1946

Gründung Fußballverein „Schwarz-Weiß“

Am 15.04.1946 wurde der Fußballverein „Schwarz-Weiß“ gegründet.

Erste Aufgabe wird die Errichtung eines Sportplatzes.

Der Spielbetrieb wurde bereits 1949 wieder eingestellt.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Zum Fussballverein: 

Mai 1946

  1. An demselben Abend wurde die Gründung eines Sportvereins versucht.
    Jakob Schürkens, Vorsitzender,
    Nikolaus Edlinger, 2. Vorsitzender,
    Jakob Pickartz, Kassierer,
    Matthias  Flesch, Gerätewart.
    Als Platz hätten sie gerne das Stück Land vor der Schule, Froitzheim soll noch ein Stück seiner dahinter liegenden Wiese abgegeben.
    Die Engländer geben den  Sportvereinen Schuhe und zwingen die Schuster, sie zu erst zu reparieren.
    Hottorfer sagen: Club kommt nicht zu Stande. In drei Wochen ist er erledigt. Was will das beigezogene Volk? Die Bauern machen da nicht mit. Mal sehen.

  1. Vom Amtsbürgermeister kam die Anfrage, ob die „Katholische Jugendbewegung“ gegründet sei. (15.4.1946), ob die Jugendlichen des Spielvereins „Schwarz-Weiß“ erfasst seien?
    Die Kath. Jugendbewegung habe eine Sammelgenehmigung und wurde nur örtlich gemeldet, der Spielverein müsse eine besondere Genehmigung für die Jugendmannschaften bei der Militärregierung einreichen. Ferner will man wissen, was zur Schaffung eines Aufenthaltsraumes und eines Sportplatzes geplant würde. In Verhandlung steht man mit Rainer Schmitz wegen eines Stückes, das Eng. Steffens jetzt am Müntzer Weg hat. Ich wollte gern eine Zusammenkunft mit dem Vorstand, insbesondere Jakob Schürkens haben. Man erschien nicht.

Abstimmung über Schulform

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| Eltern stimmen ab |

Im März 1946 stimmen Eltern über die künftige Schulform ab. Neben der konfessionellen katholischen Schule, für die die Hottorfer sich entscheiden, steht noch die „Einheitsschule“ zur Wahl.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Abstimmung zur katholischen Schule: 

März 1946

  1. Am Tag der heiligen Gertrud musste ich das Hirtenschreiben ………. Einwilligung der konfessionellen Schule auf Wunsch der abstimmenden Eltern verlesen.
    Das Abstimmungsformular ist sehr kompliziert. St. Bürokratius hat Pate gestanden. Fast könnte es erscheinen, als ob die Tatsache, dass, wenn keine Eltern für diese Schule abstimmen, die Sammelschule kommt, eine Bevorzugung der Sozialisten bedeutet, die ja die „Einheitsschule“ wünschen. Die alten Mätzchen werden wieder aufgewärmt: Es gibt kein mathematisches Rechnen, keinen katholischen Fußball usw. . Es gibt aber wohl einen Katholiken, der rechnet und Fußball spielt. Aber solche Antworten weiß das verblüffte Volk oft nicht zu geben.
    Es ist wohl kein Zweifel, dass sich Hottorf zu einhundert Prozent für die konfessionelle katholische Schule entscheidet.
    Schroeder in Palenberg hat nicht die Hoffnung, dass bei ihm die Mehrheit dafür ist. In den Städten werden wir wohl Inseln minderer Religiösität erhalten. Religionsunterricht soll auch noch in den Sammelschulen sein. Auch die Evangelischen setzten sich für die religiöse Schule ein. Interessant der Brief des Amtsbruders „der anderen Fakultät“ des Pfarrer Fehsenfeld von Marklohe dazu. Im Herbst war er noch dagegen, auch die niedersächsische Splitterpartei wird sich dafür einsetzen, wie Pfarrer Stegemann von Magelsen schrieb.
  1. Zum letzten Teil des Hirtenbriefes sprach ich ernste Worte zur Not der Zeit. Nach dem Hochamt verteilte Lehrer Schulte die Abstimmungsformulare, deren Kopf er ausfüllte. Viele füllten ihn sofort aus.
    Auf dem …  in Rödingen hieß es, dass die Militärregierung an den Bischof herangetreten sei, die Schulabstimmung bis nach den Wahlen zu verschieben. Er lehnte in fünf Sätzen dieses Entgegenkommen gegen Sozialisten und Kommunisten ab, denen es natürlich hier unangenehm ist, gegen die konfessionellen Schulen Stellung nehmen zu müssen.
    Mehr als die Hälfte aller abgegebenen Stimmen sind ungültig, weil die Unterschrift in Blockschrift geleistet worden war.
  1. Eine Kalamität ist das mit den Schulabstimmungsformularen bzgl. Blockschrift der Adresse des Abstimmenden und Zeugen und der Unterschrift dieser Leute. Man staunt auch sonst bei der Durchsicht der Zettel über die Dummheit und die Unbeholfenheit der Leute. Noch drei Familien sind im Rückstand mit der Willenserklärung. Wenn die Behörde kleinlich ist, kommen nicht die vom Bischof erwarteten 90-94 Prozent heraus, besonders, wo die Sozis und Kozis so Gegenpropaganda machen.

