Geschichte

Die Ortgeschichte von Hottorf, eingebettet im Zeitgeschehen der Region und der Welt

Dies und das im Sommer 1950

Logo Hottorf ohne Schrift

| kurz gefasst |

Die Zeitung berichtet aus Hottorf:

  • Buswallfahrt mit Müntz noch Neviges
  • Tod von Schwester Beatilla, Anna Effen
  • Überfahrt über den Straßenkanal „am Maar“ beim Gut von Meer
  • Wegweiser nach Jülich
  • siebter Fußfall an Friedhofmauer

1958 Ansicht Hof von Meer-Lübbers
Foto aus dem Jahr 1958 zeigt den Hof mit dem Regenwasserkanal (4 weiße Pfosten)

Die Wasserkanal an der Maar hat wohl schon viele Jahre zu Probelem geführt. So berichtet Pfarrer Reiner schon zum 28. September 1946 in seiner Chronik: „In der Rinne bei von Meer quer durch die Straße blieb gestern schon wieder ein Gemüseauto stecken. Nach einer guten halben Stunde war es durch Winden frei geworden. Die Provinzialregierung muss das machen. Nun scheint alles Gemüse verkauft zu sein.“
Auch heutzutage bleibt die Stelle bei Starkregenereignissen kritsch, so dass die Kanaldeckel hochgespült werden.

Bei der gennanten Schwester Beatilla handelt es sich um eine Großtante des Chronisten. Der Artikel stellt die Suche nach Erholung und Genesung heraus, verschweigt jedoch, dass die Schwester den Freitod durch Erhängen im Kloster gewählt hat. 

Firmung von 25 Firmlingen bei „Firmreise“

logo-kirche-512x512

Firmung von 25 Firmlingen und Visitation durch  Weihbischof Friedrich Hünermann.

Die Tageszeitung berichtet am 2. August 1950:

„Vier Reiter von Hottorf holten von der Gemeindegrenze über den Pützberg zur Empfangsstelle am Maar bei von Meer den hohen Gast ein. Pfarrer Reiners und Orts­bürgermeister Meyers begrüßten den Weih­bischof. Der neugegründete Kirchenchor unter Leitung des Dirigenten Römer, Hasselsweiler, boten dem Gast den Will­kommensgruß, ein Kind trug ein Gedicht von Thrasolt vor.

Nachdem die Gemeinde in feierlicher Prozession Dr. Hünermann das Geleit zur festlich geschmückten Dorfkirche gegeben hatte, wurde die Gemeinschaftsmesse zu Ehren der Tagesheiligen Martha gefeiert. Nach der Segnung der Kleinkinder und Mütter schloß sich die Visitation der Kirche an. Nachmittags holten Geistlichkeit, Meß­diener und Firmlinge den Bischof ab.
22 Kinder und drei Erwachsene wurden gefirmt, Firmpaten waren Peter Bergrath und Frau Hubertine Spengler.

Weihbischof Dr. Hünermann verstand es, in seiner Abendansprache im Saale Mütz die Jugend mit den rechten Worten anzu­sprechen und sie für ein echtes Christen­leben zu begeistern.“

Primiz von Pater Josef Lieven

logo-kirche-512x512

| Messgewand als Geschenk |

Am 2. Juli 1950 wird das Primizamt von Pater Josef Lieven gefeiert.

Bericht über die anstehende Primiz und über den Primizianten in der Lokalzeitung:

Der Pater wird von seinem Elternhaus abgeholt und in feierlicher Prozession zur Kirche begleitet.  Als Geschenk der Pfarrgemeinde erhält er ein Messgewand.

