Letzte Kriegsgefangenen kehren zurück

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| Die Aachener Volkzeitung berichtet: |

  • Ein Kriegsgefangener aus Russischer Gefangenschaft kehrt nun zurück (wer?)
  • Im Oktober wurde die Vikarie wieder hergestellt. Dort können zwei Famlien wohnen.
  • Schuppen am Pastorat im Rohbau fertig
  • Dachdeckermeister Moll aus Kiffelberg hat Westseite des Kirchenschiffes mit Schiefer gedeckt

Pfarrer Reiner dokumentiert Schicksal der Kriegsgefangenen in seiner Chronik.

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Die Kriegsgefangenen: Pfarrer Reiners dokumentiert, wann Kriegsgefangen zurückgekehrt sind. Leider ist die  Zählweise nicht ganz nachzuvollziehen.   

März 1946
  1. 93 waren von hier waren während des Krieges Soldat, 19 fielen, 31 sind noch nicht zurück, 12 schickten eine Suchkarte, da sie persönlich noch nicht geschrieben haben. Von 2 oder 3 weiß man indirekt Bescheid.
    Josef Nöthlings geriet in russische Gefangenschaft, aus der er krank vor zweieinhalb Monaten entlassen wurde. Bis heute hat er sich kaum davon erholt.

    Seit Weihnachten hielt ich 3 Novenen vor dem Herz-Jesu-Freitag: Die erste in der Hauptsache um Wiedererlangung der Glocken, die in Hettstett, 3 km von der englischen Zonengrenze in der russischen Zone sind. Ob wir sie Ostern wieder haben? Sehr groß die Beteiligung der Leute daran: 50-90 Kommunikanten. Die zweite Novene für Glocken und Soldaten. Die dritte jetzt mehr für Vermisste. Die Beteiligung ist merklich schwächer geworden. Aber immerhin ist die Zahl der Kommunikanten 40-50 täglich. Heute hielt ich ein Seelenamt für alle 19 gefallenen Hottorfer. Die Beteiligung hätte viel besser sein können. Als Einlage ließ ich von den Mädchen des Singabends (mittwochs bei Mülfarth) singen: „Wo findet die Seele die Heimat, die Ruh?“

  1. Am Freitag, dem letzten Tag der Novene kam Josef Heister zurück, sodass jetzt nur noch 30 zurück sind. Er hatte es in der Küche in amerikanischer Gefangenschaft in Chartres und bei Boulogne gut. Der Nuntius von Frankreich habe sie zu Weihnachten besucht. Auf ihre Klage wegen schlechten Essens sei in acht Tagen Abhilfe geschaffen worden. Er sei nach Rom gefahren. Wie doch der Papst eine überweltliche Macht ist, wie er doch deutschenfreundlich ist. Er erhob auch seine Stimme zugunsten der unschuldigen gefangenen Nazis. Ob dieses Jahr viele heimkehren werden? Als Johann Heister gefangen wurde, ist er über die Heerbahn gekommen, also gut 100 Meter von seinem Haus. So hatte er ein Bild von Hottorf.
  1. Am Freitag kehrte Josef Berden aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft wieder. Vor Kriegsende hatten sie dort sehr gute Verpflegung, sie streikten gar bei schlechter, seit Mai litten sie sehr Hunger. Wie dumm und einfältig diese Rache an uns Unterlegenen, es ist eher eine Saat des Hasses als pädagogisch. Wären sie vornehm geblieben, so hätten sie sehr gute Propaganda um sich gemacht.
  1. Gestern schrieben eine Suchkarte durch das Rote Kreuz, wohl aus der Gegend von Moskau, Johann Schiffer, Hausnummer 12, und Martin Nießen, der erste bei dem Zusammenbruch in Rumänien bei Jassy gefangen, der andere nach der Übergabe Breslaus.
    Nun schrieben noch nicht: Wilhelm Esser, Hausnummer 3, Peter Herbergs, Fr. Althoff, Peter Schiffer, Hausnummer 46, Theodor Nöthlings, Heinrich Krafft, Rainer Hochstein, Wilhelm Schmitz und Peter Bläsen und Wilhelm Lieven.; zudem Peter Heine.
    Außerdem will ich die noch nicht Heimgekehrten aufzählen: Frater Josef Lieven S.V.D. in Siegburg, der in Köln als Sanitäter ist und jeden Sonntag nun in Urlaub kommt, Krieger, Wilhelm; Jülicher, Anton; Schiffer, Peter; Nöthlings, Theodor Ludwig; Moes, Johann; Braun, Alois; Krafft, Gerhard; Krafft, Wilhelm; Schiffer, Heinrich; Berden, Heinrich; Nießen, Martin; Hochstein Heinrich; Schmitz, Johann; Schiffer, Josef; Flesch, Matthias; Berger, Josef; Lieven, Nikolaus.
April 1946
  1. Gestern kehrte Johann Moes heim, der noch soeben Soldat wurde und ein Jahr gefangen war. Nun sind es noch 27.
    Johann Moes ist noch im Februar von der Zuckerfabrik in Ameln weggeholt worden, wurde Soldat und geriet verwundet bei Hackenbroich in amerikanische Gefangenschaft. Als verwundeter hatte er es gut, als Gefangene litten sie Hunger. Seit Juli war er auf einem Flughafen in Hanau beschäftigt. 

  1. Peter Blaesen schrieb aus tschechischer Gefangenschaft 2-;Mal. Er war bei der Feldherrenstandarte und darum wagte es seine Frau nicht, eine Suchkarte abzuschicken. Im Kampf warf er das Band immer weg.

Mai 1946
  1. Gestern Abend kehrte gerade vor der Maiandacht Nikolaus Lieven nach Hause. Er hat es sehr schlecht in amerikanischer Gefangenschaft gehabt und kennt nun Frankreich besser als Deutschland.

Juni 1946
  1. Rainer Krieger schrieb an mich, da er ohne Nachricht (24.2.46) von seinen Eltern ist. Er glaubt Hottorf fast ganz zerstört und seine Eltern nicht zu Haus. Diese Briefe gingen nicht durch die Zensur.

Juli 1946
  1. Anton Jülicher kehrte zur allgemeinen Freude heim. Er war einige Tage im Bodensee im Lazarett.

  1. Willi Krafft kehrte heute aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft heim. Schlechte Behandlung im allgemeinen. Oft weniger Verpflegung als in Dachau. Der Glaube habe bei vielen Schiffbruch erlitten, denn die Amerikaner seien bloß Christen dem Namen nach

November 1946
  1. Noch zwei Gefangene und sieben Vermisste haben wir.
    Josef Lieven ist durchgebrannt und studiert in St. Augustin. Ebenso ist Willi Krafft von Frankreich durchgebrannt. Beide sind schon einige Wochen hier.

Dezember 1946
  1. Josef Schiffer, Sohn von Martin Schiffer, kehrte aus französischer Gefangenschaft dieser Tage heim. Nun bleiben noch zwanzig zurück.

Januar 1947 
  1. Exequien für Anton von Berg, der am 12.4.1945 in Rußland verhungerte.
November 1947 
  1. Noch immer sind elf Gefangene nicht zurück und sechs Vermisste,  also ist auch noch die Kommunionmesse für sie.
Jan 1948
  • Von Franz Althoff kam die Nachricht, dass er gefallen sei. 

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