1945

Kirche unter Artilleriebeschuss

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| Hl. Georg sollte als erfahrener Kriegsmann die Kirche schützen |

Am Donnerstag, dem 22. Februar 1945, wird die Kirche am Vortag der Operation Grenade – der Überquerung der Rur – durch Artilleriebeschuss bis auf die Umfassungsmauern zerstört.

Durch ein Aufkären des Wetters konnten strategische Ziele erstmals wieder auf der Ostseite der Rur bombardiert werden. Dabei sollten die geplanten Brückenköpfe bei Linnich und Rurdorf vorbereitet werden, die bis zur Höhe Gevenich und Boslar gehen sollten. Obwohl die Amerikanische Artillerie darauf achtete, nicht mehr als üblich zu feuern, um die Deutsche Wehrmacht keinen Hinweis auf die bevorstehende Operation zu geben, fiel die Hottorfer Kirche diesem Beschuss zum Opfer.

Pfarrer Reiners berichtet um Verkündigungsbuch:

Wir alle vertrauten auf den Schutz des Hl. Georg, der uns als erfahrener Kriegsmann die Kirche schützen sollte, so tat es bloß bis zum Donnerstag, dem 22. Febr. 1945, ab 3 Uhr bis halb 6 nachmittags schossen die Flakgeschütze von Floßdorf aus, mir …., Spenrath und Augenzeugen berichten, die Kirche zusammen. Am 23.2.ging die letzte Offensive der Alliierten los, die hier bei Linnich den Übergang über die Rur genommen mit Infanterie rechts u. standen bei Körrenzig.

Die bis in der Nacht zum 23. Februar gehenden Vorbereitungen zur Operation Grenade werden wie folgt beschrieben, übersetzt aus With the 102d Infantry Division trough Germany, siehe Bücher mit Bezug zu Hottorf:

Nach der Monatsmitte besserte sich das Wetter deutlich. Der Regen hörte auf, und der Himmel klarte auf – eine Entwicklung, die nicht nur die rückwärtigen Gebiete und Nachschublinien des Feindes wieder Angriffen aus der Luft aussetzte, sondern auch seine Aktivitäten auf der gegenüberliegenden Seite des Rurtals wieder für Beobachter am Boden sichtbar machte. Die Hochwasserlage begann sich zu entspannen, und der Fluss fiel täglich um etwa einen Zoll, obwohl die Strömung gefährlich stark blieb – zwischen sechs und zwölf Meilen pro Stunde. Schließlich kam es am 22. Februar zu einem plötzlichen Rückgang des Wasserstands um drei Zoll. Alles deutete darauf hin, dass die Flut weitaus schneller zurückging als erwartet.

Der D‑Day war nun auf den 23. Februar festgelegt worden, mit der H‑Stunde um 03:30. In Vorbereitung des neuen Angriffs rückten die Sturmtruppen erneut an die Flusslinie vor. So verließen am 22. Februar das 1. und 2. Bataillon des 405th Infantry Baesweiler und erreichten Ederen, Welz und Freialdenhoven. Während der Nacht vom 22. auf 23. Februar bewegten sich das 1. und 2. Bataillon des 407th Infantry von Gereonsweiler nach Linnich. Das Divisionshauptquartier wurde gemeinsam mit dem 407th Infantry in einem Schulgebäude in Linnich eingerichtet – mit Blick auf den reißenden Fluss. Die Vorbereitungen näherten sich rasch ihrem Abschluss.

Man konnte die Spannung spüren, als die Dunkelheit über das Rurtal fiel. Das Material für den Übergang musste die steile Böschung gegenüber Rurdorf hinunter getragen werden, und Tausende Männer befanden sich in Reichweite jeder verfügbaren deutschen Waffe. Alles konnte geschehen – und wahrscheinlich würde es das auch. Man hoffte still auf das Beste.