Die folgenden Bilder stammen aus dem Fotoalbum der Pfarrgemeinde:

Lied- und Gebetheft
zur Primiz Festandacht:
hier

Von den Feierlichkeiten berichten die Zeitungen ausführlich:

Nicht eingeweihte Besucher staunten Samstag in Hottorf. Viele rege Hände säuberten die Straßen, befestigte Fahnen, an Masten, spannten Wimpel über die Straße, wanden Kränze und Girlande an Triumpfbogen, machten aus eine Wald von zweigen ein wunderbares Baumspallier, und schließlich wurden sogar noch zwei Teppiche und ein Läufer aus gefärbten Sägemehl hergestellt. Christliche Symbole waren sinnvoll darin angeordnet. Die Strasse zwischen Kirche und Vikarie , dem Elternhause des primizianten, war besonderders festlich geschmückt. Aber auch die anderen Strassen waren sauber gehalten und viele Fahnen gaben dem Ort eine festliche Note.Selbst der vorige Woche wieder hergestellte Turm hatte vielfachen Fahnenschmuck angelegt und abends leuchtete weithin in die Lande ein wuchtiges, von Scheinwerfern angestrahltes Kreuz.

Kaum waren die letzten Arbeiten am Schmuck beendet, als die Rufe der Glocken das Herannahen des neuen Diener Gottes ansagten. Pfarrer Reiners hatte ihn im Missionshaus Loherhof bei Geilenkirchen abgeholt. Ein Trupp Reiter und viele Jungen auf geschmückten Fahrrädern waren dem hochwürdigen Herrn Pater Josef Lieven bis Kiffelberg bei Gevenich entgegen gekommen. Bei der Kirche in Hottorf erwartete ihn beinahe das ganze Dorf. Im Namen aller begrüßte ihn  hier der Ortbürgermeister Max Meyers. Er gab seiner Freude Ausdruck. dasss endlich nach so langer zeit (69 Jahre) wieder ein Sohn des dorfes die Stufen des Altars besteigen dürfe. Nach einigen Dankesworten begab sich der Neupriester zu stiller Anbetung ins Gotteshaus. sodann geleitet man ihn zu seinem Elternhaus. Dort sang der Hottorfer Kirchenchor den Festgesang von Krakamp und das Sanktus aus der Deutschen Messe von Schubert. In seiner Ansprache hob ein Mitglied des Kirchenchores unter anderem hervor, dass nach vielen Schwierigkeiten der von der Drehbank des Schlossserberufes hinweg zum Dienste Gottes Berufene, heute nun am Ziele seiner jahrzehntelanger Wünsche stehe.

Den Höhepunkt brachte am folgende Sonntage das feierliche Erstlingsopfer in der Pfarrirche. Vor Beginn des Hochamtes wurde der Primiziant von der Geistlichkeit, vom Herrn Amtsdirektor Dr. Scholz, Herrn Amtsbürgermeister meyers, von Messdienern und Engelchenund vom Kirchenchor abgeholt. Zwei kleine Mädchen überreichten unter passenden Gedichten Birett mit Myrtenkranz und die Primizkerze.

Zur Verschönerung des seltenen Festes war der Bruder des Primizianten, der Küster und Organist in Hochneukirch tätig ist, mit dem dortigen Kirchenchor (zirka 80 Sänger und Sängerinnen) nach hier gekommen. In seiner Ansprache in der festlich geschmückten Pfarrkirche zog Herr Pfarrer Reiners einen Vergleich zwischen dem Festtagsgedanken – dem besuch Mariens bei Elisabeth – und dem heutigen Tage in Hottorf.  Wie damals, so auch heute, ein Freuden- und Gnadentag für beide Teile. Als sinnvolles Geschenk legte dem jungen Missionar eine neue Kasel um. Wie sie ganz den Priester einhüllt, so habe der Hohepriester Jesus Christus den Menschen Josef Lieven in seiner priesterlichen Würde aufgenommen und so solle auch die Liebe und Sorge der Hottorfer den Missionar bei seinem Wirken im fernen Südargentinien einhüllen.ausser der Kasel hatte die Gemeinde schon zur Weihe am 14. September 1949 in St. Augustin bei Siegburg eine vergoldeten Silberkelch geschenkt.

