beachtliches Munitionsdepot angelegt.

Bis 04:45 Uhr war Imbusch gesichert, und das Bataillon ordnete sich neu, während es darauf wartete, dass das unterstützende Artilleriefeuer angehoben wurde, um anschließend auf sein Ziel westlich von Boslar vorzurücken. Beim Vorgehen in den Wald war leichtes Infanteriefeuer aufgekommen, und durch Minen am Flussufer und in der Nähe von Gut Bischhof gab es einige Verluste. Um 07:45 Uhr nahm das Bataillon den Angriff wieder auf, um die Eisenbahnlinie auf dem Kamm des Hangs zwischen Erzelbach und Tetz zu erobern. Der Angriff wurde durch Feuer aus automatischen Waffen entlang des Gleises verlangsamt, doch die Männer rückten unter Artillerieschutz Schritt für Schritt vor und hatten bis Mittag das Ziel genommen und sich entlang eines Steilhanges unmittelbar östlich der Gleise eingegraben.

Das 2. Bataillon setzte um 05:50 Uhr über, ebenfalls in Kolonne der Kompanien, mit E an der Spitze, gefolgt von G, F und H. Die Neuordnung erfolgte im Bereich Gut Bischhof, ohne nennenswerten feindlichen Widerstand außer vereinzeltem Infanteriefeuer. Um 06:50 Uhr rückte das Bataillon auf Tetz vor, das mit geringen Schwierigkeiten besetzt wurde.

In der Zwischenzeit rückten die Kompanien G und F nebeneinander vor, südlich an Tetz vorbei, und hatten bis 09:30 Uhr die Höhen östlich des Ortes genommen. Gegen Mittag versuchte eine auf etwa hundert Mann geschätzte feindliche Infanterie, von vorne rechts und von hinten in die Stellung des 2. Bataillons einzudringen, wurde jedoch durch gut gelegtes Artilleriefeuer zurückgeschlagen. Am Nachmittag wurden diese Kompanien verlegt, um die Lücke zwischen Boslar und Gevenich zu schließen und Anschluss an das 407th Infantry herzustellen; sie gruben sich in den offenen Feldern zwischen beiden Orten ein.

Das 3. Bataillon des 405th unterstützte den Übergang der ersten beiden Bataillone, indem es beim Heruntertragen der Sturmboote zum Wasser half und später Unterstützungsfeuer gab. Nachdem die ersten beiden Bataillone übergesetzt und auf ihre Ziele vorgerückt waren, setzte das 3. Bataillon gegen 13:00 Uhr über die infantry support bridge über. Um 15:35 Uhr, nach einer zwanzigminütigen Artillerievorbereitung, griff das Bataillon von der Eisenbahnlinie nördlich von Tetz aus an und durchzog dabei das 1. und 2. Bataillon im Angriff auf Boslar. Dort stieß das Bataillon auf den stärksten Widerstand des Tages und konnte den Ort erst um 16:37 Uhr unter schwerer Artillerieunterstützung betreten. Sobald es innerhalb des Ortes war, sicherte das Bataillon hastig seine Positionen. Anschließend setzte es den Vormarsch auf die Höhen nördlich und östlich fort und, als es mit dem 2. Bataillon auf einer Linie stand, nahm letzteres seinen Angriff wieder auf und rückte in die Lücke zwischen Boslar und Gevenich vor, wodurch die Regimentsstellung gefestigt wurde.

Bis 14:00 Uhr waren alle Infanterie-Sturmkräfte sicher über den Fluss, und die Ausarbeitung des Brückenkopfes war gut vorangeschritten. Viele Deutsche waren in ihren Fuchslochstellungen entlang der Ufer getötet worden. Andere waren vor unserem erbarmungslosen Feuer geflohen, doch viele waren zu granatenschockiert, um etwas anderes zu tun, als vor der Wucht unseres Vormarschs zu kauern.

Während zusätzliche Einheiten zum Übersetzen ansetzten, begannen die größten Schwierigkeiten des Tages. Sowohl bei Rurdorf als auch bei Linnich sah der Angriffsplan den Bau von zwei Fußgängerbrücken vor: einer infantry support bridge und einer treadway bridge. Der überflutete, eisige Fluss mit seiner reißenden Strömung und treibenden Trümmern war allein schon ausreichend, um diese Operationen heikel und anstrengend zu machen, doch kombiniert mit feindlichem Artillerie- und Mörserfeuer sowie angreifenden strahlgetriebenen Flugzeugen (die in diesem Gebiet erstmals auftauchten), schufen sie eine äußerst schwierige Ingenieurleistung. Schmale Fußgängerbrücken, die für eine Strömung von sechs Knoten pro Stunde ausgelegt waren, spannten an ihren Kabeln. Einige kippten unter dem Gewicht der Truppen um und wurden flussabwärts gerissen. Unterstützungsbrücken, die von Gummipontons getragen wurden, sackten unter dem zerstörerischen Feindfeuer durch. Eines der in der Rurdorf-Region eingesetzten LVTs blieb mitten im Strom stehen, trieb in der wirbelnden Strömung ab und zerstörte vollständig eine Brücke, die geradezu fertiggestellt war. Auch die Infanterie-Sturmboote litten schwer. Einige kenterten, sodass die Infanterie schwimmen musste; einige wurden auf dem Westufer zerstört, bevor sie zu Wasser gelassen werden konnten; andere sanken oder wurden unbrauchbar. Die Truppen kämpften gegen die Zeit, und jeder solcher Vorfall verzögerte die Ausarbeitung des Brückenkopfes und steigerte die bedrohliche Gefahr eines erfolgreichen Gegenangriffs.

406. Regiment 

Das 406th Infantrie Regiment, zunächst als Divisionsreserve in Baesweiler, verbrachte einen vergleichsweise ruhigen Vormittag. Gegen Mittag rückte es nach Setterich vor. Am Nachmittag marschierte es nach Rurdorf, wo um 16:00 Uhr das 3. Bataillon über die Fußgängerbrücke setzte. Das 1. Bataillon folgte eine halbe Stunde später unter leichtem feindlichem Artilleriefeuer, während das 2. Bataillon gegen 21:00 Uhr übersetzte und in Tetz als Reserve die Nacht verbrachte.

Das 3. Bataillon rückte ebenfalls über Tetz vor, wurde aber nach Einbruch der Dunkelheit in die Linie beordert, um die rechte Flanke der Division zu sichern. Die Kompanien K und L wurden daher östlich von Boslar in Stellung gebracht.

Das 1. Bataillon erreichte Tetz gegen 18:00 Uhr und folgte dem Malefink-Bach talaufwärts, bereit als Divisionsreserve zu verbleiben. Später wurde es nach Einbruch der Dunkelheit eingesetzt, um die rechte Flanke zu halten, nachdem sich Gegenangriffe gegen Boslar abzeichneten. Das Bataillon rückte direkt auf die Höhenlinie von Boslar zu den von dem 3. Bataillon bezogenen Stellungen vor. Das Regiment war somit gut aufgestellt, um die stark exponierte rechte Divisionflanke zu decken, die durch die Verzögerung der 29th Infantry Division – der linken Einheit des XIX Corps – entstanden war, die nicht wie geplant auf gleicher Höhe blieb.