    Immer mehr Kofferer Kinder kommen nach hier zum Unterricht. Jetzt vielleicht schon 25.
    In Kofferen und Boslar ist bisher noch immer kein Schulunterricht. Also fast zwei Jahre lernten die Kinder nichts.
  1. Einstimmig stimmten die Eltern für die katholische Schule.

Die Nachkriegsjugend und das Tanzen

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| Tanzkurs im Saal Mütz |

Die Nachkriegsjugend lernt das Tanzen. In Hottorf finden Tanzkurse statt, so dass zeitweise jeden Abend in der Woche im Saal geübt wird. Tanzleher ist Nikolaus Edlinger. Am Wochenende bieten Mai- und Kirmesfeste reichlich Gelegenheit zum Tanz – nicht nur in Hottorf, sondern auch in den benachbarten Orten.

Ortspfarrer Reiners findet am Tanzen – in der Nachbetrachtung seiner Chronik – überhaupt kein Gefallen. Es fällt ihm schwer zu akzeptieren, dass die Jugend sich nach dem Krieg wieder amüsieren will, solange sich noch Hottorfer Soldaten in Krieggefangenschaft befinden. Die Dokumentation seines Mißfallens gibt einen guten Überblick zu den Festen, an denen getanzt wurde – wie z.B. an St. Martin.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – „Unzeitgemäßes“ Tanzen: 

März 1946

  1. Er schlug wohl ein. Ich sprach auch gegen das unzeitgemäße Tanzen und das geradezu mordhafte Schnapsbrennen.

April 1946

  1. (Osterdienstag) Zur gleichen Zeit fanden sich im Mütz’schen Saale, den die Mädchen am Ostersonntag gereinigt hatten, ca. 150 Mädchen von hier, Ralshoven, Müntz und Kofferen ein, die bei Nikolaus Edlinger tanzen lernen wollen. 20,- RM für jede macht 3000,- RM. Feines Verdienst. Die besseren Mädchen nehmen nicht teil. Bis 1. Mai ist jeden Abend um 9 hr Tanzkursus, dann dienstags und freitags, drei Monate lang. Die Jugend vergisst die Not der Zeit und dass die Soldaten noch nicht zu Hause sind. Augenlust und Hoffahrt des Lebens und das Ende ist Fleischeslust.

Mai 1946

  1. Kirmessonntag: Im Saal von Mütz ist gegen Verbot doch Tanz. Natürlich. Wie der doch die Jugend anzieht und religiöse Werte fast nichts sind.

  1. Kinderbelustigung: Leider war als Abschluss wieder Tanz. Das vierte mal in diesem Monat. Verrückt. Leider gingen auch solche hin, von denen ich es nicht erwartet hatte.

  1. Den Hottorfern machte einen Strich durch die Rechnung des Gehens nach Gevenich zum Tanz und zur Kirmes. Jeden Sonntag irgendwo Tanz.

