Bei den Einsiedlern von Hottorf

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| Früher hatten die Hottorfer es gut |

Die Aachener Volkszeitung beklagt in einem Artikel am 4. Dezemmber 1948 die schlechte Infrastruktur in Hottorf und stellt  am Ende die Frage, wer denn in Hottorf noch wohnen möchte?

 Bei den Einsiedlern von Hottorf
Was es vier Jahre nach Kriegsende im Kreise Jülich noch gibt.

Dort, wo sich der Erkelenzer Höhenzug wie eine Halbinsel in das Jülicher Land schiebt, liegt ein schmuckes Dorf. Die ungefähr 500 Einwohner haben keine Mühen gescheut, die Folgen des Krieges  zu überwinden, doch fühlen sie sich heute noch, vier Jahre nach seiner Beendigung, wie von der Welt abgeschnitten und vergessen. Dabei liegt Hottorf mitten in einem Verkehrsdreieck. Seine Bewohner haben die Auswahl zwischen 13 Bahnhöfen, um aus ihrer verlassenen Ecke herauszukommen. Der weiteste davon ist nicht mehr als 10 km entfernt, die beiden nächsten sind nach einem Marsch von nicht weniger als 7 km zu erreichen. Auf den Landstraßen um Hottorf begegnen uns mehrere kleine Karawanen, denn wer mit Koffer und Taschen reisen will, braucht eine Eskorte von Trägern.

Früher hatten die Hottorfer es gut. Viermal täglich fuhr ein Omnibus von Jülich nach Erkelenz, und zweimal wöchentlich, an den Markttagen, fuhr einer von Titz nach Limich. Beide Linien berührten Hottorf und verbanden den Ort mit den Städten der Umgebung. Hartnäckig kämpfen die Bewohner jetzt schon jahrelang mit den zuständigen Stellen, um wieder an das Verkehrsnetz angeschlossen zu werden und nicht länger zwanggweise isoliert zu sein. Die Post beabsichtigt, wie es heißt, die Kraftostlinie Jülich – Erkelenz wieder einzurichten. Man hofft in Hottorf, daß dies recht bald geschieht, doch fürchtet man, daß die Omnibusse nur von Jülich bis Hottorf fahren, was den für den Ort lebenswichtigen Bedürfnissen in keiner Weise Rechnung trägt, da wichtige Fernverbindungen der Reichsbahn nur in Erkelenz erreicht werden können.

Posthorn statt Telefon?
In Hottorf gibt es mehrere große Güter, eine Krautfabrik, eine  Gewürztrockenanlage von wachsender Bedeutung. Es ist ein Rätsel, wie sie lhren Betrieb in dem von der Außenwelt so vollständig abgeschlossenen Ort aufrechterhalten können. Denn nicht nur an den Vehrkehrsverbindungen fehlt es, in Hottorf gibt es auch kein Telefon. Bürgermeister, Gemeindeverwaltung, Pfarramt, Spar – und Darleherlkasse, überall sind Rückfragen nötig, die mit einem kurzen Anruf erledigt werden könnten.
Doch für jede Kleinigkeit muß ein zeitraubender Brief geschrieben, auf nicht immer ausreichende Klärung bringende
Antwort gewartet werden. 

Der nächste Arzt wohnt in dem 4 km entfernt liegenden Lövenich. Vor nicht allzulanger Zeit wäre ein Kind beinahe an Blinddarmentzündung verstorben und mußte spät abends noch in nächste Krankenhaußsnach Linnich gebracht werden.

Auch bei Bränden kann kaum auf Hilfe von auswärts gerechnet werden. Wenn es brennt ln Hottorf so ist wirklich Not am Mann. Eine Wasserleitung gibt es hier nicht. Es ist das für einen zivilisierten Mernschen unvorstellbar. Zwei öffentliche Pumpen sind im Ort vorhanden und ein Maar, dessen Wasser vom Vieh bevorzugt wird. Doch sol es das Wasser nicht saufen, weil das Gesundheitsamt es verboten hat. Auch das Baden ist in Hottorf ein Problem.

Wer möchte in diesem Ort wohnen?   

Acht Jahre nach Erscheinen dieses Artikels wird Hottorf ans zentrale Wassenetz angeschlossen. Siehe Beitrag „Aufnahme der zentralen Wasserversorgung“ 

 

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