Müntz

Staatsgehalt für Pfarrer Rosellen

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Im 19. Jahrhundert gab es in Preußen ein festes Staatsgehalt für Pfarrer, da die Kirche und der Staat eng miteinander verbunden waren.

  • Ab 1817 gab es die „Evangelische Kirche in Preußen“, die vom Staat organisiert und finanziert wurde.
  • Auch katholische Priester erhielten ein Staatsgehalt, da Preußen nach den Eroberungen im Rheinland und Westfalen große katholische Gebiete hatte.

So erhielt auch Pfarrer Rosellen ein Staatsgehalt, das der Bürgemeister bewilligt hat:

Wortlaut der Urkunde No. 692 vom 04.06.1892:

Euer Hochwürden benachrichtige ich im Auftrage der königliche Regierung durch Verfügung von 24. Mai cur. II 2293 Ihnen aus Gründen der Billigkeil vom 1. April d. Jahres ab ein Staatsgehalt von 400 Mk, zahlbar vierteljährlich postnumerando bewilligt hat.

Der Bürgermeister von Hottorf
Aretz

 Quelle: Pfarrarchiv Urkundenbuch 1751-1966, Nr. 53

Siehe:

 

Pfarre wieder selbständig

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| Erzbischöfliche Urkunde |

Durch Urkunde vom 16. März 1837 ernennt der Erzbischof von Köln,  Clemens August Droste zu Vischering, Hottorf wieder zur selbstständigen Pfarre.

Die feierliche Erhebung erfolgte jedoch erst am 7. Juni 1837 durch Dechanten Felix Holz aus Lich als Erzbischöflichen Kommissar und durch den Landrat von Bülow aus Jülich als Königlicher Kommissar. Der damalige Chronist berichtet: „Sr. Königliche Majestät hat huldreichst geruht, Hottorf Pfarrrechte zu erteilen

Wortlaut der erzbischöflichen Urkunde: No. 1574

Wir Clemens August, durch Gottes Erbarmung und die Gnade des heiligen Stuhls, Erzbischof von Cöln, desselben hl. Apostolischen Stuhlsgeborner Legat Freiherr Droste zu Vischering, Doctor der Theologie und Ritter des rothen Adler Ordensdritter Klasse Entbieten allen Angehörigen des Erzbisthums Unsern Gruß im Herrn.

Schon Unser in Gott ruhender Herr Amtsvorfahrer, weiland Erzbischof Ferdinand August hochheiligen Andenkens, war, wie Wir mit inniger Teilnahme aus den Uns vorgelegten Verhandlungen ersehen haben, während der Dauer seiner Amtsverwaltung unablässig bemüht gewesen, das so viele Gemeinden der Erzdiözese Köln durch die unter der Fremdherrschaft statt gefundene Supprimierung ihrer Pfarrkirchen betroffene Ungleit vermittelst kräftiger Bewortung bei der oberen Staatsbehörden so viel als möglich zu entern. Seine Bemühungen sind nicht allein durch die seither erfolgte Wiederherstellung von mehreren früher supprimierten Pfarreien mit einem erwünschten Erfolge gekrönt worden,sondern des Königs Majestät haben auch in Berücksichtigung der bereits vor Unserm Amtsantritt vorgetragenen Lokalverhältnisse und in der eben so landesväterlichen als frommen Absicht, die unter der Fremdherrschaft verloren gegangenen Pfarrechte wieder herzustellen, mittelst Allerhöchster Kabinets-Ordre vom 17. März v. J. die Wiederhebung von drei in unserer Erzdiözese gelegenen supprimierten Kirchen zu selbstständigen Sukkursal-Pfarrkirchen, jedoch ohne Staatsgehalt, zu genehmigen geruht. Unter diesen supprimierten Kirchen, welche zufolge der erwähnten Allerhöchsten Kabinets-Ordre zu selbstständig en Sukkursal-Pfarrkirchen wieder erhoben werden sollen, befindet sich auch die Kirche zu Hottorf im Dekanate Jülichs -Wir erheben dernach aus Erzbischöflicher Authorität und Kraft Unseres Oberhirten Amtes die bisherige Nebenkirche zu Hottorf zur selbstständigen Sukkursalpfarrkirche, entbinden die dortige Gemeinde von ihren bisherigen pfarrlichen Verhältnissen zu der Pfarrkirche in Müntz und verleihen obiger Kirche alle jene Privilegien und Gerechtsame, welche einer Sukkursal-Pfarrkirche nach der bestehenden Verfassung zukommen. – Der Pfarrsprengel dieser neuen Sukkursalkirche soll gegenwärtig dieselben Bestandtheile begreifen, welche die supprimierte Pfarre Hottorf unmittelbar vor der bei der letzten unter der französischen Landesverwaltung stattgefundenen Kirchen-Organisation erfolgten Suppression gehabt hat. – Das Einkommen der ohne Staatsgehalt neu errichteten Pfarrstelle zu Hottorf soll aus den Revenuen der ehemaligen dem dortigen Hülfsgeistlichen seither immer belassenen Pfarrdotationsgüter bestehen, deren Reinertrag gegenwärtig im Kataster auf 278 rl. 11 Spr 6 P abgeschätzt ist, wozu um den höheren Orts vorgeschriebenen Normalsatz von 300 r. zu erreichen. Das auf wenigsten 21 rl. 19 Sgr. 6 Pfl. veranschlagte Einkommen an Stolgebühren und aus Stiftungen hinzu gerechnet wird. – Da der jetzige Pfarrer zu Müntz gemäß Benachrichtigung des Landdechanten vom M. d. M. auf alle Entschädigung wegen der Pfarrgüter zu Hottorf, Stolgebühren, Stiftungs-Einkünften und sonstigen Emolumenten von der Kirche zu Hottorf Verzicht geleistet hat, so wird hierdurch ausdrücklich bemerkt, daß seine Nachfolger im Pfarramte zu Müntz, ferner Ansprüche darauf zu erheben, unter keinem Vorwande berechtigt sein sollen. Der jetzt vorhandene Fabrik und Stiftungsfonds bleibt in dem gegenwärtigen Bestande in Besitz der Kirche zu Hottorf, für welche derselbe bisher seinem Zwecke gemäß fortwährend verwendet worden.