Gegenattacke

Anfangs hielt die deutsche 59. Infanteriedivision stand, im Norden flankiert von der 183. Volksgrenadier-Division und im Süden von der 363. Volksgrenadier-Division – sie trug die Hauptlast des Ozark-Angriffs. Die Vorbereitungsfeuer hatten die Verteidiger so geschockt, dass sie nicht effektiv widerstehen konnten, als unsere Spitzenkräfte die Hauptverteidigungslinie durchbrachen. Vor Einbruch der Nacht zeigte der Feind jedoch eine deutliche Verhärtung seiner Haltung, wie im Glimbach-Vorfall zu sehen war. Zudem deuteten Aussagen von Kriegsgefangenen darauf hin, dass der Gegner bei Dunkelheit noch zu entschlossenen Gegenangriffen fähig war. Der Boslar-Korridor erschien besonders verwundbar. Angesichts dieser Gefahr und auch zur Verbesserung der taktischen Kontrolle wurde das 3. Bataillon des 406th Infantry um 20:40 Uhr dem 405th Infantry angegliedert.

Um 20:00 Uhr war die Treadway-Brücke bei Linnich endlich fertiggestellt. Zwanzig Minuten später ereignete sich eine Katastrophe, gerade als Company B des 771st Tank Destroyer Battalion zum Übersetzen ansetzte. Die Brücke wurde plötzlich von drei tief fliegenden feindlichen Flugzeugen angegriffen und zerstört. Daraufhin wendeten Companies A und B des 771st Tank Destroyer Battalion nach Süden ab, um die Treadway-Brücke bei Rurdorf zu nutzen, die gerade fertiggestellt wurde. Company A begann um 22:41 Uhr den Übergang, doch ihr Vorrücken wurde durch Schutt-Lkw verzögert, die unter Priorität fuhren, um die stark beschädigten und zerfurchten Straßen unmittelbar jenseits des Flusses zu reparieren. Bis Mitternacht kroch Company A nur langsam über die Brücke.

Das Fehlen von Panzerjägern erhöhte die Verwundbarkeit unseres Brückenkopfes, doch mit der Fertigstellung einer infantry support bridge bei Linnich um 15:05 Uhr konnte das 407th Infantry seine Panzerabwehrkanonen zum Fußvolk vorschicken. Auch das 405th gelang es, einige Panzerabwehrkanonen über eine Unterstützungsbrücke zu bringen. Dies war äußerst glücklich, da der erwartete feindliche Gegenangriff sich gerade in der Boslar-Region abzeichnete.

Company L des 406th war die Erste, die den Schock dieses Angriffs durch eine kleine Infanteriegruppe aus östlicher Richtung erlitt. Diese feindlichen Patrouillen wurden zurückgeschlagen, und die Lage blieb mehrere Stunden ruhig. Währenddessen wurde das 1. Bataillon des 406th Infantry nach vorn beordert, um die Verteidigung des Ortes zu verstärken; es rückte östlich von Boslar vor und bezog Stellungen mit Südostausrichtung auf dem Hochgelände. Diese Positionen waren gegen 21:30 Uhr besetzt. Um 23:00 Uhr startete ein Gegenangriff durch ein geschätztes feindliches Platoon gegen die neuen Stellungen, wurde jedoch rasch abgewehrt.

In dieser Phase tobte nördlich des Ortes ein heftiger Kampf, wo etwa zwanzig deutsche Selbstfahrlafetten begleitet von zwei unterbesetzten Infanteriekompanien, versuchten, das Dorf einzukreisen, um unsere Truppen zu vertreiben. Die deutsche Infanterie wurde jedoch durch ein Artilleriefeuer von neun Bataillonen stark zerstreut. Die feindlichen Geschütze, nun ihrer Unterstützung beraubt, konnten ihre Aufgabe nicht erfüllen, obwohl zwei oder drei tatsächlich in Boslar einrückten, bevor der Angriff endgültig gestoppt wurde. Ein zweiter Versuch um 22:00 Uhr scheiterte ebenfalls. Die feindlichen Geschütze zogen sich dann etwa dreihundert Yards nördlich von Boslar zurück und warteten auf einen günstigen Moment für einen neuen Angriff. Das Dorf wurde die ganze Nacht hindurch vom Feind beschossen. Schwerer noch war jedoch unser eigenes Artilleriefeuer, das auf Anruf des Kommandeurs des 3. Bataillons des 405th Infantry auf Boslar fiel und einige Verluste in Bataillonen des 405th und 406th Infantry verursachte. Diese drastische Maßnahme erwies sich als wirksam, um den Ort gegen die fanatischen Angriffe des Feindes zu halten. Obwohl Scharmützel mit verwirrten deutschen Truppen innerhalb unserer Positionen die ganze Nacht andauerten, sah der Morgen das Ende der Kämpfe.

Um 04:58 Uhr nahmen die Selbstfahrlafetten außerhalb von Boslar ihren Gegenangriff erneut auf, diesmal ohne Infanterieunterstützung. Wieder wurden sie zurückgeschlagen. Nicht zufrieden mit diesen Rückschlägen, wiederholte sich der Angriff um 07:57 Uhr zum siebten Mal gegen das 2. Bataillon des 405th Infantry. Schließlich trieb eine schwere Konzentration unserer Artillerie sie endgültig zurück, und die 341st Assault Gun Brigade zog sich zurück, um nie wieder gesehen zu werden.

Damit endete die erste Phase des Rheinlandfeldzugs. Der Brückenkopf war nun etabliert. Der Weg für den Vormarsch zum Rhein war geebnet. Leider wurde unser Sieg nicht ohne Verluste errungen, und obwohl die Zahlen im Vergleich zur Heftigkeit der Schlacht gering sind, wurden 74 Mann getötet, 493 verwundet und 31 als vermisst gemeldet.

Artilleriefeuer

Die vorbereitenden Artilleriefeuer für den Rur-Übergang begannen um 02:45 Uhr, 45 Minuten vor der H-Stunde. Neben den organischen Divisionsbataillonen – den 379th, 380th, 381st und 927th – feuerten zahlreiche weitere Bataillone unter Korpskontrolle in den vorgesehenen Brückenkopf-Bereich. Der erste Sperrfeuer-Vorhang wurde von vier Bataillonen 105-mm-Haubitzen, vier Bataillonen gepanzerten Feldhaubitzen, vier Bataillonen 155-mm … auf Lovenich um 08:00 Uhr am 23. Februar abgeworfen, wo sechzehn 500-Pfund-Bomben fielen. Katzem war ein weiteres Ziel, das um 09:45 Uhr und erneut um 11:15 Uhr mit insgesamt zweiunddreißig Bomben belegt wurde. Kuckhoven wurde ebenfalls um etwa 10:30 Uhr von Sturzkampfflugzeugen angegriffen und beschossen, als dort feindliche Truppen gesichtet wurden. Später am Tag wurde eine umfangreiche Suche nach großen Kaliber-Eisenbahngeschützen durchgeführt, die in der Nähe von Erkelenz vermutet wurden. Diese Geschütze beschossen die Übergangsstelle bei Linnich mit uhrwerkartiger Regelmäßigkeit während des Nachmittags und stellten die ganze Nacht hindurch eine erhebliche Störung dar. Günstiges Wetter ermöglichte am Nachmittag Tieffliegereinsätze über dem gesamten rückwärtigen Feindgebiet, was die Situation weiter reduzierte, was immer an Beweglichkeit ihm noch geblieben war.
 