Juni 1946

  1. Heute wurde Edlinger veranlasst, den Mittelball des Tanzkränzchens schon morgen und nicht erst Samstag wegen der Beichtgelegenheit am Samstag zu halten. ….. hätte ich noch die 120,- RM für die Musik bezahlt. Er musste nun in die umliegenden Dörfer und alles umbestellen. Das war fein von ihm.
  1. Nachmittags nur Mittelball. Doch zwei Polizisten erschienen und verboten das Tanzen. Nur Klavierspielen sei gestattet. 30-40 Kuchen und Torten waren da, sie entgingen der Beschlagnahme, doch die Polizisten begingen den Fehler, dass sie mitaßen. Edlinger hatte nicht die vorgeschriebene Erlaubnis eine geschlossene Gesellschaft war es auch nicht, da er Karten zu 2,- RM verkauft hatte. Abends sprangen die Ralshovener mit Erlaubnis von Titz ein, sodass die Musik spielen konnte.

  1. Der Hof (von Meer) und der Kirchenvorstand soll ihnen die Polizei auf den Hals gehetzt haben. …. Hetzer, die die Mädchen und mit ihnen die Jugend dagegen aufhetzen. Frau von Meer wusch ihnen den Kopf. Frau Edlinger fuhr nach Jülich, um beim Kommandanten Tanzerlaubnis zu beantragen. Sie soll sie in 10 Tagen bekommen. „dann würde noch mehr getanzt und alles nachgeholt!“.
  1. Um zwei Uhr waren wohl alle Jungen und Mädchen da, um in Müntz an der Feier der Jugend teilzunehmen. Pfr. Duster predigte gut, aber etwas lang über das Thema „Einer trage des anderen Last“. Besonders hob er die Familiensorgen hervor und predigte gen die Tanzwut. In Müntz war Kirmes.
    Drei Tage Ball. Mit viel Eifer hatte die Jungend den Saal wiederhergestellt. Um die Feier einzuproben, hatten sie keine Zeit. Wohl in allen Orten ließ die Beteiligung der Jugend an der Kommunion zu wünschen übrig.

  1. Für den 23.6. ist wieder Tanz. Diesmal durch die Ralshovener. Wieder läuft die Jugend mit Ausnahme von vier Mädchen und einem Jungen restlos hin.

August 1946

  1. Nur einmal im Monat darf noch in einem Lokal Tanz sein mit Ausnahme eines zweiten Kirmestages .

September 1946

  1. Morgen ist schon wieder gegen die Bestimmung Ball der Ralshovener. Außer dort ist in Müntz und Kofferen Kirmes.

Oktober 1946

  1. Ein neuer Tanzkursus durch Edlinger soll begonnen haben: Pro Abend 50 Pfennig.

November 1946

  1. Ein Martinszug findet nicht statt, da er keine Genehmigung hat. Dafür ist Martins-Ball. Mal wieder. Die Jugend sackt immer mehr ab.

Dezember 1946

  1. Dem Sportverein ist sein Tanzen zu Weihnachten verboten worden.; nur Theater und ruhige Feiern sind da gestattet. Einige schoben mir das in die Schuhe.

Februar 1947

  1. Ich sprach über das Tanzen als Seelsorger. Ob es Erfolg hat?

Mai 1947

  1. Der Maizug fiel aus.
    Um halb sechs kam Mülfarth und Frau und Schulte und Frau mich abholen und so besuchten wir den Tanz. Ich tat es, um die Jugend zu gewinnen. Mal schauen, ob s Erfolg hat, z. B. nächsten Sonntag bei der hl. Kommunion ist.

  1. Die Jugend tanzte ja bis 2.30 Uhr. Die Maiandacht war gut gestern besucht.

  1. Um 15.30 Uhr: Maizug und Tanz. Mittelball. Fast nichts in der Maiandacht.

Verfahren zur Entnazifizierung

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| ... doch Nazis sind wir nie gewesen |

Aus dem Portal Rheinische Geschichte: „An­fang 1946 er­gin­gen dann ver­ein­heit­li­chen­de Richt­li­ni­en der bri­ti­schen Mi­li­tär­re­gie­rung. Ge­mäß ih­rem Prin­zip, sich bei um­fas­sen­der Kon­trol­le auf ei­ne in­di­rek­te Herr­schaft zu be­schrän­ken, wur­den im Früh­jahr des Jah­res die Deut­schen auch for­mal an der Ar­beit und der Ver­ant­wor­tung für die Ent­na­zi­fi­zie­rung be­tei­ligt. In al­len Stadt- und Land­krei­sen wur­den deut­sche Ent­na­zi­fi­zie­rungs­aus­schüs­se ein­ge­rich­tet..“