Urkundlich Unserer eigenhändigen Unterschrift und beigedrückten Erzbischöflichen Insiegels gegeben Köle am sechszehnten Marz achtzehnhundert sieben und dreißig
Clemens August
Erzbischof von Cöln

Begriffe:

  • Supprimierung“ kommt aus dem Lateinischen supprimere („unterdrücken, zurückhalten“) und bedeutet allgemein Unterdrückung, Abschaffung oder Zurückdrängung.
  • Eine Succursal-Kirche (auch Sukkursalkirche oder Filialkirche genannt) ist eine Kirche, die einer größeren Pfarrei untergeordnet ist. Sie dient als Nebenkirche oder Filiale einer Hauptkirche (Pfarrkirche), insbesondere in ländlichen Gebieten oder weitläufigen Gemeinden. Diese Kirchen haben oft keine eigene Pfarrei oder keinen festen Priester, sondern werden von der Hauptkirche betreut. In der Urkunde ist jedoch von einer Sukursal-Pfarrkirche die Rede, also einer vollwertigen Pfarrei.
  • Ein Pfarrsprengel ist das geografische Gebiet, das einer bestimmten Pfarrgemeinde zugeordnet ist.
  • Dotationsgüter sind Wirtschaftsgüter, die einem Unternehmen oder einer Institution dauerhaft zur Verfügung gestellt werden, meist ohne direkte Gegenleistung. 
  • Die Angabe „21 rl. 19 sgr. 6 pfl.“ bedeutet  21 Reichstaler, 19 Silbergroschen und 6 Pfennige

 Quelle: Pfarrarchiv Urkundenbuch 1751-1966, Nr. 9

Die Eigenständigkeit als Pfarrei dauert fast weitere 190 Jahre an, bis zur Fusion aller Katholischen Linnicher Pfarreien und Kirchengemeinden am 1. Januar 2026.
Siehe Beitrag „Neue Pfarrei und Kirchengemeinde St. Josef

 

Gebiet der Bürgermeisterei Hottorf

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| Im Regierungsbezirk Aachen |

Aus Buch des Regierungsbezirks Aachen „Gebiets-Eintheilung und Verzeichniss der Kreise, Cantons, Bürgermeistereien, Pfarren, Gemeinen, Dörfer und Orte des Regierungs-Bezirks Aachen“ aus dem Jahr 1817  geht die Größe und Bedeutung der Bürgemeisterei Hottorf hervor. Hierzu gehörten die Orte: Bousslar, Breidenben, Erzelbach, Gevelsdorf, Hasselsweiler, Hompesch, Hottorf, Müntz, Raelshoven und  Tetz.