Luftunterstützung 
Die 509th, 510th und 511th Fighter Squadrons stellten nach Tagesanbruch die Luftunterstützung. Ihr erster Einsatz erfolgte um 08:00 Uhr am 23. Februar auf Lovenich, wo sechzehn 500-Pfund-Bomben abgeworfen wurden. Katzem war ein weiteres Ziel, das um 09:45 Uhr und erneut um 11:15 Uhr mit insgesamt zweiunddreißig Bomben belegt wurde. Kuckhoven wurde ebenfalls um etwa 10:30 Uhr von Sturzkampfflugzeugen angegriffen und mit Maschinengewehrfeuer beschossen, als dort feindliche Truppen gesichtet wurden. Später am Tag wurde eine umfangreiche Suche nach großen Kaliber-Eisenbahngeschützen durchgeführt, die in der Nähe von Erkelenz vermutet wurden. Diese Geschütze beschossen die Übergangsstelle bei Linnich mit uhrwerkartiger Regelmäßigkeit während des Nachmittags und stellten die ganze Nacht hindurch eine erhebliche Störung dar. Günstiges Wetter ermöglichte am Nachmittag Tieffliegereinsätze über dem gesamten rückwärtigen Feindgebiet, was die noch verbliebene Beweglichkeit des Gegners weiter reduzierte.
 
Rauch

Der Einsatz von Rauch bei der Überquerung der Rur erwies sich als wertvolle Ablenkungs- und Verschleierungsmaßnahme. Die Winde hatten wochenlang konstant aus Südwest geweht, und man ging davon aus, dass dies so bleiben würde. Die Wetterbedingungen am D-Day waren perfekt. Das Gelände war vollständig für die Platzierung der Rauchtöpfe untersucht worden, und diese Studien zeigten die Notwendigkeit von zwei Basislinien: Eine Basislinie lag 50 Yards flussaufwärts von der Brücke bei Flossdorf und erstreckte sich über 300 Yards; die andere lag 50 Yards flussabwärts und erstreckte sich ebenfalls über 300 Yards. Welche Linie später genutzt werden würde, hing vom Wind ab.

Insgesamt wurden 980 Töpfe vorbereitet, 440 pro Basislinie. In 15-Yard-Abständen wurden ausreichend Töpfe aufgestellt, die für zweieinhalb Stunden brannten. Diese Töpfe waren zu Bündeln von je vier Stück gebunden, auf spitz zulaufende Pfähle gesteckt, die in den Boden getrieben wurden. Sie wurden in der Leeseite eines Deiches platziert, der Schutz vor feindlichem Feuer und Beobachtung bot.

Der Scheinrauchvorhang bei Flossdorf wurde zur H-Stunde vom 3. Bataillon des 405th Infantry unter Aufsicht von First Lieutenant Richard Kerr, dem Gasoffizier, gezündet. Riesige Wolken sammelten sich in der stillen Luft und brachen dann plötzlich über den verstreuten kahlen Bäumen hervor – gespenstisch im azurblauen Morgengrauen. Der Feind reagierte sofort mit schwerem Artillerie-, Mörser- und Kleinkaliberfeuer auf das leere Gebiet. Bei Rurdorf, wo kein Rauch eingesetzt wurde, blieb die Übergangsstelle fast unangetastet. Weiter nördlich bei Linnich wurde Rauch genutzt, um bei Tagesanbruch den Fluss und das Tal zu verschleiern, als strahlgetriebene Flugzeuge – Me 262 – tief über dem Gebiet auftauchten, um die Überquerung zu stören.

Über den Fluss

Jede große Schlacht besteht aus vielen kleinen Kämpfen, und selten ist klar, welches Verhältnis die kleinen zu den großen haben. Manchmal haben die kleineren Kämpfe ein Eigenleben und summieren sich scheinbar nie zu einer großen Operation. Es gibt Zeiten, in denen man sich ein großes Unternehmen nicht vorstellen kann, bis man auf Bataillone, Kompanien und sogar Einzelpersonen heruntergeht. Die kleine Aktion ist wie ein klarer Teich, in dem das „große Bild“ durch Wellen am Boden verzerrt liegt. Es gibt einen Vorteil daran, das „kleine Bild“ zu betrachten: Alles wirkt konkreter, realistischer. Und es betont den edelsten Teil der Geschichte – den Kampf des einzelnen Soldaten, sei es ein Pionier, der im dunklen, wirbelnden Wasser kämpft, um ein Kabel zu befestigen, ein Funker, der im Schnee nach einem defekten Kabel sucht, oder ein Schütze, der schultertief im Fluss watet, sich durch unbekannte Minenfelder kämpft und mit letzter Verzweiflung tötet, die im Kriegshoch kommt. Ihnen gebührt die Anerkennung.

Ihre Geschichte wird treffend von Howard K. Smith, CBS-Korrespondent, erzählt, der in jenen angespannten ersten Stunden der großen alliierten Offensive dabei war, die den Beginn vom Ende Deutschlands markierte. Sein Tagebuch notiert natürlich die großen Momente und die Opfer weniger Einzelner, die für unseren Sieg verantwortlich waren. Aber es ist ein Tribut an alle.

Die Regimente 405, 406 und 407 gehörten zur 102. Infantrie Division „Ozark“ der 9. Amerikanischen Armee. Ein Regiment mit etwa 3.000 Soldaten besteht aus drei Bataillonen. 

Hottorf kommt zum Amt Körrenzig

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| Bürgermeisterei Hottorf aufgelöst |

Am 01. April 1936 wurden die Gemeinden Boslar, Gevenich, Glimbach, Hottorf, Körrenzig und Tetz zum Amt Körrenzig zusammengefasst.

In Folge der bereits 1932 geplanten kommunalen Neugleiderung im Kreis Jülich war die „Bürgermeisterei Hottorf“  zwischenzeitlich aufgelöst worden.

Gebiet der Bürgermeisterei Hottorf

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| Im Regierungsbezirk Aachen |

Aus Buch des Regierungsbezirks Aachen „Gebiets-Eintheilung und Verzeichniss der Kreise, Cantons, Bürgermeistereien, Pfarren, Gemeinen, Dörfer und Orte des Regierungs-Bezirks Aachen“ aus dem Jahr 1817  geht die Größe und Bedeutung der Bürgemeisterei Hottorf hervor. Hierzu gehörten die Orte: Bousslar, Breidenben, Erzelbach, Gevelsdorf, Hasselsweiler, Hompesch, Hottorf, Müntz, Raelshoven und  Tetz.

