1925

Bockwindmühle wird Raub der Flammen

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| Brandstifter wird angeklagt |

Radierung der Windmühle von Hottorf
Dei Windmühle von Hottorf in einer Radierung von Peter Hessling (Foto: H. Schiffer)

Die Hottorfer Mühle konnte dem Schicksal, dem auch einige andere Windmühlen im Kreise Jülich zum Opfer gefallen waren, nicht entweichen. Sie brannte am Dienstagmorgen, dem 6 . August 1925, nieder. In der Brandnacht hatte der Müller Jakob Lieven noch bis gegen 4 Uhr morgens gemahlen, hatte dann, wie nach jedem Mahlgang, die Mühle noch einmal kontrolliert und war ins Bett gegangen. Das Wetter war diesig und Nieselregen war die ganze Nacht hindurch gefallen. Um halb fünf Uhr waren noch einige Hottorfer Bürger von einer Tanzveranstaltung in Hasselsweiler  an der Mühle vorbeigekommen, hatten aber nichts Außergewöhnliches entdeckt. Gegen 5 Uhr morgens stand die Mühle jedoch in Flammen, siebrannte vollkommen nieder. Als das schwere Achsenkreuz in die Tiefe fiel, wurde der Aufschlag noch selbst im Ort gehört.

Die Familie Lieven vermutete Brandstiftung, und führte diesbezüglich auch einen Prozeß gegen den Verdächtigen. Aber man konnte ihm nichts beweisen und so wurde der Mann aus Jülich wegen Mangel an Indizien schließlich freigesprochen.

Die Windmühle wurde nicht mehr aufgebaut. Jetzt wurde nur noch mit der Dampfmaschine gemahlen. Als die Mühle schließlich auch an das elektrische Netz angeschlossen wurde, hatte die Dampfmaschine ausgedient.

Während des zweiten Weltkrieges wurde die Mahltätigkeit weitgehend eingestellt. Mit Ende desselben wurde der Betrieb wieder aufgenommen, da die Mühle keine Zerstörungen zu verzeichnen hatte.

Nach und nach setzten sich aber immer weiter die fabrik-mäßigen Großmühlen durch und die Kleinmühlen hielten der Konkurrenz nicht stand. Als die Konkurrenz zu groß wurde, stellte de r letzte Müller der Hottorfer Mühle, Edmund Dolfen, ein Enkel der  Helene Lieven, den Betrieb Ende der 60ziger Jahre ein. Somit erlosch nach 5 Generationen jeglicher Mahlbetrieb und die Hottorfer Mühle lebt nur noch in der Erinnerung weiter.

Zu der Geschichte der Hottorfer Mühle sei mir noch eine kleine Erzählung gestattet. Wenn der Müller die Flügel in eine bestimmte Stellung brachte, war dies ein Zeichen für die Leute auf den Feldern, nach Hause zu gehen, denn dann nahte ein Gewitter. So hat der Müller manchem Hottorfer die Nässe erspart, denn allen war das Zeichen bekannt. Woher er die Nachricht bezog, daß ein Gewitter naht, ist nicht bekannt. Vielleicht war es der sechste Sinn!

Die Angaben zur Geschichte der Hottorfer Windmühle verdanke ich den auf der Mühle geborenen Geschwistern Lieven, Nikolaus Lieven und Frau Caecilia Mühlfart, geb. Lieven.

Quelle: Schiffer

Die oben erwähnte Stellung der Windmühlenflügel wird im Artikel aus den Rur-Blumen (Nr 18 – 1933) zur Düppelsmühle bei Titz beschrieben:
„Nicht allgemein dürfte es bekannt sein, daß die Stellung der Windmühlenflügel in Ruhezeiten nicht von ungefähr ist. So bieten die Flügel an Sonntagen das Bild eines aufrechtstehenden Kreuzes (+), während an hohen Festtagen wie auch bei Dorffesten die Flügel die Stellung eines liegenden Kreuzes (X) haben. Auf Veranlassung der Feuerversicherungen haben die Flügel die letztere Steilung auch bei Gewittern, um so der Blitzgefahr weniger ausgesetzt zu sein

Dekanat Hasselsweiler entsteht

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| Änderung in kirchlichen Strukturen |

Die Hottorfer Pfarre kommt zum neu errichteten Dekanat Hasselsweiler.

„Das Dekanat gehörte ursprünglich zur Christianität Jülich im Archidiakonat des Kölner Domkapitels. Auch in der Zeit Angliederung des linksrheinischen Gebiets an Frankreich wurden bei der neuen Organisation des ersten Bistums Aachen die Pfarren des heutigen Dekanates Sukkursalen im Kanton Jülich.

Als 1821 die Diözese Aachen aufgehoben, die Erzdiözese Köln wieder errichtet und die alte Einteilung nach Dekanaten wieder eingeführt wurde, kam das Gebiet zum Dekanat Jülich. 1925 wurde es abgetrennt und als Dekanat Hasselsweiler gegründet.“

Aus: Handbuch des Bistums Aachen. Zweite Ausgabe, hg. vom Bischöflichen Generalvikariat Aachen, Aachen 1962, S. 235.

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