Der Aachener Lehrer, Johann Heinrich Kallenbach; veröffentlicht 1850 einen „Wegweiser für Lehrer, Reisende und Freunde der Heimathkunde“ (siehe auch Quellen), in dem er Hottorf als „reiche  Bürgemeisterei“ bezeichnet. Er beschreibt alle Orte des Regierungsbezirks Aachen mit Zugehörigkeit zu der jeweiligen Bürgemeisterei und beschreibt Entfernungsangaben in „Stunden“, vermutlich zu Fuss.

Daraus sind die folgenden Zitate entnommen:

  • Der Meer- oder Malfinbach, welcher zwischen Titz und Spiel in der Nähe der Meerhöfe, östlich von der Düsseldorfer Heerstraße entspringt, fließt in einem breiten, westlichen Querthale des Jülicher Landrückens, wendet sich bei Tetz nordwärts und ergießt sich unter Körrenzig in die Ruhr. In seinem fruchtbaren Thale und auf dessen Umrandung liegen die Dörfer: Spiel, Titz, Münd, Hottorf, Koffern, Gevenich, Hasselsweiler, Münz, Boslar, Tetz, Glimbach und Körrenzig.
  • Hottorf, (1300) Hutdorf, mit Koffern und Gevenich auf einem halbinselförmigen Zweige des Erkelenzer Landrückens, südwärts des Buchholzwaldes gelegen, 2 Std. von Jülich, 41/2 Ml. von Aachen entfernt, ist ein Kirchdorf und Hauptort der großen und reichen Bürgermeisterei gleichen Namens. Letztere zählt über 4000 Seelen und enthält außer Hottorf die Kirchdörfer Tetz, Münz, Hasselsweiler, Gevelsdorf, Boslar und die Dörfer Hompesch und Ralshoven. Sämmtliche Ortschaften dieser Bürgermeisterei, früher im Herzogthum Jülich gelegen, gehörten unter franz. Herrschaft zum Roerdepartement, Arrondissement Köln, Canton Jülich. Hottorf erhielt 1342 mit Zustimmung des Pfarrers zu Boslar eine Kapelle, welche Carsilius und Adam von Hottorf bauen und weihen ließen. Im 16. Jahrhundert wird sie noch als Kapelle im Amt Boslar aufgeführt; 1630 kam dieselbe an die Deutschordens-Kommende Siersdorf. Wann dieselbe zur Pfarrkirche erhoben worden, ist mir nicht bekannt.
  • Koffern, (1500) Kupfern, ein Dorf in der Bürgermeisterei Körrenzig, ist 2 Stunden von Erkelenz, 8 Stunden von Aachen entfernt. Das Dorf Koffern, im ehemaligen jülichschen Amte Boslar gelegen, besaß im 16. Jahrhundert schon eine Kapelle, welche zu Glimbach gehörte. Hier, wie auch in Körrenzig, Baal, Lövenich, Dovern, Bracheln und Hilfarth, beschäftigen sich viele Leute der ärmern Klasse mit der Fabrikation der Birkenbesen. Heidebesen machen die Bewohner von Arsbeck, Virgeln, Myhl, Ophoven und Steinkirchen, wo die Heide (Erica vulgaris und Erica Tetralix) in großer Menge vorkommt.
  • Gevenich, (1500) Grevenich, mit 830 Einwohnern, durch eine
    Zweigstraße mit Linnich verbunden, ist 2 Stunden vom Kreisorte Erkelenz, 4,08 Meilen von Aachen entfernt und hat eine schöne Lage auf einer Anhöhe am Westrande des Jülich-Erkelenzer Landrückens. Es ist ein Kirchdorf in der Bürgermeisterei Körrenzig, in welchem viel irdenes Geschirr als: Töpfe, Schüsseln, Tiegel, Teller, Kübel, Dachpfannen etc. verfertigt werden. Dieser Pfarrort hatte im 16. Jahrhundert nur eine Kapelle, wovon der Pastor zu Boslar das Patronatrecht besaß. Vor der französischen Occupation gehörte Gevenich zum herzoglich-jülichschen Amte Boslar — An der Straße nach Linnich findet man Dipsacus pilosus und etwas südlicher Centaurea calcitrapa in großer Menge.
  • Hasselsweiler, (1200) Hassilt, (1400 Hasselt, zwischen lachenden Gefilden des Meerbachthales gelegen, 11/2 Stunde von Jülich, 4,63 Meilen von Aachen entfernt. Es ist ein freundliches Kirchdorf in der Bürgermeisterei Hottorf, mit 711 Einwohnern. Das jülicher Dekanatsverzeichniß vom 13. Jahrhundert nennt Hassilt eine Pfarre mit einer Vikarie, bei welcher der Capellarius des Kölner Erzbischofes (1400) das Patronatrecht besaß. Im 16. Jahrhundert wird Hasselsweiler unter den Pfarreien des herzogl. Amtes Jülich mit aufgeführt; damals übten der Herzog von Jülich und „der thumeuster zu Köln“ das Patronatrecht abwechselnd aus.— Gerste und Raps gerathen hier, wie in der ganzen fruchtreichen Umgegend , vorzüglich.
  • Münz, (1200) Munze, (1400) Moentz, im malerischen Thale der Malfin, 1 1/2 Stunde von Jülich, 4,42 Meilen von Aachen entfernt, ist ein langes ansehnliches Kirchdorf in der Bürgermeisterei Hottorf und zählt an 620 Einwohner, worunter viele Israeliten. Münz war bereits im 13. Jahrhundert
    eine Pfarre mit einer Vikarie und gehörte zum ehemaligen Dekanat Jülich. Der Capellarius des Kölner Erzbischofs hatte (1400) das Patronatrecht daselbst. Hier stand ehemals eine fränkische Hofkapelle, zu Staatsarchiven dienend. Im 16. Jahrhundert und später gehörte Münz zum herzoglich-
