Kapelle

Gotische Kapelle zerstört

logo-kirche-512x512

| Weitere Urkunden beim Brand in Boslar zerstört |

In der Zeit von Mitte des 16. Jahrhunderts bis zur Mitte des 17. Jahrhunderts wurde die Kirche jedoch zerstört, vielleicht im dreißigjährigen oder im siebenjährigen Krieg (1618-1648 oder 1756-1763).

Damit endet eigentlich “Kirchengeschichte” von Hottorf,  denn alle vorhandenen Urkunden sind bis auf einen Teil bei einem Großfeuer in Boslar (nur vier von 120 Häusern wurden verschont) am 13. September 1803 verbrannt. Da Hottorf nur Filiaort von Boslar war, befanden sich die Urkunden und Niederschriften im Pfarrhaus von Boslar, welches auch ein Raub der Flammen wurde.

Quelle: Schiffer

Die Abfolge der Ereignisse (u.a. die von Oitdtmannschen Stiftungen von Fenstern, Altar und Kommunionbank von 1750 bis 1754  sowie die Schilderungen zu den Auswirkungen des siebenjährigen Kriegs im Rheinland) legt die Vermutungnahe, dass die Zerstörung  im siebenjährigen Krieg – also um 1760, somit Mitte des 18. Jahrhunderts – erfolgte.

 

Baunöte der Kapelle

logo-kirche-512x512

In einer Stiftungsurkunde im Pfarrarchiv (im Kriege verbrannt) vom Jahre 1506 wird von Baunöten der Kapelle gesprochen. Ob in diesen Jahren die Kirche vergrößert wurde und daher die Baunöte auftraten, kann nicht gesagt werden.
Der Patron der Kapelle ist Karsilius von Palant, Herr zu Breitenbend. (Anmerkung des Chronisten: Aufgrund des Datums muss es sich um Carsililius IV handeln) Die von Palant bauten die Kirche jedenfalls aus, denn im Jahre 1610 besaßen die Hottorfer Bürger ein wunderschönes Gotteshaus . Es war der damaligen Kunstrichtung (Gotik) angepaßt. Es hatte ein lang gezogenes Kirchenschiff, hohe Fenster und ein großes Kirchenportal. Der Westturm stand praktisch als selbstständiger Baukörper neben dem Kirchenschiff, welches scheinbar nur angelehnt erschien.
Damals wie heute stand die Kirche am Südrand unseres Dorfes, daß Dorf zog sich dann von der Kirche gesehen in nördlicher Richtung.

Quelle: Schiffer

In der Übersicht über den Inhalt der kleine Archive der Rheinprovinz (siehe auch Quellen) findet sich der Text dieser Urkunde:

1506, Nov. 30 (op sent Andreis dach des hilgen apostelen). Rektor Michel van Linnich und die gemeinen Nachbaim von Hotorp geben mit raede jonker Karsillis van Palant herren zo Breidenbeent, gijffter der capellen zo Hotorp, vier Morgen Artland durch buices noeden an der capeilen dem Itaepyen van Marckelbach und seiner Ehefrau zu Erbpacht. Es siegeln die Schöffen des Hauptgerichts Jülich. — Pergament Original. sehr beschädigt. 1 S.

Vollständige Übersetzung mit Erklärungen:

Rektor Michel van Linnich und die allgemeinen Nachbarn von Hottorf übergeben mit Zustimmung des Junker Carsillis von Palant, Herr auf Breidenbend, dem Stifter der Kapelle zu Hotorf, vier Morgen Land im Artland (vermutlich Ackerland) durch „buices noeden“ (vermutlich: „Buchsnoten“ = Grundstücksgrenzen, oder anderes Flurmaß) an der Kapelle.
Empfänger ist Etienne (?) von Merckelbach und seine Ehefrau, und zwar als Erbpacht (erbliches Nutzungsrecht gegen festgelegtes Entgelt oder Dienstleistung).
Die Schöffen des Hauptgerichts Jülich besiegeln die Urkunde.

Die Familie von Palant war ein typisches Beispiel für den niederen Landadel, der seine Stellung durch kluge Heiraten, kirchliche Patronatsrechte und enge Beziehungen zu Territorialfürsten (z. B. dem Herzog von Jülich) sicherte. 

Beim genannten Karsilius IV von Palant muss es sich um den Urenkel der Werner II handeln, an den im Jahr 1420 das Patronat der Kapelle übertragen worden ist.

