Notkirche in der Schule

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| Glocke im Baum begrüsst Pfarrer Reiners |

Der große Schulraum dient bis 1949 als Notkirche.

Pfarrer Reiners berichtet im Verkündigungsbuch:

Im Juli kehrte Pfr. Schmitt wieder u. ich, feierlich durch die Glocke bei Mühlfarts in der Wiese begrüßt durch halbstündiges Läuten am 2. Sept 1945.

Die ersten Wochen ließ ich Pfr. Schmitt die von ihm angenommenen Hl. Messen verkündigen u. halten.

Am 16.9., dem 17. Sonntag nach Pfingsten verkündigte ich zum ersten Mal….
(wieder die Hl. Messe)

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Die Einrichtung der Notkirche im Oktober 1945: 

Als Notkirche dient der Raum für die Oberklasse in der Schule. Ein Fronleichnamsaltar ist nun Schulaltar. Die Schule hat keinen größeren Schaden. Der Raum bekam nun allmählich wieder ein Fenster nach dem anderen, wurde ausgeflickt und verputzt und erhielt endlich eine Tür. Ein Harmonium, gespielt von Maria Mülfarth, ab und zu von Hubert Mülfarth, ersetzt die Orgel. Allmählich kommt ein gesangliches Stück der Messe nach dem anderen. Eine Witwe Kochs aus Mönchengladbach lieh uns für einige Jahre ein Harmonium, das dann in meinen Besitz übergehen soll. Hubert Völker holte es kostenlos mit seinem Wägelchen Anfang Dezember herüber. Wir stellten dann auf den Altar zur Ostseite der Schule aus mehr von praktischen, nicht ästhetischen Gründen. Das bewährte sich gut, Männer und Frauen  sind jetzt getrennt und verteilen sich besser, die Kinder stehen vor dem Altar. Die alten Leute sitzen mit dem Gesicht zum Altar seitlich. In einer Fensternische setzten wir das Krippchen, das Harmonium unten rechts auf Balken und einem Podium. Mein Dürerbild der Geburt Christi schmückte den Hintergrund des Altars.

4. März 1946: Da unser heiliger Josef kaputt ist, so steht in der Notkirche auf einem Rollschränkchen der Lehrerin eine ca. 25 cm große Statue von Mülfarth aus Hasselsweiler. Als Blumen haben wir bloß Schneeglöckchen. Kerzen müssen gestiftet werden.

15. April 1946 (vor Ostern)
Mittags war Keuter (sein Vater ist hier gebürtig) da (aus Eschweiler) mit seinem Gesellen, um die Notkirche zu tünchen und anzustreichen. Josef Blaesen und Viktor Vanderbiesen halfen ihnen und Hubert Mülfarth. Die Wände erhielten blaue Leisten in den Ecken, die Fenster Umrahmungen. Der Sockel ist hellblau gehalten, die Bodenleisten braunrot. Das Kamingesims ist dunkelrötlich gehalten mit einem Halbkreis an der Decke. Darin sind oben große goldene Sterne und das und daneben α und Ω in Rot. Schade nur, dass der Herbergs nicht das letzte Fenster machte und die Tür. Der Fußboden erhielt einen Ölanstrich, dito das Podium, worauf das Harmonium steht. Der Altar wurde ebenso gestrichen in blau (Podium) und weiß (Aufbau). Grete und Agnes Reitz, Christian Jäger, Katharina und Christian Lorenz und G. Nießen putzten die Kirche. Sibilla Roeben und Bärbchen Mülfarth putzen Kupfer, Messing und anderes mehr. Der Beichtstuhl wurde durch Ringe in eiserner Stange verbessert.  Das Harmonium wurde bezgl. der zwei Löcher in der Hinterwand geflickt.
Die Tür des Tabernakels wurde nochmals abgefeilt, es selbst angestrichen und je zwei Haken seitlich an den Wänden angebracht, zum Aufhängen von Fahnen.
Ein Arbeiter schlief im Pastorat, einer im Vorratsraum von Frau von Meer. In Kost waren sie bei Frau von Meer, bei Froitzheim, bei Peter Bergrath und bei Mülfarth. Nun ist die Notkirche sehr schön.

Die Überreste der Altäre und der Kommunionbank wurde zum ortsansässigen Schreiner Josef Herbergs gebracht und dort wieder aufgerichtet.

Die im Turm verbliebene kleine durch Granatbeschuss schwer beschädigte Glocke wird bei Familie Mühlfahrt an der höchsten Stelle im Ort in einem Birnbaum angebracht und versieht dort ihren Dienst.

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