1948

Letzte Kriegsgefangenen kehren zurück

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| Die Aachener Volkzeitung berichtet: |

  • Ein Kriegsgefangener aus Russischer Gefangenschaft kehrt nun zurück (wer?)
  • Im Oktober wurde die Vikarie wieder hergestellt. Dort können zwei Famlien wohnen.
  • Schuppen am Pastorat im Rohbau fertig
  • Dachdeckermeister Moll aus Kiffelberg hat Westseite des Kirchenschiffes mit Schiefer gedeckt

Pfarrer Reiner dokumentiert Schicksal der Kriegsgefangenen in seiner Chronik.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Die Kriegsgefangenen: Pfarrer Reiners dokumentiert, wann Kriegsgefangen zurückgekehrt sind. Leider ist die  Zählweise nicht ganz nachzuvollziehen.   

März 1946
  1. 93 waren von hier waren während des Krieges Soldat, 19 fielen, 31 sind noch nicht zurück, 12 schickten eine Suchkarte, da sie persönlich noch nicht geschrieben haben. Von 2 oder 3 weiß man indirekt Bescheid.
    Josef Nöthlings geriet in russische Gefangenschaft, aus der er krank vor zweieinhalb Monaten entlassen wurde. Bis heute hat er sich kaum davon erholt.

    Seit Weihnachten hielt ich 3 Novenen vor dem Herz-Jesu-Freitag: Die erste in der Hauptsache um Wiedererlangung der Glocken, die in Hettstett, 3 km von der englischen Zonengrenze in der russischen Zone sind. Ob wir sie Ostern wieder haben? Sehr groß die Beteiligung der Leute daran: 50-90 Kommunikanten. Die zweite Novene für Glocken und Soldaten. Die dritte jetzt mehr für Vermisste. Die Beteiligung ist merklich schwächer geworden. Aber immerhin ist die Zahl der Kommunikanten 40-50 täglich. Heute hielt ich ein Seelenamt für alle 19 gefallenen Hottorfer. Die Beteiligung hätte viel besser sein können. Als Einlage ließ ich von den Mädchen des Singabends (mittwochs bei Mülfarth) singen: „Wo findet die Seele die Heimat, die Ruh?“

  1. Am Freitag, dem letzten Tag der Novene kam Josef Heister zurück, sodass jetzt nur noch 30 zurück sind. Er hatte es in der Küche in amerikanischer Gefangenschaft in Chartres und bei Boulogne gut. Der Nuntius von Frankreich habe sie zu Weihnachten besucht. Auf ihre Klage wegen schlechten Essens sei in acht Tagen Abhilfe geschaffen worden. Er sei nach Rom gefahren. Wie doch der Papst eine überweltliche Macht ist, wie er doch deutschenfreundlich ist. Er erhob auch seine Stimme zugunsten der unschuldigen gefangenen Nazis. Ob dieses Jahr viele heimkehren werden? Als Johann Heister gefangen wurde, ist er über die Heerbahn gekommen, also gut 100 Meter von seinem Haus. So hatte er ein Bild von Hottorf.
  1. Am Freitag kehrte Josef Berden aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft wieder. Vor Kriegsende hatten sie dort sehr gute Verpflegung, sie streikten gar bei schlechter, seit Mai litten sie sehr Hunger. Wie dumm und einfältig diese Rache an uns Unterlegenen, es ist eher eine Saat des Hasses als pädagogisch. Wären sie vornehm geblieben, so hätten sie sehr gute Propaganda um sich gemacht.
  1. Gestern schrieben eine Suchkarte durch das Rote Kreuz, wohl aus der Gegend von Moskau, Johann Schiffer, Hausnummer 12, und Martin Nießen, der erste bei dem Zusammenbruch in Rumänien bei Jassy gefangen, der andere nach der Übergabe Breslaus.
    Nun schrieben noch nicht: Wilhelm Esser, Hausnummer 3, Peter Herbergs, Fr. Althoff, Peter Schiffer, Hausnummer 46, Theodor Nöthlings, Heinrich Krafft, Rainer Hochstein, Wilhelm Schmitz und Peter Bläsen und Wilhelm Lieven.; zudem Peter Heine.
    Außerdem will ich die noch nicht Heimgekehrten aufzählen: Frater Josef Lieven S.V.D. in Siegburg, der in Köln als Sanitäter ist und jeden Sonntag nun in Urlaub kommt, Krieger, Wilhelm; Jülicher, Anton; Schiffer, Peter; Nöthlings, Theodor Ludwig; Moes, Johann; Braun, Alois; Krafft, Gerhard; Krafft, Wilhelm; Schiffer, Heinrich; Berden, Heinrich; Nießen, Martin; Hochstein Heinrich; Schmitz, Johann; Schiffer, Josef; Flesch, Matthias; Berger, Josef; Lieven, Nikolaus.
April 1946
  1. Gestern kehrte Johann Moes heim, der noch soeben Soldat wurde und ein Jahr gefangen war. Nun sind es noch 27.
    Johann Moes ist noch im Februar von der Zuckerfabrik in Ameln weggeholt worden, wurde Soldat und geriet verwundet bei Hackenbroich in amerikanische Gefangenschaft. Als verwundeter hatte er es gut, als Gefangene litten sie Hunger. Seit Juli war er auf einem Flughafen in Hanau beschäftigt. 