Weiterhin aus LVR: „Ein Jahr später wurde die Beurteilungspraxis differenzierter. Fortan wurde zwischen ‚Hauptschuldigen’/’Verbrechern‘, ‚Belasteten’/’Aktivisten‘, ‚Minderbelasteten‘, ‚Mitläufern‘ und ‚Entlasteten‘ unterschieden, wobei sich die Briten die Kompetenz für die ersten beiden Kategorien vorbehielten.“

Auch Hottorfer mussten im März 1946 zum Auschuss nach Linnich fahren.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Zur Entnazifizierung: 

2. März 1946: Bemerkenswert war in den 14 Tagen, dass alle Parteinagehörigen und Mitglieder aus NS-Organisationen und die, die in betrauten Organisationen Posten hatten, sich an 3 Tagen in Linnich persönlich melden mussten. Wohl ca. 20 nahmen die Meldungen entgegen. Wie manchem ist das ein rauer Gang geworden.

Durch Frau v. Meer sind hier fast alle Frauen in der Frauenschaft gewesen, von den Männern waren nicht allzu viele in der Partei. Frau von Meer hatte sich damals an die Spitze gestellt, damit nicht die Plebs regiere. Nach zwei Jahren wurde sie aber schon durch Frau Elisabeth Schmitz ersetzt, die dann tüchtig weiter warb.

Für die Hottorfer war es am zweiten Tag eine recht lästige Fahrt im Regen, da sich alle auf einem Planwagen fahren ließen, bis vor der zerstörten Rurbrücke. Nachher trank man noch gemütlich Kaffee. Im Meldungssaal hing ein schöner Spruch des Inhaltes: „Wir drängten uns in die Partei und waren überall dabei, wir waren große Profitler und riefen oft und laut: Heil Hitler! Wir nannten in ein höheres Wesen, doch Nazis sind wir nie gewesen!“

Unter anderem erschien auch Frau Katharina Kochs aus Tetz da, da auch sie als zahlendes Mitglied in die Frauenschaft hineingeriet. Es war ihr sehr peinlich, dass sie gerade mit den Hottorfern zusammenkam. „Ihr ganzes Renommee bei den Hottorfern ist hin“  stellten wir humorisch auf dem Kaffee anlässlich des Namenstages meiner Schwester fest. Die Melderei hatte wohl den Zweck, dass die passiven Nazis nicht gewählt werden dürfen und die aktiven dazu nicht wählen dürfen. Neuerdings dürfen auch Parteigenossen in die Gewerkschaften eintreten.

Inbesondere die Lehrer der Dorfschulen waren verplichtet diesen Prozess zu durchlaufen. Pfarrer Reiners berichtet z.B. dass die Lehrerin Gatzweiler „wieder Untericht halten darf„.  Vom in Hottorf geborenen Lehrer, Adam Lieven, der 1847 in Hottorf geboren wurde und die Schule in Kleinebroich-Eickerend leitete, befindet sich die Entnazifzierungsdokumente der britischen Militärregierung im Landesarchiv NRW.

Pfarrchronik der Nachkriegsjahre

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Pfarrer Reiners beginnt am 1. Februar 1946 mit einer sehr detaillierten Pfarrchronik, die am 17. Oktober 1948 endet. Auf 78 handschriflichen Seiten schildert er tagesgenau die Ereignisse zur Beseitigung der Kriegschäden an den kirchlichen Gebäuden (Kirche, Schulhaus, Pfarrhaus und Vikarie) sowie Geschehnisse in der Pfarre, in der Schule und im Ort. In Ermangelung eines passenden Heftes bzw. Buches, nimmt er freie Seiten im Buch der Marianischen Jungfrauen Kongregation.

Er hatte bereits im Jahr 1942 mit einer Chronik begonnen, die aber dirch die Besetzung abhanden gekommen ist.

Er beginnt nun wie folgt:

Liste aller Beiträge, die aus dieser Chronik zitieren:
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