Geschichte

Die Ortgeschichte von Hottorf, eingebettet im Zeitgeschehen der Region und der Welt

Verfahren zur Entnazifizierung

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| ... doch Nazis sind wir nie gewesen |

Aus dem Portal Rheinische Geschichte: „An­fang 1946 er­gin­gen dann ver­ein­heit­li­chen­de Richt­li­ni­en der bri­ti­schen Mi­li­tär­re­gie­rung. Ge­mäß ih­rem Prin­zip, sich bei um­fas­sen­der Kon­trol­le auf ei­ne in­di­rek­te Herr­schaft zu be­schrän­ken, wur­den im Früh­jahr des Jah­res die Deut­schen auch for­mal an der Ar­beit und der Ver­ant­wor­tung für die Ent­na­zi­fi­zie­rung be­tei­ligt. In al­len Stadt- und Land­krei­sen wur­den deut­sche Ent­na­zi­fi­zie­rungs­aus­schüs­se ein­ge­rich­tet..“

Weiterhin aus LVR: „Ein Jahr später wurde die Beurteilungspraxis differenzierter. Fortan wurde zwischen ‚Hauptschuldigen’/’Verbrechern‘, ‚Belasteten’/’Aktivisten‘, ‚Minderbelasteten‘, ‚Mitläufern‘ und ‚Entlasteten‘ unterschieden, wobei sich die Briten die Kompetenz für die ersten beiden Kategorien vorbehielten.“

Auch Hottorfer mussten im März 1946 zum Auschuss nach Linnich fahren.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Zur Entnazifizierung: 

2. März 1946: Bemerkenswert war in den 14 Tagen, dass alle Parteinagehörigen und Mitglieder aus NS-Organisationen und die, die in betrauten Organisationen Posten hatten, sich an 3 Tagen in Linnich persönlich melden mussten. Wohl ca. 20 nahmen die Meldungen entgegen. Wie manchem ist das ein rauer Gang geworden.

Durch Frau v. Meer sind hier fast alle Frauen in der Frauenschaft gewesen, von den Männern waren nicht allzu viele in der Partei. Frau von Meer hatte sich damals an die Spitze gestellt, damit nicht die Plebs regiere. Nach zwei Jahren wurde sie aber schon durch Frau Elisabeth Schmitz ersetzt, die dann tüchtig weiter warb.

Für die Hottorfer war es am zweiten Tag eine recht lästige Fahrt im Regen, da sich alle auf einem Planwagen fahren ließen, bis vor der zerstörten Rurbrücke. Nachher trank man noch gemütlich Kaffee. Im Meldungssaal hing ein schöner Spruch des Inhaltes: „Wir drängten uns in die Partei und waren überall dabei, wir waren große Profitler und riefen oft und laut: Heil Hitler! Wir nannten in ein höheres Wesen, doch Nazis sind wir nie gewesen!“

Unter anderem erschien auch Frau Katharina Kochs aus Tetz da, da auch sie als zahlendes Mitglied in die Frauenschaft hineingeriet. Es war ihr sehr peinlich, dass sie gerade mit den Hottorfern zusammenkam. „Ihr ganzes Renommee bei den Hottorfern ist hin“  stellten wir humorisch auf dem Kaffee anlässlich des Namenstages meiner Schwester fest. Die Melderei hatte wohl den Zweck, dass die passiven Nazis nicht gewählt werden dürfen und die aktiven dazu nicht wählen dürfen. Neuerdings dürfen auch Parteigenossen in die Gewerkschaften eintreten.

Inbesondere die Lehrer der Dorfschulen waren verplichtet diesen Prozess zu durchlaufen. Pfarrer Reiners berichtet z.B. dass die Lehrerin Gatzweiler „wieder Unterricht halten darf„.  Vom in Hottorf geborenen Lehrer, Adam Lieven, der 1847 in Hottorf geboren wurde und die Schule in Kleinebroich-Eickerend leitete, befindet sich die Entnazifzierungsdokumente der britischen Militärregierung im Landesarchiv NRW.

