1940
Flurnamen und deren Geschichte
1. Oktober 1940

| Om Acker, Ahl Maar, Danzeberg, usw. |
Im Herbst 1940 erscheint im Westdeutschen Beobachter ein Artikel zur Geschichte von Hottorf. Dort wird inbesondere auf die damaligen Flurbezeichnungen in Hottorf eingegangen und deren Bedeutung hergeleitet.
Die heutigen Flurbezeichnungen kann man auf Online Karten von NRW einsehen.
Hottorf kann auf ein beträchtliches Alter zurückblicken. Ein gewisser Adam von Hottorf baute schon im Jahr 1350 eine Kapelle dort. Die weitere Geschichte Hottorfs lässt sich nur sehr lückenhaft und bruchstückweise verfolgen.
Zunächst bestand hier eine größere Ritterburg, der Stammsitz der Ritter „von Hottorf“. Man nimmt an, dass die ein Überrest des Festungsgrabens ist. Die Freiherren von Palant (die späteren Besitzer von Breitebent bei Linnich) waren die Besitzer dieser Burg. Ihnen folgten die Freiheit von Bremp und die von Bettenhoven.
Um 1400 soll der Besitz in vier Höfe aufgeteilt werden sein. Einer dieser Höfe lag wahrscheinlich gegenüber Erdmanns Keller (in der heutigen Bergstraße). Vor etwa 50 Jahren (also: ca 1890) konnte man dort noch Fundamente sehen. Einer dieser vier Höfe ging im Jahre 1492 in den Besitz der Familie Horrich über, die ihn bis 1700 verwaltete Von 1700 bis 1837 wohnte die Familie Oidtmann dort, dann wurde der Hof von der Familie von Meer übernommen. Dieser Hof ist der einzige, dessen Besitz in einer Hand blieb. Die anderen zersplitterten immer mehr und teilten sich im Laufe der Jahre in kleinere Höfe auf.
Hottorf soll sich von dem 30-jährigen Kriege mehr auf Boslar zu erstreckt haben. Man nimmt an, dass dieser Dorfteil im 30-jährigen Kriege zerstört worden ist. Für diese Annahme sprechen folgende Tatsachen: Die Kirche (früher Kapelle) steht am äußersten Südrand des Dorfes; dagegen war es früher Sitte, dass sie in die Ortsmitte gebaut wurde. Dadurch, dass ein Teil des Dorfes zerstört wurde, kam sie an den Dorfrand. Weiter spricht der zwischen Boslar und Hompesch gebräuchliche Flurname „Am Keller“ dafür. Vielleicht war es ein im 30-jährigen Krieg als Zufluchtsraum dienender Keller mit gut verdecktem und geschützten Eingang, der dann vielleicht erst ein stürze, als man lange Zeit nach jenem Schreckenskriege über den völlig eingeebneten einstigen Dorfteil den Pflug zog. Alte Dorfeinwohner wissen nichts mehr von ihm, doch der Flurname deutet darauf hin, dass der Keller vorhanden gewesen ist. Vielleicht kann der Keller und der zwischen Boslar gefundene Ziegel von einem Einzelgehöft stammen.
Überreste der Kapelle sind wohl die weißgrauen Quadersteine in der Nordwand der jetzigen Kirche. Die Kirche wurde im Jahre 1755, der Turm erst im Jahre 1855 gebaut. Die Glocken sind aus dem Jahren 1653,1763, 1928. Außerhalb Hottorfs liegt die Mühle. Die eigentliche Windmühle, ein großer Holzbau, brannte, als er gerade 100 Jahre alt war, im Jahre 1924 ab. Die eine Riesenfackel leuchtete sie in den dämmrigen Sonntagsmorgen, bis dieses Wahrzeichen Hottorfs mit donnerndem Krachen zusammenstürzte.