    jülichschen Amte Boslar. In den Dörfern Münz, Gevelsdorf, Hottorf, Spiel, Rödingen, Steinstraß und Lich, wird starker Frucht- und Oelsamenhandel getrieben.
  • Boslar, (800) Buslare, (1200) Boislair, (1200) Boesseler, (1400) Boyßelair, gleichfalls im Thale der Malfin gelegen, ist 1 1/4 Stunde von Jülich, 4,10 Meilen von Aachen entfernt und hat 410 Einwohner. Es ist ein großes, aber unansehnliches Kirchdorf mit schmutzigen Straßen, gehört zur Bürgermeisterei Hottorf und war ehemals der Hauptort des herzoglich-jülichschen Amtes Boslar. Die Villa Buslare in der Grafschaft Jülich wird schon im Jahre 861 genannt. Im 13. Jahrhundert hatte Boslar bereits eine Pfarrkirche, bei welcher der Herzog von Jülich (1400) das Patronatrecht ausübte. 1340 war Ludewicus de Kintzwilre Pastor zu Boesselar. 1803 am 13, September, wo bei vollen Scheunen 120 Häuser mit Ställen und Scheunen abbrannten, blieben nur 4 Häuser von Boslar verschont.
  • Tetz, (I200) Tetze, 11/4 Stunde vom Kreisorte Jülich, 3,08 Meilen von Aachen entfernt, ist ein kleines, unansehnliches Kirchdorf in der Bürgermeisterei Hottorf, mit alten Häusern, einem herrschaftlichen Schlosse und 417 Einwohnern. Es liegt am Ausgange des fruchtbaren, mit Dörfern übersäeten Thales der Malfin, welche hier in die weitläufige Ruhrniederung eintritt. Tetze wird im Jülicher Dekanatsverzeichnisse vom 13. Jahrhundert als Pfarrvikarie, im 16. Jahrhundert aber als Pfarre im herzoglich-jülichschen Amte Boslar aufgeführt, bei welcher die Herren von Leers, als Inhaber der Herrschaft Tetz, das Patronatrecht besaßen.
  • Glimbach, (1200) Glinbach, (1500) Glymbach, ein Dorf auf dem
    Westrandede des Erkelenzer Landrückeus, dessen malerische Hügel hier jäh in die Ruhrebene versinken. Es ist 2 Stunden von Erkeleuz, 4,18 Meilen von Aachen entfernt, hat meistens alterthümliche, lehmene Häuser und 464 Einwohner. Dieser Ort wird schon im 13. Jahrhundert als Pfarre mit einer Vikarie im Dekanat Jülich aufgeführt. Der Herzog von Jülich besaß (1400) das Patronatrecht bei dieser Kirche, welche damals zum Amte Boslar gehörte. Hier werden irdene Töpfe, Schüsseln, Teller, Näpfe und Dachziegel gebacken, welche in die Nähe und Ferne ausgeführt werden. — In einem Wäldchen zwischen Glimbach, Ruhrig, Baal und Koffern wächst die sehr seltene Meerzwiebel oder blaue Maiblume (Endymion nutans) in großer Menge.
  • Körrenzig oder Cörrenzig, (1000) Corinzich, (1029) Cornyzich, (1200) Corizich, ein großes Kirchdorf und Hauptort einer Bürgermeisterei mit 992 Einwohnern, 2 Stunden v«n Erkelenz, 4,09 Meilen von Aachen, entfernt. Es ist auf dem rechten Ufer des Ruhrflusses gelegen und der Länge nach von der
    Landstraße durchschnitten. Kaiser Konrad II. schenkte (1029) der Abtei Burtscheid Güter zu Cornizich, Altenhof und Will im Jülichgau, in den Grafschaften Gerard’s und Giselberts, womit bis dahin ein gewisser Benelin vom Reiche belehnt gewesen war. Im 13. Jahrh. hatte Körrenzig schon eine Pfarrkirche mit einer Vikarie, welche zum Jülicher Dekanate gehörte; das St. Adalbertsstift zu Aachen besaß das Patronatrecht bei dieser Kirche. Im 16. Jahrhundert und später gehörte Körrenzig zum herzoglich-jülichschen Amte Boslar; unter der Fremdherrschaft aber nebst den in der Bürgermeisterei gelegenen Dörfern Gevenich, Glimbach, Koffern und Ruhrig zum Canton Linnich des Roerdepartements. — Hier werden irdene Küchengeschirre, als Kübel, Näpfe, Töpfe, Teller und Schüsseln von derselben Qualität verfertigt, wie zu Glimbach und Gevenich. Körrenzig und Ruhrig haben Ueberfluß an Heu und Grummet. Letzterer Ort, links von der Linnich-Erkelenzer Landstraße gelegen, ist wenig bevölkert, hat ein gräfliches Haus und in neuester Zeit auch eine eigene Schule erhalten. Das Haus Ruhrig ist der Sitz des Grafen Hompesch, eines alten, ursprünglich kölnischen Rittergeschlechts. Die Hompesch, Humpesch, Humpusch, zuerst Hoingen (d. h. aus Honingen), genannt Humpesch, wurden im J. 1745 in den Grafenstand erhoben. 1166 war Sibodo von Hoingen genannt Humpesch, im Gefolge des Erzbischofs Reinald von Köln. In demselben Jahre verkauft Karl von Hoingen mit Zustimmung seiner Söhne und Töchter seinen Hof zu Honingen (Hünningen unweit Büllingen oder Höngen?) der Abtei St. Mauritz zu Köln. 1275 verkauften Cuno von Mullenark, dessen Halbbruder Reinard, genannt Hoengeu, Selman
    und Cuno von Humpes, Knappen, dem kölnischen Domkapitel ihren Hof zu Oidweiler und ihren Antheil an dem Patronat der Kirche daselbst.