Am frühen Abend herrschte Stille; nur gelegentlich durchbrach eine bernsteinfarbene Leuchtrakete die Ruhe der Nacht. Am nächsten Tag, dem 23. Februar, nur wenige Stunden entfernt, sollte der große Angriff beginnen. Es war der Anfang vom Ende, und viele schöpften daraus Zuversicht. Alle glaubten an den kommenden Erfolg. Der Feind feuerte sporadisch Granaten, Mörser‑ und Maschinengewehrsalven. In den verdunkelten Straßen von Linnich und Rurdorf bewegten sich Männer lautlos wie Schatten, sprangen hastig in Türöffnungen, wenn eine Granate über sie hinwegzischte oder Kugeln Ziegelstaub in die Straßen schleuderten. Hin und wieder trat ein Einzelner aus einem Unterstand, getrieben von Neugier und Hoffnung, etwas zu sehen, das ihn beruhigen mochte. Für viele war es der erste Fronteinsatz – ihre Vorstellungskraft quälte ihre Herzen. Mehrere Volltreffer in das Divisionshauptquartier erinnerten auch die Kriegskorrespondenten daran, dass der Krieg keine Gnade kannte und der Tod in der Luft lauerte.

„Rogers’ Night Raiders“ – die furchtlose Gruppe von Offizieren und Soldaten, die sich längst im Nahkampf mit dem Feind bewährt hatte – schwärzten ruhig ihre Gesichter und überprüften ihre Waffen. Sie würden als Erste über den Fluss gehen und den Gegner vom jenseitigen Ufer vertreiben, damit die Boote nicht unter direktes Infanteriefeuer gerieten.

Das Fernmeldepersonal, von dem so vieles abhing, arbeitete still an der Aufrechterhaltung der Verbindungen, im Wissen, dass sie ständig in Gefahr waren, aber weitermachen mussten. Die Geschützbedienungen überprüften die Zünder, legten die Granaten bereit, um sie so schnell wie möglich in die Rohre zu laden. Sie würden die ersten Schüsse der bevorstehenden Schlacht abfeuern.

Einige versuchten zu schlafen, doch Ruhe war ihnen nicht vergönnt – sie wälzten sich auf schmutzigen Böden, wo immer es einigermaßen Schutz gab. Sie hörten das Gurgeln des Flusses, den sie bald überqueren sollten – eine mahnende Erinnerung daran, dass der morgige Tag der D‑Day sein würde.

Die Vorbereitungen für die Schlacht an der Rur waren abgeschlossen – ihre Durchführung stand unmittelbar bevor. Wir waren bereit.

Stauseen an der Rur werden abgelassen

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| Amerikaner müssen Überquerung der Rur mehrfach verschieben |

Nachdem Aachen schon im Oktober 1944 durch die Amerikanische Armee befreit wurde und dort schon im Dezember die Aachener Nachrichten als erste freie Zeitung erscheinen, dauert der Vormarsch bis nach Hottorf noch weitere vier Monate – bis in den Februar 1945. Zum großern Hindernis wurde die Überquerung der Rur.

Noch im April 2022 erschien dazu ein Artikel in der Welt:  „Wie ein kleiner Fluss den US-Vormarsch zum Ruhrgebiet stoppte“. Die Planung und Durchführung der sogenannten Operation Grenade zur Rurquerung ist auch in Amerikanischen Kriegsberichten ausführlich dokumentiert.

Nachfolgend befinden sich Textausschnitte aus verschiedenen Quellen in Bezug zur späteren Querung der Rur bei Linnich und bei Rurdorf.  

Eigentlich ist die Rur in der Eifel ein eher kleiner, beschaulicher Fluss. Selten ist er breiter als 25 Meter; an der Mündung in die Maas fließen pro Sekunde etwa 26 Kubikmeter Wasser durch die Rur.

Im Februar 1945 war das allerdings anders. Auf dem oft abschüssigen Ostufer der Rur und dahinter hatten sich deutsche Truppen in einem gut befestigten Stellungssystem eingegraben und in Erwartung des Angriffs der 9. US-Armee am 8. Februar die Tore von Urfttal- und Rurtalsperre südlich von Düren geöffnet. Rund 100 Millionen Kubikmeter machten die Rur zu einem reißendem Hindernis. Natürlich waren alle Brücken gesprengt.

Operation Grenade war der Name einer Operation der 9. US-Armee an der Westfront des Zweiten Weltkrieges vom 22. Februar bis 11. März 1945, in deren Verlauf die amerikanischen Truppen erfolgreich die Rur überquerten.