Nun begann das feierliche Levitenamt. Der gemischte Kirchenchor von Hochneukirch sang die vierstimmige Messe „Stella maris“ von Griessbacher mit einigen Einlagen. Die eindrucksvolle Festpredigt hiel ein Lehrer des Styler Missionshauses St. Josef in Geilenkirchen, Herr Pater Brüggemann. Nach einletenden Worten zeichnete er den Weg des schossergesellen lieven zum diener Gottes. Er betonte besonders die großen Hindernisse, die sich dem spät Gerufenen entgegenstellten, wie Schwierigkeiten des Lernens, Gefahren der Kriegs- und Gefangenschaftsjahre. Aber bei allen Berufskrisenhörte der Theologe deutlich die Worte des Meisters: „Folge mir nach“. Im zweiten Teil skizzierte der Prediger die Würde des Priesterstums und seine erhabenen Aufgaben – zu weihen, zu segnen, zu predigen, die Sakramente zu spenden, das Hl. Messopfer dazubringen. Atemlose Stille herrschte in dem überfüllten Gotteshause, als der junge Priester zum ersten Male in seiner heimat die Wandlungsworte sprach und seiner Mutter auf dem Chore und seinen Verwandten den Leib Christe reichte. Nachdem er der harrenden Menge den Segen erteilt hatte, wurde er weider zu seinem Elternhaus geleitet.

Den musikalischen Teil der Festandacht, die eigens für diesen Tag zusammengestellt wurde, bestritt der Kirchenchor von Hottorf. Nach dem eucharistischen Segen erteilte der Primiziant lange den anwesenden Gläubigen einzeln den Primizsegen.

Abends versammelte sich die Pfarrgemeinde zu Ehren des jungen Priester zu einer Feierstunde im Saale der Geschwister Mütz. In seiner Begrüßungsrede betonte der Herr Pfarrer Reiners unter anderem, dass die zukünftigen Leistungen des Missionars nicht nur von seinenm guten Willen ind seinem Mühen abhänge, sondern zutiefst und zuletzt von der Gnade Gottes, die ihn wie den Pfarrer von Ars in Frankreich und Pater Lombardi in Italien fruchtbar machen können. Nun folgten abwechslend Lieder – vorgetragen vom Kirchenchor Hochneukirch und vom Kirchenchor Hottorf – und Gedichte der Schulkinder. Besonders tiefen Eindruck machte das längere Gedicht „Christi Kämpfer“, das die ideale Einstellung eines Missionars aufzeigt. Der Ortsbürgermeister nahm Stellung zu dem Vorwurf der Stadt, das Land bringe zu wenig Priester hervor. Leider stimme es, doch sei es nicht gewollt.  Der Primiziant sei eine leuchtendes und rufendes Vorbild für die Dorfjugend.  Man solle mit ihm, wenn er einmal in Südargentinien sei, die Verbindung aufrecht erhalten und ihn durch Gebet und milde Gaben unterstützen. Hoffentlich gehe in nicht allzulanger zeit ein neuer Priester aus der Dorfmitte hervor.

Herr Lehrer Schulte sagte, dass die Schule es sich zur Ehre anrechne, wenn sie in die Schulchronik eintragen könne, dass einer ihrer Schüler Priester geworden ist. Besonders eindruckvoll war die Afführung des „Feuerrufes“ vom Priesterdichter Hugin. Er zeigt wie der Priester Lichtträger im Dunkel der Zeit ist und ruft die Jugend auf, wach zu sein gegenüber aller Schläfrigkeit und Gleichgültigkeit. Herr Pater Lieven sprach, er habe vielfach zu danken, zuerst und zumeist Gott dem Herrn, der ihn in seine Beruf geführt habe, ferner der Heimatgemeinde Hottorf, die ihm einen unvergesllichen Tag bereitet habe. Sie solle auch in Zukunft mit ihm brieflich in Verbindung bleiben, weil er die Heimat auch in seinem neuen Wirkungskreise brauche. Die Feier klang mit dem gemeinsamenLiede aus: Ein Haus voll Glorie schauet.

Der Dreiklang des Empfangs, der kirchlichen Feierstunden und der Saalfeier war einzig schön, dank der Zusammenarbeit aller. Darum richtete der Ortspfarrer zuletzt einen Appell an alle, damit es so bleibe – „seid auch in Zukunft einig, einig, einig“.