Hasselsweiler und Tetz kommen zur Marie Hottorf

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| Französische Verwaltungsstrukturen |

Die Bürgermeistereien Hasselsweiler und Tetz werden zur Mairie (Bürgermeisterei) Hottorf vereinigt.

Hottorf ist der Hauptort der gleichnamigen ausgedehnten Bürgermeisterei. Letztere zählt über 3500 Seelen und enthält außer Hottorf die Kirchdörfer Tetz, Boslar, Müntz, Hasselsweiler, Gevelsdorf und die Dörfer Ralshoven und Hompesch. Früher war nicht Hottorf, sondern Boslar der leitende Ort dieser Gegend.

Die bevorzugte Stellung, Hauptort einer großen Bürgermeisterei zu sein, hat Hottorf erst unter der Preußischen Regierung nach den Befreiungskriegen erhalten. Das Dorf zählt gegen 500 katholische Einwohner.

Quelle: tbd, Kapitel Bürgermeisterei Hottorf, S. 185

Überfall und Plünderung

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Überfall und Plünderung der Ortschaft durch spanisches Kriegsvolk unter Führung des Obristen Fronßbergs. Häuser und Felder wurden niedergebrannt.

Dazu gehört auch der damalige Horrich Hof in der Ortsmitte.  Meinhard von Horrich gefangen, sein Haus ausgeplündert. 

Quelle: Kriesgschäden, welche das Herzogthum Jülich durch Einlagerungen und Durchzüge spanischer und kurkölnischer Truppen in den Jahren 1568 bis 1589 erlitten hat, Mitgeteilt von W. Grafen von Mirbach, Seiten 279 bis 327, aus Zeitschift des Aachener Geschichtsvereins, Jahr ??, aus Stadtbibliothek Aachen ZVNW 52.136.168

Darin heißt es auf Seite 290: „Des spanischen Obristen Fronßbergs Kriegsvolk hat im Jahr 1580 im Dorff Bosselar, Hompesch, Muntz, Hottorff, Raelshoven, wie dan des Graven von Reulr Volk im Jahr 1579 im Dorff Gevenich Glimbach Schaden gethan … 1820 Thaler.

