Geschichte

Die Ortgeschichte von Hottorf, eingebettet im Zeitgeschehen der Region und der Welt

Familie von Meer schenkt erste Orgel

logo-kirche-512x512

Der Wert der gestifteten ersten Orgel wird im Stiftungsbuch mit 2.100 Reichstaler vermerkt. Der Bau der Orgel erfolgt zwischen den Jahren 1848 und 1861. 

Kaufkraft von 2100 Reichstalern im Jahr 1855

  • Ein Arbeiter verdiente ca. 150–300 Reichstaler pro Jahr.
  • Ein Lehrer oder Beamter verdiente ca. 400–800 Reichstaler pro Jahr.
  • Ein Haus in der Stadt kostete 1000–5000 Reichstaler.
  • 1 kg Brot kostete etwa 4 Pfennige (0,04 Reichstaler) → 2100 Reichstaler konnten etwa 52.500 kg Brot kaufen.

Wortlaut der Urkunde vom 02.09.1895:

Contrakt der Familie von Meer und Kirche zu Hottorf

Der Kirchenvorstand von Hottorf einer- und Fräulein Agnes von Meer, Herr Joseph von Meer und dessen Ehefrau Catharina von Meer geborene von Berg andererseits sind übereingekommen wie folgt:

Art. 1. Fräulein Agnes von Meer, Herr Jos. von Meer und dessen Ehefrau Catharina on Berg schenken der Kirche zu Hottorf eine für dieselbe passende Orgel

Art. 2. Dagegen überläßt der Kirchenvorstand den genannten Donatoren und deren unmittebaren Descendenten, d. h. den Kindern aus der Ehe des Herrn Jos. von Meer und Catharina von Berg den sogenannten d. Oidtmannschen Kirchenstuhl  auf Lebensdauer.

Art. 3. Auch überläßt der Kirchenvorstand dem Herrn Joseph von Meer einen Platz auf der Orgelbühne auf Lebensdauer.

Art. 4. Die Art. 2 u. 3 den genannten Familien gliedern erteilte Bewilligung hört auf, sobald die selben ihre Wohnung nach einer andern Pfarre verlegt haben, auch können sie ihr erworbenes Recht nicht auf Andern übertragen.

Art. 5. Für gegenwärtige Übereinkunft, welche in dusebo ausgefertigt ist, ist die oberörtliche Genehmigung zu erbitten.

gez.  Agnes von Meer
gez. Jos. von Meer
gez. Cathar. von Berg.

Der Kirchenvorstand,
gez. Reinckens, Pfr.:              gez. P. J. Breuer,
gez. Joh. Jos. Niessen,          gez.Reiner von Coellen,
gez. Caspar Mütz,                  gez. Peter Breuer:

Die vorstehende Übereinkunft hat durch die gemäß Art. 72 des Decrets vom 30. Do. 1809 nachgesuchte und erhaltene Genehmigung der Hohen geistlichen Behörde vom 17. April 1857 ihre Gültigkeit erlangt.
gez. Reinchens Pfr.
gez  Peter Breuer
gez. Joh. Jos. Niessen

 Quelle: Pfarrarchiv Urkundenbuch 1751-1966, Nr. 15

Wer sich für  Ahnenforschung interessiert, findet unter dem Menüpunkt Familien weitere Informationen zur Herkunft und den Verwandtschaftsverhältnissen einiger Hottorfer Familien – auch der Familie von Meer.

Die Geschwister Agnes und Joseph von Meer ersteigerten 1839 den Gutshof in der Ortsmitte von Hottorf von der Familie von Oidtmann.

 

Bau des Kirchturms

logo-kirche-512x512

Die Kirche erhält den Kirchturm an der Westseite.

Photo ist Teil einer Postkarte aus dem Anfang des 20. Jhd.

 

 

Jakob Offermann – Die Geschichte der Dörfer

Logo Hottorf ohne Schrift

| Bedeutende Bürgermeisterei |

In seinem 1854 erschienen Buch „Geschichte der Städte, Flecken, Dörfer, Burgen u. Klöster in den Kreisen Jülich, Düren, Erkelenz, Geilenkirchen und Heinsberg : nebst statistischen Angaben / nach authentischen Quellen“ fasst Jakob Offermann aus Linnich die Geschichte aus Hottorf zusammen und weist auf dei Bedeutung der Bürgermeisterei hin.

Er erwähnt „Hutorf“ als alte Schreibweise des Ortsnamens.

Um 1854 hat Hottorf 540 Einwohner. In der gesamten Bürgermeisterei wohnen 4.130 Menschen, „worunter 138 Israeliten in den Dörfen Münz, Boslar und Tetz wohnen“. (S. 57, bei Tetz beschrieben) 

Korrektur: Die Brüder Adam und Karsilius gründeten 1340 die Kapelle, nicht wie hier beschrieben die Eheleute Karsilius und Gerta. Diese ware es, die 1420 das Patronatsrecht an Werner Herr von Paland und von Breitenbend übertrugen. 1637, nicht 1630, wurde das Patronatsrecht an die Deutschordenskommende übertragen.

Et Zubbelsdeer zwischen Hottorf und Ralshoven

Logo Hottorf ohne Schrift

| Eine überlieferte Erzählung |

So erzählte Großvater einst seine Begegnung mit dem Zubbelsdeer:

Wir hatten auf Isenkrahe den ganzen Tag schwer gearbeitet und dann bis abends noch einen Namenstag gefeiert. Um 10 Uhr trat ich den Heimweg an. Ich ging damals jeden Samstagabend nach Hause. Ein kalter Novemberwind blies mir ins Gesicht, so dass ich nur mühsam vorwärts kam.

