Priester
Primiz von Pater Josef Lieven
1. Juli 1950

| Messgewand als Geschenk |
Am 2. Juli 1950 wird das Primizamt von Pater Josef Lieven gefeiert.
Bericht über die anstehende Primiz und über den Primizianten in der Lokalzeitung:

Der Pater wird von seinem Elternhaus abgeholt und in feierlicher Prozession zur Kirche begleitet. Als Geschenk der Pfarrgemeinde erhält er ein Messgewand.
Die folgenden Bilder stammen aus dem Fotoalbum der Pfarrgemeinde:
Lied- und Gebetheft
zur Primiz Festandacht:
hier
Von den Feierlichkeiten berichten die Zeitungen ausführlich:
Nicht eingeweihte Besucher staunten Samstag in Hottorf. Viele rege Hände säuberten die Straßen, befestigte Fahnen, an Masten, spannten Wimpel über die Straße, wanden Kränze und Girlande an Triumpfbogen, machten aus eine Wald von zweigen ein wunderbares Baumspallier, und schließlich wurden sogar noch zwei Teppiche und ein Läufer aus gefärbten Sägemehl hergestellt. Christliche Symbole waren sinnvoll darin angeordnet. Die Strasse zwischen Kirche und Vikarie , dem Elternhause des primizianten, war besonderders festlich geschmückt. Aber auch die anderen Strassen waren sauber gehalten und viele Fahnen gaben dem Ort eine festliche Note.Selbst der vorige Woche wieder hergestellte Turm hatte vielfachen Fahnenschmuck angelegt und abends leuchtete weithin in die Lande ein wuchtiges, von Scheinwerfern angestrahltes Kreuz.
Kaum waren die letzten Arbeiten am Schmuck beendet, als die Rufe der Glocken das Herannahen des neuen Diener Gottes ansagten. Pfarrer Reiners hatte ihn im Missionshaus Loherhof bei Geilenkirchen abgeholt. Ein Trupp Reiter und viele Jungen auf geschmückten Fahrrädern waren dem hochwürdigen Herrn Pater Josef Lieven bis Kiffelberg bei Gevenich entgegen gekommen. Bei der Kirche in Hottorf erwartete ihn beinahe das ganze Dorf. Im Namen aller begrüßte ihn hier der Ortbürgermeister Max Meyers. Er gab seiner Freude Ausdruck. dasss endlich nach so langer zeit (69 Jahre) wieder ein Sohn des dorfes die Stufen des Altars besteigen dürfe. Nach einigen Dankesworten begab sich der Neupriester zu stiller Anbetung ins Gotteshaus. sodann geleitet man ihn zu seinem Elternhaus. Dort sang der Hottorfer Kirchenchor den Festgesang von Krakamp und das Sanktus aus der Deutschen Messe von Schubert. In seiner Ansprache hob ein Mitglied des Kirchenchores unter anderem hervor, dass nach vielen Schwierigkeiten der von der Drehbank des Schlossserberufes hinweg zum Dienste Gottes Berufene, heute nun am Ziele seiner jahrzehntelanger Wünsche stehe.
Den Höhepunkt brachte am folgende Sonntage das feierliche Erstlingsopfer in der Pfarrirche. Vor Beginn des Hochamtes wurde der Primiziant von der Geistlichkeit, vom Herrn Amtsdirektor Dr. Scholz, Herrn Amtsbürgermeister meyers, von Messdienern und Engelchenund vom Kirchenchor abgeholt. Zwei kleine Mädchen überreichten unter passenden Gedichten Birett mit Myrtenkranz und die Primizkerze.
Zur Verschönerung des seltenen Festes war der Bruder des Primizianten, der Küster und Organist in Hochneukirch tätig ist, mit dem dortigen Kirchenchor (zirka 80 Sänger und Sängerinnen) nach hier gekommen. In seiner Ansprache in der festlich geschmückten Pfarrkirche zog Herr Pfarrer Reiners einen Vergleich zwischen dem Festtagsgedanken – dem besuch Mariens bei Elisabeth – und dem heutigen Tage in Hottorf. Wie damals, so auch heute, ein Freuden- und Gnadentag für beide Teile. Als sinnvolles Geschenk legte dem jungen Missionar eine neue Kasel um. Wie sie ganz den Priester einhüllt, so habe der Hohepriester Jesus Christus den Menschen Josef Lieven in seiner priesterlichen Würde aufgenommen und so solle auch die Liebe und Sorge der Hottorfer den Missionar bei seinem Wirken im fernen Südargentinien einhüllen.ausser der Kasel hatte die Gemeinde schon zur Weihe am 14. September 1949 in St. Augustin bei Siegburg eine vergoldeten Silberkelch geschenkt.
Nun begann das feierliche Levitenamt. Der gemischte Kirchenchor von Hochneukirch sang die vierstimmige Messe “Stella maris” von Griessbacher mit einigen Einlagen. Die eindrucksvolle Festpredigt hiel ein Lehrer des Styler Missionshauses St. Josef in Geilenkirchen, Herr Pater Brüggemann. Nach einletenden Worten zeichnete er den Weg des schossergesellen lieven zum diener Gottes. Er betonte besonders die großen Hindernisse, die sich dem spät Gerufenen entgegenstellten, wie Schwierigkeiten des Lernens, Gefahren der Kriegs- und Gefangenschaftsjahre. Aber bei allen Berufskrisenhörte der Theologe deutlich die Worte des Meisters: “Folge mir nach”. Im zweiten Teil skizzierte der Prediger die Würde des Priesterstums und seine erhabenen Aufgaben – zu weihen, zu segnen, zu predigen, die Sakramente zu spenden, das Hl. Messopfer dazubringen. Atemlose Stille herrschte in dem überfüllten Gotteshause, als der junge Priester zum ersten Male in seiner heimat die Wandlungsworte sprach und seiner Mutter auf dem Chore und seinen Verwandten den Leib Christe reichte. Nachdem er der harrenden Menge den Segen erteilt hatte, wurde er weider zu seinem Elternhaus geleitet.
Den musikalischen Teil der Festandacht, die eigens für diesen Tag zusammengestellt wurde, bestritt der Kirchenchor von Hottorf. Nach dem eucharistischen Segen erteilte der Primiziant lange den anwesenden Gläubigen einzeln den Primizsegen.
Abends versammelte sich die Pfarrgemeinde zu Ehren des jungen Priester zu einer Feierstunde im Saale der Geschwister Mütz. In seiner Begrüßungsrede betonte der Herr Pfarrer Reiners unter anderem, dass die zukünftigen Leistungen des Missionars nicht nur von seinenm guten Willen ind seinem Mühen abhänge, sondern zutiefst und zuletzt von der Gnade Gottes, die ihn wie den Pfarrer von Ars in Frankreich und Pater Lombardi in Italien fruchtbar machen können. Nun folgten abwechslend Lieder – vorgetragen vom Kirchenchor Hochneukirch und vom Kirchenchor Hottorf – und Gedichte der Schulkinder. Besonders tiefen Eindruck machte das längere Gedicht “Christi Kämpfer”, das die ideale Einstellung eines Missionars aufzeigt. Der Ortsbürgermeister nahm Stellung zu dem Vorwurf der Stadt, das Land bringe zu wenig Priester hervor. Leider stimme es, doch sei es nicht gewollt. Der Primiziant sei eine leuchtendes und rufendes Vorbild für die Dorfjugend. Man solle mit ihm, wenn er einmal in Südargentinien sei, die Verbindung aufrecht erhalten und ihn durch Gebet und milde Gaben unterstützen. Hoffentlich gehe in nicht allzulanger zeit ein neuer Priester aus der Dorfmitte hervor.
Herr Lehrer Schulte sagte, dass die Schule es sich zur Ehre anrechne, wenn sie in die Schulchronik eintragen könne, dass einer ihrer Schüler Priester geworden ist. Besonders eindruckvoll war die Afführung des “Feuerrufes” vom Priesterdichter Hugin. Er zeigt wie der Priester Lichtträger im Dunkel der Zeit ist und ruft die Jugend auf, wach zu sein gegenüber aller Schläfrigkeit und Gleichgültigkeit. Herr Pater Lieven sprach, er habe vielfach zu danken, zuerst und zumeist Gott dem Herrn, der ihn in seine Beruf geführt habe, ferner der Heimatgemeinde Hottorf, die ihm einen unvergesllichen Tag bereitet habe. Sie solle auch in Zukunft mit ihm brieflich in Verbindung bleiben, weil er die Heimat auch in seinem neuen Wirkungskreise brauche. Die Feier klang mit dem gemeinsamenLiede aus: Ein Haus voll Glorie schauet.
Der Dreiklang des Empfangs, der kirchlichen Feierstunden und der Saalfeier war einzig schön, dank der Zusammenarbeit aller. Darum richtete der Ortspfarrer zuletzt einen Appell an alle, damit es so bleibe – “seid auch in Zukunft einig, einig, einig”.
Den Ausklang des Festes bildete ein feierliches Levitenamt des Primizianten für alle Verstorbenen der Pfarrgemeinde, inbesonders für die Gefallenen der beiden Weltkriege und für die Vermissten dieses Krieges.
Die Jülicher Volkszeitung berichtet am 3. August 1950 auch von Abschiedfest im Saal Mütz:
Siehe auch:
Pater Josef Lieven ist ein Neffe von Josef Lieven, dem Großvater des Chronisten dieser Webseite, Josef Lieven.
Priesterweihe von Pater Josef Lieven in St. Augustin
24. September 1949