Es wird auch von weiteren Schäden durch die Spanier in den umliegende Dörfen wie. z. B. Tetz, Gevelsdorf im Januar 1586 oder in Lövenich und Katzem im Oktober 1588 berichtet.

 

Vier adelige Höfe

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| Gutshöfe im Mittelalter |

Nach einem Aufsatze des  Pfarrers Metternich im Jülicher Kreisblatt (1911 Nr. 68) gab es zu Ende des 14. Jahrhunderts drei, bald nacher vier adelige Höfe, die vermutlich sämtlich als Teile eines zersplitterten älteren Rittergutes, des Stammsitzes der Ritter von Hottorf, zu betrachten sind. Was für Umstände die Zersplitterung des Gutes veranlaßten, ist nicht bekannt. Nach 1400 finden wir im Besitz des Hauptteils die von Palant zu Breitenbend. Der heute noch stehende, wohl ins 15. Jahrhundert zurückreichende Turm bewahrt die Erinnerung an eine trutzige, kühne Mannen beherbergende Landfeste, und der Wassertümpel, die „Maar“ ist sicher ein Rest des ehemals die Burg umgebenden Festungsgrabens. Durch Heirat kam das Gut von den Palant an die Freiherren von Brempt und Uettenhoven; letztere gewannen später den ganzen Besitz, deren Wappen sich noch in einer Mauer des Anwesens, das den unerklärlichen Namen „Stift“ führt vorfindet.

Neben der Palantschen Burg hielt die ehemalige Ritterfamilie von Hottorf bzw. ihre Erben, die von Goir, ihren Sitz. Der Keller am Eingange des Dorfes von Müntz her gehörte ihrem Hause. 1448 teilten sie mit einem von Elmpt, bereits 1570 sahen sie sich aber durch Geldnot zum Verkauf ihres Teiles an Heinrich von Merken genötigt; dessen Nachkommen verkauften ebenfalls wieder durch Schulden gezwungen, an den Bürger Cremer in Jülich. Dessen Erben aber mußten die Erwerbung gegen Erstattung ihrer Auslagen abtreten an die Gräfin von Efferen, von der es an von Ulner und zuletzt an von Dalberger kam. Der von Elmptsche Teil kam 1706 zu Hälfte ebenfalls in die Hände eines Jülicher Geldmannes Wilhelm Cremer; die andere Hälfte blieb bis gegen 1800 im Besitze der Erben von Elmpt.

Das vierte Gut zu Hottorf, seit 1837 im Besitze der Familie von Meer, gehörte einste den Rittern zu Müntz. Nach 1400 besaßen es die mit ihnen verwandten von Efferen; 1492 hattes es gemeinschaftlich Johann von Horrich und Ulrich von Bell. Letzterer schied bals aus; die Horrich wurden die alleinigen Inhaber. Der Besitz umfaßte 104 Morgen Ackerland und 10 Gewald Holz. Die Kriegslasten brachten damals manchem Gute den Ruin. Sie wurden auch für das Haus Horrich zu Hottorf der Anfang vom Ende. An den schrecklichen Heimsuchungen, welche von 1566 bis 1591 die spanischen Truppen über das Jülicher Land verhängten wurde Meinhard von Horrich gefangen, sein Haus ausgeplündert. Dadurch kam er Schulden; vorher hat er sich um Mehrung seines Besitzes gemüht und dass zersplitterte Merkelbacher Lehngut zu Hottorf gekauft; 1591 musste er den Herzog um die Erlaubnis bitten, sein Gut mit einer Hypothek zu belasten. Seine Nachfolger gingen zurück. Der letzte war Johann Friedrich. Obgleich seine vier Schwestern ins Kloster gingen und sein einziger Bruder in jungen Tagen starb, konnte er sich nicht mehr halten. Sein Vater hatte ihm große Schulden hinterlassen. Nicht einmal der Fleischjude war bezahlt; die Gebäude waren in Unstand; so verkauft er 1700 den Hof an die Familie Oidtman. Diese brachte das Gut wieder empor, vergrößerte es durch Ankäufe aus dem ehemals Palantschen und Goarschen Ländereien und erwarb zu dem adeligen Besitztum kurz, nachher auch den Adelstitel. Religiöse und hochwertige Gesinnung lebte in dieser Familie; eine Anzahl ihrer Söhne wurde Priester, freigiebig, sorgte sie für die Ausstattung der Hottorfer Kirche, in der ihre Wappenschilder das Andenken an sie lebendig erhalten; auch das Jülicher Armenland im Hotter Felde ist oidtmansche Stiftung. Sie blüht heute als eine hoch angesehene Offiziersfamilie. Bis 1837 blieb das Gut in ihrem Besitz; dann ging es, wie schon oben gesagt, durch Kauf über an von Meer. Was von den Gebäude noch aus der Zeit, der von Horrich erhalten ist, ist unbekannt; in den Kunstdenkmälern des Kreises Jülich werden die beiden Ecktürme an den Ökonomiegebäuden als die einzigen Reste der „ursprünglichen“ Anlage bezeichnet; gegen diese Ansicht erheben sich jedoch Bedenken. Dreimal innerhalb von 100 Jahren hat eine Feuersbrunst Ökonomiegebäude in Trümmer gelegt: das erste Mal 1807 oder 1808 dann 1898 und zuletzt im August 1911.