Pfarrchronik der Nachkriegsjahre

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Pfarrer Reiners beginnt am 1. Februar 1946 mit einer sehr detaillierten Pfarrchronik, die am 17. Oktober 1948 endet. Auf 78 handschriflichen Seiten schildert er tagesgenau die Ereignisse zur Beseitigung der Kriegschäden an den kirchlichen Gebäuden (Kirche, Schulhaus, Pfarrhaus und Vikarie) sowie Geschehnisse in der Pfarre, in der Schule und im Ort. In Ermangelung eines passenden Heftes bzw. Buches, nimmt er freie Seiten im Buch der Marianischen Jungfrauen Kongregation.

Er hatte bereits im Jahr 1942 mit einer Chronik begonnen, die aber dirch die Besetzung abhanden gekommen ist.

Er beginnt nun wie folgt:

Liste aller Beiträge, die aus dieser Chronik zitieren:

Wiederaufbau der Kirche beginnt

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| Bauausschuss entscheidet über Architekturentwürfe |

Ende Januar 1945 befasst man sich zum erstem Mal mit dem Wiederaufbau der Kirche. Der Baumbestand des Pfarrwaldes im Hambacher Forst und Stetternicher Wald im Hinblick auf verwendbares Bauholz gesichtet. 

Der Architekt Hans Laxner aus Krefeld reicht zwei verschiedene Entwürfe für den Aufbau der Kirche ein. Die Hottorfer wollen ihr altes Gotteshaus wiederhaben.

Die erste Haussammlung in Hottorf vor Weihnachten erbrachte erstaunliche 3.500 Reichsmark, eine zweite Ende Januar weitere 1.500 Reichsmark. 

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Erste Planungen zur Wiederaufbau der Kirche: 

Januar 1946

  1. Am selben 28. Januar fuhr ich mit den Kirchenvorstandsmitgliedern Peter Bergrath und Max Meyers früh zum Hambacher Wald. Oberhausmeister Hamacher kam just daher und besichtigte mit uns den Gott sei Dank nur leicht beschädigten Wald. Auf Stetternicher Gebiet stehen ca. 50 schlagreife Stockeichen. Dort sind vielleicht 2 Granateinschläge. Die vor 2 Jahren neu angelegte Buchen – und Fichtenschonung ist sehr gut angeschlagen. Am südlichsten liegt ca. 1 Morgen Tannenwald. Dort waren Stellungen drin gebaut. Einige Tannen waren durch Granaten beschädigt.
    Aus dem Wald holte man besonders Masten für die noch 23 Dörfer Jülichs, die noch ohne elektrisches Licht sind. Stellenweise ist der Wald ziemlich zerfetzt. Das Holz wird jetzt als Brennholz verkauft. Bauholz ist seit Ende Januar beschlagnahmt. Wir fuhren dann nach Hambach, wo uns die Kirche und der alte Friedhof entsetzte, wo noch nichts aufgeräumt war. Weil zu viel der Heilige Bürokratius gefragt worden war, die Kirche sogar baufällig erklärt worden war, wächst der Schaden auf ca. 100.000 Mark an. Im Dach wäre mit 10 – 15 Brettern ein Gewölbeschaden durch den monatelangen Regen von tausenden Mark verhindert worden. Lehrer Amfaldern steht dort für die christliche Sache wacker seinen Mann. Seine Frau ist mit Meyers und Nöthlings-Immels verwandt.
    Von da fuhren wir zum Stetternicher Wald zum Forstmeister Schmitt, der uns Transportgenehmigung für unser Holz gab.  Auf dem Rückweg nach Jülich kamen wir 100 – 150.000 Tellerminen vorbei, die am Wegesrand lagerten. Im Baugeschäft Docker erfuhren wir, dass an Baumaterial nur gegen Scheine vom Kreisbauamt etwas zu haben sei. Wir fuhren dahin und hörte, dass erst die 3.000 oder 8.000 A-Wohnungen in Stand gesetzt werden müssten. Dann käme erst unsere B-beschädigte Vikarie dran. Ich fuhr dann zum Kloster Overbach, wo schon sehr aufgeräumt ist und von dort aus nach Rurdorf zu Henseler, um zu sehen, ob die Stationen von Gr. Honold für unsere Kirche fertig wären. Nun ist aber der junge Willi Henseler am Kölner Dom mit Glasarbeiten beschäftigt.