Der Aachener Lehrer, Johann Heinrich Kallenbach; veröffentlicht 1850 einen „Wegweiser für Lehrer, Reisende und Freunde der Heimathkunde“ (siehe auch Quellen), in dem er Hottorf als „reiche  Bürgemeisterei“ bezeichnet. Er beschreibt alle Orte des Regierungsbezirks Aachen mit Zugehörigkeit zu der jeweiligen Bürgemeisterei und beschreibt Entfernungsangaben in „Stunden“, vermutlich zu Fuss.

Daraus sind die folgenden Zitate entnommen:

  • Der Meer- oder Malfinbach, welcher zwischen Titz und Spiel in der Nähe der Meerhöfe, östlich von der Düsseldorfer Heerstraße entspringt, fließt in einem breiten, westlichen Querthale des Jülicher Landrückens, wendet sich bei Tetz nordwärts und ergießt sich unter Körrenzig in die Ruhr. In seinem fruchtbaren Thale und auf dessen Umrandung liegen die Dörfer: Spiel, Titz, Münd, Hottorf, Koffern, Gevenich, Hasselsweiler, Münz, Boslar, Tetz, Glimbach und Körrenzig.
  • Hottorf, (1300) Hutdorf, mit Koffern und Gevenich auf einem halbinselförmigen Zweige des Erkelenzer Landrückens, südwärts des Buchholzwaldes gelegen, 2 Std. von Jülich, 41/2 Ml. von Aachen entfernt, ist ein Kirchdorf und Hauptort der großen und reichen Bürgermeisterei gleichen Namens. Letztere zählt über 4000 Seelen und enthält außer Hottorf die Kirchdörfer Tetz, Münz, Hasselsweiler, Gevelsdorf, Boslar und die Dörfer Hompesch und Ralshoven. Sämmtliche Ortschaften dieser Bürgermeisterei, früher im Herzogthum Jülich gelegen, gehörten unter franz. Herrschaft zum Roerdepartement, Arrondissement Köln, Canton Jülich. Hottorf erhielt 1342 mit Zustimmung des Pfarrers zu Boslar eine Kapelle, welche Carsilius und Adam von Hottorf bauen und weihen ließen. Im 16. Jahrhundert wird sie noch als Kapelle im Amt Boslar aufgeführt; 1630 kam dieselbe an die Deutschordens-Kommende Siersdorf. Wann dieselbe zur Pfarrkirche erhoben worden, ist mir nicht bekannt.
  • Koffern, (1500) Kupfern, ein Dorf in der Bürgermeisterei Körrenzig, ist 2 Stunden von Erkelenz, 8 Stunden von Aachen entfernt. Das Dorf Koffern, im ehemaligen jülichschen Amte Boslar gelegen, besaß im 16. Jahrhundert schon eine Kapelle, welche zu Glimbach gehörte. Hier, wie auch in Körrenzig, Baal, Lövenich, Dovern, Bracheln und Hilfarth, beschäftigen sich viele Leute der ärmern Klasse mit der Fabrikation der Birkenbesen. Heidebesen machen die Bewohner von Arsbeck, Virgeln, Myhl, Ophoven und Steinkirchen, wo die Heide (Erica vulgaris und Erica Tetralix) in großer Menge vorkommt.
  • Gevenich, (1500) Grevenich, mit 830 Einwohnern, durch eine
    Zweigstraße mit Linnich verbunden, ist 2 Stunden vom Kreisorte Erkelenz, 4,08 Meilen von Aachen entfernt und hat eine schöne Lage auf einer Anhöhe am Westrande des Jülich-Erkelenzer Landrückens. Es ist ein Kirchdorf in der Bürgermeisterei Körrenzig, in welchem viel irdenes Geschirr als: Töpfe, Schüsseln, Tiegel, Teller, Kübel, Dachpfannen etc. verfertigt werden. Dieser Pfarrort hatte im 16. Jahrhundert nur eine Kapelle, wovon der Pastor zu Boslar das Patronatrecht besaß. Vor der französischen Occupation gehörte Gevenich zum herzoglich-jülichschen Amte Boslar — An der Straße nach Linnich findet man Dipsacus pilosus und etwas südlicher Centaurea calcitrapa in großer Menge.
  • Hasselsweiler, (1200) Hassilt, (1400 Hasselt, zwischen lachenden Gefilden des Meerbachthales gelegen, 11/2 Stunde von Jülich, 4,63 Meilen von Aachen entfernt. Es ist ein freundliches Kirchdorf in der Bürgermeisterei Hottorf, mit 711 Einwohnern. Das jülicher Dekanatsverzeichniß vom 13. Jahrhundert nennt Hassilt eine Pfarre mit einer Vikarie, bei welcher der Capellarius des Kölner Erzbischofes (1400) das Patronatrecht besaß. Im 16. Jahrhundert wird Hasselsweiler unter den Pfarreien des herzogl. Amtes Jülich mit aufgeführt; damals übten der Herzog von Jülich und „der thumeuster zu Köln“ das Patronatrecht abwechselnd aus.— Gerste und Raps gerathen hier, wie in der ganzen fruchtreichen Umgegend , vorzüglich.
  • Münz, (1200) Munze, (1400) Moentz, im malerischen Thale der Malfin, 1 1/2 Stunde von Jülich, 4,42 Meilen von Aachen entfernt, ist ein langes ansehnliches Kirchdorf in der Bürgermeisterei Hottorf und zählt an 620 Einwohner, worunter viele Israeliten. Münz war bereits im 13. Jahrhundert
    eine Pfarre mit einer Vikarie und gehörte zum ehemaligen Dekanat Jülich. Der Capellarius des Kölner Erzbischofs hatte (1400) das Patronatrecht daselbst. Hier stand ehemals eine fränkische Hofkapelle, zu Staatsarchiven dienend. Im 16. Jahrhundert und später gehörte Münz zum herzoglich-
    jülichschen Amte Boslar. In den Dörfern Münz, Gevelsdorf, Hottorf, Spiel, Rödingen, Steinstraß und Lich, wird starker Frucht- und Oelsamenhandel getrieben.
  • Boslar, (800) Buslare, (1200) Boislair, (1200) Boesseler, (1400) Boyßelair, gleichfalls im Thale der Malfin gelegen, ist 1 1/4 Stunde von Jülich, 4,10 Meilen von Aachen entfernt und hat 410 Einwohner. Es ist ein großes, aber unansehnliches Kirchdorf mit schmutzigen Straßen, gehört zur Bürgermeisterei Hottorf und war ehemals der Hauptort des herzoglich-jülichschen Amtes Boslar. Die Villa Buslare in der Grafschaft Jülich wird schon im Jahre 861 genannt. Im 13. Jahrhundert hatte Boslar bereits eine Pfarrkirche, bei welcher der Herzog von Jülich (1400) das Patronatrecht ausübte. 1340 war Ludewicus de Kintzwilre Pastor zu Boesselar. 1803 am 13, September, wo bei vollen Scheunen 120 Häuser mit Ställen und Scheunen abbrannten, blieben nur 4 Häuser von Boslar verschont.
  • Tetz, (I200) Tetze, 11/4 Stunde vom Kreisorte Jülich, 3,08 Meilen von Aachen entfernt, ist ein kleines, unansehnliches Kirchdorf in der Bürgermeisterei Hottorf, mit alten Häusern, einem herrschaftlichen Schlosse und 417 Einwohnern. Es liegt am Ausgange des fruchtbaren, mit Dörfern übersäeten Thales der Malfin, welche hier in die weitläufige Ruhrniederung eintritt. Tetze wird im Jülicher Dekanatsverzeichnisse vom 13. Jahrhundert als Pfarrvikarie, im 16. Jahrhundert aber als Pfarre im herzoglich-jülichschen Amte Boslar aufgeführt, bei welcher die Herren von Leers, als Inhaber der Herrschaft Tetz, das Patronatrecht besaßen.
  • Glimbach, (1200) Glinbach, (1500) Glymbach, ein Dorf auf dem
    Westrandede des Erkelenzer Landrückeus, dessen malerische Hügel hier jäh in die Ruhrebene versinken. Es ist 2 Stunden von Erkeleuz, 4,18 Meilen von Aachen entfernt, hat meistens alterthümliche, lehmene Häuser und 464 Einwohner. Dieser Ort wird schon im 13. Jahrhundert als Pfarre mit einer Vikarie im Dekanat Jülich aufgeführt. Der Herzog von Jülich besaß (1400) das Patronatrecht bei dieser Kirche, welche damals zum Amte Boslar gehörte. Hier werden irdene Töpfe, Schüsseln, Teller, Näpfe und Dachziegel gebacken, welche in die Nähe und Ferne ausgeführt werden. — In einem Wäldchen zwischen Glimbach, Ruhrig, Baal und Koffern wächst die sehr seltene Meerzwiebel oder blaue Maiblume (Endymion nutans) in großer Menge.
  • Körrenzig oder Cörrenzig, (1000) Corinzich, (1029) Cornyzich, (1200) Corizich, ein großes Kirchdorf und Hauptort einer Bürgermeisterei mit 992 Einwohnern, 2 Stunden v«n Erkelenz, 4,09 Meilen von Aachen, entfernt. Es ist auf dem rechten Ufer des Ruhrflusses gelegen und der Länge nach von der
    Landstraße durchschnitten. Kaiser Konrad II. schenkte (1029) der Abtei Burtscheid Güter zu Cornizich, Altenhof und Will im Jülichgau, in den Grafschaften Gerard’s und Giselberts, womit bis dahin ein gewisser Benelin vom Reiche belehnt gewesen war. Im 13. Jahrh. hatte Körrenzig schon eine Pfarrkirche mit einer Vikarie, welche zum Jülicher Dekanate gehörte; das St. Adalbertsstift zu Aachen besaß das Patronatrecht bei dieser Kirche. Im 16. Jahrhundert und später gehörte Körrenzig zum herzoglich-jülichschen Amte Boslar; unter der Fremdherrschaft aber nebst den in der Bürgermeisterei gelegenen Dörfern Gevenich, Glimbach, Koffern und Ruhrig zum Canton Linnich des Roerdepartements. — Hier werden irdene Küchengeschirre, als Kübel, Näpfe, Töpfe, Teller und Schüsseln von derselben Qualität verfertigt, wie zu Glimbach und Gevenich. Körrenzig und Ruhrig haben Ueberfluß an Heu und Grummet. Letzterer Ort, links von der Linnich-Erkelenzer Landstraße gelegen, ist wenig bevölkert, hat ein gräfliches Haus und in neuester Zeit auch eine eigene Schule erhalten. Das Haus Ruhrig ist der Sitz des Grafen Hompesch, eines alten, ursprünglich kölnischen Rittergeschlechts. Die Hompesch, Humpesch, Humpusch, zuerst Hoingen (d. h. aus Honingen), genannt Humpesch, wurden im J. 1745 in den Grafenstand erhoben. 1166 war Sibodo von Hoingen genannt Humpesch, im Gefolge des Erzbischofs Reinald von Köln. In demselben Jahre verkauft Karl von Hoingen mit Zustimmung seiner Söhne und Töchter seinen Hof zu Honingen (Hünningen unweit Büllingen oder Höngen?) der Abtei St. Mauritz zu Köln. 1275 verkauften Cuno von Mullenark, dessen Halbbruder Reinard, genannt Hoengeu, Selman
    und Cuno von Humpes, Knappen, dem kölnischen Domkapitel ihren Hof zu Oidweiler und ihren Antheil an dem Patronat der Kirche daselbst.