Überführt man diese textuelle Darstellung in eine Grafik ergeben sich die verschiedenen Linien bzw. Höfe, die in weiteren Beiträgen  auf dieser Webseite und auch in der Darstellung der Familien:

  • Erben „von Elmpt“ der Ritter von Hottorf: Elmpter Hof oder Elmpter Lehen Zweiter Teil (zu „Lehen“ siehe unten)
  • Abtrennung an die von Goir: Goirscher Hof oder Elmpter Lehen Erster Teil
  • Haupteil an die Herren von Palant von Breitenbend: Burg Palant (nicht Bestandteil der Mannkammerhöfe – siehe unten)
  • Thönisgut Hof oder Merkelbacher Lehen – durch Heirat verwandt mit den von Palant, geht später über in das Horrischer Lehen über
  • Ehemaliger Gutshof der Ritter von Müntz, später Horrisch Hof, heute Lübbers
Anklicken für größere Darstellung

Neben der Burg gab es die eingangs erwähnten vier adeligen Höfe. Diese sogenannten „Lehnsgüter“ unterstanden der Mannkammerverwaltung Jülich.

(Die Entstehung der Mannkammer wird in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts gesetzt. Sämtliche Güter im Herzogtum Jülich, mit Ausnahme der „Allodialgüter“ ( Allod ist ein lehnsfreier Grundbesitz, der frei von Abgabepflicht ist.) – zu denen auch die Palantsche Burg gehörte – unterstanden einem Lehnsherren, dem Herzog von Jülich.
Da dieser nicht selbst alle Ritter – oder Bauerngüter verwalten konnte, übergab er diese „Lehen“ zur besseren Bewirtschaftung an edle und verdiente Herren seines Territoriums. Diese „Mannen“ der Lehnsgüter  waren dem Lehnsherrn durch Huld und Eid verpflichtet, mit „Mann und Pferd“ im Heeresfolge zu dienen. Dafür übernahm dann der Herzog den Schutz der Güter vor fremden Truppen. So kam es oft vor, daß Besitzer ihre eigenen Güter dem Herzog als Lehnsgut vermachten, nur um in den Schutz desselben zu gelangen.
Da die wirtschaftlichen Interessen dieser Güter gleich waren, schloßen sie sich zu den „Mannkammerhöfen“ zusammen. Als sich das Herzogtum Jülich immer weiter ausbreitete und viele kleine Ländereien integriert wurden, blieben die Lehnsgüter dieser Ländereien bestehen, wurden aber alle der Mannkammerverwaltung Jülich unterstellt. So behielten sie bis zur Angliederung Jülichs an Frankreich ihre Selbstständigkeit.)

Diese vier Lehnsgüter der Mannkammerverwaltung Jülich,  gelegen in Hottorf waren:
1 . Elmpter Lehen erster Teil
2 . Elmpter Lehen zweiter Teil
3 . Merkelbachlehen
4 . Horricher Lehen

Quelle: Schiffer

Wer sich für  Ahnenforschung interessiert, findet unter dem Menüpunkt Familien weitere Informationen zur Herkunft und den Verwandtschaftsverhältnissen einiger Hottorfer Familien.

Römische Heerstraße

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| Römer waren Namensgeber für Straßenname "Heerbahn" |

Die Region um das heutige Jülich im Rheinland war schon im 1. Jahrhundert n. Chr. ein wichtiger Ort im Römischen Reich. Hier bauten die Römer eine bedeutende Fernstraße – die sogenannte Via Belgica –, die Köln mit Boulogne-sur-Mer an der Kanalküste verband.
Jülich und seine Umgebung sind ein Beispiel für die tiefgreifende römische Prägung des Rheinlands – sichtbar im Straßennetz, im städtischen Leben und in archäologischen Funden bis heute.