  1. Am 29. Januar fuhr Max Meyers mit seinem Wagen und Peter Bergrath mit Erich v. Meers wagen zum Hambacher Wald
    Anton Schiffer, Peter Deuser Sie räumten einen Bunker aus, schlugen einige beschädigte Tannen ab und kehrten mit den 2 Fuhren gegen Abend zurück. Das Holz lagerten sie in meine Wiese. Das Wetter ging ab, infolge Nässe – viel, viel Regen fiel, sodass die Flüsse Hochwasser hatten – konnte in den nächsten 14 Tagen nichts an der Kirche gearbeitet werden, weil ja kein Schutt weggefahren werden konnte.

    Ich brachte die Kasse der Kirche buchmäßig in Ordnung und machte die Vorarbeiten für die Kirchenrechnung 1944/5 und 45/6. Viel leichter ging das, weil ich sehr viel – monatelange Mühe – auf die Rechnung 1943/44 verwandt hatte. Einer Fahrt zum bischöflichen Generalvikariat machte einen Strich dadurch die Tatsache, dass 1. Die Bahnverbindungen noch sehr mäßig sind, bloß 4 Personenzüge auf der Strecke Mönchengladbach – Aachen, 2. Tod und Seelenamt meiner Tante Josefine Heinen geb. Kemmer in Alsdorf und die bessere Aufstellung der Kirchenrechnung, wenn ich die Vorlagen 43/44 benutze.

    Inzwischen reichte Architekt Hans Laxner Königshof (Ortsteil von Krefeld), sein Büro in Krefeld, Alexanderplatz 11, zwei Entwürfe ein. Der eine will die Kirche modernisieren. Viele bauliche Umänderungen. Bis auf eine Stimme „pro“ fand der Plan allgemeine Ablehnung. Gotisierend will er insbesondere das Innere machen. Sein Durchblick in die Kirche sah zeichnerisch so aus, dass man sagte: „Runkelrübenmiete, Feldscheune wegen des Gebälks u.a.m.
    „Wir wollen die alte Kirche wieder!“ sagte man, und wenn sie 10.000,- RM (einer 25.000,- RM) teurer ist. Ich glaube, dass Schlimmste war, dass die Gesetze der Akustik nicht beachtet waren, dass es keine Luft mehr genug geben würde, dass man sich bedrückt fühlen würde. Da der Architekt selbst erschien, konnte ich es ihm persönlich sagen, er war nicht sehr erbaut, hatte sogar noch eine schöne Außenansichtzeichnung der Zukunftskirche da, die ich in meinem Zimmer aufhängen habe, und schickte bald eine neue Zeichnung, die gefiel: „Ja, das ist unsere alte Kirche. So muss sie werden!“
    So entschied auch der Bauausschuss. Letzterer setzt sich zusammen aus dem Kirchenvorstand und je 1 Mann von je 10 Häusern. Mit einer Vollversammlung hatte ich zweimal schlechte Erfahrungen gemacht. Damit kommen wir nicht weiter. Darum wurde er gebildet. Auf der Vollversammlung redeten mehr dagegen wie dafür. Aber das ergibt nicht die wahre Stimmung des Ortes. Die zeigte sich als wir so vor Weihnachten die erste Haussammlung abhielten; durch je 1 Mann vom Kirchenvorstand und einem Nichtmitglied auf je 20 Häuser. Sie brachte ca. 3.500,- RM ein; auf 1.000,- hätte ich bloß gerechnet. 
    Mit der Gabe vom Bischof von Osnabrück -8.000,- RM, die er mir von 13.000 RM Kollektengelder ließ für meine neunmonatliche Tätigkeit im Ortsteil des Kreises Grafschaft Hoyer und im Nordteil von Nienburg/ Weser – hatten wir im Neujahr 12.000,- RM zusammen. Die zweite Sammlung Ende Januar erbrachte 1.500,- RM.