Ursprünglich sollte die Operation Grenade zeitnah zur Operation Veritable beginnen (8. Februar), was aber wegen der Öffnung zweier Talsperren in der Eifel (Rurtalsperre und Urfttalsperre) durch die Wehrmacht undurchführbar wurde: Diese sprengte am 10. Februar 1945 die Verschlüsse des Kermeterstollens am Kraftwerk Heimbach, woraufhin die Urfttalsperre bis zum Niveau des Kermeterstollens leer lief, und auch die Verschlüsse der Grundablassstollen der Staumauer Schwammenauel (Rursee). Beides zusammen erzeugte flussabwärts ein Hochwasser, das die Flussaue verschlammte und die Rur an Stellen mit hohem Ufer zu einem reißenden Fluss machte.

Normalerweise ist die Rur ein ruhiges Flüsschen, das an vielen Stellen etwa 30 Meter breit ist. Die Planer vermuteten, dass das Tauwetter und die Zerstörung von Rurstaudämmen sie in einen bis zu zwei Kilometer breiten See verwandeln würden. Auch nach dem Rückgang des Hochwassers würde das Gelände so morastig sein, dass Fahrzeuge nicht außerhalb fester Wege manövrieren könnten. 

aus: Wikipedia

Alle Vorbereitungen waren abgeschlossen in Erwartung eines DDay am 10. Februar, als am Vorabend des Angriffs die Deutschen die Ablassventile der Rurtalsperren zerstörten. Etwa zwölf Tage sollte es dauern, bis das Wasser in den Stauseen abgeflossen war.

Oberhalb von Düren, wo die Flussufer relativ hoch sind, bestand die schlimmste Auswirkung der Flut darin, dass sich die Strömung stark beschleunigte, stellenweise auf mehr als 15 Kilometer pro Stunde. Unterhalb dagegen, entlang des größten Teils ihres Laufs, trat die Rur über die Ufer und überflutete die Talebene. Nördlich von Linnich, wo der Fluss normalerweise 25 bis 30 Meter breit ist, dehnte er sich zu einem bis zu zwei km breiten See aus. Häufiger traten Überflutungen mit einer Breite bis 400 Meter auf. Der Boden zu beiden Seiten des überfluteten Flussbetts war weich und schwammig. Während die Pioniere über den langsam zurückgehenden Wasserstand wachten, wurde die Operation GRENADE mehrfach verschoben.

Luftaufnahme der Rur bei Linnich, oben links Gut Breitenbend
Luftaufnahme der Rur bei Linnich, oben links Gut Breitenbend

Auf Anraten der Pioniere setzte General Simpson schließlich den DDay auf den 23. Februar fest – einen Tag, bevor die Stauseen vermutlich vollständig entleert sein würden. Obwohl der Fluss noch immer Hochwasser führte, war der Pegel inzwischen bis zu 40 cm unter den Höchststand gesunken, und an nur wenigen Stellen überstieg die Strömung 10 km pro Stunde. Indem General Simpson den frühestmöglichen Zeitpunkt nutzte, an dem eine Überquerung mit vertretbarer Erfolgsaussicht möglich schien, statt auf normale Bedingungen zu warten, hoffte er, ein gewisses Maß an Überraschung zu erreichen.

Das weitere Vorrücken der Amerikanischen Armee von der Überquerung der Rur bei Rurdorf bis zur Befreiung von Hottorf ist in folgenden Beiträgen weiter beschrieben:

In memoriam Goswin Frenken

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| Im KZ Flossenbürg gestorben |

Goswin Frenken war Sohn des Kölner Oberlandesgerichtspräsidenten Josef Frenken und der Maria Eleonore von Meer. Er ist am 2. August 1887 in Hottorf geboren und ist am 4. Aug. in der Hottorfer Kirche getauft worden. Er hatte sechs Geschwister.

Über sein Leben in Hottorf ist nichts bekannt. Sein Vater, Josef Frenken, wurde zwei Jahre nach seiner Geburt Staatsanwalt in Köln.  

Goswin Frenken studierte in Berlin und wurde 1922 Hochschullehrer in Köln. Wegen Äußerungen über das NS Regime wurde er verurteilt. Er kam 1941 in Gestapohaft und und starb 1945 im KZ Flossenbürg.

Mehr über sein Leben und Wirken bei Wikipedia.

 

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