Hasselsweiler und Tetz kommen zur Marie Hottorf

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| Französische Verwaltungsstrukturen |

Die Bürgermeistereien Hasselsweiler und Tetz werden zur Mairie (Bürgermeisterei) Hottorf vereinigt.

Hottorf ist der Hauptort der gleichnamigen ausgedehnten Bürgermeisterei. Letztere zählt über 3500 Seelen und enthält außer Hottorf die Kirchdörfer Tetz, Boslar, Müntz, Hasselsweiler, Gevelsdorf und die Dörfer Ralshoven und Hompesch. Früher war nicht Hottorf, sondern Boslar der leitende Ort dieser Gegend.

Die bevorzugte Stellung, Hauptort einer großen Bürgermeisterei zu sein, hat Hottorf erst unter der Preußischen Regierung nach den Befreiungskriegen erhalten. Das Dorf zählt gegen 500 katholische Einwohner.

Quelle: tbd, Kapitel Bürgermeisterei Hottorf, S. 185

Volkzählung 1767

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| 364 Einwohner |

In den Rur-Blumen werden im März 1927 in einem Artikel zum 18. Jahrhundet die Ergebnisse der Volkzählung aus dem Jahr 1767 berichtet:

  • Hottorf:  364 Einwohner
  • Hasselsweiler: 365
  • Müntz: 444
  • Hompesch: 145
  • Ralshoven: 112
  • Boslar: 562
  • Gevenich: 512
  • Linnich: 1.018
  • Körrenzig: 358
  • Jülich: 2.027

Im Jahr des Erscheinens des Artikels in den Rur-Blumen, also im März 1927, zählt Hottorf 495 Einwohner.

Quelle: Rur-Blumen, Nr. 10 vom 5.3.1927, Unsere Heimat im 18. Jahrhundert im Spiegel eines Tagebuches von Adolf Fischer

Gotische Kapelle zerstört

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| Weitere Urkunden beim Brand in Boslar zerstört |

In der Zeit von Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Kirche jedoch zerstört, vielleicht im dreißigjährigen oder im siebenjährigen Krieg (1618-1648 oder 1756-1763).

Damit endet eigentlich „Kirchengeschichte“ von Hottorf,  denn alle vorhandenen Urkunden sind bis auf einen Teil bei einem Großfeuer in Boslar (nur vier von 120 Häusern wurden verschont) am 13. September 1803 verbrannt. Da Hottorf nur Filiaort von Boslar war, befanden sich die Urkunden und Niederschriften im Pfarrhaus von Boslar, welches auch ein Raub der Flammen wurde.