Februar 1946

  1. Heute, am 15. Februar, sind bald 16.000,- RM zusammen. Hoffentlich ein großer Prozentsatz der Unkosten.

    Ich bat mal den Architekten Hans Laxner von Krefeld, Alexanderplatz 11, von Mainz gebürtig, gut katholisch, mit gesunden politischen Ansichten, mir zu sagen, wie viel wohl der Aufbau der Kirche koste, Da meinte er, das ließe sich nicht schätzen. Vielleicht 40-50.000 RM.

    In den vergangenen Tagen konnte wegen des schlechten Wetters nicht an der Kirche gearbeitet werden.

 

Der Nachlass von Architekt Hans Laxner befindet sich Baukunstarchiv NRW. Aber leider befinden sich dort keine Unterlagen zur Hottorfer Kirche: „Leider gibt es im Nachlass von Hans Laxner keine Unterlagen zur Kirche St. Georg in Linnich. Das Projekt ist auch in seinem Werkverzeichnis nicht aufgeführt.

 

Kirche ist fast ausgeräumt

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| Pfarrhaus wird zum Lager |

Seit Dezember 1945 werden Ausstattungsgegenstände und brauchbares Balkenwerk in der Kirche geborgen und auf dem Grundstück des Pfarrhauses gelagert.  Ende Januar ist der größte Teil geschafft. Der letzte Schutt wird bis zum Osterdienstag 1946 (23. April) geräumt und ist die Kirche „besenrein“.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Stand der Lagerung von  kirchlichen Ausstattung im Pfarrhaus Ende Januar 1946: 

Dezember 1945

  1. Nachdem am 3. keiner erschien war, waren am 4. da: Maria, Hubert und Wilhelm Mülfarth, Anton Schiffer sen. Und Johann Jussen, Maria Vahsen und Katharina Lorenz.
    Die Mädchen sortierten mit mir Holz, bzw. halfen Heinrich Reitz drei Karren Schutt in der Wiese laden. Er kam mit der Fuhre von Kaspar Mütz, der selbst mit den anderen Männern in der Kirche die Hälfte der Kommunionbank und einen Altar ausräumte.

  1. Am 11. Dezember arbeiteten am Balkenwerk der Kirche Anton Hochstein, Wilhelm Honold, Jul. Bauch, der Pole Zusanski, Ludwig Schiffer und Anton Witorski, Witwe Esser und Heirich Berger. Die Kanzel wurde sichergestellt.

  1. Am 13. Dezember räumten die Kommunionbankhälften, den Altar auf der Evangelienseite und den Taufstein samt …… …… Viktor Verbiesen, Fran Vaehsen, Wilhelm Stocken, Heinrich Deuser und Matthias Tirtey.

Januar 1946  

  1. Am 28. Januar 1946 zog Matthias Schmitz, Karl Heister, Johann Emmerich, Nikolaus Edlinger, alles Personal des Erich von Meer mit 2 Pferden 3 schwere Balken aus der Kirche, die letzten. Sie kamen in meine Wiese, wo viel Holz aufgestapelt liegt, was vielleicht noch verwertet werden kann oder als Pfähle benutzt werden kann. Dort liegen auch ganze Karren kleines Brennholz von der Kirche und größeres, was noch zerschnitten werden muss.
    Einige Karren sind gegen Entgeld an den Küster a.D. Anton Lieven, an Wilhelm Dederichs, an Frl. Krauthausen, Wwe. Hubert Schiffer, an Geschwister Bergraths abgegeben und Wägelchen voll an Jäger, Nießen, Lang, Lenzen, Völker u.a.. Bretter erhielten Krieger, Bergrath und Heinrich Schiffer. Andere stehen noch in meiner zerstörten Waschküche.