Als ich hinter Ralshoven schon einige Lichter von Hottorf, meinem Heimatorte, sehen konnte, setzte noch ein heftiger Regen ein, so dass mich bald der ganze durchnässte Mantel schwer auf der Schulter drückte. Doch nur weiter, dachte ich, in 10 Minuten bin ich ja zu Hause. Wenn ich nur noch den Danzeberg hinter mir habe, dennoch war es schon immer nicht ganz geheuer, besonders spät am Abend nicht.

Meine Mutter hatte mir schon als kleines Kind angeraten, wenn ich spät abends diesen Weg machen müsste, einen Rosenkranz in der Tasche mitzunehmen, dann könnte mir der Danzeberger „Düvel“ und auch das „Zubbelsdeer“ nichts anhaben.

Ich hatte diesen Rat der Mutter bis jetzt auch immer befolgt, und richtig bis jetzt hatte das Zubbelsdeer mir noch nichts anhaben können. So hatte ich auch an diesem Abend keine Angst, denn ich wusste, in der linken Hosentasche hatte ich einen Rosenkranz, den kleinen, den mit den blauen Körnern. Ich öffnete den Mantel, um ihn mit der linken Hand heraus zu holen. Oh Schreck, der Rosenkranz war weg. Da fiel mir ein, dass er noch in der anderen Hose sei, ich hatte mich ja zur Namenstagsseier umgezogen.

Mittlerweile war ich am Danzeberg angekommen. Es überlief mich kalt bei dem Gedanken, hier ohne Rosenkranz gehen zu müssen. Doch nur den Stock fester in der Hand gepackt und dann mutig weiter. Schon hatte ich den Berg halb hinter mir, da packt mich plötzlich von hinten ein haariger Arm um die Schultern. Ich wollte mich umdrehen und mit dem Stock um mich schlagen, doch die schweren, haarigen Arme pressten sich fest um meinen Körper und um umschlangen meine Arme, so dass jede Gegenwehr ausgeschaltet war.

Langsam und mühsam schleppte ich mich mit dem Zubbelsdeer auf dem Rücken weiter, und ich hoffte, es werde mich freigeben. Doch es umschlang mich immer fester, so dass mir fast der Atem weg ging. Durch plötzliche Springen und durch Hin- und Herenken versuchte ich, den lästigen Gast abzuschütteln, doch alles vergebens. Da kam mir ein guter Gedanke: ich wollte mich ganz vorüberbeugen, dann musste das unheimliche Scheusal vornüber fallen. Gesagt, getan. Ich bückte mich so tief wie möglich, fast mit dem Kopf bis auf die Erde und das Zubbeldsdeer viel. Doch im Fallen ließ es mich nicht los, so fiel ich mit, und da ich meine Hände nicht austrecken konnte, fiel ich mit Brust und Kopf zuerst in den Dreck, mit dem Kopfe gerade auf einen Stein. Mir schwand das Bewusstsein. Als ich mit blutigen Händen und mit einem dumpfen Druck im Kopfe erwacht, konnte ich mich kaum erheben, noch immer hatte der unheimliche Quälgeist nicht von mir gelassen. Da fasste mich eine unbeschreibliche Wut.

Wie wild trete ich mich ein dutzend Mal im Kreis herum, sprang hin und her und schlug dann mit dem Stock wie wild  um mich. Inzwischen hatte ich nämlich die Hände frei bekommen. Nun fühlte ich mich völlig frei, doch nur für ein paar Minuten, da fiel mich das Ungeheuer von neuem an. Zuerst ein Stoß in die Seite, und als ich mit der Hand dorthin griff, hatte es mich vom neuen umschlungen.

Müde und matt, wie ich nun war, ließ sich willenlos alles über mich ergehen und tappte mit der schweren Last weiter durch den aufgeweichten Boden. Deutlich fühlte ich eine haarige Hand um meinen Hals und einen heißen, unregelmäßigen Atem in meinem Nacken. Ab und zu schlug etwas Hartes, wie eine schwere Faust gegen meine Waden. Meine Kraft ging zu Ende, ich wurde müder und müder, der Weg wurde holperig und aufgeweichter, oft trat ich bis an die Knie ins Wasser, ich war vom richtigen Wege abgekommen, stolperte stundenlang durch Feldwege und über Felder, ohne mich auf den rechten Weg zurückzufinden und ohne meine lebendige Last loszuwerden.

Ich war der Verzweiflung nahe, da hört sich auf einmal eine Glocke läuten. Im selben Augenblick ließ das Zubbelsdeer von mir, und ich fühlte mich von der ungeheuren Last befreit. Ich befand mich hinter Ralshoven, war im Dunkeln mit dem Zubbelsdeer um Ralhoven herum geirrt. Glücklich war ich, als ich endlich zu Hause ankam.

aus: Heinrich Tichlers, Sagen des Jülicher Landes, Jülich 1949

Erläuterung:
Isenkrahe:  Gut bei Gevelsdorf
Danzeberg: Anhöhe zwischen Hottorf und Ralshoven, gleichnamige Flurbezeichnung

Im Pfarrarchiv vermerkt eine handschriftliche Notiz auf einer Kopie dieses Geschichte aus dem Buch von Tischler das Jahr 1950.

Nach oben scrollen