Quelle: Schiffer

Die Abfolge der Ereignisse (u.a. die von Oitdtmannschen Stiftungen von Fenstern, Altar und Kommunionbank von 1750 bis 1754  sowie die Schilderungen zu den Auswirkungen des siebenjährigen Kriegs im Rheinland) legt die Vermutungnahe, dass die Zerstörung  im siebenjährigen Krieg – also um 1760, somit Mitte des 18. Jahrhunderts – erfolgte.

 

Überfall und Plünderung

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Überfall und Plünderung der Ortschaft durch spanisches Kriegsvolk unter Führung des Obristen Fronßbergs. Häuser und Felder wurden niedergebrannt.

Dazu gehört auch der damalige Horrich Hof in der Ortsmitte.  Meinhard von Horrich gefangen, sein Haus ausgeplündert. 

Quelle: Kriesgschäden, welche das Herzogthum Jülich durch Einlagerungen und Durchzüge spanischer und kurkölnischer Truppen in den Jahren 1568 bis 1589 erlitten hat, Mitgeteilt von W. Grafen von Mirbach, Seiten 279 bis 327, aus Zeitschift des Aachener Geschichtsvereins, Jahr ??, aus Stadtbibliothek Aachen ZVNW 52.136.168

Darin heißt es auf Seite 290: „Des spanischen Obristen Fronßbergs Kriegsvolk hat im Jahr 1580 im Dorff Bosselar, Hompesch, Muntz, Hottorff, Raelshoven, wie dan des Graven von Reulr Volk im Jahr 1579 im Dorff Gevenich Glimbach Schaden gethan … 1820 Thaler.

Es wird auch von weiteren Schäden durch die Spanier in den umliegende Dörfen wie. z. B. Tetz, Gevelsdorf im Januar 1586 oder in Lövenich und Katzem im Oktober 1588 berichtet.

 

Filiale von Boslar

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| Sakramente wurden nicht gespendet |

Die ganze Zeit hindurch blieb Hottorf Filialort von Boslar  Die Kommunikanten gehören zu Boslar, der Pastor, d.h. der die Kapelle von Boslar bedienende Geistliche, hat wöchentlich drei Messen.
Die Kapelle hatte keinen eigene Sakramente, aber eine eigene Begräbnisstätte.

Quelle: Schiffer

In einem Erkundigungsbuch des 16. Jahrhundert befinden sich mehrere Einträge für Hottorf (entnommen aus Visitationsprotokolle u. Berichte [8]):

28. Juni 1533

Übersetzte und kommentierte Fassung:
Hottorf. Die Kapelle ist keine selbstständige Pfarrei, sondern eine Filiale. Der „Capellenherr“ ist Gerhardt von Palant, ein Adeliger, der das Patronatsrecht innehat – also das Recht, den Pastor einzusetzen. Solche Rechte waren damals typisch für Adelsfamilien.
Die Kapelle besitzt etwa 40 Morgen Ackerland. Ein „Morgen“ war ein Flächenmaß, das ungefähr der Fläche entspricht, die man an einem Morgen pflügen konnte – ca. 0,25 bis 0,35 Hektar.
Jeder Morgen bringt 3 Sümber Roggen ein – „Sümber“ ist ein regionales Hohlmaß für Getreide (wahrscheinlich um die 60 Liter).
Zusätzlich gibt es einen Zehnten, eine Abgabe, die meist an die Kirche oder den Grundherrn ging. Hier sind es jährlich 30 Malter Roggen und ebenso viel Hafer. Ein „Malter“ war ein weiteres Maß für Getreide, oft ca. 93–110 Liter.
Der „dritte Licht“ (eine weitere Einnahmequelle) besteht aus 12 Morgen Wald/Büsche aus dem Buchholzbusch und bringt 20 Mark jährlich ein.
Die Kommunikanten (also Pfarrangehörige) gehören zur Gemeinde Boslar.
Der Pastor liest wöchentlich drei Messen, was eine stattliche Anzahl für eine kleine Kapelle war.
Der Altar der heiligen Katharina ist ein eigener Stiftungspunkt. Für eine Messe dort bekommt man 10 Malter Roggen – typisch für Altäre mit eigener Stiftung (so genannte Altarpfründen).
Die Kapelle hat Renten, also regelmäßige Einkünfte. Ein Zehnt bringt 1 Malter, und daraus werden Kerzen bezahlt – für den liturgischen Gebrauch. In einem Jahr wird mehr verbraucht als im anderen.
Es gibt keine Schule und kein Hospital, was bei kleinen Kapellen üblich war – diese Aufgaben lagen meist in der Pfarrgemeinde.
Es gibt eine Bruderschaft (Mutter Gottes und St. Georg). Sie besitzt 4 Malter Roggen (Einkünfte) und muss dem Pastor und den Kirchenrat Rechenschaft geben.
Spenden (vielleicht aus Stiftungen oder Kollekten) bringen weitere 5 Malter Roggen ein.
Der Küster, also der Kirchendiener, bekommt 9 oder 10 Gulden – eine einfache, aber wichtige Rolle: Er war für den Unterhalt der Kirche (Kerzen, Reinigung, Pflege des Altars) zuständig.
Der Pastor predigt das Evangelium – also gemäß der Lehre Christi – und lebt ehrbar. Das war eine wichtige Charakterbeschreibung und zeigt: Man hielt ihn für tüchtig und moralisch einwandfrei.
Die Untertanen (also die Gläubigen oder die Bewohner) sind gehorsam und friedlich, ohne neue Ideen oder Aufstände – wahrscheinlich eine implizite Abgrenzung gegenüber reformatorischen Strömungen oder sozialen Unruhen.
Pastor: Herr Gerhart von Wassenbergh ist Vikar. Er wurde vom Junker Gerhart von Palant zu Flamersheim eingesetzt.
Er besitzt 40 Morgen Ackerland und ein Wohnhaus.
An Büchern besitzt er die Bibel, das „Paratium discipulum“ (Leitfaden für den korrekten priesterlichen Dienst), die „Postilla“ (zur Predigtvorbereitung über das Kirchenjahr hinweg) und andere (geistliche Werke). Diese drei Bücher zeigen, dass er gut ausgebildet und liturgisch orientiert war – auch wenn er vermutlich kein Universitätsstudium hatte.
Junker Herman von Ghoir, Statthalter von Limburg, hat dem Küster in Houtorp für sechs Jahre seine Sommerabgaben (Naturalabgaben) erlassen.
Der Pastor beklagt sich darüber, dass einige Nachbarn nicht bereit sind, gegenüber der Kirche Rechenschaft abzulegen.
Lenhart ter Roich, Derich Schender und Meister Dreyss sagen, dass die Gesetze der Kirche bloße Menschengesetze seien.
Sie wollen nicht fasten und auch die heiligen Feiertage nicht begehen.
Dennoch haben sie das heilige Sakrament empfangen und sich nicht öffentlich getrennt (z. B. durch Kirchenaustritt oder Sektenbildung).