Den Ausklang des Festes bildete ein feierliches Levitenamt des Primizianten für alle Verstorbenen der Pfarrgemeinde, inbesonders für die Gefallenen der beiden Weltkriege und für die Vermissten dieses Krieges.

Die Jülicher Volkszeitung berichtet am 3. August 1950 auch von Abschiedfest im Saal Mütz:

In der Pfarrchronik hält Pfarrer Reiners fest:

Herrlich war der Ort geschmückt, alle waren mit Leib und Seele dabei. Ein Konfrater hielt die Festpredigt. Im Pastorat wurde gefeiert.

Am Abend war eine sehr feine Saalfeier wo alle ein Herz und eine Seele waren. Nicht so sehr war die Beteiligung bei der Hl. Firmung am St. Marthatage 1950. Wieder war sie durch Weihbischof Dr. Hünermann.

Im Großen und Ganzen war er zufrieden. Zur Abreise des P. Lieven wurde nochmals eine den Hottorfern unvergessliche Saalfeier gehalten.


Über Rom fuhr er mit dem Schiff von Genua nach Buenos Aires, im Oktober 1950. Heute wirkt er bei Deutschrussen in der Diözese Berlin, in der Parroquia Pueblo Santa Maria, Est Coronel Suarez F.N.S. Roca. Eben 10 km ist die Ausdehnung der Pfarrei. Die Bauern machen mit vom Zentraldorf (mit Kirche und Spiele) entfernt mitten auf ihren Feldern. Sonntags sind sie im Kirchdorf, die Kinder die ganze Woche. Wöchentliches Kino ist auch dort schon, Allzu leicht vergisst man trotz Versprechen eines Gedenkens den Josef. Post wird er wenig aus der Gemeinde erhalten. Und der Gaben für die Mission werden wenige gegeben.

Pater Josef Lieven ist ein Cousin von Josef Lieven, dem Großvater des Chronisten dieser Webseite, Josef Lieven.

Der Kirchturm wurde vollendet

logo-kirche-512x512

Die Lokalzeitung berichtet:

  • Unter Mitverwendung von Steinen der Jülicher Jesuitenkirche wird der Bau des Kirchturms vollendet
  • Ablauf der feierlichen Heimatprimiz von Pater Lieven am Fest Mariä Heimsuchung

Siehe:

Aufbau des Turms wird abgeschlossen

logo-kirche-512x512

| Der Aufbau des Turmes und der Friedhofsmauer geht voran |

Der Turm wurde in insgesamt drei Bauabschnitten wiederhergesellt.

Im dritten Bauabschnitt kann die Katzemer Firma Schläger unter Mitverwendung von Steinen der Jülicher Jesuitenkirche und mit dem von der Zuckerfabrik Ameln geschenkten Kalk  nunmehr den Bau vollenden.

Die Zeitung berichtet:
„Zwei emsige Maurer, drei Lehrbuben und drei Hilfsarbeiter aus dem Ort schafften diese Schlusswerk in kaum zwei Wochen zum Erstaunen der Gemeinde. Ein drei Meter hohes Kreuz krönt einstweilen den Turm, der noch keinen neuen Helm hat.“

Weiterhin berichtet die Tagespresse über den Abschluss der Arbeiten an der Kirche:

„Verkehrsbehinderung beseitigt
Hottorf – Im Anschluß an die Fertigstellung des Kirchturmes wird die Firma Th. Schläger aus Katzem die Friedhofsmauer reparieren. Die Schulkinder leisteten bereits gute Vorarbeit durch Abbruch der Mauerreste und Aushebung des Fundamentes. Die Pfarrgemeinde hofft, daß die Mauer bis zur bischöflichen Visitation Ende Juli vollendet ist. Mit der Instandsetzung der Friedhofsmauer sind endlich die den Verkehr behindernden Steinstufen an der Straßenkreuzung beseitigt.“  

Siehe:

Nach oben scrollen