1817
Gebiet der Bürgermeisterei Hottorf
1. Januar 1817

| Im Regierungsbezirk Aachen |
Aus Buch des Regierungsbezirks Aachen “Gebiets-Eintheilung und Verzeichniss der Kreise, Cantons, Bürgermeistereien, Pfarren, Gemeinen, Dörfer und Orte des Regierungs-Bezirks Aachen” aus dem Jahr 1817 geht die Größe und Bedeutung der Bürgemeisterei Hottorf hervor. Hierzu gehörten die Orte: Bousslar, Breidenben, Erzelbach, Gevelsdorf, Hasselsweiler, Hompesch, Hottorf, Müntz, Raelshoven und Tetz.
Der Aachener Lehrer, Johann Heinrich Kallenbach; veröffentlicht 1950 einen “Wegweiser für Lehrer, Reisende und Freunde der Heimathkunde” (siehe auch Quellen), in dem er Hottorf als “reiche Bürgemeisterei” bezeichnet. Er beschreibt alle Orte des Regierungsbezirks Aachen mit Zugehörigkeit zu der jeweiligen Bürgemeisterei und beschreibt Entfernungsangaben in “Stunden”, vermutlich zu Fuss.
Daraus sind die folgenden Zitate entnommen:
- Der Meer- oder Malfinbach, welcher zwischen Titz und Spiel in der Nähe der Meerhöfe, östlich von der Düsseldorfer Heerstraße entspringt, fließt in einem breiten, westlichen Querthale des Jülicher Landrückens, wendet sich bei Tetz nordwärts und ergießt sich unter Körrenzig in die Ruhr. In seinem fruchtbaren Thale und auf dessen Umrandung liegen die Dörfer: Spiel, Titz, Münd, Hottorf, Koffern, Gevenich, Hasselsweiler, Münz, Boslar, Tetz, Glimbach und Körrenzig.
- Hottorf, (1300) Hutdorf, mit Koffern und Gevenich auf einem halbinselförmigen Zweige des Erkelenzer Landrückens, südwärts des Buchholzwaldes gelegen, 2 Std. von Jülich, 41/2 Ml. von Aachen entfernt, ist ein Kirchdorf und Hauptort der großen und reichen Bürgermeisterei gleichen Namens. Letztere zählt über 4000 Seelen und enthält außer Hottorf die Kirchdörfer Tetz, Münz, Hasselsweiler, Gevelsdorf, Boslar und die Dörfer Hompesch und Ralshoven. Sämmtliche Ortschaften dieser Bürgermeisterei, früher im Herzogthum Jülich gelegen, gehörten unter franz. Herrschaft zum Roerdepartement, Arrondissement Köln, Canton Jülich. Hottorf erhielt 1342 mit Zustimmung des Pfarrers zu Boslar eine Kapelle, welche Carsilius und Adam von Hottorf bauen und weiheu ließen. Im 16. Jahrhundert wird sie noch als Kapelle im Amt Boslar aufgeführt; 1630 kam dieselbe an die Deutschordens-Kommende Siersdorf. Wann dieselbe zur Pfarrkirche erhoben worden, ist mir nicht bekannt.
- Koffern, (1500) Kupfern, ein Dorf in der Bürgermeisterei Körrenzig, ist 2 Stunden von Erkelenz, 8 Stunden von Aachen entfernt. Das Dorf Koffern, im ehemaligen jülichschen Amte Boslar gelegen, besaß im 16. Jahrhundert schon eine Kapelle, welche zu Glimbach gehörte. Hier, wie auch in Körrenzig, Baal, Lövenich, Dovern, Bracheln und Hilfarth, beschäftigen sich viele Leute der ärmern Klasse mit der Fabrikation der Birkenbesen. Heidebesen machen die Bewohner von Arsbeck, Virgeln, Myhl, Ophoven und Steinkirchen, wo die Heide (Erica vulgaris und Erica Tetralix) in großer Menge vorkommt.