Houtorp. Ist ein capella. Der capellen ist gifter Gerhardt van Palant, der selbiger setz innen einen pastoir.
Hait de capelle ungefierlich 40 morgen artlantz, doit eder morgen 3 sumber rocgen. Darzo einen zienden, doit eins jairs 30 malder rogen das ander so vil haveren, das dirde licht es ledich 12 morgen busch darzo 20 mark juirliches. De communicanten gehueren zo Boslar. Der pastoir haitzer wecken  3 missen.
Der ist sent Cathrinen altair, hait 10 malder rocgen zo einer missen.
De capelle hait renten, ein zenden doit /malder, wirt bider kerzen ausgedain, also eins jairs mehe, dan das ander. Ist kein schoil noch hospitail.
Ist  ein broderschaft, hait 4 malder rocgen , beschicht rechenschaft vur pastoir und naberen.
Item spinden 5 malder rocgen.
Der custer hait 9 ader 10 gulden .
Der pastoir predigt den text des hilgen evangeliums und erberlichs levens. De underthanen sint gehoirsam one alle neuwerong.
Pastoir: Her Gerhart van Wassenbergh ist  vicarius und jonkher Gerhart van Palant zo Flamersheim hait sieine gegeven. Hait 40 morgen arlands , hait eine behausung. Libros haven Biblian, Paratium discipulum, Postillam etc.
Bemerkungen:
Jonkher Herman van Ghoir, stathelder van Lymburd, hait dem custer zo Houtorp 6 jaire siene sommergerien vur enthalden.
Der pastoir sagt an, we eine de naberen zo der kirchen rechenschaft neit wellen nemen. Lenhart ter Roich, Derich Schender, Neister Dreyss sagen, der  kirchen gesetz sint minschen gesetz, willen neit vasten noch de hilge dage  fieren, doch  haven zom hilgen sacrament gegangen, rotten sich auch neit.

4. August 1550

Übersetzte und kommentierte Fassung:

Die Kapelle in Hotorff (auch Houtorp), betreut von Cornelius Merckelbach, ist eine Filialkapelle der Mutterkirche in Boslar und untersteht dieser in allen Belangen. Sie besitzt keine Sakramentsvollmacht, das heißt: weder Taufe, noch Eucharistie, noch Beichte dürfen dort gespendet werden. Allein Beerdigungen finden dort statt.

Die Patronatsherren dieser Kapelle sind die Herren von Pallandt zu Flamersheim, die das Präsentationsrecht innehaben. Sie haben dieses genutzt, um Peter von Braicheln, einen Geistlichen aus Brabant, als Kaplan zu berufen. Dieser wurde offiziell vom Propst der Kölner Kirche (vermutlich ein Dompropst) angenommen, öffentlich ausgerufen („proclamatus“) und in sein Amt eingeführt („in vestitus“) . Peter von Braicheln gibt an, über alle erforderlichen Urkunden zu verfügen, die seine Bestellung belegen.

Allerdings gibt es Widerstand in der Gemeinde: Die Nachbarn zeigen sich unzufrieden mit seiner Lehre und beklagen zudem, dass der Kaplan in einem eheähnlichen Verhältnis mit einer Frau lebt, was nach kirchlichem Recht als Konkubinat untersagt ist.

In der Gemeinde bestehen Bruderschaften sowie sogenannte Spinden (gemeinnützige Stiftungen oder gemeinschaftlich verwaltete Einkünfte). Diese Einrichtungen bestehen schon seit alter Zeit und werden weiterhin nach überliefertem Brauch gepflegt. Das kirchliche Fastengebot ist zwar offiziell eingeführt und verpflichtend, wird in der Praxis jedoch nur nachlässig oder widerwillig beachtet.

Bemerkungen Schiffer: Der Pastor klagt, daß Herman von Goir der Kapelle 20 Mark Rente von den Höfen von Hottorf vorenthält. Seinem Vorgänger, Gerhart Tielen, seien sie gerichtlich zugesprochen, jedoch habe Goir an das Kammergericht appeliert, wo die Sache 24 Jahre gelegen und unerledigt geblieben ist. Er ruft die Intervention des Herzogs an.

Hotorff (Cornelius Merckelbach ) ist eine capell der moderkirchen boessler underhoerich, nulla habet sacramenta, sed solum sepulturam.
Und die Palender van Flamershem sint derselbiger gifter, haben sie vergeben hern Petern van Braicheln, Brabender, ist presentiert preposito i n ecclesia Coloniensi, ist proclamatus et in vestitus, dicit se desuyer sus habere documenta.
Die nachbarn sint wail nit siner lehr zufridden, sunder hait eine concubin.

Haben broderschaften und spinden, werden gehalten wie van alders . Fasten wird geboden aber qwailich gehalten . Opfern zu Boslar

10. Januar 1560

Übersetzte und kommentierte Fassung:

Die Kapelle Hottorff (auch Houtorp) ist eine Filialkirche der Mutterpfarre Boslar.
Als Kirchmeister fungiert Wilhelm Hardberch, Cornelius Merckelbach ist der amtierende Statthalter (Verwalter). Bezüglich des Lehrverhaltens und der Lebensführung ihres Vikars geben die Verantwortlichen der Gemeinde ein gutes Zeugnis ab.
Der Vikar, Petrus Corentzich, hat drei Jahre in Emmerich und eineinhalb Jahre in Düsseldorf studiert. Er gehört zur dritten Studienklasse (wohl theologisch-akademisch).
Vor vier Jahren wurde er in Köln auf ein Altarbenefizium hin geweiht. Die Kapelle, die dem hl. Adalbert von Aachen geweiht ist, hat er seit anderthalb Jahren betreut.
Er ist Vikar – der eigentliche Rektor der Kapelle ist Leonhard Merckelbach, der vom Herrn von Flamersheim (Patronatsherr) eingesetzt wurde.

Der Vikar besitzt eine Heilige Schrift, sowie theologische Werke wie: Theophylactus (byzantinischer Bibelkommentator),Brentius (Johannes Brenz, protestantischer  Reformator), Erasmus’ Paraphrasen und den Katechismus von Brenz. Im Examen wurde er als ziemlich gebildet und sachkundig eingeschätzt.
In der Gemeinde gibt es keine Wiedertäufer (also keine Hinweise auf Täufer oder andere radikale Reformationsströmungen).
In allen anderen Punkten erklären sie, unter die Pfarrei Boslar zu gehören.
Der Vikar hat sein Einkommen aus Gütern und Renten der Kapelle schriftlich übernommen, also ordentlich dokumentiert.

Bemerkungen Schiffer: Die Kapelle hat einen Zehnten von 5 Mltr . Roggen (daraus bekommt der Vikar 1 Mltr. und die Armen 1 Kltr., der Offermann 6 übr.) und einige Roggenrenten; an Geld 46 Th 6 Alb. Die Armen haben 4,5 Mltr. Roggen, 6,5 Sbr. Weizen. Zur Beleuchtung sind 2 Pfd. Wachs und 2 Q.  Oel angewiesen, werden aber nicht geliefert. Einkommen des Pastors 17 Mltr. 1 Sbr. Korn (Zehnte von 42 Morgen)
Nota: wirt der capellen entzoge nan Goiren und des herrn van Elmbs hof 20 morgen. Für die Nachbarmesse sind 8 Mltr. gestiftet , aber 5 werden nur geliefert

1582 berechnet der Kaplan sein Einkommen folgendermassen: 28 Mltr. Roggen aus einem Zehnten von 40 Morgen, 24 Heister (zu 8 Albus) auf dem Münzer Busch. 4 Gewalt (zu 1 Glg ) auf dem Bockholz, 5 Mltr. Roggen aus dem Marienaltar. Zu dem Anniversar gehören 6 M. Ackerland, die jährlich 3 Mltr. Roggen ertragen .

