| Maibaum aus dem Pfarrwald |
Die Gründung des Maivereins erfolgte im April 1945, woran sich die erste Versteigerung der Maifrauen anschloss. Das Maifest mit Umzug dees ersten Königspaares Christian Krafft mit Änne Meyers wurde dann am 1. Mai 1946 gefeiert. Die erste Nachkriegskirmes mit Karusell und Kinderbelustung erfolgte eine Woche später (siehe unten),
Der Verein bestand nicht lange, denn bereits im Jahre 1959 wurde däs letzte Maifest abgehalten.
Weitere bekannt Maikönigspaare sind:
- 1947: Paul Dederichs mit Agnes Schmitz
- ….
- 1959: Dieter Mütz mit Anneliese Berger
Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – 1. Maifest 1946:
April 1946
- Bei Althoff war dieser Tage eine Versammlung zur Gründung einer Maigesellschaft. Ich bin dagegen,
1. sind die Zeiten zu ernst und
2. sind noch 27 Soldaten gefangen.
3. geht es doch bloß ums Tanzen, die Jugend begreift das natürlich nicht.
Sie wirft (wichtig) Mülfarth und mir vor, wir steckten unter einer Decke. Mülfarth wurde vor vollendete Tatsachen gestellt und will sich deswegen beim Bürgermeister und höher beschweren. Wegen dummen Geredes musste eine Frau sich schon bei ihm entschuldigen.
Die Maigesellschaft holte sich den Maibaum im Pfarrwald ohne genügend Grün mitzubringen, am Abend versteigerte sie die Mädchen.
- Heute Danksagungsmesse durch Pfr. A.D. Heinrich Schmitt.
Mit der Maigesellschaft waren Besprechungen, um Grün für die Kirche zu holen.
Mai 1946
- Gestern hatte die Maigesellschaft jedem Mädchen, dass sie sich erkauft hatten, einen Kranz gewunden und … aufgehängt. Meist hatten aber doch Mädchen die Kränze gemacht. … Maikönig ist … Krafft Christian … mit Änne Meyers, der ich es gönne. Prinzessinnen sind Agnes Schulte mit Josef …. Und Käthe Schmitz (Hausnr. 33) mit Toni Bergrath. A. ….
Kaspar Mütz ließ aus dem Ort und aus der Kirche die Bänke holen. Ich veranlasste die Schiffer, sie wiederzuholen, da sonst die Verwunderung oder der Ärger auf die Maigesellschaft falle. Auch sollten sie keinen Jugendlichen an die Kasse setzen. …
Das Hochamt um 8.30 Uhr war stark besucht. Den Burschen erfülle ich den Wunsch und hielt die Maiandacht um 14 Uhr. Ich nahm die Gebetstexte der Marienfeier in …. Sie (die Mädchen) gafften sehr zu den Burschen, die der Andacht wohl alle beiwohnten, um 15.30 Uhr war der Aufzug. Da keine Musik da war, so wirkte er noch trister wie ein Leichenzug, zu dem wenigstens ein Rosenkranz gebetet wird. Ich hatte ihnen den Rat gegeben, über den Hof zu ziehen, da sie mich schriftlich eingeladen hatten.
Im Anschluss war Tanz, bei dem wohl alles vertreten war, auch viele Jugendliche, trotzdem der Leiter Jakob Schiffer es oft bekannt machen ließ, dass ihnen der Zutritt verboten sei. Passkontrollen schafften Ordnung.
- Der Maikönig Christ. Krafft hat trotz Ablehnung des Vorstands der Maigesell-schaft der Maikönigin Änne Meyers den Kranz abgehängt. Der Vorstand hat ihr dann nachts einen neuen aufgehängt. Änne möchte von ihm nichts mehr wis-sen und ging und tanzte mit anderen.
Anmerkungen:
- Tannengrün („Grün“) wurde auch für das Schmücken der (Not-)Kirche für das anstehende Patrozinium (Kirmes) benötigt.
- Pfarrer Reiners wohnte noch auf dem „Hof“ – Gutshof von Meer in der Ortsmitte
- Mehr zum Thema „Tanzen“ siehe Beitrag „Die Nachkriegsjugend und das Tanzen“
Ein Jahr später – im Mai 1947 berichtet auch die Lokalzeitung über die Maitradition im Rheinland:
Quelle:Lokalzeitung
Kirmes mit Karussel und Kinderbelustigung
Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – 1. Kirmes 1946:
Mai 1946
Kirmessonntag.
Leider war es abends kalt zum Festgottesdienst in der Kirche, die so schön mit Tannengrün und Fahnen geschmückt war. In der Notkirche kleidete ich mich mit Pfr. A.D. Schmidt und Pater Martin OFM vom Venusberg in Bonn an; ich trage die Monstranz, Pfr. Schmidt den Kelch mit Hostien, P. Martin die Reliquien des Hl. Georg. Prozessionaliter zogen wir mit meisten Kindern zur Linde. Dort sang uns der Lövenicher Kirchenchor unter Leitung Zimmermanns das Festhochamt. (Leider die falsche Messe). Pater Martin, er an der Duns Sevtusformulierung (?) in Rom beteiligt ist, hielt die Festpredigt recht und schlecht. Zur hl. B. kamen tags vorher nicht viele. Nachher tranken die Sänger bei Althoff je zwei Glas Bier und bekamen einige belegte Brötchen, die vier aus dem Dorf gestiftet hatten. Sie sangen dann nachmittags drei Uhr noch in der Maiandacht zwei Marienlieder mehrstimmiges Tantum ergo.
Ein Karussell wurde von Hasselsweiler durch Traktor von Josef Mülfarth geholt.
Heute der erste Umzug um die zerstörte Kirche. Schöner Gesang und gute Beteiligung. Anschließend Hochamt zu Ehren des Hl. Josef
Das Karussell fand starken Zuspruch. Daneben stand eine Würfelbude. Um 16 Uhr war Kinderbelustigung auf der Wiese von Matthias Mütz. Wie unzeitgemäß. Jetzt, wo andere hungern, sogar Wettläufe von einigen Torten und Klettern nach Würstchen. Ich wollte zuerst nicht hingegangen sein, doch ließ ich mich durch den Ortsbürgermeister abholen. Lehrer Schulte sprach 3-4 Sätze zur Eröffnung. Die Hauptarbeit leistete Jussen, von dem ich das zweite Lob seit neun Monaten hörte. Wettläufe der Kinder auf der Wiese und um die Kirche und den Pützberg. Wettläufe mit Eiern in einem Löffel, Sacklaufen belustigen alle. Die schnellsten Läufer: Heinz Eickmannns, Hubert Mütz, Juliana Lingens und Franziska Jäger bekommen je ein Viertel Kuchen. Das ganze war sehr schön. Plätzchen bekamen am Schluss alle beteiligten Kinder. Leider war als Abschluss wieder Tanz. Das vierte mal in diesem Monat. Verrückt. Leider gingen auch solche hin, von denen ich es nicht erwartet hatte.
Der Karussellbesitzer ist von der Preiskommission zur Anzeige gebracht worden, weil 20 Pfennig für Kinder zu viel wären. Abends nach 18 Uhr und für Erwachsene wohl.