- Gevenich, (1500) Grevenich, mit 830 Einwohnern, durch eine
Zweigstraße mit Linnich verbunden, ist 2 Stunden vom Kreisorte Erkelenz, 4,08 Meilen von Aachen entfernt und hat eine schöne Lage auf einer Anhöhe am Westrande des Jülich-Erkelenzer Landrückens. Es ist ein Kirchdorf in der Bürgermeisterei Körrenzig, in welchem viel irdenes Geschirr als: Töpfe, Schüsseln, Tiegel, Teller, Kübel, Dachpfannen etc. verfertigt werden. Dieser Pfarrort hatte im 16. Jahrhundert nur eine Kapelle, wovon der Pastor zu Boslar das Patronatrecht besaß. Vor der französischen Occupation gehörte Gevenich zum herzoglich-jülichschen Amte Boslar — An der Straße nach Linnich findet man Dipsacus pilosus und etwas südlicher Centaurea calcitrapa in großer Menge. - Hasselsweiler, (1200) Hassilt, (1400 Hasselt, zwischen lachenden Gefilden des Meerbachthales gelegen, 11/2 Stunde von Jülich, 4,63 Meilen von Aachen entfernt. Es ist ein freundliches Kirchdorf in der Bürgermeisterei Hottorf, mit 711 Einwohnern. Das jülicher Dekanatsverzeichniß vom 13. Jahrhundert nennt Hassilt eine Pfarre mit einer Vikarie, bei welcher der Capellarius des Kölner Erzbischofes (1400) das Patronatrecht besaß. Im 16. Jahrhundert wird Hasselsweiler unter den Pfarreien des herzogl. Amtes Jülich mit aufgeführt; damals übten der Herzog von Jülich und „der thumeuster zu Köln“ das Patronatrecht abwechselnd aus.— Gerste und Raps gerathen hier, wie in der ganzen fruchtreichen Umgegend , vorzüglich.
- Münz, (1200) Munze, (1400) Moentz, im malerischen Thale der Malfin, 1 1/2 Stunde von Jülich, 4,42 Meilen von Aachen entfernt, ist ein langes ansehnliches Kirchdorf in der Bürgermeisterei Hottorf und zählt an 620 Einwohner, worunter viele Israeliten. Münz war bereits im 13. Jahrhundert
eine Pfarre mit einer Vikarie und gehörte zum ehemaligen Dekanat Jülich. Der Capellarius des Kölner Erzbischofs hatte (1400) das Patronatrecht daselbst. Hier stand ehemals eine fränkische Hofkapelle, zu Staatsarchiven dienend. Im 16. Jahrhundert und später gehörte Münz zum herzoglich-
jülichschen Amte Boslar. In den Dörfern Münz, Gevelsdorf, Hottorf, Spiel, Rödingen, Steinstraß und Lich, wird starker Frucht- und Oelsamenhandel getrieben. - Boslar, (800) Buslare, (1200) Boislair, (1200) Boesseler, (1400) Boyßelair, gleichfalls im Thale der Malfin gelegen, ist 11/4 Stunde von Jülich, 4,10 Meilen von Aachen entfernt und hat 410 Einwohner. Es ist ein großes, aber unansehnliches Kirchdorf mit schmutzigen Straßen, gehört zur Bürgermeisterei Hottorf und war ehemals der Hauptort des herzoglich-jülichschen Amtes Boslar. Die Villa Buslare in der Grafschaft Jülich wird schon im Jahre 861 genannt. Im 13. Jahrhundert hatte Boslar bereits eine Pfarrkirche, bei welcher der Herzog von Jülich (1400) das Patronatrecht ausübte. 1340 war Ludewicus de Kintzwilre Pastor zu Boesselar. 1803 am 13, September, wo bei vollen Scheunen 120 Häuser mit Ställen und Scheunen abbrannten, blieben nur 4 Häuser von Boslar verschont.
- Tetz, (I200) Tetze, 11/4 Stunde vom Kreisorte Jülich, 3,08 Meilen von Aachen entfernt, ist ein kleines, unansehnliches Kirchdorf in der Bürgermeisterei Hottorf, mit alten Häusern, einem herrschaftlichen Schlosse und 417 Einwohnern. Es liegt am Ausgange des fruchtbaren, mit Dörfern übersäeten Thales der Malfin, welche hier in die weitläufige Ruhrniederung eintritt. Tetze wird im Jülicher Dekanatsverzeichnisse vom 13. Jahrhundert als Pfarrvikarie, im 16. Jahrhundert aber als Pfarre im herzoglich-jülichschen Amte Boslar aufgeführt, bei welcher die Herren von Leers, als Inhaber der Herrschaft Tetz, das Patronatrecht besaßen.