Hottorff, capell  under Bossler. (Wilhelm Hardberchs kirchmeister, Cornelius Merckelbach stathalter ). Über Lehre und Lebenswandel ihres Vikars geben sie gutes Zeugnis. Der Vikar, Petrus Corentzich hat zu Embrich 3 und zu Duysseldorf 1,5 jar studirt, fiut III classis. Ist fur 4 jarn zu Collen titulo altaris . Hat disse capelle ( Adalberti Aquensis ) 1,5 jar vertretten .
Est vicarius. Verus rector est Leonhardus Merckelbach, a domino in Flamersheim institutus . Habet sacrum Bibliam, Theophiliactum, Brentuim, Paraphrases Erasmi, Cathcismum Brentii.
Ist in examine zimblich gelehrt und geschicht erfunden.
Haben keine widerteuffer.
In aliisarticulis nihil, dan se gehoren under Bossler.
Der vicarius hat sein gehalt neben der capellen gult und renthen schriftlich uberantwort.

12. Juli 1582

Übersetzte und kommentierte Fassung:

Der Kaplan Servatius Spiell berichtet, dass es dort einen Marienaltar gibt, zu dem auch ein Anniversarium (Jahresgedächtnis) gestiftet wurde.
Im Rahmen dieses Jahrtags sind 30 Messen zwischen Ostern und Pfingsten zu feiern. Der Ausdruck „einnachpaurdienst“ kann bedeuten, dass eine einzelne Nachbarschaft oder Familie die finanzielle Verantwortung für diesen Altar bzw. das Messgedächtnis übernommen hat.

Eie Kollatoren (also Präsentations- und Patronatsherren) sind die Erben der Familie von Pallandt zu Flamersdorf (Flamersheim).

Der letzte Kaplan vor Spiell war ein gewisser Peter aus Brabant.

Anmerkung des Chronisten: Damit der dürfte der 10 Jahre zuvor genannte Peter von Braicheln (Brachelen) vermutlich wegen seiner lebensführung abgelöst worden sien.  

Hottorpf. Der Kaplan Servatius Spiell berichtet, es sei daselbst auch ein Altar der Mariae neben einem anniversario zu thun 30 missen zwischen Ostern und Pfingsten, und were einnachpaurdienst. Kollatoren d   Erben von Palant zu Flamersdorff . Peter Brabender letzter Kaplan

Bau einer Kapelle

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| Gebrüder Adam und Carsilius |

Der Aachener Stiftsherr Adam von Hoytorp, Kanonikus am Marienerstift, und sein Bruder Ritter Carsilus von Hoytorp geben Ländereien aus dem Eigentum der Hottorfer Burg zum Bau einer Kapelle. Damit errichten sie eine Stiftung und legen den Grundstock zum Bau eines Gotteshauses für die Hottorfer Bewohner. 

Der Pastor von Boslar, Ludwig von Kintzweiler gibt die Einwilligung zum Bau, wie es heißt, erst nach langen vergeblichen Bitten. Das Patronrecht an der Kapelle erhielten die Herren von Hottorf, also die Familie der Gründer. Darum wird die Kapelle frei genannt, weil sie unabhängig vom Pastor war und nicht, wie gewöhnlich die Kapellen, von diesem vergeben wurde.

Stiftungsurkunde

I. n. d. a. Ludowicus de Kyntzwilre pastor ecclesie de boeselor universis – quod ego hon. d’nis videl. Casilio de hoytorp militi parochiano meo et Ade ejus fratri leg. canonico D. marie aquensis consensi ut ipsi de suis bonis in villa de hoitorp Capelle faciant et consecrari procurent – salvis – juribus ad me – pertinentibus -. In hujus rei testimonium sigillum meum hiis litteris duxi fid.
apponendum.
Datum a’o d’ni M.CCCXL sedo ferin quarta octavorum sollempnit. pasche.
Siegel

Quelle: Schiffer

Übersetzung:

Im Namen des Herrn. Amen.
Ich, Ludvicus von Kintzwilre (Ludwig von Kintzweiler), Pfarrer der Kirche von Boeselor (heute: Boslar), teile allen mit: Dass ich dem ehrwürdigen Herrn, nämlich Kasilius von Hoytorp, Ritter und mein Pfarrangehöriger, sowie seinem Bruder Adam, rechtmäßiger Kanoniker der Kirche St. Maria zu Aachen, zugestimmt habe, dass sie aus ihrem eigenen Vermögen in der Ortschaft Hoytorp (heute: Hottorf) eine Kapelle errichten und ihre Weihe veranlassen dürfen – unter Wahrung der Rechte, die mir zustehen.
Zum Zeugnis dieser Angelegenheit habe ich mein Siegel unter dieses Schreiben setzen lassen.
Gegeben im Jahr des Herrn 1340, am Mittwoch der Osteroktav

Der Namenspatron der Kapelle wurde der heilige Georg. Dieser wird erstmals am 18. August 1407 in einer Urkunde von Fredericus Mormona im Zusammenhang als Verwalter der vakanten Rektorenstelle ewähnt: „ecclesia S. Georgii canonicatum et prependam ac capellam sine cura in Hottorf“.

Wilhelm Rolt, Barone de Goir, wird erster Rektor der freien Kapelle. Als Rektor bezeichnet man den Priester, der als Leiter einer Kirche amtiert, die nicht Pfarrkirche ist.

Den Vornamen Carsillius/Karsilius war in der Zeit und in der Region ein gebräuchlicher Vorname. Zur Familie der Ritter von Hottorf konnte der Chronist dieser Webseite keine Abstammungsdaten zur Vorfahren ermitteln.

Ein Kanoniker ist ein Geistlicher, der an der Liturgie des jeweiligen Dom- oder Stiftkapitels mitwirkt. In einigen Quellen wird Adam von Hottorf dem Münsterstift zugeordnet. Die übliche Bezeichnung lautet jedoch Marienstift (mariae aquensis), aus dem der spätere Aachener Münster (Dom) hervorgeht.

Auch in der Familie der von Palant von Breitenbend, die dann 1420  das Patronat der Hottorfer Kapelle erhalten, ist Carsilus ein gebräuchlicher Vorname. Carsilius I. (1315-1382) war wie Adam von Hottorf Kanoniker am Marienstift zu Aachen. Von ihm ist jedoch bekannt, dass er am 20. 03. 1331 auf ein Kanonikat verzichtet, um am 01.02.1341 Ritter zu werden. Sein Urenkel Karsil III. (1440 – 1475) erbt im Jahr 1475 den ehemaligen Hof der Hottorfer Ritter.

Wer sich für  Ahnenforschung interessiert, findet unter dem Menüpunkt Familien weitere Informationen zur Herkunft und den Verwandtschaftsverhältnissen einiger Hottorfer Familien.

 

 

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