  1. Peter Blaesen schrieb aus tschechischer Gefangenschaft 2-;Mal. Er war bei der Feldherrenstandarte und darum wagte es seine Frau nicht, eine Suchkarte abzuschicken. Im Kampf warf er das Band immer weg.

Mai 1946
  1. Gestern Abend kehrte gerade vor der Maiandacht Nikolaus Lieven nach Hause. Er hat es sehr schlecht in amerikanischer Gefangenschaft gehabt und kennt nun Frankreich besser als Deutschland.

Juni 1946
  1. Rainer Krieger schrieb an mich, da er ohne Nachricht (24.2.46) von seinen Eltern ist. Er glaubt Hottorf fast ganz zerstört und seine Eltern nicht zu Haus. Diese Briefe gingen nicht durch die Zensur.

Juli 1946
  1. Anton Jülicher kehrte zur allgemeinen Freude heim. Er war einige Tage im Bodensee im Lazarett.

  1. Willi Krafft kehrte heute aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft heim. Schlechte Behandlung im allgemeinen. Oft weniger Verpflegung als in Dachau. Der Glaube habe bei vielen Schiffbruch erlitten, denn die Amerikaner seien bloß Christen dem Namen nach

November 1946
  1. Noch zwei Gefangene und sieben Vermisste haben wir.
    Josef Lieven ist durchgebrannt und studiert in St. Augustin. Ebenso ist Willi Krafft von Frankreich durchgebrannt. Beide sind schon einige Wochen hier.

Dezember 1946
  1. Josef Schiffer, Sohn von Martin Schiffer, kehrte aus französischer Gefangenschaft dieser Tage heim. Nun bleiben noch zwanzig zurück.

Januar 1947 
  1. Exequien für Anton von Berg, der am 12.4.1945 in Rußland verhungerte.
November 1947 
  1. Noch immer sind elf Gefangene nicht zurück und sechs Vermisste,  also ist auch noch die Kommunionmesse für sie.
Jan 1948
  • Von Franz Althoff kam die Nachricht, dass er gefallen sei. 

Bei den Einsiedlern von Hottorf

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| Früher hatten die Hottorfer es gut |

Die Aachener Volkszeitung beklagt in einem Artikel am 4. Dezemmber 1948 die schlechte Infrastruktur in Hottorf und stellt  am Ende die Frage, wer denn in Hottorf noch wohnen möchte?

 Bei den Einsiedlern von Hottorf
Was es vier Jahre nach Kriegsende im Kreise Jülich noch gibt.

Dort, wo sich der Erkelenzer Höhenzug wie eine Halbinsel in das Jülicher Land schiebt, liegt ein schmuckes Dorf. Die ungefähr 500 Einwohner haben keine Mühen gescheut, die Folgen des Krieges  zu überwinden, doch fühlen sie sich heute noch, vier Jahre nach seiner Beendigung, wie von der Welt abgeschnitten und vergessen. Dabei liegt Hottorf mitten in einem Verkehrsdreieck. Seine Bewohner haben die Auswahl zwischen 13 Bahnhöfen, um aus ihrer verlassenen Ecke herauszukommen. Der weiteste davon ist nicht mehr als 10 km entfernt, die beiden nächsten sind nach einem Marsch von nicht weniger als 7 km zu erreichen. Auf den Landstraßen um Hottorf begegnen uns mehrere kleine Karawanen, denn wer mit Koffer und Taschen reisen will, braucht eine Eskorte von Trägern.

Früher hatten die Hottorfer es gut. Viermal täglich fuhr ein Omnibus von Jülich nach Erkelenz, und zweimal wöchentlich, an den Markttagen, fuhr einer von Titz nach Limich. Beide Linien berührten Hottorf und verbanden den Ort mit den Städten der Umgebung. Hartnäckig kämpfen die Bewohner jetzt schon jahrelang mit den zuständigen Stellen, um wieder an das Verkehrsnetz angeschlossen zu werden und nicht länger zwanggweise isoliert zu sein. Die Post beabsichtigt, wie es heißt, die Kraftostlinie Jülich – Erkelenz wieder einzurichten. Man hofft in Hottorf, daß dies recht bald geschieht, doch fürchtet man, daß die Omnibusse nur von Jülich bis Hottorf fahren, was den für den Ort lebenswichtigen Bedürfnissen in keiner Weise Rechnung trägt, da wichtige Fernverbindungen der Reichsbahn nur in Erkelenz erreicht werden können.