- Glimbach, (1200) Glinbach, (1500) Glymbach, ein Dorf auf dem
Westrandede des Erkelenzer Landrückeus, dessen malerische Hügel hier jäh in die Ruhrebene versinken. Es ist 2 Stunden von Erkeleuz, 4,18 Meilen von Aachen entfernt, hat meistens alterthümliche, lehmene Häuser und 464 Einwohner. Dieser Ort wird schon im 13. Jahrhundert als Pfarre mit einer Vikarie im Dekanat Jülich aufgeführt. Der Herzog von Jülich besaß (1400) das Patronatrecht bei dieser Kirche, welche damals zum Amte Boslar gehörte. Hier werden irdene Töpfe, Schüsseln, Teller, Näpfe und Dachziegel gebacken, welche in die Nähe und Ferne ausgeführt werden. — In einem Wäldchen zwischen Glimbach, Ruhrig, Baal und Koffern wächst die sehr seltene Meerzwiebel oder blaue Maiblume (Endymion nutans) in großer Menge. - Körrenzig oder Cörrenzig, (1000) Corinzich, (1029) Cornyzich, (1200) Corizich, ein großes Kirchdorf und Hauptort einer Bürgermeisterei mit 992 Einwohnern, 2 Stunden v«n Erkelenz, 4,09 Meilen von Aachen, entfernt. Es ist auf dem rechten Ufer des Ruhrflusses gelegen und der Länge nach von der
Landstraße durchschnitten. Kaiser Konrad II. schenkte (1029) der Abtei Burtscheid Güter zu Cornizich, Altenhof und Will im Jülichgau, in den Grafschaften Gerard’s und Giselberts, womit bis dahin ein gewisser Benelin vom Reiche belehnt gewesen war. Im 13. Jahrh. hatte Körrenzig schon eine Pfarrkirche mit einer Vikarie, welche zum Jülicher Dekanate gehörte; das St. Adalbertsstift zu Aachen besaß das Patronatrecht bei dieser Kirche. Im 16. Jahrhundert und später gehörte Körrenzig zum herzoglich-jülichschen Amte Boslar; unter der Fremdherrschaft aber nebst den in der Bürgermeisterei gelegenen Dörfern Gevenich, Glimbach, Koffern und Ruhrig zum Canton Linnich des Roerdepartements. — Hier werden irdene Küchengeschirre, als Kübel, Näpfe, Töpfe, Teller und Schüsseln von derselben Qualität verfertigt, wie zu Glimbach und Gevenich. Körrenzig und Ruhrig haben Ueberfluß an Heu und Grummet. Letzterer Ort, links von der Linnich-Erkelenzer Landstraße gelegen, ist wenig bevölkert, hat ein gräfliches Haus und in neuester Zeit auch eine eigene Schule erhalten. Das Haus Ruhrig ist der Sitz des Grafen Hompesch, eines alten, ursprünglich kölnischen Rittergeschlechts. Die Hompesch, Humpesch, Humpusch, zuerst Hoingen (d. h. aus Honingen), genannt Humpesch, wurden im J. 1745 in den Grafenstand erhoben. 1166 war Sibodo von Hoingen genannt Humpesch, im Gefolge des Erzbischofs Reinald von Köln. In demselben Jahre verkauft Karl von Hoingen mit Zustimmung seiner Söhne und Töchter seinen Hof zu Honingen (Hünningen unweit Büllingen oder Höngen?) der Abtei St. Mauritz zu Köln. 1275 verkauften Cuno von Mullenark, dessen Halbbruder Reinard, genannt Hoengeu, Selman
und Cuno von Humpes, Knappen, dem kölnischen Domkapitel ihren Hof zu Oidweiler und ihren Antheil an dem Patronat der Kirche daselbst.