    In meinem Haus (Pfarrhaus) steht im Zimmer rechts von der Tür zum Garten hin die Kommunionbank und der Taufletter(?), sodann die Schränke aus dem zerstörten Vereinszimmer, das Archivzimmer ist erhalten. Von links war ein Granattreffer hereingekommen, der ein großes Loch in der Straßenfensterwand verursachte und die Flurwand zerstörte. Dort liegt das Zinn der Orgel und Bänke u.a. aus der Kirche.
    Die Küche ist ziemlich erhalten und enthält Privatsachen. Der Abstellraum ist unbenutzbar, da das Dach weg ist. Keine einzige Fensterscheibe ist mehr im Haus und noch nicht. Die Fensterrahmen sind fast alle noch heil. Die Decken müssen überall neu verputzt werden.

    Oben sind die Zimmer unbeschädigt mit Ausnahme eines Loches von  1 m Durchmesser in meinem Schlafzimmer. Alle Löcher besserte Gerhard Schmitz aus unter der Assistenz von Josef Lieven („Müllers Jupp“ Sohn des Müllers Jakob Lieven, Kirchenschweitzer a.D.). Er nahm nichts dafür.

    Auf meinem Schlafzimmer sind die Reste der Altäre und die Kanzel. Mein Studierzimmer und meiner Schwester Schlafzimmer sind leer. Auf dem Fremdenschlafzimmer stehen die Stationen.

    Alle Fenster haben wir mit Brettern dicht gemacht, damit der Wind nicht so durchzieht. Keine einzige Tür ist oben mehr im Haus. Unten sind noch drei leidlich erhalten und die Kellertür.

    Der Keller ist unbeschädigt. Alle in ihm geborgenen Sachen warf der Amerikaner heraus, da er darin einen Sanitätsraum einrichtete. Meine Schwester barg sie im Juni, wo sie einige Wochen hier war.

    Die Decken im Obergeschoss sind mehr beschädigt, da das Dach monatelang nicht zugelegt war. Man wartete immer auf Dachziegel. Einige Balken waren auch zur Westseite hin zerstört. Sie machte Ende Oktober Stellmacher Jansen aus Ralshoven. Sodann lieh ich Pfannen bei Wwe. Anna Schmitz und den Gebrüdern Schmitz und ließ durch Küppers-Mülfarth mit Brettern des Rest des Daches zuschlagen. Weil die Bretter aber zu sehr auseinander übereinander geschlagen sind, kommt doch noch etwas Regen durch. Der Dachfirst müsste neu eingedeckt werden, Ziegel fehlen dort. Trotzdem der Ortsbürgermeister Wilhelm Mülfarth dreimal bei Heinrich Görtz war, und ich selbst, macht der das nicht. Das ist typisch für alle unsere überlaufenen Handwerker, sie versprechen alles, halten aber viel zu wenig.

    Im Garten machte meine Schwester oder ließ zumachen ca. 20 Granattrichter. Außer der im Dachstuhl zerstörten Waschküche sind die Schuppen an der Straße ebenso zerstört. Alle Pfannen wurden weggenommen. Die Verbindung zwischen Haus und Kohlenstall und der selbst liegt halb danieder. In ihm lagert jetzt Kalk, der mit Sand durchsetzt werden soll. Den lieferte uns durch Vermittlung von Frau v. Meer eine Eschweiler Firma, die dafür Stroh bekam: 5 Zentner von Anton Esser, 4 von Spengler, ½ von P. Schmitz, 1-1/2 von Geschwister Nöthlings, 4 von Geschwister Mütz. Jetzt ist er beschlagnahmt und wird vorläufig bloß für A-Häuser herausgerückt. (Das sind solche Häuser, die bis 25% beschädigt sind).