Größere Brände entstanden in früheren Jahren in Hottorf sehr häufig. Im Jahre 1752 brannten fünf Häuser nieder, ein Jahr später fielen zwei Häuser dem Feuer zum Opfer, wobei auch zwei Kinder ums Leben kamen. 1831 wurde eine Häuser Partie gegenüber der Kirche, ein Raub der Flammen. Im Hofe von von Meer brach im Jahre 1894 auf Maria Lichtmess und im Jahre 1911 Feuer aus.
Früher tagten die Hottorfer an der Thingbuche, die in der Nähe des Thingbucherhofes (heute: Dingbucher Hof) stand, und vor ungefähr 20 Jahren (also um 1920) einem Sturm zum Opfer fiel. Bei diesen Zusammenkünften wurden die Leute gewählt, die die Anteile an dem Wald verteilten. Im Wald um Hottorf fanden im Jahr 1770 noch Wolfsjagden statt und im Jahre 1769 wurden nicht weniger als fünf Wölfe zur Strecke gebracht.
Nach der Rodung des Waldes wuchs auf diesem Boden, das Getreide, sehr ärmlich, und das Unkraut in erstaunlicher Üppigkeit. Dank der zähen Fleißes der Bauern ist es heute umgekehrt. Das zwischen Hottorf und Koffern gelegene Land ist bedeutend besser, denn dort wurde der Wald viel früher gerodet. Das beste Land liegt jedoch südlich vom Dorf. Es wird seit Menschengedenken als Ackerland benutzt. Schon der Flurname um „Om Acker“ deutet auf die Güte des Landes hin. Früher baute man in Hottorf, den blau blühenden Flachs und den köstlich duftenden Raps an, ebenso Hopfen, Spelt, Buchweizen und Weid (eine Frucht, aus der man Farbstoff gewann). Der Flurname „Am Mühlendreesch“ erinnert uns an die Zeit, wo der Weid noch angebaut wurde. Auf diesem Stück stand eine Mühle, die den Weid verarbeitete. Bis vor wenigen Jahrzehnten (Ende des 19. Jahrhunderts) klapperten in Hottorf die Webstühle noch in großer Zahl, die den angebauten Flachs verwoben.
Der in früheren Jahren viel stärkere Anbau von Roggen und Gerste ist zu Gunsten der Zuckerrüben und des Weizen zurückgegangen. Viele Flurnamen erzählen uns manchen aus der jüngeren und älteren Geschichte. Zunächst die Namen der im Ort selbst: „Der Veerkesmaat“ trägt wohl seinen Namen daher, weil hier in früheren Jahren der Schweinemarkt abgehalten wurde. Die Namen „Pötzberg“ und „Karusellplai“ sind wohl für jeden leicht verständlich. Der Flurname „Am Lichepaat“ (Leichenpfad) hält die Erinnerung fest an einen Pfad, auf dem die Einwohner von Katzem, die früher zur Pfarre Kofferen gehörten, ihren Verstorbenen nach Koffern brachten, damit sie dort beerdigt wurden. Der Name „Ahl Maar“ erinnert an eine Mulde zwischen Ralshoven und der Hottorfer Mühle. Bei sehr starken Regenfällen floss das aus der Maar im Dorf über fließende Wasser durch einen Graben zu dieser Mulde, wo es langsam versankt. Heute ist dieser Graben über Ralshoven und Hasselsweiler weiter, bis die bei Linnich in die Rur münden Malefink weitergeführt. Die „Ahl Maar“ besteht also heute nur noch als Flurname. Der schon in der Nähe der „Ahl Maar“ gebräuchte Flurname „Em Nesselrot“ ist, wenn der schon um 1600 gebräuchliche Familienname „von Nesselrot“ auf diese Rodungsstelle zurückgeht, sehr alt (Nesselrodungsstelle).
Die Namen „Om Acker“, „Am Mühlendreesch“ und „Am Keller“ wurden schon vorher erklärt. Im „Immerötchen“ soll nach Ansicht älterer Leute eine Hexe verbrannt worden sein, die den Namen Irma trug. Daher ist das „Imme“; für „rötche“ fand man keine Erklärung. Der Name scheint jedoch anderen Ursprung zu sein. Es kommt wohl von „immer roden“ (vergleiche Immerath), wozu „Immerötche“ die Verkleinerung bildet.