Die frühesten Funde reichen bis in die Steinzeit und die Römerzeit zurück; von letzterer wurden Funde von meinem Vater, Heinrich Schiffer, und von mir gemacht (1962). Bei Ausschachtungsarbeiten am Hause Jülicher entdeckten wir zuerst ein paar Scherben. Beim  Weitergraben stießen wir dann auf eine flache Schale und schließlich auf eine gut erhaltene römische Tonflasche, die etwa ins 3. Jh. n. Chr. zurückdatiert werden kann. Durch Zufall waren wir damit auf ein römisches Brandgrab gestoßen. Hierbei handelt es sich um eine vorgeschichtliche Grabart. Der Tote wurde verbrannt und die Asche und die Knochenreste (so genannter Leichenbrand ) in einem Gefäß (Urne) beigesetzt.

Nun erhebt sich die Frage, wie gerade ein römisches Brandgrab an diese Stelle gelangen konnte. Dafür muß ich ein wenig zurückgreifen. Als die Römer in das linksrheinische Germanien einfielen und es besetzten, bauten sie die Verkehrs – und Handelswege (diese reichten zum Teil bis in die Steinzeit zurück) aus militärischen und wirtschaftlichen Gründen aus. Es wurden neue Straßenzüge angelegt, und diese sogenannten Heer- und Handelsstraßen führten alle in die Rheintalstraße, welche die Rheinlager untereinander verband. Es war die kürzeste Verbindung zwischen Italien und Gallien. So gingen alle Straßen des heutigen Kreises unter den Römern von dem römischen Juliacum (Jülich) aus. So war Jülich schon vor 2000 Jahren ein Verkehrskreuz, was es bis heute geblieben ist. Die Straßen gingen in alle Himmelsrichtungen, hatten aber alle ein gemeinsames Ziel. Sie führten in die Römerlager und von dort nach Colonia, damals wie heute das Verkehrskreuz des Westens. Eine dieser Heerstraßen führte in das Neußer Römerlager (Jülich-Kaster-Neuß) . Man konnte jedoch auf zwei Wegen dorthin gelangen. Ein Weg führte über Welldorf, Güsten, Rödingen, Kirchtroisdorf, Neuß. Der andere führte über die Merscher Höhe, östlich Mersch, westlich Sevenich, Hottorf, westlich Hasselsweiler, östlich Gevelsdorf über Titz zum Neußer Lager.

 Da die Römer die Angewohnheit hatten, ihre Toten neben den Heerstraßen zu beerdigen, gerade dort, wo sie gestorben oder im Kampf mit Freund oder Feind gefallen waren, ist durch unseren Fund klar erwiesen, daß eine dieser Heerstraßen am jetzigen südlichen Rand von Hottorf vorbeigegangen ist. Deshalb auch der Name Heerstraße, der bis vor einigen Jahren für die jetzige Stiftsstraße verwendet wurde . Diese gefundene Tonflasche diente , neben einigen anderen Gegenständen, als Beigabe für den Toten auf dem Weg in die Ewigkeit.
So waren denn nachweislich die Römer die ersten, welche die Gegend um Hottorf betreten haben.

Quelle: Schiffer

Die bei H. Schiffer beschriebenen Brandgräber sind auch in Müntz gefunden worden. Dazu berichten die Rurblumen in der Ausgabe 6 vom Jahr 1935 „Brandgräber aus römischer Zeit in Müntz – Ein Fund, der nicht überraschen kann“.

Auch in Gevenich existieren Nachweise aus der Römerzeit. Die Stadt Linnich berichtet auf ihrer Homepage zu Gevenich: „An den zwei Fundstellen in Gevenich, wurden im Fundgut Säulentrümmer aus Sandstein, Scherben von feinem roten Tongeschirr des gehobenen römischen Haushalts entdeckt. Nach datierbaren Keramikfunden ging die Römerzeit im Linnicher Raum im 4. Jahrhundert n. Chr. zu Ende.

Noch offen:

Es bleibt die Frage, welche archäologischen Bodenfunde es überhaupt in Hottorf und Umgebung gab. Die Antwort erwarte ich bei einem Ende 2025 geplanten Termin beim LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland in Bonn. Mag jemand daran teilnehmen? Vorab und unverbindlich hat das LVR alle archäologischen Aktivitäten in und um Hottorf in der Karte zusammengefasst.

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