    In meiner Wiese waren noch 5 Granattrichter. Die meisten Bäume sind weg. Dort lagern jetzt Holz, Steine und Balken. Die Wiese müsste umgegraben werden.

    Die Vikarie hat mehr als das Pfarrhaus gelitten, der alte Lieven bezog sie doch, in ein paar Kammern haust er. Das Vereinszimmer und das darüberliegende Schlafzimmer ist mit dem Dach darüber vollständig weg. Das andere Dach deckte ihm sein Sohn Franz, jetzt Küster in Hochneukirch, schön zu.

    Dieser Tage ließen wir durch den Stellmacherr Jansen in Ralshoven feststellen, wieviel Holzwerk für den Wiederaufbau nötig ist. Unbenutzbar sind auch die 2 Zimmer, die Therese Kraft bewohnte. Ein ganz großes Loch klafft im ehemaligen Wohnzimmer des Küsters bis zum Eingang der Südseite hin.

März 1946  

  1. Am Vortage des heiligen Josef begannen wir wieder an der Kirche zu arbeiten. St. Josef möge uns beschützen. Schönstes Frühlingswetter (endlich nach sechs Regenwochen) war ein verheißungsvoller Auftakt.
    In der Kirche wurden die Bretter unter den Frauenbänken hochgestellt und das Podium unter den Männerbänken frei von Schutt. 

April 1946  

  1. Zum Arbeiten an der Kirche bekam ich am Nachmittag kein Fuhrwerk. Es erschienen Sibilla Roeben und Franziska mit Christian Lorenz, Hubert Jäger, Hubert Mühlfarth nach seiner Stunde beim Herrn Zimmermann. Wir klopften Steine und schichteten sie auf und reinigten Chor und Sitzplätze der Kinder.
  1. An der Kirche arbeiteten bloß Servus für Spengler und Viktor Verbiesen. Wir …ierten etwas den Teil, der der Zivilgemeinde gehört und fuhren alle schweren Steine aus und in der Kirche an die Straße.
  1. Nachmittags erschienen an der Kirche drei Kinder und Wilhelm Stacken, Sophie Froitzheim, Viktor Verbiesen, und Hubert Jäger, die Decke der Empore, der Beichtstuhl und der Schutt darauf und darunter wurde als letztes in der Kirche vor das Kirchenportal hinausgeschafft.
    Im Beichtstuhl war ein lebendiges Kaninchen, dass uns entsprang; eine Ratte schlug ich tot. Die Kissen waren noch gebrauchsfähig, ebenso die Birne der Lampe. Die Kinder begannen auch die Grube des Friedhofes an der Mauer bei Froitzheim zuzuwerfen. Der Friedhof selbst wird von den Leuten mehr und mehr mit Blumen geschmückt. Die beiden Bretterwände, auf denen die Bänke an der Frauen- und Männerseite standen, sind hochgehoben. Von unten sind sie noch ganz. An zwei Stellen ist der Boden eingesunken. Ob eine Sand- oder Mergelgrube die Ursache ist oder Unterkellerung? Abends kamen die neun schulentlassenen Jungen zu mir in meine Wohnung bei Frau von Meer.
  1. Osterdienstag: Die Kirche wurde ganz ausgeräumt und gekehrt. Der Rest Steine an meiner Gartenmauer aufgeschichtet. Der Fliesenbodenbelag wurde an den eingesunkenen Stellen entfernt.

Unterrichtsbeginn nach dem 2. Weltkrieg

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| 14 Monate kein Unterricht |

Am Montag, den 14. November 1945, beginnt wieder der Unterricht in der Schule, nachdem das Schulhaus am 30. Sept nach der 14:30h Sontagsandacht feierlich eingeweiht wurde.

Quelle: Pfarrarchiv, Publicanda Hottorf, 1939-1954, Seite 169, Pfr. Reiners

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