Die Namen „Am Buchenholzbusch“ und „Am Eichenbusch“ gehen auf den im Jahr 1860 ausgerodeten Buchenholzwald zurück, der sich von Holzweiler bis Rurich zog. Ob der Name „Botterkuhl“ (Buttergrube) auf die Güte des Landes hinweist, oder ob er von der Butterblume kommt, die in erster Zeit nach der Rodung vielleicht reichhaltig in der Mulde gewachsen sein mag, lässt sich heute nicht mehr feststellen. „Grönkuhl“ (grüne Grube) kommt wohl daher, weil hier das Gras üppig wuchs. Die „Krohgrube“ (Krähengrube) muss wohl ein Lieblingsplatz der Krähen gewesen sein. Der Flurname „En der Luh“ erinnert an den früher in der Nähe gelegenen Lohnbusch, an dem eine Sage anknüpft: Ein der Spielleidenschaft verfallener reicher Adliger verlor beim Spiel seinen ganzen Besitz, doch gestattete der glückliche Gewinner ihm noch auf seine Bitte die Ernte der Aussaat. In einem Jahr würde er dann das Land bekommen. Doch der Gewinner wartete vergeblich auf die Nutzung des gewonnenen Landes. Der schlaue Verlierer hatte Buchen gesät.
Die kleine Anhöhe vor Ralshoven trägt den Namen des „Danzeberg“ (Tanzberg). Man erklärt den Namen dahingehend, dass hier einmal der Tanzplatz der Hexen und Feuermänner gewesen ist. Auch spricht man vom „Danzeberger Düfel“ (Teufel).
Quelle: Geschichte des Dorfes Hottorf, Autor unbekannt, Westdeutscher Beobachter : amtliches Organ der NSDAP und sämtlicher Behörden, Ausgabe Jülich, Jahrgang 16 / Nr. 322 im Jahr 1940.
Alle Jülicher Ausgaben des Jahres 1940 sind im Bestand der Universitätsbiliothek Köln
Die im Artikel erwähnte räumliche Ausdehung des Ortes in Richtung Boslar ist allerdings umstritten. Helmut Schiffer widerspricht der Darstellung in seinem Buch von 1977 und verweist auf römische Ziegeleien.
Gerade in diesen Feldern (in Richtung Boslar und Gevenich) kommen auch heute noch vermehrt Ziegel- oder Ziegelreste zum Vorschein, die von römischen Ziegeleien stammen, welche in dem Dreieck Hottorf-Gevenich-Boslar gestanden haben. Da zur Zeit unserer Urväter diese Ziegel bedeutend häufiger und in großer Zahl zu finden waren, nahmen diese an, daß sich Hottorf noch in südlicher Richtung ausgedehnt hätte. (Diese Annahme wurde durch die Tatsache bestärkt, daß sich die Kirche am Südrand des Dorfes und nicht, wie sonst üblich, inmitten des Dorfes befand.) Dieser verschwundene Teil wäre zur Zeit des Dreizigjährigen Krieges entstanden, als sich die Dorfbewohner, aus Furcht vor den kriegerischen Truppen, in den Wald zurückgezogen hätten. Diese Aussagen beruhen aber einzig und allein nur auf der Tatsache, daß unsere Vorfahren in vermehrtem Maße oben genannte Steine fanden und sie sich die Herkunft nicht erklären konnten. Deshalb die Annahme von dem verschwundenen Teil von Hottorf. Heute ist die Herkunft geklärt und als “Römergut” identifiziert.