Posthorn statt Telefon?
In Hottorf gibt es mehrere große Güter, eine Krautfabrik, eine  Gewürztrockenanlage von wachsender Bedeutung. Es ist ein Rätsel, wie sie lhren Betrieb in dem von der Außenwelt so vollständig abgeschlossenen Ort aufrechterhalten können. Denn nicht nur an den Vehrkehrsverbindungen fehlt es, in Hottorf gibt es auch kein Telefon. Bürgermeister, Gemeindeverwaltung, Pfarramt, Spar – und Darlehenskasse, überall sind Rückfragen nötig, die mit einem kurzen Anruf erledigt werden könnten.
Doch für jede Kleinigkeit muß ein zeitraubender Brief geschrieben, auf nicht immer ausreichende Klärung bringende
Antwort gewartet werden. 

Der nächste Arzt wohnt in dem 4 km entfernt liegenden Lövenich. Vor nicht allzulanger Zeit wäre ein Kind beinahe an Blinddarmentzündung verstorben und mußte spät abends noch in nächste Krankenhaußsnach Linnich gebracht werden.

Auch bei Bränden kann kaum auf Hilfe von auswärts gerechnet werden. Wenn es brennt ln Hottorf so ist wirklich Not am Mann. Eine Wasserleitung gibt es hier nicht. Es ist das für einen zivilisierten Mernschen unvorstellbar. Zwei öffentliche Pumpen sind im Ort vorhanden und ein Maar, dessen Wasser vom Vieh bevorzugt wird. Doch soll es das Wasser nicht saufen, weil das Gesundheitsamt es verboten hat. Auch das Baden ist in Hottorf ein Problem.

Wer möchte in diesem Ort wohnen?   

Acht Jahre nach Erscheinen dieses Artikels wird Hottorf ans zentrale Wassenetz angeschlossen. Siehe Beitrag „Aufnahme der zentralen Wasserversorgung“ 

 

Einführung der D-Mark

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| Stockt jetzt der Kirchenausbau ? |

„Die Währungsreform von 1948 trat am 20. Juni 1948 in der Trizone, den drei westlichen Besatzungszonen Deutschlands, in Kraft. Ab dem 21. Juni 1948 war dort die Deutsche Mark („DM“, auch „D-Mark“) alleiniges gesetzliches Zahlungsmittel. Die beiden bisher gültigen Zahlungsmittel Reichsmark und die (zu ihr fest im Verhältnis 1:1 notierende) Rentenmark (beide abgekürzt als „RM“) wurden zwangsumgetauscht und dabei mehr oder weniger im Nennwert herabgesetzt. Die Währungsreform von 1948 gehört zu den bedeutendsten wirtschaftspolitischen Maßnahmen der deutschen Nachkriegsgeschichte.“

aus: Wikipedia

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Währungsreform Juli 1948: 

 Am 21. Juni 1948  war die große Währungsumstellung von RM (Reichsmark) auf DM.
10 Prozent wird vergütet, aber zuerst gibt es nur ein Kopfgeld an jeden von 20,- DM. Sodann 5 % als Freibetrag von der Sparkassensumme.
Ich sammelte nach dem Umtausch noch RM ein, (für           ) und übernehme halb zu halb für DM 5000,-RM von einem von Lövenich. So retteten wir doch über 1000,- DM. Viel Geld hatte ich in Pappe von Düsseldorf durch Herrn von Anger angelegt und Bretter, die wir einige Monate später bei ihm abholten.
Die Pappe gaben wir später, da wir doch Schiefer bekamen, preiswert ab. Wir fürchteten nun, mit dem Kirchenbau nicht mehr recht vorwärts zu kommen.Doch in einem Jahr waren wir in der fertig gepliesterten Kirche.
Das erste Geld für den Weiterbau war das mir geschenkte erste Monatsgehalt in fester Währung von M. Mülfarth. Sodann gab eine größere Summe Erich von Meer zum Aufbau der Stallgebäude. Die erste Kollekte in DM war für das Priesterhilfswerk.

Anmerkung:

  • „Pappe“ meint „Dachpappe“
  • Die Gehälter der Pfarrer wurden noch von der Gemeinde gezahlt.

Kirchendach provisorisch gedeckt

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| Warten aaf Schiefer |

 

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners: 

Mai 1948
  1. Ich bat um freiwillige Helfer zum Aufnageln der Bretter auf das Dach. Die Bretter schnitt uns mein Kommunionpaar Franz Hilgers aus Lindern. Nicht eben besonders gut auf seinem neuen Gattex (vermutlich Bezeichnung für eine Gattersäge).
    Ein Schreiner aus Ratingen, den uns Herr von Angern, der Bruder der jungen Frau von Meer, schickte, nagelte sie uns drauf und belegte sie mit Pappe, die ich nicht teeren ließ, weil ich auf Schiefer aus Nordenau wartete.

    Nun ist es wohl entscheiden, dass keine Dachziegel gegen den Willen des Kirchenvorstandes und vieler im Dorf draufkommen, trotzdem einer ein Schwein für Dachziegel schenken wollte.
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