| Bauausschuss entscheidet über Architekturentwürfe |
Ende Januar 1945 befasst man sich zum erstem Mal mit dem Wiederaufba der Kirche. Der Baumbestand des Pfarrwaldes im Hambacher Forst und Stetternicher Wald im Hinblick auf verwendbares Bauholz gesichtet.
Der Architekt Hans Laxner aus Krefeld reicht zwei verschiedene Entwürfe für den Aufbau der Kirche ein. Die Hottorfer wollen ihr altes Gotteshaus wiederhaben.
Die erste Haussammlung in Hottorf vor Weihnachten erbrachte erstaunliche 3.500 Reichsmark, eine zweite Ende Januar weitere 1.500 Reichsmark.
Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Erste Planungen zur Wiederaufbau der Kirche:
Januar 1946
Am selben 28. Januar fuhr ich mit den Kirchenvorstandsmitgliedern Peter Bergrath und Max Meyers früh zum Hambacher Wald. Oberhausmeister Hamacher kam just daher und besichtigte mit uns den Gott sei Dank nur leicht beschädigten Wald. Auf Stetternicher Gebiet stehen ca. 50 schlagreife Stockeichen. Dort sind vielleicht 2 Granateinschläge. Die vor 2 Jahren neu angelegte Buchen – und Fichtenschonung ist sehr gut angeschlagen. Am südlichsten liegt ca. 1 Morgen Tannenwald. Dort waren Stellungen drin gebaut. Einige Tannen waren durch Granaten beschädigt.
Aus dem Wald holte man besonders Masten für die noch 23 Dörfer Jülichs, die noch ohne elektrisches Licht sind. Stellenweise ist der Wald ziemlich zerfetzt. Das Holz wird jetzt als Brennholz verkauft. Bauholz ist seit Ende Januar beschlagnahmt. Wir fuhren dann nach Hambach, wo uns die Kirche und der alte Friedhof entsetzte, wo noch nichts aufgeräumt war. Weil zu viel der Heilige Bürokratius gefragt worden war, die Kirche sogar baufällig erklärt worden war, wächst der Schaden auf ca. 100.000 Mark an. Im Dach wäre mit 10 – 15 Brettern ein Gewölbeschaden durch den monatelangen Regen von tausenden Mark verhindert worden. Lehrer Amfaldern steht dort für die christliche Sache wacker seinen Mann. Seine Frau ist mit Meyers und Nöthlings-Immels verwandt.
Von da fuhren wir zum Stetternicher Wald zum Forstmeister Schmitt, der uns Transportgenehmigung für unser Holz gab. Auf dem Rückweg nach Jülich kamen wir 100 – 150.000 Tellerminen vorbei, die am Wegesrand lagerten. Im Baugeschäft Docker erfuhren wir, dass an Baumaterial nur gegen Scheine vom Kreisbauamt etwas zu haben sei. Wir fuhren dahin und hörte, dass erst die 3.000 oder 8.000 A-Wohnungen in Stand gesetzt werden müssten. Dann käme erst unsere B-beschädigte Vikarie dran. Ich fuhr dann zum Kloster Overbach, wo schon sehr aufgeräumt ist und von dort aus nach Rurdorf zu Henseler, um zu sehen, ob die Stationen von Gr. Honold für unsere Kirche fertig wären. Nun ist aber der junge Willi Henseler am Kölner Dom mit Glasarbeiten beschäftigt.
Am 29. Januar fuhr Max Meyers mit seinem Wagen und Peter Bergrath mit Erich v. Meers wagen zum Hambacher Wald.