Weitere Details auf der Familienseite.

weitere Urkunden erwähnen Hottorf im 15. Jahrhundert

logo-kirche-512x512

| Hoittorp |

Hottorf wird als Hoittorp erwähnt:

  • 1424 – bei der Erbpacht des Wilhelm von Kofferen aus dem Besitz des Werner Herrn zu Paland und zu Breitenbenden (angrenzedes Land, an das der Geistlichen von Hottorf)
  • 1450 – bei der Erbpacht des Rutger, Gemahl der Liese von Glimbach aus dem Besitz des Werner Herrn zu Paland und zu Breitenbenden
  • 1456 – bei der Erbteilung des Werner Herrn zu Paland und zu Breitenbenden mit Hof und Gut zu Hottorf mit Lehnsleuten, Gericht und allem Zubehör einschl. dem Hofland: Am 24.07.1456 machen seine Söhne und Enkel Erbteilung. Es teilen die überlebenden Söhne Reynalt, Karselis, Werner, Diderich und Johan; außerdem die Kinder der verstorbenen Söhne Daem, Johan und Emondt. Die Teilung wurde, wie es scheint, in aller Friedfertigkeit und ohne Hinzuziehung von Dedingsluden vorgenommen, nur zwei Freunde, Diederich von Berchenhusen, Vogt zu Boslar, und Herr Arnolt von Rymmelsberch, Pastor zu Linnich, wohnten ihr als Zeugen bei. (Quelle)

1424
1450

Patronatsrecht an Werner Herr von Palant von Breitenbenden

logo-kirche-512x512

| Letzte Ritter von Hottorf übergeben an Palant zu Breitenbend |

Die ehelosen Karsilius und Greta von Hottorp übertragen im Jahr 1420  ihr Patronatsrecht der Kapelle St. Georg an die mächtigeren Palant zu Breitenbend, der auch später im Besitz der Hottorfer Burg bzw. des Gutshofes gelangt.

Hochdeutsche Fassung der Urkunde:

Wir, Gesilis und Greta, beide aus Hotorp, Bruder und Schwester, die keine ehelichen Kinder haben, Kinder des Ritters Hermann von Hotorp – geben bekannt –
die in Hotorp gelegene Kapelle, die von unseren  alten Vorfahren gestiftet und geschenkt wurde –
haben wir dem ehrbaren und frommen Herrn Werner von Palant, Herrn zu Breidenbend, und seinen Erben übertragen – haben demselben Herrn Werner die vorgenannte Kapelle zu Hotorp als Erbschenkung und damit die Verantwortung und das Recht über diese gestiftete Kapelle übertragen –
Zeugen dieses Vorgangs sind die ehrbaren Herren Reynalt von Palant, Pastor zu Boyselair, Werner van den Driesch und Johan von Hotorp –
ausgestellt im Jahr des Herrn 1420, am Festtag der Kathedra Petri (22. Feb.).

Wir Gesilis ind Greta beyde van hotorp broeder ind suster die wilne elige kinder waen hen hermans van hotorp ritters – Kund – want die Capelle zu hotorp gelegen van unsen alden gestoid getbegaefft – der Eerber vrome her Werner van Palant herre zu Breidenbent ind sine eruen – hain demselven h. Werner vursz – upgetragen – die vurg. erfgifte der vursz Capelle zu hoitdorp
– getzuge – Eerbern heren Reynalt van Palant pastoir zu Boyselair – Werner van den Driesch ind Johan van hotorp
– gegeuen i. d. j. u. h. dusentvyerhundert 
ind zwentzich up sent Peters dach ad cathedr.

Siegel

Quelle: Schiffer

Zu den Personen:

  • Die Geschwister Carsilius II (lateinische Schreibweise von Gesilis) und Greta sind Kinder von Hermann von Hottorf und somit vermutlich Enkel der Stifters der Hottorfer Kapelle Carsilius I
  • Sie sind wahrscheinlich die letzten Herren von Hottorf und regeln das Patronatsrecht der Hottorfer Kapelle.
  • Die Rolle des als Zeugen genannten Johan von Hottorf (ggfs. ein unverheirateter  oder “armer” Onkel von Carsilius und Greta) ist unklar. Er erhält nicht das Patronatrecht und erbt auch nicht den Hottorfer Hof.
  • Denn Werner II Herr von Palant von Breitenbenden (1375 – 1456) erbt nicht nur das Patronatsrecht der Kapelle sondern ihm gehört später auch ist die Hottorfer Burg. Dazu gehören Hof und Gut mit allen Lehnleuten, Gericht und allem Zubehör einschl. Hofland wie aus seinem Testament von 1456 hervorgeht.
  • Als weiter Zeuge fungiert Reinhard von Palant (1400 – 1474) als Pastor von Boslar und Sohn von Werner.
  • Mehr zur Familengeschichte

Weitere Rektoren wurden:

  • 1506 Michael von Linnich,
  • 1533 Gerhard von Wassenberg und
  • 1560 Leonard Merckelbach

Wer sich für  Ahnenforschung interessiert, findet unter dem Menüpunkt Familien weitere Informationen zur Herkunft und den Verwandtschaftsverhältnissen einiger Hottorfer Familien.

 

Kapelle zu Hottorf urkundlich genannt

logo-kirche-512x512

| St. Georg Bruderschaft |

Die Kapelle zu Hottorf  und die Bruderschaft unserer lieben Frau und Hl. Georg wird 1415 auf einer Urkunde im gräflich Mirbachen Archiv genannt (Urkunden #2209 auf Seite 297), in der die Eheleute Winant und Bela zu Gevelsdorf der Kapelle zu Hoytdorp/Hoitdorp eine Erbrente schulden.

Hinweis aus “Die Kunstdenkmäler im Kreis Jülich” :

Urkunde im gräflich Mirbachschen Archiv. — Ann. h. V. N. LV, S. 297 oder teilweise unter diesem Link im Internet veröffentlicht.

Nach oben scrollen