Die zweite Frage wäre die der Kirche betreffend. Da Adam von Hottorf im Jahre 1340 Ländereien zum Bau einer Kapelle gab, wurde diese auf dem geschenkten Land errichtet. Dieses Land befand sich neben dem Besitztum des Adam von Hottorf und seines Bruders Ritt er Karsilius, welches heute den unerklärlichen Namen “Stift” führt. Wäre dieses Land itgendwo anderes gelegen, hätte die Kirche irgendwo anderes gestanden, vielleicht mitten im Dorf. Bei dem Bau der damaligen Kapelle konnte man sich den Standort nicht aussuchen, sonderen man mußte diese dort bauen, wo sich das geschenkte Land befand. Deshalb liegt die Kirche am südlichen Rand und nicht inmitten des Dorfes, wie es sonst der Fall ist.
Quelle: Schiffer
Gemeinde-Chronik im Jahr 1940
1. Januar 1940

| 101 Wohnhäuser im Jahr 1938 neu nummeriert |
Bürgemeister Schiffer schreibt 1940 in seiner Gemeinde Chronik:
Die Gemeinde Hottorf hat im Jahre 1940 rund 480 Einwohner, die zu 90% Landwirtschaft betreiben. Dagegen hatten wir in den Jahren um 1880 herum ungefähr 400 Einwohner, wovon etwa 15% Samt- und Seidenweberei betrieben. Die Weberei war damals auf der Höhe, so dass die Weber ein sehr gutes Auskommen hatten. Als nun später die Weberei nur noch fabrikmäßig betrieben wurde, und die Weber arbeitslos wurden, begann auch die Landflucht zur Stadt, und daher ergibt sich auch die große Einbuße der Einwohnerzahl. Wir hatten damals in Hottorf 121 nummerierte Wohnhäuser. Als ich im Jahre 1938 die Nummerierung neu vornehmen musste, waren nur noch 101 Wohnhäuser vorhanden, also 16% weniger. Die verschwundenen Häuser wurden meistens vom Nachbar gekauft und abgebrochen oder als Stallung benutzt, weil es meistens alte Lehmhütten waren, die heute keiner mehr bewohnen möchte.
So war damals ein Wohnhaus, wo jetzt Witwe Esser den Pferdestall hat. Als im Jahr 1911 Stallungen und Scheune bei von Meer abbrannten, kauften dieselben das nebenanliegende Wohnhaus um Ihren Hof zu erweitern. Das Besitztum von Hubert Lorenz besteht aus fünf kleinen Wohnhäusern, es ist wohl zu begrüßen, dass in dem engen Raum einmal aufgeräumt wurde.
Der Nebenbau von Mütz war ein Wohnhaus. Auf dem Garten von Witwe Stocken stand ein Wohnhaus mit Scheune und Stallungen. Der kleine Nebenbau von Witwe Nöthlings war ein Wohnhaus Auf dem Platz von Anton Esser Steffens gegenüber standen drei Wohnhäuser. Neben Witwe Dederich auf Koffern zu stand ein Wohnhaus. Hinter dem Hause von Karl Heister stand ein Wohnhaus. Neben dem Hause von Heinrich Görtz Ecke Flurgasse standen zwei Wohnhäuser. In der Flurgasse auf dem Hofe von Rixgens und neben demselben standen je ein Wohnhaus. Neben dem Hause von Wilhelm Schmitz stand ein Wohnhaus mit Stallungen. Neben den Stallungen von Josef Deuser stand ein Wohnhaus mit Stall. Das Haus Deuser gegenüber jetzt Eigentum v. Meer war früher zwei Hauser.
Hiermit sind also 21 Häuser nachgewiesen, die dem Abbruch bzw. dem Umbau verfielen. Dagegen wurde neugebaut: 1 Das Haus von Barbara Honold, dafür wurde das alte Haus abgebrochen, ebenfalls wurde das alte Haus von Geschwister Bergrath abgebrochen und neu gebaut. 3. das Haus von Wilh. Mühlfahrt wurde von Grund auf neu gebaut mit den Stallungen, es war bloß die alte Scheune vorhanden.
Im Jahre 1911 erhielt Hottorf Elektrizität.
Der oben erwähnte Umschwung in der Gemeinde datiert aus den Jahren von 1880 – 1940.
Bürgermeister
Schiffer