Anton Schiffer, Peter Deuser Sie räumten einen Bunker aus, schlugen einige beschädigte Tannen ab und kehrten mit den 2 Fuhren gegen Abend zurück. Das Holz lagerten sie in meine Wiese. Das Wetter ging ab, infolge Nässe – viel, viel Regen fiel, sodass die Flüsse Hochwasser hatten – konnte in den nächsten 14 Tagen nichts an der Kirche gearbeitet werden, weil ja kein Schutt weggefahren werden konnte.Ich brachte die Kasse der Kirche buchmäßig in Ordnung und machte die Vorarbeiten für die Kirchenrechnung 1944/5 und 45/6. Viel leichter ging das, weil ich sehr viel – monatelange Mühe – auf die Rechnung 1943/44 verwandt hatte. Einer Fahrt zum bischöflichen Generalvikariat machte einen Strich dadurch die Tatsache, dass 1. Die Bahnverbindungen noch sehr mäßig sind, bloß 4 Personenzüge auf der Strecke Mönchengladbach – Aachen, 2. Tod und Seelenamt meiner Tante Josefine Heinen geb. Kemmer in Alsdorf und die bessere Aufstellung der Kirchenrechnung, wenn ich die Vorlagen 43/44 benutze.
Inzwischen reichte Architekt Hans Laxner Königshof (Ortsteil von Krefeld), sein Büro in Krefeld, Alexanderplatz 11, zwei Entwürfe ein. Der eine will die Kirche modernisieren. Viele bauliche Umänderungen. Bis auf eine Stimme „pro“ fand der Plan allgemeine Ablehnung. Gotisierend will er insbesondere das Innere machen. Sein Durchblick in die Kirche sah zeichnerisch so aus, dass man sagte: „Runkelrübenmiete, Feldscheune wegen des Gebälks u.a.m.
„Wir wollen die alte Kirche wieder!“ sagte man, und wenn sie 10.000,- RM (einer 25.000,- RM) teurer ist. Ich glaube, dass Schlimmste war, dass die Gesetze der Akustik nicht beachtet waren, dass es keine Luft mehr genug geben würde, dass man sich bedrückt fühlen würde. Da der Architekt selbst erschien, konnte ich es ihm persönlich sagen, er war nicht sehr erbaut, hatte sogar noch eine schöne Außenansichtzeichnung der Zukunftskirche da, die ich in meinem Zimmer aufhängen habe, und schickte bald eine neue Zeichnung, die gefiel: „Ja, das ist unsere alte Kirche. So muss sie werden!“
So entschied auch der Bauausschuss. Letzterer setzt sich zusammen aus dem Kirchenvorstand und je 1 Mann von je 10 Häusern. Mit einer Vollversammlung hatte ich zweimal schlechte Erfahrungen gemacht. Damit kommen wir nicht weiter. Darum wurde er gebildet. Auf der Vollversammlung redeten mehr dagegen wie dafür. Aber das ergibt nicht die wahre Stimmung des Ortes. Die zeigte sich als wir so vor Weihnachten die erste Haussammlung abhielten; durch je 1 Mann vom Kirchenvorstand und einem Nichtmitglied auf je 20 Häuser. Sie brachte ca. 3.500,- RM ein; auf 1.000,- hätte ich bloß gerechnet.
Mit der Gabe vom Bischof von Osnabrück -8.000,- RM, die er mir von 13.000 RM Kollektengelder ließ für meine neunmonatliche Tätigkeit im Ortsteil des Kreises Grafschaft Hoyer und im Nordteil von Nienburg/ Weser – hatten wir im Neujahr 12.000,- RM zusammen. Die zweite Sammlung Ende Januar erbrachte 1.500,- RM.
Februar 1946
- Heute, am 15. Februar, sind bald 16.000,- RM zusammen. Hoffentlich ein großer Prozentsatz der Unkosten.
Ich bat mal den Architekten Hans Laxner von Krefeld, Alexanderplatz 11, von Mainz gebürtig, gut katholisch, mit gesunden politischen Ansichten, mir zu sagen, wie viel wohl der Aufbau der Kirche koste, Da meinte er, das ließe sich nicht schätzen. Vielleicht 40-50.000 RM.
In den vergangenen Tagen konnte wegen des schlechten Wetters nicht an der Kirche gearbeitet werden.
Der Nachlass von Architekt Hans Laxner befindet sich Baukunstarchiv NRW. Aber leider befinden sich dort keine Unterlagen zur Hottorfer Kirche: „Leider gibt es im Nachlass von Hans Laxner keine Unterlagen zur Kirche St. Georg in Linnich. Das Projekt ist auch in seinem Werkverzeichnis nicht aufgeführt.„