Testament von Theodor Noethlings

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| Ursprung der Karfreitagsprozession |

Auf das Testament des Theodor Noethlings (Jülich, den 16. Februar 1859) ist wohl der Ursprung der Karfreitagsprozession zurückzuführen. Hier ein Ausschnitt aus der Urkunde:

„Ich vermache den Armen der Gemeinde Hottorf aus der von mir angekauften Parzelle 200 auf dem Müntzerbusch einen Morgen längsseitig neben der Parzelle Nr. 199 gelegen. Dieser Morgen soll verpachtet und der jährliche Pachtpreis alljährlich am Karfreitage unter die besagten Armen von der Armenverwaltung verteilt werden. … Das noch übrig bleibende Viertel von diesem Morgen soll der zeitige Lehrer zu Hottorf erhalten. Für die jährliche Pacht dieses Viertels ist derselbe verpflichtet, am Karfreitage des Nachmittags mit den Schulkindern die sogenannten sieben Fussfälle um das Dorf zu gehen oder bei schlechtem Wetter eine Stunde in der Kirche den Rosenkranz und sonst auf das bittere Leid unseres Erlösers abzubeten.“

Foto aus dem Urkundenbuch im Pfarrachiv:

Beschreibung zur Abfolge der Prozession wohl aus einem Plan für den Chor:
(vermutlich aus den 1980er Jahren) 

 

 

Hauptbahnhof in Köln eröffnet

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Das Verkehrsnetz wird dichter und Köln Verkehrsknotenpunkt: seit 1839 verkehrt im Rheinland die Eisenbahn. 1859 wird in Köln der neue Hauptbahnhof und die angeschlossene Eisenbahnbrücke – die heutige Hohenzollernbrücke – eröffnet.

Genehmigung zur Rodung des Buchholzbusches

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Am 28. Juli 1857 genehmigt die königliche Regierung die Rodung des ganzen Buchholzbusches zwischen Lövenich und Hottorf. Etwa 1972 Morgen, davon 547 Morgen auf Hottorf entfallend, werden „in die historische Kornkammer“ eingegliedert. 

Eine ausführliche Berichterstattung zum Buchholzbusch und dessen Abholzung befindet sich im Virtuellen Museum des Erkelenzer Geschichtsverein.

In der Jülicher Volkszeitung erschien im Juli 1950 ein 3-seitiger Bericht zum Ende des Buchholzbusches. Darin wird ausgeführt wie die Teilung und der Verkauf der Parzellen erfolgte. Er erdet mit dem Satz: „Für den ehemals so großen und stolzen Waldbestand im Norden des Kreises Jülich hatte damit das letzte Stündlein geschlagen und die heimat wurde um eine Schöheit ärmer.“ 

Dem Chronisten liegen weitere Unterlagen aus dem Nachlass von Martin Lemm vor: drunter Original-Kaufvertrag einer Hottorfer Familie. Diese werden später gescannt und hier veröffentlicht.

Dazu aus Heinrich Tischler, Sagen des Jülicher Landes 1949:

Wie der Lohbusch bei Boslar entstand

Vor einigen hundert Jahren war unser Heimatkreis noch viel mit Wald bestanden. Jülich war von einem herrlichen Kranz prachtvoller Wälder umgeben. Es war der große Bürgerwald, kurz „Bürge“ genannt, in der Gemeinde Steinstraß, der Güstener und Welldorfer Erbwald, der Patterner Erbwald, der Müntz-Hottorfer Erbwald, der Lohbusch bei Boslar, der Gevelsdorfer Erbwald, der Buchholzbusch bei Hottorf, der Gereonsweiler Busch, der Freialdenhovener Lohbusch, der Hambacher Erbbusch, der Koslarer Erbwald. Die Wälder waren Erbwälder, die mehreren Eigentümern gehörten. Die Erbberechtigung haftete an Person, Familie oder Hof. In der Mitte des 19. Jahrhunderts wurden die Wälder gerodet. So lag auch zwischen Mersch und Boslar früher ein stattlicher Hochwald. Der „Loo“ hieß dieser Wald im Volksmund. Es war die niederdeutsche Bezeichnung fur Wald. Es war ein Erbwald, der zu den Dorfern Bos-lar und Hottorf gehörte und war 185 Morgen groß. In ihm standen einst 21.287 Buchen, 745 Linden und 47 Eichen.