| Steyler Missionare |
Die Priesterweihe von Josef Lieven erfolgt am 24. September 1949 im Missionspriesterhaus in St. Augustin.
Die Primiz in Hottorf findet am 2. Juli 1950 statt.
Fotos von der Priesterweihe und von der späteren Primiz in Hottorf befinden sich im Fotoalbum der Pfarrgemeinde.
Eine Kopie des Fotoalbums des Josef Lieven SVD anlässlich seiner Priesterweihe am 24.9.1949 befindet sich im Stadtarchiv Sankt Augustin unter SGL / Stadtgeschichtliche Sammlung – Literatur, Nr. 1280
Heinrich Gottfried Ignaz Reinckens wird Pfarrer
4. April 1838

Nach dem Tod von Pfr. Schleger wird Heinrich Gottfried Ignaz Reinckens am 4. April 1838 Pfarrer zu Hottorf und übernimmt die wiedererrichtete Pfarrei.
Der Pfarrer und Lokalschulinspektor, Ritter des roten Adlerordens 3. Klasse mit der Schleife feiert in Hottorf Jubiläen:
- am 13. 05.1884 im Alter von 84 Jahren sein 60-jähriges Priesterjubiläum
- am 14.05.1888 sein goldenes Jubiläum als Pfarrer von Hottorf