Erste Nachkriegs-Wallfahrt nach Kevelaer

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| Mit 136 Personen auf Ladefläche |

Pfarrer Reiners organisiert die erste Wallfahrt nach Kevelar. Aus Geveldorf fahren 58 und aus Hottorf 78 Pilger auf der mit Bänken ausgestatten Ladefläche eine LKWs mit.

Büssing-Ferntransporter

Aus der Pfarrchronik der Nachkriegsjahre von Pfarrer Reiners – Wallfahrt nach Kevelaer: 

August 1946

  1. Mit Lehrer Schulte fuhr ich nach KevelaerGormanns will uns Ende des Monats nach Kevelaer fahren. 58 meldeten sich deswegen bei Maria Lieven.
    In Kempen bestellte ich Kerzen, Weihrauch, Kohlen und Wichs für das ganze Dekanat. 24 weiße Kerzen (englischer Wachs) brachte ich mit. In Kevelaer bei Bauer (14 Monate waren sie wegen Besatzung nicht im Haus und Geschäft) traf ich den Pfarrer von Baal, die Baaler wollen sich anschließen. Der Baaler Pastor hat zwei Monate die Gegend bis Kofferen seelsorglich betreut (1945: März-Mai).
  1. Gestern war mein 18. Weihejahrestag.
    In Kevelaer gibt es schon einiges zu kaufen. In der Basilika werden die Fenster eingesetzt. Ihre Orgel ist durch Ausländer im Priesterhaus zerstört worden. Sonst ist sie, die Gnaden- und Kerzenkapelle unbeschädigt. Von der Pfarrkirche liegt das Gewölbe am Boden. Der Kreuzgang ist endlich aufgeräumt. In den Geschäften gibt es schon einiges zu kaufen, besonders kleine Schmucksachen, meist gegen Eintausch von Silber.
  1. Heute ruhten sich alle, die … konnte, aus.
    Für die übermorgige Fahrt nach Kevelaer erfolgten Absagen.
  1. Ich beredete Gevelsdorf, mitzufahren. So hatten wir 136 Personen zusammen. Abend vorher geben wir Beichtgelegenheit.
  1. Heute fuhren wir um 6.15 Uhr mit Verspätung los. Von Müntz liehen wir uns Bänke aus (gemeint sind: Sitzbänke für die Ladefläche des Lastwagens). In Grefrath luden wir noch Irmgard Drießen auf. Der Chauffeur Schiffer von Wevelinghoven fuhr den 22 Meter langen Büssing-Ferntransporter sehr vorsichtig.
    Um 9 waren wir da. Am Seitenaltar lasen wir eine stille hl. Messe, dann hörten wir noch Beichte, weil der Kevelaerer Dechant keinen Pater zur Aushilfe bekommen konnte. Viele mussten so bis 11 Uhr nüchtern bleiben.
    In den Wirtschaften gab es schon Mittagessen und in den Läden manches zu kaufen, aber weniger als vor 14 Tagen.
    Um 2 Uhr betete ich den Kreuzweg vor und Pfarrer Düster predigte dort schön über das heutige, zum ersten Mal gefeierte Fest des unbefleckten Herzens Marias.
    1) Reinheit.
    2) große Liebe zu Gott.
    3) Mütterliche Liebe zu uns.
    Messdiener und Kreuz stellten die Gevelsdorfer, und Fähnchen.
    Das Wetter war uns günstig, auch auf der Rückfahrt. Immer hatte es vor uns geregnet. Nur ab Lövenich hatten wir ein wenig geregnet. In Gevelsdorf waren in drei Wirtschaften die Tische gedeckt und Kaffee aufgeschüttet; doch in zweien konnte ich alles bezahlen weil die meisten nicht aussteigen wollten, um den Platz nicht zu verlieren. Fast die ganze Zeit ist unterwegs gebetet und gesungen worden.
    Alle waren befriedigt. 78 Hottorfer und 58 Gevelsdorfer.
    8 Gevelsdorfer fuhren frei mit und 6 Hottorfer. Die anderen bezahlten 7,- RM, wovon der Autobesitzer 6,- RM erhielt. 10,- RM Trinkgeld gab ich dem Chauffeur.
    Die hl. Messe lasen wir in den Anliegen der Pilger. Für die geliehenen Bänke fuhr Frau Schmitz umsonst mit. Den Messdienern gab ich ihr Geld wieder. I
    ch meldete sofort eine zweite Fahrt für nächsten Mittwoch an. 23.8. Der Rektor von Ralshoven erschien, um am Mittwoch mit nach Kevelaer zu fahren. Ca. 25 Personen sollen mitfahren.
  1. Eine große Hoffnung, die ich auf die Fahrt nach Kevelaer setzte, erfüllte sich nicht, das Gegenteil schien eingetreten zu sein. Und doch wird Gott und seine Mutter alles zum Guten lenken.
  1. Zweite Fahrt nach Kevelaer
    Um viertel nach sechs kam das Auto mit 21 Gevelsdorfern und 26 Ralshovener, letztere hatten lange auf ihren Rektor gewartet und waren schließlich ohne ihn abgefahren, in letzter Minute kam er noch an. Von Kofferen waren auch 30 mit dem Pfarr-Rektor Krott dabei und 45 Hottorfer. Ich setzte mich dieses Mal hinten auf den Wagen. Fast die ganze Strecke wurde gebetet und gesungen.
    Der Ralshovener Küster und andere von dort führten sich bis Grefrath nicht gut auf. Auf der Rückfahrt bekam sogar einer vom Kirchenschweizer Ohrfeigen. In Kevelaer waren manche Fußprozessionen (von Lommersum, Meckenheim, Köln) und andere Prozessionen. Ich teilte öfters heilige Kommunion aus. Die Opladener hatten ein feines Hochamt.
    Um 13.15 Uhr wollte ich in der Kerzenkapelle predigen, kam aber wegen Prozessionen erst um 14.15 Uhr dazu. Thema: „Königin des Friedens“. Ich glaube, diese war sehr gut. Den Kreuzweg gingen wir privat.
    Um 16.30 Uhr fuhren wir los, verfuhren uns in Straelen und brauchten so eine Stunde über Leuth, Hinsbeck, Lobberich bis Grefrath. Dort wieder kurze Pause.
    Um 19.30 Uhr fuhren wir von Lövenich über Kofferen nach Hottorf. Einige Bänke waren in die Brüche gegangen. Den Hottorfern hatte es besser gefallen, weil ich die Leitung hatte und für Ordnung sorgte, besonders gegenüber Ralshovenern und gut predigte. Anstoß erregte der Rektor von Ralshoven.

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