Uber alle ragte ein majestätischer Riese hervor, eine Buche, deren schönen regelmäßigen Stamm drei Männer kaum umspannen konnten. Sie mochte wohl 700 Jahre alt sein. „Soll stehen bleiben bis 2000″, so hatten einst Gebleute – Leute, welchen die jährliche Zuteilung des Holzes an die Berechtigten oblag – in ihre Rinde eingeschnitzt. Als der Wald im Winter 1869/70 gerodet wurde, kaufte Kaplan Lieck zu Boslar die Buche und vergönnte dem ehrwürdigen Künder alter Zeiten noch eine Frist von 10 Jahren, dann wurde auch sie gefällt.

Familie von Meer schenkt erste Orgel

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Der Wert der gestifteten ersten Orgel wird im Stiftungsbuch mit 2.100 Reichstaler vermerkt. Der Bau der Orgel erfolgt zwischen den Jahren 1848 und 1861. 

Kaufkraft von 2100 Reichstalern im Jahr 1855

  • Ein Arbeiter verdiente ca. 150–300 Reichstaler pro Jahr.
  • Ein Lehrer oder Beamter verdiente ca. 400–800 Reichstaler pro Jahr.
  • Ein Haus in der Stadt kostete 1000–5000 Reichstaler.
  • 1 kg Brot kostete etwa 4 Pfennige (0,04 Reichstaler) → 2100 Reichstaler konnten etwa 52.500 kg Brot kaufen.

Wortlaut der Urkunde vom 02.09.1895:

Contrakt der Familie von Meer und Kirche zu Hottorf

Der Kirchenvorstand von Hottorf einer- und Fräulein Agnes von Meer, Herr Joseph von Meer und dessen Ehefrau Catharina von Meer geborene von Berg andererseits sind übereingekommen wie folgt:

Art. 1. Fräulein Agnes von Meer, Herr Jos. von Meer und dessen Ehefrau Catharina on Berg schenken der Kirche zu Hottorf eine für dieselbe passende Orgel

Art. 2. Dagegen überläßt der Kirchenvorstand den genannten Donatoren und deren unmittebaren Descendenten, d. h. den Kindern aus der Ehe des Herrn Jos. von Meer und Catharina von Berg den sogenannten d. Oidtmannschen Kirchenstuhl  auf Lebensdauer.

Art. 3. Auch überläßt der Kirchenvorstand dem Herrn Joseph von Meer einen Platz auf der Orgelbühne auf Lebensdauer.

Art. 4. Die Art. 2 u. 3 den genannten Familien gliedern erteilte Bewilligung hört auf, sobald die selben ihre Wohnung nach einer andern Pfarre verlegt haben, auch können sie ihr erworbenes Recht nicht auf Andern übertragen.

Art. 5. Für gegenwärtige Übereinkunft, welche in dusebo ausgefertigt ist, ist die oberörtliche Genehmigung zu erbitten.

gez.  Agnes von Meer
gez. Jos. von Meer
gez. Cathar. von Berg.

Der Kirchenvorstand,
gez. Reinckens, Pfr.:              gez. P. J. Breuer,
gez. Joh. Jos. Niessen,          gez.Reiner von Coellen,
gez. Caspar Mütz,                  gez. Peter Breuer:

Die vorstehende Übereinkunft hat durch die gemäß Art. 72 des Decrets vom 30. Do. 1809 nachgesuchte und erhaltene Genehmigung der Hohen geistlichen Behörde vom 17. April 1857 ihre Gültigkeit erlangt.
gez. Reinchens Pfr.
gez  Peter Breuer
gez. Joh. Jos. Niessen

 Quelle: Pfarrarchiv Urkundenbuch 1751-1966, Nr. 15

Wer sich für  Ahnenforschung interessiert, findet unter dem Menüpunkt Familien weitere Informationen zur Herkunft und den Verwandtschaftsverhältnissen einiger Hottorfer Familien – auch der Familie von Meer.

Die Geschwister Agnes und Joseph von Meer ersteigerten 1839 den Gutshof in der Ortsmitte von Hottorf von der Familie von Oidtmann.

 

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